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<rss version="2.0"><channel><title>Artikel: Schuppenflechte und Psoriasis arthritis</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/?d=33</link><description>Artikel: Schuppenflechte und Psoriasis arthritis</description><language>de</language><item><title>Moderne Psoriasis-Medikamente sind auch bei Leber-Problemen m&#xF6;glich</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/moderne-psoriasis-medikamente-sind-auch-bei-leber-problemen-moeglich-r1392/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_12/leberfunktion.jpg.cde3687196068d2289415f4cbace2391.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Moderne Therapien gegen Schuppenflechte schädigen die Leber nicht, sondern verbessern krankhaft erhöhte Werte sogar deutlich. Eine Studie beweist, dass eine wirksame Behandlung der Hautentzündung den gesamten Körper entlastet und die Leberfunktion schützt.</strong>
</p>

<p>
	Viele Menschen mit Schuppenflechte haben auch Probleme mit der Leber. Das liegt oft daran, dass Psoriasis den ganzen Körper betrifft. Die Entzündung bleibt nicht nur auf der Haut. Sie wandert über das Blut auch zu anderen Organen. Oft kommen noch Übergewicht oder Diabetes dazu. Das belastet die Leber zusätzlich.
</p>

<p>
	Bisher waren viele Ärzte deshalb vorsichtig. Sie hatten Respekt vor modernen Therapien bei schlechten Leberwerten. Deshalb bekamen manche Patienten diese wirksamen Mittel gar nicht erst. Frederik Krefting und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Essen wollten <a href="https://www.dovepress.com/baseline-pathological-liver-function-tests-in-patients-with-psoriasis--peer-reviewed-fulltext-article-PTT" rel="external nofollow">in der Studie</a> wissen, ob diese Sorge berechtigt ist.
</p>

<h2>
	Was wurde genau untersucht?
</h2>

<p>
	Das Team untersuchte die Daten von 276 Patienten aus dem echten Klinikalltag. Alle Teilnehmer hatten eine mittelschwere bis schwere Psoriasis. Sie bekamen entweder Biologika wie Secukinumab, Ixekizumab und Adalimumab oder das Medikament Apremilast.
</p>

<p>
	Die Forscher teilten die Patienten in zwei Gruppen auf. Die eine Hälfte hatte zum Start normale Leberwerte. Die andere Hälfte hatte bereits erhöhte Werte. Das Team schaute sich die Blutwerte nach drei und nach sechs Monaten genau an. Sie prüften dabei die Enzyme AST, ALT und GGT. Diese Werte zeigen normalerweise an, wie gestresst die Leber gerade ist.
</p>

<h2>
	Ergebnisse der Studie
</h2>

<p>
	Bei den Patienten mit normalen Werten passierte fast gar nichts. Ihre Leber blieb unter der Therapie einfach gesund. Aber bei der Gruppe mit den schlechten Werten gab es eine Überraschung. Ihre Leberwerte verbesserten sich während der Behandlung deutlich. Die Enzyme AST, ALT und GGT sanken nach sechs Monaten merklich ab.
</p>

<p>
	Das bedeutet: Die Medikamente haben der Leber nicht geschadet. Im Gegenteil, sie scheinen ihr sogar geholfen zu haben. Besonders gut schnitt dabei der Wirkstoff Ixekizumab ab. Er senkte die Leberwerte am stärksten. Auch die Haut wurde bei fast allen Patienten viel besser.
</p>

<h2>
	Warum hilft die Therapie der Leber?
</h2>

<p>
	Wie kann ein Medikament gegen Schuppenflechte die Leber heilen? Die Forscher haben dafür eine logische Erklärung. Wenn die Entzündung im ganzen Körper nachlässt, beruhigt sich auch die Leber. Weniger Botenstoffe im Blut bedeuten weniger Stress für die inneren Organe.
</p>

<p>
	Außerdem fühlen sich viele Patienten besser, wenn ihre Haut abheilt. Wer weniger rote Stellen hat, bewegt sich oft mehr. Sport und ein aktiverer Lebensstil sind das beste Training für die Leber. So greifen die medizinische Wirkung und der Alltag der Patienten perfekt ineinander.
</p>

<h2>
	Ein wichtiges Signal für die Praxis
</h2>

<p>
	Die Studie gibt Ärzten nun eine wichtige Sicherheit. Erhöhte Leberwerte sind kein Grund mehr, auf eine moderne Therapie zu verzichten. Die Behandlung ist eher eine Chance für den gesamten Körper. Patienten müssen also keine Angst vor einer Verschlechterung haben.
</p>

<p>
	Der Hauptautor der Studie, Frederik Krefting, hat dafür einen wichtigen Preis gewonnen: Er erhielt den Wissenschaftspreis für klinische Dermatologie in Nordrhein-Westfalen.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	<strong>Quelle</strong>: "<a href="https://www.dovepress.com/baseline-pathological-liver-function-tests-in-patients-with-psoriasis--peer-reviewed-fulltext-article-PTT" rel="external nofollow">Baseline Pathological Liver Function Tests in Patients With Psoriasis Support the Indication for Systemic Therapy Rather Than Being a Reason Against It: A Real-World Analysis</a>" in: Psoriasis: Targets and Therapy 15/2025
</p>

<div>
	<h2>
		Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
	</h2>

	<p>
		<span style="color:#990000;">➔ </span><strong>Erfahrungen</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/tags/Leber/" rel="">Diskussionen über Leber &amp; Psoriasis &amp; Medikamente</a> in unserem Forum
	</p>

	<p>
		<span style="color:#990000;">➔ </span><strong>Essen und Trinken</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/ernaehrung/ernaehrungs-docs-schuppenflechte-psoriasis-arthritis/" rel="">Was die "Ernährungs-Docs" bei Schuppenflechte und Psoriasis arthritis raten</a>
	</p>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1392</guid><pubDate>Sat, 20 Dec 2025 06:12:00 +0000</pubDate></item><item><title>Apotheken sollen k&#xFC;nftig Biosimilars statt Original&#x2011;Biologika ausgeben &#x2013; auch bei Psoriasis</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/apotheken-sollen-kuenftig-biosimilars-statt-original%E2%80%91biologika-ausgeben-%E2%80%93-auch-bei-psoriasis-r1390/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_12/biologika-biosimilar-austausch-apotheke.jpg.8c284213309627252f160d1809a9333f.jpg" /></p>
<h2>
	Das Wichtigste in Kürze
</h2>

<p>
	Ab Frühjahr 2026 ist die Apotheke verpflichtet zu prüfen, ob ein verordnetes Biologikum durch ein preisgünstigeres Präparat mit dem gleichen Wirkstoff ersetzt werden kann. Schon jetzt erhalten gesetzlich Versicherten ein anderes, aber wirkstoffgleiches Präparat, wenn ihre Krankenkasse entsprechende Rabattverträge mit einer Pharmafirma geschlossen hat.
</p>

<p>
	Für beide Situationen gelten Ausnahmen: Aus medizinischen Gründen darf die Ärztin oder der Arzt auf ein namentlich genanntes Präparat bestehen. Mit einem Kreuz auf dem Rezept wird Aut-idem („oder ein Gleiches“) – also der Austausch – ausgeschlossen. Den Austausch darf selbst die Apothekerin oder der Apotheker ablehnen. Nämlich dann, wenn der Apotheke Informationen vorliegen, dass dadurch in diesem individuellen Einzelfall ein hohes Risiko für Nebenwirkungen oder Falschanwendung besteht. Zum Beispiel durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten der Patientin bzw. des Patienten.
</p>

<p>
	Die neue Regelung betrifft nur diejenigen, deren Krankenkasse keine Rabattverträge geschlossen hat und nur dann, wenn es für den verschriebenen Wirkstoff bereits Nachahmer-Produkte (Biosimilars) gibt. Bei der Psoriasis und der Psoriasis arthritis sind das:
</p>

<table border="1" cellpadding="5" cellspacing="0" style="border-collapse: collapse; width: 100%;">
	<thead>
		<tr style="background-color: #f2f2f2; text-align: left;">
			<th>
				Wirkstoff
			</th>
			<th>
				Original
			</th>
			<th>
				Biosimilars<br>
				(Stand Dez. 2025)
			</th>
		</tr>
	</thead>
	<tbody>
		<tr>
			<td>
				Adalimumab
			</td>
			<td>
				Humira
			</td>
			<td style="background-color: #d1e7dd;">
				Ja
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Bimekizumab
			</td>
			<td>
				Bimzelx
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Brodalumab
			</td>
			<td>
				Kyntheum
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Certolizumab Pegol
			</td>
			<td>
				Cimzia
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Etanercept
			</td>
			<td>
				Enbrel
			</td>
			<td style="background-color: #d1e7dd;">
				Ja
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Golimumab (nur <abbr title="Psoriasis arthritis"><abbr title="Psoriasis arthritis">PsA</abbr></abbr>)
			</td>
			<td>
				Simponi
			</td>
			<td style="background-color: #d1e7dd;">
				Ja
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Guselkumab
			</td>
			<td>
				Tremfya
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Infliximab
			</td>
			<td>
				Remicade
			</td>
			<td style="background-color: #d1e7dd;">
				Ja
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Ixekizumab
			</td>
			<td>
				Taltz
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Risankizumab
			</td>
			<td>
				Skyrizi
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Secukinumab
			</td>
			<td>
				Cosentyx
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Tildrakizumab
			</td>
			<td>
				Ilumetri
			</td>
			<td>
				Nein
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				Ustekinumab
			</td>
			<td>
				Stelara
			</td>
			<td style="background-color: #d1e7dd;">
				Ja
			</td>
		</tr>
	</tbody>
</table>

<p>
	Entschieden hat das der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Dezember 2025. Damit sollen Ausgaben bei den gesetzlichen Krankenkasse verringert werden. Denn Biosimilars sind deutlich preiswerter, als die Original-Biologika. Dabei beruft sich der G-BA auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen Biosimilars gleichwertig wirksam und sicher sind und auch ein Wechsel unbedenklich sei. 
</p>

<p>
	Dem stimmen Ärzte- und Patientenverbände grundsätzlich zu. Nicht berücksichtigt wurden aber ihre Bedenken: So lehnen sie es ab, dass die Apotheken entscheiden, welches der vielen Präparate eines Wirkstoffs ein Patient erhält. Solche Entscheidung dürften nur die behandelnden Ärztinnen oder Ärzte treffen. Erste Erfahrungen würden darauf hinweisen, dass sich durch einen Austausch bei manchen Patienten der Therapieerfolg verschlechtern könne. Nach ihrer Auffassung sei so ein mehrfacher Wechsel zwischen Biosimilars noch völlig unerforscht. Darüberhinaus würde ein automatischer Austausch die langfristige Auswertung durch Register (z.B. PsoBest, RABBIT) verfälschen. Meldungen zum Präparat würden nicht mehr in jeden Fall übereinstimmen mit dem, was ein Patient dann tatsächlich erhalten habe.
</p>

<p>
	<em>Das war die Kurzform. Das Thema ist für alle Beteiligten kompliziert. Außerdem haben die jeweils Beteiligten ihre unterschiedlichen Interessen an der einen oder andern Lösung. Wen es also interessiert – hier geht es ausführlich weiter:</em>
</p>

<h2>
	Hintergrund: Biologika und Biosimilars kurz erklärt
</h2>

<p>
	Biologika sind biotechnologisch hergestellte Eiweißpräparate, zum Beispiel Antikörper, die gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis gehören dazu unter anderem:
</p>

<ul>
	<li>
		TNF‑Blocker (z. B. Adalimumab, Etanercept)
	</li>
	<li>
		IL‑17‑Blocker
	</li>
	<li>
		IL‑23‑Blocker
	</li>
	<li>
		weitere monoklonale Antikörper
	</li>
</ul>

<p>
	Sie werden meist als Fertigspritze oder Pen unter die Haut (subkutan) gespritzt und oft von Patientinnen und Patienten selbst angewendet.
</p>

<p>
	Biosimilars sind „Nachahmerpräparate“ eines bereits zugelassenen Biologikums (Referenzarzneimittel). Sie sind nicht zu 100 % identisch – das geht bei Eiweißmolekülen technisch nicht –, müssen aber in Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit sehr eng vergleichbar sein. Das wird in aufwendigen Zulassungsverfahren von europäischen und deutschen Behörden geprüft.
</p>

<p>
	Biosimilars sind in der Regel deutlich günstiger als das Originalpräparat. Genau hier setzt der G‑BA an: Durch mehr Einsatz von Biosimilars sollen Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung gespart werden – ohne die Therapiesicherheit zu verschlechtern.
</p>

<h2>
	Was hat der G‑BA konkret beschlossen?
</h2>

<p>
	Apotheken sind künftig verpflichtet, ein verordnetes Biologikum durch ein preisgünstiges biotechnologisch hergestelltes Arzneimittel zu ersetzen – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Diese Pflicht gilt für Biologika als Fertigarzneimittel (also zum Beispiel Fertigspritzen oder Pens), die von den Patientinnen und Patienten meist zuhause angewendet werden.
</p>

<p>
	Ein Austausch ist nur erlaubt, wenn alle folgenden Punkte erfüllt sind.:
</p>

<ul>
	<li>
		Die Dosis und die Packungsgröße müssen identisch sein. 
	</li>
	<li>
		Die Darreichungsform (z. B. Injektionslösung) muss gleich oder als austauschbar eingestuft sein.
	</li>
	<li>
		Die "Behältnisse" müssen die gleichen bleiben: Fertigpen zu Fertigpen und Fertigspritze zu Fertigspritze
	</li>
</ul>

<p>
	Zusätzlich wird es fachlich knifflig: Das abzugebende Biologikum muss mindestens für dieselbe Art der Anwendung zugelassen sein wie das verordnete Präparat (zum Beispiel Injektion unter die Haut). Außerdem muss sich die Zulassung der beiden Präparate in mindestens einem Anwendungsgebiet überschneiden – sie müssen also wenigstens für eine gleiche Krankheit zugelassen sein.
</p>

<h2>
	In welche Richtungen ist ein Austausch erlaubt?
</h2>

<p>
	Austauschbar sind:
</p>

<ul>
	<li>
		Original-Biologikum → Biosimilar
	</li>
	<li>
		Biosimilar → Original-Biologikum
	</li>
	<li>
		Biosimilar → anderes Biosimilar, wenn beide auf dasselbe Referenzarzneimittel zugelassen sind
	</li>
</ul>

<h2>
	So bekommst du möglichst das Medikament, das du schon kennst
</h2>

<p>
	Wichtig für Betroffene: Deine Ärztin oder dein Arzt kann den Austausch verbieten, indem sie oder er das „Aut‑idem“-Feld auf dem Rezept ankreuzt. Dann darf die Apotheke das verordnete Biologikum nicht durch ein anderes austauschen.
</p>

<p>
	Als medizinische Gründe nennt der Gemeinsame Bundesausschuss unter anderem:
</p>

<ul>
	<li>
		in der Vergangenheit aufgetretene Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten oder Allergien
	</li>
	<li>
		eine instabile Therapiesituation
	</li>
	<li>
		patienten- oder erkrankungsspezifische Besonderheiten, zum Beispiel Probleme mit bestimmten Bauarten der Pens oder Spritzen<strong> </strong>– also mit der Handhabung oder mit eingeschränkter Feinmotorik. Das sind Fälle, die bei Psoriasis arthritis gar nicht so selten sind.
	</li>
</ul>

<p>
	Reine Gewohnheit oder „Ich mag das alte besser“ reichen laut G‑BA in der Regel nicht aus, um einen Austausch dauerhaft zu verhindern. Es braucht nachvollziehbare medizinische Gründe.
</p>

<h2>
	Ab wann gelten die neuen Regeln?
</h2>

<p>
	Der Beschluss wird nun an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geschickt. Wenn das Ministerium den Beschluss nicht beanstandet und er im Bundesanzeiger veröffentlicht wird, treten die Regelungen frühestens im April 2026 in Kraft.
</p>

<p>
	Bis dahin ändert sich für Betroffene nichts. Es bleibt aber sinnvoll, das Thema bei kommenden Arztterminen einmal anzusprechen – gerade wenn die eigene Behandlung mit Biologika langfristig geplant ist.
</p>

<h2>
	Wie wird das begründet?
</h2>

<p>
	<a href="https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Zulassung/Zulassungsarten/Austauschbarkeit-Biosimilars/_artikel.html" rel="external">Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte</a> (BfArM), <a href="https://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2022/220923-ema-hma-stellungnahme-biosimilar-austauschbarkeit.html" rel="external nofollow">Paul-Ehrlich-Institut</a> (PEI) und <a href="https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/biologika-biosimilars/" rel="external nofollow">Gemeinsamer Bundesausschuss</a> (G-BA) gehen davon aus, dass Biosimilars sowohl mit ihren Referenzmitteln als auch untereinander ausgetauscht werden können. Dabei berufen sie sich auf eine <a href="https://www.gelbe-liste.de/apotheke/ema-statement-austauschbarkeit-biosimilars" rel="external">offizielle Stellungnahme der Europäische Arzneimittelagentur</a> (EMA) mit der Heads of Medicines Agencies (HMA) vom September 2022.
</p>

<p>
	Beide Institutionen wiesen darauf hin, dass Prüfverfahren über 15 Jahre und klinische Studien die Austauschbarkeit bestätigen würden. Eine gesonderte Studie dazu („Switch-Studie“) sei deshalb nicht nötig. EMA und HMA schlugen nationale Regelungen zur automatischen Substitution vor, da die EU für Rechtsvorschriften im Gesundheitsbereich nicht zuständig ist. Drei Jahre danach wurde dann das Thema im G-BA behandelt.
</p>

<h2>
	Was meinen Patienten- und Ärzteverbände dazu?
</h2>

<p>
	In <a href="https://www.g-ba.de/downloads/40-268-12140/2025-12-04_AM-RL_Paragraf-40-c_Austausch-Biologika-Apotheke_ZD.pdf" rel="external nofollow">ihren Stellungnahmen</a> äußerten Ärzte- und Patientenverbände viel und deutliche Kritik. 
</p>

<p>
	<strong>Wiederholter Wechsel kaum erforscht</strong>: Viele Fachgesellschaften und Patientenvertretungen akzeptieren Biosimilars grundsätzlich als gleichwertig wirksam und sicher. Sie lehnen aber eine <em>automatische</em> Substitution in der Apotheke ohne enge ärztliche Steuerung ab. Sie verweisen darauf, dass Studien vor allem <em>einmalige</em>, ärztlich begleitete Wechsel vom Original auf ein Biosimilar untersuchen. Dagegen seien wiederholte (nicht ärztlich gesteuerte) Wechsel zwischen mehreren Biosimilars („multiple switches“) kaum erforscht. Aus ihrer Sicht drohen dadurch Verunsicherung, Nocebo-Effekte, sinkende Therapietreue und praktische Anwendungsfehler, wenn Patientinnen und Patienten immer wieder neue Pens oder Spritzen mit anderer Handhabung und anderen Hilfsstoffen erhalten.
</p>

