<?xml version="1.0"?>
<rss version="2.0"><channel><title>Artikel: Was Stress, Depression und Co mit Schuppenflechte zu tun haben</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/?d=33</link><description>Artikel: Was Stress, Depression und Co mit Schuppenflechte zu tun haben</description><language>de</language><item><title>Body Positivity und Psoriasis: Zwischen Akzeptanz und Gesundheit</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/body-positivity-und-psoriasis-zwischen-akzeptanz-und-gesundheit-r1334/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_12/body-positivity-schuppenflechte.jpg.f650eecb6023a806393ed8cf7b7aa271.jpg" /></p>
<p>
	Die Body-Positivity-Bewegung hat viele positive Aspekte, wie die Förderung von Selbstakzeptanz und die Bekämpfung von Diskriminierung und Stigmatisierung aufgrund des Körperbildes. Dazu zählt nicht nur Übergewicht, sondern sämtliche Körperformen, -farben oder Behinderungen.
</p>

<p>
	Allerdings gibt es auch Kritikpunkte an der Bewegung unrealistische Erwartungen an den eigenen Körper, die zu zusätzlichem Druck führen, Kommerzialisierung, Ausschluss bestimmter Gruppen, der Fokus auf das Äußere und natürlich Gesundheitsrisiken.
</p>

<p>
	Da stellt sich auch die Frage: Wie ist die Bewegung in Hinblick auf chronisch-entzündliche Hautkrankheiten einzuordnen?
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Wir alle wünschen uns für unsere persönlichen Probleme, Meinungen und Eigenschaften Anerkennung, Wertschätzung und Toleranz von anderen Menschen. Das ist aus mehreren psychologischen, sozialen und evolutionären Gründen wichtig. Anerkennung und Wertschätzung sind tief in unserer Psychologie verwurzelt. Menschen haben das Bedürfnis, gesehen und gehört zu werden.
</p>

<p>
	Dies geht auf das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und Akzeptanz zurück, das in der Maslowschen Bedürfnishierarchie verankert ist. Toleranz wiederum ist die Grundlage für ein friedliches Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft. Gerade in einer Demokratie ist Toleranz ein unverzichtbarer Wert. Ohne sie könnte eine Demokratie nicht funktionieren, da abweichende Meinungen unterdrückt und Minderheiten diskriminiert würden.
</p>

<p>
	Und genau diese Grundbedürfnisse sind das Fundament der Body-Positivity-Bewegung, die vor allem in den sozialen Medien allgegenwärtig ist.
</p>

<p>
	Sie zielte ursprünglich darauf ab, Übergewichtige nicht aufgrund ihres Gewichtes zu diskriminieren und mehr in die Gesellschaft einzubinden. Aber auch sich im eigenen Körper wohlzufühlen, ist Ziel dieser Bewegung.
</p>

<p>
	Lernen, den eigenen Körper zu lieben: Das gilt weiterführend natürlich nicht nur für übergewichtige Personen. Es umfasst sämtliche Körperformen, die Herkunft und somit Hautfarbe eines Menschen, aber auch Behinderungen oder Erkrankungen, die vor allem äußerlich sichtbar sind und somit Stigmatisierung eine Bühne bieten. Soweit, so gut. Was könnte es daran auszusetzen geben?
</p>

<h2>
	Kritik an der Body-Positivity-Bewegung
</h2>

<p>
	Abseits der medizinischen Kritik können die Ziele der Bewegung dazu führen, dass unrealistische Erwartungen an den eigenen Körper gestellt werden. Das kann zu zusätzlichem Druck führen, denn nicht jeder möchte sich in seinem Körper unter den gegebenen Umständen wohlfühlen. Die Kommerzialisierung in Form von Diät- und gewichtsreduzierenden Wellness-Produkten sorgt dafür, dass viele unnötige und überteuerte Produkte den Weg auf den Markt finden und Werbung mit Menschen gemacht wird, die unter ihrem Übergewicht leiden.
</p>

<p>
	Der Fokus der Bewegung liegt klar auf dem Äußeren. Dabei sollte es auf die inneren Werte eines Menschen ankommen.
</p>

<p>
	Auch medizinisch gesehen sind die unerwünschten Begleiterkrankungen, die mit Übergewicht einhergehen, problematisch. Aus dermatologischer Sicht führt die Bewegung zur Verharmlosung von Hautkrankheiten wie Akne, Psoriasis oder Ekzemen. Indem alle Hautzustände als normal und akzeptabel dargestellt werden, könnte die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung oder einer gesunden Hautpflege weniger ernst genommen werden.
</p>

<p>
	Auch psychische Belastungen spielen eine bedeutende Rolle: Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten könnten sich unter Druck gesetzt fühlen, ihre Hautprobleme zu akzeptieren und zu lieben, obwohl sie möglicherweise unter erheblichen psychischen Belastungen leiden. Das führt zu einem inneren Konflikt, da sie einerseits die Botschaft der Selbstakzeptanz annehmen sollen, andererseits aber mit den realen Herausforderungen ihrer Hautkrankheit kämpfen.
</p>

<p>
	Ein weiterer Nachteil könnte sein, dass die Bewegung nicht ausreichend über die medizinischen Aspekte und Behandlungsmöglichkeiten von Hautkrankheiten aufklärt. Was wiederum dazu führen kann, dass Betroffene nicht die notwendige medizinische Hilfe suchen, sondern versuchen, ihre Hautprobleme allein durch Selbstakzeptanz zu bewältigen.
</p>

<h2>
	Verbindungen von Psoriasis zu Übergewicht
</h2>

<p>
	Psoriasis kann eine Folge von Übergewicht sein, daran besteht schon längst kein Zweifel mehr: Fast 40 Prozent der Menschen mit Psoriasis sind übergewichtig, 37 Prozent davon sogar fettleibig:
</p>

<p>
	Diesen Zusammenhang fassten auch die Forscher um Ulrich Mrowietz <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.19192" rel="external nofollow">in einer Übersichtsarbeit</a> zusammen. Selbst nach Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren bleibt Übergewicht ein unabhängiger Risikofaktor. Besonders alarmierend: Ein Body-Mass-Index (BMI) von über 30 verdoppelt fast das Risiko für Psoriasis.
</p>

<p>
	Aber woher rührt diese Verbindung?
</p>

<p>
	Die zugrunde liegenden Entzündungsprozesse im Fettgewebe, verstärkt durch Übergewicht, erhöhen die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin(IL)-6 und Tumornekrosefaktor (TNF). Zudem zeigt die aktuelle Forschung, dass Übergewicht auch die Zahl entzündungshemmender regulatorischer T-Zellen verringert und proentzündliche T-Zellen fördert.
</p>

<p>
	<a href="https://www.frontiersin.org/journals/immunology/articles/10.3389/fimmu.2024.1328297/full" rel="external nofollow">Eine Genomstudie aus dem Jahr 2024</a> identifizierte gemeinsame genetische Loci und kausale Beziehungen zwischen Adipositas und Psoriasis. Dabei wurde eine positive genetische Korrelation zwischen dem BMI und Psoriasis sowie zwischen dem Taillen-Hüft-Verhältnis und Psoriasis festgestellt.
</p>

<p>
	Übergewichtige Patienten mit Psoriasis zeigen zudem erhöhte Spiegel von Adipokinen. Diese Adipokine tragen zur systemischen Entzündung bei, die sowohl entzündliche Hautkrankheiten als auch eine Adipositas verschlimmern kann. Die Verbindung der beiden Krankheiten ist also bidirektional: Übergewicht kann das Risiko für die Entwicklung von Psoriasis erhöhen und umgekehrt.
</p>

<h2>
	Besondere Behandlung
</h2>

<p>
	Die Behandlung von Psoriasis bei übergewichtigen Menschen erfordert mehr als nur eine gut abgestimmte Systemtherapie.<br>
	Durch das Übergewicht als (Mit-)Auslöser der Erkrankung muss auch dieses angegangen werden, um langfristig Erfolge in der Therapie erzielen zu können. Eine angemessene Ernährungsumstellung ist somit unbedingt erforderlich und sollte ausführlich mit dem Patienten besprochen werden.
</p>

<p>
	Zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung gehört ebenso regelmäßige Bewegung. Abnehmen ändert nichts daran, an Psoriasis erkrankt zu sein, kann aber dazu beitragen, die Schübe oder Auswirkungen zu vermindern. Zudem spricht die Therapie bei Menschen mit Übergewicht oft schlechter an.
</p>

<p>
	Da sich durch Übergewicht außerdem vermehrt Hautfalten bilden, sollten diese besonders gründlich gewaschen und (vorsichtig!) abgetrocknet werden, um einen Feuchtigkeitsstau und Entzündungen zu vermeiden.
</p>

<h2>
	Wohlbefinden allein reicht oft nicht
</h2>

<p>
	Der enge Zusammenhang zwischen Übergewicht und Psoriasis ist ein Beispiel, warum die Body-Positivity-Bewegung aus medizinischer Sicht durchaus kritisch zu sehen ist. Kritiker argumentieren, dass die Bewegung gesundheitliche Risiken verharmlosen könnte. Indem sie alle Körperformen und -größen als gleichwertig und gesund darstellt, könnte sie dazu beitragen, dass Krankheiten wie Psoriasis oder Essstörungen nicht ausreichend thematisiert werden. Oder schlimmer noch: Mit Übergewicht einhergehende Probleme werden verharmlost.
</p>

<p>
	Natürlich sollte sich jeder in seinem Körper wohlfühlen dürfen. Ganz gleich ob dick, dünn, klein, groß, körperlich eingeschränkt oder hautkrank. Aber reine Akzeptanz ist kein universelles Heilmittel und je nach Komorbidität bedarf es unbedingt einer ärztlichen Behandlung.
</p>

<h2>
	Mehr über Body Positivity
</h2>

<h3>
	Woher der Begriff kommt
</h3>

<p>
	Die Ursprünge des Begriffs „Body Positivity" lassen sich bis in die späten 1960er Jahre zurückverfolgen. Die Bewegung entstand als Reaktion auf die gesellschaftlichen Normen und Schönheitsideale, die oft unerreichbar und diskriminierend waren und sind. Ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung der Body-Positivity-Bewegung war die Gründung der National Association to Advance Fat Acceptance (NAAFA) im Jahr 1969. Diese Organisation spielte eine zentrale Rolle bei der Förderung von Akzeptanz und Gleichberechtigung für Menschen aller Körpergrößen. In den folgenden Jahrzehnten gewann die Bewegung zunehmend an Aufmerksamkeit und Einfluss.
</p>

<h3>
	Wie sich der Begriff verbreitete
</h3>

<p>
	Der Begriff „Body Positivity" selbst wurde in den 1990er Jahren populär, als sich die Bewegung weiterentwickelte und ihre Ziele erweiterte. Neben der Bekämpfung von Gewichtsdiskriminierung rückte nun auch die allgemeine Akzeptanz und Wertschätzung aller Körperformen, -größen und -farben in den Fokus. Die Verbreitung sozialer Medien in den 2000er Jahren trug erheblich zur Popularisierung der Body-Positivity-Bewegung bei, indem sie Plattformen für Menschen schuf, um ihre Geschichten zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen und gegen gesellschaftliche Schönheitsnormen zu protestieren.
</p>

<p style="text-align: right;">
	<em>Merle Twesten</em>
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Forschung</strong><span>:</span> <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/ernaehrung/wenn-uebergewichtige-bestimmte-fette-meiden-tun-sie-etwas-gegen-die-entzuendung-r1180/" rel="">Wenn Übergewichtige bestimmte Fette meiden, tun sie etwas gegen die Entzündung</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>

		<h2>
			Für Fortgeschrittene: Weitere Studien zum Thema
		</h2>

		<ol>
			<li>
				Eine Beobachtungsstudie von 147 Psoriasis-Patienten: <a href="https://www.mdpi.com/1648-9144/59/11/2006" rel="external">Übergewicht und Adipositas und wie sie mit Psoriasis zusammenhängen</a> (November 2023)
			</li>
			<li>
				<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.19192" rel="external nofollow">Depression als Begleiterkrankung der Psoriasis</a>, verursacht durch Entzündungen im Stoffwechsel (Mai 2023)
			</li>
			<li>
				<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1568997224000685" rel="external nofollow">Weltweite Zahlen zur Fettleibigkeit bei Patienten mit Psoriasis</a>: Eine Analyse der letzten zwei Jahrzehnte (Juni 2024)
			</li>
		</ol>
	</div>
</div>

<p>
	 
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1334</guid><pubDate>Fri, 20 Dec 2024 05:17:00 +0000</pubDate></item><item><title>Psychodermatologie bei Psoriasis: Hilfe f&#xFC;r Haut und Seele</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychodermatologie-bei-psoriasis-hilfe-fuer-haut-und-seele-r1324/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_10/dermapsychologie-mentalhealth.jpg.dd3b18f7da66d8851df78314c5189b69.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Der 10. Oktober ist der „Welttag der seelischen Gesundheit“. Experten aus dem Bereich der Psychodermatologie haben den Tag zum Anlass genommen, auf ihr Fachgebiet und den Zusammenhang von Hauterkrankungen und Psyche aufmerksam zu machen.</strong>
</p>

<p>
	Menschen mit Psoriasis kennen die Herausforderungen Ihrer Erkrankung nur zu gut: Die schuppenden Stellen, der Juckreiz und die oft sichtbaren Hautveränderungen belasten nicht nur körperlich, sondern <strong>können auch seelisch an einem zehren</strong>. Psyche und Ihre Haut können eng miteinander verbunden sein – und genau da setzt die Psychodermatologie an, ein Fachgebiet, das bei der Bewältigung Ihrer Psoriasis helfen kann.
</p>

<p>
	Die Psychodermatologie ist ein Teil der Hautmedizin, der eng mit der Psychosomatik und Psychiatrie zusammenarbeitet. Menschen mit Hauterkrankungen sollen so ganzheitlich behandelt werden. Dabei geht es <strong>nicht nur um die Linderung der Hautprobleme, sondern auch um die Unterstützung der seelischen Gesundheit.</strong>
</p>

<p>
	Warum ist das so wichtig? Studien zeigen, dass <strong>bei 20 bis 40 Prozent der Menschen mit Hauterkrankungen wie Psoriasis auch psychische Probleme</strong> auftreten können. Das können Depressionen oder Ängste sein, aber auch Stress, Erschöpfung oder Schmerzen.
</p>

<p>
	Ein großes Thema bei Psoriasis ist die <strong>Sichtbarkeit der Erkrankung</strong>. Viele Menschen mit Schuppenflechte haben schon erlebt, wie andere Menschen auf Ihre Hautveränderungen reagieren – manchmal leider negativ. Das kann zu Scham und sozialem Rückzug führen. Viele Betroffene fühlen sich ausgegrenzt und stigmatisiert, was die Psyche zusätzlich belastet.
</p>

<p>
	Professorin Eva Peters, Hautärztin und Expertin für Psychodermatologie, erklärt, dass <strong>bei Psoriasis Körper und Seele eng zusammenhängen</strong>. Stress kann beispielsweise direkt Entzündungen in der Haut auslösen und einen Schub verursachen. Umgekehrt können die Hautveränderungen und Entzündungen bei Psoriasis auch zu depressiven Verstimmungen führen.
</p>

<p>
	Die moderne Psychodermatologie nutzt das <strong>biopsychosoziale Krankheitsmodell</strong>. Das bedeutet, dass bei der Psoriasis biologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken. Sie alle beeinflussen, wie Ihre Erkrankung verläuft und wie Sie damit umgehen.
</p>

<p>
	In den letzten Jahren hat sich in der Behandlung der Psoriasis viel getan. Es gibt neue Medikamente, die gut helfen. Aber manchmal reicht das nicht aus. Hier kommt die Psychodermatologie ins Spiel. Sie kann die <strong>Behandlung ergänzen und verbessern</strong>.
</p>

<p>
	Besonders hilfreich können <strong>psychodermatologische Ansätze bei der Bewältigung von Juckreiz</strong> sein – ein häufiges und belastendes Symptom bei Psoriasis. Entspannungsverfahren oder spezielle Schulungen können helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen. In diesen Schulungen werden Techniken geübt, die  im Alltag helfen können. Nur: Diese Schulungen sind nach unserer Erfahrung im Moment nur im Rahmen einer Reha-Maßnahme zu haben.
</p>

<p>
	"Im europäischen Vergleich ist die psychodermatologische Versorgungslage in Deutschland nicht schlecht", sagt Professorin Silke Hofmann, Direktorin des Haut-Uniklinik Wuppertal. "Aber auch hierzulande gibt es Defizite.“ <strong>Spezialisierte klinische Angebote</strong> seien nach wie vor nur vereinzelt vorhanden „Deutschland braucht mehr multidisziplinäre Psychodermatologie-Angebote mit einer angemessenen personellen Ausstattung“, so Hofmann.
</p>

<p>
	Die Experten fordern, dass <strong>Ärzte schon in der Ausbildung mehr über Psychodermatologie lernen</strong>. Je früher psychische Faktoren in die Behandlung Ihrer Psoriasis einbezogen werden, desto besser.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	Zehn Tipps (und ein Bonus-Tipp): Wie finden Psoriasis-Betroffene Hilfe?
</h2>

<p>
	Was heißt das praktisch? Wo findet ein Mensch mit Psoriasis Hilfe, wenn er Unterstützung für die Psyche sucht? Hier fängt es an, knifflig zu werden.
</p>

<h3>
	Tipp 1: den Hautarzt fragen
</h3>

<p>
	Der erste und oft einfachste Weg führt über den behandelnden Dermatologen. Es hilft, offen mit ihm über die Vermutung zu sprechen, dass psychische Faktoren eine Rolle bei Ihrer Hauterkrankung spielen könnten. Viele Hautärzte haben vom Fachgebiet der Psychodermatologie auf Weiterbildungen gehört oder können einen an einen spezialisierten Kollegen überweisen.
</p>

<h3>
	Tipp 2: Fachgesellschaften kontaktieren
</h3>

<p>
	Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat einen Arbeitskreis für Psychosomatische Dermatologie (AkPsychDerm). <a href="https://akpsychderm.com/" rel="external nofollow">Auf dessen Webseite</a> finden sich immerhin schon mal Informationen, aber Kontaktmöglichkeiten zu Experten oder Anlaufadressen für Patienten wären schön.
</p>

<h3>
	Tipp 3: Suchen nach spezialisierten Kliniken
</h3>

<p>
	Einige Universitätskliniken und größere Krankenhäuser haben spezielle psychodermatologische Abteilungen oder Sprechstunden. Es lohnt auch eine Nachfrage in den dermatologischen Abteilungen größerer Kliniken in der Nähe.
</p>

<h3>
	Tipp 4: Patientenorganisationen nutzen
</h3>

<p>
	Der Deutsche Psoriasis-Bund hat recht gute Kontakte zu Fachärzten. Er kann Tipps geben, wo kompetente psychodermatologische Hilfe zu finden ist.
</p>

<h3>
	Tipp 5: Bei der Krankenkasse erkundigen
</h3>

<p>
	Viele Krankenkassen bieten Beratungsservices an und können bei der Suche nach spezialisierten Ärzten helfen – also auch nach Psychodermatologen.
</p>

<h3>
	Tipp 6: beim Berufsverband der Hautärzte suchen
</h3>

<p>
	Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen bietet auf seiner Internetseite <a href="https://dermatologen-suche.de/dermatologensuche" rel="external nofollow">eine Suche nach Hautärzten</a> an. In den Filtern kann man die Suche bei "Behandlungsschwerpunkte" auf "Psychosomatik" eingrenzen.
</p>

<h3>
	Tipp 7: Fachvorträge oder Infoveranstaltungen
</h3>

<p>
	Manchmal bieten Kliniken oder Ärzte Informationsveranstaltungen zu psychodermatologischen Themen an. Diese sind eine gute Gelegenheit, Experten kennenzulernen und sich über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. <a href="https://www.psoriasis-netz.de/events/" rel="">In unserem Veranstaltungskalender</a> finden sich Vorträge und Seminare aller Art.
</p>

<h3>
	Tipp 8: den Hausarzt fragen
</h3>

<p>
	Auch der Hausarzt kann eine gute Anlaufstelle sein. Er kennt oft Spezialisten in verschiedenen Fachbereichen und kann einen an einen geeigneten Psychodermatologen überweisen.
</p>

<h3>
	Tipp 9: Psychosomatische Kliniken kontaktieren
</h3>

<p>
	Einige psychosomatische Kliniken haben Abteilungen oder Ärzte, die sich auf Hauterkrankungen spezialisiert haben. Oder sie kennen andere Kliniken mit dem Schwerpunkt auf psychodermatologische Angebote. Die gute alte <a href="https://www.google.com/search?q=psychosomatische+Klinik+dermatologie" rel="external nofollow">Google-Suche nach Begriffen wie "psychosomatische Klinik dermatologie"</a> könnte ein Anfang sein.
</p>

<h3>
	Tipp 10: Geduldig und hartnäckig sein
</h3>

<p>
	Geduld fällt schwer. Ja, die Suche nach einem passenden Psychodermatologen kann Zeit in Anspruch nehmen. Es <s>wird so</s> kann sein, dass es in der unmittelbaren Umgebung keine Experten gibt. Wer offen dafür ist, auch weiter entfernte Spezialisten aufzusuchen oder Telemedizin-Angebote zu nutzen, kommt unter Umständen schneller ans Ziel.
</p>

<p>
	Aber: Es lohnt sich, den richtigen Experten zu finden, der einem bei einem spezifischen Problemen helfen kann. Die Verbindung von Haut und Psyche ist komplex, und eine ganzheitliche Behandlung kann die Lebensqualität erheblich verbessern. Mit der richtigen Unterstützung können Betroffene lernen, besser mit ihrer Hauterkrankung umzugehen und ihre seelische Gesundheit zu stärken.
</p>

<h3>
	Bonus-Tipp: Bei der "Klariva"-Studie mitmachen
</h3>

<p>
	Bei dem <a href="https://klariva-studie.de/" rel="external nofollow">Online-Programm "Klariva"</a> geht es um einen psychologischen Ansatz, mit der Psoriasis seinen Frieden zu schließen und sich gesunde Gewohnheiten anzutrainieren – parallel zur üblichen Behandlung mit Medikamenten usw. Die Studie geht über ein Jahr und findet online statt.
</p>

<h2>
	Fachbegriffe erklärt
</h2>

<ul>
	<li>
		<strong>Biopsychosoziales Krankheitsmodell</strong>: Dieses Modell erklärt, dass bei Ihrer Psoriasis nicht nur biologische Faktoren eine Rolle spielen. Es berücksichtigt auch psychische und soziale Einflüsse. Das bedeutet, dass neben den körperlichen Ursachen auch Ihre Gefühle, Gedanken und Ihr soziales Umfeld den Verlauf Ihrer Erkrankung beeinflussen können.
	</li>
	<li>
		<strong>Adhärenz</strong>: Adhärenz beschreibt, wie gut Sie als Patient die vereinbarten Therapieziele einhalten. Es geht darum, ob Sie die Medikamente wie besprochen einnehmen, Verhaltensempfehlungen umsetzen und regelmäßig zu Kontrollterminen erscheinen. Eine gute Adhärenz ist wichtig für den Erfolg Ihrer Psoriasis-Behandlung.
	</li>
	<li>
		<strong>Psychosomatik</strong>: Die Psychosomatik befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele. Bei Psoriasis untersucht sie, wie psychische Faktoren Ihre Hautbeschwerden beeinflussen können und umgekehrt. In der psychosomatischen Behandlung werden sowohl die körperlichen als auch die seelischen Aspekte Ihrer Erkrankung berücksichtigt.
	</li>
</ul>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1324</guid><pubDate>Thu, 10 Oct 2024 04:19:24 +0000</pubDate></item><item><title>Wenn die Seele auf die Haut schl&#xE4;gt: Psoriasis und Stress</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/wenn-die-seele-auf-die-haut-schlaegt-psoriasis-und-stress-r1319/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_09/stress.jpg.060d4ba282288a487e895cdf09a2146c.jpg" /></p>
<p>
	Kennt ihr das? Der Abgabetermin rückt näher, der Chef macht Druck – und plötzlich juckt und rötet sich die Haut stärker als sonst. Für viele Menschen mit Psoriasis ist das Alltag. Stress und Schuppenflechte hängen enger zusammen, als die meisten ahnen. Wissenschaftler forschen intensiv an diesem Zusammenhang – und die Ergebnisse sind eindeutig.
</p>

<h2>
	Was passiert im Körper bei Stress?
</h2>

<p>
	Wenn wir Stress wahrnehmen, schaltet unser Körper innerhalb von Sekunden in den Alarmzustand. Das autonome Nervensystem springt an und schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese Stoffe kennt fast jeder: Sie machen uns wach, schnell und angespannt. Was viele nicht wissen: Adrenalin und Noradrenalin wirken auch direkt auf das Immunsystem. Sie reizen bestimmte Zellen im Körper – die sogenannten Mastzellen. Diese Zellen reagieren darauf wie ein angestupstes Wespennest: Sie öffnen sich und lassen Entzündungsstoffe frei. Der ganze Körper gerät dadurch in einen leichten Entzündungszustand.
</p>

<p>
	In einer zweiten Phase wird das Hypothalamus-Hypophysen-System aktiviert. Das führt dazu, dass die Nebennierenrinde Cortisol ausschüttet – das bekannte „Stresshormon”. Cortisol hemmt die Barrierefunktion der Haut und macht sie durchlässiger und anfälliger für Entzündungen.
</p>

<h2>
	Der direkte Draht: Gehirn, Nerven und Haut
</h2>

<p>
	Haut und Gehirn haben etwas Faszinierendes gemeinsam: Beide entwickeln sich aus demselben embryonalen Gewebe – dem sogenannten Ektoderm. Das erklärt, warum emotionale Belastung so direkt auf der Haut spürbar wird.<br>
	Bei Stress schüttet das Gehirn einen besonderen Botenstoff aus: Substanz P. Dieser bindet an den Neurokinin-1-Rezeptor (NK1-R) in der Haut und löst dort eine Entzündungsreaktion aus.  Gleichzeitig steigt die Produktion von Entzündungsmolekülen wie IL-17A, IL-22 und TNFα – allesamt Stoffe, die dafür bekannt sind, Psoriasis zu verschlimmern.
</p>

<h2>
	Eine wichtige Studie
</h2>

<p>
	Lange war bekannt, dass Psoriasis-Betroffene Stress als Auslöser wahrnahmen. Den direkten Beweis im lebenden Organismus gab es aber lange nicht. Auf dem <a href="https://eadv.org/congress/" rel="external nofollow">Europäischen Dermatologie-Kongress EADV 2024</a> in Amsterdam stellte eine Forschergruppe um Professor Amos Gilhar eine bahnbrechende Studie vor.
</p>

<p>
	Die Forscher verpflanzten menschliche Hautproben auf Mäuse und erzeugten so Psoriasis-ähnliche Entzündungen. Nachdem die Symptome vorübergehend mit einer speziellen Creme gelindert wurden, setzten die Wissenschaftler die Mäuse für 24 Stunden akustischem Stress aus.  Das Ergebnis: Bei allen Mäusen kehrte die Psoriasis innerhalb von 14 Tagen zurück. Erstmals wurde damit im lebenden Organismus bewiesen, dass Stress direkt einen Psoriasis-Schub auslösen kann.
</p>

<h2>
	Zahlen, die für sich sprechen
</h2>

<p>
	Der Zusammenhang zwischen Stress und Psoriasis ist kein Randphänomen. In 31 bis 88 Prozent der Fälle berichten Betroffene, dass Stress ihre Psoriasis auslöst.  Außerdem ist Psoriasis signifikant häufiger bei Menschen, die im vorigen Jahr ein stressiges Ereignis erlebt haben. Die Dermatologin Dr. B. Levy Garel bringt es auf den Punkt: „Psoriasis ist die einzige Hautkrankheit, bei der die Rolle von Stress als begünstigender Faktor für das Auftreten von Läsionen klar nachgewiesen ist.”
</p>

<h2>
	Der Teufelskreis: Wenn Psoriasis selbst Stress macht
</h2>

<p>
	Und jetzt kommt das Tückische: Psoriasis entsteht durch Stress – aber sie macht auch Stress. Das ist ein echter Teufelskreis.<br>
	Viele Betroffene kennen das: Die Haut verändert sich sichtbar, andere Menschen reagieren mit Ablehnung oder Ekel – oft aus purer Unwissenheit. Diese Erfahrungen können das Selbstwertgefühl schwächen und dazu führen, dass Betroffene soziale Aktivitäten meiden. Sport, Schwimmbäder, gesellige Abende – all das kann zur Belastung werden.  Und die soziale Ausgrenzung verstärkt den Stress. Mehr Stress bedeutet neue Schübe. Neue Schübe bedeuten mehr Stress.
</p>

<p>
	Diplom-Psychologin Julia Scharnhorst erklärt das so: „Wir Menschen sind soziale Wesen und fühlen uns am wohlsten in einer stabilen Gemeinschaft. Ausgrenzung schmerzt und belastet uns daher sehr stark.”  Studien zeigen, dass Menschen mit Psoriasis überdurchschnittlich häufig an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Schlaflosigkeit oder Angststörungen leiden.
</p>

<h2>
	Die Gehirn-Haut-Achse – kurz erklärt
</h2>

<p>
	Wissenschaftler sprechen heute von der sogenannten „Brain-Skin Axis” – der Gehirn-Haut-Achse.  Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem kein getrenntes System sind, sondern ständig miteinander kommunizieren.  Bei Psoriasis ist diese Verbindung besonders ausgeprägt. Die HPA-Achse – also das Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde – spielt dabei eine zentrale Rolle.
</p>

<h2>
	Hoffnung aus dem Labor: Das Medikament Aprepitant
</h2>

<p>
	Die gute Nachricht aus der EADV-Studie: Der Teufelskreis lässt sich möglicherweise medikamentös unterbrechen. In demselben Experiment testeten die Forscher das Medikament Aprepitant.  Dieses Mittel wird normalerweise gegen Übelkeit eingesetzt – es blockiert aber auch den Neurokinin-1-Rezeptor, der bei stressbedingten Entzündungen eine Schlüsselrolle spielt.
</p>

<p>
	Das Ergebnis war vielversprechend: Bei 80 Prozent der gestressten Mäuse verhinderte Aprepitant, dass die Psoriasis zurückkehrte.  Professor Gilhar kommentierte: „Diese Forschung zeigt, wie stark der Zusammenhang zwischen Nervensystem und Immunsystem bei Psoriasis ist. Wir müssen Stress als Auslöser für Schübe ernst nehmen.”
</p>

<p>
	Aprepitant blockiert allerdings nicht alle stressbedingten Mechanismen – andere Stresshormone wie das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) bleiben weiterhin aktiv. Deshalb könnte es in Zukunft sinnvoll sein, verschiedene Therapien zu kombinieren.  Aprepitant ist derzeit noch kein zugelassenes Psoriasis-Medikament. Weitere klinische Studien müssen zeigen, ob und wie es beim Menschen eingesetzt werden kann.
</p>

<h2>
	Was du selbst tun kannst
</h2>

<p>
	Auch wenn ein Wundermittel noch auf sich warten lässt, gibt es heute schon viele Möglichkeiten. Stressbewältigung kann ein fester Bestandteil des Umgangs mit Psoriasis sein – und tatsächlich die Symptome verbessern.  Hier sind sechs bewährte Strategien:
</p>

<ol>
	<li>
		Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung
	</li>
	<li>
		Sport und Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Ausschüttung von Endorphinen und baut Anspannung ab
	</li>
	<li>
		Yoga und Akupunktur können dabei helfen, den Geist in schwierigen Alltagssituationen zu beruhigen
	</li>
	<li>
		Psychosoziale Therapie: Bei starker Belastung ist professionelle Unterstützung sinnvoll
	</li>
	<li>
		Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen stärkt und entlastet
	</li>
	<li>
		Reha: Möglichst in einer Klinik, die körperliche und psychische Aspekte verbindet
	</li>
</ol>

<p>
	Außerdem gilt: Auch die erfolgreiche medizinische Behandlung der körperlichen Symptome hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Psyche.  Beides gehört zusammen.
</p>

<h2>
	Reden hilft: Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt
</h2>

<p>
	Wer einen Zusammenhang zwischen Stress und eigenen Schüben bemerkt, sollte das unbedingt beim nächsten Arzttermin ansprechen. Die Behandlung kann dann gezielt psychische Faktoren einbeziehen.  Das ist keine Schwäche – sondern kluge Medizin. Psoriasis ist eine komplexe Erkrankung und verdient eine ganzheitliche Behandlung, die Körper und Seele gleichermaßen im Blick hat.
</p>

<p>
	 
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	Fachbegriffe erklärt
</h2>

<p>
	<strong>Neurogene Entzündung</strong>: Das bedeutet, dass das Nervensystem durch Stress Botenstoffe ausschüttet, die Entzündungen im Körper verursachen. Bei Psoriasis führt dies zu einer Überreaktion des Immunsystems und verschlimmert die Krankheit.
</p>

<p>
	<strong>Substanz P</strong>: Ein spezieller Botenstoff, der bei Stress freigesetzt wird und eine Entzündung auslösen kann. Substanz P bindet an den NK1-Rezeptor und aktiviert das Immunsystem, was zu einer Verschlimmerung der Psoriasis führen kann.
</p>

<p>
	<strong>Aprepitant</strong>: Ein Medikament, das normalerweise gegen Übelkeit eingesetzt wird. Es blockiert einen wichtigen Rezeptor (NK1-R), der bei stressbedingten Entzündungen eine Rolle spielt. In der Studie konnte Aprepitant helfen, Psoriasis-Schübe zu verhindern.
</p>

<p>
	<strong>EADV</strong>: Die European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) ist eine Organisation von Fachleuten auf dem Gebiet der Haut – also von Forschern und anderen Experten. Sie hat mehr als  11.000 Mitglieder. Der jährliche EADV-Kongress ist ein zentraler Treffpunkt der Experten, um Wissen auszutauschen und neue Forschungsergebnisse zu präsentieren. Der Kongress 2024 findet vom 25. bis 28. September in Amsterdam und online statt.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<em>Quelle: Keren, A., Zeltzer, A. A., Bertolini, M., Paus, R., &amp; Gilhar, A. (2024). Psoriatic lesions in human skin xenotransplants in vivo are triggered by perceived stress and can be suppressed by the neurokinin-1 receptor antagonist aprepitant. Präsentriert beim  EADV-Kongress 2024.</em>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1319</guid><pubDate>Thu, 26 Sep 2024 22:06:00 +0000</pubDate></item><item><title>Psyche und Psoriasis: Diese Erfahrungen haben Betroffene gemacht</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/der-foehn-die-arbeit-und-die-schuppenflechte/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/psoriasis-psyche-erfahrungsberichte.jpg.cc297f7cc80d5cce268e510dbea4d420.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Wie hängen Psyche, Stress, Depression und Psoriasis zusammen? Hier berichten Menschen mit Schuppenflechte von ihren Erfahrungen.</strong>
</p>

<h2>
	"Das wichtigste ist, dass man sein Selbstbewusstsein nicht verliert"
</h2>

<p>
	<strong>Daniel ist einerseits verzweifelt, weil die Wissenschaft nichts über die Ursache für Psoriasis weiß. Andererseits weiß er, wann es ihm gut geht.</strong>
</p>

<p>
	Ich bin 26 und meine Psoriasis trat erstmals vor acht Jahren auf – und zwar am ganzen Körper. Mittlerweile habe ich gelernt, mich damit abzufinden, auch wenn mich an der ganzen Geschichte am meisten aufregt, dass die Wissenschaft die Psoriasis nicht richtig erforscht. Ich meine, so schwer kann es doch wohl nicht sein, die wirklichen Ursachen herauszufinden und dann Mittel zu finden, die nicht an den Symptomen herumdoktern, sondern die Ursachen beseitigen (die Krankenkassen sind sowieso das Armutszeugnis in Person ...):
</p>

<p>
	Wirklich hilfreich scheint eine dauerhafte Ortsveränderung zu sein. Nach zwei Tagen Aufenthalt am Cap Ferret an der französischen Atlantikküste war meine Psoriasis so gut wie weg, das gleiche gilt für die Hawaii Inseln.
</p>

<p>
	Ein wichtiger Punkt ist auch das psychische Wohlbefinden: Wenn es mir richtig gut geht (<em>sagen wir mal, weil ich mich verliebt habe</em>), ist die Psoriasis ebenfalls so gut wie weg. Wenn es mir schlecht geht (<em>sagen wir mal, weil ich mich verliebt habe, sie aber wegen der Psoriasis nichts von mir wissen will</em> <img alt=";)" data-emoticon="true" height="20" loading="lazy" src="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/default_wink.png" srcset="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/wink@2x.png 2x" title=";)" width="20"> ) oder ich einfach nur im Stress bin, wird auch die Psoriasis schlimmer. Dass die Psoriasis aber nicht alleine von der Psyche bestimmt wird, merkt man spätestens dann, wenn sie wegen einer Erkältung schlimmer wird.
</p>

<p>
	Das wichtigste ist wohl, dass man sein Selbstbewusstsein nicht verliert. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Man traut sich nicht so recht schwimmen zu gehen oder man denkt halt schon "ojeh, wenn ich das T-Shirt anziehe, sieht man meine Psoriasis, dann will niemand was von mir wissen...".
</p>

<p>
	Was mache ich, um damit leben zu können: morgens ein langes Bad nehmen (<em>falls man Zeit hat</em>), die Sonne geniessen (<em>falls vorhanden</em>), soweit wie möglich ausgeglichen sein (<em>oder noch besser glücklich</em>), sich dabei nicht aufregen, irgendwohin ziehen, wo es Sonne und Meer gibt (<em>leichter gesagt als getan, aber wohl am vielversprechendsten</em>).
</p>

<p>
	Und wenn jemand zu einem sagt, "Hey, was hast denn Du gemacht, bist Du vom Fahrrad gefallen?", einfach antworten "Ja, und zwar jeden Tag.".
</p>

<p>
	Ok, dann machts mal gut – und macht Euch vor allem nicht verrückt.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	Der Föhn, die Arbeit und die Schuppenflechte
</h2>

<p>
	<strong>Christoph fühlt sich auf den Kanaren und an der Ostsee, mit Sonne und Meer, am wohlsten. Nur für die Seele – da sucht er noch nach einer Gefährtin.</strong>
</p>

<p>
	Auf der Ferieninsel La Palma (Kanaren) ist viel Sonne, aber es nicht zu heiß (<em>Sonnenbrand!, der ja auch schlecht ist und die Haut stresst!</em>). Dort esse ich vor allem viel Fisch und halte mich dort auf, wo sich die Brandungsgischt in der Atemluft verteilt. Das tut wohl sehr gut. Ich nehme im schwarzen Sand Sandbäder und scheuer die Schuppen weg, damit das Salzwasser und die Sonne dran kommen. Zwei Wochen und die verdammte Schuppenflechte ist so gut wie weg.
</p>

<p>
	Leider muss ich dann wieder nach München, zu dem Föhn, dem Grant und der Arbeit! Dann muss ich nicht lange warten und sie kommt wieder.
</p>

