Warum du ständigen Juckreiz nicht einfach ertragen solltest

Mit der Schuppenflechte tritt häufig auch ein Juckreiz auf. Doch der Juckreiz kann auch ein Warnsignal für ganz andere Erkrankungen sein. Deshalb sollte der Hautarzt immer davon wissen, damit er die Ursache herausfinden kann.

Eines der nervigsten Symptome bei der Schuppenflechte ist der Juckreiz. Manche haben ihn nur ab und an, andere öfter – und einige ständig, und das auch abseits der Psoriasis-Stellen.

Das Problem: Hartnäckiger Juckreiz muss nicht immer konkret mit der Psoriasis zu tun haben. Er kann ein Warnsignal für verschiedene innere Erkrankungen sein. Deshalb sollte der Juckreiz beim Hautarzt nicht nur mal am Rande mit erwähnt werden, sondern auch mal am Anfang des nächsten Termins stehen. Darauf weist der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) hin.

Wenn die Haut juckt, leiden Schlaf, Konzentration und Leistungsfähigkeit – drei Bereiche des Lebens, die sehr wichtig sind. Dazu kommen Vorurteile, weil sich Betroffene ständig kratzen müssen.

Juckreiz, der länger als sechs Wochen bleibt, wird medizinisch chronischer Pruritus genannt. Forscher können immer besser die Mechanismen dahinter entschlüsseln. Die Bezeichnung Juckreiz allerdings ist für sie zu umgangssprachlich: „Es handelt sich vielmehr um eine Juckempfindung, die durch einen Juck-Reiz ausgelöst wird“, erklärt Professor Elke Weisshaar, Hautärztin an der Pruritus-Ambulanz an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg die Feinheiten. Heute weiß man, dass bei entzündlichen Hauterkrankungen Botenstoffe, die von Haut- und Immunzellen abgegeben werden, die Endigungen bestimmter Nervenfasern in der Haut stimulieren.

Juckreiz kann innere Erkrankungen anzeigen

Ein solcher Botenstoff ist beispielsweise Histamin, das bei der Urtikaria oder bei Allergien aus Mastzellen freigesetzt wird. Außerdem können Signalstoffe, die in entzündeter Haut vermehrt vorkommen, die Nervenfasern sensibilisieren, die dann schon auf geringe Reize reagieren.

Die aktivierten Nervenfasern leiten das Signal an das Gehirn weiter und lösen dort die Sinnesempfindung Jucken sowie einen Kratzreflex aus. Das Kratzen lindert zwar kurzfristig das Jucken, doch es schädigt die Hautbarriere, verstärkt die Entzündung und kann Nervenendigungen in der Haut verletzen. Daraufhin juckt die Haut noch mehr – und alles geht von vorn los.

„Chronischer Pruritus tritt aber nicht nur bei Hauterkrankungen auf“, betont Professor Weisshaar. Die Haut kann so heftig und lang jucken bei:

  • innere Erkrankungen wie Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • chronische Schädigungen von Nervenfasern oder
  • Tumore (in seltenen Fällen!)
  • Eisenmangel
  • bestimmten Medikamenten
  • Problemen an der Wirbelsäule (mit Juckreiz besonders an Rücken oder Armen)

„Auch wenn die Haut außer Kratzspuren keine Krankheitszeichen zeigt, sollte das Jucken unbedingt als Warnsignal ernst genommen werden“, betont Professor Weisshaar.

Zur Abklärung der Ursachen ist erst einmal der Hautarzt die erste Anlaufstelle. Dann können andere Fachärzte hinzuziehen oder auch ein spezialisiertes Zentrum ins Boot geholt werden.

Juckreiz kann sich „einbrennen“

Wenn die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird, bessert sich oft auch das Jucken. Manchmal hat sich der Juckreiz aber auch verselbständigt. Er bleibt dann bestehen – oder es gelingt einfach nicht, die Ursache dingfest zu machen. „Um den Leidensdruck zu lindern, ist daher in der Regel eine direkte Behandlung des Pruritus‘ nötig“, so Professor Weisshaar. Das Ganze nennt sich dann Multimodales Behandlungskonzept – „multi“ eben, weil oft mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Trockene Haut vermeiden: Trockene Haut sollte vermieden und die Hautbarriere durch eine feuchtigkeitsspendende und rückfettende Pflege gestärkt werden. Günstig sind juckreizstillende Inhaltsstoffe wie Harnstoff, Menthol, Lidocain oder Polidocanol.

Trigger herausfinden: Wer feststellt, dass bestimmte „Dinge“ die Haut reizen und das Jucken verschlimmern, sollte auf sie verzichten. Das können kratzige Kleidungstücke aus Wolle sein, heiße Getränke, scharf gewürzte Speisen oder auch Besuche in der Sauna sein.

Äußerliche Medikamente: Ein weiterer Baustein im Pruritus-Management sind Medikamente zur äußerlichen Anwendung. Bei entzündlichen Hautveränderungen können kurzzeitig eingesetzte Kortison-Cremes oder -Salben oder auch Calcineurininhibitoren den Juckreiz lindern. Auch Capsaicin-haltige Zubereitungen können versucht werden.

UV-Therapie oder innerliche Medikamente: In schweren Fällen kann überlegt werden, ob eine Lichttherapie oder innerliche Medikamente eingesetzt werden. Erste Wahl unter den Medikamenten sind Antihistaminika – und zwar die, die nicht müde machen. Aber: Sie helfen nur bei einzelnen Formen des Pruritus‘ wie bei der Urtikaria. Bei anderen Ursachen des Juckreizes verschreibt der Arzt deshalb andere Medikamente, zum Beispiel Antidepressiva, Opioidantagonisten oder Antikonvulsiva. Das hört sich vielleicht drastisch an, soll aber die Weiterleitung der Juckreiz-Erregung im Nervensystem einwirken. Allerdings sind diese Art Medikamente nicht speziell für die Behandlung von chronischem Pruritus zugelassen.

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1 Kommentar

  1. Ja, und,was soll das jetzt?
    Bis jetzt hat mein Juckreiz weder mein Hausarzt noch irgend ein Hautarzt interessiert.
    Das einzige, was man dann zu hören bekommt, ist: Nehmen Sie ein Antihistaminikum.
    Ende der Vorstellung.
    Hören Sie doch einfach auf, Ihren Lesern zu suggerieren, dass Ärzte an Ursachenforschung interessiert wären. Nein, das sind sie nicht. Ursachenforschung kostet zu viel Geld und das macht kein Kassenarzt.
    Meine Erfahrung nach 10 Jahren chronischer Krankheit.

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