<p>
	<strong>Registerdaten werden verfälscht</strong>: Ein weiterer Kernpunkt sei die Arzneimittelsicherheit: Für Biologika gelten strenge Vorgaben zur Sammlung von Nebenwirkungen und Risiken, einschließlich der genauen Dokumentation von Handelsnamen und Chargennummern. Register wie RABBIT in der Rheumatologie oder PsoBest in der Dermatologie liefern wichtige Langzeitdaten dazu. Wenn in der Apotheke Präparate ohne Rückmeldung an die Praxis ausgetauscht werden, sei die Rückverfolgbarkeit und die Aussagekraft dieser Register gefährdet. Es sei zu befürchten, dass Nebenwirkungen oder Wirkverlust nicht mehr klar einem Produkt zugeordnet werden können. Das erschwere es, dem entgegenzuwirken.
</p>

<p>
	<strong>Entscheidung gehört in Ärzte-Hand</strong>: Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), das Hautnetz Deutschland und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sprechen sich <a href="https://www.bvdd.de/aktuelles-presse/newsroom/alle-nachrichten/details/bvdd-und-weitere-verbaende-lehnen-substitution-in-der-apotheke-ab/" rel="external">in einer gemeinsamen Stellungnahme</a> gegen einen automatischen Austausch bei entzündlicher Hautkrankheiten wie eben der Psoriasis aus. Es wird betont, dass eine Biologika-Therapie bei Psoriasis eine sensible Langzeitentscheidung sei. Es müsse deshalb in der Hand der behandelnden Ärztinnen und Ärzte bleiben, das konkrete Präparat auszuwählen und dessen Anwendung zu erklären. Bei einem nicht abgesprochenen, unerwarteten Austausch in der Apotheke wisse die Praxis nicht, welches Präparat tatsächlich abgegeben wurde. Dadurch könnten v.a. Nebenwirkungen nicht korrekt zugeordnet werden. Das gefährde aus ihrer Sicht Versorgungsqualität und Patientensicherheit.
</p>

<p>
	<strong>Biosimilars wirken nicht so gut</strong>: Die Bedenken der Ärztevertreter bestätigt eine aktuelle <a href="https://www.jaadinternational.org/article/S2666-3287(25)00110-5/fulltext" rel="external nofollow">Übersicht von veröffentlichten Praxisdaten</a> (Real-World-Study). Darin geht es um Patientinnen und Patienten mit schwerer Akne inversa, die mit Adalimumab behandelt wurden. Basis waren diejenigen, die mit dem Original-Biologikum behandelt wurden. Sie wurden verglichen mit denjenigen, die schon immer mit einem Biosimilar behandelt wurden bzw. irgendwann auf ein Biosimilar gewechselt haben. In der Biosimilar-Gruppe gab es vermehrt niedrigere Ansprechraten sowie höhere Anteile an und kürzere Zeiträume bis zum Wirkverlust. Das bestätigt auch eine <a href="https://www.mdpi.com/2075-1729/12/10/1518" rel="external">Auswertung des deutschen Registers</a>. Dabei wurde nicht untersucht, weshalb Biosimilars schlechter wirken. Sind es tatsächlich unterschiedliche pharmakologische Qualitäten? Oder werden die Präparate individuell unterschiedlich vertragen? Oder ist es letztendlich <a href="https://www.centerforbiosimilars.com/view/real-world-data-highlight-adalimumab-biosimilar-options-for-hidradenitis-suppurativa" rel="external nofollow">reine Psychologie</a>, d.h. die negative Erwartung gegenüber dem billigeren Nachahmer-Präparat (Nocebo-Effekt)? Vor allen ist es noch völlig ungeklärt, ob solche Folgen auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, wie z.B. bei Psoriasis oder Psoriasis Arthritis.
</p>

<p>
	<strong>Nocebo-Effekt verschlechtert Therapieffekt</strong>: Die Deutsche Rheuma-Liga <a href="https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/rheuma-liga-biologika-austausch-fuehrt-zu-risiken-fuer-patienten" rel="external">spricht davon</a>, dass ein mehrfacher Produktwechsel die Patientinnen und Patienten verunsichern würde. Dadurch würden nach ihrer Erfahrung Nocebo-Effekte begünstigt. Aus Angst und negativen Erwartungen würden Nebenwirkungen und Wirkverluste auftreten. Das erhöhe das Risiko, dass Betroffene ihre Therapie abbrechen.
</p>

<p>
	<strong>Therapie mit nicht zugelassenem Präparat</strong><span>: </span>Kritisch sieht die Rheuma-Liga, dass künftig ein Austausch schon dann möglich sein soll, wenn das verschriebene Präparat mit dem ausgetauschten in „irgendeinem“ Anwendungsgebiet übereinstimmen. Dadurch erhalten Betroffene zwar ein wirkstoffgleiches Produkt, es kann aber sein, dass der Hersteller gerade für ihre Erkrankung keine Zulassung beantragt hat. Das ausgetauschte Präparat würde dann ohne Zulassung angewendet werden („off-label-use“).
</p>

<p>
	<strong>Keine wahrheitsgemäße Therapiedokumentation</strong>: Der Deutsche Psoriasis-Bund hatte sich im September einer <a href="https://psoriasis-bund.de/aktuelles/meldungen/meldungen-im-detail/news/bedenken-gegenueber-biosimilar-austausch-in-apotheken/" rel="external">Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe</a> angeschlossen. Darin sprechen sich die Patientenvertreter klar gegen den Austausch von Biosimilars in der Apotheke aus. Ihre Argumente sind fast identisch mit denen der Ärzte und der Rheuma-Liga. Sie weisen darauf hin, dass ein Austausch von biotechnisch hergestellten Präparaten schon jetzt in der ärztlichen Praxis stattfindet: in begründeten Fällen, nach ärztlicher Prüfung, sauber dokumentiert und mit ausreichender Aufklärung der Betroffenen. Nur so seien Patientenunterlagen und Registermeldungen wahrheitsgemäß.
</p>

<h2>
	Was meinen Pharmafirmen zum automatischen Austausch?
</h2>

<p>
	Die Hersteller selbst weisen weisen in einigen Stellungnahmen daraufhin, dass es durchaus Verschiedenheiten bei den biotechnisch hergestellten Präparaten gibt, die Folgen für Patientinnen und Patienten haben können.
</p>

<p>
	<strong>Unterschiediche Nadelgrößen</strong>: Pens und ‑Spritzen können sich bei Nadelgröße deutlich unterscheiden. Für Betroffene sei das nicht banal: Dünnere Nadeln und ein bestimmter Nadelschliff können das Spritzen deutlich weniger schmerzhaft machen. Dickere oder anders geschliffene Nadeln können ein stärkeres Brennen oder Druckgefühl auslösen. So würde Angst vor der Injektion bei häufiger Anwendung die Therapietreue (Compliance) beeinflussen.
</p>

<p>
	<strong>Unterschiedliche Hilfsstoffe</strong>: Während das eine Biosimilar etwa Citrat als Puffer enthält, sind andere Präparate citratfrei, Die würden als angenehmer empfunden werden. Citrat könne bei Patientinnen und Patienten zu einem stärkeren Brennen und Schmerz bei der Injektion führen. Solche Unterschiede seien zwar medizinisch nicht bedeutend, könnten aber die Bereitschaft, das Medikament regelmäßig anzuwenden, stark beeinflussen.
</p>

<p>
	<strong>Unterschied bei Latex</strong>: Manche Fertigspritzen verwenden noch Komponenten aus Naturkautschuk-Latex, andere sind ausdrücklich latexfrei. Werde in der Apotheke ohne genaue Kenntnis der Allergie auf ein latexhaltiges Produkt umgestellt, könnte es bei den Patienten zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen.
</p>

<p>
	<strong>Unterschiedliche Pen- und Spritzen-Formen (Devices)</strong>: Die Pens oder Spritzen können sich in ihrer Form, Handhabung, dem Auslösemechanismus oder der Grifffestigkeit unterscheiden. Für Patienten mit Psoriasis Arthritis an den Fingern könnte ein Wechsel des Injektionsgeräts die korrekte Handhabung erschweren oder zu Anwendungsfehlern führen.
</p>

<h2>
	Quellen zum Weiterlesen
</h2>

<ul>
	<li>
		<a href="https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1301/" rel="external nofollow">Mitteilung des Gemeinsamen Bundesaustauschen über den Beschluss</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.g-ba.de/downloads/40-268-12140/2025-12-04_AM-RL_Paragraf-40-c_Austausch-Biologika-Apotheke_ZD.pdf" rel="external nofollow">Dokumentation vom G-BA</a> über den Weg und die Diskussion bis zum Beschluss inklusive Wortprotokollen und schriftlichen Stellungnahmen
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/rheuma-liga-biologika-austausch-fuehrt-zu-risiken-fuer-patienten" rel="external">Stellungnahme der Deutschen Rheuma-Liga</a>
	</li>
	<li>
		<a href="https://psoriasis-bund.de/aktuelles/meldungen/meldungen-im-detail/news/bedenken-gegenueber-biosimilar-austausch-in-apotheken/" rel="external">Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe</a>, der sich der Deutsche Psoriasis-Bund angeschlossen hat
	</li>
	<li>
		<a href="https://www.psoriasis-bund.de/aktuelles/meldungen/meldungen-im-detail/news/das-guenstigste-hat-vorrang/" rel="external">Ausführliche Informationen des Deutschen Psoriasis-Bundes</a> über den Austausch von Biologika und Biosimilars
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">1390</guid><pubDate>Mon, 15 Dec 2025 06:12:00 +0000</pubDate></item><item><title>Icotrokinra gegen Psoriasis: Zulassung in Europa beantragt</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/icotrokinra-gegen-psoriasis-zulassung-in-europa-beantragt-r1373/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_09/tabletten-packungen-haende.jpg.3379ed60ffebf75415eaa25e3a48b9d4.jpg" /></p>
<p style="text-align: center;">
	Johnson &amp; Johnson hat bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung für sein Psoriasis-Medikament mit dem Wirkstoff Icotrokinra beantragt.  Damit steht zum ersten Mal ein Medikament vor der Zulassung, das als Tablette eingenommen wird und gezielt den IL-23-Rezeptor blockiert. 
</p>

<div>
	<hr style="width:150px; margin:2em auto 1.9em; border:none; border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Icotrokinra wurde speziell dafür entwickelt, den Interleukin-23-Rezeptor zu blockieren. Interleukin-23 ist ein Botenstoff im Körper. Er feuert die Entzündung bei der Schuppenflechte stark an. Icotrokinra fängt diesen Botenstoff quasi ab. Dadurch kann die Entzündung in der Haut abklingen.
</p>

<p>
	Die Psoriasis-Medikamente Ilumetri, Skyrizi und Tremfya setzen auch am IL-23 an, doch anders als sie muss Icotrokinra nicht gespritzt werden. Vielmehr wird es einmal täglich eingenommen. Das macht die Behandlung für viele Betroffene deutlich einfacher und angenehmer.
</p>

<p>
	Der Zulassungsantrag basiert auf den Ergebnissen von vier großen Phase-3-Studien. Diese Studien haben alle ihre Hauptziele erreicht. In den Untersuchungen nahmen insgesamt mehr als 1000 Erwachsene und Jugendliche teil.
</p>

<p>
	In der wichtigsten <a href="https://clinicaltrials.eu/trial/study-on-the-effectiveness-and-safety-of-jnj-77242113-for-treating-moderate-to-severe-plaque-psoriasis-in-adults/" rel="external nofollow">Studie ICONIC-LEAD</a> erreichten 65 Prozent der Patienten eine erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut. Bei der Placebo-Gruppe waren es nur acht Prozent. Außerdem erreichten 50 Prozent der mit Icotrokinra behandelten Patienten eine 90-prozentige Verbesserung ihrer Hauterscheinungen. Bei Placebo lag dieser Wert nur bei 4 Prozent.
</p>

<p>
	Die <a href="https://www.hra.nhs.uk/planning-and-improving-research/application-summaries/research-summaries/77242113pso3003-study-of-treatment-for-plaque-psoriasis-involving-special-areas-iconic-total/" rel="external nofollow">Studie ICONIC-TOTAL</a> zeigte, dass Icotrokinra auch bei Psoriasis an Kopfhaut, Genitalbereich sowie an Händen und Füßen gut wirkt. Diese Körperstellen sind für Patienten besonders belastend, da sie oft sichtbar sind oder das tägliche Leben stark beeinträchtigen.
</p>

<p>
	Hersteller Johnson &amp; Johnson hat mit Icotrokinra viel vor: "Das Medikament könnte als systemische Erstlinientherapie zum Einsatz kommen", wurde eine Vertreterin der Firma <a href="https://www.jnj.com/innovativemedicine/emea/newsroom/icotrokinra-results-show-potential-to-set-a-new-standard-of-treatment-in-plaque-psoriasis" rel="external nofollow">in einer Pressemitteilung im März 2025</a> zitiert.
</p>

<p>
	In direkten Vergleichsstudien schnitt Icotrokinra besser ab als Deucravacitinib (Medikamentenname: Sotyktu). Das wird ebenfalls als Tablette eingenommen. Die Studien <a href="https://www.hra.nhs.uk/planning-and-improving-research/application-summaries/research-summaries/77242113pso3002-study-comparing-different-treatments-in-moderate-to-severe-plaque-psoriasis/" rel="external nofollow">ICONIC-ADVANCE 1</a> und ICONIC-ADVANCE 2 zeigten, dass Icotrokinra bei allen wichtigen Messgrößen bessere Ergebnisse erzielte.
</p>

<p>
	Icotrokinra wurde auch bei Jugendlichen ab 12 Jahren untersucht. Die Studien zeigten, dass das Medikament auch in dieser Altersgruppe gut wirkt und sicher ist. Das ist wichtig, da Psoriasis oft schon im Jugendalter beginnt und die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann.
</p>

<h2>
	Nebenwirkungen von Icotrokinra
</h2>

<p>
	In gepoolten Sicherheitsanalysen traten bei 49,1 Prozent der Icotrokinra-Patienten Nebenwirkungen auf. Bei der Placebo-Gruppe waren es 51,9 Prozent. Die Nebenwirkungsrate war also sogar etwas niedriger als bei Placebo. Neue oder unerwartete Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet. Eine gepoolte Sicherheitsanalyse fasst die Sicherheitsdaten aus mehreren klinischen Studien zusammen, um bei einer größeren Patientenzahl eine zuverlässigere Bewertung der Nebenwirkungen und Risiken eines Medikaments zu ermöglichen.
</p>

<p>
	Die wichtigsten Nebenwirkungen waren
</p>

<ul>
	<li>
		COVID-19 (<em>die Studien dürften in die Corona-Zeit gefallen sein; 11 Prozent in der Icotrokinra-Gruppe meldeten Symptome gegenüber 12 Prozent in der Placebo-Gruppe <a href="https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2308713" rel="external">in der Studie FRONTIER 1</a></em>)
	</li>
	<li>
		Nasopharyngitis (<em>Erkältung; 7 Prozent in der Icotrokinra-Gruppe gegenüber 5 Prozent in der Placebo-Gruppe in der Studie FRONTIER 1</em>).
	</li>
	<li>
		Infektionen der oberen Atemwege
	</li>
	<li>
		Durchfall (5 Prozent in allen Dosierungsgruppen zusammen in der Studie FRONTIER 1)
	</li>
</ul>

<h2>
	Weitere Studien laufen
</h2>

<p>
	Aktuell läuft die Studie ICONIC-ASCEND, in der Icotrokinra direkt mit dem Biologikum Ustekinumab verglichen wird. Außerdem werden zwei Studien bei Psoriasis arthritis durchgeführt. Diese Studien sollen zeigen, ob Icotrokinra auch bei anderen IL-23-vermittelten Erkrankungen hilft.
</p>

<h2>
	Wie geht es nach dem Antrag weiter?
</h2>

<p>
	Johnson &amp; Johnson hat bereits im Juli 2025 auch bei der amerikanischen Behörde FDA eine Zulassung beantragt. Der Antrag in Europa folgte im September 2025.
</p>

<p>
	Nach dem Antrag prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zunächst die vollständigen Unterlagen zum Medikament. Die Bewertung übernimmt dabei ein Expertengremium, das sogenannte CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use), dem Wissenschaftler aus allen EU-Staaten angehören.
</p>

<p>
	Zwei Länder – der "Rapporteur" und der "Co-Rapporteur" – sind dabei federführend und erstellen einen ersten Bewertungsbericht. Alle beteiligten Länder können diesen Bericht kommentieren, bevor im gesamten Ausschuss über das Medikament beraten wird. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Prüfung gibt das Gremium eine Empfehlung ab: entweder für oder gegen die Zulassung. Diese Empfehlung geht an die Europäische Kommission, die die eigentliche Zulassung erteilt. Mit dieser zentralen Zulassung ist das Medikament in allen EU-Staaten inklusive Island und Norwegen zugelassen.
</p>

<p>
	Bei innovativen oder dringend benötigten Arzneimitteln kann eine "beschleunigte Bewertung" erfolgen, die das Verfahren auf 150 Tage verkürzt. Allerdings zielt der Antrag für Icotrokinra offensichtlich nicht auf eine beschleunigte Zulassung als innovatives oder dringend benötigtes Arzneimittel ab. Weder in den Pressemitteilungen von Johnson &amp; Johnson noch in den Berichten über die EMA-Einreichung wird eine beschleunigte Bewertung oder ein Sonderstatus erwähnt.
</p>

<p>
	Dies bedeutet, dass Icotrokinra das reguläre EMA-Zulassungsverfahren durchlaufen wird, <a href="https://pm-report.de/gesundheitswesen/2025/eu-arzneimittelzulassungen-biosimilars-praegen-die-bilanz-im-1-halbjahr-2025.html" rel="external nofollow">das normalerweise 12 bis 18 Monate dauert</a>. Ohne beschleunigte Bewertung können Patienten in Europa also frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 mit einer möglichen Markteinführung voni Icotrokinra rechnen.
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1373</guid><pubDate>Fri, 12 Sep 2025 17:05:00 +0000</pubDate></item><item><title>Biologika-Therapie: Kann ich die Spritzen-Intervalle verl&#xE4;ngern?</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologika-therapie-kann-ich-die-spritzen-intervalle-verlaengern-r1366/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_08/frau-kalender.jpg.c2a660f548de3144091a7c507faf1ffd.jpg" /></p>
<p style="text-align: center;">
	Deine Psoriasis ist dank eines Biologikums zur Ruhe gekommen. Die Haut ist glatt, der Juckreiz verschwunden und die Lebensqualität ist zurück. Nach Monaten oder vielleicht sogar Jahren der stabilen Haut fragst Du Dich vielleicht: „Muss ich das Medikament wirklich für immer so oft spritzen? Könnte ich die Abstände zwischen den Injektionen vielleicht vergrößern?“
</p>

<p style="text-align: center;">
	Diese Frage ist auch ein topaktuelles Thema in der dermatologischen Forschung und Praxis. Immer mehr Ärzte und Patienten beschäftigen sich mit der sogenannten Intervallverlängerung oder Dosisoptimierung. Hier erfährst Du, was dahintersteckt, für wen es eine Option sein kann und welche Chancen und Risiken es gibt.
</p>

<p style="text-align: center;">
	Wichtig für den Hinterkopf: Hier geht es "nur" um die Intervallverlängerung bei Schuppenflechte – nicht bei Psoriasis arthritis.
</p>