<p>
	Auch leide ich darunter, mich jemand zu zeigen, der keine Schuppenflechte hat und gehe davon aus, dass Frauen einen solchen Mann nicht mögen, weil ja auch ihre Kinder diese Krankheit nicht haben sollen. Nun habe ich schon Kinder und keines hat sie bisher bekommen. Sie sind auch zum Teil schon über 18.
</p>

<p>
	Leider ging die Beziehung in die Brüche – begleitet von einem Schub von Schuppenflechte. So hoffe ich, vielleicht eine liebe Frau kennen zu lernen, die auch "froh" darüber ist, dass ihr Partner diese Krankheit hat nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
</p>

<p>
	Am liebsten würde ich auf La Palma leben, habe aber Angst, dort beruflich nicht Fuß fassen zu können. Bin zwar für 49 sehr jung, aber eben doch schon 49 und kann nicht spanisch. So orientiere ich mich gerade an die Ostsee und baue nun auf Usedom in der Badewanne von Berlin beruflich und privat.
</p>

<p>
	Denn auch die Ostsee hilft – leider aber nur in der warmen Jahreszeit. Im Winter schaut es ohne Sonne schlecht aus. Man kann ja nicht mit bloßer Haut am Strand und im Wasser sein. Gut ist aber, dass dort auch die Menschen sehr nett sind.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Lasst euch nicht fressen!"
</h2>

<p>
	<strong>Christoph will andere Betroffene ermutigen: "Schreit Eure Schuppenflechte in die Welt raus, lebt in einer Ironie mit ihr".</strong>
</p>

<p>
	Ich habe mich mit meiner schuppenflechte, die ich seit 15 jahren habe, noch nie richtig auseinandergesetzt. Jetzt bin ich 29 jahre alt. Bis 27 tat ich gar nichts dagegen, hatte ca. 70 Prozent meiner Haut mit dem schuppigen Zeug geteilt.
</p>

<p>
	Dann bin ich zum arzt, habe Fumaderm verschrieben bekommen – und seitdem ist das Zeug weg. Ich nehme fumaderm jetzt seit drei Jahren. Außer dem Hitzegefühl ist bei mir gar nichts. Wie es aussieht, habe ich da echt Glück gehabt.
</p>

<p>
	Was ich hier eigentlich sagen möchte: Meine Mitmenschen haben mich genommen, wie ich mich ihnen gegenüber präsentiert habe. Wie gesagt: Ich hatte fast überall das Zeug und komischerweise nie Probleme mit einer Partnerin oder Freunden. Schreit eure schuppenflechte in die Welt raus, lebt in einer Ironie mit ihr, und wenn man euch bedauern möchte, lacht darüber. Überlegt euch witzige Konter auf Fragen, die man euch deswegen andauernd stellt. Man wird schnell merken, dass Ihr dahinter steht und euch dann auch so nehmen.
</p>

<p>
	Ich hab das von Anfang an so gemacht, über die Psoriasis gelacht. Ist es nicht schön, wenn man vermeintlich geschockte "neue" Bekanntschaften zum Lachen bringen kann ? Das bricht das Eis. Zum Beispiel: Grüß gott, mein Name ist "bla bla bla". Nach einem kurzen Gespräch mit einem Geschäftspartner fragt er mich doch wie jeder andere auch <img alt=":)" data-emoticon="true" height="20" loading="lazy" src="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/default_smile.png" srcset="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/smile@2x.png 2x" title=":)" width="20"> "Sagen Sie: Haben Sie sich an der Stirn verbrannt?" "Nö, das is eine Schuppenflechte, seitdem ich mir die zugelegt habe, scheinen die Mädels endlich nen Grund zu haben, mich anzusprechen... <span class="ipsEmoji">🐵</span>
</p>

<p>
	Versucht es doch mal auf die Art, Ihr werdet sehen, es ist wohl verblüffend. und es befreit von komischen Gedanken. zeigt keine Unsicherheit. Ist doch bloß trockene schuppige Haut...
</p>

<p>
	Solange Ihr Euch vor Euch selbst ekelt, werden es die anderen auch tun.
</p>

<p>
	Liebe grüße und lasst Euch nicht fressen.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	Es ist der Kopf
</h2>

<p>
	<strong>"Ich glaube, die Krankheit ist hirngesteuert", meint Chris. "Sie wird entweder durch andere Krankheiten oder Stress ausgelöst, aber bekämpfen kann man sie nur durch positives Denken."</strong>
</p>

<p>
	Bei mir hat sich die Schuppenflechte das erstemal vor drei Jahren bemerkbar gemacht. Ich habe es mir aber erst vor einem Jahr bestätigen lassen. Ich hatte sie damals nur am rechten Ellbogen. Zu meinen Entsetzen hat sich die Schuppenflechte seit drei Monaten auf fünf Stellen ausgebreitet.
</p>

<p>
	Ich glaube, die Krankheit ist hirngesteuert. Sie wird entweder durch andere Krankheiten oder Stress ausgelöst, aber bekämpfen kann man sie nur durch positives Denken.
</p>

<p>
	Ich versuche es mit der Einstellung, dass sie mein Körper von selber bekämpfen kann.
</p>

<p>
	Ich nehme aber trotzdem zusätzlich eine lindernde Salbe, die mir mein Hausarzt verschrieben hat. Sie heilt zwar die Schuppen, so dass nur eine rötliche Stelle zu sehen ist. Aber man muss sich schon zwei- bis dreimal täglich einschmieren.
</p>

<p>
	Und auf der Kopfhaut kommt man nicht so gut hin.
</p>

<p>
	Komisch ist auch, dass ich festgestellt habe, das in diesem Sommer (<em>der sehr sonnenarm war</em>) viele Kollegen/innen auch Schuppenflechte bekommen haben. Ich muss auch hinzufügen, dass viele von ihnen Stressfaktoren ausgesetzt waren (<em>Partner verloren etc.</em>).
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"In 43 Jahren lernt man damit zu leben"
</h2>

<p>
	<strong>Waltraud S. (44) widmet neuen Stellen keine Aufmerksamkeit – und sie verschwinden von selbst. Ihr Wunsch: Die Psoriasis soll nicht das Leben bestimmen.</strong>
</p>

<p>
	Ich habe seit meinem 1. Lebensjahr Psoriasis. Meine schlimmsten Erinnerungen habe ich an meine Kinderzeit, als meine Mutter, die es natürlich nur gut meinte, mich zu allen möglichen Ärzten und Heilpraktikern schleppte und alle möglichen und unmöglichen Therapien ausprobierte. Und was hat es geholfen? Nichts!
</p>

<p>
	In 43 Jahren lernt man damit zu leben und man vergisst sogar manchmal seine Krankheit. Positives Denken und das Akzeptieren meiner Haut hat mir sehr geholfen. Ich mache nicht mehr und nicht weniger Hautpflege wie jeder Gesunde.
</p>

<p>
	Gott sei Dank hatte ich das Glück, dass die Krankheit nach der Pubertät sehr viel besser wurde und ich bis heute außer Kopf-, Ellbogen- und Kniebefall kaum Probleme habe. Ab und zu taucht ein Fleck an anderer Stelle auf, aber ich ignoriere ihn einfach und siehe da, irgendwann ist er verschwunden. Ich widme ihm einfach keine Aufmerksamkeit.
</p>

<p>
	Ich weiß, dass ich zu den glücklichen Psoriatikern gehöre, die keine großflächigen Krankheitsherde haben. Ich wünsche allen Erkrankten, dass ihre Krankheit nicht ihr Leben bestimmt.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	Die Sache mit dem Selbstvertrauen
</h2>

<p>
	<strong>Thomas (20) hat die Pso praktisch am ganzen Körper. Viel tut er nicht dagegen. Seine Meinung: Alle Behandlungen helfen nicht, und deswegen der Stress?</strong>
</p>

<p>
	Ich bin aus München. Wann genau ich Pso bekommen habe, kann ich gar nicht mehr sagen – mit 10, 11 oder so. Am Anfang hatte ich es nur hinter den Ohren, bis 15 hatte es sich über den ganzen Kopf ausgebreitet. Ab 15 wurde es Jahr für Jahr schlimmer, meist zwischen Januar und Mai. Es kam bei mir immer dann schubweise, erst die Schienbeine, dann die Außenschenkel, dann Oberarme und leider neuerdings die Unterarme und Beckenseite und am Rücken.
</p>

<p>
	Als Behandlung hatte ich Salben und drei Monate lang zwei- bis dreimal die Woche Bestrahlungstherapie beim Hautarzt, aber das war auf Dauer zu stressig wegen meiner Arbeitszeit und der Öffnungszeit vom Hautarzt.
</p>

<p>
	Mittlerweile mache ich gar nix, außer zum Duschen Duschöl statt Seife, selten mal ein Salzbad zuhause und Sonnen. Ich fand es bis jetzt so, wenn ich nicht darüber nachdenke und nix tue, ist es genauso schlimm, wie wenn ich zwei- bis dreimal die Woche beim Hautarzt bin, also warum den Stress?
</p>

<p>
	Ansonsten kann ich allen nur eines raten: Mit dem richtigen Selbstvertrauen (<em>T-Shirts usw. im Sommer</em>) wird es teilweise schon von alleine besser, schon alleine dadurch, das man sich besser fühlt und nicht mehr wie im Käfig.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Der Körper versucht etwas mitzuteilen"
</h2>

<p>
	<strong>Nicole aus Köln meint: "Zusätzlich zur Psoriasis-Behandlung sollte sich jeder mit dieser Krankheit mal überlegen, was an seinem Leben nicht stimmt und die Stressfaktoren beseitigen."</strong>
</p>

<p>
	Ich habe die Erfahrungsberichte im Psoriasis-Netz mit großem Interesse gelesen und auch das ein oder andere für mich an Tipps herausgezogen. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, meine Erfahrungen mit dieser Krankheit niederzuschreiben, um damit evtl. anderen weiterzuhelfen.
</p>

<p>
	Ich bin 27 Jahre und habe eigentlich schon seit meiner Kindheit damit zu tun, jedoch immer nur kleine Stellen an den Ellenbogen und auf der Kopfhaut, denen ich nie große Beachtung geschenkt habe.
</p>

<p>
	Im Frühjahr 1999 bin ich dann für längere Zeit beruflich nach Mallorca. Dort ist die Krankheit zum ersten Mal richtig ausgebrochen, weil ich eigentlich gar nicht dorthin wollte. Ich hatte am ganzen Körper wie rote Pusteln mit silbrigen Schuppen. Ich habe die verschiedensten Ärzte auf der Insel aufgesucht, jedoch immer mit sehr ernüchternem Ergebnis.
</p>

<p>
	Verschiedenste Fettcremes wurden mir verordnet, aber ohne Erfolg. Es wurde schlimmer und schlimmer. Meine psychische Verfassung wurde dadurch immer schlechter und mein Wunsch zurück nach Deutschland zu gehen immer größer.
</p>

<p>
	Aus Verärgerung habe ich mich dann selbst dahinter geklemmt und mir sämtliche Literatur aus dem Internet besorgt, habe angefangen mich mit mir selber auseinanderzusetzen und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
</p>

<p>
	Der Befall am Körper ist nur stark, wenn ich starken Stress habe und mich psychisch schlecht oder unter Druck gesetzt fühle. Desweiteren spielt die Einnahme von Medikamenten und Schmerzmitteln eine Rolle.
</p>

<p>
	Die Haut ist der Spiegel der Seele, d.h. zusätzlich zur Psoriasis-Behandlung sollte sich jeder mit dieser Krankheit mal überlegen, was an seinem Leben nicht stimmt und die Stressfaktoren beseitigen. Vielleicht sogar mit Hilfe eines Therapeuten. Der Körper versucht ja etwas mitzuteilen. Man kann baden und cremen soviel man will, es muß von innen kommen. Den Körper als Ganzes sehen (Körper, Geist und Seele in Einklang bringen).
</p>

<p>
	Mir hat z.B. auch ein Wunderheiler mit Handauflegen dabei geholfen, zumindest den weiteren Befall zu stoppen und eine Abheilung zu fördern. (<em>So unglaublich es klingt, ich konnte es selbst erst nicht glauben</em>).
</p>

<p>
	Die komplette Abheilung ist dann ganz von alleine gekommen als ich zurück nach Deutschland kam und mich in meiner gewohnten Umgebung wieder wohl fühlte.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Nicht die Haut eines Menschen ist entscheidend"
</h2>

<p>
	<strong>Manuela (35) sagt: "Akzeptiert Euch so wie Ihr seid. Nicht die Haut eines Menschen ist entscheidend, sondern der Mensch an sich." Sie ist Kellnerin und kennt die Blicke der Leute. Über kluge Tipps indes ärgert sie sich.</strong>
</p>

<p>
	Ich habe seit ca. 20 Jahren Schuppis. Es liegt bei mir in der Familie. Habe auch schon alles durch was es so gibt. War in jungen Jahren ständig in stationärer Behandlung... die Ärmel des Pullis konnten nicht lang genug sein. Aber seit ca. zehn Jahren habe ich mehr Selbstbewusstsein und gehe auch kurzärmlig, gehe schwimmen etc. Seitdem geht es mir viel besser.
</p>

<p>
	Habe auch keine Probleme bei der Arbeit. Ich bin Kellnerin, und im Sommer ist Kurzarm angesagt. Es gibt natürlich viele Leute, die fragen, ob ich mich verbrannt habe, aber denen sag ich dann, das sind Schuppis... und ich tue ihnen dann so leid, und sie wollen mir dann irgendwelche Ratschläge geben, was ich am meisten hasse, denn sie wissen nicht, von was sie reden.
</p>

<p>
	Vor ca. vier Jahren habe ich die Arthritis dazubekommen, was sehr schlimm war. Bin dann zur Kur auf Norderney und bin mit einer Lendenwirbelsäulenentzündung entlassen worden. Fahre nie wieder zur Kur, das hat mir gereicht. Habe Gott sei dank seit 2,5 Jahren keine Gelenkbeschwerden.
</p>

<p>
	Also ich habe die Schuppis akzeptiert. Ich achte nicht darauf, was ich esse oder trinke, rauche auch, lebe einfach so, wie es mir gefällt, und mit den anderen Geschlecht hatte ich auch noch keine Probleme. Die Blicke der anderen Leute akzeptiere ich auch, denn, wenn es was Ungewöhnliches gibt, schauen wir doch auch, oder!?
</p>

<p>
	Akzeptiert Euch so wie Ihr seid. Nicht die Haut eines Menschen ist entscheidend, sondern der Mensch an sich.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Ohne diese Flecken hätte man weniger Stress!"
</h2>

<p>
	<strong>"Durch diese Krankheit ist man gezwungen, sich ständig mit seinem Körper auseinanderzusetzen, immerzu widerlich fettende Salben und Cremes zu benutzen, und an schwarze Kleidung ist erst gar nicht zu denken".</strong>
</p>

<p>
	Ich habe gerade eure Kommentare verfolgt und bin wahnsinnig überrascht, wie viele Ihr seit!
</p>

<p>
	Ich habe seit etwa zehn Jahren Schuppenflechte (bin jetzt 26) und es gibt kaum etwas, was ich mehr hasse, bzw. etwas, wofür ich mich mehr schäme. Ich habe trockene Stellen an Ellenbogen, Knien, Schienbein, Kopf und Unterarmen ... Kommen aber immer mal kleine neue hinzu.
</p>

<p>
	Ich hasse es und schäme mich unheimlich vor meinen Mitmenschen dafür. Eure Erfahrungsberichte haben mir gerade echt gut getan – ich sehe selten Menschen mit dieser Krankheit und fühle mich somit noch mehr "im Aus".
</p>

<p>
	Es ist wirklich eine Qual. Vom Juckreiz und den Schmerzen mal abgesehen, sieht es einfach unglaublich eklig aus. <img alt=":(" data-emoticon="true" height="20" loading="lazy" src="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/default_sad.png" srcset="https://www.psoriasis-netz.de/smileys/emoticons/sad@2x.png 2x" title=":(" width="20">
</p>

<p>
	Auch ich habe schon vieles ausprobiert. Salben, Olivenöl, Nachtkerzenöl, Kortison, Salzbäder und Lichttherapie beim Hautarzt und hatte immer nur zeitweise Erfolg.
</p>

<p>
	Auch ich weiß, dass Stress diese Krankheit verschlimmert - allerdings ist das leichter gesagt als umgesetzt, wie Ihr vielleicht selbst wisst - denn ohne diese Flecken auf der Haut hätte man wohl wirklich weniger Stress!
</p>

<p>
	Durch diese Krankheit ist man gezwungen, sich ständig mit seinem Körper auseinanderzusetzen, immerzu widerlich fettende Salben und Cremes zu benutzen, die überall hässliche Flecken hinterlassen, und an schwarze Kleidung ist erst gar nicht zu denken, da man da die Schuppen noch mehr sieht.. Soviel zum Thema Stressvermeidung!
</p>

<p>
	Ich fühle wirklich mit euch und hoffe, dass jeder von euch einen Weg finden kann damit umzugehen.
</p>

<p>
	Und am meisten hoffe ich natürlich, dass es irgendwann etwas zur Bekämpfung dieser Krankheit gibt!
</p>

<p>
	<em>Stefanie</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Jetzt wusste ich, dass ich mich abzugrenzen habe"
</h2>

<p>
	<strong>Angelina lebt seit 20 Jahren mit Psoriasis pustulosa. Sie hinterfragte, was bei ihr eine solche Autoimunerkrankung ausgelöst haben könnte, warum sich ihr Körper gegen sich wendete.</strong>
</p>

<p>
	Seit gut zwanzig Jahren lebe ich mit Psoriasis pustulosa. Angefangen an den Fusssohlen und nach wenigen Jahren auch an den Handinnenflächen. Anfänglich glaubte ich an Heilung mit Salben, Bäder, Diäten, eben allem, was man so auf alternativem und medizinischem Weg angeboten bekam. Homöopathische Mittel verhalfen mir zu einen Stillstand von ca drei Monaten, genauso Kortisonpräparate. Alles andere, auch Totes Meer, waren Scheinheilungen.
</p>

<p>
	So hinterfragte ich mich, was bei mir eine solche Autoimunerkrankung ausgelöst haben könnte, warum sich mein Körper gegen mich wendet. Zu Beginn dieser Krankheit war ich einem unglaublichen physischen und psychischen Stress unterworfen, der mir tatsächlich "unter die Haut" ging. Die folgenden Psoriasisschübe (zwei bis drei im Monat) hatten immer ähnlichen Charakter. Ich reagierte auf Verletzungen physischer und psychischer Art. Der Beweis dazu lieferte mir dann eine Operation am linken Ellenbogen. Nur zwei Stunden danach war meine linke Hand mit Pusteln übersäht, während die rechte Hand erst nach ein paar Tagen reagierte.
</p>

<p>
	Auf die gleiche Weise reagierte ich auf grenzüberschreitende, psychische Verletzungen und und Psychostress in Bezug der Partnerschaft. Vor einem Jahr kam eine nachgewiesene Psoriasis arthritis dazu. Jetzt wusste ich, dass ich mich abzugrenzen habe und habe mich vor sechs Monaten von meinem Mann getrennt. Seither - und das ist für mich fast unvorstellbar - habe ich nur noch einmal einen Schub erlebt. Die Arthritis und ihre Schmerzen werden mich zwar weiterhin begleiten. Aber das werde ich hoffentlich auch noch irgendwie in den Griff bekommen.
</p>

<p>
	Ich denke, es ist doch wirklich eine Überlegung wert, warum der Körper sich gegen sich selber richtet. Was für (vorallem seelische) Verletzungen man einfach so hinnimmt, bis der Körper sich mit einer Autoimunerkrankung wehrt, weil man sich selber nicht (mehr) wehren kann.
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Selbstmitleid und Verdrängung bringen Euch nicht weiter"
</h2>

<p>
	<strong>"Ich habe die Psoriasis sehr lange ignoriert. Das war ein Fehler", erklärt Gabi (26). "Das Leben ist trotzdem schön..."</strong>
</p>

<p>
	Zum ersten Mal ist die Psoriasis bei mir mit 13 aufgetreten. Damals noch ganz unscheinbar als kleine Flecken unter den Haaren und am Bauchnabel. Dann habe ich dummerweise mit 19 angefangen zu rauchen und hatte extremen psychischen Stress! Und schon breitete es sich auf kleine Stellen an Ellenbogen und Knien, Ohren, Ober- und Unterschenkeln und Gesäßfalte aus. Ich war manchmal verzweifelt, aber größtenteils redete ich mir ein, was von "alleine" gekommen ist, müsse auch von "alleine" wieder gehen. Pustekuchen!
</p>

<p>
	Dann kamen mit 20 die Gelenkschmerzen dazu. Wer raucht: Gebt es auf, insbesondere bei Gelenkproblemen! Ich habe nach drei Tagen eine Besserung festgestellt.
</p>

<p>
	Ernährung, insbesondere bei Gelenkproblemen: Alles, was Harnsäure produziert, einschränken oder weglassen! Die Harnsäure bildet im Blut sog. Harnsäurekristalle, welche sich an den Gelenken ablagern und zur Verformung und fiesen Schmerzen führen können! Ich weiß wovon ich rede.
</p>

<p>
	Tja Leute, ich kann nur sagen: Selbstmitleid und Verdrängung bringen Euch nicht weiter! Akzeptiert die Krankheit und sagt ihr den offenen Kampf an! Ich habe dafür leider 13 Jahre gebraucht, aber besser spät als nie!
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Die Psoriasis muss mit mir klarkommen"
</h2>

<p>
	<strong>"Mir helfen eine disziplinierte Behandlung, ein sorgsamer und bewussterer Umgang mit mir selbst und ein wenig die Haltung ,Die Pso muss mit mir klarkommen und nicht ich mit ihr'"</strong>
</p>

<p>
	Ich "leide" seit acht Jahren an Psoriasis vulgaris. Sie tritt bei mir an den Händen, Ellbogen, Knien, Füßen, partiell an der Kopfhaut, in den Ohren und auch im Genitalbereich auf.
</p>

<p>
	Lange Zeit habe ich das Problem eher ignoriert. Dann, als die Flächen größer wurden und schmerzhafte Symptome erstmals auftraten (Risse und Juckreiz), begab ich mich erst einmal in homöopathische Gefilde, was jedoch rein gar keine Wirkung zeigte. Es folgten Akupunktur, Akupunktmassagen, Omega-3 Fettsäuren, Ernährungsumstellung etc. ... Nichts davon half auch nur annähernd, und so wurde es immer ärger. Bis mich vor drei Jahren eine Lungenentzündung niederstreckte.
</p>

<p>
	Innerhalb von drei Tagen war ich symptomfrei, als wäre die Pso wie weggehext... Ich dachte nun also, das wäre es gewesen.
</p>

<p>
	Leider irrte ich, und langsam schlichen sich die schuppenden Stellen wieder an. Nach einem guten halben Jahr war ich wieder voll dabei. Ich war nun wirklich ziemlich verzweifelt, da das plötzliche Verschwinden nach der Pneumonie natürlich genial für mich gewesen war.
</p>

<p>
	Als es dann wirklich schlimm wurde, ich echte Schmerzen bekam durch aufgerissene Haut, meine Psyche langsam vor der ständigen Belastung in die Knie ging und ich moralisch ziemlich am Ende war, empfahl mir ein Freund einen Hautarzt, den ich noch am gleichen Tag aufsuchte.
</p>

<p>
	Zuerst einmal wurde ich wirklich gut aufgeklärt über die Krankheit und die Methoden zur Behandlung. Ich war vorher schon bei zwei anderen Dermatologen gewesen, die mich nicht im geringsten weitergebracht hatten.
</p>

<p>
	Wir schlugen gemeinsam den Weg mit Fumaderm, Daivobet und Silkis ein – und siehe da, ich hatte gewaltige Anfangserfolge. Die Erfolge ließen nach, als ich begann, das Cremen und das Einnehmen der Tabletten des öfteren zu übersehen und immer nachlässiger damit umzugehen. Nach dem Motto ... "Super, hilft, passt, können wir jetzt gemütlicher angehen."
</p>

<p>
	Das wichtige ist, dass man immer dran bleibt, auch wenn man mal Stress hat, man keine Lust hat, sich schon wieder irgendwo zu salben, einem die Flushs vom Fumaderm auf die Nerven gehen. Natürlich ist auch wichtig, dass man Fumaderm gut verträgt (meine Werte sind seit weit über einem Jahr stabil). Jeder Schlendrian wird schnell wieder mit neuen Stellen und erneutem Aufkeimen bestraft.
</p>

<p>
	Für mich habe ich festgestellt, dass eine disziplinierte Behandlung, ein sorgsamer und bewussterer Umgang mit sich selbst und auch ein wenig die Haltung "Die Pso muss mit mir klarkommen und nicht ich mit ihr!" Erfolge bestens beeinflussen.
</p>

<p>
	Erst kürzlich hatte ich wieder eine "Laisser-faire"-Phase, für die ich mit vielen und stark ausgeprägten Stellen bezahlen musste. Jetzt wird wieder konsequent eingenommen, gesalbt, kontrolliert und auf mich selbst geachtet.
</p>

<p>
	Ich weis, dass ich mir nicht ausrechnen kann, jemals ganz meine Ruhe vor der Pso zu haben, aber ich kann etwas dafür tun, dass sie sich nach meinem Rythmus richten muss.
</p>

<p>
	<em>Tassilo</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<h2>
	"Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln"
</h2>

<p>
	<strong>B. aus Österreich beschreibt den Tag, an dem sie ihre Diagnose hörte: "Es war sehr heiß, ich aber hatte Gänsehaut, es war mir kalt und die Tränen liefern mir nur so über mein Gesicht." Obwohl ihr Leben durch die Pso harte Wendungen nahm, ist es für sie ein Trost, dass es anderen wie ihr geht.</strong>
</p>

<p>
	Meine Psoriasis habe ich jetzt seit der Geburt meines Sohnes vor 13 Jahren. Ich kann mich noch genau an den Tag im August 1988 erinnern, als ich aus dem Krankenhaus kam mit einem Rezept und der Diagnose Schuppenflechte. Es war sehr heiß, ich aber hatte Gänsehaut, es war mir kalt und die Tränen liefern mir nur so über mein Gesicht. Wenn mich jemand mit einer Keule geschlagen hätte, es wäre nicht schlimmer gewesen.
</p>

<p>
	Gewusst habe ich es eh schon vorher, meine Mutter leidet auch unter Psoriasis, da lernt man schon als Kind es zu erkennen und damit zu leben. Es ist aber dann was anderes, selbst betroffen zu sein und sich nicht mehr in den Spiegel schauen zu wollen.
</p>

<p>
	Ich bin in ein tiefes Loch gefallen, wahrscheinlich auch viel aus Selbstmitleid, heute denke ich über viele Dinge ganz anders. Mein nächster Gedanke galt meinem Sohn, würde ich die Vererbung jetzt auch an ihn weitergeben. Das ist bis heute Gott sei Dank nicht eingetroffen und ich bete jeden Tag dafür, dass es so bleibt.
</p>

<p>
	Meine Psoriasis hat sich in den folgenden Jahren nicht weiter vermehrt, ich habe keine Schübe so wie andere, nur die Größe variiert mit den Jahreszeiten. Von da her bin ich noch bevorzugt, wie es innen drinnen aussieht ist ein anderes Kapitel.
</p>

<p>
	Ja, meine Seele die leidet, keiner sieht es, ich versuche ein optimistischer und lustiger Mensch zu sein. Aber es kommen auch diese dunklen Stunden, wo ich nur heulen könnte und ich an mir und meiner Kraft zweifle. Besonders seit ich geschieden bin.
</p>

<p>
	Mein Ex-Mann konnte letztendlich nicht damit umgehen, obwohl er anfangs immer beteuert hat, es stört ihn nicht. Aber irgendwann hat er mich einfach nicht mehr an seinem Leben teilhaben lassen. Das hat mehr weh getan als alles andere. Deshalb habe ich ihn nach zehn Jahren mit meinem Sohn verlassen.
</p>

<p>
	Mit 37 musste ich ganz neu beginnen, ich habe mich aus dem tiefen Loch gezogen und das erste Mal in meinem Leben begonnen, alle Dinge zu ändern und anzupacken. Ist mir nach vielen Mühen und Rückschlägen jetzt endlich halbwegs gelungen.
</p>

<p>
	Einer davon war sicher, dass ich wegen einer Kur meinen Job verloren habe und als alleinerziehende Mutter finanziell fast unterging. Aber auch das ist Geschichte, heute geht es mir ganz gut, ich arbeite nur Teilzeit und kann auch meine Mutterrolle noch wahrnehmen.
</p>

<p>
	Was geblieben ist, ist die Einsamkeit und Unfähigkeit, einen neuen Partner zu suchen bzw. überhaupt anzufangen, einen zu suchen. Geht aber allen Betroffenen so, das schützende Schneckenhaus zu verlassen, ist wohl eines unserer größten Lebensziele geworden.
</p>

<p>
	Und dann noch die Vorurteile unserer lieben Mitmenschen, wann werde es endlich alle wissen und uns nicht mehr schief anschauen. Seit ich aber viele Mailfreunde gefunden habe und immer hier im Chat bin, geht es mir auch damit besser.
</p>

<p>
	Die Einsicht, dass es allen so ergeht, tröstet ungemein und hilft mir, die Hoffnung nicht aufzugeben. Hoffnung sollte unser aller Leben bestimmen – und dass die Genforschung auch für uns was bringt.
</p>

<p>
	Und eines Tages, wer weiß... In diesem Sinne und meinem Motto...
</p>

<p>
	<em>B.</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<h2>
	"Je härter du deine Haut behandelst, umso sanfter wird sie"
</h2>

<p>
	<strong>Tom hat seine Haut immer "hart, aber gesund" behandelt. Eigentlich - so meint er - ist die Pso aber ein psychisches Problem. Er ist auf der Suche, wie er damit umgehen soll.</strong>
</p>

<p>
	Mein Name ist Thomas, ich bin 27 Jahre alt und leide seit meiner Kindheit an PSO. Als Kind (ca.ab dem 8.Lebensjahr) zeigte sich dies nur auf dem Kopf, ich wurde mit einer öligen Flüssigkeit behandelt (kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, war ja noch Kind), welche auf den Kopf aufgetupft wurde, mehrere Stunden einwirkte und dann abgespült wurde. Die Badewanne hatte weniger Spaß daran, sie zeigte dann Trauerränder. Die Therapie war mehr oder weniger erfolgreich.
</p>

<p>
	Im 15. Lebensjahr zeigte sich ein starker Schub, überall auf meinem Körper zeigten sich kleine Flecken, welche aber wie auch zwei größere Flecken an den Innenseiten der Knöchel nach kurzer Zeit spurlos verschwanden. Einzig traten starke Kopfschuppen weiterhin auf, die Öltherapie war schon lange eingestellt, das Medikament gab es dann wohl nicht mehr (ostdeutsches Produkt, wohl ein Opfer der Wendezeit geworden). Ich behandelte meine Kopfhaut sporadisch mit Terzolin und hatte nach mehreren Anwendungen zwei bis drei Monate Ruhe, bei Wiederauftritt nahm ich die Therapie einfach wieder auf.
</p>

<p>
	Urlaubsreisen nach Griechenland und Australien brachten wohl wegen der klimatischen Bedingungen nach ca. einer Woche Beschwerdefreiheit für ca. zwei bis drei Monate (nach anfänglichem starken Brennen – die Psoriasis wollte sich wohl gegen mich wehren).
</p>

<p>
	Zum momentanen Zeitpunkt habe ich allerdings einen starken Schub, welcher durch psychische Probleme ausgelöst und durch eine schwere Angina verstärkt wurde. Dummerweise belastet mich die Psoriasis im Moment psychisch noch mehr und es entsteht ein Teufelskreis.
</p>

<p>
	Desweiteren war ich der Meinung, meine Haut immer hart, aber gesund behandelt zu haben, da ich beim täglichen Waschen bzw. Duschen nie einen Seiflappen, sondern eine Bürste benutzt habe (über Jahre hinweg), in dem Glauben, die Durchblutung zu fördern und alte Hautschuppen zu entfernen. Der Erfolg untermauerte diese Einstellung. Ich handelete nach dem Prinzip "Je härter du deine Haut behandelst, umso sanfter wird sie", ich glaubte, mich abgehärtet zu haben.
</p>

<p>
	Die Bürstenbehandlung löst allerdings weiterhin Wohlbefinden aus, allerdings sollte ich wohl kein herkömmliches, weil mit Chemie vollgestopftes Duschgel mehr verwenden, sondern milde Präparate.
</p>

<p>
	Meine Vermutung geht aber dahin, mehr ein psychsisches Problem zu haben, welches ich mit Medikamenten selbstverständlich nicht lösen kann, sondern eher durch ein Überdenken der mir Probleme bereitenden Umstände. Leider weiß ich nicht, wie und wo ich anfangen soll. Ärztliche Behandlung durch einen Psychologen widerstrebt mir etwas, weil ich denke, meine Sorgen seien lächerlich im Vergleich zu anderen Menschen und ich auch nicht weiß, wie und wo ich anfangen soll zu erzählen.
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Schneller als ich gucken konnte, hatte ich kaum noch Freunde"
</h2>

<p>
	<strong>Patricia L. (17) hat sich vorgenommen, noch besser mit der Krankheit zu leben und sie noch mehr zu akzeptieren. "Ich habe eingesehen, dass ich auch so ein völlig normales Leben führen kann."</strong>
</p>

<p>
	Ich komme aus Warstein. Ich habe auch Schuppenflechte. Bei mir ist sie allerdings nur auf dem Kopf und mit kleinen Stellen auf dem linken Unterarm. Bei mir traten die sogenannten roten Flecken mit sieben Jahren zum ersten mal auf. Ich habe mir damals nicht viel dabei gedacht. Nur meine Eltern wunderten sich, weil ich mich nur noch am Kopf gekratzt habe.
</p>

<p>
	Mit acht Jahren bin ich zum ersten Mal mit diesem Problem zum Arzt gegangen. Der überwies mich zum Hautarzt. Dort musste ich etliche Test mit mir machen lassen, weil der Arzt anfangs dachte, es wäre eine allergische Reaktion. Doch dann kam die "frohe" Botschaft, das ich Psoriasis habe.
</p>

<p>
	Für meine Mutter war diese Krankheit keine Neuigkeit mehr, denn sie selber war damals sehr jung daran erkrankt. Sie hatte die Schuppenflechte an den Ellebogen. Doch bei ihr ging es nach ein paar Jahren wieder weg. Ich allerdings trage meine Schuppen schon seit zehn Jahren mit mir rum.
</p>

<p>
	Bisher hat kein Medikament wirklich geholfen – und wenn, dann nur für kurze Zeit. Seitdem habe ich die Hoffnung aufgegeben, jemals völlig befreit zu sein von Schuppen. Ich kann sehr gut mit den Schuppen leben. Allerdings ist es mir immer noch unangenehm, schwarze Sachen anzuziehen oder allgemein dunkle, denn auf denen sieht man die Schuppen ja sofort.
</p>

<p>
	Nicht viele Menschen wissen von meiner Schuppenflechte. Ich war damals, als ich es erfuhr, sehr offen gegenüber meinen Freundinnen und habe es ihnen erzählt. Ich durfte mich von da an verspotten lassen – von wegen, das wären doch Läuse und keine Schuppen. Schneller als ich gucken konnte, hatte ich kaum noch Freunde. Als ich nach NRW zog, wussten nur meine engsten Freunde davon. Die fragten mich immer aus. Sie dachten anfangs alle, dass es ansteckend wäre. Sie haben es nur mit viel Mühe akzeptiert.
</p>

<p>
	Danach musste ich wieder die Schule wechseln. Meinen Freundinnen dort habe ich es erzählt. Sie waren die ersten, die es positiv aufgenommen haben und mich so akzeptiert haben und es auch noch tun – seit mehr als drei Jahren. Darüber bin ich echt froh und auch sehr dankbar.
</p>

<p>
	Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, noch besser mit der Krankheit zu leben und sie noch mehr zu akzeptieren. Ich habe eingesehen, dass ich auch so ein völlig normales Leben führen kann. Ich bin momentan selbstbewusster als ich jemals war und kann super so leben im Moment. Und das mit dem Solarium stimmt wirklich. Bei mir hilft es auch.
</p>

<p>
	Ich finde, das man sich bei sowas nicht schämen muss. Wir können ja schließlich nicht viel dafür. Ich stehe dazu und bin glücklich darüber, so außergewöhnlich zu sein – auch wenn das ewige Jucken manchmal nervt!
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Akzeptiert die Krankheit als Teil von Euch selbst"
</h2>

<p>
	<strong>"Macht Euch nicht verrückt und akzeptiert die "Krankheit" als Teil von Euch. (...) Leute, die dauernd ihre Psoriasis aus Scham verstecken, tun weder ihrer Psyche noch ihrem Wohlbefinden noch der Psoriasisausprägung selbst etwas Gutes."</strong>
</p>

<p>
	Ich bin 27 Jahre alt und bei mir ist die Psoriasis im sehr ungewöhnlichen Alter von zwei Jahren aufgetaucht. Meine Mutter entdeckte sie zunächst auf der Kopfhaut und schon bald hatte ich sie am gesamten Körper.
</p>

<p>
	Vor allem die Ellenbogen, Oberarme, Knie und Oberschenkel wiesen Häufungen der Schuppen auf. Bis zur Pubertät war auch mein Gesicht – vor allem die Wangen – betroffen. Nach der Pubertät verringerte sich die Anzahl der Schuppen und im Gesicht verschwanden sie völlig. Häufungen sind nun nur noch an den Ellenbogen und Knien zu sehen, am restlichen Körper verteilen sie sich durchschnittlich im Abstand von zehn Zentimetern.
</p>

<p>
	In einem Winter hatte ich Prüfungsstress und prompt brach sie wieder aus. Seitdem habe ich keinen Versuch mehr unternommen, da sie meiner Meinung nach sowieso wieder ausbrechen wird. Da lohnt der Aufwand nicht.
</p>

<p>
	Da ich schon seit frühester Kindheit mit der Krankheit zu tun habe, ist es für mich keine "Krankheit" im eigentlichen Sinne, sondern einfach nur ein Merkmal – so wie z.B. Haar- oder Hautfarbe. Meine Ausprägung der Psoriasis behindert mich im Alltag nicht und so stört sie mich auch nicht. Die Psoriasis ist ganz einfach ein Teil von mir.
</p>

<p>
	Mir fehlen auch die schlechten Erfahrungen mit Mitmenschen, was vielleicht auch von meinem unbeschwerten Umgang herrührt. Ich habe also zum Beispiel nie erlebt, dass mich jemand gehänselt hätte oder einen Bogen um mich gemacht hätte. Sicher wurde ich öfter drauf angesprochen, doch das waren immer ganz normale Fragen, da es ja keine so alltägliche Erscheinung für die anderen ist. Ich habe erklärt, was es war und damit war alles klar.
</p>

