Wie Blutegel arbeiten – und was sie dabei machen

Blutegel auf einem Arm

Blutegel scheinen gegen Entzündungen zu helfen. Warum? Wissenschaftler sind der Wirkung auf der Spur. Erst einmal muss geklärt werden, was genau da wirkt.

Die Therapie mit Blutegeln gehört zu den Naturheilverfahren. Sie wurde schon im alten Ägypten angewendet. Bis heute streiten Mediziner, ob die Behandlung nach strengen Anforderungen der Wissenschaft hilft. Es gibt Erfahrungsberichte von Menschen, denen die Blutegel-Therapie geholfen hat. Und es gibt Aufzeichnungen von Medizinern.

Heute wird die Therapie mit Medizinischen Blutegeln von Ärzten, Kliniken und Heilpraktikern angeboten. Sie wenden sie unter anderem bei Thrombosen an, zur Schmerzbehandlung, bei Venen-Problemen – und bei Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises, wozu dann auch die Psoriasis arthritis gehört.

Blutegel saugen und spucken

Das Tier saugt sich an einem warmblütigen Wirt fest, schneidet eine Wunde in die Haut und saugt Blut. Dabei gibt er die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüsen-Zellen in die Wunde ab. Der ganze Vorgang ist dann auch schon das, was wirken soll.

Es wird angenommen, dass zumindest einige Proteine für die positiven Effekte verantwortlich sein könnten. Nur: Die meisten sind bisher unbekannt. Von ein paar kennt man mögliche Wirkungen im Patienten. Von einer Einzigen sind bisher exakte Daten zu wirksamen Konzentrationen bekannt, nämlich vom Thrombin-Inhibitor Hirudin. Der wird in einem Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt.

Greifswalder Zoologen untersuchten in einer Studie, ob während einer Blutegeltherapie mit einem oder mehreren Tieren überhaupt genügend Wirkstoffe aus dem Blutegel-Speichel auf den Patienten übertragen, womit sich ein physiologischer Effekte erklären ließe? Die Greifswalder mussten erst einmal herausfinden, wie viel Speicheldrüsen-Substanz ein Blutegel überhaupt speichern kann und wie viel er dann während des Saugaktes überträgt.

Dazu wurde zunächst die Struktur des Speicheldrüsengewebes des Tieres unter dem Mikroskop untersucht und ein 3D-Modell von Teilen des Egel-Gewebes entwickelt. Danach stand fest: Ein Blutegel hat fast 40.000 Speicheldrüsen-Zellen. Eine Zelle hat ein Volumen von 67.000 µm3 – ein 50-Tausendstel eines Stecknadelkopfes.

Leere Speicheldrüsen nach dem Akt

Am Ende all der Messungen war klar: Ein Egel entleert den Vorrat seiner Speicheldrüsen-Zellen während eines Saugaktes komplett. In die Wunde werden 1,2 mg Protein abgegeben. In das Kreislaufsystem des Patienten gelangen mehr als zwanzig verschiedene Speichelproteine mit Konzentrationen zwischen 3 und 236 pmol/l. Zum Vergleich: Hirudin – der Stoff, der im Blutgerinnungs-Medikament arbeitet – wirkt schon bei einer Konzentration von 1 pmol/l deutlich.

Die Wissenschaftler schließen aus ihren Daten, dass es mindestens 20 weitere Inhaltsstoffe des Blutegel-Speichels gibt, die beim Saugakt in möglicherweise wirksamen Konzentrationen auf den Menschen übertragen werden. Und so werden weitere Forschungsarbeiten genau diese Substanzen identifizieren müssen. Dann kann man wissen, welche Moleküle im Körper des Menschen von den Egel-Speichelproteinen erkannt und in ihrer Funktion verändert werden.

Wirkung auf die Gelenke beobachtet

Lange vorher, im Jahr 2002, hatten Forscher von der Medizinischen Universität Kazan Blutegel an über 100 Patienten gesetzt. Darüber berichteten sie beim Europäischen Kongress der Rheumaforschung in Stockholm. Damals schrieb die Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ darüber (19.6.2002). Bei den meisten Patienten gingen die Gelenk- und Muskelschmerzen demnach deutlich zurück oder verschwanden ganz. Auch konnten viele Patienten nach der Therapie ihre Gelenke wieder leichter bewegen.

Weshalb Blutegel heilend wirken, konnten aber auch die russischen Forscher mit ihrer Studie nicht belegen. Ihre Theorie: Die Substanzen der Blutegel erleichtern den Blutfluss in die kranken Gelenke.

Bildquellen

  • Blutegel auf einem Arm: Sarah Lemke / Uni Greifswald
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Über Claudia Liebram 290 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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