<h2>
	Die Idee: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
</h2>

<p>
	Die Dosierung eines Medikaments, wie sie im Beipackzettel steht, wurde in großen Studien für den „Start“ der Therapie festgelegt. Ziel war es, die Psoriasis bei möglichst vielen Menschen schnell und effektiv unter Kontrolle zu bringen. Wenn dieses Ziel erreicht ist und Deine Haut über lange Zeit stabil erscheinungsfrei bleibt, könnte es sein, dass Du für die „Erhaltung“ dieses Zustands weniger Medikament brauchst.
</p>

<p>
	Genau hier setzt die Idee der Intervallverlängerung an. Statt das Biologikum stur alle vier, acht oder zwölf Wochen zu spritzen, wird <strong>in Absprache mit dem Arzt</strong> der Abstand schrittweise vergrößert.
</p>

<h2>
	Warum sollte man das überhaupt in Erwägung ziehen?
</h2>

<p>
	Es gibt mehrere gute Gründe, die für eine Anpassung der Dosis sprechen, sobald die Psoriasis stabil unter Kontrolle ist:
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❇️</span> Mehr Lebensqualität, weniger Aufwand</strong>: Jede Spritze bedeutet Planung. Vielleicht musst Du dafür in die Praxis, sie speziell lagern oder Deinen Alltag um den Injektionstermin herum organisieren. Weniger Spritzen bedeuten mehr Freiheit und eine geringere gedankliche Belastung durch die Therapie.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❇️</span> Weniger Medikament im Körper</strong>: Biologika sind moderne und sichere Medikamente. Trotzdem ist es ein logischer Gedanke, dem Körper auf lange Sicht nicht mehr Medikament zuzuführen als unbedingt nötig. Eine geringere Gesamtdosis könnte das theoretische Risiko für Langzeitnebenwirkungen weiter senken und die Verträglichkeit verbessern.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❇️</span> Ein Gefühl der Kontrolle</strong>: Aktiv an der eigenen Therapie mitzuwirken und sie an den persönlichen Bedarf anzupassen, kann für viele Betroffene ein stärkendes Gefühl sein. Man ist nicht mehr nur passiver Empfänger, sondern aktiver Partner in der Behandlung.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❇️</span> Nachhaltigkeit für das Gesundheitssystem</strong>: Biologika sind sehr teuer. Eine verantwortungsvoll durchgeführte Dosisreduktion, die die Wirksamkeit nicht gefährdet, hilft dabei, die Kosten für das solidarische Gesundheitssystem zu senken.
</p>

<h2>
	Das große Aber: Risiken und was Du beachten musst
</h2>

<p>
	Die Vorstellung, weniger spritzen zu müssen, ist verlockend. Doch eine Intervallverlängerung ist keine harmlose Spielerei, sondern ein ernsthafter Eingriff in eine gut funktionierende Therapie. Sie muss wohlüberlegt und professionell begleitet sein, denn es gibt zwei wesentliche Risiken:
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❎</span> Das Risiko eines Rückfalls</strong> (Rezidiv): Der häufigste und offensichtlichste Nachteil ist, dass die Psoriasis zurückkommt. Der Schutz des Medikaments lässt nach und die Entzündung flackert wieder auf. Die gute Nachricht aus Studien ist jedoch: Kehrt man nach einem leichten Rezidiv wieder zum ursprünglichen Spritzen-Intervall zurück, lässt sich die Kontrolle über die Psoriasis in den allermeisten Fällen wieder vollständig herstellen.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">❎</span> Die Gefahr des Wirkverlusts durch Antikörper</strong>: Dies ist das komplexere Risiko. Dein Körper kann das Biologikum als „fremd“ erkennen und eine Art Abwehrreaktion starten, indem er Antikörper gegen das Medikament bildet. Diese Antikörper können das Biologikum neutralisieren, sodass es seine Wirkung verliert – und zwar möglicherweise dauerhaft. Man vermutet, dass längere Pausen zwischen den Injektionen diesem Prozess Vorschub leisten könnten. Moderne Biologika scheinen dieses Risiko zwar zu verringern, aber es ist nicht null.
</p>

<p>
	Deshalb ist die wichtigste Regel: Eine Intervallverlängerung darf <strong>niemals ein Alleingang</strong> sein! Sie ist eine Einzelfallentscheidung, die Du <strong>nur gemeinsam mit Deinem behandelnden Hautarzt oder Deiner Hautärztin</strong> treffen und durchführen solltest.
</p>

<h2>
	Bin ich ein geeigneter Kandidat?
</h2>

<p>
	Die Forschung versucht derzeit, klare Kriterien zu definieren, die einen Erfolg der Intervallverlängerung wahrscheinlicher machen. Aus aktuellen Studien lassen sich einige Punkte ableiten, die dafürsprechen könnten:
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">✅</span> Langfristig stabile Haut</strong>: Das ist die Grundvoraussetzung. Deine Psoriasis sollte seit mindestens 6, besser 12 Monaten, sehr gut kontrolliert sein. Ärzte messen das mit Kennzahlen wie dem <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> oder dem PGA. Für Dich bedeutet das: Du bist nahezu oder komplett erscheinungsfrei.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">✅</span> Niedriger Body-Mass-Index</strong> (BMI): Einige Daten deuten darauf hin, dass schlankere Menschen die Dosis erfolgreicher reduzieren können.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">✅</span> Art des Biologikums</strong>: Neuere Studien, etwa zu IL-17- und IL-23-Inhibitoren, zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Intervallverlängerung. Aber auch bei älteren Biologika kann es funktionieren.
</p>

<p style="margin-left: 40px;">
	<strong><span class="ipsEmoji">✅</span> Gute Lebensqualität</strong>: Wenn nicht nur Deine Haut (<abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr>), sondern auch Dein allgemeines Wohlbefinden (z.B. gemessen am DLQI) sehr gut ist, spricht das für eine stabile Krankheitskontrolle.
</p>

<p>
	Ob Du diese Kriterien erfüllst und ob eine Dosisoptimierung für Dich sinnvoll ist, kann nur Dein Arzt beurteilen, der Deinen gesamten Krankheitsverlauf kennt.
</p>

<h2>
	Wie läuft eine Intervallverlängerung in der Praxis ab?
</h2>

<p>
	Wenn Du und Dein Arzt euch für einen Versuch entscheidet, passiert das nicht von heute auf morgen, sondern in kleinen, kontrollierten Schritten.
</p>

<ol>
	<li>
		<strong>Die gemeinsame Entscheidung</strong>: Du sprichst Deinen Wunsch beim Arzt an. Ihr besprecht die Chancen und Risiken und legt fest, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist.
	</li>
	<li>
		<strong>Die schrittweise Verlängerung</strong>: In der Praxis hat sich oft eine Verlängerung um den Faktor 1,5 bewährt.<br>
		Beispiel 1: Du spritzt bisher alle 8 Wochen. Das neue Intervall wäre dann 12 Wochen (8 x 1.5 = 12).<br>
		Beispiel 2: Du spritzt alle 4 Wochen. Das neue Intervall wäre dann 6 Wochen (4 x 1.5 = 6).
	</li>
	<li>
		<strong>Engmaschige Kontrolle</strong>: In der Anfangsphase nach der Umstellung werdet ihr wahrscheinlich engere Kontrolltermine vereinbaren. Du selbst spielst hier eine Schlüsselrolle, indem Du Deine Haut genau beobachtest. Bei den ersten Anzeichen einer Verschlechterung informierst Du sofort Deinen Arzt.
	</li>
	<li>
		<strong>Anpassung bei Bedarf</strong>: Sollte die Haut stabil bleiben, könnte man nach einiger Zeit sogar einen zweiten Dehnungsschritt erwägen. Kommt es zu einem leichten Schub, wird in der Regel sofort zum alten, bewährten Intervall zurückgekehrt.
	</li>
</ol>

<h2>
	Was sagen die offizielle Leitlinie und die aktuelle Forschung?
</h2>

<p>
	Die maßgebliche <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-001" rel="external nofollow">S3-Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis</a> in Deutschland ist bei diesem Thema noch zurückhaltend. Sie empfiehlt eine Dosisreduktion nicht als Standard für jeden. Das liegt vor allem daran, dass noch mehr Langzeitdaten aus großen Studien abgewartet werden. Die Entscheidung wird daher dem ärztlichen Ermessen im Einzelfall überlassen.
</p>

<p>
	Die Studienlage wird aber immer besser und unterstützt das Vorgehen:
</p>

<ul>
	<li>
		Eine <a href="https://www.frontiersin.org/journals/pharmacology/articles/10.3389/fphar.2024.1369805/full" rel="external nofollow">aktuelle Übersichtsarbeit von 2024</a> kommt zu dem Schluss, dass die Intervallverlängerung bei Patienten mit stabiler Psoriasis wirksam, sicher und kosteneffektiv ist.
	</li>
	<li>
		Eine <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ddg.15686_g" rel="external nofollow">Praxisstudie von 2025 mit Nutzern von IL-17- und IL-23-Inhibitoren</a> zeigte, dass eine große Mehrheit der Patienten, die das Intervall streckten, auch nach einem Jahr noch ein exzellentes Hautbild hatte.
	</li>
	<li>
		Bei einer Hautärzte-Tagung in Rom wurde im Juni 2025 <a href="https://www.aerzteblatt.de/news/stabile-psoriasis-verlangerung-des-behandlungsintervalls-mit-il23-inhibitoren-moglich-b7fe3c26-23ff-4f78-b96c-43c2dc5243fe" rel="external">eine weitere Studie</a> vorgestellt. Da ging es speziell um die Wirkstoffe Guselkumab und Risankizumab. Bei den Teilnehmern der Studie wurde das Spritzen-Intervall um 50 Prozent verlängert. Im Jahr danach wurde die Schuppenflechte bei einigen noch besser, bei anderen <em>etwas</em> schlechter, aber immer noch minimal. Mehr darüber findet sich auf Seite 103 des <a href="https://www.icd2025rome.org/wp-content/uploads/2025/07/ICD2025_ABSTRACT-BOOK-ORAL-REV01.pdf" rel="external nofollow">Programmheftes der Tagung</a>.
	</li>
	<li>
		Eine <a href="https://dpcj.org/index.php/dpc/article/view/5845" rel="external nofollow">Studie italienischer Forscher</a> kam ebenfalls zu dem Schluss: "Unsere vorläufigen Ergebnisse legen nahe, dass verlängerte Dosierungsintervalle für IL-17- und IL-23-Inhibitoren die Krankheitskontrolle bei stabiler Plaque-Psoriasis wirksam aufrechterhalten können."
	</li>
	<li>
		Auch ältere Studien, <a href="https://academic.oup.com/bjd/article/177/6/1552/6697349?login=false" rel="external nofollow">wie die PSTELLAR-Studie</a>, zeigten, dass ein Teil der Patienten den Zustand auch mit weniger Injektionen halten konnte, ohne dass neue Sicherheitsbedenken auftraten.
	</li>
</ul>

<p>
	Die Wissenschaft geht also dahin: Der Ansatz ist vielversprechend und für die richtigen Patienten eine hervorragende Option.
</p>

<h2>
	Fazit: Ein Gespräch mit dem Arzt lohnt sich
</h2>

<p>
	Die Verlängerung der Spritzen-Intervalle ist <strong>kein Allheilmittel</strong>, aber eine ernstzunehmende und wissenschaftlich <strong>gut untersuchte Möglichkeit für viele Betroffene mit stabiler Psoriasis</strong>. Sie kann die Lebensqualität steigern und die Therapiebelastung senken.
</p>

<p>
	Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der <strong>Zusammenarbeit mit Deinem Hautarzt</strong>. Wenn Du Dich in der Beschreibung wiederfindest und Deine Haut schon lange stabil ist, dann sei mutig: Sprich Deinen Arzt oder Deine Ärztin beim nächsten Termin aktiv auf das Thema Dosisoptimierung an. Bereite Dich auf das Gespräch vor und trefft gemeinsam eine informierte Entscheidung, die für Dich und Deine Haut die beste ist.
</p>

<h2>
	Fachbegriffe kurz erklärt
</h2>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> Antikörper</strong> (gegen ein Medikament): Das Immunsystem kann ein Medikament als fremd ansehen und spezielle Proteine (Antikörper) dagegen produzieren. Diese können das Medikament abfangen und unwirksam machen.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> Biologikum</strong>: Ein biotechnologisch hergestelltes Medikament, das gezielt in die entzündlichen Prozesse der Psoriasis eingreift, indem es bestimmte Botenstoffe des Immunsystems blockiert.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> DLQI</strong> (Dermatology Life Quality Index): Ein standardisierter Fragebogen mit 10 Fragen, der misst, wie stark eine Hauterkrankung die Lebensqualität eines Patienten im Alltag beeinträchtigt.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> IL-17- / IL-23-Inhibitoren</strong>: Moderne Klassen von Biologika, die gezielt die Botenstoffe Interleukin 17 oder Interleukin 23 blockieren. Diese Botenstoffe spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Psoriasis.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> Intervallverlängerung / Dosisoptimierung</strong>: Die bewusste und ärztlich begleitete Vergrößerung des Zeitraums zwischen den einzelnen Dosen (z.B. Injektionen) eines Medikaments.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr></strong> (Psoriasis Area and Severity Index): Ein Punktesystem, mit dem Ärzte den Schweregrad der Psoriasis objektiv bewerten. Er berücksichtigt die Fläche der betroffenen Haut sowie den Grad der Rötung, Dicke und Schuppung. Ein <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> von 0 bedeutet komplette Erscheinungsfreiheit.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> PGA</strong> (Physician's Global Assessment): Die globale Einschätzung des Arztes zum Hautzustand, oft auf einer einfachen Skala von 0 (erscheinungsfrei) bis 5 (sehr schwer).
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> Rezidiv</strong>: Das Wiederauftreten oder die Verschlechterung einer Krankheit nach einer Phase der Besserung; ein Rückfall oder Schub.
</p>

<p>
	<strong><span class="ipsEmoji">💡</span> S3-Leitlinie</strong>: Die höchste Qualitätsstufe einer medizinischen Leitlinie in Deutschland. Sie wird von vielen Fachexperten auf Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Beweise (Studien) erstellt und gibt Ärzten Behandlungsempfehlungen.
</p>

<div>
	<h2>
		Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
	</h2>

	<p>
		<span style="color:#990000;">➔ </span><strong>Übersicht</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/fakten/behandlung/behandlung-innerlich/" rel="">Tabletten und Spritzen zur Behandlung der Schuppenflechte und der Psoriasis arthritis</a>
	</p>

	<p>
		<span style="color:#990000;">➔ </span><strong>Forum</strong>: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums/forum/25-medikamente/" rel="">Erfahrungen von Menschen mit Schuppenflechte mit Medikamenten</a>
	</p>

	<p>
		<span style="color:#990000;">➔ </span><strong>Blogartikel</strong>: Der Nutzer "GrBaer185" widmet sich in seinem Blog immer wieder mal diesem Thema – <a href="https://www.psoriasis-netz.de/blogs/entry/4206-spritzenintervall-verlaengern/" rel="">zum Beispiel hier</a>.
	</p>
</div>
]]></description><guid isPermaLink="false">1366</guid><pubDate>Wed, 06 Aug 2025 16:13:00 +0000</pubDate></item><item><title>So bewerten Experten die aktuellen Medikamente gegen Psoriasis</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/so-bewerten-experten-die-aktuellen-medikamente-gegen-psoriasis-r1256/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2023_08/medikamente-tabletten-spritzen.jpg.3bae3b963a747a3906f03a9e2e7a0396.jpg" /></p>
<p>
	<strong>Mediziner vom Netzwerk <span>Cochrane</span> haben Studien unter anderem danach untersucht, <span>welche Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen am wirksamsten zur Behandlung der Plaque-Psoriasis</span> sind. </strong>
</p>

<p>
	Ausgewertet wurden dabei nur Studien, die allein die Verbesserung der Hautsymptome im Blick hatten und maximal 24 Wochen dauerten. Wir haben uns angesehen, was die <a href="https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011535.pub6/full/de" rel="external nofollow">Cochrane-Analyse</a> von Studien bis Oktober 2022 ergab.
</p>

<ul>
	<li>
		Am wirksamsten wird eine Schuppenflechte (Plaque-Psoriasis) demnach durch diese Biologika abgeheilt:
	</li>
</ul>

<ol style="margin-left:40px;">
	<li>
		Infliximab (Remicade, Flixabi, Inflectra, Remsima)
	</li>
	<li>
		Bimekizumab (Bimzelx) und Ixekizumab (Taltz)
	</li>
	<li>
		Risankizumab (Skyrizi).
	</li>
</ol>

<p style="margin-left:40px;">
	Analysiert wurde, bei wie viel Prozent der Betroffenen sich die Psoriasis nach sechs Monaten um 90 Prozent oder mehr verbessert hatte – verglichen mit einer Behandlung mit einem Placebo.
</p>

<p style="margin-left:40px;">
	Die Rangfolge gilt auch für eine Besserung der Psoriasis um 75 Prozent (<abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 75).
</p>

<ul>
	<li>
		Schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen wurden am meisten festgestellt
	</li>
</ul>

<ol style="margin-left:40px;">
	<li>
		bei Methotrexat, das eine sehr geringe Sicherheit aufweist,
	</li>
	<li>
		bei Apremilast (Otezla), das eine geringe Sicherheit aufweist,
	</li>
	<li>
		bei Bimekizumab (Bimzelx), Risankizumab (Skyrizi) und Certolizumab (Cimzia), die eine mittlere Sicherheit aufweisen.
	</li>
</ol>

<p style="margin-left:40px;">
	Auch bei den „Spitzenreitern“ Infliximab und Ixekizumab treten schwere unerwünschte Ereignisse auf.
</p>

<ul>
	<li>
		Wägt man Nutzen und Risiko miteinander ab, stellen Risankizumab (Skyrizi) und Bimekizumab (Bimzelx) den besseren Kompromiss dar.
	</li>
</ul>

<h2>
	Ist das die erste Cochrane-Auswertung?
</h2>

<p>
	Nein. Schon im <a href="https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011535.pub2/full" rel="external nofollow">Dezember 2017</a>, im <a href="https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011535.pub3/full" rel="external nofollow">Januar 2020</a> und im <a href="https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011535.pub5/full" rel="external nofollow">Mai 2022</a> wurden Psoriasis-Studien danach ausgewertet, wie gut einzelne Medikamente <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 75, später <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 90 erreichen, ob schwerwiegende Nebenwirkungen zu erwarten sind und wie sie die Lebensqualität verbessern. Das Psoriasis-Netz hat darüber 2019 im Abschnitt "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/psoriasis-ddg-tagung-2019/#toc1" rel="">Wie gut wirken einzelne Medikamente?</a>" und 2022 unter "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/fobi-2022-neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-r1184/#toc6" rel="">Aufgeschnappt</a>" berichtet.
</p>

<h2>
	Hat sich die Rangfolge der wirksamen Medikamente verändert?
</h2>

<p>
	Ja, vor allem gegenüber 2019. Da standen noch Risankizumab (Skyrizi) und Brodalumab (Kyntheum) an der Spitze. Durch weitere Studien ist dann im Vorjahr Infliximab (Remicade, Flixabi, Inflectra, Remsima) als „Überraschungssieger“ auf den ersten Platz gekommen. Erstaunlich, dass ausgerechnet ein TNF-𝛼-Inhibitor der ersten Biologika-Generation so wirksam sein kann. Bimekizumab (Bimzelx) und Ixekizumab (Taltz) lagen schon immer weit vorn; Risankizumab (Skyrizi) liegt nun mit deutlichem Abstand auf dem dritten Platz.
</p>