<p>
	Die Krankheit ist mir als "Krankheit" erst bei der Musterung bewusst geworden. Dort fragte mich die Ärztin, was ich da hätte und warum ich das nicht als Krankheit vorher angegeben hätte. Psoriasis war für mich so normal, dass ich alle möglichen Allergie-Atteste (Gräser, Heu, Staub, ...) besorgte und gar nicht an die Psoriasis als Ausmusterungsgrund oder Grund überhaupt für irgendwas dachte. Jedenfalls wurde ich sodann aufgrund der Psoriasis ausgemustert, da die Bundeswehr angeblich die Uniformen hart wäscht und sie so eng sind, dass ich blutende Stellen bekommen könnte. Mir war das ganz recht und ich ging mit einem Erstaunen nach Hause, dass diese Kleinigkeit der Grund war.
</p>

<p>
	Nachdem ich mich im Internet über Psoriasis erkundigt habe und mir immer mehr Publikationen zu diesem Thema auffallen, komme ich allerdings immer häufiger ins Grübeln, wenn es darum geht, ob ich die Psoriasis die ganze Zeit meines bisherigen Lebens verdrängt bzw. ignoriert habe. Ich komme jedoch immer zu dem Schluss, dass ich eigentlich doch sehr vernünftig mit der Krankheit umgehe, da sie mich im Alltag weder körperlich noch seelisch belastet und ich ja schließlich mit ihr aufgewachsen bin. Ich denke, es wäre ein Problem für mich, wenn ich sie erst später, zum Beispiel mit 20 Jahren, bekommen hätte. Dann erst ist es ja ein Thema – für mich war es das nicht, da ich es ja nie anders kannte.
</p>

<p>
	Eine Sache gibt mir jedoch trotzdem zu denken: Ich hatte noch nie eine feste Freundin. Sicher könnte das an vielen Faktoren liegen, doch es besteht halt die Möglichkeit, dass ein Faktor eben die Psoriasis ist. Ob es der entscheidende Faktor ist oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, doch sollte es ein "Schwachpunkt" von mir sein, so habe ich diesen immer in eine Stärke umgewandelt, indem ich mir sage, dass nicht jeder über einen solchen "Filter" gegen oberflächliche Leute verfügt. Ich denke, dass diese Ansicht richtig ist, dennoch wurde sie nicht in Form einer festen Freundin belohnt.
</p>

<p>
	Aber das Thema ist ohnehin zu komplex, da ja über die Psoriasis hinaus noch sehr viele andere Dinge eine Rolle spielen...
</p>

<p>
	Meine Botschaft an Psoriatiker, die nicht mit ihrer Krankheit umgehen können, ist folgende:
</p>

<p>
	Macht Euch nicht verrückt und akzeptiert die "Krankheit" als Teil von Euch. Wenn es eine Form ist, die zwar ab und zu jucken kann, aber sonst zu keinem körperlichen Unbehagen führt, sollte es nicht schwierig sein, auch ohne Hauttherapie damit umzugehen.
</p>

<p>
	Ich laufe, wie alle anderen, im Sommer auch mit kurzen Hosen und kurzen Ärmeln herum und gehe schwimmen, etc. Dieses Verhalten führt nämlich ganz nebenbei auch zur Verminderung der Schuppenflechte. Leute, die dauernd ihre Psoriasis aus Scham verstecken, tun weder ihrer Psyche noch ihrem Wohlbefinden noch der Psoriasis-Ausprägung selbst etwas Gutes. So gesehen bin ich also "schamlos" gegenüber meiner Psoriasis und das bilde ich mir nicht ein, sondern das ist so. Wer mich aufgrund meines "Merkmals" nicht akzeptiert, verdient es auch nicht besser. Und ich sehe es als Vorteil, wenn sich solche oberflächlichen Leute schon vor dem Kennenlernen entlarven.
</p>

<p>
	Nebenbei ist mir übrigens schon oft aufgefallen, dass viele Leute, die ein Stigma haben – egal ob Hautfarbe, auffällige Behinderungen oder Psoriasis, u.v.m., sehr oft die Schuld an alle möglichen vermeintlich-negativen Situationen auf das Stigma schieben.
</p>

<p>
	Ich möchte dies bewusst nicht am Beispiel von Psoriasis klar machen, sondern an einem fiktiven Beispiel der Hautfarbe: Eine farbige Frau aus Nigeria ist in Deutschland und hat dort Erfahrung mit Rassismus gemacht. Sie hat nun leider das Vorurteil: In Deutschland gibt es viele Rassisten. Sie geht durch die Fußgängerzone und zufällig, als sie neben einer Gruppe von Menschen vorbei geht, hört sie hinter ihrem Rücken Gelächter. Sie denkt sofort – ohne es zu wissen –, dass das Gelächter ihr galt und sich diese Gruppe über sie lustig machen würde, da sie anders aussieht als die meisten in Deutschland. Sie findet damit eine Bestätigung des Vorurteils, dass die Deutschen allgemein zu Rassismus tendieren. In Wirklichkeit hat die Gruppe jedoch über einen Witz gelacht, sie haben die nigerianische Frau gar nicht wahrgenommen.
</p>

<p>
	Ich denke, dieses Beispiel lässt sich noch viel weiter ausmalen, der Zusammenhang zu Psoriasis dürfte auch klar sein. Man kann alles Mögliche für die schlechte Situation von einem verantwortlich machen und es ist furchtbar leicht, es auf den einen, hervorstechenden und scheinbar auf der Hand liegenden Grund zu schieben – nämlich der Psoriasis. Es erfordert sehr viel mehr Denken und Anstrengung, den wahren Grund zu finden.
</p>

<p>
	Wer aus Bequemlichkeit zu faul zum an der Objektivität orientierten Denken ist, wird nicht glücklich und erst recht kein besserer Mensch.
</p>

<p>
	<em>Tamio Patrick</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	Menschen mit Schuppenflechte – lauter Zwangsintrovertierte?
</h2>

<p>
	<strong>"Habe ich mit der Pso eine schöne Ausrede für mein Verhalten?", fragt sich Marius J.</strong>
</p>

<p>
	Für mich war Psoriasis immer zwei Krankheiten auf einmal. Da ist das Erscheinungsbild auf der haut, das sich mehr oder weniger gut behandeln lässt, dessenwegen man Ärzte aufsucht oder sich mit lLeidensgenossen darüber austauscht. Und da ist das aufgrund der Krankheit gestörte Verhältnis zu anderen, das ich hauptsächlich im Alleingang zu "therapieren" versuchte. Auch im Forum wird ja bezeichnenderweise viel mehr über medizinisches als über den sozialen, psychischen etc. Aspekt von Psoriasis diskutiert, obwohl es ja in den meisten fällen nicht die Schuppen sind, die schmerzen.
</p>

<p>
	Wahrscheinlich fällt es einfach leichter, über Salben als über Ängste und Kränkungen zu reden. Jetzt, im Alter von 30 jahren, habe ich mit konsequenter Bestrahlung meine Schuppenflechte ganz gut im Griff.
</p>

<p>
	Woran es aber auch heute noch bei mir hapert, ist der unbefangene Umgang mit anderen und insbesondere mit dem anderen Geschlecht. Sprich: als mit Beginn der Pubertät, die Zeit wie bei jedem anderen so auch bei mir reif war, allseits bekannte Verhaltensmuster einzuüben, habe ich mir hauptsächlich Sorgen darüber gemacht, wie ich aus der Misere heil raus komme. "Heil" hieß für mich damals: ohne mich der zutiefst kränkenden Reaktion anderer, insbesondere natürlich der Mädchen aussetzten zu müssen. Darin war ich lange Zeit leider ziemlich erfolgreich. Ich erfand bei sich androhenden Gelegenheiten Ausreden oder zog mich von vornherein ganz zurück und beschäftigte mich mit allem, nur nicht damit, womit Jungs im Alter von 14 oder 15 beginnen, sich in angestrengtem Maße nunmal zu beschäftigen.
</p>

<p>
	Diesen in einer wichtigen Entwicklungsphase unterlaufene soziale und sexuelle "Trainingsrückstand", glaube ich, kann man kaum ganz aufholen. Was ich damit sagen will: Die jüngeren Menschen (eingeschlossen ich selbst) mit Schuppenflechte oder ähnlichen Krankheiten, die ich bis dato kennen gelernt habe, sind alle gelernte Zwangsintrovertierte – der eine mehr, der andere weniger.
</p>

<p>
	Obwohl ich meinen Körper heute nicht mehr verstecken müsste und es auch nicht tue, verhalte ich mich deshalb trotzdem nicht plötzlich wie von einer Zentnerlast befreit, bin deswegen trotzdem nicht das Partytier geworden, das Männer wie Frauen gleichermaßen beeindruckt. Und ich ziehe es immer noch vor, es dem Zufall zu überlassen, ob ich Frauen kennenlerne oder nicht. Ungehemmtes Vorpreschen ist auch heute noch nicht mein Ding. Geht es euch, Mann oder Frau, da anders? Oder habe ich mit Psoriasis einfach eine schöne Ausrede für mein Verhalten?
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<h2>
	"Liebe ist nicht von der Haut abhängig"
</h2>

<p>
	<strong>Tamara (35) berichtet: "Mein Bruder sagte irgendwann zu mir, ,wenn ich diese Krankheit hätte, würde ich mich umbringen'. Er konnte damals nicht wissen, dass auch er betroffen sein wird."</strong>
</p>

<p>
	Es ist zwar nicht einfach mit dieser Krankheit zu leben, aber man muss sich bewusst sein, dass es hierfür keine Heilung gibt. Ich selbst habe diese Krankheit seit meinem dritten Lebensjahr (bin heute 30). Alle typischen Stellen sind betroffen.
</p>

<p>
	Als Kind und Jugendliche bin ich damit überhaupt nicht klargekommen. Wie sagt man doch: "Kinder können sehr grausam sein". Mit 17 bin ich für sechs Wochen zur Kur. Diese 6 Wochen waren "Balsam für meine Seele".
</p>

<p>
	Endlich traf ich Leute, die an genau der selben Krankeit litten. Vorher kannte ich niemanden, der auch Schuppenflechte hatte. Auch die Zeit danach, das erste Mal ohne die "Schuppe", war wunderbar. Ich konnte ins Schwimmbad, Kleider anziehen (was ich vorher noch nie gemacht habe).
</p>

<p>
	Allerdings trat der erste Schub nach einigen Wochen wieder auf und es war schlimmer als jemals zuvor. Nicht gerade die Krankheit, aber mein psychische Verfassung. Ich war so weit oben und bin dann so weit hinab gefallen. Daher beschloss ich, keine Kur mehr zu machen. Ich musste einfach lernen, damit zurecht zukommen. Mein Bruder sagte irgendwann zu mir, "wenn ich diese Krankheit hätte, würde ich mich umbringen". Er konnte damals nicht wissen, dass auch er betroffen sein wird. Ihn hat es über Nacht erwischt und wesentlich schlimmer als mich.
</p>

<p>
	1992 war ich dann mit meinem Vater in <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/therapien/knabberfische/kangalfische-therapie-deutschland/" rel="">Sivas</a>. Ich war genau 2 Tage da (leider bekam ich Lungenentzündung ), aber die Schuppenflechte war weg!
</p>

<p>
	Es dauerte genau einen Monat, bis sie wieder da war. Und schon wieder fiel ich in ein ziemliches tiefes Loch. Kurz nach meinem Aufenthalt in der Türkei lernte ich meinen Mann kennen. Er hatte und hat bis heute keine Problem mit dieser Krankheit.
</p>

<p>
	Ich habe festgestellt, dass weder irgendwelche Salben oder Medikamente noch die Ernährung dazu beitragen, dass es zu einer Besserung kommt. Sobald ich Stress habe (und den habe ich täglich) wird meine Hautbild schlechter.
</p>

<p>
	Heute habe ich erfahren, dass mein Antrag zur Kur genehmigt wurde. Und diesmal werde ich nicht in ein tiefes schwarzes Loch fallen, da ich diese Kur nur mache, um einfach abzuschalten.
</p>

<p>
	Denjenigen, die denken, dass sie durch diese Krankheit keinen Partner finden werden oder nicht geliebt werden, möchte ich noch sagen, dass Liebe nicht von der Haut abhängig ist. Meine Eltern haben mich 20 Jahre von einem Arzt zum anderen, von einem Heilpraktiker zum anderen geschleppt. Sie haben wirklich alles getan, was in ihrer Macht stand, wollten aber auch nie wahrhaben, dass ihre Tochter mit so einer Krankheit geschlagen ist. Fakt ist, dass ich immer glaubte, dass sie sich für mich schämen, aber das war nicht der Fall.
</p>

<p>
	Mein Mann sagt immer, dass er mich so liebt, wie ich bin. Und das hilft mir.
</p>

<p>
	Natürlich habe auch ich Tage, an denen ich frage "Warum gerade ich?". Das ist, denke ich, auch normal. Aber man sollte niemals zulassen, dass diese Krankheit einen daran hindert, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Eigentlich kann es uns doch vollkommen egal sein, was die Leute denken, die scheinen ohnehin keinen Spiegel daheim zu haben.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1310</guid><pubDate>Sat, 31 Aug 2024 18:19:00 +0000</pubDate></item><item><title>So unterschiedlich gl&#xFC;cklich sind Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis in Europa</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/so-unterschiedlich-gluecklich-sind-menschen-mit-psoriasis-und-neurodermitis-in-europa-r1308/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/gluecksstudie.jpg.8f979993f6a8a703dd31b119532f48fe.jpg" /></p>
<p>
	<strong>In einer <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.20288" rel="external nofollow">aktuellen Studie</a> wurde untersucht, wie glücklich und zufrieden Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis in acht europäischen Ländern sind. Glückliche Menschen bewältigen Probleme besser, die eine Krankheit mit sich bringt. Vermutlich sind sie sogar widerstandsfähiger gegen typische Begleiterkrankungen. Eine angemessene Behandlung verbunden mit einer positiven psychologischen Betreuung würde die Betroffenen zufriedener machen. </strong>
</p>

<h2>
	Die Ergebnisse
</h2>

<ul>
	<li>
		Befragte mit Neurodermitis fühlten sich durch ihre Erkrankung stärker beeinträchtigt und fühlten sich insgesamt weniger wohl, als die mit Psoriasis.<br>
		Das könnte daran liegen, so die Forschenden, dass Psoriasis-Patienten inzwischen wirksamer mit innerlichen Medikamente behandelt werden.
	</li>
	<li>
		Österreichische Hautpatienten erreichten die höchsten Werte bei Fragen zu Lebensqualität, Wohlbefinden und Zufriedenheit. Es folgen Italiener und Malteser. Deutsche lagen im Mittelfeld der acht Länder. Befragte aus Polen, Rumänien und der Ukraine dagegen fühlten sich am wenigsten glücklich.<span> </span>
	</li>
	<li>
		Österreichische Patienten gaben an, ihre Hautkrankheit weniger schwer wahrzunehmen als andere. Die Autoren vermuten, dass sie häufiger mit innerlichen Medikamenten behandelt werden als Betroffene aus anderen Ländern. Generell entspräche das Glücksniveau in dieser Studie dem der Allgemeinbevölkerung. Das führen die Forschenden darauf die zurück, dass die Teilnehmenden an Universitätskliniken angesprochen wurden. Dort würden sie hochwertig versorgt werden.
	</li>
	<li>
		Wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind, werde durch unterschiedlich kulturelle Einflüsse und die wirtschaftliche Situation (v.a. Arbeitslosigkeit) beeinflusst. Das würden <a href="https://www.europeansocialsurvey.org/findings/europeans-wellbeing/measuring-wellbeing" rel="external nofollow"><span>andere Studien</span></a> bestätigen. Bei Erkrankten käme hinzu, wie stark sie betroffen sind und welche Chance sie in ihrem Gesundheitssystem hätten, sich wirkungsvoll behandeln zu lassen.<span> </span>
	</li>
	<li>
		Behandlung scheine sich grundsätzlich positiv auf die Stimmung auszuwirken. Welche Therapie bzw. welcher Wirkstoff, das am besten erreicht, werde aber uneinheitlich beantwortet. Weniger glücklich waren Patienten, die häufig die Therapie wechselten, mit weniger als drei innerlichen Therapien behandelt wurden oder sich nicht therapiegemäß verhalten haben.
	</li>
	<li>
		Personen, die häufiger positive Gefühle erleben, würden besser befähigt sein, die Herausforderungen des Lebens zu meistern; auch krankheitsbedingte. Das könnten Patienten lernen, wenn sie zusätzlich psychologisch betreut werden; selbstverständlich zugeschnitten auf ihre individuellen Bedürfnisse und die Gegebenheiten in ihrem Land.
	</li>
	<li>
		Indirekt fordern die Forschenden, dass Hautpatienten in allen europäischen Länder die gleiche Chance haben müssten, mit wirksamen Medikamenten behandelt zu werden. Damit könne ihr Glücksgefühl verbessert werden.<span> </span>
	</li>
</ul>

<p>
	<iframe aria-label="Balken (separat)" data-external="1" frameborder="0" height="372" id="datawrapper-chart-rgQRh" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/rgQRh/1/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Glück über die Grenzen hinweg" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h2>
	Was mit der Studie erreicht werden soll
</h2>

<p>
	Mit bisher veröffentlichten Befragungen von Hautpatienten wurde hauptsächlich untersucht, was sich die Betroffenen von der Therapie erhoffen oder wie stark sie sich durch ihre Erkrankung eingeschränkt bzw. stigmatisiert fühlen. Mit der Frage nach „Glück und Zufriedenheit“, so die Forschenden, solle dagegen herausgefunden werden, wodurch positive Gefühle verstärkt werden könnten. Denn „<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/jdv.20288" rel="external nofollow">glücklichere Menschen hätten oft mehr Erfolg, erfüllende Beziehungen, positive soziale Ausstrahlung und eine bessere geistige und körperliche Gesundheit</a>“.
</p>

<p>
	Was als Glück empfunden wird, sei in jedem Land unterschiedlich und werde beeinflusst von Dingen wie soziale Freiheit, Einkommen und Kultur.
</p>

<p>
	Erste Studien hätten gezeigt, dass Patienten mit Hautkrankheiten, insbesondere mit Schuppenflechte und Neurodermitis, weniger glücklich seien – abhängig davon, wie schwer und wie lange sie schon erkrankt sind.
</p>

<h2>
	Wer an der Studie teilgenommen hat
</h2>

<p>
	Die Ergebnisse basieren auf Antworten, die bei Befragungen an Uni-Kliniken gegeben wurden. Insgesamt beteiligten sich daran 1039 Betroffene aus Deutschland, Italien, Malta, Polen, Portugal, Österreich, Rumänien und der Ukraine. Davon hatten 726 Psoriasis und 316 Neurodermitis. Aus Deutschland kamen 92 Teilnehmer (8,9 Prozent) und aus Österreich 256 (24,6 Prozent). In Deutschland waren die Uni-Hautkliniken in München und Freiburg beteiligt, in Österreich die Uni-Klinik in Graz.
</p>

<p>
	Durchschnittlich waren die Befragten 40 Jahre alt; 55,6 Prozent waren Männer; 71,5 Prozent waren berufstätig und 52,6 Prozent lebten in einer Partnerschaft. 
</p>

<h2>
	Wonach die Teilnehmer gefragt wurden
</h2>

<p>
	Die Patienten sollten angeben, wie schwer sie ihre Erkrankung selbst wahrnehmen. Wie stark sie sich dadurch in ihrem Leben beeinträchtigt fühlen, beantworteten sie mit dem <a href="https://flexikon.doccheck.com/de/Dermatology_Life_Quality_Index" rel="external nofollow">DLQI-Fragebogen</a>. Wie wohl sie sich generell fühlen, ergab sich daraus, wie oft sie Gefühle wie "glücklich", "zufrieden" oder "freudig" erleben. Als Gegenpol wurde gefragt, wie oft sie sich "traurig", "ängstlich" oder "wütend" gefühlt haben (<a href="https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/bin-ich-gluecklich-und-wenn-ja-wie-oft/" rel="external nofollow">Scale of Positive and Negative Experiences</a>). Schließlich gaben sie Auskunft darüber, wie zufrieden sie mit ihrem Leben insgesamt sind (<a href="https://zis.gesis.org/skala/Janke-Gl%C3%B6ckner-Rist-Deutsche-Version-der-Satisfaction-with-Life-Scale-(SWLS)" rel="external nofollow">Satisfaction with Life-Scale</a>). Entspricht das Leben den eigenen Idealvorstellungen? Empfindet man seine Lebensbedingungen als ausgezeichnet. Ist man mit seinem Leben zufrieden? Habe man im Leben das Gewünscht erreicht? Würde man, wenn das möglich wäre, noch einmal alles genauso machen?
</p>

<h2>
	Wer die Studie finanziert hat
</h2>

<p>
	Die Studie wurde vom Deutschen Psoriasis Bund mit einem <a href="https://www.psoriasis-bund.de/fileadmin/images/download/Berichterstattung_Forschungsfoerderung_im_PSO_Magazin/DPB-Forschungsfoerderung_2022_-_Dr._Linda_Tizek_und_Johanna_Weis_-_PSO_Magazin_4-2022.pdf" rel="external">Forschungsstipendium in Höhe von 15.000 Euro</a> gefördert. Das Geld dafür kam vom Cosentyx-Hersteller Novartis Pharma GmbH.
</p>

<h2>
	Was wir dazu meinen
</h2>

<p>
	Mit der Studie sollte festgestellt werden, wie sich das Glücksempfinden von Menschen mit Schuppenflechte und Neurodermitis in den acht Ländern unterscheidet und woran das liegen könnte. Auf den ersten Blick erscheinen die Resultate nicht unerwartet und die vorgeschlagenen Schlussfolgerungen sehr allgemein.
</p>

<h3>
	Glücksgefühl steigt mit wirksamer Behandlung
</h3>

<p>
	Als wichtigste Konsequenz wird wiederholt genannt: Der Schlüssel zu vermehrtem Glücksgefühl sei eine wirkungsvolle Behandlung. Welche damit gemeint ist, wird nicht genau gesagt. Aber am Beispiel der höheren Glückswerte der Patienten mit Psoriasis gegenüber denen mit Neurodermitis wird es klar. Die besseren Werte kämen vermutlich daher, dass Psoriasis häufiger mit innerlichen Medikamenten behandelt wird. Damit können nur Biologika oder die anderen neue Wirkstoffe gemeint sein.
</p>

<p>
	Ähnlich die Schlussfolgerung für diejenigen, die ein niedrigeres Glücksniveau und eine geringere Lebensqualität angaben. Verantwortlich dafür sei zum einen die schlechtere wirtschaftliche Situation (hohe Arbeitslosigkeit), zum anderen aber, die „Nichtverfügbarkeit von Therapien“. Warum diese Therapien nicht verfügbar sind, wird nicht gesagt. Die Wahrheit ist: Die Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern können sich solche hochpreisige Medikamente schlichtweg nicht leisten. Die Süddeutsche Zeitung hat <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wirtschaft/gesundheit-krebs-mukoviszidose-cystische-fibrose-cf-pharmaindustrie-europa-eu-kaftrio-e522399/?reduced=true" rel="external nofollow">ausführlich berichtet</a>, welche Folgen so etwas für Betroffene in diesen Ländern hat. Dabei könnten auch neue Präparate deutlich billiger sein! Es ist  <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/warum-biologika-so-teuer-sind-r1139/" rel="">hinlänglich nachgewiesen</a>, dass sie <em>nicht</em> wegen der Forschungs- und Entwicklungskosten so teuer sind.
</p>

<p>
	Die Pharmabranche erzielt seit 2021 eine durchschnittliche Umsatzrendite von mehr als <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wirtschaft/gesundheit-krebs-mukoviszidose-cystische-fibrose-cf-pharmaindustrie-europa-eu-kaftrio-e522399/?reduced=true" rel="external nofollow">25 Prozent</a>. „Mehr schafft keine Branche“, so die Süddeutsche. Diese Gewinnvorgabe führt zu überteuerten Medikamenten.
</p>

<h3>
	Faire Medikamentenpreise, damit alle behandelt werden können
</h3>

<p>
	Der Auftraggeber dieser Studie war der Deutsche Psoriasis Bund (<abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V."><abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V.">DPB</abbr></abbr>). Der gilt als <a href="https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche?q=Deutscher+Psoriasis+Bund+e.V.&amp;searchReferer=/startseite&amp;filter%5Bactivelobbyist%5D%5Btrue%5D=true" rel="external nofollow">anerkannte Interessenvertretung</a> von Menschen mit Schuppenflechte – auch auf europäischer Ebene als Mitglied von <a href="https://www.euro-pso.org/" rel="external nofollow">EUROPSO</a>. Der <abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V."><abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V.">DPB</abbr></abbr> müsste nach dieser Studie lautstark fordern, dass <em>alle</em> Psoriasis-Betroffenen in Europa (und Baden-Württemberg!) die Chance bekommen, mit diesen neuen Wirkstoffen behandelt zu werden. Das ist unter den gegebenen Umständen nur möglich, wenn die Pharmafirmen die Preise für ihre patentgebundenen Medikamente auf ein faires Niveau senken. Da das Geld überwiegend von Versichertengeldern kommt, müssen Medikamentenpreise kalkulatorisch begründet und sachlich nachprüfbar sein. <em>Das</em> würde die Menschen mit Schuppenflechte glücklich machen!
</p>

<h3>
	Glücklichsein kann man trainieren
</h3>

<p>
	Als zweite Konsequenz wird vorgeschlagen, dass Patienten psychologisch betreut werden sollten, um – vereinfacht ausgedrückt – positiv denken zu lernen. Das wird beim derzeitigen Mangel an Psychologieplätzen vermutlich schwer umzusetzen sein. <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/fakten/psoriasis/die-krankheit-selbst-in-die-hand-nehmen/" rel="">Patientenschulungen, Selbst-Management-Programme u.ä.</a> wären möglicherweise eine Alternative, um zu lernen mit der eigenen Krankheit umzugehen. Die <a href="https://derma-allergie.med.tum.de/index.html" rel="external nofollow">Dermatologie der TU München</a> plant eine "Happiness Intervention" für Betroffene von Psoriasis und Neurodermits. Zusammen mit der <a href="https://www.dgpp-online.de/" rel="external nofollow">Deutschen Gesellschaft für positive Psychologie</a> soll herausgefunden werden, ob damit deren Glücksempfinden gesteigert werden kann.
</p>

<h3>
	Ergebnisse basieren auf subjektiven Aussagen
</h3>

<p>
	Inwieweit die Studie statistischen Ansprüchen genügt, müssen Experten beurteilen. Die Autoren selbst sprechen von einer „robusten Stichprobengröße“. Diese Stichprobe ist aber nicht repräsentativ für die durchschnittlichen Hautkranken: Sie gehören zu der Minderheit von schwer Betroffenen, sonst würden sich nicht an Unikliniken behandelt werden. 
</p>

<p>
	Die Forschenden benutzen die Begriffe „heuristische Glücks“, „heuristische Zufriedenheit“ oder „heuristisches Wohlbefinden“. Das bedeutet, alle Aussagen basieren auf rein subjektiven Erfahrungen. Dabei ist zu bedenken: „Glücklichsein“ ist immer subjektiv, selbst wenn die Gründe dafür verzerrt wahrgenommen, unbewusst beeinflusst oder falsch geschlussfolgert sind. 
</p>

<h3>
	Globaler Psoriasis-Happiness Bericht
</h3>

<p>
	Die Studie ist nicht die erste dieser Art. Der Hersteller von Kyntheum und Daivobet, die Firma Leo Pharma GmbH, hat <a href="https://www.happinessresearchinstitute.com/publications/world-psoriasis-happiness-report-2017" rel="external nofollow">2017</a> und <a href="https://ifpa-pso.com/resources-tools/world-psoriasis-happiness-report-2018" rel="external nofollow">2018</a> einen „World Psoriasis Happiness Report“ gesponsert. Auch darin wird festgestellt, dass Glücklichsein in unterschiedlichen Ländern sehr verschieden verstanden wird. Das läge daran, dass sich individuell orientiere Kulturen erheblich von und kollektiv orientierten unterscheiden würden, vor allem bei der Nutzenbewertung. Außerdem seien Depressionen unterschiedlich stark verbreitet und das medizinische Personal nicht überall einfühlsam genug. Es lohnt sich, die neun weiteren Schlussfolgerungen nachzulesen.
</p>

<h3>
	Glück ist schwierig zu definieren 
</h3>

<p>
	Inwieweit mit dieser Studie tatsächlich "Glück“ erfragt werden konnte, müssen die Wissenschaftler der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCcksforschung" rel="external">Glücksforschung</a> beurteilen. Einer der Autoren, Professor Alexander Zink, hat auf der DDG-Tagung 2023 darauf hingewiesen, wie schwierig Glück zu definieren sei: Im Deutschen „<em>hat </em>man Glück“ (glücklicher Zufall) oder man „<em>empfindet</em> Glück“. Ist man glücklich, wenn man viele positive Gefühle hat? Oder reicht es aus, nur keine negativen Gefühle zu haben? Wie stark hängt das von der Bezugsgruppe ab, was man als Glück ansieht? Werden Menschen mit Psoriasis häufiger unglücklich? Oder sind sie an sich unglücklich und die Psoriasis verstärkt das? Wo ist die Abgrenzung zur Zufriedenheit? 
</p>

<h3>
	Pflege von Beziehungen als Schlüssel für ein glückliches Leben
</h3>

<p>
	Zink verwies auf eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8KkKuTCFvzI" rel="external nofollow">Harvard-Studie</a>, in der Menschen seit 1938 über 80 Jahre lang beobachtet wurden. Die zeige, dass die Pflege von Beziehungen der Schlüssel zu einem glücklichen und gesunden Leben ist. Das bedeute, mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, alte Konflikte beizulegen und sich sozial zu engagieren. Investitionen in zwischenmenschliche Beziehungen seien das Beste, was wir für ein gutes Leben machen können. Das gilt vermutlich für alle Menschen, ob mit oder ohne Hautkrankheit.
</p>

<h2>
	Begriffe erklärt
</h2>

<p>
	<strong>Heuristisches Glück</strong> ist eine subjektive Einschätzung des Patienten, wie zufrieden er mit dem Leben ist. Die Studie verwendete einen Fragebogen, der an den <a href="https://www.europeansocialsurvey.org/findings/europeans-wellbeing/measuring-wellbeing" rel="external nofollow">"European Social Survey" (ESS)</a> angelehnt ist, um das heuristische Glück der Patienten zu messen.
</p>

<p>
	In dieser Studie bezieht sich die Angabe von "<strong>positiven Emotionen</strong>" darauf, wie oft jemand positive Emotionen erlebt.  Gemessen wird das mit einem Test, bei dem die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 5 notieren, wie oft sie Emotionen wie "glücklich", "zufrieden" oder "freudig" erleben.
</p>

<p>
	Umgekehrt bezieht sich die Angabe "<strong>negativer Emotionen</strong>" darauf, wie oft jemand negative Emotionen erlebt. Der Test ist ähnlich: Die Teilnehmer notieren auf einer Skala von 1 bis 5, wie oft sie Emotionen wie "traurig", "ängstlich" oder "wütend" verspüren.
</p>

<p>
	Die <strong>Zufriedenheit mit dem Leben</strong> ("Satisfaction with Life (SWL)" ist eine allgemeine Bewertung des eigenen Lebens. Sie spiegelt wider, inwieweit eine Person mit ihrem Leben insgesamt zufrieden ist. Gemessen wurde die Zufriedenheit mit der "Satisfaction with Life Scale (SWLS)". Diese Skala besteht aus fünf Aussagen, die von den Teilnehmern auf einer Skala von 1 ("stimme überhaupt nicht zu") bis 7 ("stimme voll und ganz zu") bewertet werden.
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1308</guid><pubDate>Sun, 18 Aug 2024 10:41:00 +0000</pubDate></item><item><title>K&#xFC;mmert Euch um die Seele, wenn die Haut euch qu&#xE4;lt</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/kuemmert-euch-um-die-seele-wenn-die-haut-euch-quaelt-r1224/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2023_05/hoersaal.jpg.f6437fcb84c26f66993cab2ccc1a1f90.jpg" /></p>
<p>
	<span id="cke_bm_106S" style="display: none;"> </span><strong>Wenn Deutschlands größte Nachrichtenagentur über die Psoriasis schreibt, ist das unbestritten gut. Schade, wenn sich Tipps aber gar nicht wirklich umsetzen lassen.</strong>
</p>

<p>
	Bei der Nachrichtenagentur dpa haben sie einen guten Content-Kalender. In solchen Kalendern sind Anlässe wie der <span ipsnoautolink="true">Weltpsoriasistag</span> vermerkt (<em>aber auch der Tag der Jogginghose</em>). Kurz vor dem Weltpsoriasistag erscheint jedenfalls bei dpa oft ein Artikel, in dem es um einen Aspekt bei Schuppenflechte geht. Im Jahr 2022 war es die Psyche, schließlich drehte sich das internationale Motto des Weltpsoriasistages in diesem Jahr um die mentale Gesundheit.
</p>

<p>
	Im Artikel, der <a href="https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/hautkrankheiten/schuppenflechte-die-seele-staerken-wenn-die-haut-verrueckt-spielt-908271.html" rel="external">zum Beispiel bei der Apotheken-Umschau</a> und wortgleich in vielen Online-Portalen erschien, wurden einige Tipps gegeben. Nur einer war etwas theoretisch:
</p>

<blockquote class="ipsQuote" data-gramm="false" data-ipsquote="">
	<div class="ipsQuote_citation">
		Zitat
	</div>

	<div class="ipsQuote_contents ipsClearfix" data-gramm="false" data-lt-tmp-id="lt-479537" spellcheck="false">
		<p>
			Nicht immer gelingt es, selbst eine Strategie zu finden, um die Psyche zu stärken. <strong>Dann können laut dem BVDD Patientenschulungen helfen</strong>, die eigens auf die Situation von Schuppenflechte-Betroffenen abgestimmt sind. Wo genau es solche Angebote gibt, erfahren Betroffene in ihrer Hautarztpraxis oder von ihrer Krankenkasse.
		</p>
	</div>
</blockquote>

<p>
	Da ist nicht viel zu erfahren. Patientenschulungen gibt es oft für Patienten in Reha-Kliniken. In der freien Wildbahn, also außerhalb eines Klinikaufenthalts, gibt es sie fast nicht. Die <a href="https://www.psoriasiszentrum.uk-erlangen.de/patienten-besucher/psoriasis-schulung/" rel="external nofollow">Hautklinik der Uni-Klinik Erlangen</a> oder <a href="http://www.dermatologie.insel.ch/de/patienten-und-besucher/patienteninformationen/patientenschulungen/psoriasisschulung" rel="external nofollow">die in Bern</a> sind da Ausnahmen, dort kann sich jeder für eine solche Schulung anmelden.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1224</guid><pubDate>Sat, 29 Oct 2022 04:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Ablehnung wegen Schuppenflechte ist immer noch weit verbreitet</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/schuppenflechte-stigmatisierung-umfrage/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2020_12/stigmatisierung-schuppenflechte-umfrage.jpg.725e33c18656a66b70e4f775626e83cd.jpg" /></p>
<p>
	Über Schuppenflechte (Psoriasis) ist die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren ausführlich informiert worden. Trotzdem reicht das nicht aus, um Betroffene davor zu bewahren, von ihrer Umwelt abgelehnt zu werden. Das zeigt eine im Frühjahr und Sommer 2020 durchgeführte Fragebogen-Aktion: Viele Menschen mit einer sichtbaren Hauterkrankung wie der Psoriasis sind nach wie vor abfälligen Blicken und abwertenden Bemerkungen ausgesetzt. Besonders hart trifft es sie, wenn sie von anderen gemieden und ausgegrenzt werden. Und es sind nicht immer nur die anderen: Wer sich in seiner Haut unwohl fühlt, vermeidet es oft, unter Leute zu gehen und grenzt sich damit selbst aus. Die Expertinnen und Experten sprechen von „Stigmatisierung“ und „Selbst-Stigmatisierung“.
</p>

<h2>
	Ergebnis und Ziel der Befragung
</h2>

<p>
	Die Befragten erlebten solche Situationen vorrangig beim Sport, vor allem im Schwimmbad, oft auch in der Schule und im Alltag. Auffällig ist, dass sich nicht wenige auch in Hautarztpraxen abschätzig behandelt fühlten. Es wäre eine gesonderte Befragung wert, zu überprüfen, wie häufig und in welcher Form das tatsächlich vorkommt.
</p>

<p>
	Die meisten Befragten leiden unter den Blicken und Bemerkungen; manche sind darüber eher wütend. Die wenigsten versuchen, ihre Mitmenschen auf ihr Verhalten anzusprechen. Einige Betroffene quälten sich ihr Leben lang wegen der Reaktionen ihrer Mitmenschen. Es war ihnen nicht mehr möglich, so zu leben, wie sie es gerne gewollt hätten. Solche Fälle wurden eindrucksvoll von den Befragten geschildert.
</p>

<p>
	Mit der Umfrage sollten typische Situationen bekannt werden, in denen Betroffene wegen ihrer Psoriasis abgelehnt werden. Es wurde gefragt, was sie dabei empfinden und wie sie damit umgehen. Aus den Antworten sollen Ideen entwickelt werden, um etwas gegen solche Stigmatisierungen zu tun. Gleichzeitig sollten die Betroffenen aber auch selbst gestärkt werden, damit sie lernen, mit Vorurteilen ihrer Umwelt besser umzugehen.
</p>

<p>
	Die Befragung wurde vom <a href="https://www.psoriasis-bund.de/" rel="external">Deutschen Psoriasis Bund e.V.</a> (<abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V."><abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V.">DPB</abbr></abbr>) und unserem Portal Psoriasis-Netz durchgeführt. An der anonymen Befragung nahmen insgesamt 630 Personen teil. Der Fragebogen konnte im Internet ausgefüllt werden und wurde auch über die Mitgliederzeitschrift „PSO Magazin“ des <abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V."><abbr title="Deutscher Psoriasis-Bund e.V.">DPB</abbr></abbr> verbreitet. Die Idee zu der Umfrage entstand im Rahmen eines Projektes, an dem beide Patienten-Initiativen mitarbeiten. In dem Projekt geht es darum, Konzepte zu entwickeln, um einzelnen Berufsgruppen das Problem der Stigmatisierung von Hauterkrankten bewusst zu machen.
</p>

<h2>
	Einzelergebnisse
</h2>

<h3>
	Viele fühlen sich häufig abgelehnt
</h3>

<p>
	Neun von zehn Befragten (87,1 Prozent) haben aufgrund ihrer Psoriasis schon abfällige Blicke oder sogar abwertende Bemerkungen erlebt. Über drei Viertel der Befragten (77,4 Prozent) erfuhren diese Art der Ablehnung bis zu viermal jährlich – knapp die Hälfte davon (37,5 Prozent) erlebte das sogar noch häufiger. Nur einer von zehn Befragten (12,9 Prozent) gibt an, noch nie eine solche ablehnende Erfahrung gemacht zu haben.
</p>

<p>
	<iframe aria-label="Donut-diagramm" data-external="1" frameborder="0" height="572" id="datawrapper-chart-9DKxI" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/9DKxI/3/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Hast du schon wegen deiner Schuppenflechte abfällige Blicke oder sogar abwertende Bemerkungen erlebt?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<p>
	Über die Hälfte der Befragten (55,8 Prozent) gibt an, wegen der Psoriasis schon mal von anderen Menschen gemieden oder sogar ausgegrenzt worden zu sein. Über ein Drittel der Befragten (36,0 Prozent) erlebte diese ganz direkte Art der Ablehnung schon öfter: Bei jeder Vierten bzw. jedem Vierten (26,1 Prozent) kam dies bis zu viermal jährlich und bei jeder Zehnten bzw. jedem Zehnten (9,9 Prozent) sogar noch häufiger vor.
</p>

<p>
	<iframe aria-label="Donut-diagramm" data-external="1" frameborder="0" height="572" id="datawrapper-chart-KixwI" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/KixwI/4/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Hast du schon erlebt, wegen deiner Schuppenflechte von anderen gemieden oder sogar ausgegrenzt worden zu sein?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h3>
	Am meisten im Sport, Alltag, Beruf und in der Schule
</h3>

<p>
	Sowohl abfällige Blicke und abwertende Bemerkungen als auch Erfahrungen mit Meidung und Ausgrenzung erfuhren die meisten der Befragten (62,2 bzw. 57,0 Prozent) in ihrer Freizeit – zum Beispiel beim Sport, in der Sauna und vor allem im Schwimmbad.
</p>

<p>
	Doch auch im Alltag – beispielsweise beim Gang über die Straße, beim Einkaufen und bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – sah sich mehr als die Hälfte der Befragten (55,8 Prozent) schon mit abfälligen Blicken und abwertenden Bemerkungen konfrontiert.
</p>

<p>
	<iframe aria-label="Säulen" data-external="1" frameborder="0" height="656" id="datawrapper-chart-95xzK" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/95xzK/5/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Wo hast du hauptsächlich abfällige Blicke oder abwertende Bemerkungen wegen deiner Schuppenflechte erlebt und von wem?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<p>
	Mehr als jede Dritte bzw. jeder Dritte (35,9 Prozent) wurde in diesen Alltagssituationen auch schon gemieden oder ausgegrenzt. Allerdings gibt etwa ein Zehntel der Befragten (10,0 Prozent) auch einschränkend an, dass die Meidung und Ausgrenzung von ihm selbst ausgeht (Selbst-Stigmatisierung), wie auch die beiden folgenden Zitate verdeutlichen:
</p>

<blockquote>
	<p>
		<em>Von mir selbst. Die Ausgrenzung ist in meinem Kopf.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Eher eine Selbstausgrenzung.</em>
	</p>
</blockquote>

<p>
	Ein weiterer Ort, an dem abfällige Blicke und abwertende Bemerkungen wie auch Meidung und Ausgrenzung besonders häufig vorkommen, ist die Arbeits- oder Ausbildungsstelle. Etwa die Hälfte der Befragten (54,9 bzw. 48,6 Prozent) erinnert sich nicht nur an negative Erfahrungen im Arbeits- und Berufsleben, sondern auch auf dem Lebensweg dahin – in der Schule, während der Ausbildung oder des Studiums.
</p>

<p>
	<iframe aria-label="Säulen" data-external="1" frameborder="0" height="669" id="datawrapper-chart-BhoAE" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/BhoAE/4/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Wo bist du hauptsächlich wegen deiner Schuppenflechte gemieden oder ausgegrenzt worden und von wem?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h3>
	Es stört, macht traurig und unsicher – aber häufig auch wütend
</h3>

<p>
	Dass all diese negativen Erfahrungen mit abfälligen Blicken und abwertenden Bemerkungen sowie mit direkter Meidung und Ausgrenzung nicht spurlos an den Menschen mit Psoriasis vorbeigehen, liegt auf der Hand: Nur 7,6 bzw. 5,0 Prozent der Befragten geben an, dass es sie nicht stört.
</p>

<p>
	Dies drückt sich auch in den Beschreibungen aus, die Befragte dazu abgeben:
</p>

<blockquote>
	<p>
		<em>Ich schäme mich.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Es kostet viel Kraft und bereitet viel Leid.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Es nervt, immer zu erklären.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Depressionen.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Es lässt mich hilflos zurück.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Ich möchte im Boden versinken.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Wertlos, unnütz, als sei ich kein Mensch.</em>
	</p>
</blockquote>

<p>
	<iframe aria-label="Säulen" data-external="1" frameborder="0" height="669" id="datawrapper-chart-r67wq" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/r67wq/5/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Wie fühlst du dich, wenn du abfällige Blicke oder abwertende Bemerkungen wegen deiner Schuppenflechte erlebst? " loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h3>
	Die eine schweigen, die anderen sprechen es an
</h3>

<p>
	Es wurde auch danach gefragt, wie die Menschen mit Psoriasis überwiegend reagieren, wenn sie wegen ihrer Erkrankung abfällige Blicke und abwertende Bemerkungen erfahren oder Meidung und Ausgrenzung erleben. Dabei sind zwei Reaktionstypen erkennbar:
</p>

<ol type="1">
	<li>
		Über zwei Drittel (68,9 bzw. 73,3 Prozent) der Befragten schweigen in dieser Situation und gehen nicht in die Konfrontation bzw. das Gespräch mit ihrem Gegenüber: Während das eine Drittel (40,8 bzw. 35,1 Prozent) versucht, die Blicke und Bemerkungen oder das meidende und ausgrenzende Verhalten zu ignorieren, versucht das andere Drittel (28,1 bzw. 38,2 Prozent), sich der unangenehmen Situation komplett zu entziehen.
	</li>
	<li>
		Nur weniger als ein Drittel der Befragten (31,1 bzw. 26,7 Prozent) sucht das Gespräch mit dem Gegenüber – dies hängt jedoch auch stark von der eigenen Tagesform ab. Immerhin haben einige der Befragten (9,1 bzw. 4,9 Prozent) hierfür sogar immer einen lockeren Spruch auf Lager.
	</li>
</ol>

<p>
	<iframe aria-label="Donut-diagramm" data-external="1" frameborder="0" height="597" id="datawrapper-chart-ko9Al" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/ko9Al/2/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Wie gehst du überwiegend damit um, wenn du abfällige Blicke oder abwertende Bemerkungen wegen deiner Schuppenflechte erlebst?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
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</script>
</p>

<h3>
	Viele vermeiden den Kontakt zu anderen Menschen
</h3>

<p>
	Diese negativen Erfahrungen mit abfälligen Blicken und abwertenden Bemerkungen, mit Meidung und Ausgrenzung bleiben für die an Psoriasis erkrankten Menschen nicht ohne Folgen. Viele der Befragten schränken sich selbst in ihren sozialen Kontakten ein:
</p>

<ul>
	<li>
		Die Hälfte der Befragten (49,8 Prozent) gibt an, wegen der Erkrankung manchmal (38,4 Prozent) oder sogar meistens (11,4 Prozent) den Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden.
	</li>
	<li>
		Nur etwa ein Drittel der Befragten (35,0 Prozent) vermeidet aufgrund der Erkrankung nicht den Kontakt zu anderen Menschen – und lediglich 15,2 Prozent der Befragten umgeben sich nur mit Menschen, die offensichtlich kein Problem mit der Psoriasis haben.
	</li>
</ul>

<p>
	<iframe aria-label="Donut-diagramm" data-external="1" frameborder="0" height="572" id="datawrapper-chart-gX0du" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/gX0du/2/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Vermeidest du wegen deiner Schuppenflechte den Kontakt mit anderen Menschen?" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h2>
	Was ist zu tun?
</h2>

<p>
	Am Ende des Fragebogens konnten die Befragten angeben, was ihnen zu dem Thema „Ablehnung wegen Schuppenflechte (Psoriasis)“ noch besonders wichtig ist.
</p>

<p>
	Weit über ein Drittel der Befragten (43,2 Prozent) wünscht sich, dass die Öffentlichkeit über die Erkrankung Psoriasis besser aufgeklärt wird. Dadurch könne der Ablehnung und Stigmatisierung entgegengewirkt werden.
</p>

<p>
	Hingegen finden 15,3 Prozent der Befragten, dass es am wirkungsvollsten sei, möglichst erscheinungsfrei zu werden. Denn es seien die Hautsymptome, die ablehnendes Verhalten verursachen würden. Das sei durch gute Therapien und therapiebegleitende Maßnahmen wie Hautpflege, stressarmes Leben und gesunde Ernährung zu erreichen.
</p>

<p>
	Ein Drittel der Befragten (32,8 Prozent) äußert den Wunsch, besser und vor allem selbstsicherer auf Ablehnung reagieren zu können.
</p>

<p>
	Weshalb es so schwer sei, sich gegen Stigmatisierung und Mobbing wehren zu können, führen 16,4 Prozent der Befragten näher aus. Ihr Selbstbewusstsein sei durch die Psoriasis erheblich beeinträchtigt. Denn sie würden sich hässlich, unverstanden, einsam oder abgelehnt fühlen. Sie seien unglücklich, hoffnungslos, psychisch angeschlagen oder sogar depressiv. Sie würden sich vor sich selbst ekeln, vor anderen schämen, hätten Angst vor Berührungen oder Probleme in Beziehungen – bis hin zu sexuellen Schwierigkeiten.
</p>

<p>
	Dies bestätigt, dass der Kontakt zu anderen Menschen mitunter systematisch vermieden wird: 8,7 Prozent der Befragten berichten, sie würden sich nicht in Situationen begeben, in denen ihre erkrankte Haut zu sehen ist – zum Beispiel beim Schwimmen, Sonnen, Tragen von Sommerbekleidung, Sport, Einkauf von Kleidung und Händeschütteln.
</p>

<p>
	Es gibt aber auch gegenteilige Berichte. Einige der Befragten haben gute Erfahrungen damit gemacht, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen:
</p>

<blockquote>
	<p>
		<em>„Ich habe oft (…) mit Mobbing leben müssen, aber tatsächlich sind die meisten Menschen offener und zugänglicher, sobald sie wissen, welche Krankheit du hast.“</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Ich werde regelmäßig darauf angesprochen, was das für Stellen sind. Und wenn man die Leute korrekt aufklärt, habe ich noch nie erlebt, dass ich ausgegrenzt oder gemieden wurde.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Die Krankheit erklärend sichtbar machen. Wer Bescheid weiß, hat Verständnis.</em>
	</p>
</blockquote>

<p>
	Viele der Befragten haben das Gefühl, dass ihre Psoriasis nicht wirkungsvoll behandelt wird. Denn obwohl sie sich offenkundig in ärztlicher Behandlung befinden, haben sie weiterhin mit ihren Hauterscheinungen zu kämpfen:
</p>

<ul>
	<li>
		<em>„Bessere Versorgung durch geschulte Ärzte. Nicht jeder Hautarzt kennt sich damit aus.“</em>
	</li>
	<li>
		<em>„Rechtzeitige richtige Behandlung bei akuten Schüben.“</em>
	</li>
</ul>

<p>
	Von den Befragten, die angaben, wo genau sie stigmatisiert wurden, nannten 15,8 Prozent medizinisch-therapeutische Einrichtungen. Die Betroffenen hatten abfällige Blicke oder abwertende Bemerkungen in Arztpraxen, Kliniken oder Apotheken erlebt – ausdrücklich auch in Hautarztpraxen:
</p>

<blockquote>
	<p>
		<em>Ich wurde schon oft gefragt, ob ich mich verletzt hätte (Schuppenflechte am Ellenbogen und Knie). Selbst Ärzte scheinen das nicht sofort zu erkennen.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Ich habe den Eindruck, dass Hautärzte für Schuppenflechte noch wenig sensibel sind.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>Mein Arzt soll mich ernst nehmen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass er nicht versteht, wenn ich ihm sage, dass mein ganzer Körper weh tut.</em>
	</p>
</blockquote>

<blockquote>
	<p>
		<em>(…) eine Dermatologin sagte, meine Haut sei eine Zumutung für meine Partnerin.</em>
	</p>
</blockquote>

<p>
	<iframe aria-label="Balken" data-external="1" frameborder="0" height="369" id="datawrapper-chart-vZnpM" scrolling="no" src="https://datawrapper.dwcdn.net/vZnpM/2/" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" title="Was findest du zu diesem Thema noch besonders wichtig?			" loading="lazy"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"]){var e=document.querySelectorAll("iframe");for(var t in a.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<e.length;r++)if(e[r].contentWindow===a.source){var i=a.data["datawrapper-height"][t]+"px";e[r].style.height=i}}}))}();
</script>
</p>

<h2>
	Fazit
</h2>

<p>
	Die Umfrage hat gezeigt, dass Menschen in allen Lebensbereichen damit rechnen müssen, wegen ihrer sichtbaren Hauterkrankung herabgewürdigt, gemobbt oder ausgegrenzt zu werden. Viele leiden erheblich darunter, oft ein Leben lang. Nur wenige Erkrankte haben genügend Selbstbewusstsein, sich dagegen zu wehren – und auch das gelingt ihnen an schlechten Tagen nicht immer.
</p>

<p>
	Die Öffentlichkeit muss weiterhin über Psoriasis und andere sichtbare Hauterkrankungen aufgeklärt werden. Das gilt umso mehr in den Bereichen, die häufig mit Hauterkrankten zu tun haben, wie etwa beim Sport (einschließlich Schwimmbad), in der Schule (einschließlich Kindergarten) und in Hautarztpraxen. Die dort Beschäftigten müssen lernen, respektvoll mit den Betroffenen umzugehen und sie rücksichtsvoll anzusprechen.
</p>

<p>
	Gleichzeitig zeigt die Befragung aber auch, wie wichtig es ist, die Erkrankten selbst zu stärken und ihnen Techniken und Argumentationshilfen zu vermitteln, um in solchen Situationen angemessen reagieren zu können.
</p>

<p>
	Wir setzen uns ein für eine Welt, in der es keine Vorurteile mehr gegenüber Menschen mit Psoriasis und anderen sichtbaren Hauterkrankungen gibt. Fachleute nennen das „Entstigmatisierung“.
</p>

<p>
	<em>Rolf Blaga (Psoriasis-Netz) / Marius Grosser (Deutscher Psoriasis Bund e.V.)</em>
</p>

<p>
	Originalauswertung: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/pdf/Umfrage_Ablehnung_wg_Pso_2020.pdf" rel="">Umfrage: Ablehnung wegen Schuppenflechte (Psoriasis), Deutscher Psoriasis Bund e.V. + Verein www.Psoriasis-Netz.de, Hamburg, Berlin 2020</a>
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1093</guid><pubDate>Tue, 08 Dec 2020 00:01:00 +0000</pubDate></item><item><title>Menschen mit Schuppenflechte sind h&#xE4;ufiger abh&#xE4;ngig &#x2013; vom Netz, vom Alkohol, von Zigaretten</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/internetsucht-alkohol-depression-stigmatisierung/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/mann-laptop-raucht.jpg.d870b145ce0c68c40ecbaaf01c066611.jpg" /></p>
<p>
	In einer früheren Studie hatten Forscher herausgefunden, dass unter den Menschen mit <span ipsnoautolink="true">Schuppenflechte</span> mehr Leute an einer Internetabhängigkeit leiden als ansonsten gesunde. Forscher um Maximilian Schielein von der TU München setzten eine weitere Studie auf: Sie wollen herausfinden, wie stark Betroffene sozial eingeschränkt sind und ob parallel zur Internetabhängigkeit auch Depressionen, verstärktes Rauchen oder Alkoholabhängigkeit zu finden sind.
</p>

<p>
	Von März bis Juni 2019 waren Betroffene deshalb aufgerufen, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Die Forscher werteten die Antworten von 460 Teilnehmern aus. Fast zwei Drittel waren weiblich, der Altersdurchschnitt lag bei 46 Jahren. Die Teilnehmer hatten ihre Psoriasis seit durchschnittlich 21 Jahren. Fast 23 Prozent waren zum Zeitpunkt der Umfrage nicht in ärztlicher Behandlung.
</p>

<h2>
	Die Ergebnisse in Kurzform
</h2>

<ul>
	<li>
		88 Prozent berichteten, dass sie sich sozial beeinträchtigt fühlen – manche selten, andere öfter. 
	</li>
	<li>
		Eine Internetabhängigkeit wurde 8,5 Prozent der Teilnehmer attestiert. In der Allgemeinbevölkerung sind das 3,2 Prozent (<em>wobei man zu diesem Vergleich mehr wissen muss</em> <em>– siehe weiter unten</em>).
	</li>
	<li>
		40 Prozent der Teilnehmer zeigten depressive Tendenzen.
	</li>
	<li>
		33 Prozent gaben an, dass sie täglich rauchen. In der Allgemeinbevölkerung tut das nicht einmal die Hälfte davon.
	</li>
	<li>
		17 Prozent galten als alkoholabhängig. In der Allgemeinbevölkerung liegt dieser Wert bei 3,1 Prozent.
	</li>
</ul>

<p>
	Eine stärkere Alkohol- und Zigarettenabhängigkeit unter Psoriatikern hatten  mehrere Studie früher schon berichtet – doch der Internetabhängigkeit oder dem zwanghaften Internetgebrauch hatte sich bislang nur eine Studie gewidmet, die noch nicht veröffentlicht wurde.
</p>

<h2>
	Studien oft nicht repräsentativ für alle Betroffenen
</h2>

<p>
	Eine Herausforderung bei Studien ist es, Teilnehmer aus dem ganzen Spektrum der Betroffenen zu finden. Meist werden die Daten aus sogenannten Registern benutzt, doch dort werden hauptsächlich die Daten von mittelschwer bis schwer betroffenen Menschen gesammelt, und das in üblichen Einrichtungen wie Arztpraxen oder Kliniken. Das heißt aber auch: All die, die aus irgendeinem Grund nicht wegen ihrer Schuppenflechte zu einem Arzt gehen, kommen in Studien kaum vor. Viele suchen aber im Internet nach Informationen, und genau die wollten die Forscher mit ihrer Studie auch erreichen.
</p>

<p>
	Eine weitere Herausforderung: Sonst sind in Studien meist der <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> oder die Größe der betroffenen Körperoberfläche das Maß der Dinge. Die online zu ermitteln, ist schwierig – also fielen diese Angaben weg.
</p>

<h2>
	Eine Frage, 552 Antworten
</h2>

<p>
	Und so wurde mit genau einer Frage ermittelt, ob sich jemand durch seine Psoriasis sozial beeinträchtigt fühlt: "Hindert Ihre Psoriasis Sie daran, bestimmten Freizeitaktivitäten nachzugehen?“ – bewertet auf einer fünfstufigen Skala von "nie" bis „immer“. Alle, die mindestens „selten“ angaben, wurden gefragt, woran genau sie gehindert werden. Dabei gab es keine vorgefertigten Antworten zur Auswahl, sondern ein Textfeld zum Ausfüllen – mit Beispielen wie Schwimmen, Sauna oder Sonnenbaden.
</p>

<p>
	88 Prozent der Teilnehmer fühlen sich durch ihre Psoriasis selten oder häufiger an Freizeitaktivitäten gehindert. Auf die Frage, woran genau sich die Teilnehmer gehindert fühlten, kamen 552 Antworten. Die meisten drehten sich um
</p>

<ul>
	<li>
		Schwimmen (273-mal geantwortet)
	</li>
	<li>
		Sport (93-mal)
	</li>
	<li>
		Sauna (49-mal)
	</li>
	<li>
		Sonnenbaden (32-mal)
	</li>
	<li>
		Stigmatisierungen und Aussehen (30-mal)
	</li>
	<li>
		Bewegung und Walken (28-mal)
	</li>
	<li>
		Ausgehen und Freunde treffen (21-mal)
	</li>
	<li>
		Andere (11-mal)
	</li>
</ul>

<p>
	Für die Forscher deuten viele Antworten außerdem darauf hin, dass manche Menschen mit Psoriasis weniger soziale Kontakte haben.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	Weitere Zahlen und Fakten aus der Studie
</h2>

<p>
	<strong>Depressive Tendenzen</strong> wurden bei 40 Prozent der Teilnehmer festgestellt. Bei diesem Teil der Befragung wurde klar: Je stärker sich jemand sozial beeinträchtigt fühlt, um so stärker sind depressive Tendenzen.
</p>

<p>
	Der Anteil derer, die täglich <strong>rauchen</strong>, ist mit 33 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt. In der Allgemeinbevölkerung rauchen Männer häufiger täglich als Frauen. Bei den Teilnehmern dieser Studie war es andersherum.
</p>

<p>
	Während 17 Prozent der befragten Psoriatiker alkoholabhängig waren, sind es im bundesdeutschen Durchschnitt nur 3,1 Prozent. Jeder vierte Mann gab in dieser Studie an, dass er <strong>alkoholabhängig</strong> ist – und jede achte Frau.
</p>

<p>
	Die Zahl der <strong>Internetabhängigen</strong> aber war es, die die Forscher in dieser Studie wirklich überraschte. In einer repräsentativen Studie waren 3,2 Prozent aller Jugendlichen internetabhängig – unter den (deutlich älteren) Befragten mit Psoriasis waren es 8,5 Prozent. Dabei gab es keine deutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, dem Alter oder, wie stark sich jemand wegen der Schuppenflechte sozial beeinträchtigt fühlte.
</p>

<p>
	Die hohe Prozentzahl ist übrigens um so erstaunlicher, weil die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internetabh%C3%A4ngigkeit" rel="external">Internetabhängigkeit</a> eher bei jüngeren Menschen auftritt und abnimmt, je älter man wird.
</p>

<p>
	Die Teilnehmer der Umfrage waren im Durchschnitt 21,6 Stunden pro Woche online – abseits der Arbeit.
</p>

<p>
	Diese auffällig anderen Ergebnisse führen die Forscher auch darauf zurück, dass die Teilnehmer in dieser Online-Umfrage anonym antworten konnten oder die Teilnehmer waren ohnehin anfälliger – oder beides.
</p>

<p style="text-align: center;">
	<em>Tipp: Bei therapie.de kann jeder <a href="https://www.therapie.de/psyche/info/test/sucht-tests/internetsucht-test/#_" rel="external nofollow">in einem Test</a> ermitteln, ob sein Internetgebrauch problematisch ist.</em>
</p>

<h2>
	Schwächen, Stärken, Schlussfolgerungen
</h2>

<p>
	Den Forschern ist klar: Da es sich um eine Online-Umfrage handelte, konnte der Wahrheitsgehalt der Antworten der Teilnehmer nicht überprüft werden. Und: Mit einer Online-Umfrage erreichen die Forscher nur die, die ohnehin im Internet unterwegs sind – und nicht die, die zum Beispiel keinen Internetanschluss haben. Wer wegen seiner Krankheit stärker Probleme hat, sucht möglicherweise im Netz eher nach Informationen und stolpert irgendwann über die Einladung zur Umfrage als andere.
</p>

<p>
	Ein Vorteil aber könnte die Anonymität der Teilnehmer gewesen sein: Sie antworteten vielleicht ehrlicher und nicht so, wie sie denken, dass es von ihnen erwartet wird („soziale Erwünschtheit“). Früherer Studien hatten diesen Vorteil jedoch nicht, so dass die Ergebnisse nicht unbedingt vergleichbar sind.
</p>

<p>
	Für die Forscher unterstreicht die Studie, wie wichtig die psychische Belastung bei Psoriasis ist. Sie zeigt auch, dass Programme zum Abbau der Stigmatisierung nötig sind.
</p>

<p>
	Ihrer Meinung nach deutet alles darauf hin: Wenn Online-Selbsthilfeplattformen (<em>wie unsere</em>) und ihre Nutzer in die Gesundheitsforschung einbezogen werden, fördert das die Versorgung aller Betroffenen – und nicht nur derer, die beim Arzt oder in einer Klinik behandelt werden, also klassisch als Patienten bezeichnet werden.
</p>

<p>
	Ein Thema für künftige Studien haben die Forscher übrigens nebenbei ausgemacht: Schmerzen auf oder an der Haut wurden ihnen häufig als Symptom genannt.
</p>

<p>
	Die Studie "Always Online? Internet Addiction and Social Impairment in Psoriasis across Germany" wurde <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/9/6/1818" rel="external">im "Journal of Clincal Medicine" veröffentlicht</a>.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<strong>Hinweis in eigener Sache</strong>: Das Psoriasis-Netz ist an der Studie nicht unschuldig. Wir unterstützten die Forscher bei der Formulierung der Fragebögen, riefen zur Teilnahme auf und waren an der Publikation der Ergebnisse beteiligt.
</p>

<p>
	 
</p>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen...
</h2>

<h3>
	...zum Thema Wohlbefinden
</h3>

<ul>
	<li>
		Im "<strong>Welt-Psoriasis-Glücks-Report</strong>" geht es darum, wie sich Menschen mit Schuppenflechte in Deutschland fühlen. [<a href="https://psoriasishappiness.report/static/documents/world-psoriasis-happiness-country-report-2018-germany.pdf" rel="external nofollow">lesen</a>]
	</li>
	<li>
		Informationen der Deutschen Depressionshilfe über <strong>Selbsthilfe bei Depressionen</strong> [<a href="https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/selbsthilfegruppen" rel="external nofollow">lesen</a>]
	</li>
</ul>

<h3>
	...zum Thema Sucht
</h3>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/suchtberatung/haeufiggestelltefragen/faq" rel="external nofollow">Häufig gestellte Fragen zum Thema Sucht</a>, beantwortet von der Caritas
	</li>
	<li>
		Informationen der <a href="https://www.anonyme-alkoholiker.de/" rel="external nofollow">Anonymen Alkoholiker</a>
	</li>
	<li>
		Das Wichtigste über das Zusammenspiel von <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/schuppenflechte-und-rauchen" rel="">Schuppenflechte und Rauchen</a>
	</li>
</ul>

<h3>
	...zum Thema Sex
</h3>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/sex-partner-pso" rel="">Partnerschaft und Sexualität bei Schuppenflechte</a>
	</li>
	<li>
		Bei Psoriasis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/psyche-sex" rel="">Der Sex bleibt, die Zärtlichkeit verschwindet</a>
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">1075</guid><pubDate>Fri, 26 Jun 2020 18:17:00 +0000</pubDate></item><item><title>Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis &#x2013; so geht's</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2020_05/unterstuetzung.jpg.03d115b29ef50f73a7e3d554ec488c74.jpg" /></p>
<p>
	Manchmal sind die Schuppenflechte oder die Psoriasis arthritis so stark, dass die Psyche ebenfalls erkrankt – oder die Erkrankung und das psychische Problem bestehen parallel. Hier erklären wir, wie du zu mehr Entspannung oder zu einer Psychotherapie kommst.
</p>

<h2>
	Entspannungs-Übungen – in jedem Stadium gut
</h2>

<p>
	Entspannungsübungen können den Alltag mit Schuppenflechte erleichtern. Leider gibt es nicht <em>das eine</em> Entspannungsverfahren, das besonders angeraten ist. Wer so gar nicht weiß, welche Methoden es gibt und wie sie ungefähr funktionieren, kann sich einen Überblick zum Beispiel in Kursen an Volkshochschulen verschaffen oder bei seiner Krankenkasse nach einem Anbieter für entsprechende Kurse fragen. So manche Krankenkasse zahlt dafür einen Zuschuss. Erlernen kannst du sie in Kursen oder oft auch während einer Reha-Maßnahme.
</p>

<p>
	Inzwischen gibt es auch gute, seriöse Apps fürs Smartphone mit Anleitungen – und auch hier zahlt manche Krankenkasse. Ein Anruf dort oder ein Besuch auf der Internetseite lohnen sich.
</p>

<p>
	Bekannte Verfahren sind zum Beispiel das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung.
</p>

<p>
	Beim Autogenen Training stellt man sich etwas vor und verändert damit Körperfunktionen. "Ich atme gleichmäßig und ruhig" zum Beispiel kann die Atmung beruhigen. Die Formel "Meine Haut ist ganz ruhig und angenehm kühl" ist für Menschen mit Schuppenflechte wohl greifbarer.
</p>

<p>
	Bei der progressiven Muskeltentspannung spannt man die Muskeln verschiedener Körperbereiche an und lässt sie langsam wieder locker. Am Ende entspannt das nicht nur das gerade bearbeitete Körperteil, sondern den ganzen Menschen.
</p>

<p>
	Das sind nur zwei Beispiele von vielen.
</p>

<h2>
	Psychotherapie
</h2>

<p>
	Neben der "physischen" Behandlung der Schuppenflechte kann eine psychotherapeutische Behandlung für eine Besserung sorgen. Am besten sprichst du darüber mit dem Arzt, mit dem du am besten „kannst“ – das kann der Hausarzt sein, aber auch der Hautarzt. Einige Hautärzte haben eine psychologische Zusatzqualifikation – das ist natürlich eine perfekte Kombination für diesen Fall. Doch es sind nicht viele.
</p>

<p>
	Mit der Suche kann Du bei der Kassenärztlichen Vereinigung deiner Region beginnen. Telefonisch oder auf deren Internetseiten kann man sich zum Beispiel alle Hautärzte mit der Zusatzbezeichnung "Psychotherapie" nennen lassen. Manchmal heißen die Titel etwas anders, aber die Richtung dürfte klar sein. Auch Krankenkassen haben entsprechende Verzeichnisse, in die die Mitarbeiter bei einem Anruf gucken können.
</p>

<p>
	Wenn du deine Probleme in aller Ruhe abseits des Alltags angehen willst, kannst du auch eine Klinik mit psychosomatischem Schwerpunkt suchen. Wenn dort auch noch die Psoriasis nicht nur nebenbei, sondern gleichwertig behandelt werden soll, wird die Suche schon aufwändiger. Doch es gibt solche Kliniken.
</p>

<h3>
	Verfahren der Psychotherapie
</h3>

<p>
	Eine Möglichkeit ist eine <strong>psychoanalytische Therapie</strong>. Dabei werden frühere Erfahrungen aufgearbeitet, die einem als Erwachsener vielleicht immer wieder auf die Füße fallen. Diese Art der Therapie dauert meist sehr lange.
</p>

<p>
	Bei der <strong>tiefenpsychologischen Therapie </strong>geht es quasi um dasselbe, nur sind die Gesamt-Dauer und die Häufigkeit der Therapiesitzungen begrenzt, weil man sich auf ein bestimmtes Problem und die Muster dahinter beschränkt.
</p>

<p>
	Eine <strong>Verhaltenstherapie</strong> versucht Muster zu durchbrechen, indem neue Verhaltensweisen erlernt werden.
</p>

<p>
	Welche Form am Ende für dich die richtige ist, wird im Gespräch mit einem Therapeuten ermittelt.
</p>

<h3>
	Wie komme ich zu einer Psychotherapie?
</h3>

<p>
	Erkläre deinem "Lieblings-Arzt“, dass du gern mit einem psychologisch geschulten Menschen über deine Schuppenflechte reden möchtest. Vielleicht kennt er ja einen Spezialisten. Aber: Du brauchst keine Überweisung von irgendwem – du <em>musst</em> also nicht vorher mit einem Arzt sprechen.
</p>

<div>
	<p>
		<strong>Der Weg zur Psychotherapie</strong>
	</p>

	<ol>
		<li>
			<p>
				Wenn du gesetzlich versichert bist, lies bei Schritt 2 weiter. Wenn du privat versichert bist, frage bei deiner Krankenkasse nach, ob sie die Therapie bezahlt. Möglicherweise steht das auch in deinen Versicherungsunterlagen.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Suche nach einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Ja, das ist einfacher geschrieben als getan. Die Kassenärztliche Vereinigung deiner Region hat entsprechende Listen auch im Internet, es gibt darüber hinaus Angebote wie den <a href="https://www.psychotherapiesuche.de/pid/search" rel="external nofollow">Psychotherapieinformationsdienst</a>, den du auch unter Telefon 030 / 2 09 16 63 30 erreichst.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Frage beim Therapeuten deiner Wahl nach einem Termin für die Sprechstunde. Der erste kann maximal 150 Minuten dauern. Bei dem wird alles Weitere besprochen – welche Art der Therapie gut wäre, ob Probesitzungen vereinbart werden sollen oder ob eine Akutbehandlung angeraten ist. Hat der Therapeut gerade keinen Therapieplatz für dich, kannst du zu einem anderen gehen und dort Probesitzungen vereinbaren.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Nutze die Probesitzungen. Schließlich kommt man im restlichen Leben auch nicht mit jedem Menschen gleich gut zurecht. Du hast Anspruch auf zwei bis vier solcher Sitzungen, bevor du dich auf den Therapeuten festlegst. Es ist übrigens gar nicht unüblich, sich bei mehreren Psychotherapeuten auf die Warteliste setzen zu lassen. Das erhöht zum einen deine Chance auf einen Termin und du kannst zum anderen mehrere Therapeuten kennenlernen.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Nach den Probesitzungen nennt der Psychotherapeut die Diagnose. Jetzt wird bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme beantragt. Soll die Therapie länger dauern, muss ein Gutachter der Krankenkasse auf den Antrag gucken. Den Bericht erhält der Gutachter übrigens separat in einem verschlossenen Umschlag. So erfahren die Krankenkassenmitarbeiter nichts über deine Krankheitsgeschichte. Eine Kurzzeittherapie wird ohne diesen Gutachter beantragt.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Ebenfalls nach den Probesitzungen wird noch ein Besuch bei einem anderen Arzt nötig. Der soll in einem sogenannten Konsiliarbericht bescheinigen, ob du noch eine andere Krankheit hast, die zusätzlich behandelt werden muss. Hier kommt dann sicherlich deine Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis ins Spiel.
			</p>
		</li>
		<li>
			<p>
				Ist der Antrag bewilligt, kann es losgehen. Denke daran: Du tust das für dich und deine Haut oder Gelenke – für niemanden sonst.
			</p>
		</li>
	</ol>
</div>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen
</h2>

<p>
	<strong>Arbeitskreis Psychosomatische Dermatologie</strong><br>
	Im <a href="https://akpsychderm.com/" rel="external nofollow">Arbeitskreis Psychosomatische Dermatologie</a> haben sich Experten zusammengefunden, die Haut und Psyche gleichermaßen auf dem Schirm haben.
</p>

<p>
	<strong>Psychotherapie bei Psoriasis (Schuppenflechte)</strong><br>
	<a href="https://www.w-a-praxis.de/psychotherapie-in-berlin-charlottenburg/schuppenflechte/" rel="external nofollow">Informationen von Psychotherapeut Wolfgang Albrecht</a>, Berlin
</p>

<p>
	<strong>Wie man psychologische Hilfe bekommt, wenn's schnell gehen muss </strong><br>
	(<a href="https://www.test.de/Psychotherapie-Schnellere-Hilfe-fuer-gesetzlich-Krankenversicherte-5250778-0/" rel="external">Stiftung Warentest, 16.08.2022</a>)<br>
	Die Pandemie hat vielen Menschen nicht nur körperlich zu schaffen gemacht, sondern auch psychisch. Einsamkeit, Angst oder finanzielle Sorgen können einem auch wegen der Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis zusetzen. Hilfe vom Psychologogen kann oft nicht lange warten, nur sind die Plätze knapp. Wie man dann trotzdem schneller Hilfe bekommt, hat Stiftung Warentest zusammengestellt.
</p>

<p>
	<strong>Über die Psoriasis sprechen – das kann helfen</strong> (englisch)<br>
	(<a href="http://www.dailymail.co.uk/health/article-2588422/Forget-drugs-You-beat-psoriasis-TALKING-it.html" rel="external nofollow">Daily Mail</a>, 25.03.2014)
</p>

<p>
	Gut, die Überschrift ist etwas plakativ: "Vergiss die Medikamente: Du kannst die Psoriasis besiegen, indem Du drüber sprichst". Vorgestellt wird Toby Hadoke – ein Betroffener, der die Schuppenflechte mit einer kognitiven Verhaltenstherapie in den Griff bekommen hat. Nebenbei: Der Comedian geht erfreulich offensiv damit um und bloggt auf seiner eigenen Seite darüber.
</p>

<p>
	<strong>Psychotherapie kann Hauterkrankungen lindern</strong><br>
	(<a href="http://www.nachrichten.ch/detail/555295.htm" rel="external nofollow">nachrichten.ch</a>, 03.09.2012)
</p>

<p>
	Erkrankungen wie Schuppenflechte können bei Patienten besser werden, wenn sie eine Psychotherapie hinter sich bringen. Das haben britische Forscher aus Daten von 900 Probanden geschlossen.
</p>

<p>
	<strong>Wiener Modell: Dermatologen und Psychiater agieren gemeinsam</strong><br>
	(<a href="https://www.diepresse.com/" rel="external nofollow">Die Presse.at</a>, 25.01.2000)
</p>

<blockquote>
	<p>
		Wenn die Haut krank ist, leidet oft auch die Seele. Psychodermatologische Patienten werden nach dem "Wiener Modell" von Dermatologen und Psychiatern gemeinsam betreut. (...) An der Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Wiener Universitäts-Hautklinik gibt es eine Liaison-Ambulanz für Dermatologie, Parasitologie und Psychiatrie. (...) Dieses vorbildliche Konzept läuft unter dem Titel "Wiener Modell". (...)
	</p>

	<p>
		Ein erhöhtes Stimmungsbarometer hat für Patienten, die unter ihrem Erscheinungsbild leiden, wie etwa Akne- oder Psoriasis-Patienten, auch einen weiteren positiven Effekt: Durch die Verbesserung des psychischen Zustandes kann sowohl eine bessere Compliance im Therapieverlauf und damit eine Besserung des Hautbildes erreicht werden als auch die Bereitschaft, sich selbst zu akzeptieren.
	</p>
</blockquote>

<h3>
	Bücher
</h3>

<p>
	<a href="https://amzn.to/36H9mZt" rel="external nofollow"><strong>Psychotherapie: Angebote sinnvoll nutzen</strong></a><br>
	Die verschiedenen Verfahren, die Kostenübernahme und der Weg zum Therapeuten werden erklärt. Und es gibt Checklisten.
</p>

<p>
	<a href="https://amzn.to/3gv5104" rel="external nofollow"><strong>Die Haut und die Sprache der Seele: Hautkrankheiten verstehen und heilen</strong></a><br>
	Experten stellen verständlich und mit Blick auf neuere Forschungen die wichtigsten psychosomatischen Hautkrankheiten vor – darunter die Schuppenflechte. Es gibt viele Fallgeschichten, unterschiedliche Behandlungsformen und Medikamente werden erklärt und Betroffenen werden Wege der Selbsthilfe und der Heilung gezeigt.
</p>

<p>
	<a href="https://amzn.to/2XCWEH0" rel="external nofollow"><strong>Hauterkrankungen als Botschaften der Seele</strong></a> (2003)<br>
	Die Psychoanalytikerin und Dermatologin Anne Maguire erklärt die seelischen Ursachen von Hauterkrankungen. Sie erklärt, warum die Haut eine Botschafterin der Seele ist und schlägt Behandlungen vor.
</p>