<p>
	Mit abnehmender Wirkung folgen
</p>

<ul>
	<li>
		Secukinumab (Consentyx),
	</li>
	<li>
		Brodalumab (Kyntheum),
	</li>
	<li>
		Guselkumab (Tremfya),
	</li>
	<li>
		Ustekinumab (Stelara)
	</li>
	<li>
		Certolizumab (Cimzia)
	</li>
	<li>
		Adalimumab (Humira, Amgevita, Hukyndra, Hulio, Hyrimoz, Idacio, Imraldi, Yuflyma)
	</li>
	<li>
		Tildrakizumab (Ilumetri),
	</li>
	<li>
		Etanercept (Enbrel, Benepali, Erelzi, Nepexto) und
	</li>
	<li>
		Apremilast (Otezla)
	</li>
</ul>

<p>
	Die Autoren meinen, die Angaben, wie viel Patienten <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 90 erreichen, müssten beim neuen Deucravacitinib (Sotytu) vorsichtig behandelt werden. Das träfe auch zu für die älteren Acitretin, Ciclosporin, Fumarsäureestern und Methotrexat. Denn es gäbe dafür zu wenig placebokontrollierte Studien, die das sicher belegen könnten.
</p>

<h2>
	Was sagen die Studien zu schweren Nebenwirkungen?
</h2>

<p>
	Die Cochrane-Autoren sind sich „weniger sicher“, was ihre Aussagen zu schwerwiegenden Ereignissen betrifft. Sie raten deshalb, die „mit Vorsicht“ zu behandeln. Das läge einerseits an der geringen Zahl der gemeldeten Fälle. Andererseits würde dieser Punkt in den Studien nicht zusammenhängend berichtet. Vor allem für ältere Wirkstoffe lägen zu wenig Studien vor. In denen gäbe es außerdem „Verzerrungen und Ungenauigkeiten“. Die Autoren fordern langfristige Studien zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
</p>

<h2>
	Ist die Cochrane-Untersuchung vollständig?
</h2>

<p>
	Nein, weil nicht alle Studien zur Plaque-Psoriasis einbezogen wurden.
</p>

<p>
	Es fehlen die Ergebnisse von Langzeitstudien: Die Wirkung eines Medikaments kann sich über längere Zeit verändern. Deshalb gibt es für viele Psoriasis-Medikamente inzwischen Langzeitbeobachtungen, die über drei bis fünf Jahre laufen<sup>1</sup>. Die Autoren haben aber nur Studien berücksichtigt, die zwischen 8 und 24 Wochen dauerten und nur welche, die placebokontrolliert sind. Denn Cochrane orientiert sich ausschließlich an der  <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evidenzbasierte_Medizin" rel="external">evidenzbasierten Medizin</a>. Bei längeren Beobachtungsstudien dagegen werden keine Placebos mehr als Kontrolle eingesetzt. Deshalb wurden solche Studien nicht mit einbezogen.
</p>

<p>
	Es fehlen die Ergebnisse von Alltags-Patienten: Bei allen klinischen Studien werden Studienteilnehmer vorsortiert. Sie sollen außer der Psoriasis keine weiteren Merkmale aufweisen, die die Wirkung des Präparats beeinflussen könnten, z.B. zusätzliche Erkrankungen, Übergewicht o.ä. Solche Studiengruppen sind also nicht repräsentativ zusammengesetzt. Wie gut ein Medikament für alle wirkt, erweist sich letztendlich erst dann, wenn Angaben aus dem Praxisalltag gesammelt werden („<a href="https://climedo.de/blog/real-world-evidence-rwe-in-klinischen-studien/" rel="external nofollow">Real-World-Data</a>“). Mal bestätigen sie sich, mal werden die <a href="https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/real-life-daten-zu-infliximab-unterscheiden-sich-drastisch-von-denen-klinischer-studien" rel="external nofollow">Erwartungen nicht erfüllt</a>. Solche Studien sind für die Cochrane-Beurteilung nicht berücksichtigt worden<sup>2</sup>.
</p>

<div>
	<div style="padding:10px;background-color:#E9F3F6;border-left:3px solid #990000;">
		<p>
			<i style="color:#990000;"></i> <b><span style="border-bottom:3px solid #990000;">Erfahrungen</span></b> von Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/forums" rel=""><u><b>Schau Dich in unserem Forum um</b></u></a>.
		</p>
	</div>
</div>

<h2>
	Kann man den Aussagen in Studien trauen?
</h2>

<p>
	Ja, aber nicht immer, denn es gibt unterschiedliche Interessen und Einflüsse, je nachdem, wer eine Studie bezahlt hat.
</p>

<p>
	Die meisten klinischen Studien zur Psoriasis sind pharmafinanziert. In der <a href="https://www.cochrane.org/de/CD011535/SKIN_welche-medikamente-zum-einnehmen-oder-spritzen-sind-am-wirksamsten-zur-behandlung-der" rel="external nofollow">Cochrane-Analyse</a> waren es mindestens 78 Prozent (138 von 179). Wegen fehlender Angaben (24) könnten es bis zu 90 % gewesen sein. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass gegenüber unabhängigen die „<a href="https://bukopharma.de/images/pharmabrief/2017/Phbf2017_04.pdf" rel="external nofollow">industriegesponserte Studien häufiger positiv ausgehen</a>“ und Pharmafirmen Studienergebnisse „<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/pharmaindustrie-umsatz-geht-vor-sicherheit-1.935164" rel="external nofollow">immer wieder manipulieren</a>“<sup>3</sup>.
</p>

<p>
	Die Cochrane-Autoren vertrauen ausdrücklich den Angaben „der meisten“ Studien zu Biologika und Apremilast (Otezla) darüber, wie viel Probanden <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 90 erreicht haben. Dagegen misstrauen sie den gleichen Erfolgsaussagen in den Studien zu Ciclosporin, Fumarsäureester (Fumaderm®, Skilarence®) und Methotrexat. In allen hätte es „Verzerrungen und Ungenauigkeiten“ gegeben.
</p>

<h2>
	Sollte man versuchen, sich mit einem der „Spitzenreitern“ behandeln zu lassen?
</h2>

<p>
	Ja, wenn das einzige Therapieziel ist, irgendwann fast erscheinungsfrei zu werden und man zu denjenigen gehört, die mit einem Biologikum behandelt werden sollten<sup>4</sup>.
</p>

<p>
	Nein, wenn es bei der Wahl des „richtigen“ Medikaments nicht nur darauf ankommt, wie es auf die Haut wirkt, sondern weil
</p>

<ul>
	<li>
		andere Bereiche oder Symptome mitbehandelt werden müssen – wie Nägel, Kopf oder Juckreiz
	</li>
	<li>
		weitere Erkrankungen oder Risiken vorliegen oder vorgelegen haben – wie Psoriasis arthritis, chronische Darmentzündung, Herz-Kreislaufprobleme, Depression oder TBC.
	</li>
	<li>
		Laboruntersuchungen nicht erforderlich sind.
	</li>
	<li>
		man übergewichtig ist.
	</li>
	<li>
		man sich ein Kind wünscht.
	</li>
	<li>
		man es eilig hat, z.B wegen Hochzeit oder Bewerbung.
	</li>
	<li>
		man noch jung ist und ein Psoriasis-Gedächtnis verhindern will.
	</li>
	<li>
		man andere Pso-Medikamente nicht vertragen hat oder sie nicht gewirkt haben.
	</li>
	<li>
		man das Präparat nicht so oft einnehmen bzw. spritzen will.
	</li>
	<li>
		man Tabletten einer Spritze oder einem Pen vorzieht.
	</li>
</ul>

<p>
	Näheres ist in unseren Artikeln nachzulesen<sup>5</sup>. Für Ärzte gibt es Entscheidungstabellen<sup>6</sup>, in denen man sich auch als Betroffene informieren kann.
</p>

<h2>
	Sind die Risiken für schwere Nebenwirkungen zu wenig bekannt?
</h2>

<p>
	Nein, denn heutzutage nehmen weltweit Tausende an klinischen Studien teil. Allein wegen dieser Menge zeigen sich typische Nebenwirkungen eines Medikament oder einer Wirkstoffklasse meist schon am Anfang. Erst später auftretende schwere Effekte würden in den Studien auffallen, die über mehrere Jahre laufen. Da hat es bisher bei Psoriasis-Medikamenten selten negativen Überraschungen gegeben.
</p>

<p>
	Aussagekräftig sind die Rückmeldungen aus der Praxis. Weltweit sind Psoriasis-Register eingerichtet<sup>7</sup>, in denen Vorfälle registriert werden sollen. In Deutschland ist das <a href="https://www.psobest.de" rel="external nofollow">PsoBest</a>, das regelmäßig Meldungen für alle Psoriasis-Medikamente sammelt. Die Teilnahme ist freiwillig; aktuell beteiligen sich daran 21.000 Patienten (Stand Mai 2023). Aus diesen Registern sind bisher keine unerwartet hohe Zahlen an schwerwiegenden Ereignissen bekannt geworden. In Deutschland treten solche Effekte äußerst selten auf: Ein Fall von 200 Psoriasis-Patientenjahren<sup>8</sup>.
</p>

<p>
	Weltweit werden Hunderttausende mit diesen Medikamenten behandelt – nicht nur wegen Psoriasis. Wenn sich bei einem Medikament bisher unbekannte Ereignisse häufen, muss mit einem Rote-Hand-Brief darüber informiert werden. Das geschah zum Beispiel bei den <span><a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/warnhinweise-auf-alle-jak-hemmer-erweitert-r1192/" rel="">JAK-Inhibitoren (2022)</a></span>, bei <a href="https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/veroeffentlichungen-arzneimittel/rhb/22-03-07-rhb-infliximab.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3" rel="external nofollow"><span>Infliximab (2022)</span></a>, bei <a href="https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2016/rhb-otezla.html" rel="external"><span>Otezla (2016)</span></a>, bei <a href="https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/veroeffentlichungen-arzneimittel/rhb/14-11-22-rhb-stelara-ustekinumab.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2" rel="external nofollow"><span>Stelara (2014)</span></a> und bei <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/dimethylfumarat/fumaderm-rote-hand-brief/" rel=""><span>Fumaderm (2013</span></a>). Nur in einem Fall führte das dazu, dass das Psoriasis-Medikament vom Markt genommen wurde: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/raptiva-efalizumab/" rel="">Raptiva</a>.
</p>

<p>
	Die Nebenwirkungen der älteren Medikamente sind umfassend bekannt, weil sie seit Jahrzehnten angewendet werden. Methotrexat seit 1953 und Fumarsäureester spätestens seit 1994. Ärzte wissen, worauf sie zu achten haben und welchen Patienten sie das Präparat nicht verschreiben dürfen. Beide können in seltenen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen haben, gelten aber als sicher, solange alle Regeln eingehalten werden.
</p>

<p>
	Die Sicherheit des neuen Präparats Deucravacitnib (Sotyktu®) ist zwar nur durch zwei Studien belegt, an denen haben aber <span> </span><a href="https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/deucravacitinib-sotyktu-plaque-psoriasis-zulassung" rel="external">1.686 Patienten teilgenommen</a>. Niemand hat die Studie wegen schwerer Nebenwirkungen abgebrochen.
</p>

<h2>
	Was lernen wir daraus?
</h2>

<p>
	Das Ziel der Cochrane-Autoren ist es, Daten für Ärzte bereitzustellen. Sie sollen damit entscheiden können, welche Behandlung für einen Patienten am besten geeignet ist. Das interessiert natürlich auch uns Betroffene! Aber ob diese "Meta-Analyse" tatsächlich dafür genutzt wird, ist aber schwer vorstellbar.<span> </span>
</p>

<p>
	Die Schuppenflechte ist nicht auf Haut-Plaques beschränkt. In der Praxis erwarten Betroffene vor allem, dass ihre gesamte <em>Psoriasis-Erkrankung</em> verbessert wird, d.h. <u><span>alle</span></u> Symptome und Begleiterscheinungen. Dazu müssten die entsprechenden Studien mit einbezogen werden.
</p>

<p>
	Außerdem: Die Autoren beschränken sich auf placebokontrollierte Studien. Wie wirksam ein Medikament tatsächlich ist, erweist sich aber erst in Langzeitstudien und im Praxisalltag. Selbst ältere Wirkstoffe haben sich als erfolgreich erwiesen, obwohl keine placebokontrollierten Studien vorlagen. Wer entscheiden muss, welche Therapie in welchen Fällen geeignet sein könnte, greift vermutlich eher zu <a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-07-verlaengert_01.pdf" rel="external nofollow"><span>Leitlinien</span></a> oder <a href="https://www.praxis-kiedrowski.de/files/___2019_onkoderm_behandlungspfad_psoriasis.pdf" rel="external nofollow"><span>Behandlungsempfehlungen</span></a>.
</p>

<p>
	Das „richtige“ Medikament kann meiner Meinung nach nicht nach diesem Cochrane-Ranking ausgewählt werden. Es gibt inzwischen fast 20 verschiedene Wirkstoffe gegen Schuppenflechte, die alle ihre Stärken und Schwächen haben. Arzt und Patient werden sich deshalb Zeit nehmen und ausprobieren müssen, welches Präparat im Einzelfall das wirksamste ist.
</p>

<div>
	<hr style="width:150px;margin:2em auto 1.9em;border:none;border-bottom:1px solid #000;">
</div>

<p>
	Fußnoten:
</p>

<p>
	[1]  Die gibt es zum Beispiel für die Favoriten <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7085387/" rel="external"><span>Infliximab</span></a>, <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s13555-020-00367-x" rel="external nofollow"><span>Ixekizumab</span></a>, <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36967713/" rel="external"><span>Bimekizumab</span></a> und <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34157132/" rel="external">Risankizumab</a>
</p>

<p>
	<span>[2]  </span>Die gibt es zum Beispiel für die Favoriten <a href="https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/real-life-daten-zu-infliximab-unterscheiden-sich-drastisch-von-denen-klinischer-studien" rel="external nofollow"><span>Infliximab</span></a>, <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36927246/" rel="external"><span>Ixekizumab</span></a>, <a href="https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2023.1243843/full" rel="external nofollow"><span>Bimekizumab</span></a> und <span><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9443623/" rel="external">Risankizumab</a></span>
</p>

<p>
	<span>[3]   </span>„Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen“. Deutsches Ärzteblatt 2010: <a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/74299/Finanzierung-von-Arzneimittelstudien-durch-pharmazeutische-Unternehmen-und-die-Folgen-Teil-1" rel="external"><span>Teil 1</span></a>, <a href="https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=1041&amp;typ=16&amp;aid=81711&amp;s=Arzneimittelstudien&amp;s=Finanzierung&amp;s=Folgen&amp;s=Teil&amp;s=Unternehmen&amp;s=die&amp;s=durch&amp;s=pharmazeutische&amp;s=und&amp;s=von" rel="external"><span>Teil 2</span></a> und <a href="https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=1041&amp;typ=16&amp;aid=78421&amp;s=Arzneimittelstudien&amp;s=Finanzierung&amp;s=Folgen&amp;s=Teil&amp;s=Unternehmen&amp;s=die&amp;s=durch&amp;s=pharmazeutische&amp;s=und&amp;s=von" rel="external"><span>Erwiderung</span></a>.<span> </span>
</p>

<p>
	<span>[4]  </span><a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/fobi-2022-neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-r1184/#toc5" rel=""><span>Therapieempfehlungen</span></a>
</p>

<p>
	<span>[5]  <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/mirikizumab/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2018/#toc6" rel="">Welches Pso-Medikament ist das richtige?</a></span>, Psoriasis-Netz 2018
</p>

<p>
	<span>    <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/psoriasis-ddg-tagung-2019/#toc8" rel="">Wie gut wirken einzelne Medikamente?</a></span>, Psoriasis-Netz 2019
</p>

<p>
	<span>    <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2021-r1131/#toc0" rel="">Welches Medikament passt zum Patienten?</a></span>, Psoriasis-Netz 2021
</p>

<p>
	<span>    <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/fobi-2022-neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-r1184/#toc5" rel="">Therapieempfehlungen</a></span>, Psoriasis-Netz 2022
</p>

<p>
	<span>    <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/fobi-2022-neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-r1184/#toc6" rel="">“Hit hard and early” – neues therapeutisches Prinzip?</a></span> Psoriasis-Netz 2022
</p>

<p>
	<span>    <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-2023-r1222/#toc5" rel="">Schlimmeres verhüten – Psoriasis frühzeitig intensiv behandeln</a></span>, Psoriasis-Netz 2023
</p>

<p>
	[6]  <span><a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-07-verlaengert_01.pdf" rel="external nofollow">Leitlinien 2021. S. 5 und 6</a></span> und <a href="https://www.praxis-kiedrowski.de/files/___2019_onkoderm_behandlungspfad_psoriasis.pdf" rel="external nofollow"><span>Behandlungspfad 2019, S. 13</span></a>)
</p>

<p>
	[7]  <span><a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2017/#toc10" rel="">Psoriasis-Register-Sicherheit im Blick</a></span>
</p>

<p>
	<span>[8]  <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2016/#toc3" rel="">Nebenwirkungen bei Biologika</a></span>
</p>

<p>
	 
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">1256</guid><pubDate>Sun, 27 Aug 2023 07:33:00 +0000</pubDate></item><item><title>Therapie-Pause wegen einer Operation &#x2013; wie lange?</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/therapie-pause-wegen-einer-operation-%E2%80%93-wie-lange-r1168/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2021_12/operation-psoriasis-arthritis-medikamente-planung.jpg.7036b719f2c54501bb3d21da1a382f8b.jpg" /></p>

<p>
	<strong>Wer operiert werden muss, aber wegen seiner Psoriasis arthritis ein Medikament einnimmt, kommt oft um eine Therapie-Pause oder -Anpassung nicht herum. Jetzt haben Rheumatologen neue Empfehlungen gegeben, wie lange die Unterbrechung dauern sollte oder wie die Dosis angepasst werden sollte.</strong>
</p>

<p>
	Nach einer Operation kann das Infektionsrisiko erhöht sein. Deshalb muss bei so mancher Basistherapie eine Pause eingelegt werden. Neue Studien haben gezeigt, dass diese Pausen kürzer ausfallen können als bislang praktiziert.
</p>

<p>
	Die neuen Empfehlungen der Rheumatologen richten sich an ihre Fachkollegen und an andere Ärzte, die Patienten mit rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen behandeln. In ein Gespräch mit dem Arzt geht es sich auch als Patient aber immer leichter, wenn man vorher informiert ist, worum es geht.
</p>

<p>
	Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie haben für ihre neuen Empfehlungen die aktuelle Literatur gewälzt und zusammengetragen, was sie zu den typischen Medikamenten fanden: zu (innerlichem) Kortison, zu den sogenannten konventionellen DMARDs, zu Biologika und zu den noch neueren zielgerichteten DMARDs (JAK-Inhibitoren)
</p>

<p>
	Wichtig ist: Alle Angaben sind nur ganz ungefähr, denn jeder Patient, jeder Körper ist anders. Medikamente werden unterschiedlich schnell ab- und aufgebaut. Deshalb taugen die Angaben nicht als "Gesetz", sondern "nur" als Grundlage für das Gespräch zwischen Patient und Arzt.
</p>

<ul>
	<li>
		Die <strong>Kortison-Dosis</strong> sollte zwei bis drei Monate vor der Operation so niedrig wie möglich reduziert werden – in jedem Fall unter 10 mg pro Tag. Ein bis zwei Wochen vor dem und am Operationstag sollte nicht weiter reduziert, sondern die Dosis stabil gehalten werden.
	</li>
	<li>
		Bei <strong>konventionellen DMARDs</strong> ist in vielen Fällen gar keine Pause nötig. Dazu zählen die Wirkstoffe Leflunomid, Methotrexat<br>
		und Sulfasalazin. Aber: <em>Hohe</em> <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/mtx/mtx-methotrexat-spritze-pen/" rel="">Methotrexat</a>-Dosierungen sollten  auf unter oder genau 15 mg pro Woche reduziert werden. Bei einem hohen Infektionsrisiko sollte Leflunomid ausgewaschen werden.
	</li>
	<li>
		<strong><a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/ciclosporin-a/" rel="">Ciclosporin</a></strong> sollte ein bis zwei Tage vor der Operation pausiert werden.
	</li>
	<li>
		Bei <strong>Biologika</strong> können Operationen zum Ende des Therapieintervalls geplant werden. Wenn also zum Beispiel Stelara alle drei Monate gespritzt wird, kann eine Operation ans Ende dieser drei Monate gelegt werden, wenn es möglich ist.
	</li>
	<li>
		<strong>JAK-Inhibitoren</strong> wie <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tofacitinib/xeljanz-wirkung-anwendung-nebenwirkungen/" rel="">Xeljanz</a> sollten bei größeren Operationen für drei bis vier Tage pausiert werden.
	</li>
	<li>
		Bei <strong>Apremilast</strong> (<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/apremilast-otezla/otezla-was-ist-das-und-wie-wird-es-angewendet/" rel="">Otezla</a>) ist keine Pause nötig.
	</li>
</ul>

<p>
	Für alle diese Medikamente gilt: Die Therapie sollte, je nach Fortschritt der Wundheilung, so bald als möglich wieder begonnen werden.
</p>

<p>
	Wer seinem Arzt die Empfehlungen mitnehmen möchte, kann <a href="https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00393-021-01140-x" rel="external nofollow">auf diesen Artikel in der "Zeitschrift für Rheumatologie"</a> verweisen.
</p>

<p style="text-align:right;">
	<em>cl</em>
</p>

]]></description><guid isPermaLink="false">1168</guid><pubDate>Tue, 28 Dec 2021 18:53:00 +0000</pubDate></item><item><title>Paradoxe Nebenwirkungen von Psoriasis-Medikamenten</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/paradoxe-nebenwirkungen-von-psoriasis-medikamenten-r1135/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2021_04/ddg2021-texture.jpg.eb73981b28039b74e801fac911d2be14.jpg" /></p>

<h2>
	Neues und Bewährtes zur Psoriasis im Jahr 2021
</h2>

<p>
	<em>Deutschlands Hautärzte trafen sich virtuell zu ihrer zweijährlichen Tagung. Wir haben uns dort umgehört, was es Neues und Interessantes für Menschen mit Schuppenflechte gibt. Unter anderem ging es um Medikamente, die eine sogenannte paradoxe Psoriasis auslösen.</em>
</p>

<p style="text-align: center;">
	*****
</p>

<p>
	Professor Ulrich Mrowietz sprach über paradoxe Arzneimittelwirkungen: Ein Medikament löst eine Krankheit neu aus oder verschlechtert sie, obwohl es eigentlich genau gegen diese Erkrankung helfen sollte. So wurden Patienten wegen einer entzündlichen Darmerkrankung oder wegen einer Gelenkerkrankung mit einem TNF-𝛼-Blocker behandelt. Nach einigen Tagen bis zu mehreren Monaten erkrankten sie an der Haut. Das war meist ein Hautzustand, der der Schuppenflechte ähnelt. In diesem Fall spricht man von einer paradoxen Psoriasis, weil das Biologikum an sich genau gegenteilig wirkt. <a href="https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-04.pdf" rel="external">Das kommt bei 1,5% bis 5 % der Anti-TNF- 𝛼 Patienten vor</a>. Sehr selten wurde das Phänomen bei IL-17 (R)-Hemmern beobachtet. Für IL-23-Blocker liegen noch keine Erfahrungen damit vor.
</p>

<p>
	<em>Solltest Du als Biologika-Patient so etwas bei Dir bemerken, weise Deine Hautärztin oder Deinen Hautarzt auf die paradoxe Psoriasis hin.</em>
</p>

<p>
	Die paradoxe Psoriasis äußert sich mit Plaques auf der Haut oder als Haarausfall am Kopf („psoriasisforme Alozepie“). Deutlich seltener zeigt sie sich als pustulöse Form an Händen und Füßen oder in großflächigena Pünktchen (Guttata).
</p>

<p>
	Professor Mrowietz wies darauf hin, dass Patienten besonders gefährdet seien, wenn sie familiär mit einer Schuppenflechte vorbelastet sind. Dann ist das Risiko 16-mal höher. Aber auch akuter psychologischer Stress oder Rauchen erhöhen die Gefahr einer „paradoxen Psoriasis“.
</p>

<p>
	Die paradoxe Psoriasis sieht zwar aus wie eine Schuppenflechte, ist aber keine. Sie gilt lediglich als unerwünschte Arzneimittelwirkung. Sie verschwindet, wenn das auslösende Medikament abgesetzt wird, denn sie hat andere Ursachen. Eine paradoxe Psoriasis entwickelt sich, weil Botenstoffe aktiviert werden, die eigentlich auf Viren und Tumore reagieren (Interferon-𝛼). Die „echte“ Psoriasis dagegen ist eine Autoimmunerkrankung, also eine Fehlfunktion des Immunsystems: In immunologischen Gedächtniszellen ist gespeichert, T-Zellen zu aktivieren, die dann Entzündungen auslösen. Die Interferon-alpha-getriebene paradoxe Psoriasis funktioniert ohne ein "Krankheitsgedächtnis". Wird der Wirkstoff abgesetzt, können die Hautläsionen noch bis zu sechs Monate bestehen bleiben. Einmal abgeheilt, kommen sie aber nicht wieder.
</p>

<p>
	Die meisten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind bei Zulassung bekannt. Aber im Therapiealltag werden nicht nur ausgesuchte Probanden behandelt, sondern jeder, der betroffen ist. Da treten dann bisher noch nicht bekannte, manchmal sogar völlig unerwartete Nebenwirkungen auf. Dazu gehören bei den TNF-𝛼-Blockern sehr selten Vitiligo und bei den IL-17-Hemmern ein neurodermitis-ähnliches Erythem am Hals. Ebenfalls dazu zählen vermehrte Darmentzündungen unter <a href="https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2019/daz-34-2019/morbus-crohn-durch-rheuma-therapie" rel="external nofollow">Etanercept</a> und unter <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/darmerkrankungen-durch-biologika/" rel="">IL-17-Hemmern</a>. Die waren „unerwartet“, weil man nicht damit gerechnet hat, dass ein Wirkstoff gegen eine Autoimmunerkrankung eine andere chronisch-entzündliche Krankheit provozieren könnte.
</p>

<p>
	Bei einer nur leichten paradoxen Psoriasis muss das Biologikum nicht abgesetzt werden. Es reicht meist, die Symptome äußerlich zu behandeln. In moderaten oder schweren Fällen wird sie mit den traditionellen Psoriasis-Wirkstoffen behandelt: äußerlich wie innerlich, von Kortison über Bestrahlung bis zu Methotrexat. Bei der pustulösen Form, beim Haarausfall oder dem Erythem am Hals werden andere Mittel eingesetzt.
</p>

<p>
	Auch in unserem Forum wurde schon über die paradoxe Psoriasis diskutiert:
</p>
<iframe allowfullscreen="" data-embedauthorid="43412" data-embedcontent="" src="https://www.psoriasis-netz.de/applications/core/interface/index.html" data-embed-src="https://www.psoriasis-netz.de/forums/topic/29451-paradoxe-psoriasis/?do=embed"></iframe>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		Paradoxe Psoriasis als Nebenwirkung von Anti-TNF-Therapien, Bericht über die Pathogenese der paradoxen Psoriasis, A. Lienhard, Januar 2018 [<a href="https://www.rosenfluh.ch/media/congressselection/2018/01/Paradoxe-Psoriasis-als-Nebenwirkung-von-Anti-TNF-Therapien.pdf" rel="external nofollow">lesen</a>]
	</li>
	<li>
		Dermatologische Komplikationen unter Therapie mit Biologika bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen, W. Sondermann et.al., Oktober 2019 [<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ddg.13964_g" rel="external nofollow">lesen</a>]
	</li>
	<li>
		S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris, S. 74, 19.02.2021 [<a href="https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-04.pdf" rel="external">lesen</a>]
	</li>
</ul>

]]></description><guid isPermaLink="false">1135</guid><pubDate>Tue, 27 Apr 2021 17:47:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neues und Bew&#xE4;hrtes zur Psoriasis im Jahr 2021</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2021-r1131/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2021_04/ddg2021-texture.jpg.58b1ca4778084da9f79c6d7942b61988.jpg" /></p>

<h2>
	Welches Medikament passt zum Patienten?
</h2>

<p>
	<em>Deutschlands Hautärzte trafen sich virtuell zu ihrer zweijährlichen Tagung. Wir haben uns dort umgehört, was es Neues und Interessantes für Menschen mit Schuppenflechte gibt. In dieser Folge haben wir zusammengetragen, wonach entschieden wird, mit welchem Medikament behandelt werden sollte.</em>
</p>

<p style="text-align:center;">
	*****
</p>

<p>
	In vielen Vorträgen wurde erklärt, worin sich die <em>innerlich</em> wirkenden Psoriasis Medikamente unterscheiden und in welchem Fall welches eingesetzt werden sollte. Diese Fragen waren auch <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/psoriasis-ddg-tagung-2019/" rel="">schon vor zwei Jahren Thema</a>.
</p>

<p>
	Zum Zeitpunkt der diesjährigen Tagung (April 2021) gab es 18 verschiedene Wirkstoffe, die bei mittelschwerer oder schwerer Psoriasis eingesetzt werden können. Weitere sind angekündigt. Welches Medikament „passen“ könnte, hängt davon ab, was im Einzelfall <em>vorrangig</em> behandelt werden muss: die gesamte Haut oder verstärkt Gelenke, Sehnen, Nägel, Kopfhaut, Genitalien oder Sonderformen der Psoriasis (pustulosa, inversa o.ä.). Jedes Präparat hat seine Stärken und Schwächen. Einige sind problemlos bei Schwangerschaft und Stillzeit, bestimmten Vor- oder Begleiterkrankungen einsetzbar – andere kommen gerade deshalb nicht in Frage.
</p>

<p>
	Viele Betroffene sind vorher schon vergeblich mit anderen innerlichen Präparaten behandelt worden. In so einem Fall ist zu entscheiden, zu welchem Wirkstoff man sinnvollerweise wechselt. Das Präparat kann auch danach ausgesucht werden, ob es dem Patienten wichtig ist, dass es möglichst schnell wirkt oder Langzeitdaten zeigen, wie sicher es ist. Die einen wollen nicht spritzen, andere bevorzugen lange Behandlungsintervalle und seltene Arztbesuche. Selbst anhand der Nebenwirkungen kann man sich für unterschiedliche Wirkstoffe entscheiden. So sind z.B. einige beruflich nicht zumutbar.
</p>

<p>
	Für die Hautärzte gibt es Tabellen, die ihnen dabei helfen sollen zu entscheiden, welches Präparat im Einzelfall angebracht sein könnte. Zum Beispiel in der aktualisierten <a href="https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-03.pdf" rel="external">Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“</a> (S. 3ff.). Neu ist die Empfehlung, sofort mit „modernen“ Wirkstoffen zu behandeln, wenn nicht zu erwarten ist, dass „konventionelle“ helfen – also in sehr schweren Fällen. Eine zweite Übersicht zeigt, welche Wirkstoffgruppe bei welchen Begleiterkrankungen bzw. Schwangerschaft einsetzbar ist.
</p>

<p>
	Im <a href="https://www.onkoderm.de/wp-content/uploads/sites/109/2019/09/onkoderm_Behandlungspfad_Psoriasis_2019_E3.pdf" rel="external nofollow">Behandlungspfad Psoriasis 2019</a> (S.13) finden sich Übersichten, aus denen sehr viele Informationen über jeden Wirkstoff abzulesen sind. Unter anderem wie schnell bei wie viel Prozent der Patienten ein <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 75 oder <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> 90 erreicht wird und was eine Therapie kostet. Bekanntlich ist der Preis aber nicht die einzige Einschränkung, die Hautärzte berücksichtigen müssen, wenn sie ein erwünschtes Präparat verschreiben wollen (siehe auch: <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/themen/biologika-neue-regelungen-2020/" rel="">Neue Regeln für Biologika-Rezepte</a>).
</p>

<h2>
	Unser Tipp
</h2>

<p>
	Wenn Du mit der Hautärztin oder dem Hautarzt gemeinsam besprechen willst, welches Medikament für Dich in Frage kommen könnte, mache Dir vorher Notizen:
</p>

<ul>
	<li>
		Welche drei Dinge sollten durch die Therapie möglichst erreicht werden?
	</li>
	<li>
		Welche sind Deine drei größten Bedenken gegen ein innerliches Medikament?
	</li>
</ul>

<h2>
	Zum Weiterlesen
</h2>

<p>
	<a href="https://www.rosenfluh.ch/media/congressselection/2020/01/Unterschiedliche-Psoriasisformen-gezielt-behandeln.pdf" rel="external nofollow">Unterschiedliche Psoriasisformen gezielt behandeln</a>
</p>

<p>
	<a href="https://www.cochrane.org/de/CD011535/SKIN_systemische-medikamente-oral-oder-injiziert-bei-schuppenflechte" rel="external nofollow">Systemische Medikamente (oral oder injiziert) bei Schuppenflechte</a>, Cochrane, Jan. 2020
</p>

<p>
	<a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s15012-020-4013-5" rel="external nofollow">Cochrane-Analyse: Was hilft am besten bei Psoriasis?</a>, hautnah dermatologie, März 2020
</p>

<p>
	<a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/214298/Psoriasis-Ranking-der-Therapeutika" rel="external">Psoriasis: Ranking der Therapeutika</a>, Deutsches Ärzteblatt 24/20
</p>

]]></description><guid isPermaLink="false">1131</guid><pubDate>Thu, 22 Apr 2021 18:20:05 +0000</pubDate></item><item><title>Raptiva &#x2013; vom Aufstieg und Niedergang eines Medikamentes</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/raptiva-efalizumab/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_05/spritze-labor.jpg.ee15df51692b4184a52d7ede04b7633e.jpg" /></p>
<p>
	Raptiva wurde von Genentech zusammen mit Xoma entwickelt. Genentech ist eine Tochterfirma von der Roche. Die Firma Serono wiederum hat die Vertriebsrechte außerhalb der USA und Japans.
</p>

<p>
	In den USA erhielt das Medikament Raptiva die Zulassung für die Behandlung einer mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei erwachsenen Patienten im Oktober 2003. In der Schweiz war es am 16. März 2004 so weit. Die EU-Zulassung erfolgte im September 2004.
</p>

<p>
	Das Biotech-Medikament konnte bei erwachsenen Patienten mit einer mittelschweren bis schweren chronischen Plaque-Psoriasis eingesetzt werden, wenn andere innerliche Medikamente oder eine Bestrahlungstherapie nicht oder nicht genügend anschlugen oder aus irgendeinem anderen Grund nicht in Frage kamen.
</p>

<p>
	Raptiva war damals das zweite sogenannte "Biological" (biotechnisch hergestellte Medikament), das in den USA zugelassen wurde. Das erste war dort Amevive® mit dem Wirkstoff Alefacept.
</p>

<p>
	Im Juni 2004 empfahl dann der Expertenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA, das Medikament Raptiva zur Behandlung der Psoriasis zuzulassen. Der Antrag von Serono stammte aus dem Februar 2003.
</p>

<p>
	Die positive Beurteilung des CHMP bezog sich auf die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis, die nicht auf innerliche Therapien ansprechen oder bei denen diese aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sind – zum Beispiel, weil sie andere systemische Therapien wie Ciclosporin, Methotrexat und PUVA nicht vertragen.
</p>

<h2>
	Ergebnisse aus Studien
</h2>

<p>
	Die Ergebnisse von zwei klinischen Studien mit dem Biotech-Medikament waren schon vor der Zulassung bekannt geworden: Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis wurden damit behandelt. Untersucht wurden Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung.
</p>

<p>
	In Chicago traf sich Ende Juli 2003 die Amerikanische Akademie für Dermatologie. Dort wurden auch die Studienergebnisse verkündet.
</p>

<h3>
	Studie 1
</h3>

<p>
	Zwölf Wochen lang waren 368 Betroffene untersucht worden, nachdem sie zuvor Raptiva oder ein Placebo - ein Schein-Medikament ohne Wirkstoff - bekommen hatten.
</p>

<p>
	Teilweise waren die Patienten nach 12-wöchiger Behandlung mit Raptiva zusätzlich bis zu zwölf Wochen lang mit einem Milligram Raptiva pro Kilogramm Körpergewicht behandelt worden. Bei 44 Prozent davon hatte sich die Psoriasis nach 24 Wochen um mehr als 75 Prozent zurückgezogen. Nach der Hälfte der Zeit - also nach 12 Wochen - waren es "nur" 27 Prozent gewesen. Das heißt: Je länger Raptiva angewendet wird, um so besser wirkt es. Bei 15 Prozent der Patienten ging die Psoriasis sogar um 90 Prozent zurück.
</p>

<p>
	In der verlängerten Behandlungsphase traten keine Nebenwirkungen auf, die es nicht schon in den ersten zwölf Wochen gab. Da waren es meist nicht-spezifische Infektionen, Kopfschmerzen und Arthritis. Von Nebenwirkungen berichteten insgesamt fünf Prozent der Teilnehmer.
</p>

<p>
	Die folgende Tabelle zeigt den Zahlenwust einmal anders:
</p>

<table>
	<tbody>
		<tr>
			<td>
				Nach Woche
			</td>
			<td>
				Rückgang des <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr>* in %
			</td>
			<td>
				Zahl der Patienten
			</td>
			<td>
				Prozent
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				12
			</td>
			<td>
				50
			</td>
			<td>
				216
			</td>
			<td>
				59 von 369
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				12
			</td>
			<td>
				90
			</td>
			<td>
				55
			</td>
			<td>
				15 von 369
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				24
			</td>
			<td>
				&gt;50
			</td>
			<td>
				245
			</td>
			<td>
				67 von 368
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				24
			</td>
			<td>
				75
			</td>
			<td>
				44
			</td>
			<td>
				161 von 368
			</td>
		</tr>
	</tbody>
</table>