<h2>
	Kliniken für Psyche &amp; Haut
</h2>

<p>
	Bei <a href="https://www.rehakliniken.de/rehakliniken/kliniksuche" rel="external nofollow">rehakliniken.de</a> haben wir bei der Suche die Indikationen „Psychosomatische und psychovegetative Erkrankungen“ und „Hauterkrankungen“ angegeben. Derzeit (27.05.20) werden neun Kliniken „ausgespuckt“:
</p>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/drk-nordsee-reha-klinik-goldene-schluessel/" rel="">DRK-Nordsee-Reha-Klinik Goldene Schlüssel</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/fachklinikum-borkum-klinik-ii/" rel="">Fachklinikum Borkum</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/gesundheitsklinik-stadt-hamburg/" rel="">GesundheitsKlinik "Stadt Hamburg"</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/habichtswald-reha-klinik/" rel="">Habichtswald Reha-Klinik</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/knappschaftsklinik-borkum/" rel="">Knappschafts-Klinik Borkum</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/klinik-borkum-riff/" rel="">Klinik Borkum Riff</a>
	</li>
	<li>
		Rehaklinik Kandertal
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/strandklinik-st-peter-ording/" rel="">Strandklinik St. Peter-Ording</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/klinik-wersbach/" rel="">Klinik Wersbach</a>
	</li>
</ul>

<p>
	Wir kennen außerdem das <a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/krankenhaus-lahnhoehe/" rel="">Krankenhaus Lahnhöhe</a> und die <a href="https://www.psoriasis-netz.de/adressen/rothaarklinik/" rel="">Rothaar-Klinik</a>.
</p>

<p>
	<span class="ipsEmoji">👉</span> <strong>Hast du deine Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis schon einmal mit einer Psychotherapie bearbeitet?</strong> Wie war das? Wem würdest du das empfehlen? <a href="https://www.psoriasis-netz.de/kontakt" rel="">Schreib uns</a> – oder unten in den Kommentaren oder <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/" rel="">in unserer Community</a>.
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1073</guid><pubDate>Thu, 28 May 2020 10:45:00 +0000</pubDate></item><item><title>10 Tipps gegen den "Lagerkoller"</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/tipps-gegen-lagerkoller/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2020_03/hund-am-fenster.jpg.7a6e942ebf12504c7f99b92265a92b87.jpg" /></p>
<p>
	Wie soll man mit einer Quarantäne oder einer Ausgangssperre klarkommen? Hier findet Ihr Tipps von Professor Stephan Mühlig. Er ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Chemnitz und Leiter der Raucherambulanz Chemnitz sowie der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz.
</p>

<h2>
	1. Tagesrhythmus beibehalten
</h2>

<ul>
	<li>
		Behalte einen <strong>regelmäßigen Tagesrhythmus mit festen Aufsteh-, Arbeits- und Schlafenszeiten</strong> auch im Home-Office oder Homeschooling bei. Das schafft eine regelmäßige Tagesstruktur und begünstigt die emotionale Stabilität.
	</li>
	<li>
		Achte darauf, dass auch <strong>für Kinder eine angemessene Tagesstruktur aufrechtzuerhalten</strong>, auch wenn sie nicht zur gleichen Zeit geweckt werden müssen wie zur ersten Schulstunde.
	</li>
	<li>
		Schulkindern sollte dabei geholfen werden, <strong>die übermittelten Schulaufgaben zu strukturieren</strong> und in sinnvollen „Portionen“ zu bearbeiten. Andernfalls fühlen viele Kinder sich durch die ungewohnte Menge an Aufgaben, die von den Lehrern „geballt“ für eine Woche oder länger übermittelt werden, regelrecht „erschlagen“ und reagieren mit Verängstigung, Stress und Widerstand.
	</li>
	<li>
		Gerade für berufstätige Alleinerziehende kommt es unter den gegebenen Bedingungen zu einer akuten Doppelbelastung zwischen Home-Office-Beanspruchung und gleichzeitiger Kinderbetreuung im eigenen Haushalt. Im Zweifelfall sollte die Fürsorge für kleine Kinder Vorrang haben vor den beruflichen Aufgaben. Um eine angemessene Balance zu erzielen, sollten <strong>Home-Office-Aufgaben tageszeitlich so eingetaktet werden, dass sie sich mit der Kleinkinderbetreuung vereinbaren lassen</strong> – z.B., indem sie in die Abendstunden verlegt werden. Arbeitgeber und Vorgesetzte sind gefordert, unter den Ausnahmebedingungen Verständnis zu zeigen und Zugeständnisse an die Arbeitsleistung der Mitarbeiter zu machen.
	</li>
</ul>

<h2>
	2. Bewegung an der frischen Luft
</h2>

<ul>
	<li>
		Wenn möglich und erlaubt, sollte man <strong>Spaziergänge im Freien allein oder mit Familienangehörigen</strong> unternehmen. Bewegung und frische Luft kommt der körperlichen wie der psychischen Gesundheit zugute, das Immunsystem wird angeregt. Wird die Lunge durch moderate Anstrengung belüftet, ist sie besser durchblutet, was wiederum die Infektabwehr (auch gegen SARS-CoV-2) unterstützt.
	</li>
	<li>
		Ein <strong>zumindest kurzzeitiger Ortswechsel</strong> verhindert die Reizmonotonie in den eigenen vier Wänden und steigert das Wohlbefinden.
	</li>
	<li>
		Gerade Kinder brauchen Zeit und Gelegenheit zum <strong>Toben draußen und an frischer Luft</strong>, allerdings vorerst nicht mit anderen Kindern außerhalb der Familie. Dies muss ihnen erklärt und gegen alles „Quengeln“ durchgesetzt werden.
	</li>
</ul>

<h2>
	3. Trainingsplan für zu Hause erarbeiten
</h2>

<ul>
	<li>
		Auch sportliche Betätigung im eigenen Zuhause trägt zur Gesunderhaltung bei und verbessert die Lebensqualität. Stell Dir einen Indoor-Trainingsplan zusammen und <strong>komme mindestens 15 bis 30 Minuten täglich in Bewegung</strong>, möglichst unter guter Raumbelüftung.
	</li>
	<li>
		Einfach und hilfreich sind bspw. Seilspringen (mit oder ohne Seil), Kniebeugen, Liegestütze, Sit-ups (Rumpfbeugen) etc., oder auch Yoga, Tai-Chi o. ä. Im Internet findest du zahlreiche, auch wissenschaftlich getestete Indoor-Trainingsprogramme für unterschiedliche Altersstufen und Trainingsgrade.
	</li>
	<li>
		Regelmäßige moderate sportliche Beanspruchung (bis zum leichten Schwitzen) stabilisiert das Herz-Kreislauf-System, die Immunabwehr, aber auch das psychische Wohlbefinden und dient dem Spannungs- und Stressabbau.
	</li>
</ul>

<h2>
	4. Auf Zigaretten und Alkohol verzichten 
</h2>

<p>
	<em>(okay, das gilt immer, aber hier zur Stärkung des Immunsystems)</em>
</p>

<ul>
	<li>
		<strong>Wer raucht, sollte schnellstmöglich damit aufhören</strong>. Eine vorgeschädigte oder akut gereizte Lunge ist wahrscheinlich mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf verbunden, falls Raucher sich infizieren und erkranken sollten.
	</li>
	<li>
		Auch <strong>Alkoholkonsum ist nicht hilfreich</strong>. Alkohol tötet Viren nur im Reagenzglas. Alkohol in der Blutbahn schützt hingegen nicht vor einer Virusinfektion, stört aber das Immunsystem. Dies gilt auch für andere Drogen.
	</li>
</ul>

<h2>
	5. Soziale Kontakte über Internet und Telefon pflegen
</h2>

<ul>
	<li>
		Es ist für viele Menschen extrem schwer, über längere Zeit ihre sozialen Kontakte auszusetzen, nicht unter Leute gehen zu dürfen. Wir sind soziale Wesen und brauchen den Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Gerade der physische Kontakt, die körperliche Nähe zu unserem sozialen Umfeld außerhalb der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses ist aber in der aktuellen Situation mit größter Konsequenz zu vermeiden.
	</li>
	<li>
		Besonders für Alleinlebende ist das möglicherweise eine sehr schwierige Situation, die sie für eine begrenzte Zeit bewältigen müssen. Dabei ist es wichtig für das emotionale Gleichgewicht, <strong>sich klar zu machen, dass der Ausnahmezustand zeitlich überschaubar bleibt</strong>.
	</li>
	<li>
		Zum Glück können wir aber heute <strong>auf die sozialen Medien ausweichen</strong>. Man sollte diese Möglichkeiten voll ausnutzen, Kontakt halten und den Austausch mit möglichst vielen Angehörigen, Freunden und Bekannten über Social Media suchen – zum Beispiel hier im Forum  . In einer schwierigen Situation kann man sich über Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.
	</li>
	<li>
		Man sollte sich<strong> proaktiv bei alleinlebenden Menschen melden</strong>, um deren Vereinsamungs-Erleben zu lindern.
	</li>
</ul>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	6. Sinnvolle und abwechslungsreiche Beschäftigungen suchen 
</h2>

<ul>
	<li>
		Auch unter Isolationsbedingungen zu Hause kann man sich <strong>sinnvoll beschäftigen</strong>, zum Beispiel Dinge erledigen, die man zu Hause schon immer mal erledigen wollte, z. B. Ordnung machen, die Wohnung „ausmisten“ bzw. neu gestalten, die Festplatte aufräumen, Fotos archivieren, Unterhaltungsspiele mit der Familie erleben oder mal wieder ein Buch lesen.
	</li>
	<li>
		Fernsehen, Computerspiele, Netflix-Streaming etc. dienen der <strong>Ablenkung</strong> und sind selbstverständlich möglich. Falls sich die Isolation über mehrere Wochen hinziehen sollte, ist passive Unterhaltung oder Videospielen aber zu einseitig.
	</li>
	<li>
		Wichtig für die emotionale Stabilität ist es, sich <strong>Aufgaben zu suchen, mit denen man in der Wartezeit produktiv bleiben kann</strong>. Man sollte bedenken, dass stundenlanges Streamen von Spielfilmen und Serien oder ähnliche hohe Datenmengenübertragungen zu Freizeitzwecken möglicherweise die Netze überlastet und den gesellschaftlich Datenaustausch für Home-Office-Tätigkeiten, die für das Funktionieren unserer Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar sind, stark beeinträchtigen können.
	</li>
</ul>

<h2>
	7. Balance zwischen Zusammensein und Für-sich-sein-Können finden
</h2>

<ul>
	<li>
		Beim engen Zusammenleben unter einem Dach über längere Zeit kommt es häufig dazu, dass uns „die Anderen“ auf die Nerven gehen, man sich selbst über Kleinigkeiten extrem ärgern kann und schnell Konflikte und Streit entstehen. <strong>Jedem Haushaltsmitglied müssen Rückzugsräume und -möglichkeiten geschaffen und erhalten werden</strong>. 
	</li>
</ul>

<h2>
	8. Regeln für das Zusammenleben im Haushalt finden
</h2>

<ul>
	<li>
		Zu gegenseitiger Rücksichtnahme gehört auch, eine <strong>gemeinsame Ordnung im Haushalt und Regeln des Zusammenlebens</strong>zu finden. Wenn alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen, gibt es weniger Anlass zum Streit. Wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann, sollte man Konflikte vermeiden oder schnell regeln.
	</li>
	<li>
		Für ein angenehmes Zusammenleben ist es auch hilfreich, <strong>einige Aktivitäten mit allen Haushaltsmitgliedern regelmäßig gemeinsam zu machen</strong>, z. B. gemeinsame Mahlzeiten, aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten (Gesellschaftsspiele, Basten, Puzzeln o. ä.).
	</li>
	<li>
		Die Zeit für sich selber kann man auch sinnvoll nutzen, indem man gezielt etwas für den eigenen Geist tut, z. B. durch <strong>Entspannung, Meditation oder Musikhören bzw. selbst Musizieren</strong> oder Singen.
	</li>
</ul>

<h2>
	9. Auf seriöse Informationsquellen achten
</h2>

<ul>
	<li>
		Wir leben in einem reichen Land mit vielen Ressourcen und werden diese Krise letztlich durchstehen. Eine sachliche und vernünftige Einschätzung der Lage hilft dabei, sich nicht zu viele Sorgen zu machen und die Zuversicht zu erhalten. Zu einer konstruktiven Bewältigung gehört, <strong>sich ausreichend und korrekt zu informieren</strong>. Halte dich täglich auf dem Laufenden, aber achte auf die Seriosität deiner Informationsquellen. Leider kursieren im Internet zahlreiche Falschinformationen und Verschwörungstheorien, mit denen sich einige skrupellose Personen wichtig machen oder sogar Geld verdienen. Diese Fake News verführen zu falschen Einschätzungen und falschem Handeln. Sie sind insofern gefährlich, weil Nichtbeachtung von Sicherheitsempfehlungen uns alle gefährdet.
	</li>
	<li>
		<strong>Kindern sollte man die Lage in altersgerechter Sprache erläutern</strong>, ohne sie zu überfordern oder zu ängstigen. Die Botschaft sollte sein: Alles wird wieder gut, wir schaffen das!
	</li>
</ul>

<h2>
	10. Bei Überforderung Hilfe suchen
</h2>

<ul>
	<li>
		Wer den Eindruck hat, trotz alldem mit der Situation überfordert zu sein oder unter Angstzuständen, Unruhe, starker Anspannung, Überaktivität, Gereiztheit, aggressiven Ausbrüchen oder ausgeprägter Niedergeschlagenheit leidet, sollte rechtzeitig mit dem professionellen Hilfesystem Kontakt per Telefon oder E-Mail aufnehmen – zum Beispiel bei Beratungsstellen seiner Krankenkasse, beim Sorgentelefon oder bei psychotherapeutischen Beratungsstellen.
	</li>
</ul>

<p style="text-align: right;">
	<em>idw/cl</em>
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/topic/31800-corona-virus/" rel="">Diskussion in unserem Forum</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	 
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1065</guid><pubDate>Mon, 23 Mar 2020 16:04:00 +0000</pubDate></item><item><title>Einer von drei Hautkranken hat auch ein psychisches Problem</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/einer-von-drei-hautkranken-hat-auch-ein-psychisches-problem/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2014_12/depression.png.87f0dc644d801e3f81c4737c1ab61b9a.png" /></p>
<h2>
	Europaweite Studie zum Zusammenhang von Hauterkrankungen und Psyche
</h2>

<p>
	Hautkrankheiten sind dem Menschen meist im Bauplan seiner Gene mitgegeben worden – sie sind genetisch bedingt. Ob sie ausbrechen und wann, das ist oft eine Sache der Umstände – und der psychischen Verfassung. Um das geflügelte Wort von der "Haut als Spiegel der Seele" mit Fakten zu untermauern, haben Forscher 3600 Menschen mit Hauterkrankungen in 13 europäischen Staaten befragt und untersucht. Diese Teilnehmer waren Klinikpatienten.
</p>

<p>
	Ihr Fazit <a href="https://www.jidonline.org/article/S0022-202X(15)37179-7/fulltext" rel="external nofollow">in ihrer Studie</a>: 29 Prozent der Hautkranken litten gleichzeitig an einer psychischen Erkrankung. Unter den 1400 Menschen ohne Hauterkrankung, die sie zum Vergleich herangezogen hatten, waren das nur 16 Prozent. Andersherum kann man sagen: "Das ist alles psychisch bedingt" stimmt nur bei einem von drei Hautkranken.
</p>

<p>
	Doch zurück zur hier besprochenen Untersuchung: Depressionen kamen bei den Hautkranken laut den Forschern mehr als doppelt so häufig vor. Von Angsterkrankungen oder Suizid-Gedanken sprachen anderthalb mal so viele Befragte in der Gruppe der Hautkranken als in der Gruppe der ansonsten Gesunden.
</p>

<h3>
	Seelische Ursachen vor allem bei Allergien
</h3>

<p>
	„In solch großem Umfang wurde der Zusammenhang von Haut- und psychischen Krankheiten bisher nicht nachgewiesen“, sagt Professor Uwe Gieler von der Universitäts-Hautklinik in Gießen. Er war an der Studie maßgeblich beteiligt. Nun verspricht er sich Fortschritte bei der Behandlung Hautkranker.
</p>

<p>
	„Wenn eine Hauterkrankung auf psychische Probleme zurückgeht, ist die Behandlung nur adäquat, wenn die psychischen Probleme erkannt und mitbehandelt werden“, erklärt Gieler.
</p>

<p>
	Vor allem bei allergischen Hauterkrankungen gebe es zunehmend Hinweise auf seelische Ursachen. „Neurodermitis kann sich durch belastenden Stress verschlimmern, unterdrückte Wut in Nesselsucht äußern“, erläutert der DGPM-Experte.
</p>

<h3>
	"Überdruckventil der Seele"
</h3>

<p>
	Ursache sind höchstwahrscheinlich Neuropeptide – Botenstoffe, die der Körper in Stress-Situationen ausschüttet. Diese könnten durch die Nervenbahnen bis zu den Organen gelangen und dort Entzündungen verstärken.
</p>

<p>
	<span>„Gerade die Haut reagiert häufig als Überdruckventil der Seele“, sagt </span>Gieler.
</p>

<p>
	In der deutschen „<a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/061-016" rel="external nofollow">Leitlinie Allergieprävention</a>“ findet sich seit 2014 erstmals der Bezug zu psychischen Leiden: Schwerwiegende Lebensereignisse wie die Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils, in der Schwangerschaft <span>oder in der frühen Kindheit erhöhen demnach das Risiko für spätere allergische </span>Erkrankungen der Kinder.
</p>

<p>
	„Es ist wichtig, beispielsweise bei frühkindlichen Traumata gegebenenfalls frühzeitig eine psychische Behandlung in Angriff zu nehmen, bevor das seelische Leid in einer Allergie oder Hauterkrankung mündet “, sagt Professor Harald Gündel von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm.
</p>

<h3>
	Einschränkungen aus unserer Sicht
</h3>

<p>
	Die befragten und untersuchten Hautkranken waren alle in Kliniken vorstellig geworden. Wer dort hingeht, hat meist nicht nur einen höheren Leidensdruck, sondern auch eine schwerere Form seiner Erkrankung. Unter schwer Betroffenen dürfte der Anteil derer, die neben ihrer Hautkrankheit auch eine psychische Erkrankung haben, dann ohnehin höher sein.
</p>

<p>
	In der deutschsprachigen <a href="http://idw-online.de/de/news618794" rel="external nofollow">Pressemitteilung zur Studie</a> ist die Rede von der Nesselsucht (Urtikaria) – die kommt in der Studie aber gar nicht vor. Neurodermitis und Schuppenflechte werden als Volkskrankheiten dargestellt. Das passt leider zur kürzlich veröffentlichten <a href="http://www.bmj.com/cgi/doi/10.1136/bmj.g7015" rel="external">Studie über Studien</a>: In Pressemitteilungen von Universitäten oder Forschergruppen wird demnach schon mal übertrieben (und ja, Journalisten potenzieren Übertreibungen dann auch).
</p>

<p>
	Dabei sind psychische Aspekte bei Hauterkrankungen und damit auch bei Psoriasis nicht zu unterschätzen.
</p>

<h3>
	Die Ergebnisse in Zahlen
</h3>

<p>
	<a href="https://infogram.com/psychische-erkrankungen-bei-hautkranken" ipsnoembed="true" rel="external nofollow">https://infogram.com/psychische-erkrankungen-bei-hautkranken</a>
</p>

<h2>
	Aber: Nicht immer ist es die Psyche
</h2>

<p>
	"Hautkrankheiten haben ganz viel mit der Psyche zu tun." Wie oft hört ein Psoriatiker diesen Satz von Bekannten und Verwandten. Nicht immer ist dieses pauschale Halbwissen angebracht. Dass die Haut insgesamt sensibel auf das seelische Befinden reagiert, ist auch biologisch erklärbar, erklärte Professor Uwe Gieler von der Uni-Klinik in Gießen. "Es liegt vielleicht an der engen Verbindung zwischen Haut, Gehirn und Nervensystem, die beim Embryo aus dem gleichen Keimblatt entstehen", so Gieler.
</p>

<p>
	Die "Apotheken Umschau" widmete im Jahr 2007 ein ganzes Heft dem Thema Haut und befragte Gieler, weil er sich auf die Psychosomatik von Hautkrankheiten spezialisiert hat. Er meint, dass nicht hinter jeder Hautkrankheit ein psychosomatischer Grund steckt. "Das wird überbetont", sagt er in besagter "Apotheken Umschau". "Die meisten Menschen, die von einer Hauterkrankung betroffen sind, wissen genau, wann und wie eine Stresssituation ihren Hautzustand beeinflusst hat." Zwar sei Stress bei der Hälfte der Untersuchungen von Hautveränderungen vorhanden - aber eben nur bei der Hälfte und nicht bei 100 Prozent. Außerdem müsse es nicht immer Stress sein, der als Auslöser fungiert. Andere psychosomatische Zusammenhänger wie zu große Nähe oder zu große Distanz zu einer Bezugsperson kämen auch in Frage.
</p>

<p>
	Das Psoriasis-Netz fügt hinzu: Dazu kommt das Henne-Ei-Problem: Ist jemand über seiner Hautkrankheit depressiv geworden oder war die psychische Verfassung Auslöser für die Hautkrankheit? Zum anderen ist das Schönheitsideal von heute absolut unvereinbar mit einer Schuppenflechte (oder Neurodermitis). Wer dem also nicht genügt, der hadert oft mit seinem vermeintlichen Schicksal.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	Zahlen zum Zusammenhang von Psoriasis und Depression
</h2>

<p>
	Zuvor hatte unter anderem eine Studie im Jahr 2007 auf eine erhöhte Zahl von Depressiven unter den Menschen mit Schuppenflechte hingewiesen.
</p>

<p>
	Die <a href="https://www.psobest.de/2009/12/07/menschen-mit-schuppenflechte-haufiger-depressiv/" rel="external nofollow">Auswertung von Versichertendaten im Rahmen der Studie PsoCare 2007</a> hat ergeben, dass Menschen mit Psoriasis 1,8 mal häufiger an Depressionen leiden als Menschen ohne. Ins Psoriasis-Register PsoBest wurden danach psychische Begleiterkrankungen wie Depression im Langzeitverlauf aufgenommen.
</p>

<p>
	Neben den Autoimmunerkrankungen der Gelenke und des Darmes, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Diabetes ist die Depression eine der wesentlichen Begleiterkrankungen von Schuppenflechte. Insgesamt wurden in der Studie PsoCare die Daten von 34.728 Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen mit Psoriasis-Diagnose untersucht. Davon waren 63 Prozent Männer. Von den Versicherten wiesen insgesamt 4.020 Patienten sowohl die Diagnose Schuppenflechte als auch eine Depression auf.
</p>

<p>
	Die Depression tritt in allen Altersgruppen auf. Je älter die Menschen, desto anfälliger sind sie für Depression. Die Untersuchung zeigte, dass mit steigender Altersgruppe auch der prozentuale Anteil der Betroffenen mit Depression zunahm.
</p>

<ul>
	<li>
		In der Altersgruppe bis 20 Jahre litten im Schnitt 2,27 Prozent an Depression.
	</li>
	<li>
		In der Altersgruppe 41 bis 60 Jahre waren es 15,86 Prozent.
	</li>
	<li>
		Bei der Altersgruppe 81 Jahre plus stieg die Zahl auf 22,22 Prozent.
	</li>
</ul>

<p>
	Die erhöhte Depressions-Rate bei Schuppenflechte ist nicht allein als Reaktion auf das gegenwärtige Hautbild zu erklären, sondern besteht teilweise unabhängig vom Schweregrad der Schuppenflechte.
</p>

<h2>
	Stress war für viele Psoriatiker ein Auslöser
</h2>

<p>
	"Es gibt etliche Hauterkrankungen, die durch die Psyche in ihrem Verlauf maßgeblich mitbeeinflusst sind", hatte Dr. Johannes Hockmann noch viel früher, im März 1998, im PulsSchlag, dem Informationsblatt der Medizinischen Einrichtungen der Universität Münster, gesagt.
</p>

<p>
	"Wenn es um die Einschätzung der Betroffenen selbst geht, scheint die Psyche bei der Schuppenflechte eine große Rolle zu spielen", hieß es da. Immerhin rund 70 Prozent der erwachsenen Patienten hätten angegeben, dass sie beim erstmaligen Auftreten der Krankheit unter einer besonderen Stresssituation beziehungsweise unter seelischer Belastung gestanden hätten. Bei Kindern mit Psoriasis würde dieser Wert Untersuchungen zufolge sogar bei 90 Prozent liegen, so Hockmann.
</p>

<p>
	Bei den Erkrankungen der vornehmlich stationären Patienten der Hautklinik, die auf Empfehlung ihres behandelnden Arztes bislang schon die psychodermatologische Sprechstunde aufgesucht haben, stehen Erkrankungen des atopischen Formenkreises, wozu auch die Neurodermitis zählt, und Schuppenflechte mit an oberster Stelle.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<div>
	<h2>
		Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
	</h2>

	<p>
		<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
	</p>

	<p>
		<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Forum</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
	</p>

	<p>
		<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
	</p>
</div>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen
</h2>

<p>
	<strong>Psychodermatologen kümmern sich um Haut und Gelenke</strong><br>
	(<a href="https://www.stylebook.de/skincare/psychodermatologie" rel="external nofollow">Stylebook, 25.07.2021</a>)<br>
	Psychische Probleme können Hautkrankheiten ausbrechen lassen oder immer wieder befeuern. Psychodermatologen sind die Fachleute dafür. In diesem Artikel wird erklärt, wie ein Psychodermatologe helfen kann.
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">657</guid><pubDate>Sat, 20 Dec 2014 18:05:00 +0000</pubDate></item><item><title>Psoriatiker reagieren auf Ekel weniger als andere</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psoriatiker-und-ekel/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/frau-skeptisch.jpg.2850f3e2d6d15da17c9f99deded3d013.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Wenn fremde Menschen voller Ekel auf etwas schauen, sind Psoriatiker oft noch lange nicht genauso irritiert: Bei Psoriatikern sorgt das Gehirn dafür, dass sie nicht so gut erkennen können, wenn sich ein anderer ekelt.</strong>
</p>

<p>
	An der Universität von Manchester haben Forscher 26 Männer mit Schuppenflechte in einen Magnetresonanztomographen geschoben. Die Hälfte der Männer hatte (und hat) eine chronische Psoriasis. Dabei achteten die Forscher vor allem auf das Gehirn und hier besonders auf den Teil, der Gefühle und Empörung oder Ekel anzeigt - der insulare Cortex. Siehe da: Die Männer mit Schuppenflechte zeigten in dem Hirnareal weniger Reaktion, wenn ihnen angeekelte Menschen gezeigt wurden.
</p>

<p>
	Die Forscher meinen, dass Psoriatiker einen Schutzmechanismus entwickelt haben, um sich selbst vor den negativen emotionalen Reaktionen anderer auf ihre Krankheit zu schützen.
</p>

<p>
	Außerdem sahen die Forscher, dass die Psoriatiker das Gefühl Ekel auf dem Gesicht eines anderen nicht so gut erkennen konnten wie die gesunden Testpersonen. So "gefühlsblind" sind die Psoriatiker aber offenbar nur eben bei Ekel. In anderen Hirnarealen, die für andere Gefühle zuständig sind, fanden die Forscher keine anderen Auffälligkeiten gegenüber Gesunden.
</p>

<p>
	"Wir hatten vorher schon gesehen, dass Psoriasis-Patienten oft glauben, dass sie nur aufgrund ihrer Haut von anderen beurteilt werden", erklärt die Hautärztin Dr. Elise Kleyn. "Oft vermeiden die Patienten dann soziale Kontakte, die sie für stressbehaftet halten."
</p>

<p style="text-align: right;">
	<em>cl</em>
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Schuppenflechte und Psyche</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/der-foehn-die-arbeit-und-die-schuppenflechte/" rel="">Diese Erfahrungen haben Betroffene gemacht</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Artikel</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/instagram-facebook-fotos-zensur/?tab=comments#comment-5228" rel="">Instagram und Facebook zensieren Psoriasis-Fotos</a>
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		"<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19710691/" rel="external">Diminished Neural and Cognitive Responses to Facial Expressions of Disgust in Patients with Psoriasis: A Funktional Magnetic Resonance Imaging Study</a>", Journal of Investigative Dermatology,  27.08.2009
	</li>
	<li>
		"<a href="https://medicalxpress.com/news/2009-08-skin-disease-patients-brain-immunity-disgust.html" rel="external nofollow">Skin-disease patients show brain immunity to faces of disgust</a>",  The University of Manchester, 27.08.2009
	</li>
	<li>
		Psoriatiker entwickeln emotionalen Schutz vor Abscheu, krone.at [<a href="https://www.krone.at/348640" rel="external nofollow">lesen</a>]
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">402</guid><pubDate>Sat, 12 Sep 2009 09:28:00 +0000</pubDate></item><item><title>Psyche und Psoriasis: Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2003_12/mann-im-hoodie.jpg.77605ae16acdc18b926e1aafc58a1c6c.jpg" /></p>
<p>
	<i></i>
</p>

<p>
	<strong>In disem Artikel erfährst Du, ob Schuppenflechte psychisch bedingt ist und wie die richtige Behandlung aussehen kann. Wir beleuchten die Zusammenhänge zwischen Psyche, Immunsystem und Psoriasis.</strong>
</p>

<p>
	Immer wieder wird gefragt, ob Schuppenflechte (Psoriasis) „psychisch bedingt“ sei. Betroffene erhoffen sich, sie könnten mit Psychotherapie ihre chronische Hautkrankheit behandeln. Sie werden von traditionellen Psychologen darin bestätigt. Die verstehen Auto-Immun-Krankheiten als Ausdruck psychischer Störungen. Es müssten deshalb die Probleme bearbeitet werden, die die Krankheit verursacht hätten. Neuro-Biologen dagegen fanden ganz andere Zusammenhänge: Sie haben festgestellt, dass das Immunsystem für Entzündungen und dauerhaften Stress die gleichen Botenstoffe aktiviert. Deshalb käme es darauf an, möglichst früh zu verhindern, dass sich die Psoriasis ausbreitet. Die Betroffenen sollten lernen, trotz ihrer Psoriasis gesund, zielgerichtet und möglichst stressfrei zu leben.
</p>

<p>
	Schuppenflechte ist eine Autoimmunkrankheit. Bestimmte Eiweiße werden vom Immunsystem fälschlicherweise als Krankheitserreger (Anti-Gen) eingeordnet und mit Entzündungen bekämpft. Im Laufe der Zeit „lernt“ das Immunsystem, dass es auf diese Moleküle reagieren soll. Es entwickelt sich ein „Entzündungs-Gedächtnis“. Das ist umso intensiver ausgeprägt, je länger und stärker jemand an Psoriasis erkrankt ist.
</p>

<p>
	Die Veranlagung zu diesem Immun-Defekt kann vererbt werden. Trotzdem haben die allermeisten nicht von Geburt an Psoriasis. Sie tritt erst im Laufe des Lebens auf. Es gibt „Trigger“, die eine Psoriasis erstmalig auslösen und dann verstärken können. Dazu gehören z.B. Infektionen, Medikamente oder Lebensmittel – aber auch einschneidende, traumatisierende Lebens-Ereignisse und negativer Stress. Betroffene berichten, ihre Psoriasis sei erstmals ausgebrochen, als sie z.B. von der Partnerin verlassen wurden oder ein naher Angehöriger gestorben ist. Andere beobachten immer dann neue Schübe auf ihrer Haut, wenn sie unter psychischen Druck stehen.
</p>

<h2>
	Sorgen und Angst – nicht nur vor dem nächsten Schub
</h2>

<p>
	Wer an Schuppenflechte erkrankt ist, kann im Alltag wie auch in seinen sozialen Beziehungen erheblich eingeschränkt sein. Je nach Ausmaß der Krankheit ist man besorgt und hat Angst vor dem nächsten Schub oder einer Verschlimmerung. Man leidet unter abwertenden Blicken und Bemerkungen oder fühlt sich abgelehnt („Stigmatisierung“). Viele schämen sich, damit in die Öffentlichkeit zu gehen und meiden den Kontakt mit Menschen.
</p>

<p>
	Das kann zu drastischen beruflichen und privaten Folgen führen. So etwas beeinflusst Psyche und Persönlichkeit und führt zu Stress. Wird der chronisch, ist das Gehirn nicht mehr in der Lage, die nötige Energie (Glukose) selbst aufzubringen und greift in den Insulin-Haushalt ein. Das wiederum fördert die Neigung zu kohlenhydrat- und fettreicher Ernährung, Alkohol- und Nikotin. Stress aktiviert die gleichen Botenstoffe, wie eine Entzündung und kann damit auf Dauer eine Depression auslösen.
</p>

<p>
	Psoriatiker sind etwa zwei- bis dreimal häufiger von Depression, Ängsten und Selbsttötungs-Gedanken betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Depressionen gelten inzwischen als typische Begleiterkrankung der Schuppenflechte. Generell sind etwa ab dem 30. Lebensjahr neuro-psychologische Veränderungen bei Menschen mit Schuppenflechte beobachtet worden.
</p>

<p>
	Das sind alles Gründe, eine aufkommende Schuppenflechte so frühzeitig und so effektiv wie möglich zu behandeln. Damit kannst Du vermutlich am besten psychischen Folgen entgegenwirken. Aber genauso wichtig ist es, therapie-begleitende Maßnahmen zu ergreifen: gesund zu essen („Mittelmeer-Diät“), sich ausreichend zu bewegen (möglichst Sport), sich zu entspannen und vor allem sinnvoll zu leben. Dazu gehört, die Krankheit zu akzeptieren, sich zu engagieren, positive Gefühle zu entwickeln, angenehme Momente zu genießen, guttuende Beziehungen zu pflegen und sich selbst Ziele zu setzen. Also insgesamt seinem Leben einen Sinn geben – trotz Krankheit! Das musst Du nicht allein lernen: Du kannst auf entsprechende Hilfsangebote oder Selbsthilfegruppen zurückgreifen.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	Es ist bewiesen, dass Gefühle, Erwartungen oder seelische Spannungen das körpereigene Abwehrsystem beeinflussen. Unsere Gesundheit und der Verlauf von Krankheiten hängen wesentlich davon ab, wie wohl wir uns fühlen. Der Körper reagiert auf Gefühle. Das können negative sein wie Stress, Einsamkeit, Trennung, Tod eines Partners, Depressionen, aber auch positive wie Lebensziele, Glück oder Liebe.
</p>

<p>
	Wer dem Leben positiv gegenübersteht, wird nicht so schnell krank oder schneller wieder gesund. Die Gemütsverfassungen des Gehirns werden durch Botenstoffe an das Immunsystem gemeldet. Das heißt, eigentlich kann jeder seine Gesundheit in gewissen Grenzen beeinflussen. Leider aber ist es noch niemanden gelungen, allein durch positives Denken oder Anti-Stress Training eine chronische Krankheit wie Psoriasis deutlich zurückzudrängen, geschweige denn zu heilen.
</p>

<p>
	Inzwischen weiß man, wie stark Psoriatiker in ihrem Leben eingeschränkt sein können und wie erheblich viele unter ihrer Krankheit leiden. Zu den psychischen Belastungen gehören vor alle
</p>

<ul>
	<li>
		das Gefühl, von der Umwelt gemieden zu werden,
	</li>
	<li>
		keinen Partner zu finden,
	</li>
	<li>
		beruflich oder schulisch eingeschränkt zu sein,
	</li>
	<li>
		Freizeit- und andere soziale Aktivitäten zu meiden,
	</li>
	<li>
		als unsauber zu gelten wegen der vielen Schuppen auf der Kleidung,
	</li>
	<li>
		zu Hause viel Zeit für die Behandlung aufwenden zu müssen,
	</li>
	<li>
		sich zu schämen oder etwas peinlich zu finden,
	</li>
	<li>
		generell unsicherer und weniger selbstbewusst zu sein.
	</li>
</ul>

<p>
	Psoriasis kann das Leben erheblich einschränken. Manche verzweifeln und einige zerbrechen an dieser Krankheit. Fast alle werden in ihrem alltäglichen Leben beeinflusst. Einige stellen ihre Bekleidung darauf ein. Viele leiden unter Schlafstörungen, auch wegen des Juckreizes. Andere haben ihre Aktivitäten eingeschränkt und jeder Vierte hat schon an Selbsttötung gedacht.
</p>

<p>
	Folgen dieser Belastungen können sein:
</p>

<ul>
	<li>
		Alkoholismus
	</li>
	<li>
		Depression
	</li>
	<li>
		Selbsttötung
	</li>
	<li>
		Fettleibigkeit
	</li>
</ul>

<p>
	Aber wer es schafft, seine Psyche zu stärken, sich Lebensziele zu setzen und zur Ruhe zu kommen, bewirkt bei sich selbst eine positive Grundstimmung. Es kommt darauf an, sich nicht selbst verrückt zu machen, nicht ständig vor dem Spiegel zu stehen und an der Psoriasis zu verzweifeln. Du sollten lernen, mit Deiner Schuppenflechte verantwortlich zu leben, d.h. ihr die Zeit einzuräumen, die sie uns fürs Einschmieren oder Bestrahlen abverlangt. Du solltest Dich als mündiger Patient außerdem darum kümmern, welche Behandlungen möglich sind und welche neuen Erkenntnisse es gibt. Vor allem solltest Du die Psoriasis nicht permanent vor anderen verstecken, sondern sie Deinen Mitmenschen als „normale Haut-Erkrankung“ erklären.
</p>

<h2>
	Der erste Schritt: die Psoriasis akzeptieren
</h2>

<p>
	Erfahrungsgemäß können die meisten Menschen in unserer Umwelt durchaus mit Hautkrankheiten umgehen, auch wenn Du selbst denkst, die müssten sich doch eigentlich vor Dir ekeln. Wenn Du Deine so offensichtliche Krankheit nicht verdrängst, sondern sie an Dir selbst akzeptierst, hast Du einen ersten Schritt getan, um Deine eigene Seele zu stärken! Das ist aber leichter gesagt als getan!
</p>

<p>
	Lange Jahre haben Psychologen argumentiert, jede Krankheit wäre der körperliche Ausdruck psychischer Probleme. Es wurde gefragt, was die Schuppenflechte uns in der „Körpersprache“ sagen will. So entstand der Spruch, die „Haut als Spiegel der Seele“ zu verstehen. Mit seiner Haut grenze sich der Mensch der Umwelt gegenüber ab und schütze sich vor Verletzungen. Seine Haut berühre andere und nehme Kontakt auf. Auf der Haut spürten wir Zärtlichkeit bis hin zu erotischen Gefühlen.
</p>

<p>
	Psoriatiker hätten (und seien) eine „empfindliche Haut“. Ihre Haut verlange danach, berührt oder gestreichelt zu werden. Sei niemand da, werde das Verlangen durch Kratzen befriedigt. Dadurch werde die Haut doch noch beachtet und berührt, wenn auch negativ. Menschen mit Schuppenflechte hätten Angst davor verletzt zu werden und seien in ihrem Inneren sehr empfindlich. Sie würden ihre Gefühle und ihr inneres Erleben nicht wahrnehmen. Diese Probleme solle die Haut lösen. Oder: Der Juckreiz weise darauf hin, dass die Psoriatiker etwas „kratzt“, was sie bisher übersehen hätten. Menschen mit Schuppenflechte sollten deshalb solange in ihrem Bewusstsein kratzen, bis sie gefunden hätten, was sie störe.
</p>

<p>
	Das sind Beispiele dafür, wie einer Krankheit „typische“ psychologische Probleme zugeordnet werden. Das kann zutreffen, muss aber nicht. Streng wissenschaftlich gesehen sind solche Aussagen eher spekulativ!
</p>

<h2>
	Gesunde Skepsis bei pauschalen Aussagen
</h2>

<p>
	Ähnlich verhält es sich mit der Methodik des „Krankheitsgewinns“: Patienten sollen herausfinden, was die Schuppenflechte Ihnen „erlaubt“, was sie sich bewusst nie gestatten würden. So würde jemand, der sich eigentlich nie Zeit für sich nimmt, das über die Haut lösen: Die verlangt nämlich, zeitaufwendig eingeschmiert zu werden oder stundenlang in der Sonne zu liegen. Manche sind eher häuslich anstatt regelmäßig auszugehen. Um das nicht zugeben zu müssen, würden sie auf ihre sichtbaren Hauterscheinungen verweisen. Aber selbst wenn jemand nach so einer Analyse sein Leben ändert: Die Schuppenflechte kann man damit nicht „heilen“.
</p>

<p>
	Sei skeptisch, wenn jemand behauptet, Psoriasis habe rein psychische Ursachen. Misstraue Aussagen, die Deine Krankheit als „Botschaft“ Deiner ungelösten Probleme darstellen. Manchmal erkennen wir uns darin wieder, manchmal trifft es überhaupt nicht zu. Wissenschaftlich nachgewiesen sind sie nicht. Solche Deutungen nehmen uns nicht die Arbeit ab, für uns selbst herausfinden, wie und in welchen Bereichen wir psychische Probleme angehen sollten. Wer es schafft, nicht mehr (nur) unter seiner Schuppenflechte zu leiden, hat gute Chancen, mit ihr lange und in Frieden zu leben. Helfen kann dabei der Kontakt mit Gleichbetroffenen (hier im Psoriasis-Netz oder in einer Selbsthilfegruppe) oder mit einer guten Psychotherapeutin / einem -therapeut.
</p>

<p>
	Eine Psychotherapie sollte man nicht von außen „verordnet“ bekommen. Die typischen Pflicht-Gespräche beim Psychologen während des Klinikaufenthalts sind meist nicht sehr ergiebig. Du selbst musst sich innerlich klar entschieden haben, dass das jetzt der richtige Weg für Dich ist! Nur dann bist Du auch bereit, psychologische Ratschläge anzunehmen.
</p>

<p>
	Es gibt viele verschiedene Richtungen und Ansätze in der Psychologie. Bevor Du Dich für eine entscheidest, solltest Du Dich darüber gut informieren. Beim Hausarzt, dem Dermatologen oder der Krankenkasse. Als Orientierung solltest Du vorher festlegen, was Du selbst mit einer Therapie erreichen willst. Danach entscheidet sich, welche psychotherapeutische Richtung für Dich geeignet sein könnte. Nicht für jede übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Derzeit werden bezahlt: Verhaltenstherapie, analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
</p>

<p>
	Mehr darüber findest Du in diesem Artikel.
</p>
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<p>
	Wen es interessiert: 1992 habe ich einen <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/dialog-mit-meiner-psoriasis/" rel="">Dialog mit meiner Psoriasis</a> geführt. Ich wollte herausfinden, was mir meine Schuppenflechte sagen will. "Krankheit als Weg" war das Kultbuch jener Zeit. Ein Kritiker meines Aufsatzes fragte: "Wollen Sie behaupten, ich sei selber an meiner Schuppenflechte schuld?" Ehrlich hätte ich ihm mit meinem damaligen Bewusstsein antworten müssen: "Ja, solange Sie nicht ihre Probleme lösen!" 
</p>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen
</h2>

<p>
	Wir lesen, hören und sehen viel, damit Ihr es nicht müsst. Hier sind die aus unserer Sicht interessantesten Beiträge über den Zusammenhang zwschen Haut und Psyche – und über andere psychologische Aspekte des Lebens.
</p>

<h3>
	Informationen zum Thema Haut und Psyche
</h3>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.w-a-praxis.de/psychotherapie-in-berlin-charlottenburg/schuppenflechte/" rel="external nofollow">Psychotherapie bei Psoriasis (Schuppenflechte)</a> – Informationen von Psychotherapeut Wolfgang Albrecht, Berlin
	</li>
	<li>
		<a href="http://www.medizinfo.de/hautundhaar/psoriasis/psyche.htm" rel="external nofollow">Psoriasis und Psyche</a> - Informationen beim ansonsten ziemlich unübersichtlichen MedizInfo-Angebot
	</li>
</ul>

<h3>
	Angebote zum Thema Depression
</h3>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.diskussionsforum-depression.de/" rel="external nofollow">Forum für Betroffene und Angehörige</a> vom Bündnis gegen Depression und die Stiftung Deutsche Depressionshilfe
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.deutsche-depressionshilfe.de/ueber-uns/das-buendnis" rel="external nofollow">Deutsches Bündnis gegen Depression</a>. Dieses Bündnis will Depression erforschen, so Betroffenen helfen und Wissen weitergeben.
	</li>
	<li>
		<a href="https://depressionsliga.de/depression-was-nun/selbsthilfe/" rel="external nofollow">Selbsthilfegruppen und Kontaktadressen</a>, aufgelistet von der Deutschen Depressionsliga
	</li>
</ul>

<h3>
	Interessante Beiträge über Psyche und Haut
</h3>

<p>
	<strong>Haut und Psychosomatik</strong><br>
	(<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ddg.14328_g" rel="external nofollow" target="_blank">JDDG</a>, November 2020)<br>
	Welche Faktoren spielen aus Sicht von Psychodermatologen bei Hautkrankheiten eine Rolle? Und welche Folgen kann die Erkrankung auf die Psyche haben? Ein Fachartikel, auch für Laien ganz gut verständlich.
</p>

<p>
	<strong>Wie die Psyche bei Psoriasis leidet – eine Betroffene berichtet</strong><br>
	(YouTube, 02.05.2020)
</p>

<div class="ipsEmbeddedVideo" contenteditable="false">
	<div>
		<iframe allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen="" frameborder="0" height="113" id="ips_uid_8271_7" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/bAOW8Y_ChsA?feature=oembed" title="Mein Leben mit PSORIASIS - Wie die PSYCHE leidet" width="200" loading="lazy"></iframe>
	</div>
</div>

<p>
	<strong>Wie schon allein Zuversicht eine Krankheit bessern kann </strong><br>
	(<a href="https://www.spiegel.de/spiegelwissen/selbstheilungskraefte-gesund-durch-zuversicht-a-942818.html" rel="external nofollow" target="_blank">Der Spiegel, 12.11.2013</a>)
</p>

<blockquote class="ipsQuote" data-gramm="false" data-ipsquote="" id="ips_uid_1321_4">
	<div class="ipsQuote_citation ipsQuote_open">
		Zitat
	</div>

	<div class="ipsQuote_contents ipsClearfix" data-gramm="false" data-ipstruncate="true" data-ipstruncate-expandtext="Mehr davon..." data-ipstruncate-size="7 lines" data-ipstruncate-type="hide">
		<p>
			Wenn Patienten Zuspruch erfahren und Hoffnung schöpfen, dann können sie ihre Erkrankungen leichter besiegen. Der "Placebo-Effekt" entpuppt sich als mächtiges Wirkprinzip der Heilkunde. (...) Aus der Ecke des Zauberpriestertums rückt es ins Herz der Schulmedizin.
		</p>
	</div>
</blockquote>

<p>
	<strong><span>Die Haut als Spiegel der Seele – wann stimmt das und wann nicht?</span></strong><br>
	(<a href="https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=44502" rel="external" target="_blank">Pharmazeutische Zeitung</a>, 13.12.2012)<br>
	"Von der äußeren Erscheinung auf die Psyche eines Menschen zu schließen, ist unzulässig und diffamierend", schreibt die Pharmazeutische Zeitung. In vielen Fällen besteht dennoch ein Zusammenhang - doch in welchen?
</p>

<p>
	<strong><span>Hautärzte von psychischer Komponente oft überfordert</span></strong><br>
	(<a href="https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Psychische-Komponente-ueberfordert-viele-Dermatologen-275073.html" rel="external" target="_blank">Ärzte Zeitung</a>, 20.09.2012)<br>
	Viele Dermatologen trauen sich an die seelischen Problemen ihrer Patienten nicht ran. Die Folge: Häufig bleiben die psychischen Symptome unbehandelt.
</p>

<p>
	<span><strong>Spiegel des Ich</strong></span><br>
	(<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/haut-psyche-1.1138732" rel="external nofollow" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a>, 04.09.2011)<br>
	"Die Haut ist der Spiegel der Seele." "Hautkrankheiten haben doch immer auch was mit der Psyche zu tun." Wie oft hört ein Psoriatiker Sätze wie diese eigentlich? Werner Bartens erklärt: "Jeder Pickel verkommt zum Indikator für psychische Probleme. Aber kranke Haut heißt nicht zwangsläufig kranke Seele."
</p>

<p>
	<strong>Depression: 10 Tipps für Partner und Freunde</strong><br>
	(<a href="https://www.stern.de/gesundheit/depression/depression--zehn-tipps-fuer-partner-und-freunde-6216752.html" rel="external nofollow" target="_blank">stern.de, 11.11.2010</a>)<br>
	Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, unter der nicht nur die Betroffenen leiden. Angehörige und Freunde wissen oft nicht, wie sie sich dem Depressiven gegenüber am besten verhalten sollen. Tipps für Freunde und Verwandte von Erkrankten.
</p>

<p>
	<strong><span>Was die Haut über unsere Psyche verrät</span></strong><br>
	(<a href="https://www.news.de/gesundheit/713678656/spiegel-der-seele-was-die-haut-ueber-unsere-psyche-verraet/1/" rel="external nofollow" target="_blank">news.de</a>, 29.10.2008)<br>
	Von manchen Menschen heißt es, sie hätten eine "dünne Haut", während anderen ein "dickes Fell" nachgesagt wird. Haut ist mehr als eine Hülle; wie kein anderes Organ ist sie der Spiegel der Seele.
</p>

<h3 id="toc1">
	Interessante Artikel zu anderen psychischen Aspekten
</h3>

<p>
	<strong>Wie Hypochonder besser mit Ängsten umgehen</strong><br>
	(<a href="https://www.derstandard.at/story/1308186310370/keine-simulanten-wie-hypochonder-besser-mit-aengsten-umgehen" rel="external nofollow" target="_blank">Der Standard, 18.06.2011</a>)<br>
	Zwei verschiedene Behandlungsansätze zeigen sich gleichermaßen erfolgversprechend.
</p>

<p>
	<strong>Warum manche Psycho-Kurse gefährlich sind</strong><br>
	(<a href="https://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/04/Dossier-Esoterik-Seelenpfuscher" rel="external nofollow" target="_blank">Die Zeit, 21.06.2011</a>)<br>
	Psychokurse versprechen sanfte Heilung seelischer und körperlicher Krankheiten. Viele Techniken sind hochriskant.
</p>

<p>
	<strong>Körperliche Schmerzen – seelisches Leid</strong><br>
	(<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/der-naechste-bitte-somatoforme-stoerungen-1.1601843" rel="external nofollow" target="_blank">Süddeutsche Zeitung, 18.02.2013</a>)
</p>

<blockquote class="ipsQuote" data-gramm="false" data-ipsquote="" id="ips_uid_1321_5">
	<div class="ipsQuote_citation ipsQuote_open">
		Zitat
	</div>

	<div class="ipsQuote_contents ipsClearfix" data-gramm="false" data-ipstruncate="true" data-ipstruncate-expandtext="Mehr davon..." data-ipstruncate-size="7 lines" data-ipstruncate-type="hide">
		<p>
			Bei fast der Hälfte der Patienten, die zum Arzt geht, lässt sich keine körperliche Ursache für ihre Symptome finden. Dahinter steckt meist ein seelisches Leiden. Dabei gibt es auch für Patienten mit somatoformen oder psychosomatischen Störungen Hilfe.
		</p>
	</div>
</blockquote>

<p>
	 
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">169</guid><pubDate>Sun, 05 Apr 2009 05:25:00 +0000</pubDate></item><item><title>Wenn der Kranke nicht zum Arzt will</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/behandlungverweigerer/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2009_01/paar-auf-einer-bank.jpg.917e959db27acf2f53bd3b8d25f05e73.jpg" /></p>
<p>
	Wer krank ist, geht zum Doktor – denkt man. Aber es kursieren Zahlen, dass <strong>40 Prozent der Menschen mit Psoriasis überhaupt nicht zum Arzt gehen</strong>. "Na und?" könnte man denken. "Ist doch gut, wenn es auch ohne geht."
</p>

<p>
	Die Wirklichkeit sieht anders aus. <strong>In vielen Fällen haben diese Patienten ihr Vertrauen in die sogenannte Schulmedizin verloren.</strong> Sie haben die Suche nach einem "guten Arzt" aufgegeben. Trotzdem leiden sie meist weiterhin an ihrer Krankheit. Denn die geht schließlich nicht dadurch weg, dass man sie ignoriert.
</p>

<p>
	<strong>Doch es leidet noch jemand mit</strong>: Partner, Eltern oder andere nahestehende Verwandte und Freunde. Hilflos sehen sie zu, wie sich der Psoriatiker quält, blutig kratzt und oft von anderen isoliert. Sie wollen so gerne helfen – aber geht das überhaupt?
</p>

<h2>
	Katjas Leben mit Thorstens Psoriasis
</h2>

<p>
	Katja (30) ist eine selbstbewusste Frau, die gerne bestimmt, wo es lang gehen soll. Deshalb passt Thorsten (33) ganz gut zu ihr. Er ist ein eher sanfter Mann, wurde liebevoll erzogen und von seinen Eltern gut behütet. Ihn stört es nicht, wenn Katja die Entscheidungen trifft. <strong>Seit sieben Jahren sind sie zusammen. Seitdem leben beide mit seiner Schuppenflechte.</strong>
</p>

<p>
	Katja hat sich angewöhnt, Thorsten liebevoll zu ermahnen, wenn er sich zu auffällig kratzt. Weil sie ihn liebt, ignoriert sie meist seine Krankheit. Aber ihr und ihrer gesamten Familie kommt es trotzdem so vor, als würde er <strong>durch das Kratzen auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen</strong>. So wird Thorsten angesprochen und bedauert.
</p>

<p>
	<strong>Thorsten macht nichts gegen seine Krankheit.</strong> Er geht nicht zum Arzt, informiert sich nicht, ändert seine Ernährung nicht und will zu keiner Psychotherapie. Das Thema ist Tabu.
</p>

<p>
	Jetzt aber hat sich seine Psoriasis deutlich verschlechtert. <strong>Er hat kaum noch eine freie Fläche auf dem Körper.</strong> Natürlich kratzt er sich deshalb noch mehr, so dass Katja nicht mehr weghören kann. Er ist psychisch schon völlig fertig.
</p>

<p>
	<strong>Am schlimmsten ist es für Katja, Thorsten jammern zu hören.</strong> Er jault vor Schmerzen wie ein Welpe. Für sie ist es unerträglich, das miterleben zu müssen. Natürlich will sie ihn nicht leiden sehen. Sie spürt, dass sie nicht mehr genug Kraft hat, sondern durch die Situation selbst mit herunter gezogen wird. Mit ihren eigenen Problemen kann sie Thorsten jetzt überhaupt nicht kommen.
</p>

<h2>
	Was soll man ihr raten?
</h2>

<p>
	<strong>Natürlich ist es toll, wie Katja zu Thorsten steht.</strong> Viele andere hätten sich von der Psoriasis und dem ständigen Kratzen schon längst abgestoßen gefühlt und die Beziehung beendet. Aber hier steckt auch ihr gemeinsames Problem: Es ist unklar, wie oft Katja und andere Thorsten vergeblich dazu gedrängt haben, sich behandeln zu lassen.
</p>

<p>
	Da Katja ihn grenzenlos liebt, verzeiht sie ihm seine Schwäche, nichts gegen die Psoriasis zu tun. Dadurch verhält sie sich zu Thorsten <strong>wie eine "Co-Abhängige"</strong>. So nennt man diejenigen, die mit einem Abhängigen zusammen leben und es nicht über das Herz bringen, ihm die Grenzen aufzuzeigen. Weil es immer einen helfenden Menschen gibt, der den Abhängigen nie fallen lassen würde, muss er nichts grundlegend gegen seine Sucht machen. Dieses psycho-soziale Muster findet sich aber nicht nur bei Suchtkrankheiten, sondern eben auch bei anderen Patienten, die ihre Krankheit nicht wirklich angehen und bewältigen wollen.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	Katja und ihre Familie <strong><em>vermuten</em></strong>, dass Thorsten mit seinem Leiden auf sich aufmerksam machen will. Aber haben sie mit ihm jemals darüber <em>offen gesprochen</em>? Niemand weiß wirklich, ob und weshalb Thorsten sich nicht beachtet fühlen könnte. Aber selbst, wenn diese Frage zu klären wäre, verschwinden damit weder der Juckreiz noch die schwere Psoriasis.
</p>

<p>
	Weiß man eigentlich genau, weshalb Thorsten nicht zum Arzt geht oder kann man darüber mit ihm nicht sprechen? Vielleicht ist es möglich, mit Hilfe aller Bezugspersonen die Gründe <strong>herauszufinden, weshalb Thorsten sich nicht helfen lassen will</strong> – zum Beispiel auf einer Familienkonferenz. Das gäbe dann vielleicht Anhaltspunkte, damit man ihn umstimmen kann.
</p>

<p>
	Es ist ganz eindeutig: Thorsten braucht medizinische und psychologische Hilfe – jetzt und sofort. Aber <strong>niemand kann ihn zwingen, gesund werden zu wollen</strong>. Alle sollten eindringlich versuchen ihn davon zu überzeugen, dass er sich um seine Krankheit kümmert. Aber niemand kann ihn hinter seinem Rücken helfen: Arzttermine vereinbaren oder einen Arzt ins Haus bestellen, Medikamente ins Essen tun. Der "mündige Patient" hat das Recht, eine Therapie abzulehnen. Juristisch gäbe es die Möglichkeit, einen Menschen unter vorläufige Betreuung ("entmündigen") zu stellen, d.h. ihm das Recht abzusprechen, als Patient eigenständig zu entscheiden. Das wird aber nur in extremen Fällen genehmigt.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>Ist es nicht egoistisch vom Kranken, wenn er sich überhaupt nicht um seine Krankheit kümmert?</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<strong>Wenn Überzeugung nicht hilft, schafft es vielleicht Druck</strong>. Zum einen kann die Krankheit so schlimm werden, dass der Patient es nicht mehr aushält. Man hofft, dass jemand spätestens dann seine Krankheit behandeln lässt, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Je länger man aber wartet, desto schwieriger wird es, eine Krankheit zu therapieren. Bei der Psoriasis arthritis können dann schon Gelenke unwiederbringlich zerstört sein. Angehörige können den Kranken nur immer wieder auf solche Gefahren aufmerksam machen - einsehen muss er es selbst.
</p>

<p>
	Eventuell hilft persönlicher Druck, das bedeutet: eine klare Grenze zu setzen. Zum Beispiel könnte Katja ihrem Thorsten <strong>ein Ultimatum stelle</strong>n: "Wenn Du Dich bis Ende der Woche nicht in ärztliche Behandlung begibst, dann .... " Ja – was, dann? Keine Zärtlichkeit mehr? Keinen Sex? Keine gemeinsame Reise? Auseinanderziehen? Weniger treffen? Trennung?
</p>

<p>
	Katja liebt Thorsten und will sich natürlich nicht wirklich von ihm trennen. Aber sie hilft ihm nicht, wenn sie ihn bedingungslos und grenzenlos liebt. Sie muss etwas finden, das ihn unter Druck setzt.
</p>

<p>
	Denn <strong>auch Thorsten muss etwas tun, um sich Katjas Liebe zu verdienen</strong> und von ihr respektvoll behandelt zu werden. Ist es nicht egoistisch von ihm, wenn er sich überhaupt nicht um seine Krankheit kümmert? Wenn es ihm egal ist, wie er aussieht, wie er auf gemeinsame Freunde wirkt, ob er sein Leben sinnvoll gestaltet, ob er einen Job hat usw.? Wäre es nicht ein Zeichen seiner Liebe, für Katja auf sein Äußeres, seine Erscheinung und seine Psyche zu achten? Enttäuscht er sie nicht, weil sie mit ihm ihre eigenen Probleme überhaupt nicht mehr besprechen kann? In so einer Situation kann Katja sich bestimmt nicht vorstellen, gemeinsame Kinder zu haben. Sie hat schon eines - nämlich Thorsten!
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<span class="ipsEmoji">👉</span> <strong>Lesetipp</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/tags/Angeh%C3%B6rige/" rel="">Erfahrungen von Angehörigen von Menschen mit Psoriasis</a>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<strong>Jeder von uns muss lernen, in Beziehungen Grenzen zu setzen</strong> – auch Menschen, die man liebt. Wer anderen nicht offen und klar signalisiert, was man sich nicht gefallen lässt, wird ganz schnell selbst zum Opfer. Kompromisse muss man immer im Leben schließen. Ein Kompromiss bedeutet, dass jeder etwas nachgibt. Aber man darf nicht zulassen, dass ein anderer Mensch Dinge mit einem tut oder einem zumutet, die man "eigentlich" nicht will.
</p>

<p>
	<strong>Gerade Frauen neigen dazu, bei ihren Partnern, Eltern oder Freunden Vieles zu erdulden</strong>. Über Jahre haben sie "großes Verständnis" mit dem anderen, quälen sich aber in Wirklichkeit und nehmen sich und ihre Interessen zurück. Wenn sie viel früher klar und unmissverständlich ausgedrückt hätten, was sie persönlich wollen und vor allem, was sie nicht wollen, wäre die Beziehung eher geklärt worden: entweder der andere verändert sein Verhalten oder man passt nicht zusammen.
</p>

<p>
	Das klingt hart, aber nur so gibt es eine Lösung. <strong>Ein erwachsener Mann, der verantwortungsvoll mit seinem Leben umgeht, holt sich dann sachkundige Hilfe, wenn er ernsthaft krank ist oder psychische Probleme hat</strong>. Genau das muss Katja immer und immer drängender von Thorsten fordern. Er sollte erklären, weshalb er seine Hautkrankheit nicht behandeln lassen will. Weshalb nimmt er in Kauf, von anderen angestarrt zu werden, sich blutig zu kratzen und seine Freundin zu verzweifeln? Was ist sein persönlicher "Krankheits-Gewinn" – was erlaubt ihm die Krankheit, was er als Gesunder nicht machen darf oder sich nicht traut? Wie stellt er sich seine Zukunft mit Katja vor, wenn er so weiter macht wie bisher?
</p>

<p>
	<strong>Handlungsdruck kann auch dann entstehen, wenn ein Kranker persönliche Nachteile erkennt</strong>, das heißt, wenn er befürchten muss, seine Arbeit, seine Freunde, seine Partnerin oder andere soziale Zusammenhänge zu verlieren. Wenn er aber schon alles verloren hat, ist es oft zu spät. Der Betreffende gibt sich selbst auf. Als Angehöriger kann man frühzeitig mögliche Folgen aufzeigen – mehr nicht.
</p>

<p>
	Man kann allen Angehörigen und Freunden nur wünschen, dass sie die Kraft haben, einen Weg für sich zu finden. <strong>Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich – im Guten wie im Schlechten</strong>.
</p>

<h2>
	Wie sind deine Erfahrungen?
</h2>

<p>
	Der Hilferuf einer jungen Frau war Anlass für uns, uns mit diesem Thema zu beschäftigen. Wie sind deine Erfahrungen als Angehöriger oder mit Angehörigen? Hast du einen Vorschlag, wie Angehörige reagieren können? <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/topic/8945-wenn-der-kranke-nicht-zum-arzt-will/" rel="">Diskutiere in unserer Community</a>.
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/topic/8945-wenn-der-kranke-nicht-zum-arzt-will/" rel="">Diskussion zum Thema in unserem Forum</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Expertenchat</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/" rel="">Mitschrift eines Expertenchats über Psoriasis und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	 
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">178</guid><pubDate>Tue, 27 Jan 2009 03:29:00 +0000</pubDate></item><item><title>Unser Expertenchat "Psoriasis und Psyche" zum Nachlesen</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/expertenchat-psyche/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/frau-am-laptop.jpg.cf762a583f6c54809d637a707e1fc253.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Bei einem Expertenchat konnten Interessierte mit Professor Wolfgang Harth, damals von der Hautklinik in Berlin-Friedrichshain, über das Thema Psyche und Schuppenflechte chatten.</strong>
</p>

<p>
	Das Motto war: "Ich bin so verzweifelt! Wie werde ich bloß mit meiner Psoriasis fertig?". Hier das Protokoll:
</p>

<p>
	<strong>Helfen Entspannungsmethoden wie Autogenes Trainin­g?</strong>
</p>

<p>
	Dass Stress und psychische Belastungen das Auftreten von Psoriasisschüb­en auslösen können steht fest, demnach kann bei solchen Patienten ein Entspannungsverfahren wie Autog­enes Training oder auch Yoga sehr hilfreich sein.
</p>

<p>
	<strong>Ist die Schuppenflechte eine rein psychische Kra­nkheit?</strong>
</p>

<p>
	Nein. Bei der Psoriasis steht eine vererbte also genetisch determinierte Autoimmundermatose im Vordergrund, die durch psychische Faktoren ausgelöst werden kann oder auch verschle­chtert wird.
</p>

<p>
	<strong>Wann sollte man eine Psychotherapie bei Schuppen­flechte machen?</strong>
</p>

<p>
	Die Einleitung einer <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie</a> hängt bei der Psoriasis entscheide­nd von den psychischen Begleiterkrankungen wie Angst und <a href="https://www.psoriasis-netz.de/tags/Depression" rel="">Depression</a> ab. Eine Psychotherapie kommt besonders bei chronischen Formen der Psorias­is und Stressrespondern in Betracht. Die Gruppe der Stressresponder so­llte bei der Psoriasis unter psychotherapeutischen Aspekten identifizi­ert, diagnostiziert und adäquat therapeutisch behandelt werden.
</p>

<p>
	<a class="ipsAttachLink ipsAttachLink_image ipsAttachLink_right" data-fileext="jpg" data-fileid="23799" href="https://www.psoriasis-netz.de/uploads/monthly_2024_08/wolfgang-harth.jpg.b5345153d2f5e931440e894590a6b8d7.jpg" rel="" style="float: right;"><img alt="Professor Wolfgang Harth" class="ipsImage ipsImage_thumbnailed" data-fileid="23799" data-unique="iihbfc07w" style="width: 250px; height: auto;" width="541" src="https://www.psoriasis-netz.de/uploads/monthly_2024_08/wolfgang-harth.thumb.jpg.ff877453e28636e77aee7497ece21cc7.jpg" loading="lazy" height="746.58"></a><strong>Wenn Stress ein Einfluss­faktor auf die Psoriasis ist, wie lange nach Stress kann die Schuppenf­lechte schlechter werden?</strong>
</p>

<p>
	Typischerweise wird die Psoriasis nach Stress nicht im gleichen Moment schlechter. Es dauert etwas länger. An ein belastendes Ereignis in einem Zeitraum von vier Wochen vor dem ­Beginn der Erkrankung konnten sich in einer Studie 35 Prozent Psoriasis-Patie­nten erinnern.
</p>

<p>
	<strong>Welche Möglichkeiten gibt es, trotz <a href="https://www.psoriasis-netz.de/tags/Stress" rel="">Stress</a> mit d­er Krankheit besser umz­ugehen? Um Stress kommt man ja leider nie ­gänzlich herum.</strong>
</p>

<p>
	Wichtig ist eine positive Krankheitsbewältigung. Positive aktive Strategien beinhalten Zupacken, Zuwenden, Problemanaly­se, Auflehnung und emotionale Entlastung. Das klingt vielleicht etwas abstrakt. Wichtig ist eine Unterstützung bei der Problemlösung – Gesprächsangebo­te, Ermutigungen in der Familie – Partnerschaft und durch den Arzt des V­ertrauens.
</p>

<p>
	<strong>Im Moment geht es mir eigentlich gut, aber wie k­ann ich mich auffangen, wenn mein nächstes Tief kommt?</strong>
</p>

<p>
	Die Resignation bei dieser chronischen Erkrankung führt häufig dazu, d­ass sich die Patienten hilflos und depressiv fühlen. Eine möglicherweise begleitende Depression sollte frühzeitig abgeklärt­ werden und dann entsprechend behandelt werden durch Psychotherapie oder auch ­Medikamente. Andererseits führt eine Hautverschlechterung zu Depressionen, und in solchen Fällen kann konsequente Hautbehandlung und Hautpflege d­ie emotionale Situation verbessern. Hier liegt ein klassisches Beispiel einer Wechselbeziehung zwischen Ha­ut und Psyche vor.
</p>

<p>
	<strong>Da meine Nägel sehr stark betroffen sind, ziehe ­ich mich immer öfter z­urück. Ist das schon ein Anzeichen dafür, ­dass psychisch etwas aus dem­ Gleichgewicht ist?</strong>
</p>

<p>
	Generell ist dies ein Problem vieler Patienten mit sichtbaren Hauterkr­ankungen. In der Dermatologie lässt sich immer wieder folgender zentraler Mechan­ismus beobachten: Krankheit - Anpassungsstörung - Angst - Depression - ­und sozialer Rückzug. Wenn Sie starke Einschränkungen im sozialen Umfeld wie Beruf oder Part­nerschaft aufweisen, kann eine psychische Störung dahinterstecken. In solchen Fällen wäre eine psychologische Abklärung anzuraten.
</p>

<p>
	<strong>Medikamente haben als unerwünschte Wirkung oft D­epressionen im Beipack­zettel. Sollte man ein Medikament trotz leichter Depression überhaupt ­nehmen?</strong>
</p>

<p>
	Hier kommt es auf das Medikament (Medikamentengruppe) und den Grund de­r Verordnung an. Dies sollte offen mit dem behandelnden Arzt besproche­n werden. Welches Medikament meinen Sie genau?
</p>

<p>
	<strong>Ich hatte mehrere Medikamente, z. B. Arava, <span ipsnoautolink="true"><abbr title="Methotrexat">MTX</abbr></span> ­und <span ipsnoautolink="true">Neotigason</span>. Welche Medikamentengruppen gibt es denn? Worauf ­sollte man achten?</strong>
</p>

<p>
	Diese Medikamente werden ja bei mittelschwer bis schweren Formen der P­soriasis verordnet. Dabei findet ja in der Regel eine engmaschige ärzt­liche Kontrolle statt. Liegt beispielsweise eine latente Depression vor und wird der Arzt dar­auf hingewiesen, so kann man dies im Rahmen der Kontrollvorstellungen b­esonders beachten. Meist tritt eine medikamentenbedingte Depression langsam auf. Sollte es­ dann zu einer Verschlechterung der Stimmungslage oder Depression komm­en, ist es möglich, Medikamente wie Neotigason umzustellen, damit ist die Nebenwirkung einer Depression bei der Behandlung mit ein­em solchen Medikament insgesamt gut steuerbar.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	<strong>Gibt es einheitliche Therapieansätze oder schwa­nkt dies je nach Patient und Typ der Psoriasis?</strong>
</p>

<p>
	Die Therapie der Psoriasis erfolgt heute unter dem Aspekt einer biop­sychosozialen Sichtweise, hierfür gibt es festgesetzte Leitlinien, denen sich die Ärzte verpflich­tet haben. Je nach Patient individuell verschieden kann die körperliche Symptomatik­ (biomedizinisch) oder auch psychosoziale Beschwerden einschließlich d­er Bewältigung im Vordergrund stehen. Für jeden Patienten werden dann entsprechend der Hauptbeschwerden sowi­e Schweregrad die notwendigen Therapieschritte eingeleitet. Beispielsw­eise Salben, Medikamente oder eben auch psychologische Maßnahmen.
</p>

<p>
	<strong>Gibt es viele Betroffene, die resignieren und ­was sind die Folgen?</strong>
</p>

<p>
	Ein Tief kennt jeder, insbesonders chronisch Kranke. Durch die Belastung des äußeren Erscheinungsbildes erhält die Psoriasi­s einen entscheidenden Krankheitswert, insbesondere in der Überzeugung­ der Patienten, entstellt zu sein (Stigmatisierung). Für die Patienten ergibt sich ein weiterer Belastungsfaktor daraus, da­ss die Auslösung eines Erkrankungsschubes weder vorhersehbar noch kont­rollierbar ist. Dies führt bei dieser chronischen Erkrankung häufig dazu, dass sich di­e Patienten hilflos und depressiv fühlen.
</p>

<p>
	<strong>Derzeitig fühle ich mich mit meinem fast normale­n Hautbild sehr stabil­. Ich finde, am Anfang stand bei mir einde­utig die Psoriasis! Das konnte ich nur durch die Fumadermtherapi­e so klar erkennen.</strong>
</p>

<p>
	Genau, es besteht eine Wechselbeziehung zwischen Haut und Psyche. Es kann auch eine somatopsychische Störung vorliegen, wobei zuerst die Erkrankung auftritt und zu reaktiv psychischen Störun­gen führt, welche sich unter Therapie und Abheilung der Haut bessern o­der wieder verschwinden.
</p>

<p>
	<strong>Seit dem Einsetzen des Verhütungsstäbchens Impla­non erkrankte unsere T­ochter zuerst an Gürtelrose und jetzt hat ­sie auch Schuppenflechte bek­ommen. Kann es einen Zusammenhang m­it Implanon geben?</strong>
</p>

<p>
	Hormonelle Faktoren können eine Psoriasis beeinflussen. Besondere Wechselwirkungen sind bei Schwangeren beschrieben worden, da­ eine Beeinflussung des Immunsystems durch Hormone angenommen wird. Sowohl Gürtelrose als auch die Psoriasis sind Erkrankungen, die bei Stö­rungen des Immunsystems auftreten. Da es viele Ursachen von Immunstörungen gibt, sollten diese bei einem A­rzt ausgeschlossen werden und danach nochmals ein Zusammenhang zu Impl­anon neu diskutiert werden.
</p>

<p>
	<strong>Kann Implanon eine Immunschwäche auslösen?</strong>
</p>

<p>
	Mir persönlich ist kein Fall bekannt. Hier wäre ein interdisziplinärer Austausch zwischen Gynäkologe und De­rmatologe nach der oben angeratenen Durchuntersuchung ratsam. Eine int­ernationale Literaturanfrage würde dies begleiten können.
</p>

<p>
	<strong>Wie funktioniert eine gute Bewältigung der Schup­penflechte?</strong>
</p>

<p>
	Zentral ist eine gute Hautbehandlung, Hautpflege und positive Krankhei­tsbewältigung sowie bei Stressproblemen eine Entspannung. Wichtig sind aktive Strategien mit regelmäßiger Hauttherapie, Auslöser­ vermeiden und emotionale Entlastung.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<strong>Zur Person</strong>
</p>

<p>
	<a href="https://www.vivantes.de/vivantes-experten/personen-detailseite/wolfgang-harth" rel="external nofollow">Professor Wolfgang Harth</a> ist Facharzt für Haut- ­und Geschlechtskrankheiten sowie Chefarzt der Hautklinik am Vivantes Klinikum Spandau.
</p>

<p>
	Als Dermatologe erfolgte die Ausbildung zum Psychotherapeuten und 2002­ die Habilitation im Fachgebiet Dermatologie an der Medizinischen Fakultät­ der Universität Leipzig. Im Bereich Psychodermatologie erfolgte die Publikation des ersten deut­schen Lehrbuches für psychosomatische Dermatologie (Harth, Gieler, Spr­inger Verlag 2006) sowie eine Autorenschaft der S2+IDA Leitlinie Psychodermatologie der Kommis­sion für Qualitätssicherung in der DDG/ AWMF.
</p>

<p>
	Professor Harth war zeitweise Vorstandsvorsitzender des Arbeitskreises Psychosomatische Dermatologie, einer Sektion der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
</p>

<div>
	<div>
		<h2 id="toc8">
			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
		</h2>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Überblick</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht's</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong><span ipsnoautolink="true">Forum</span></strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/12-psyche/" rel="">Austausch über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Psyche</a>
		</p>