<p>
	*<abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> ist der Psoriasis Area an Severity Index - ein Wert, der die Schwere und Ausdehnung der Psoriasis auf dem Körper angibt. Dabei werden sowohl die flächenmäßige Ausdehnung als auch die Schuppung, die Rötung, die Dicke und Hartnäckigkeit der Stellen berücksichtigt. Mit diesem Wert sollen Therapien vergleichbar werden. Wissenschaftler können dann angeben, dass Therapie X den <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> um 15 Prozent und Therapie Y den <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> um 25 Prozent verbessert.
</p>

<h3>
	Studie 2
</h3>

<p>
	Andere Patienten wurden 12 Wochen lang jede Woche mit zwei Milligramm Raptiva pro Kilogramm Körpergewicht behandelt. Ab der 13. Woche erhielten sie die Hälfte davon pro Woche. Insgesamt hatten die Wissenschaftler diese Patienten 21 Monate lang "unter Kontrolle".
</p>

<p>
	Sie sollten zur Verträglichkeit des Mittels Auskunft geben. Dabei ging es um die Sicherheit in der Langzeit-Behandlung. Von diesen Patienten hatte sich die Psoriasis bei 67 Prozent der Patienten um mehr als 75 Prozent gebessert.
</p>

<p>
	Patienten, die aus diversen Gründen im Laufe der Studie aus den Untersuchungen ausschieden, wurden dann noch ein letztes Mal bewertet, in den Gesamtzahlen dann aber nicht mehr berücksichtigt. Schlussendlich blieben noch 194 Patienten "bei der Stange". Bei 67 Prozent von ihnen verbesserte sich der <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> um 75 Prozent und mehr.
</p>

<p>
	Die Nebenwirkungen waren in dieser Studie stärker - was auch nicht verwundert, denn die Dosis war in den ersten zwölf Wochen doppelt so hoch wie in der erst genannten Studie. In diesen zwölf Wochen klagten Patienten über
</p>

<ul>
	<li>
		Kopfschmerzen
	</li>
	<li>
		nicht-spezifische Infektionen (z.B. Erkältungen)
	</li>
	<li>
		Schüttelfrost
	</li>
	<li>
		Schmerzen
	</li>
	<li>
		Übelkeit
	</li>
	<li>
		Kraftlosigkeit und
	</li>
	<li>
		Fieber.
	</li>
</ul>

<p>
	Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit und Fieber sind im Prüfprotokoll vorgegebene Nebenwirkungen, die meist nach den ersten beiden Injektionen von Raptiva auftraten.
</p>

<p>
	In der 13. bis 24. Woche berichteten 57 Prozent der Patienten über Nebenwirkungen. Zum Ende der Untersuchungen hin sank die Nebenwirkungsrate auf 47,9 Prozent. Das Auftreten schwererNebenwirkungen war wie auch bei früheren Studien zu Raptiva selten.
</p>

<table>
	<tbody>
		<tr>
			<td>
				Nach Woche
			</td>
			<td>
				Rückgang des <abbr title="Psoriasis Area and Severity Index"><abbr title="Psoriasis Area and Severity Index">PASI</abbr></abbr> in %
			</td>
			<td>
				Zahl der Patienten
			</td>
			<td>
				Prozent
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				84
			</td>
			<td>
				&gt;75
			</td>
			<td>
				130 von 194
			</td>
			<td>
				67
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				84
			</td>
			<td>
				&gt;50
			</td>
			<td>
				167 von 194
			</td>
			<td>
				86
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				84
			</td>
			<td>
				&gt;90
			</td>
			<td>
				66 von 194
			</td>
			<td>
				34
			</td>
		</tr>
	</tbody>
</table>

<h3>
	Studie 3
</h3>

<p>
	Während der "Academy 2005", der Tagung der US-amerikanischen Hautärzte-Vereinigung in New Orleans, stellte die Firma Genentech erste Ergebnisse einer Drei-Jahres-Studie mit Raptiva vor.
</p>

<p>
	Die Studie ist die längste, die mit sogenannten Biologics an Psoriasis-Patienten gemacht wurde. Fazit: Die Besserung der Schuppenflechte hält auch nach drei Jahren Behandlung an. Neben den früher schon aufgetretenen Nebenwirkungen sind keine weiteren bekanntgeworden.
</p>

<p>
	"Schuppenflechte ist eine chronische Krankheit", berichtete Craig Leonardi, Klinikprofessor an der Uni-Medizinschule in St. Louis. "Als Hautarzt müssen wir die Wirksamkeit und die Sicherheit der verschiedenen Behandlungsoptionen über eine lange Zeit abwägen. "Es ist ermutigend, zu sehen, dass Raptiva über drei Jahre gleichbleibend sicher ist."
</p>

<p>
	36 Monate lang interessierten die Wissenschaftler die Langzeit-Sicherheit und die Wirksamkeit von Raptiva bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Schuppenflechte.
</p>

<ul>
	<li>
		Nach 33 Monaten waren noch 151 Patienten "übrig", die einmal pro Woche Raptiva bekamen. Das Ergebnis:
	</li>
	<li>
		75 Prozent von ihnen hatten eine Verbesserung ihrer Psoriasis um 75 Prozent oder mehr (in Zahlen: 131 von 151 Patienten)
	</li>
	<li>
		41 Prozent von ihnen hatten sogar eine Verbesserung ihrer Psoriasis um 90 Prozent und mehr (in Zahlen: 62 der 151 Patienten)
	</li>
	<li>
		Drei Monate später - am Ende der dreijährigen Studie - waren noch 131 Patienten am Versuch beteiligt.
	</li>
	<li>
		73 Prozent erreichten eine Besserung ihrer Psoriasis um mehr als 75 Prozent.
	</li>
	<li>
		40 Prozent erreichten eine Besserung ihrer Psoriasis um mehr als 90 Prozent.
	</li>
</ul>

<p>
	Einige wenige Patienten hatten gleichzeitig eine systemische Therapie (innerliche Medikamente) unternommen. In der Ansprechrate gab es keinen deutlichen Unterschied zu anderen Patienten, die "nur" Raptiva bekommen hatten.
</p>

<h2>
	Beginn und Nebenwirkungen
</h2>

<p>
	Anfangs bekamen 339 Patienten zwölf Wochen lang einmal wöchentlich Raptiva. Diejenigen, die eine Besserung ihrer Psoriasis um mindestens 50 Prozent aufwiesen, konnten in die Langzeitstudie aufgenommen werden. Sie erhielten nach den zwölf Wochen einmal in der Woche eine sogenannte Erhaltungsdosis von einem Milligramm Raptiva pro Kilogramm Körpergewicht. Insgesamt begannen 290 Patienten diese Phase der Studie.
</p>

<p>
	Die Nebenwirkungen unterschieden sich in der Langzeitstudie nicht von denen in den ersten kürzeren Studien: Kopfschmerzen, Infektionen, Schüttelfrost, Schmerzen, Übelkeit, Schwäche und Fieber klangen nach den ersten ein oder zwei Raptiva-Spritzen ab. In den letzten sechs Monaten der Langzeitstudie traten weniger auf. Sie glichen auch da denen in der ersten Phase der Langzeitstudie.
</p>

<p>
	Aber: Die sehr guten Ergebnisse sind natürlich darauf zurückzuführen, dass in der letzten Phase der Studie ohnehin nur Patienten waren, die sehr gut auf Raptiva angesprochen hatten. Sie hatten bei der Behandlung der Psoriasis nicht bei Null angefangen.
</p>

<h2>
	Beginn des Niedergangs
</h2>

<p>
	Die US-Firma Genentech und die US-amerikanische Behörde zur Zulassung von Medikamenten, die FDA, schrieben am 15. Juli 2005 <a href="http://www.fda.gov/downloads/Safety/MedWatch/SafetyInformation/SafetyAlertsforHumanMedicalProducts/UCM164868.pdf" rel="external nofollow">einen Brief an Ärzte</a>. Darin wurden achdrücklich vor einem Risiko gewarnt, das Raptiva mit sich bringt: Es kann zu einer hämolytischen Anämie kommen. Es handelte sich zu diesem Zeitpunkt um vier Fälle unter 10.000 Patienten.
</p>

<p>
	Raptiva barg demnach neben Infektionen auch das Risiko einer Reduzierung der Blutplättchen (Thrombozyten). Außerdem konnte eine hämolytische Anämie auftreten. Diese Art der Anämie tritt auf, wenn das Immunsystem rote Blutkörperchen mit körperfremden Substanzen verwechselt und sie zerstört. Diese hämolytische Anämie trat in vier Fällen auf – zwei während Studien, zwei andere nach der Marktzulassung. Die Nebenwirkungen waren vier bis sechs Monate nach dem Beginn der Behandlung mit Raptiva aufgetreten.
</p>

<p>
	Bei Auftreten einer hämolytischen Anämie empfahl Genentech die Einstellung der Behandlung mit Raptiva. Symptome sind schnelle Ermüdung, wenig Energie, schneller Herzschlag insbesondere bei Anstrenung, Anzeichen von Gelbsucht, brauner oder roter Urin und Atemnot.
</p>

<p>
	In zwei Fällen sank das Hämoglobin der Patienten auf einen sehr niedrigen Wert. Hämoglobin trägt für gewöhnlich den Sauerstoff zu den Zellen.
</p>

<p>
	Unklar war, ob Raptiva an den Nebenwirkungen Schuld ist, doch die Möglichkeit konnte nicht ausgeschlossen werden.
</p>

<h3>
	Stellungnahme der Firma Serono
</h3>

<blockquote>
	<p>
		Medikamente werden, um die Zulassung zu erhalten in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit und Nebenwirkungen getestet. Hier kann aber nur eine begrenzte Anzahl an Patienten eingebunden werden. Seltene Nebenwirkungen bleiben aus statistischen Gründen daher meistens unbeobachtet. Der Gesetzgeber verpflichtet die Pharmaunternehmen daher, in bestimmten Zeitabständen die Zulassungsbehörden über inzwischen neu aufgetretene seltene Nebenwirkungen zu informieren, damit diese dann in die <abbr title="eine Art erweiterter Beipackzettel für Ärzte und Apotheker"><abbr title="eine Art erweiterter Beipackzettel für Ärzte und Apotheker">Fachinformation</abbr></abbr> und in den Beipackzettel aufgenommen werden. In den USA werden die Ärzte zeitnah mittels Brief informiert, um diese Nebenwirkung nicht erst nach Drucklegung einer neuen <abbr title="eine Art erweiterter Beipackzettel für Ärzte und Apotheker"><abbr title="eine Art erweiterter Beipackzettel für Ärzte und Apotheker">Fachinformation</abbr></abbr> zu erfahren. Genau so verhält es sich in dem vorliegenden Fall der hämolytischen Anämie. Diese Nebenwirkung ist sehr selten und bisher bei 4 von über 10.000 behandelten Patienten aufgetreten. Auch Antibiotika oder gängige Schmerzmittel können zu dieser seltenen Nebenwirkung führen.Im konkreten Fall hat die Firma Genentech, die Raptiva® in den USA vertreibt, das Prozedere eingehalten und die Nebenwirkung an die Arzneimittelbehörde FDA gemeldet und zusammen mit der Behörde den Infobrief an die Ärzte verfasst. Ob dieser Hinweis überhaupt in Europa aufgenommen wird und somit Serono betrifft, ist nicht sicher und liegt allein in der Verantwortung der Europäischen Zulassungsbehörde in London. Serono steht natürlich in engem Kontakt mit der EMEA, um mögliche Fragen zu beantworten.
	</p>
</blockquote>

<h3>
	Sicherheit jedoch bestätigt
</h3>

<p>
	Im British Journal of Dermatology 156/2007 wurde über weitere Studien berichtet, die sich um die Sicherheit des Wirkstoffs drehten. In fünf europäischen Studienzentren war untersucht worden, wie wirksam und wie sicher der Wirkstoff Efalizumab bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte vom Plaque-Typ wirkt. Mit dabei waren 400 Patienten aus Österreich, Dänemark, Griechenland, Italien und Spanien. Sie erhielten bis zu anderthalb Jahre lang das Medikament Raptiva. Das Ergebnis stimmte die Wissenschaftler positiv, was hachhaltige Wirksamkeit und längerfristige Sicherheit betrifft.
</p>

<p>
	An der Uni Wien beispielsweise gelang mit Raptiva bei zwei Drittel der Patienten innerhalb von zwölf Wochen ein Zurückdrängen der Psoriasis um die Hälfte. Das blieb auch so, wenn das Medikament weiter gegeben wurde. Der Erfolg hielt bis zu anderthalb Jahre an. In Rom waren die Erfahrungen der Ärzte ähnlich.
</p>

<p>
	Für Professor Knud Kragballe von der Uni-Klinik Aarhus war die gute Verträglichkeit wichtig, die eine langfristige Kontrolle der Symptome mit geringen Nebenwirkungen möglich macht und die Patienten bei der Stange hält. 71 Prozent der Patienten sprachen nach zwölf Wochen auf die Behandlung mit Efalizumab an. 77 Prozent derjenigen, bei denen Raptiva angeschlagen hatte, setzten die Therapie danach kontinuierlich fort.
</p>

<p>
	Die Wissenschaftler an der Uni-Klinik in Barcelona erklärten, sie mögen an Raptiva, dass die Therapie so einfach ist und leicht in den Alltag integriert werden kann.
</p>

<h2>
	Daten aus drei Jahren Studien
</h2>

<p>
	Wenn Raptiva in den ersten 12 Wochen hilft, kann die Wirkung auch länger anhalten. Das beweist eine prospektive Studie, in der das Medikament mit dem Wirkstoff Efalizumab erstmals über drei Jahre hinweg untersucht wurde. In der Studie ging es um die Wirksamkeit und die Sicherheit von Efalizumab in der Behandlung einer mittelschweren bis schweren chronischen Schuppenflechte vom Plaque-Typ.
</p>

<p>
	In den ersten 12 Wochen hatten 82 Prozent der Patienten auf Raptiva angesprochen. Nach drei Jahren half das Medikament bei 73 Prozent dieser "Ansprecher" immer noch: Die Psoriasis hatte sich um 75 Prozent gebessert. Raptiva wurde außerdem gut vertragen.
</p>

<p>
	Dr. Craig L. Leonardi von der Saint Louis University (US-Bundesstaat Missouri) wiegt die Therapie mit Biologics gegen andere Langzeit-Therapien auf: Eine UV-Therapie kann unbequem sein. Eine Therapie mit Ciclosporin oder <abbr title="Methotrexat">MTX</abbr> kann eine erhöhte Toxizität mit sich bringen. Für ihn ist Efalizumab für eine Langzeit-Behandlung der Psoriasis vom Plaque-Typ geeignet.
</p>

<p>
	An der Studie hatten 339 Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte teilgenommen. In den ersten drei Monaten erhielten sie einmal in der Woche zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht unter die Haut gespritzt. Diejenigen, bei denen sich die Psoriasis um 50 Prozent und mehr gebessert hatte, konnten weitermachen - sie qualifizierten sich damit sozusagen für die Langzeitbehandlung. Also erhielten sie die nächsten 33 Monate lang jede Woche ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.
</p>

<p>
	Wer im vierten bis 15. Monat einen Rückfall seiner Psoriasis erlebte, bekam ab dem nächsten Quartal eine erhöhte Dosis von zwei bis vier Milligramm pro Kilogramm Köpergewicht.
</p>

<p>
	Von den 290 Patienten, die nach den ersten drei Monaten in die Langzeit-Phase kamen, schlossen noch 146 die gesamte Studie ab. Es wurden also nur Patienten berücksichtigt, die die Therapie fortsetzen, nicht aber jene, die die Behandlung wegen einer Nebenwirkung, wegen fehlender Wirksamkeit oder aus anderen Gründen abbrechen.
</p>

<h3>
	Nebenwirkungen im Langzeittest
</h3>

<p>
	Raptiva wurde laut Forschern "im Allgemeinen gut vertragen und zeigte keine Anzeichen von kumulativer oder Endorgantoxizität".
</p>

<p>
	Mehr als fünf Prozent der Patienten klagten über Nebenwirkungen wie
</p>

<ul>
	<li>
		verstärkter Husten
	</li>
	<li>
		Rhinitis
	</li>
	<li>
		Sinusitis und
	</li>
	<li>
		unspezifische Infektionen (beispielsweise Erkältungen)
	</li>
</ul>

<p>
	Die Forscher sind sich aber auch bewusst, dass bei so wenigen Patienten keine seriöse Aussage über seltene Nebenwirkungen möglich ist. Nur ein kleiner Teil - weniger als 3,1 Prozent - musste die Studie wegen Nebenwirkungen abbrechen.
</p>

<h2>
	Finale
</h2>

<p>
	Im März 2008 kamen die ersten Warnhinweise auch aus Europa: Am 10. März 2008 verschickten die Firma Serono und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft einen <span ipsnoautolink="true">Rote-Hand-Brief</span> an alle Ärzte. Darin wurde über ernsthafte Erkrankungen und Todesfälle während der Einnahme von Raptiva berichtet. Im November 2008 informierte die Firma Serono dann über den <a href="https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Arzneimittelsicherheit/Weitere/Archiv/2008/20081105.pdf" rel="external">Fall einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie</a> (PML). Im Februar 2009 <a href="https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Arzneimittelsicherheit/RHB/Archiv/2009/20090223.pdf" rel="external">empfahl die Europäische Arzneimittelbehörde</a>, dass die Zulassung Raptiva fortan besser ruhen sollte. Einige Tage später wurden alle Ärzte darüber wiederum von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft <span ipsnoautolink="true">in einem weiteren Rote-Hand-Brief</span> informiert.
</p>

<p>
	Ärzte in der Europäischen Union sollen keine neuen Rezepte für Raptiva ausstellen. Bei Patienten, die bisher mit Raptiva behandelt wurden, sollte überprüft werden, welche anderen Behandlungsmöglichkeiten denkbar sind. Die Ärzte sollen außerdem dafür sorgen, dass die Patienten sorgfältig auf neurologische Symptome und Anzeichen einer Infektion untersucht werden. Wer derzeit Raptiva nimmt, sollte die Therapie nicht abrupt abbrechen, sondern einen Termin beim Arzt ausmachen.
</p>

<p>
	Bis dahin waren inzwischen drei Fälle einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML) aufgetreten. Zwei der Fälle traten in den USA auf, einer in Deutschland. Die ersten beiden Fälle betrafen Patienten über 70, die mehr als vier Jahre lang mit Raptiva behandelt wurden. Deutlich jünger war ein 47-Jähriger Deutscher, der Raptiva drei Jahre lang gespritzt hat. Ein weiterer Fall ist noch nicht bestätigt.
</p>

<p>
	Der Fachausschuss der EMEA hatte noch einmal über Nutzen und Risiko des Medikamentes befunden. Angesichts der schweren Fälle kamen die Experten zu dem Schluss, dass die Risiken von Raptiva größer sind als sein Nutzen.
</p>

<h2>
	Mehr über Raptiva
</h2>

<p>
	Raptiva war ein so genannter humanisierter therapeutischer Antikörper. Er blockiert die Aktivierung, Reaktivierung und den Austausch der T-Zellen, die für die Entstehung der Psoriasis verantwortlich sind.
</p>

<p>
	Raptiva wurde einmal in der Woche unter die Haut gespritzt. Es konnte – nach anfänglicher Unterweisung beim Arzt – vom Patienten zu Hause angewendet werden.
</p>

<p>
	Die Herstellerfirma hatte vor der Zulassung mehr als 3.500 Patienten in den USA und in Europa mit Raptiva untersucht. Mehr als 200 Patienten nutzten bis dahin Raptiva seit über zweieinhalb Jahren ununterbrochen. So war die damals größte Datenbank zum Einsatz eines zugelassenen biologischen Medikaments gegen Psoriasis entstanden.
</p>

<p>
	Die häufigsten Nebenwirkungen waren
</p>

<ul>
	<li>
		Kopfschmerzen
	</li>
	<li>
		Infektionen (z.B. Erkältungen),
	</li>
	<li>
		Schüttelfrost
	</li>
	<li>
		Übelkeit
	</li>
	<li>
		Kraftlosigkeit und
	</li>
	<li>
		Fieber
	</li>
</ul>

<p>
	Alle Nebenwirkungen gingen nach den ersten beiden Injektionen zurück. Nach 30 Monaten Behandlung waren nur selten schwerwiegende Nebenwirkungen übrig - so war es schon in Phase III der Studien zu beobachten.
</p>

<h3>
	Keine ausreichende Wirkung bei Psoriasis arthritis
</h3>

<p>
	In Phase II einer Studie mit Psoriasis-arthritis-Patienten zeigten sich keine Vorteile. In den Studien sollte sich die Psoriasis arthritis bei den Patienten um mindestens 20 Prozent bessern. 28 Prozent der Patienten erreichten diesen Wert. Doch auch unter denen, die nur ein Placebo (ein Schein-Medikament) erhielten, zeigte sich bei 19 Prozent auch eine solche Besserung.
</p>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen
</h2>

<p>
	<strong><a href="https://www.psoriasis-netz.de/search/?q=raptiva&amp;type=forums_topic" rel="">Erfahrungen mit Raptiva</a></strong><br>
	In unserer Community diskutierten Patienten über das Medikament, seine Anwendung und die Folgen.
</p>

<p>
	<strong><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2011-01-08/roche-sued-by-patient-claiming-cancer-from-pulled-psoriasis-drug-raptiva" rel="external nofollow">Raptiva-Patientin verklagt Hersteller wegen Hodgkins-Lymphom</a></strong> (engl.)<br>
	Bloomberg, 07.01.2011
</p>

<p>
	<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Efalizumab" rel="external"><strong>Efalizumab</strong></a><br>
	erklärt bei Wikipedia
</p>

<p>
	<strong>"<a href="https://www.arznei-telegramm.de/html/2009_03/0903032_01.html" rel="external nofollow">Efalizumab (Raptiva): Ruhen der Zulassung empfohlen</a>"</strong><br>
	arznei-telegramm, 03/2009
</p>

<p>
	<strong>Quellen:</strong>
</p>

<ul>
	<li>
		Nachrichtenagentur Reuters
	</li>
	<li>
		Pressemitteilungen der Firma Genentech
	</li>
	<li>
		 <a href="http://www.foxnews.com/story/0,2933,163135,00.html" rel="external nofollow">Foxnews</a> | <a href="http://today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=healthNews&amp;storyID=2005-07-20T143450Z_01_WAT003565_RTRIDST_0_HEALTH-GENENTECH-DC.XML" rel="external nofollow">Reuters I</a> | <a href="http://today.reuters.com/investing/financeArticle.aspx?type=governmentFilingsNews&amp;storyID=URI:urn:newsml:reuters.com:20050720:MTFH17977_2005-07-20_15-40-11_N20442273:1" rel="external nofollow">Reuters II</a> zur Warnung vor schweren Nebenwirkungen (alle 20. Juli 2005)
	</li>
	<li>
		<a href="http://news.merck.de/N/0/51563C127989C111C125756200543965/%24File/RaptFeb09E.pdf" rel="external nofollow">Pressemitteilung der Firma Merck-Serono</a> zur EMEA-Empfehlung, die Zulassung ruhen zu lassen
	</li>
	<li>
		"<a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2133.2008.08548.x/abstract" rel="external nofollow">Efalizumab: results of a 3-year continuous dosing study for the long-term control of psoriasis</a>", British Journal of Dermatology 2008, Heft158
	</li>
	<li>
		Angaben des Herstellers
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">585</guid><pubDate>Sun, 10 Aug 2014 17:56:00 +0000</pubDate></item><item><title>TNF-Alpha-Blocker k&#xF6;nnen bei jungen Menschen mehr Blutkrebs erzeugen</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/tnf-blocker-jugendliche/</link><description><![CDATA[<p>
	Jugendliche und junge Erwachsene, die einen so genannten <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blocker</span> bekommen, sollten sehr genau auf ihre Blutkontrollen achten: Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt, dass bei jungen Menschen mit dieser Therapie mehr Fälle mit einer Blutkrebs-Art beobachtet werden, die sonst sehr selten ist. Unter den Medikamenten sind <span ipsnoautolink="true">Remicade</span>, <span ipsnoautolink="true">Simponi</span>, <span ipsnoautolink="true">Enbrel</span> und <span ipsnoautolink="true">Humira</span>. In Deutschland ist nur Enbrel zur Behandlung von Kindern ab 8 Jahren zugelassen.
</p>

<p>
	Die meisten Fälle wurden beim Einsatz der Medikamente gegen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gesehen.  Nur ein Fall wurde wegen einer <span ipsnoautolink="true">Schuppenflechte</span> behandelt, zwei wegen Rheumatoider Arthritis. Laut FDA traten die meisten Fälle auf, wenn die TNF-Alpha-Blocker mit anderen Immunsupressiva kombiniert wurden.
</p>

<p>
	Die FDA weist darauf hin, dass TNF-Alpha-Blocker ein bösartiges <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lymphom" rel="external">Lymphom</a> auslösen könnten (hepatosplenales T-Zell-Lymphom). In wenigen der berichteten Fälle wurden die Patienten überhaupt nicht mit einem TNF-Alpha-Blocker behandelt, sondern mit anderen Wirkstoffen (Azathioprin und Mercaptopurin). Das Problem: Patienten mit Rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn, Spondylitis ankylosans oder Psoriasis könnten ohnehin öfter am <a href="http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_non_hodgkin_lymphom_definition,107852.html" rel="external nofollow">Non-Hodgkin-Lymphom</a> erkranken als andere. Deshalb bleibt es unklar, ob es es wirklich die Medikamente waren, die mehr Blut-Krebs hervorgerufen haben - oder die verstärkte Anfälligkeit der Patienten für Lymphome.
</p>

<p>
	Insgesamt listet die FDA in einer Tabelle 43 Fälle auf, die in den USA bis Ende 2010 beobachtet wurden, was angesichts von Hunderttausenden Patienten für eine seltene Nebenwirkung spricht.
</p>

<p>
	Die FDA empfiehlt Patienten:
</p>

<p>
	• Sei dir des Risikos bewusst, wenn du einen TNF-Alpha-Blocker oder Medikamente mit Azathioprin oder Mercaptopurin einnimmst. Symptome können
</p>

<ul>
	<li>
		Splenomegalie (Vergrößerung der Milz)
	</li>
	<li>
		Hepatomegalie (Vergrößerung der Leber)
	</li>
	<li>
		Bauchschmerzen
	</li>
	<li>
		anhaltendes Fieber
	</li>
	<li>
		Nachtschweiß oder
	</li>
	<li>
		Gewichtsverlust
	</li>
</ul>

<p>
	sein.
</p>

<ul>
	<li>
		Lies den die Beipackzettel.
	</li>
	<li>
		Setze dein Medikament <i>nicht</i> ab, bevor du mit dem Arzt gesprochen hast, der es der verschrieben hat.
	</li>
	<li>
		Melde die Nebenwirkungen. In Deutschland kann das jeder Arzt auf verschiedenen Wegen machen.
	</li>
</ul>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		<a href="http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm250913.htm" rel="external nofollow">Safety Review update on reports of Hepatosplenic T-Cell Lymphoma in adolescents and young adults receiving tumor necrosis factor (TNF) blockers, azathioprine and/or mercaptopurine</a>
	</li>
	<li>
		"<a href="http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45495/Hepatosplenale_T-Zell-Lymphome_durch_Immunsuppressiva.htm" rel="external">Hepatosplenale T-Zell-Lymphome durch Immunsuppressiva</a>" in: Deutsches Ärzteblatt , 15.04.2011
	</li>
	<li>
		"<a href="http://www.reuters.com/article/2011/04/14/fda-tnfblockers-idUSN1429282320110414" rel="external nofollow">FDA finds more blood cancer with TNF blocker drugs</a>", Reuters, 14.04.2011
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">468</guid><pubDate>Sun, 17 Apr 2011 15:59:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neue Warnhinweise f&#xFC;r Biologics</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/warnhinweise-biologics/</link><description><![CDATA[<p>
	Die US-Arzneimittelbehörde hat alle Hersteller von TNF-Alpha-Blockern im Jahr 2009 dazu "verdonnert", weitere Warnhinweise in den Fachinformationen ihrer Medikamente anzubringen. Betroffen sind die Mittel <span ipsnoautolink="true">Remicade</span>, <span ipsnoautolink="true">Enbrel</span>, <span ipsnoautolink="true">Humira</span>, <span ipsnoautolink="true">Cimzia</span> und <span ipsnoautolink="true">Simponi</span>.
</p>

<p>
	Die Warnungen drehen sich hauptsächlich um die Anwendung der Medikamente bei Kindern und Jugendlichen. Bei denen traten häufiger Lymphome und maligne Melanome auf, während sie einen der TNF-Alpha-Blocker bekamen. Gewarnt wird aber auch vor einem erhöhten Leukämie-Risiko - sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Außerdem kann eine Schuppenflechte durch diese Medikamente überhaupt erst ausgelöst werden. Die europäische Behörde für die Zulassung von Medikamenten – die EMA – hat nicht reagiert.
</p>

<p>
	Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat in einer "Drug Safety Mail" aber schon mal an alle Ärzte appelliert, die neuen Warnhinweise zu beachten. Die FDA fordert die Ärzte dazu auf, die Patienten oder deren Eltern auf die Risiken deutlich hinzuweisen. Die Hersteller sollen zudem ihre Informationsmaterialien für Patienten ändern.
</p>

<p>
	Ein Problem aber ist, den "Schuldigen" für die erhöhten Risiken auszumachen: Wer <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blocker</span> bekommt, hat in den meisten Fällen schon andere Immunsuppressiva bekommen, die die gleichen Risiken bergen. Außerdem kann die Erkrankung an sich mit diesen Risiken einhergehen.
</p>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		Deutsches Äzteblatt, 5.8.2009
	</li>
	<li>
		Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, 7.8.2009
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">397</guid><pubDate>Sat, 08 Aug 2009 17:45:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neue Empfehlung f&#xFC;r Tbc-Test vor Biologic-Therapie</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/tbc-test/</link><description><![CDATA[
<p>
	<strong>Biologics helfen oft sehr gut – allerdings können die Medikamente aus der Gruppe der <span ipsnoautolink="true">TNF-alpha-Blocker</span> eine bislang im Körper "ruhende" Tuberkulose (Tbc) reaktivieren. Deshalb werden Patienten vor einer Behandlung mit TNF-alpha-Inhibitoren routinemäßig auf das Vorliegen einer latenten Tuberkulose untersucht. Dazu war bislang der Tuberkulin-Hauttest am verbreitetsten. Jetzt wird ein neues Testverfahren empfohlen.</strong>
</p>

<p>
	Der Einsatz von TNF-alpha-Blockern ist mit einem erhöhten Tbc-Risiko verbunden. Denn TNF-alpha hat in der Immunabwehr von Tbc-Bakterien eine besondere Funktion: Es hilft, diese "in Schach" zu halten. Nach einer Infektion umzingeln Immunzellen die Erreger in der Lunge und bilden einen dichten Wall (Granulom). TNF-alpha ist ein wichtiger Faktor bei der Granulombildung. Gelingt dem Körper die "Einkapselung", bricht die Krankheit nicht aus. Dann liegt eine latente Tbc vor, bei der der Betroffene zwar infiziert, aber nicht krank ist. Wird der Schutzwall zerstört, können die Erreger jederzeit reaktiviert werden - so bei der Gabe von TNF-alpha-Blockern, die das TNF-alpha neutralisieren und das Granulom zerstören.
</p>

<p>
	Weil eine "reaktivierte" Tbc bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oft schwer verläuft und auch andere Organe als die Lunge befällt, sind eine Untersuchung und bei Bedarf eine Medikamentengabe vor einer Biologics-Therapie wichtige Maßnahmen. Die bisherige Strategie forderte neben einer sorgfältigen Anamnese und einem aktuellen Röntgenbild der Lunge einen Tuberkulin-Hauttest (THT). War danach ein Knötchen zu ertasten, galt es das als "positives Ergebnis". Damit konnte die Rate an Tbc-Reaktiverungen durch TNF-alpha-Blocker bereits erheblich gesenkt werden.
</p>

<p>
	Die aktualisierte Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und des <a href="https://www.dzk-tuberkulose.de/" rel="external nofollow">Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose</a> (DZK) sehen nun ein weiteres Testverfahren vor, das auf dem Nachweis von Interferon-gamma (IGRA-Test) beruht.
</p>

<p>
	T-Lymphozyten produzieren diese Substanz nach einer Infektion mit Tbc-Bakterien. Der Vorteil dieser Methode liegt daran, dass das Ergebnis sehr viel spezieller eine Tbc zeigt. Beim THT-Test konnten auch eine frühere Tbc-Impfung oder Antigene ein "positives Ergebnis" hervorrufen, obwohl letztere nicht einmal für Tbc charakteristisch sind. Der "neue" IGRA-Test reagiert dagegen nur auf ganz bestimmte Tbc-Peptide. Er liefert zudem bessere Ergebnisse bei Patienten, die aufgrund ihres höheren Alters und einer vorherigen immunsuppressiven Therapie nicht auf den Hauttest ansprechen würden.
</p>

<p>
	Nachteile: Auch dieses Verfahren ist noch nicht zu 100-prozentig treffsicher und wird zudem nicht von den Kostenträgern erstattet. Der THT wird deswegen in Ausnahmefällen weiterhin eingesetzt.
</p>

<p>
	<em>Quelle: Diehl R, Hauer B, Loddenkemper R, Manger B, Krüger K: "Empfehlungen</em>
</p>

<p>
	<em>für das Tuberkulose-Screening vor Gabe von TNF-alpha-Inhibitoren bei rheumatischen Erkrankungen" in: Zeitschrift für Rheumatologie,  Juli 2009</em>
</p>

]]></description><guid isPermaLink="false">394</guid><pubDate>Sun, 26 Jul 2009 14:13:00 +0000</pubDate></item><item><title>Debatte um Kosten f&#xFC;r Biologics entbrannt</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/debatte-um-kosten-fuer-biologics-entbrannt/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2009_06/geldspritze150.jpg.be2cfa8da2d55a498087b9257f256bbf.jpg" /></p>

<p>
	Die neuesten Medikamente im Bereich der Schuppenflechte – die <span ipsnoautolink="true">Biologics</span> - helfen unbestritten vielen Betroffenen, die vorher nur noch wenig Hoffnung und Lebensqualität hatten. Aber: Sie sind auch sehr teuer. Darum entbrennt jetzt eine Debatte. Im <a href="http://www.zes.uni-bremen.de/GAZESse/200902/GEK-Arzneimittel-Report-2009.pdf" rel="external nofollow">Arzneimittel-Report</a>, den die Gmünder Ersatzkasse (GEK) jedes Jahr zusammenstellt, werden immer Zahlen genannt – so auch für 2009. Arzneimittelexperte Gerd Glaeske forderte schon damals, dass eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht werden sollte.
</p>

<p>
	13 Prozent der Ausgaben für Medikamente entfielen im Jahr 2008 auf Biologics – im Bereich der <span ipsnoautolink="true">Schuppenflechte</span> und der <span ipsnoautolink="true">Psoriasis arthritis</span> also Enbrel, Humira, Remicade und Stelara. Unter den sechs Medikamenten, die die Kassen am meisten kosten, sind fünf aus der neuen Wirkstoffklasse dabei. Die Ausgaben für Medikamente, die sich auf das Immunsystem auswirken (Immunsupressiva), sind im Jahr 2008 um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
</p>

<p>
	In Zahlen heißt das für Deutschland:
</p>

<ul>
	<li>
		Die Firma Abbott hat mit <span ipsnoautolink="true">Humira</span> im Jahr 2008 etwa 232 Millionen Euro Umsatz gemacht.
	</li>
	<li>
		Die Firma Wyeth hat mit <span ipsnoautolink="true">Enbrel</span> im gleichen Jahr 204 Millionen Euro Umsatz gemacht.
	</li>
</ul>

<p>
	Arzneimittelexperte Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen sieht eine kritische Grenze erreicht. Er meint: „Dass die Pharma-Unternehmen ihre Preise noch immer selbst festlegen dürfen, sprengt das System“. Glaeske fordert, dass künftig kein Arzneimittel mehr ohne eine Preisverhandlung auf den Markt kommt, wenn es von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden muss oder soll. „Es wird höchste Zeit für Kosten-Nutzen-Bewertungen und Höchstbeträge“, so Glaeske. Dass Hersteller die Preise selbst festlegen dürfen, sieht er vor allem bei den Biologics nicht wanken. Hier sieht er nur die Möglichkeit, dass die Krankenkassen Rabattverträge abschließen – wenn sich die Hersteller darauf einlassen.
</p>

<p>
	Glaeske verteufelt die Biologics dabei nicht pauschal: „Einige dieser speziellen Präparate gelten als echte Innovationen mit unbestreitbarem Therapienutzen.“ Allerdings müssten die Preise fair sein.
</p>

<p>
	Kosten-Nutzen-Analysen macht in der Regel das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Es überprüft neue Therapien darauf, ob sie gegenüber etablierten Methoden deutliche Verbesserungen darstellen. Das Institut steht oft in der Kritik – sowohl naturgemäß von Pharmafirmen, aber auch von Patientenorganisationen.
</p>

<p>
	Für die Biologics zur Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis arthritis gelten ohnehin recht harte Regeln: Sie dürfen erst verschrieben werden, wenn andere meist starke Medikamente versagen oder aus einigen Gründen nicht verschrieben werden dürfen. Kaum ein Arzt wird sie vorschnell verschreiben – er muss alle Fälle säuberlich dokumentieren und hat damit Mehrarbeit.
</p>

<p>
	Im Jahr 2010 sollten auch einige Patente für Medikamente aus der Dermatologie und Rheumatologie auslaufen: Die Therapie mit Curatoderm (Wirkstoff: Tacalcitol) und Humira (Wirkstoff: Adalimumab) könnte dann preiswerter werden.
</p>

]]></description><guid isPermaLink="false">387</guid><pubDate>Tue, 09 Jun 2009 13:44:00 +0000</pubDate></item><item><title>Bei einigen Biologics auf G&#xFC;rtelrose achten</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/herpes-zoster/</link><description><![CDATA[
<p>
	Auf eine bekannte Nebenwirkung von Humira und <span ipsnoautolink="true">Remicade</span> haben Forscher mit einer Studie noch einmal hingewiesen: Während der Einnahme der Medikamente ist der Körper offenbar anfälliger für Viren, und so kann es häufiger zu einer Gürtelrose (Herpes zoster) kommen als bei anderen Medikamenten aus der gleichen "Klasse" - den Biologics. Allerdings steht die Gürtelrose als Nebenwirkung auch im Beipackzettel von Enbrel. Nur bei Raptiva und Stelara findet sich kein entsprechender Hinweis.
</p>