		<p>
			<span style="color:#c0392b;">➔ </span><strong>Psyche und Psoriasis</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-wunden/" rel="">Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln</a>
		</p>
	</div>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">177</guid><pubDate>Sat, 08 Nov 2008 08:21:00 +0000</pubDate></item><item><title>Auf in die Vergangenheit!</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/auf-in-die-vergangenheit/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2004_08/vergangenheit.jpg.7bb794e61e997f2d05df9bd93f6b308d.jpg" /></p>
<p>
	<strong>"Jede Erkrankung hat ihre Ursache in der Vergangenheit", meint Andreas. "Hier sollte versucht werden, die wirkliche Ursachen der Psoriasis zu entdecken." Der Erfahrungsbericht eines Betroffenen – und die Antwort einer Leserin.</strong>
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	Abwehrhaltung spiegelt sich als Schuppenpanzer auf der Haut
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	Ich hatte gute zwei Jahre eine Psoriasis auf der Kopfhaut und im Gesicht. Auf den Gesicht waren es zunächst nur schuppige Bereiche bei den Augenbrauen, schließlich eine gerötete schuppige Stelle auf der Wange, die sich oft verschlimmerte und großflächiger wurde und auch auf der Stirn und Kopfhaut traten die gleichen Hautbeschwerden auf.
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	An manchen Tagen besserte es sich wie von Geisterhand – an manchen Tagen wurde es so schlimm, dass ich mich kaum raustraute. Obwohl die Symptome noch einigermaßen zu kaschieren waren, war es dennoch sehr belastend, insbesondere wenn auch noch die Kopfhaut rote Stellen zeigte, da ich oft sehr kurze Haare trug.
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<p>
	Ich will hier aus eigener Erfahrung zeigen, was es meiner Meinung nach mit der Schuppenflechte auf sich hat. Ich beziehe mich hier logischerweise nur auf die Psoriasis im Gesicht und auf der Kopfhaut, obwohl ich glaube, dass das Prinzip, was ich im folgenden schildern werde, mehr oder weniger auf jede Form der Psoriasis zutrifft.
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<p>
	Lange Zeit dokterte ich damit rum, wusste zunächst auch gar nicht, was es war, sah auch keinen Zusammenhang zwischen meinen Leben und der Erkrankung. Auch Salben und Cremes halfen nicht wirklich, vielleicht wurde das Symptom vorübergehend unterdrückt, aber es kam nicht zu einer Heilung. Insofern konnte die Ursache nicht rein organischer, materieller Natur sein, denn dann hätte man auch mit rein materiellen Mitteln, also zum Beispiel herkömmlichen Medikamenten oder Ernährungsumstellung etc., das Ganze vollständig heilen können, ohne das es wieder aufgetreten wäre.
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<p>
	Im Laufe der Zeit und durch aufmerksames Hinschauen konnte ich mir schließlich selbst Antworten geben. Ich werde hier teilweise etwas mit Symbolen und Metaphern arbeiten, die verständlicher machen sollen, was die Symptome der Psoriasis einen sagen wollen und wie dies in Verbindung zum Gemütszustand des Erkrankten stehen kann.
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	Durch die Anwendung dieser Erkenntnisse gelangt es zu einer erheblichen Verbesserung der Beschwerden. Ja, innerhalb der letzten Tage ist es beinahe schon alles weggegangen.
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Es ist nicht unbedingt die Vergangenheit an sich, sondern die eigene Interpretation"</em>
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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	Jeder Erkrankung hat ihre Ursache in der Vergangenheit. Hier sollte versucht werden, die wirkliche Ursachen der Psoriasis zu entdecken.
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	Unmittelbar hintereinander wurden vermehrt schlechte Erfahrungen und Enttäuschungen erlebt. Es müssen nicht zwangsläufig "schlechte" Erfahrungen gewesen sein, was zählt ist, dass man nur das Schlechte an diesen Erfahrungen zu sehen vermochte und sie deshalb auch nur als unangenehm, ja schmerzhaft "empfinden" konnte. Es ist also nicht unbedingt die Vergangenheit an sich, sondern die "eigene" Interpretation von dieser!
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	Die Suche nach anhaltender Liebe und Glück in der Außenwelt misslang, obwohl man sich Mühe gegeben hat alles richtig zu machen. (Mit Glück ist alles gemeint, was zu guten Gefühlen führen kann, berufliche Erfolge, Anerkennungen, körperliche Nähe, Besitztum etc.) Man hat dafür vielleicht auch soviel investiert, es anderen immerzu recht machen zu wollen und sich selbst dafür zu vergessen, wohl weil man von anderen gemocht werden wollte, um damit auch sich selbst annehmen zu können. Gelang dies nicht, fiel man in die eigene Ungeliebtheit, in das eigene mangelnde Selbstwehrgefühl zurück. Immer ist man deshalb bedürftig nach der Anerkennung der anderen Menschen, nach dem Erreichen der eigenen Ziele, um somit überhaupt mal auch sich selbst "wirklich" mögen zu können.
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<p>
	Man ist also nur auf bestimmte Resultate fixiert, ergeben sich diese nicht, ist man enttäuscht. Man ist dann nicht einverstanden mit dem was ist. Dass erzeugt unvermeidlich schlechte Gefühle. Durch diese schlechten Gefühle wie Wut, Trauer, Gekränkt-Sein, unternimmt man Schritte, von denen man erhofft, durch sie etwas ändern zu können. So macht man anderen zunächst innerlich und dann auch ganz konkret Vorwürfe, beschimpft sie, heult ihnen was vor, versucht zu manipulieren oder wird vielleicht sogar gewalttätig.
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<p>
	Stellt sich dann immer noch nicht das gewünschte Ergebnis ein, fühlt man sich zu Recht enttäuscht.
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Auf einmal beginnt man sich immer mehr abzukapseln."</em>
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	Irgendwann beginnt man aus diesen stark negativen Erfahrungen der Ablehnung oder Enttäuschung, die unmittelbar hintereinander auftraten, sich zunächst nur innerlich von anderen abzugrenzen. Man ist nicht mehr so sehr "dabei" und auch nicht so sehr interessiert daran wie früher, mit anderen was zu machen. Man bevorzugt insgeheim das Alleinsein, nagt noch an den alten Kränkungen und verdrängt den Wunsch nach Nähe, denn dieser Wunsch wurde in der Vergangenheit zu oft nicht erfüllt. Dennoch versucht man noch so zu tun, als wäre alles ok.
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<p>
	Wenn man dann bemerkt, dass nicht alles ok ist, hat man Angst davor, nicht mehr so zu funktionieren, wie es die anderen von einen erwarten. Man versucht sich also dennoch notgedrungen mit der Außenwelt zu vereinbaren, um sich nicht erneut Ablehnung einzuhandeln und sieht dabei gar nicht den Schmerz, der noch in einem nagt, die Angst vor zukünftigen Enttäuschungen und das daraus resultierende pessimistische Denken, die Tatsache, dass man den Wunsch nach Nähe verleugnet, um sich vor Verletzungen zu schützen.
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<p>
	Wenn man sich dies alles aber nicht eingestehen will und munter so tut, als wäre alles ok, verletzt jede neue Enttäuschung, die oft noch mit den Augen der Vergangenheit interpretiert wird, umso mehr – und irgendwann kommt die Schuppenflechte auf die Haut.
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<p>
	Auf einmal beginnt man sich immer mehr abzukapseln, da man sich für die Hautveränderungen schämt. Man kümmert sich immer weniger um zukünftige berufliche Perspektiven, um seine Freunde, eine neue Beziehung. Man hat Angst vor dem Leben, vor der Zukunft und kann keine Verantwortung mehr übernehmen. Dadurch dass man die Anforderungen der Außenwelt nicht mehr erfüllt, erntet man letztendlich nur noch Vorwürfe.
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<p>
	Die Freunde schreien, man würde sich nicht genug um sie kümmern, das Umfeld kritisiert einen für den verantwortungslosen Lebenswandel. Aber dies ist "spiegelbildlich" zu verstehen, denn man selbst hat auch das Gefühl in sich, andere waren und sind nicht genug für einen da, würden verantwortungslos handeln.
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<p>
	Der Mangel an Zuwendung, den man den Mitmenschen auf einmal entgegenbringt ist also nur der Mangel, den man selbst bei sich empfindet. Durch die Kritik, die einen dafür entgegengebracht wird und die schnell kränken kann, gerät der Psoriasis-Erkrankte nur noch mehr in die Abwehrhaltung und zieht sich noch mehr zurück. Wieder muss er enttäuscht feststellen, dass man ihn nicht so annimmt, wie er ist. Und auch er selbst kann sich noch schlechter als zuvor annehmen, da er sieht, dass er den scheinbaren Druck von außen, ja scheinbar alltäglichen Anforderungen etc. nicht standhalten kann und beginnt sich als Versager zu fühlen.
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Kranksein ist immer eine gute Entschuldigung!"</em>
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	Nun kann er das Symptom als Entschuldigung nehmen, er könne ja auch nichts vernünftig machen, mit diesen Ausschlag könne man sich ja kaum nach draußen trauen. Nun hat der Erkrankte durch diesen Vorwand erreicht, dass er seine Ruhe haben "darf" und durch die Abkapselung jeder zukünftigen Enttäuschung entgehen kann. Und durch die Psoriasis hat er damit dann auch die offizielle Erlaubnis sich so verhalten zu dürfen und der Gang zum Arzt und Apotheker gibt ihm dabei Recht. Kranksein ist immer eine gute Entschuldigung!
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	Gleichzeitig will er aber natürlich wieder gut aussehen. Und so ist zunächst oft nur Eitelkeit die Triebfeder, die dazu führt, das Symptom loswerden zu wollen und sich überhaupt mal damit zu beschäftigen. Gerade die Eitelkeit ist die Schwachstelle beim oft so perfektionistischen und selbstkritischen Psoriasis -Erkrankten.
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	Schließlich ekeln sich die anderen Menschen ja auch vor diesen Anblick, also warum sollten man das anderen und nicht zuletzt sich selbst antun, sich als "hässlich" und "nicht liebenswert" in den Augen anderer empfinden zu müssen?
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<p>
	Hier kommt wieder die eigene Ungeliebtheit und die Angst vor neuen Verletzungen zum Vorschein, die den Psoriasis-Erkrankten es auch vor dem Auftreten der Symptome schwer gemacht hat, sich zu akzeptieren und diesmal ist auch der Ausschlag die gute Ausrede: "Wie soll ich mich denn selbst mögen können mit dieser hässlichen Schuppenflechte?"
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<p>
	Die Tatsache, dass er sich "vorher" auch nicht wirklich mochte, ist ihm nicht bewusst. Dadurch erst begann ja seine zwanghafte Odyssee Glück und die Liebe bei anderen Menschen zu suchen, die aber auch oft selbst danach bedürftig waren und deswegen nichts geben konnten oder nur unter "strengen" Bedingungen.
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Das Symptom macht ehrlich."</em>
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	Das Symptom macht also ehrlich, es zeigt den Psoriasis-Erkrankten, was vorher schon latent in ihm war, was er aber nicht sehen wollte oder konnte: dass er Angst vor den Kontakt mit anderen hat, dass er sich hässlich fühlt, sich nicht annehmen kann, dass er lieber allein wäre, dass er gekränkt und leicht zu verletzen ist, dass die vergangenen Enttäuschungen ihn zum menschenscheuen Pessimisten gemacht haben, dass er Angst vor der ungewissen Zukunft hat. Dass sein offenes und starkes Gehabe nur ein Selbstbetrug sind, denn seine Abwehrhaltung spiegelt sich als Schuppenpanzer auf der Haut und verrät ihm und anderen "symbolisch", wie es wirklich um seine Kontaktfreudigkeit bestellt ist. Darunter findet er die wunden Stellen (=das unreife Verhalten und die Verletzungen in ihm), die "Verletzungen", die der Schuppenpanzer nun verbergen soll und die (Angst vor zukünftigen) Verletzungen, die entstehen, wenn er die Schuppen (=die Abgrenzung) mühsam und vielleicht selbst erfüllt von Ekel (es ist also Überwindung erforderlich!) entfernt.
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<p>
	Die Hautzellen werden so schnell gebildet, als gelte es "eine Wunde zu schließen", das "Abwehrsystem" des Körpers arbeitet teilweise, als wenn Krankheitserreger ("Störenfriede") "abzuwehren" wären, hingegen funktioniert außen rum in den "benachbarten", beschwerdefreien Hautpartien noch alles normal. Der Patient sieht die Rötung, die sich unter der Haut verbirgt. Er bzw. die Haut als "Kontaktorgan" zur Außenwelt, hat sich an etwas "entzündet", an den Fehlern der anderen Menschen "aufgerieben" (Reibung führt zur Hitze...- zum "erhitzen Gemüt") und gleichzeitig ist da der "verdrängte" (unter die Haut gedrängte!) Wunsch nach Nähe, der durch die Abwehrhaltung (=die Schuppen) verleugnet wird, denn die Schuppen versuchen diese geröteten "aufflammenden" Stellen zu verbergen, zu "verdrängen". Man denke daran, dass die Farbe rot, seit jeher für die Liebe und Leidenschaft steht, aber auch für den Tod und den Egoismus! Diese Abwehrhaltung nach außen hin, dieser unterschwellige Groll und Hass und dieses Verletztheit, ist nichts weiter als verschmähte, unerwiderte Liebe und das verdrängte und daher auch unerfüllte Bedürfnis nach Nähe.
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Der Psoriasis-Erkrankte muss seinen Wunsch nach Nähe verdrängen."</em>
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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	Die Isolation, die Einpanzerung, hat also ihren Preis: Der Psoriasis-Erkrankte muss nämlich seinen Wunsch nach Nähe, der ja irgendwie dennoch besteht, verdrängen. Vielleicht lenkt er sich mit allerhand Sachen ab, um für sich die Illusion zu erzeugen, alles wäre ok: Womöglich surft er im Internet – anstatt auszugehen, führt Brieffreundschaften, Telefonate, geht wegen der Hautbeschwerden nur noch abends raus, kümmert sich vermehrt um anderer Leute oder gesellschaftlicher Angelegenheiten, versucht anderweitig durch Leistung zu glänzen und dadurch Bestätigung und Liebe zu bekommen, versucht also etwas zu bewirken und hat dadurch für sich selbst und anderer das Trugbild, dass er ja noch einigermaßen normal leben würde und ja durchaus noch offen sei, - nach all dem was war!
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<p>
	Von jeder Annäherung anderer Menschen in sein Leben fühlt er sich bedrängt. Insgeheim wünscht er sich Nähe, aber die Angst vor neuen Enttäuschungen ist so stark, dass sie unangenehme Gefühle erzeugt, immer, wenn andere in sein Leben treten wollen oder es seine Toleranzgrenzen überschreitet. Dadurch, dass er sich Unwohl im Beisein anderer fühlt, projiziert er dieses Gefühl auf die anderen und sieht in ihnen die Ursache. Er sucht "dort" unbewusst nach Fehlern, um eine Berechtigung zu haben, sich von diesen Leuten und Situationen abgrenzen zu können.
</p>

<p>
	Aufeinmal sind die Freunde dann nicht mehr gut genug und die ganze Welt müsste verändert werden. Ja, deren Kritik und Verhalten wäre ja schuld daran, wenn die Psoriasis schlimmer wird – man ist nun mal verletzlich! Man will mit einmal die perfekten Freunde, den perfekten Job, doch bei den Versuch alles zu verändern, um Vollkommenheit zu erreichen, was ja mit Kritik an anderen und eventueller weiterer Abgrenzung verbunden ist, erlangt man nicht gerade Sympathiepunkte... Druck erzeugt Gegendruck und dies alles kränkt den Psoriasis-Erkrankten wieder und der Ausschlag wird schlimmer, ja schon die bloße Befürchtung erneuter Enttäuschungen lässt den Ausschlag entstehen.
</p>

<p>
	Für ihn die Bestätigung, dass die anderen Schuld sind und er Schlussstriche setzen muss, er sich mal richtig ausruhen sollte und sich die perfekten Freuende, Beziehung und berufliche Perspektive suchen sollte. Doch dann ist da ja wieder dieser Ausschlag, der es ja erschwert, eben an diese Dinge zu kommen!
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<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p style="text-align: center;">
	<em>Die Schuppenflechte zwingt ihn zu akzeptieren, was ist."</em>
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

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	Er ist wiedermal nicht einverstanden mit dem was ist. Durch diesen Widerstand gerät er in den Egotrip, sich nicht nur zu isolieren, sondern fortan auch nur noch an sich denken zu müssen, um seine Krankheit zu überwinden. Er zerbricht sich schließlich den Kopf und jeder Lösungsansatz, durch das Verändern "äußerer Umstände" und anderer Menschen eine Beschwerdefreiheit zu erlangen misslingen auf Dauer. Ja, oft wird alles so schlimm, dass jede Medizin versagt. Dadurch zwingt ihn die Schuppenflechte zu akzeptieren was ist! Er muss zumindest sie akzeptieren, sonst verbreitet sie sich mehr und mehr. Und tatsächlich, an den seltenen Tagen wo er mit sich und allen im reinen ist, wo die Hautbeschwerden abgeklungen sind, wo seinen perfektionistischen Ansprüche und seine und sein Wollen befriedigt sind, dann kann er sich wieder etwas öffnen und Besserung tritt ein.
</p>

<p>
	Auch die Schuppenflechte selbst wird als Ursache gesehen für befürchtete zukünftige Enttäuschungen, - "wie soll mich einer mit diesen Ausschlag lieben könne?!", fragt sich der Erkranke und versucht ihn, wieder getrieben aus dem Gefühl des "Geliebt-Werden-Wollens" zu bekämpfen. Der schizophrene Wunsch nach Nähe und die Angst davor reichen sich die Hand. Es gelingt anscheinend nicht, sich wirklich zu öffnen, obwohl man die Notwendigkeit vom Verstand her eingesehen hat, - aber wirkliche Einsicht geschieht eben nur im Herzen.
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<p>
	Der Psoriasis-Erkrankte ist zu überempfindlich geworden, er vergisst, dass er durch diese Überempfindlichkeit anderen Macht über sich gibt. Er "agiert" nicht mehr, sondern er "re-agiert" nur noch und verliert allmählich die Kontrolle über sein Leben aus den Augen. Bei jeder Sache, wo er sich gekränkt fühlt oder etwas Negatives vermutet, zieht er sich zurück. Somit ist er ein hilfloses Opfer seiner eigenen subjektiven Werturteile, das vergessen hat, dass es selbst der wirkliche Täter und Auslöser ist, denn man selbst ist es, der sich gekränkt fühlen kann – niemand sonst zwingt einen dazu.
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Sein Selbstbild sieht der Erkrankte durch die Psoriasis in Gefahr."</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p>
	Sein Selbstbild, seine eigenen moralischen Verhaltenskodexe, sieht der Erkrankte durch die Psoriasis in Gefahr, auf einmal ist er nicht mehr der offene, aktive Mensch und nur noch ein schlechtes Gewissen bringt ihn notgedrungen dazu, das zu tun, was er früher noch wie selbstverständlich getan hätte: Kontakte pflegen und sein Leben leben!
</p>

<p>
	Lässt der Psoriasis -Patient seinen Rückzug zu, gesteht er sich ein, wie unbehaglich ihm die anderen sind, wie groß die Angst vor Kritik, Ablehnung, Misslingen und Enttäuschung ist, wie sehr er noch an der Vergangenheit hängt in der er sich "verlaufen" hat und immer wieder die damaligen Dramen abspult, wie sehr er alles mit den Augen der Vergangen-heit sieht und sich im Perfektionismus verrannt hat, dann erst besteht Chance auf Heilung.
</p>

<p>
	Heilung beginnt damit, dass Symptom und das was es einen sagen will anzuerkennen, zu in-tegrieren und nicht es zu bekämpfen. Denn das Symptom ist lediglich die Warnlampe, die signalisiert, das etwas im Bewusstsein nicht stimmt. Es ist das, was im Bewusstsein nicht gesehen oder verdrängt wurde und was sich dann symbolisch im Körper widerspiegelt.
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Der Erkrankte kann dadurch lernen, wieder für sich da zu sein"</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	"In" sich selbst muss also gesucht werden! Dadurch, dass der Erkrankte den Rückzug erst mal zulässt, kann er durch die Isolation den verstärkten Kontakt zu sich selbst finden. Er ist gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, denn raustrauen tut er sich wegen der Psoriasis ja eh nicht wirklich! Er kann dadurch lernen, wieder für sich da zu sein und sich selbst annehmen und kennenlernen zu können. Denn auch seine Haut muss er pflegen, um die Symptome der Psoriasis verschwinden zu lassen oder einzudämmen vulgo muss er auch seine Seele einer "klärenden" Reinigung unterziehen!
</p>

<p>
	Er kann versuchen, zu erkennen, wie sehr er sich zum Opfer gemacht hat, dadurch, dass die Worte und Meinungen anderer so viel Macht über ihn hatten. Er kann erkennen, dass er die anderen hat bestimmen lassen "wer" er ist und dass er keine "eigene" (positive) Meinung zu sich hatte. Indem er dieses Opferdasein ablegt und die Akzeptanz zu sich (wieder)findet, werden Kritik und Kränkungen anderer und die Welt an sich ihn auch nicht mehr weiter "jucken und kratzen" können. Er kann seine Vergangenheit neu interpretieren und vielleicht auch die gute Seite in den Enttäuschungen erkennen lernen.
</p>

<p>
	Dadurch, dass er wieder selbstständig werden will, kann er seine Abwehrhaltung allmählich abbauen und wieder zulassen, "was ist". Er kann erkennen, wie sehr ihn sein Egoismus zu allen Enttäuschungen geführt hat, denn er wollte immer bestimmte Resultate erzielen und hat sein Glück davon abhängig gemacht, also "musste" er logischerweise enttäuscht sein, wenn seine Ziele nicht erreicht wurden.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Durch Leiden wird er also lernen, dass er nicht leiden muss"</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Sein eigenes egoistisches Wollen, was ja nichts anderes ist als ein "nicht einverstanden sein, mit dem was in seinen Leben war und ist" ist also die Grundursache für alle Enttäuschungen. Er wird dann irgendwann aus eigener Einsicht sein Verhalten ändern und wieder (aus sich) rausgehen, wieder offen und verletzlich werden und dadurch erkennen, dass ihn keine Verletzung je wird umbringen können und dass er es selbst in der Hand hat, was ihn verletzen kann. Dass die Schlange, vor der er sich im Dunklen fürchtete, nur ein harmloses Seil war! Durch Leiden wird er also lernen, dass er nicht leiden muss – und je unreifer er ist, um das zu begreifen, desto mehr wird er leiden.
</p>

<p>
	Enttäuschungen sind immer eine Frage der eigenen Wertmaßstäbe und Interpretation. Manche Leute fühlen sich verletzt von Dingen, die gar nicht verletzend gemeint waren. Manche haben ein dickes Fell und andere eine "dünne Haut" (durch die man übrigens leicht jede Rötung sieht...). Was uns früher gekränkt hätte, kann uns heute vielleicht nur ein Lächeln abgewinnen - und umgekehrt.
</p>

<p>
	Wenn man wirklich weiß, wer man ist, wird man sich nicht mehr groß beeinflussen lassen von den Werturteilen anderer. Wenn man sich nicht so sehr an das "Erreichen" bestimmter Ziele klammert und alles so nimmt wie es kommt, dann wird man ganz bestimmte die gesündere Art zu leben gefunden haben.
</p>

<p>
	Die Psoriasis beinhaltet also das Tor zur Erlösung vom Leiden, genauso wie die Möglichkeit, alles schlimmer zu machen und in einen Teufelskreis zu gelangen, in dem einem leicht schwindelig werden kann, so dass man die Zusammenhänge nicht mehr klar erkennen kann.
</p>

<p>
	Spätestens wenn der Erkrankte sich unter anderem durch den Ausschlag und mit der Angst vor damit verbundener Ablehnung, in eine so extreme Isolation getrieben hat, dass er vollständig isoliert ist, wird er den Wahnsinn "von sich aus" einsehen und wieder offen werden. Die anfängliche Überwindung, die das erfordert, wird bald mit einer Besserung und dann auch mit einen Verschwinden der Symptome belohnt, wenn seine Entscheidung, "wieder offen zu sein", wirklich von Herzen und nicht aus egoistischen Motiven heraus kommt.
</p>

<p>
	Schlussfolgernd möchte ich die Behauptung aufstellen, dass nahezu alle Krankheiten aus Psychosen (Verhaltenstörungen) des Menschen herrühren, die wiederum daraus resultieren, dass er sich mit den jeweils gegeben Umständen und Situationen über eine bestimmte Zeit (oder mit großer Intensität) hinweg nicht vereinbaren konnte und deswegen ins contra ging.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
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	</div>
</div>

<h2>
	"Ich muss in den Spiegel sehen können und mit mir selbst klar kommen"
</h2>

<p>
	<strong>Die Nutzerin "dirigentin" hat Andreas' Erfahrungsbericht zu seinem Umgang mit der Schuppenflechte gelesen. Sie blieb hängen und hat danach ihre eigenen Erfahrungen niedergeschrieben.</strong>
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<p>
	Durch zufälliges Stöbern bin ich auf diese Seite gestoßen und hängen geblieben…
</p>

<p>
	Es ist schön zu sehen, dass man doch etliche „Leidensgenossen“ hat und die Problemstellung oft eine Ähnliche ist. Ich wünsche allen Betroffenen so wenige Einschränkungen wie möglich und gutes Zurechtkommen mit ihrer Erkrankung sowie sehr gute Ärzte, Therapeuten und Kostenträger, die sich nicht um ihre finanzielle Verantwortung drücken.
</p>

<p>
	Einfach ausgedrückt: Alles, alles Gute und viel Kraft für all diejenigen, die in irgendeiner Weise von gesundheitlichen Problemen/Einschränkungen betroffen sind. Lasst euch nicht unterkriegen!
</p>

<p>
	Der Erfahrungsbericht von Andreas ist genial und sagt alles aus! Vielen herzlichen Dank an den Autor – auch für Ihn die allerbesten Wünsche von mir.
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<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Sehr viele Jahre vergingen, bis endlich eine genaue Diagnose feststand."</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p>
	Meine Erkrankung begann so vor etwa 15 Jahren. Sehr viele Jahre vergingen, bis endlich eine genaue Diagnose feststand bzw. bis es überhaupt einmal in die richtige Richtung ging. Genauer gesagt, erhielt ich erst vor wenigen Monaten die wirklich exakte Diagnose/Einschätzung der Erkrankung: nämlich schwer verlaufende Arthritis psoriatica mit Lungenbeteilungung.
</p>

<p>
	Ja – die Lunge bzw. das Lungenparenchym ist bei mir leider auch betroffen. Ich habe inzwischen eine schwere Lungenfibrose – bin schon bei relativ geringer körperlicher Anstrengung sauerstoffpflichtig. Dies bedeutet Einschränkungen in allen Lebensbereichen.
</p>

<p>
	Mir wurde bei meinem letzten stationären Klinikaufenthalt eine Lungentransplantation empfohlen. Diesen Schritt werde ich allerdings so lange als möglich nach hinten schieben, evt. auch ganz davon absehen, da die langfristigen Überlebenschancen nicht besonders gut sind. Derzeit ist meine Situation relativ stabil, so dass ich dies wagen kann.
</p>

<p>
	Meine frühere Rheumatologin übersah vor gut acht Jahren deutlich sichtbare Rheumaknoten auf der Lunge und verordnete mir trotzdem MTX. Ich bekam damals meinen ersten Schub auf der Lunge und dadurch die ersten bleibenden Lungenschäden. Folge: Lungenfachklinik-Aufenthalt von zwei Wochen.
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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p style="text-align: center;">
	<em>"Ich konnte die Einschränkungen lange Zeit gut kompensieren."</em>
</p>

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	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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<p>
	Auch damals war es schon happig. Ich erholte mich unter Einsatz von sehr hohen Kortisongaben etc. wieder relativ gut davon, hatte jedoch erste bleibende Einschränkungen zu verkraften, konnte aber meinen Beruf noch relativ gut weiter ausüben. Ich verlegte meinen beruflichen Schwerpunkt allerdings mehr auf Unterrichts- und Dirigententätigkeit, da ich keine Konzerte mehr spielen konnte – was jedoch kein größeres Problem für mich war. Mir kamen natürlich meine professionelle Atemtechnik und das langjährige Lungentraining durch meinen Beruf zugute. So konnte ich die nicht unerheblichen Einschränkungen lange Zeit gut kompensieren.
</p>

<p>
	Diesen Sachverhalt bez. meiner Lungenschädigung aufgrund Arthritis erklärte mir nun mein jetziger Arzt (Lungenspezialist), nachdem ich vor ca. zwei Monaten endlich die alten Röntgenbilder auftreiben und ihm zum Vergleich vorlegen konnte (die waren irgendwie unauffindbar?) – übrigens der mit großem Abstand beste Lungenfacharzt (OA Uniklinik), denn ich inzwischen kenne.
</p>

<p>
	Endlich war ein Vergleich vorher-nachher möglich! Dies ist für mich/uns immens wichtig zu wissen, da somit klar ist, dass wenn die Arthritis unter Kontrolle ist auch die Lunge unter Kontrolle sein wird – beides ist untrennbar miteinander verknüpft. Die Prognose ist aufgrund dessen eine ganz andere!
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Der Rheumatologe tut unglaublich viel für mich."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Er tut unglaublich viel für mich! Ich zolle ihm großen Respekt und Dankbarkeit. Meine Behandlung findet inzwischen fast ausschließlich in der Lungen-/Rheuma-Ambulanz einer bekannten Uni-Klinik statt.
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<p>
	Das Beste: Die arbeiten dort Hand in Hand und kommunizieren miteinander – ein absoluter Vorteil für mich und die beste Entscheidung aller Zeiten. Auch mein Hausarzt ist Spitze. Und - ebenfalls erwähnenswert: Meine Krankenkasse zeigt sich (bis jetzt) sehr kooperativ und zickt bisher nicht, bezüglich der doch recht hohen Behandlungskosten. Hoffentlich bleibt dies so.
</p>

<p>
	Ich spritze aufgrund dieser rheumatologisch „anspruchsvollen“ Situation seit 10/2013 zweimal die Woche Enbrel (zusätzlich zu vielen anderen Medis) und seither geht es mir um Welten besser.
</p>

<p>
	Seine Aussage: Bei richtiger Diagnose hätte mir sehr viel Unangenehmes und viel Kummer erspart werden können, denn diese Knoten hätte besagte Ärztin damals auf jeden Fall sehen müssen!
</p>

<p>
	Somit hätte ich eine komplett andere Therapie erhalten müssen. Nun ja – es ist lange her und man kann im Nachhinein nichts mehr ändern. Doch eine gewisse Wut ist da schon. Ich werde jedoch nichts gegen diese Ärztin unternehmen. Da sind mir Nerven, Zeit und Gesundheit zu schade, denn meist erreicht man eh nichts und ich werde mit meiner Zeit sinnvolleres anfangen.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Es war die Hölle. Ich musste meine beruflich sehr erfolgreiche Laufbahn von heute auf morgen beenden."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Das besonders Blöde daran: Beruflich war ich leidenschaftliche Profi-Musikerin (Klarinetten, Saxophone, Percussion etc.), Musiklehrerin und Blasorchester-Dirigentin. Vor ca. 18 Monaten dann ein so schwerer Schub auf der Lunge, dass man mir damals in der Klinik noch max. drei bis vier Monate gegeben hat. Gott sei Dank schlug die extrem hohe Kortison-Therapie und vieles andere, das therapeutisch ausprobiert wurde, an, wenn auch langsam.
</p>

<p>
	Es war die Hölle. Ich musste meine beruflich sehr erfolgreiche Laufbahn von heute auf morgen beenden – bis heute. Ich erhalte keine Erwerbsunfähigkeitsrente, da ich freiberuflich arbeitete und privat vorsorgte, da die Künstlersozialversicherung nur bedingt empfehlenswert ist. Meine Altersversorgung war komplett anders geplant. Nun ja - Gott sei Dank plagen mich nicht auch noch finanzielle Probleme.
</p>

<p>
	Bis heute bin ich gesundheitlich sehr, sehr eingeschränkt und mit <abbr title="Grad der Behinderung"><abbr title="Grad der Behinderung">GdB</abbr></abbr> 80 schwerbehindert incl. schwer gehbehindert und bei schon relativ geringer Belastung benötige ich Sauerstoff. Mein „Lungen-Befinden“ ist oft wetterabhängig und mal so, mal so und verträgt keine Überanstrengung/Überforderung sowie keinen Stress.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Aber: Meine Schwiegermutter!"</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Zu meiner privaten Situation: Seit 31 Jahren glücklich verheiratet, zwei tolle erwachsene Kinder, 24 und 19 Jahre. Beide schulisch /beruflich erfolgreich und beide beginnen im Herbst ein Studium. Im engsten Familienkreis läuft es bis auf Kleinigkeiten somit eigentlich ziemlich perfekt.
</p>

<p>
	Aber: Meine Schwiegermutter! Sie lehnte mich vom ersten Tag an ab und zeigt mir dies auch deutlich bei jeder Gelegenheit. Sie akzeptiert mich bis heute nicht wirklich. Sie wollte etwas "Besseres" für ihren Sohn. Dann eine sehr ausgeprägte Eifersucht mir gegenüber, sie lässt wirklich nichts aus. Mein Mann ist Einzelkind und sein Vater starb, als er 21 Jahre alt war.
</p>

<p>
	Meine Schwiegermutter (87) ist schon immer ziemlich unselbständig und braucht zu allem ihren Sohn. Mein Mann hat ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein und hilft ihr, wo er kann. Allerdings regt es ihn oft auf, da sie sich in wirklich alles einmischen würde, wenn man es zuließe. Und sie streut stets Sand ins Getriebe. Sie versucht generell, uns ihre Meinung aufzudrücken. Außerdem ist sie sehr verbittert, unzufrieden mit sich und der Welt – obwohl sie gesundheitlich für ihr Alter top fit ist, wenn auch allmählich ziemlich vergesslich und trotzdem allen Grund zur Zufriedenheit hätte.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Wir wohnen zwei Straßen voneinander. Das war ein großer Fehler."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Sie kann immer noch alleine zuhause wohnen. Mein Mann sieht täglich nach ihr und sie kann jederzeit anrufen, wenn sie Hilfe benötigt. Sie wird also nicht wirklich alleine gelassen, wenn sie dies auch oft behauptet. Sie hat jedoch aufgrund ihrer extrem negativen Lebenseinstellung keinerlei Bekannte oder Freunde, pflegt auch keinerlei Freundschaft und macht niemals etwas für andere. Aufgrund ihres Alters leben nur noch ganz wenige von ihren Verwandten bzw. mit denen, die noch da sind kommt sie auch net grad gut aus. Mit sämtlichen Nachbarn liegt sie im Clinch, an allen hat sie etwas auszusetzen.
</p>

<p>
	Wir wohnen zwei Straßen voneinander. Das war ein großer Fehler meinerseits, da ich sie damals nicht alleine lassen wollte - trotz allem. So blieben wir im Dorf in der Nähe. Wenn man jedoch mit viel Herz und Arbeit ein schönes Eigenheim aufgebaut hat, gibt man dies ungern auf. Vielleicht scheut man auch die Veränderung und Mühe – es hängt einfach zu viel dran. Und so wohnen wir immer noch in der Nähe.
</p>

<p>
	Vor ein paar Jahren beendete ich nach heftigsten Kränkungen den Kontakt zu meiner Schwiegermutter komplett; sie hatte wieder einmal einen wüsten Streit vom Zaun gebrochen. Diese Entscheidung traf ich nun nach all den Zumutungen für mich – es ist für mich wesentlich gesünder, ich komme mit dem Ganzen wesentlich besser zurecht und mein Mann hat kein Problem damit, im Gegenteil. Er distanzierte sich in den letzten Jahren selbst ein wenig, auch wenn er seine Mutter täglich besucht, da er oft Streit und Unannehmlichkeiten/Probleme mit ihr hat. Dies hat weniger mit Zuneigung als mit Verantwortung und Pflichtgefühl zu tun.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Es ist das erste Mal, dass ich mir den ganzen Kram von der Seele schreibe."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Weshalb ich das alles schreibe?
</p>

<p>
	Weil mir Andreas' Text eine Sichtweise auf dieses Thema gibt, die ich so seither noch nicht gesehen habe. Einen Zusammenhang zwischen dieser persönlichen Ablehnung mir gegenüber bzw. diesem psychischen Stress wollte ich seither nicht so recht wahrhaben – habe ich bisher erfolgreich verdrängt. Da habe ich sicher noch einen gewissen Weg der Aufarbeitung zu bewältigen. Der Anfang ist gemacht. Es ist das erste Mal, dass ich mir den ganzen Kram von der Seele schreibe… und bereits das tut schon mal richtig gut.
</p>

<p>
	Dass jede Krankheit eine tiefere Ursache in der Vergangenheit hat. Klar, meine Mutter hatte dieselbe Erkrankung, jedoch lange nicht so extrem. Somit ist diese sicher familiär bedingt. Jedoch die Ausprägung wäre unter anderen, besseren Umständen mit Sicherheit nicht so extrem ausgefallen.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Wir sind durch meine Erkrankung sehr viel näher zusammengerückt."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Doch auch wenn ich inzwischen mit sehr vielen Einschränkungen leben muss. Ich führe inzwischen (wieder) ein glückliches Leben. Meine tolle Familie hilft mir und unterstützt mich in allen Belangen. Wir sind durch meine Erkrankung sehr viel näher zusammengerückt und leben eine sehr herzliche Nähe, ein sehr tolerantes von Liebe geprägtes Miteinander.
</p>

<p>
	Ich mache/lebe das für mich maximal Mögliche. Es macht mir Freude, meine Lieben nach Kräften zu verwöhnen, zum Beispiel kulinarisch etc. Wir führen ein "offenes" Haus: Freunde sind stets und herzlich willkommen. Gemeinsame ausgedehnte Essen (oft mit Freunden) sind bei uns hoch angesehen und finden mehrmals die Woche statt. Wir genießen unsere gemeinsame Zeit und lange Unterhaltungen – oft bis spät abends, pflegen jedoch auch jeder seine persönlichen Freiräume. Beides ist so wichtig.
</p>

<p>
	Man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen und darf nicht warten, bis einem jemand hilft oder Probleme sich von selbst lösen. Und man sollte dies stets mit einer positiven Haltung und mit einer guten Portion Optimismus tun – auch wenn es Zeiten gibt, in denen es beinahe aussichtslos oder extrem schwer ist.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p style="text-align: center;">
	<em>"Mit einer gewissen Gelassenheit vor allem sich selbst gegenüber geht vieles einfacher."</em>
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Die Erfahrung zeigt, dass mit einer positiven Grundeinstellung und einer gewissen Gelassenheit vor allem sich selbst gegenüber (<em>und dies ist das Schwierigste überhaupt!</em>) vieles einfacher und vor allem wesentlich besser geht und man viel zufriedener mit sich und seiner Umwelt ist.
</p>

<p>
	Probleme gibt es immer mal (es gibt kein Leben ohne Schwierigkeiten und Konflikte!), doch man geht anders mit ihnen um – die Sichtweise ist entscheidend. Und: Es ist keine persönliche Niederlage, wenn mal etwas nicht so klappt, wie man eigentlich dachte. Jeder Tag ist eine neue Chance.
</p>

<p>
	Ich lebe inzwischen so, dass ich in der Regel sehr zufrieden und ausgeglichen bin. Probleme löse bzw. spreche ich inzwischen zeitnah und direkt an und schlucke nicht mehr alles hinunter und mache auch nicht immer nur "Gut Wetter", damit die anderen glücklich sind. Dies machte ich nämlich lange Zeit (<em>und viel zu lange</em>) meiner Schwiegermutter gegenüber – in der Hoffnung dass sie mich dann etwas mag, ich ihr gefallen werde und sie mich nicht mehr ablehnt.
</p>

<p>
	Dies war ein Irrweg. Ich muss in den Spiegel sehen können und mit mir selbst klar kommen. Es schläft sich nachts auch entspannter mit dieser Lebenseinstellung.
</p>

<p>
	Ich kann mich den Ausführungen und Empfehlungen im Erfahrungsbericht von Andreas also nur anschließen.
</p>

<p>
	Danke.
</p>

<p>
	dirigentin
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">812</guid><pubDate>Tue, 03 Aug 2004 11:50:00 +0000</pubDate></item><item><title>Dialog mit meiner Psoriasis</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/dialog-mit-meiner-psoriasis/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/psoriasis-dialog.jpg.d08a6c78e0c68fae1027547c01efd9f0.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Rolf Blaga hat 1991 einen Dialog mit seiner Psoriasis geführt. Damit wollte er herausfinden, was ihm seine Krankheit zu sagen hätte. Er hatte gehofft, sich heilen zu können, wenn er die Probleme angeht, die seine Schuppenflechte ausgelöst haben.</strong>
</p>

<p>
	In den 1980-er Jahren schwappte die Emanzipationsbewegung auf die Medizin über: Die Betroffenen wollten selbst aktiv werden und misstrauten den Ärzten. Die würden sich als „Götter in Weiß“ aufspielen. Die einen orientierten sich deshalb an Alternativen zur „Schulmedizin“, die anderen an psychologischen Hintergründen. 
</p>

<p>
	Schon lange war bekannt, dass Psyche und Krankheiten sich gegenseitig beeinflussen. Das erforscht die „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Psychosomatik" rel="external">Psychosomatik</a>“. Aber die damals sehr populären Vertreter von "<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheit_als_Weg" rel="external">Krankheit als Weg</a>“ gingen einen Schritt weiter: Sie beschrieben für jedes Krankheitsbild ein typisches Persönlichkeitsprofil: Wer z.B. an der Haut erkrankt ist, würde sich abgrenzen, Nähe vermeiden und aggressiv gegen sich selbst sein. Die Psyche suche sich das Körperorgan, das ihren Problemen am nähesten komme: Die Haut schützt den Körper und grenzt ihn nach außen hin ab. Man müsse also herausbekommen, weshalb man gerade dort erkrankt ist, d.h. was einem die Krankheit sagen wolle. Das sei der Weg zur Heilung. Zwischen den sehr verschiedenen Hauterkrankungen wurde dann aber nicht mehr unterschieden.
</p>

<p>
	Viele fühlten sich durch solche vereinfachenden Persönlichkeitszuschreibungen stigmatisiert. Sie fragten, ob sie letztendlich selbst Schuld an ihrer Krankheit seien. Das war besonders problematisch bei Krebskranken. Vor allem Frauen sollten betroffen sein, weil sie z.B. Probleme eher verdrängen oder harmonisieren würden. Diese Typisierung ist längst <a href="https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/psychoonkologie/krebspersoenlichkeit/" rel="external nofollow">wissenschaftlich widerlegt</a>. 
</p>

<p>
	Aber Derma-Psychologen arbeiten weiterhin mit solchen Bildern: So analysieren sie "<a href="https://www.skin-picking.de/buch-cd-tipps/haut/sprache-der-haut/" rel="external nofollow">Die Sprache der Haut</a>“ oder wollen "<a href="https://amzn.to/3Z03SpQ" rel="external nofollow">Hautkrankheiten verstehen und (dann) heilen</a>“. Bei dem einen sollen <span style="background-color:#ffffff; color:#353c41; font-size:16.1px; text-align:left">Psoriasis-Patienten depressiver und verzweifelter sein, mit größerer Neigung zum Alkohol als z.B. Neurodermitiker. Bei der anderen sollen sie sich nicht freuen können, falsche Ziele setzen und Vorhaben zu schnell aufgeben (<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/fobi2014-psoriasis/#toc9" rel="">Psychodermatologie</a>). Autoimmunkrankheiten wie Schuppenflechte werden als psycho-somatisches Signal gesehen: In der „Sprache des Körpers“ würden sich bei bestimmten psychischen Belastungen entsprechende Hautsymptome entwickeln. (<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/psoriasis-ddg-tagung-2019/#toc19" rel="">Psoriasis psychisch verursacht?</a>).</span>
</p>

<p>
	Rolf Blaga hat zwei Psycho- und eine Hypnose-Therapie gemacht. Seit einigen Jahren wird er erfolgreich mit einem Biologikum behandelt.
</p>

<h2>
	Rolf spricht mit seiner Schuppenflechte
</h2>

<p>
	Vor einigen Jahren hätte ich mit dir noch nicht reden können! Ich wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass du mich verstehen könntest, geschweige denn, dass du mir auch etwas zu sagen hättest. Stattdessen habe ich unter dir gelitten und das meiste in mich hineingefressen. Und das dreißig Jahre lang! Normalerweise habe ich immer versucht, dich zu verstecken. Das ging solange gut, wie du klein und unauffällig warst. Und vor allem, solange mir nicht jemand auf die Pelle gerückt ist.
</p>

<p>
	Aber immer dann, wenn ich mich 'nackt und bloß' gezeigt habe, musste ich zwangsläufig über dich reden: Wie harmlos du seist, würdest überhaupt nicht ansteckend sein und manchmal wärst du überhaupt nicht zu sehen. Du warst mir peinlich. Ich wusste nicht, wie ich dich erklären sollte. Das hat meine Kontakte gehemmt, vor allem zu Frauen, von denen ich berührt und gestreichelt werden wollte.
</p>

<h3>
	<img alt="Rolf" class="ipsImage ipsImage_thumbnailed ipsAttachLink_image ipsAttachLink_right" data-fileid="19500" style="height: auto; width: 239px; float: right;" width="239" src="https://www.psoriasis-netz.de/uploads/monthly_2015_07/erfahrungsbericht-rolf.jpg.1b7e5a25847905d8d55ad026a413d13a.jpg" loading="lazy" height="358.5">Ich habe dich bekämpft
</h3>

<p>
	Ich habe mich bei anderen über dich beklagt, habe mich bemitleiden und trösten lassen. Weil es so schwer ist, dich loszuwerden, war ich verzweifelt. Deshalb bekämpfte ich dich mit allen Mitteln. Einige meiner Freundinnen halfen mir, dich los zu werden: sie schmierten mir Salben und Cremes auf deine Stellen. Ich suche nach Menschen, die mir Mut machen. Vor allem sollen sie mir bestätigen, dass sie dich gar nicht so schlimm empfinden. Aber gleichzeitig kann ich mir gar nicht vorstellen, dass sich jemand nicht an dir stört!
</p>

<p>
	Es war ein langer, mühevoller Weg, bis ich mich mit dir auseinandersetzen konnte. Ich wusste ganz einfach nicht, dass Krankheiten einen tiefen Sinn haben können. Deshalb musstest du Dich von Jahr zu Jahr stärker bemerkbar machen und aufblühen. Meine Illusion, ich könnte dich aus meinem Leben herausdrängen, hast du zunichte gemacht. Nur deshalb habe ich angefangen, mich mit dir zu beschäftigen. Ich habe viele Informationen gesammmelt, Bücher über dich gelesen, Psycho-Seminare besucht und angefangen, mir meine Gedanken über uns beide zu machen.
</p>

<h3>
	Ich will dir nicht mehr ausweichen
</h3>

<p>
	Heute weiß ich sehr viel mehr über dich und will daraus etwas machen! Ein erster Schritt ist dieser Dialog zwischen uns beiden. Ich ahne, dass du mir etwas zu sagen hast. Es ist mir wichtig, deine Botschaft zu verstehen. Nur wenn ich deine "Wünsche" kenne, kann ich auch etwas für mich selbst tun! Du zeigst mir den Weg, um mir dessen bewusst zu werden. Ich will dich nicht länger vorschieben, weil ich meine <strong>eigenen</strong> Bedürfnisse und Ziele nicht formulieren kann. Du sollst es nicht mehr nötig haben, ständig auf dich aufmerksam zu machen. Ich möchte eine Situation, in der du dich nicht ständig produzieren und überall zeigen musst, um überhaupt beachtet zu werden.
</p>

<p>
	Ich habe mir vorgenommen, dich ernst zu nehmen und dir zuzuhören. Mir ist klar, dass unser Reden nur dann einen Sinn hat, wenn ich daraus Konsequenzen ziehe! Ich muss also mein Leben allmählich so umstellen, dass wir <strong>miteinander</strong> und nicht <strong>gegeneinander</strong> leben.
</p>

<h3>
	Ich fürchte mich vor dir
</h3>

<p>
	Wenn ich erscheinungsfrei bin, betrachte ich mich gerne im Spiegel und gefalle mir. Meine Haut mag ich, weil sie weich ist und sich gut anfühlt. Sie ist sensibel und spürt vieles. Aber dann gerät meine Selbstsicherheit ins Wanken und ich bekomme Angst. Selbst wenn du kaum zu sehen bist, fürchte ich mich vor der Zeit, in der du meine Haut beherrschst. Ich weiss, irgendwann kommst du wieder!
</p>

<p>
	Aber es gibt viele Tage, an denen ich dich vergesse. Oder ich kümmere ich mich einfach nicht um dich, weil ich dich nicht so wichtig nehmen will. Das ganze geht nur solange, bis ich dich nicht einfach mehr übergehen kann. Hast du dich dann erst einmal auf meiner Haut ausgebreitet, machst du mich unsicher. Du stellst meine oft mühsam aufgebaute Selbstsicherheit auf eine harte Probe. Du bist der hässliche Teil meiner Haut, bist mir fremd. Ich will nichts mit dir zu tun haben und eigentlich nicht wahrhaben, dass es dich überhaupt gibt. Das gelingt natürlich nicht. Dann fühle ich mich dir ausgeliefert, von undurchschaubaren Mächten gesteuert.
</p>

<h3>
	Ich leide unter dir
</h3>

<p>
	Du machst, dass ich mich in meiner Haut nicht wohl fühle! Du juckst mich solange, bis ich mich wundgekratzt habe. Ich fühle die Spannung auf der Haut, wenn du Schuppen bildest. Deine Stellen sind hart und heben sich von meiner sonst weichen Haut ab. Wenn ich die Schuppen ablöse, hast du die Haut darunter gerötet, sie entzündet. Sie schmerzt, wie eine offene Wunde. Du krauchst in meine Fingergelenke und machst sie unbeweglich. Unter den Fingernägeln spüre ich deine Spannung. Die Nägel machst du hart und spröde und lässt sie bei der geringsten, unachtsamen Berührung abbrechen.
</p>

<p>
	Du zwingst mich immer wieder, mich auf dich einzustellen. Du wirst aggressiv, wenn ich dich nicht beachte. Es soll mich dir zuwenden, dich regelmäßig und intensiv pflegen. Du willst liebevoll behandelt werden, wie ein Baby, das von seiner Mutter umsorgt wird. Du beherrschst große Teile meines Lebens. Wenn ich meinen Kopf nicht schuppenfrei bekomme, möchte ich mich am liebsten verkriechen und nicht aus der Wohnung gehen. Dann geht es mir schlecht. Nur mit großer Kraftanstrengung gehe ich unter Menschen. Ich "verkleide" mich mit einer Strickmütze, die ich auch in Innenräumen trage. So sieht wenigsten niemand meine Schuppen oder meinen eingefetteten Kopf. Deinetwegen habe ich jahrelang als Erzieher gearbeitet. Nur in diesem Beruf konnte ich auch als erwachsener Mann kurze Hosen tragen, um Sonne an dich heranzulassen. Meine Haare muss ich oft extrem kurz schneiden lassen, damit ich dich besser behandeln kann. Du bist der Grund, weshalb ich fast nur noch in den Süden verreise und mich dort in der Sonne braten lasse. Wenn du meine Gelenke versteifst, muss ich die Finger ruhig halten und kann z.B. nicht mehr Gitarre spielen. In der Sexualität verlangst du von mir, viel vorsichtiger zu sein, weil ich mich sonst verletzen würde.
</p>

<h3>
	Ich mache mir ein Bild von dir
</h3>

<p>
	Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie du aussehen könntest. Ich sehe dich als einen Lavastrom, der sich langsam, aber unaufhaltsam über meinen Körper ergießt. Es ist völlig unvorhersehbar, wann und an welcher Stelle du ausbrichst. Genauso undurchsichtig bleibt mir, weshalb du dich dann plötzlich wieder zurückziehst. Im bedrohlichen Gelb und Rot erreichst du die undenkbarsten Punkte meines Körpers. Ich höre deine Stimme als ein nie abbrechendes Weinen, das leise, ganz im Verborgenen tönt.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	Die Psoriasis spricht mit Rolf
</h2>

<p>
	Bist du endlich fertig mit deinem Selbstmitleid? Lässt du mich jetzt auch mal zu Worte kommen?
</p>

<p>
	Ich finde, du hast mich durchaus treffend beschrieben. Für dich sieht es so aus, als würde ich kommen und gehen, wann ich will. Du behauptest, du wärst mir ohnmächtig ausgeliefert und ich würde dir Angst machen. Hast einmal darüber nachgedacht, ob du mich nicht vielleicht nur vorschiebst? Du gibst mir die Schuld daran, dass du deine wirklichen Ängste nicht bearbeitest? Vieles packst doch aus Angst erst gar nicht an. Zum Beispiel deine ungeklärte berufliche Perspektive oder deinen Wunsch, aus der Stadt fortzuziehen.
</p>

<h3>
	Du ignorierst Deine Probleme
</h3>

<p>
	Warum planst du nicht in kleinen realistischen Schritten? Stattdessen hängst du großen Wunschträumen hinterher, die du nie erreichst!
</p>

<p>
	Merkst du nicht, dass du es bist, der mir jedesmal den Grund dafür liefert, auf der Hautfläche zu erscheinen? Du trennst dich z.B. von deiner Freundin und fühlst dich dann nicht wohl in deiner Haut. Damit schiebst es aber mir zu, deine Gefühle auszudrücken. Ich wachse und breite mich aus, weil du stark tust.
</p>

<p>
	Zuerst warne ich dich lediglich. Niemand anderes außer dir selbst bemerkt mich. Ich lasse es zu, dass du mich noch gut vor anderen verbergen kannst. Passiert nichts, niste ich mich eben überall ein. Ich belege die sichtbare Haut genauso wie verborgene oder intime Stellen. Wenn du jetzt jemanden an dich heran lässt, musst du mich schon erklären und entschuldigen! Ich lasse mich aber nicht verstecken, solange du dich nicht endlich auch mit den "hässlichen" Teilen von dir selbst beschäftigst.
</p>

<h3>
	Du gehst nicht angemessen mit dir selbst um
</h3>

<p>
	Ignorierst du deine Situation, hindere dich daran, weiterzumachen wie bisher. Veränderst du nichts von selbst, zwingst du mich an Körperteile, die du eigentlich brauchst. Deine Finger, deine Beine, deine Gelenke, deinen Unterkörper. Gerade dort, wo es dir wichtig ist zu funktionieren oder makellos zu erscheinen, setze ich dir Grenzen. Diejenigen Stellen, die du so gerne Reibungen aussetzt, besetze jetzt ich. Vielleicht hörst du dann auf, dich für oder an anderen ständig aufzureiben! Warum machst du so wenig für dich selbst? Weshalb gehst du nicht vorsichtig und zärtlich mit dir selbst um?
</p>

<p>
	Deine Beine lasse ich nicht in Ruhe, weil du gerne so tust, als würdest du fest mit den Beinen auf dem Boden stehen. Dabei weißt du ganz genau, wie oft du ängstlich und verletzlich warst. Aber nur wenn ich dich ständig dort jucke, berücksichtigst du vielleicht endlich auch deine Schwächen!
</p>

<p>
	Deine Ellenbogen dagegen habe ich in letzter Zeit geschont. Kann es sein, dass du sie jetzt besser einsetzt als früher?
</p>

<p>
	Deine Finger dagegen verdienen die Spannung! Du nimmst viel zu viel selbst in die Hand und steckst überall deine Finger hinein, obgleich du oft genug spürst, dass deine Kraft dafür gar nicht ausreicht! Gib doch einiges aus der Hand! Halte einfach deine Finger aus einigen Angelegenheiten heraus!
</p>

<p>
	Deine Gelenke bekommen mich seit einiger Zeit ebenfalls zu spüren. Du tust so gelenkig, als ob du noch ein junger Kerl wärst. Vor allem lässt du dir gerne bestätigen, wie jung und dynamisch du wirkst. Ich bremse dich, damit du dir nicht ein völlig falsches Bild von deinem wirklichen Alter und deiner Gelenkigkeit machst.
</p>

<p>
	Den Nägeln an Fingern und Füßen habe ich ebenfalls die alte Elastizität genommen. Sie sind spröder geworden und brechen schneller ab. Nur so wirst du vielleicht endlich lernen, vorsichtiger mit dir selbst umzugehen und deine Kräfte einzuteilen.
</p>

<h3>
	Du fühlst dich zu leicht verletzt
</h3>

<p>
	Mein Wesen ist, dass ich schnell viele Hautzellen produziere. Die können dann zwar nicht ausreifen und ihre normalen Funktion erfüllen. Aber sie stopfen Löcher. Der Körper verlangt das immer dann, wenn eine Wunde zu schließen ist. Bei normalen Menschen ruhen sich 40 Prozent der Haut aus und der Rest produziert neue Zellen. Bei dir aber ist alles aktiviert und darauf ausgerichtet, eine scheinbare Wunde zu schließen. Du bist es, der das von mir verlangt! Zeige mir endlich, dass du dich nicht immer gleich verletzt fühlst. Gehe doch endlich die unterentwickelten Bereiche in dir an, anstatt verwundet, unsicher oder sogar pessimistisch zu reagieren. Schritt für Schritt, wie du z.B. monatelang und mühsam das Tanzen gelernt hast.
</p>

<p>
	Du musst mich nicht sofort ausrotten! Lasse mir bitte auch Zeit, damit ich mich in meinem eigenen Tempo entwickeln kann! Wenn du dich bemühst, ruhig und entspannt zu werden, muss ich mich nicht so aggressiv wehren. Was würde denn Schreckliches passieren, wenn du in deinem Alltag ganz bewusst ausruhst oder zu faul bist, etwas zu erledigen? Nicht als Termin, sondern weil du es wirklich genießt und dich danach sehnst!
</p>

<h3>
	Du bist anderen gegenüber zu kritisch
</h3>

<p>
	Ich locke ständig neue weiße Blutkörperchen in deine Haut, als wären immer wieder Eindringlinge aufzuspüren und zu bekämpfen. Die an sich aussergewöhnliche Notsituation, sich wehren zu müssen, ist für mich alltäglich! Wann endlich gibst du mir zu verstehen, dass du dich nicht immer bedrängt fühlst? Nicht jeder, der in dein Leben eintritt, wird dir gefährlich und muss abgewehrt werden. Lasse dich doch auch auf andere ein!
</p>

<p>
	Warum denken so viele deiner Freunde, du hättest nie Zeit für sie? Du signalisiert oft, dass dein Tag verplant sei. Kannst du dir nicht mehr Zeit für sie nehmen? Ausserdem siehst du viele deiner Freunde und Bekannte zu kritisch. Weshalb stellst du an sie solch hohe Ansprüche? Nimm sie doch, wie sie sind und freue dich, dass du mit ihnen auch einfache Dinge machen kannst. Es gibt nicht die perfekten Menschen! Klammere dich nicht nur an wenige Menschen und stoße die restlichen nicht so leichtfertig weg. Du kannst doch realistisch einschätzen, was du mit wem machen kannst. Du musst nicht immer gleich enttäuscht zu sein, wenn jemand keine Zeit für dich hat. Fühle doch mal nach, wie es dir mit anderen Menschen geht und höre auf diese Gefühle!
</p>

<h3>
	Du willst nicht erwachsen werden
</h3>

<p>
	Ich gebe den Hautzellen viel zu wenige und viel zu schlechte Informationen, um normal wachsen zu können. Aber woher soll ich denn wissen, was <em>Normalwachsen</em> ist. Nur du kannst mir mehr über das normale Leben beibringen. Dann muss ich auch nicht aus lauter Unsicherheit ständig hyperaktiv sein. <em>Du</em> bist es, der sich dagegen wehrt, erwachsen zu werden.
</p>

<p>
	Alltag ist kein Kino, sondern mühsam und ungerecht. Du musst dich klein fühlen, wenn du nur die alltäglichen Anforderungen bewältigst, ohne zu wissen, wohin es gehen soll. Kümmere dich um deine Pläne, Ziele und Bedürfnisse! Man kann gut leben und atmen, ohne gleich den "idealen" Jobs, das "schöne" Haus, die "Super-Frau" oder "interessante" Freunde zu haben. Es geht auch eine Nummer kleiner!
</p>

<h3>
	Du kannst nicht entspannen
</h3>

<p>
	Ich sorge für Spannungen auf deiner Haut. Anders reagierst du nicht und sorgst nicht für Entspannung! Dein Kopf ist oft derart angespannt, dass du überhaupt nicht mehr abschalten kannst. Selbst wenn du es wolltest! Aber du willst das nicht wahrhaben oder vergisst schlichtweg, wie kopflastig und grübelnd du oft bist.
</p>

<p>
	Statt deinen Kopf zu entspannen, versuchst du, mich dort radikal zu beseitigen. Dabei rackerst du dich verzweifelt ab, um die Kopfschuppen weg zu bekommen! Interessant, wieviel Zeit du dir dafür nehmen kannst. Ich dachte, du hättest so viel anderes zu tun! Wenn du die Schuppen endlich beseitigt hast, zeige ich dir deine erst recht deine ganze Verletzlichkeit. Deine gerötete Kopfhaut ist nun wirklich empfindlich wie eine offene Wunde!
</p>

<p>
	Ich jucke dich, damit du dich kratzen musst und nicht mehr so tun kannst, als würde dich das alles nicht jucken.
</p>

<p style="text-align:right;">
	 
</p>

<p style="text-align:center;">
	– erschienen erstmals im PSO Magazin 06/1992 –
</p>

<p>
	[Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers]
</p>

<p>
	Kontakt per <a href="mailto:Rolf.Blaga@psoriasis-netz.de" rel="">Email an Rolf Blaga</a>
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			Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
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]]></description><guid isPermaLink="false">796</guid><pubDate>Tue, 16 Mar 2004 14:51:00 +0000</pubDate></item><item><title>Gestalttherapie bei Schuppenflechte &#x2013; ein Angebot f&#xFC;r Berliner</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-gestalttherap/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_09/psychotherapie-psoriasis.jpg.37419f7bf5a247d4d8869be78d208f74.jpg" /></p>
<p>
	<b>In Berlin gibt es ein Institut für Gestalttherapie. Die Mitarbeiter haben sich speziell mit der Schuppenflechte auseinandergesetzt. Hier schreiben sie über ihr Angebot.</b>
</p>

<p>
	Die Psoriasis ist eine häufig auftretende Hauterkrankung, die auch die Gelenke betreffen kann. Es besteht eine erbliche Veranlagung für die Psoriasis, jedoch gilt sie als "reizbare" Hauterkrankung d.h. psychische Belastungssituationen sowie Alkohol und Medikamente haben einen erheblichen Einfluss auf den Ausbruch und den Verlauf der Erkrankung. Die Sichtbarkeit der Psoriasis und die damit befürchtete oder reale Ablehnung durch die Umwelt kann zu sozialer Isolation und starken Selbstzweifeln führen. Resignation, Beziehungsschwierigkeiten und überhöhte Ansprüche an sich selbst, dominieren das Lebensgefühl. Diese psychischen Reaktionen bewirken eine Verschlechterung der Hauterkrankung. Es entsteht ein fataler Kreislauf.
</p>

<h2>
	Warum Psychotherapie bei Psoriasis?
</h2>

<p>
	Dieser Teufelskreis ist für die Betroffenen nur schwer zu verlassen. Die <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis" rel="">Psychotherapie</a> ist hier eine Hilfe, andere Wege der Krankheitsbewältigung zu entdecken und zu erfahren. Sie gibt Unterstützung bei der Suche nach den auslösenden Faktoren und aktiviert Selbstheilungskräfte für eine Erleichterung der Symptomatik und das Leben mit der Psoriasis.
</p>

<h2>
	Über die Gestalttherapie
</h2>

<p>
	Die Gestalttherapie hat sich in den letzten 50 Jahren zu einem der wichtigsten therapeutischen Verfahren der humanistischen Therapierichtungen entwickelt. Mit Beginn der siebziger Jahre fand sie in Europa und im speziellen auch in Deutschland schnelle Verbreitung. Die Gestalttherapie hat durch die europäischen Einflüsse eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Theorie und praktischer Anwendung erfahren.
</p>

<p>
	Zentral in der Gestalttherapie ist der Kontaktprozess, den wir als Grund(lage) aller Lebensprozesse annehmen. Die therapeutische Arbeit folgt einem dialogischen Prinzip, d.h. in der Auseinandersetzung mit der Umwelt wird die Begegnung des Einzelnen mit seiner eigenen Realität, wie auch die Wahrnehmung der Realität der anderen gefordert. In sich ist die Gestalttherapie eine verbale Therapieform, die im Einzel- wie auch im Gruppensetting angewandt wird.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i class="fa fa-handshake-o" style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<p>
	Viele Gestalttherapeutinnen nehmen zu ihrer verbalen Arbeitsweise Techniken aus der Körpertherapie, Bewegungstherapie, Musiktherapie oder kreative Medien hinzu. In der Praxis der Gestalttherapie werden Körper, Geist und Seele ganzheitlich als ein und derselbe Prozess, des persönlichen Wachstums gesehen. Diesen bewusst wahrzunehmen und zu steuern bedeutet, sich für den tieferen Sinn der eigenen Existenz zu öffnen. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte aktiviert. Dies bedeutet eine effektivere Nutzung des individuellen Potentials.
</p>

<h2>
	Arbeitgruppe Psoriasis
</h2>

<p>
	Am Institut für Gestalttherapie und Gestaltpädagogik (IGG e.V.) besteht seit 1991 eine von erfahrenen Gestalttherapeutinnen gebildete Arbeitsgruppe um Menschen, die von Rheuma betroffen sind, eine fundierte therapeutische Hilfe anzubieten. Im Jahr 1995 wurde eine weitere Arbeitgruppe für von Multipler Sklerose betroffene Menschen gebildet.
</p>

<p>
	In dieser Tradition steht unsere Arbeitsgruppe Psoriasis. Wir sind interessierte und auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Psoriasis beschäftigte Therapeutinnen des IGG. Unsere Arbeitsgruppe wird ärztlich begleitet.
</p>

<p>
	Wir bieten gestalttherapeutische Einzel- und Gruppentherapie an, mit dem Wissen um die spezielle Krankheit und ihren sozialen und politischen Kontext. Die resourcenorientierte und ganzheitliche Haltung der Gestalttherapie und die verschiedenen persönlichen Hinter-Gründe der einzelnen Therapeutinnen können von Psoriasis betroffenen Menschen eine kreative, vielfältige und kompetente Unterstützung bieten.
</p>

<h2>
	Selbsterfahrungsgruppe für Psoriatiker
</h2>

<h3>
	Die Situation
</h3>

<p>
	Die Hauterkrankung Psoriasis beeinflusst Ihre persönliche Befindlichkeit, Ihre Gefühle und Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und schränkt damit Ihre Lebensqualität ein.
</p>

<h3>
	Das Angebot
</h3>

<p>
	Die Selbsterfahrungsgruppe bietet Ihnen in einem geschützten Rahmen mit den Methoden der Gestalt- und Körpertherapie die Möglichkeit, Ihre jeweils persönliche Bedeutung mit der Psoriasis zu entdecken und verlorengegangene positive Gefühle wieder wahrzunehmen und sich gegenseitig dabei in der Gruppe zu unterstützen.
</p>

<h2>
	Informationen
</h2>

<p>
	<a href="https://www.iggberlin.de/" rel="external nofollow">IGG – Institut für Gestalttherapie und Gestaltpädagogik</a><br>
	Ansbacher Straße 64<br>
	10777 Berlin<br>
	Telefon: (030) 859 30 30
</p>

<h2>
	Therapeutin
</h2>

<p>
	Anneliese Wein, Dipl.Soz.Arb., Heilpraktikerin, Gestalttherapeutin, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
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]]></description><guid isPermaLink="false">173</guid><pubDate>Tue, 30 Dec 2003 02:58:00 +0000</pubDate></item><item><title>Wenn Kummer unter die Haut geht</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psyche-kummer/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_08/haut-creme-handtuch.jpg.93a60871a96b134ff2d8089fafa04ef0.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Am äußeren Hautbild lässt sich in vielen Situationen ablesen, wie es um die Seelenlage bestellt ist</strong>. Der Göttinger Dermatologe Professor Klaus Bosse schreibt: "An der Haut führt jeglicher Input zu einem sofort sichtbaren Output in Form von Erröten, Erbleichen, Schwitzen oder sensorischen Mißempfindungen als Ausdruck der jeweiligen Gefühlslage. Die Haut ist somit ein Ausdrucksorgan par excellence. Wir erröten schamvoll, wir schwitzen vor Angst, werden blass oder bekommen eine Gänsehaut vor Schreck."
</p>

<p>
	Viele <strong>bilderreiche Redensarten</strong> haben die Haut zum Mittelpunkt: Der eine hat ein dickes Fell, der andere eine dünne Haut. Schlimme Ereignisse gehen unter die Haut, in Auseinandersetzungen will man seine Haut teuer zu Markte tragen, und wenn dies mißlingt, möchte man zuweilen aus der Haut fahren.
</p>

<p>
	Mit rund zwei Quadratmetern und einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm ist die Haut das größte Organ des Körpers, ausgestattet mit vielen Aufgaben. Sie ist die <strong>Grenze zwischen innen und außen</strong>, Schutzschild und Abwehrorgan, hat wichtige Stoffwechselfunktionen und trägt mit Tast-, Schmerz- und Temperatursinn dazu bei, dass wir die Umwelt wahrnehmen und uns unterschiedlichen Situationen anpassen können. Schließlich ist die Haut, weil auch psychische Einflüsse sie krank werden lassen können, tatsächlich <strong>Spiegel der Seele</strong>.
</p>

<p>
	Dr. Antje Haag, psychosomatische Abteilung im UKE, nennt die psycho-dermatologischen Erkrankungen das Ergebnis eines <strong>Interaktionsprozesses von Leib und Seele</strong>. Als seelische Mitverursacher vieler Hauterkrankungen listet sie Konflikte, Ängste, Kränkungen und die Verluste wichtiger Personen auf.
</p>

<div>
	<div style="padding: 10px; background-color:#E9F3F6; border-left:3px solid #990000;">
		<p>
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		</p>
	</div>
</div>

<p>
	Das komplizierte Gefüge von sozialen Umwelteinflüssen, so meint Professor Bosse, das auf den Hautkranken einwirkt und vor dem Hintergrund seiner individuellen Entwicklung gesehen werden muss, erschwerten Diagnostik und Therapie seelisch mitverursachter Hautkrankheiten. Dies um so mehr, als <strong>bisher niemand weiß, wann sich bei Hautkrankheiten der geheimnisvolle Sprung von der Seele in den Körper ereignet</strong>. Umwelteinflüsse, Erbfaktoren und allergische bzw. immunologische Faktoren führen häufig, oft sogar gemeinsam zur Entstehung einer Hauterkrankung. Gerade die Verbindung zwischen Psyche und Immunsystem ist das Gebiet, für das sich die Forschung heute zunehmend interessiert.
</p>

<p>
	Als <strong>psychosomatische Hauterkrankungen</strong> gelten in erster Linie Neurodermitis, Schuppenflechte, Nesselsucht und seltener auch Akne, Herpes-Infektionen und Haarausfall. Darüber hinaus gibt es Hautkrankheiten, die ihre alleinige Ursache in schweren psychischen Problemen haben. Dazu gehören zum Beispiel die Selbstverstümmelungen, die sich ein Kranker zufügt, um eine Krankheit vorzutäuschen, oder weil er unbewußt das Bedürfnis hat, sich selbst zu verletzen.
</p>

<p>
	Außerdem sind dabei die <strong>absichtlichen Hautschädigungen</strong> zu nennen, wie die Akne mit schweren Kratzfolgen oder die Haarrupfsucht, also der Zwang, sich büschelweise die Haare auszurupfen. Auch die Vorstellung, in der Haut befänden sich unsichtbare Parasiten, ist Ausdruck einer schwerwiegenden seelischen Störung.
</p>

<p>
	Die dritte Gruppe sind <strong>organisch bedingte Hautstörungen</strong>, die einen Patienten so belasten können, dass sie häufig seelische Beeinträchtigungen nach sich ziehen.
</p>

<h2>
	Furcht vor Entstellung bei Psoriasis
</h2>

<p>
	Alle sichtbaren Hauterkrankungen können depressive und soziale Reaktionen auslösen, die <strong>bis in die soziale Isolation</strong> führen. Der Arzt spricht dann von somato-psychischen Reaktionen. (...)
</p>

<p>
	<strong>Noch häufiger als die Neurodermitis tritt die unheilbare, vererbbare Schuppenflechte (Psoriasis) auf</strong>, bei zwei Prozent der Bevölkerung, in Deutschland demnach bei 1,6 Millionen Menschen. Oft sind große Teile der Haut befallen, und <strong>das zentrale Problem der Betroffenen ist die Furcht vor Entstellung durch sichtbare Hautschädigungen</strong>. Manche Therapeuten sagen sogar, die Psoriasis erhalte ihren Krankheitswert erst durch die Stigmatisierung und sich daraus ergebende soziale Einschränkungen, zum Beispiel wenn sich die Haut-Schuppen sichtbar ausbreiten.
</p>

<p>
	Was die Schuppenflechte herbeiführt, ist noch nicht eindeutig geklärt, doch gilt als <strong>wahrscheinlich, dass unter seelischen Belastungen ein Psoriasis-Schub mit Entzündungen der Haut einsetzt</strong>. Psychosoziale Faktoren können über enge anatomische und funktionelle Verknüpfungen zwischen dem Zentralnervensystem und dem Immunsystem die Psoriasis beeinflussen.
</p>

<h2>
	Selbstbeschädigungen der Haut als Notsignale
</h2>

<p>
	Als Notsignale der Haut werden die Selbstbeschädigungen der Haut bezeichnet, mit denen man auf die Krankheit aufmerksam machen will. Professor Klaus Bosse sagt dazu: Die Selbstbeschädigung wird in der Regel durch Kratzen mit Fingernägeln, absichtliches Reiben, Scheuem, Bürsten, Verbrennen mit einer Zigarette, mit Laugen, Säuren oder mit Stricknadeln, seltener durch Abbinden oder Kneifen erzeugt. Vorausgegangene Verletzungen oder Narben geben dem Patienten immer wieder Anlass zu erneuten Manipulationen. Der Zeitpunkt der plötzlichen Entstehung ist meist durch besondere, emotional belastende Umstände charakterisiert. Bosse meint,<strong> typisch sei der anhaltende Wechsel zwischen Abheilung</strong>, wenn der Patient stützende Zuwendung erfahre, <strong>und erneuten Körperschädigungen</strong>, wenn neue seelische Belastungen einsetzten.
</p>

<p>
	Verschiedene Studien zu den Ursachen der Selbstschädigungen ergaben schwerste psychische Konflikte in der Kindheit, zum Beispiel körperliche und sexuelle Mißhandlung. Frühkindliche Entwicklungsstörungen gelten heute als wichtigstes Diagnose-Kriterium für die Selbstbeschädigungen.
</p>

<h2>
	Psychotherapie kann die Symptome sehr häufig lindern
</h2>

<p>
	Zunächst erhält der Hautkranke eine Therapie mit Bädern, Salben und Cremes, auch zeitweise Cortison. Sind seelische Auslöser bekannt, empfiehlt sich eine begleitende <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/psyche/psychotherapie-schuppenflechte-psoriasis-arthritis" rel="">Psychotherapie</a>. Dr. Antje Haag sagt dazu: "Die Chancen für ein beschwerdefreies Leben oder zumindest längere beschwerdefreie Intervalle zwischen zwei Schüben sind für den Patienten größer, wenn auch das psychische Krankheitsbild einer Therapie unterzogen wird." Viele Patienten haben selbst schon einen Zusammenhang zwischen seelischer Belastung und Hautreaktionen erkannt und sind offen für eine Psychotherapie.
</p>

<p>
	Andere Patienten tun sich damit schwer. Sie müssen erst einsehen, dass ihre Krankheit auch mit ihrem Seelenzustand zu tun hat. Manche wehren sich dagegen, weil sie ihre Vorstellung von der Krankheitsursache, zum Beispiel einer Allergie, nicht aufgeben können. Sie kommen zum Hautarzt in dem Glauben, körperlich krank zu sein.
</p>

<p>
	Diese Ansicht teilen oft auch Ärzte, die nur gelernt haben, den kranken Körper zu behandeln. Patient und Arzt sind sich schnell einig, eine lokale Therapie anzuwenden. <strong>Nur wenige Dermatologen sehen die psychosomatischen Zusammenhänge.</strong>
</p>

<p>
	Professor Uwe Gieler (Gießen) schreibt dazu: "<strong>Die Schwierigkeit in der Psychotherapie besteht oft darin, dass der Arzt die Zusammenhänge bei dem Patienten emotional erfassen kann, der Patient selber aber sie nicht sieht</strong>. Im Gegensatz zur rein lokalen Therapie, bei der wir ein Symptom einfach wegtherapieren, ist es in der Psychotherapie entscheidend, die Bedeutung des Symptoms und seine Funktion im Leben des Patienten zu begreifen. Noch wichtiger aber ist es, dass der Patient selbst die Zusammenhänge emotional erlebt, damit sich die Hautkrankheit bessern kann."
</p>

<p>
	Die Einrichtung der <a href="https://derma.de/leitlinien/detail/psychosomatische-dermatologie-psychodermatologie" rel="external nofollow">Sektion Psychosomatik bei der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie</a> zeugt davon, dass auch Hautärzte mittlerweile ein stärkeres Interesse für psychosomatische Zusammenhänge entwickelt haben.
</p>

<p>
	<strong>Ein geschulter Dermatologe kann schon mit einem Blick den psychosomatischen Anteil bei seinen Patienten sehen</strong>, zum Beispiel wenn das Mund-Nasen-Dreieck plötzlich blass wird oder der Patient sich bei einem schwierigen Gespräch zu kratzen beginnt.
</p>

<h2>
	Bei Schuppenflechte: Psychoanalytische und Verhaltenstherapie
</h2>

<p>
	Wenn eine psychotherapeutische Behandlung angelaufen ist, kann der Arzt dem Patienten vor dem Spiegel sogar verständlich machen, <strong>wie sich Gefühlsregungen in körperliche Reaktionen umsetzen</strong>. Bis dahin aber ist es ein weiter Weg, der sehr viel Geduld und Zeit verlangt. (...)
</p>

<p>
	<strong>Bei Schuppenflechte</strong>, Nesselsucht und anderen psycho-dermätologischen Krankheiten <strong>gelten </strong>– ergänzend zur dermatologischen Körpertherapie – <strong>ähnliche psychotherapeutische Behandlungsstrategien wie bei der Neurodermitis</strong>, zum Beispiel die <strong>psychoanalytische Therapie</strong> und die <strong>Verhaltenstherapie</strong>.
</p>

<p>
	<strong>Der Hautkranke sollte möglichst alles über sein Leiden wissen</strong>, vor allem über die Auswirkungen und die Abhängigkeit von seiner familiären und beruflichen Umwelt. Er sollte sich über die Konsequenzen bewusst werden.
</p>

<p>
	Professor Bosse sagt dazu: "Der chronische Hautpatient hat mehr als Patienten mit anderen Organerkrankungen die Chance, durch eigene Aktivität und bewusste Erfahrungen auch die lokale Therapie seiner Krankheit selbst zu handhaben. Statt dass der Arzt mit väterlicher Autorität den passiven Patienten führt, sollte dieser, wenn seine Erfahrung ausreichend ist, zur Selbständigkeit angehalten werden, um <strong>gemeinsam mit dem Arzt eine weiterführende Therapie zu besprechen, festzulegen und sie selbständig anwenden zu können</strong>."
</p>

<p>
	<i>Quelle: <i>Max Conradt, </i>Hamburger Abendblatt, 17.2.99</i>
</p>

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]]></description><guid isPermaLink="false">171</guid><pubDate>Tue, 30 Dec 2003 02:51:00 +0000</pubDate></item></channel></rss>