<h2>
	Einzelheiten zur Studie
</h2>

<p>
	In ihrer Untersuchung schauten die Forscher um Anja Strangfeld vom Deutschen Rheumaforschungszentrum Daten aus der langfristigen Behandlung mit <span ipsnoautolink="true">TNF-Blockern</span> und mit "herkömmlichen" Medikamenten (DMARD) an – und zwar bei Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis.
</p>

<p>
	Von 5.040 erfassten Patienten gab es 86 Fälle von Herpes zoster. 39 davon geschahen während der Einnahme von TNF-Alpha-Antikörpern. In 23 Fällen war Enbrel im Spiel. "Nur" 24 Fälle kamen während einer Therapie mit herkömmlichen Medikamenten zustande.
</p>

<p>
	Die Forscher beobachteten außerdem, dass das Gürtelrosen-Risiko mit Alter und gleichzeitiger innerlicher Kortison-Therapie stieg.
</p>

<p>
	Das Fazit der Forscher: Bei der Anwendung der Medikamente <span ipsnoautolink="true">Humira</span> und <span ipsnoautolink="true">Remicade</span> sollten Patient und Arzt gut auf Anzeichen einer Gürtelrose (Herpes zoster) achten.
</p>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		"<a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=35484" rel="external" title="Rheuma: Gürtelrose durch TNF-Blocker">Rheuma: Gürtelrose durch TNF-Blocker</a>" in: Deutsches Ärzteblatt, 18. Februar 2009
	</li>
	<li>
		"<a href="http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/301/7/737?maxtoshow=&amp;HITS=10&amp;hits=10&amp;RESULTFORMAT=&amp;fulltext=herpes&amp;searchid=1&amp;FIRSTINDEX=0&amp;resourcetype=HWCIT" rel="external nofollow" title="Risk of Herpes Zoster in Patients With Rheumatoid Arthritis Treated With Anti-TNF-Alpha-Agents">Risk of Herpes Zoster in Patients With Rheumatoid Arthritis Treated With Anti-TNF-Alpha-Agents</a>" in: Journal of the American Medical Association, 18.02.2009
	</li>
	<li>
		Bei RA-Therapie auch auf Herpes Zoster achten" in: Ärztliche Praxis, 18.02.2009
	</li>
</ul>

]]></description><guid isPermaLink="false">327</guid><pubDate>Thu, 19 Feb 2009 01:44:00 +0000</pubDate></item><item><title>Wie Patienten mit Biologics-Warnungen umgehen sollten</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologics-nebenwirkungen/</link><description><![CDATA[<p>
	In der vergangenen Zeit gab es immer wieder Fälle von schweren Nebenwirkungen, die während oder nach einer Therapie mit einem Biologic auftraten.
</p>

<ul>
	<li>
		Anfang Oktober 2008 meldete die Firma Merck Serono, dass ein <span ipsnoautolink="true">Raptiva</span>-Patient mit einer seltenen, aber lebensgefährlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems infiziert ist. (1) Ein anderer Patient, der ebenfalls mit Raptiva behandelt wurde, sei "aus unbekannter Ursache" verstorben.
	</li>
	<li>
		Nur einen Monat vorher, am 4. September 2008, hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA vor einer gefährlichen Pilzinfektion gewarnt. Es gab 45 Todesfälle, die die FDA in Verbindung mit <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blockern</span> bringt: Vor allem mit <span ipsnoautolink="true">Remicade</span>, weniger mit <span ipsnoautolink="true">Enbrel</span> und <span ipsnoautolink="true">Humira</span>. (2)
	</li>
	<li>
		Im Juni 2008 hielt die FDA es für möglich, dass bei Kindern und Jugendlichen durch TNF-Alpha-Blocker Krebs ausgelöst wird. In 30 Fällen seien Lymphome und andere Krebsarten aufgetreten (2a)
	</li>
	<li>
		Am 17. März 2008 veröffentlichte die FDA eine "Black-Box-Warnung": Enbrel-Patienten hätten ein erhöhtes Risiko, an Infektionskrankheiten bis hin zur Tuberkulose zu erkranken. (3)
	</li>
	<li>
		Schon vorher wies die FDA auf seltene, aber schwere Hautreaktionen nach der Anwendung der TNF-Alpha-Blocker (Enbrel, Humira, Remicade) hin. (4)
	</li>
	<li>
		Am 16. Juli 2008 verschickte Abbott an die Ärzte einen "Rote-Hand-Brief". Es wurde darauf hingewiesen, dass erstmals bei drei Patienten "möglicherweise durch Humira" eine seltene, aber tödliche Krankheit aufgetreten ist. Deren Lymphozyten vermehren sich aggressiv und verdrängen andere Zellen.
	</li>
	<li>
		Seit längerem berichten Patienten, dass sie entweder während der Behandlung oder nach Beendigung eine schlimme Psoriasis oder eine Psoriasis Arthritis (PsA) bekommen haben. Wer die Beipackzettel genau studiert, findet viele, oft schwere Nebenwirkungen - sauber auseinandergehalten danach, wie häufig sie bisher aufgetreten sind.
	</li>
</ul>

<h2>
	Biologics und die Nebenwirkungen
</h2>

<p>
	Ärzte, die intensive Erfahrungen mit Biologics haben, warnen vor übereilten Reaktionen: Biologics hätten ohne nennenswerte Nebenwirkungen schon sehr vielen verzweifelten Psoriatikern geholfen, bei denen bislang keine andere Therapie angeschlagen hatte. Darüber würde viel zu wenig gesprochen. Die Öffentlichkeit konzentriere sich fast ausschließlich auf diejenigen, bei denen sich die Krankheit hinterher verschlimmert hat oder weitere Krankheiten ausgebrochen sind. Das aber seien sehr wenige im Vergleich zur Gesamtzahl der Biologic-Patienten.
</p>

<p>
	Professor Kristian Reich wies im Mai 2008 darauf hin, dass weltweit etwa 100 Fälle dokumentiert seien. Das entspricht bei mehr als zwei Millionen Patienten, die mit einem TNF-Alpha-Blocker behandelt werden, einer Häufigkeit von 0,005 Prozent. (5)
</p>

<p>
	Dr. Sandra Philipp verweist im Gespräch mit dem Psoriasis-Netz darauf, dass sich während einer Raptiva-Therapie bei einem Prozent der Patienten die Psoriasis verschlechterte. Wurde Raptiva abgesetzt, gab es bei fünf Prozent einen Rebound – von weltweit 46.000 Anwendern. Extreme Hautreaktionen wie die durch TNF-Alpha-Blocker seien noch seltener und könnten auch bei anderen immunsuppressiven Medikamenten auftreten wie Cyclosporin.
</p>

<p>
	Reich betonte ausdrücklich, Hautveränderungen unter der Therapie mit TNF-Alpha-Blockern seien "nicht bedrohlich". Man könne sie in den allermeisten Fällen mit zusätzlichen Therapiemaßnahmen "gut kontrollieren".
</p>

<h2>
	Biologics und Psoriasis arthritis
</h2>

<p>
	Bei wie viel Patienten eine Psoriasis arthritis neu auftritt, konnten wir nicht ermitteln. Professor Hans Meffert vermutet gegenüber dem Psoriasis-Netz, dass die Psoriasis arthritis ausbricht, weil sie genetisch bedingt ist, völlig unabhängig davon, ob man mit einem Biologic behandelt wird. Andere Patienten hätten vermutlich bereits Psoriasis arthritis gehabt, ohne es zu merken. Wenn sie vor dem Biologic ihre Hauterscheinungen mit <span ipsnoautolink="true"><abbr title="Methotrexat">MTX</abbr></span> behandelt haben, wären damit auch die Gelenke behandelt worden. Auch Professor Kristian Reich meint, dass bestimmte Patienten "möglicherweise wegen genetischer Faktoren" ein besonderes Risiko tragen. Das könne aber kein Arzt vorher feststellen.
</p>

<p>
	Eine "schlummernde" Tuberkulose kann durch alle in der EU zugelassenen TNF-Alpha-Blocker ausgelöst werden. Deshalb muss vor der Behandlung mit Enbrel, Humira oder Remicade ein Tbc-Test gemacht werden - auch hinsichtlich eben jener "schlummernden" Tuberkulose.
</p>

<h2>
	Während Biologics-Therapie wichtigste Werte kontrollieren
</h2>

<p>
	Während der Therapie hat der Arzt regelmäßig die entsprechenden Werte zu kontrollieren. Der Patient muss Infekte erkennen und damit so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen. Mancher Patient merkt den Infekt aber zu spät, weil das Biologic beispielsweise Fieber unterdrückt. Tbc können alle Patienten bekommen, die mit einem Medikament behandelt werden, das das Immunsystem dämpft. Bei Enbrel zum Beispiel wurde weltweit bei 0,1 Prozent der Patienten Tbc festgestellt - darunter auch aus Ländern mit hoher Infektionsgefahr.
</p>

<p>
	Die meisten Nebenwirkungen, so die Ärzte, habe man "gut im Griff". Die "meisten", aber eben nicht alle. Biologika müssen vorsichtig eingesetzt werden, wie alle stark wirksamen Medikamente.
</p>

<p>
	Schwere und schwerste Erkrankungen bis hin zu Todesfällen kannte man bisher nur aus den Anfangs-Studien. Generell sind die Patienten durch Biologics immungeschwächt und damit anfälliger für Infekte. Dr. Sandra Philipp weist darauf hin, dass der oben erwähnte Raptiva-Patient auch durch ein anderes immunsuppressives Medikament hätte an PML erkranken können.
</p>

<h2>
	Statistik und ihre Grenzen
</h2>

<p>
	"Zahlen über den Zusammenhang von Biologika und starken Nebenwirkungen bzw. Todesfällen sagen nichts darüber aus, welche Krankheiten die Patienten außerdem hatten", so Philipp. "Biologics werden oft Schwerkranken gegeben, die noch weitere Medikamente nehmen. Dadurch ist das Immunsystem im Ganzen ziemlich geschwächt." Im konkreten Fall war der Patient durch eine Operation weniger widerstandsfähig.
</p>

<p>
	Auch Pilzinfektionen oder Wüstenfieber mit Todesfällen durch TNF-Alpha-Blocker könnten so erklärt werden. Bisher kommen diese Infekte in Europa selten vor.
</p>

<h2>
	<strong>Unsere Meinung</strong>
</h2>

<p>
	Die Berichte können Patienten Angst machen. Sie stehen völlig im Gegensatz zu den PR-Kampagnen und Hochglanzbroschüren, mit denen gerade diese Firmen in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit getreten sind. Ist es nach solchen Meldungen für Patienten noch sinnvoll, sich mit einem Biologic behandeln zu lassen? Riskieren Patienten durch Biologics ihre Gesundheit und ihr Leben? Oder werden durch solche Berichte nur verantwortungslos Ängste geschürt?
</p>

<p>
	Man erlebt es auf Veranstaltungen und bei vielen Gesprächen: Pharmavertreter und Schulmediziner schätzen die Gefahren nicht so hoch ein, wie sie in den Medien dargestellt werden. Der Nutzen der Biologics sei weitaus größer als die seltenen Einzelfälle. Oft sei nicht wirklich nachgewiesen, dass das Biologic (allein) Schuld sei. Dagegen bezeichnen Vertreter anderer medizinischer Therapie-Ansätze gerade die Biologics als "höchst riskant". Deren wirkliche Risiken würden nur scheibchenweise zugegeben: "Wenn ein Pharmahersteller so etwas publik macht, dürfen wir getrost davon ausgehen, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist."
</p>

<h3>
	US-Behörde warnt erfahrungsgemäß frühzeitig
</h3>

<p>
	Das ist dann wohl doch etwas <em>zu</em> populistisch: Nach unserer Erfahrung warnt vor allem die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA frühzeitig, ohne etwas zu vertuschen. So war das auch zum Beispiel bei Elidel und Protopic. (6)
</p>

<p>
	Den meisten Patienten war vermutlich bisher nicht klar, dass sie mit ähnlich starken Wirkstoffen behandelt werden wie andere Schwerkranke. Die PR-Abteilungen der Pharmafirmen haben den Patienten immer wieder suggeriert, dass mit den Biologics alles ganz einfach sei. Stimmt ja auch – aber nicht für alle! Und wer möchte schon gerne zu denjenigen gehören, bei denen sich die Krankheit noch verschlimmert? Niemanden beruhigt das Argument des "seltenen Einzelfalls", wenn Patienten durch ein Biologic sterben können. <em>So</em> risikobereit ist wohl keiner.
</p>

<p>
	Was bleibt den Patienten? <strong>Wer gerade mit einem Biologic behandelt wird oder werden soll, muss nicht panisch reagieren.</strong> Ob man das Mittel sofort absetzen oder doch zu einer anderen Therapie greifen sollte, muss man mit kühlem Kopf und zusammen mit dem Arzt entscheiden. Niemand sollte sich wegen angeblich "unnötiger Ängste" abwimmeln lassen. Der Arzt soll sachlich darüber informieren, ob ein erhöhtes Infektionsrisiko z.B. durch weitere Medikamente besteht und mit welchen Untersuchungen das überprüft wird.
</p>

<h3>
	Am Ende muss der Patient entscheiden
</h3>

<p>
	Aber keiner sollte sich etwas vormachen: Der Arzt kann nicht 100-prozentig erkennen, ob man anfällig für äußerst seltene Krankheiten ist. Und wer in Gegenden reist, in den Blastomykose oder Wüstenfieber vorkommt, hat sicherlich ein erhöhtes Risiko.
</p>

<p>
	Letztendlich kann auch der Arzt dem Patienten die Entscheidung nicht abnehmen, ob eine schwere Psoriasis mit einem schweren Wirkstoff (wie es die Biologics sind) behandelt werden sollte. Mehr oder weniger gefährliche Risiken setzen sich Psoriatiker sogar durch UV-Bestrahlung aus: nach neuesten Erkenntnissen steigt auch bei Psoriasis-Patienten dadurch das (manchmal tödliche) Hautkrebs-Risiko.
</p>

<p>
	Wir erwarten von den Herstellern der Biologics, dass sie alle bekanntgewordenen Fälle von unabhängigen Experten untersuchen lassen. Wir fordern, dass die Patienten umfangreich darüber aufgeklärt werden, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind und womit die Risken verringert werden können.
</p>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		(1) <a href="https://derstandard.at/1220459863464/Schwerer-Nebenwirkungsfall" rel="external nofollow">PML= progressive multifokale Leukoenzephalopathie</a>
	</li>
	<li>
		(2) "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologics-pilzinfektionen" rel="">Vor Pilzinfektionen in den USA wird bei einigen Biologics gewarnt</a>", Psoriasis-Netz, September 2008
	</li>
	<li>
		und FDA-Telefonkonferenz über TNF-Alpha-Blocker vom 04.09.08
	</li>
	<li>
		(2a) <a href="https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-242008/krebsausloeser-bei-kindern-und-jugendlichen/" rel="external"> TNF-α-Hemmer: Krebsauslöser bei Kindern und Jugendlichen?</a>
	</li>
	<li>
		(3) "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/etanercept/enbrel-warnung" rel="">Hersteller muss bei Enbrel die Warnhinweise verschärfen</a>", Psoriasis-Netz, März 2008
	</li>
	<li>
		(4) Drug Safety Newsletter 2/Winter 2008 der FDA
	</li>
	<li>
		(5) "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologics-interview" rel="">Einige Biologics bringen Schuppenflechte zum Ausbruch</a>", Psoriasis-Netz, Mai 2008
	</li>
	<li>
		(6) "<a href="https://www.arznei-telegramm.de/html/2005_03/0503032_01.html" rel="external nofollow">Krebs durch Pimecrolimus (Elidel u.a.) und Tacrolimus (Protopic)?</a>", Arznei-Telegramm 05/2003
	</li>
</ul>

<h2>
	Tipps zum Weiterlesen
</h2>

<ul>
	<li>
		"Psoriasis induced by tumor necrosis factor-alpha antagonist therapy: a case series" in: Journal of Rheumatology 02/2007
	</li>
	<li>
		"First manifestation of psoriasis vulgaris in tumor necrosis factor recepter-associated periodic syndroms during treatment with etanercept" in: Der Hautarzt, Januar 2008
	</li>
	<li>
		"<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18239925/" rel="external">Manifestation of palmoplantar pustulosis during of after influximab therapy for plaque-type psoriasis: report on five cases</a>" in: Archives of dermatological research Februar 2008
	</li>
	<li>
		"Anti-TNF-alpha-Therapie: Immunsuppression fördert Hautkrankheiten" in: hautnah dermatologie 2/2007
	</li>
	<li>
		"Severe exacerbation of chronic plaque psoriasis following initially effective therapy with efalizumab: clinical characterization and therapeutic management" in: British Journal of Dermatology April 2008
	</li>
	<li>
		"Why do some biologic agents induce psoriasis or psoriasiform lesions?" in: Nature clinical practice Rheumatology Februar 2008
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">326</guid><pubDate>Mon, 13 Oct 2008 02:07:00 +0000</pubDate></item><item><title>Vor Pilzinfektionen in den USA wird bei einigen Biologics gewarnt</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologics-pilzinfektionen/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2008_09/spritze_logo.jpg.f049dcf2307b4f1c85330ddf0c1e049c.jpg" /></p>
<p>
	Biologics helfen ohne Frage vielen Menschen, die mittelschwer bis schwer an der Schuppenflechte, an Psoriasis arthritis oder anderen Autoimmunerkrankungen leiden. Sie bergen aber auch Risiken, und von denen kristallieren sich nach und nach mehrere heraus. Die US-amerikanische Arzneibehörde FDA hat jüngst vor invasiven Pilzinfektionen gewarnt, die während der Behandlung mit <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blockern</span> aufgetreten sind. Einige davon gingen sogar tödlich aus. Die Verschärfung der Warnhinweise durch die FDA betrifft vor allem Symptome, die in Europa nicht so oft auftreten - also eher USA-Reisende.
</p>

<p>
	Die Hersteller müssen nach diesem FDA-Hinweis vor den Infektionsrisiken warnen. Das tun sie zwar bislang schon auch im Beipackzettel, aber es muss noch deutlicher als bisher geschehen.
</p>

<p>
	Speziell genannt werden die TNF-Alpha-Blocker mit den Wirkstoffen <span ipsnoautolink="true">Infliximab</span> (Handelsname: Remicade), <span ipsnoautolink="true">Etanercept</span> (Handelsname: Enbrel) und <span ipsnoautolink="true">Adalimumab</span> (Handeslname Humira). In den USA betrifft dies noch ein Medikament mit dem Wirkstoff Certolizumab.
</p>

<h2>
	Invasive Pilzinfektionen – was ist das?
</h2>

<p>
	Da wäre zum einen die Histoplasmose zu nennen. Das ist eine nicht ansteckende Infektionskrankheit, die durch einen Pilz übertragen wird. Am häufigsten ist die Lunge betroffen. Die Symptome variieren stark. Genannt werden ein allgemeines Krankheitsgefühl, ein trockener Husten (ohne Auswurf), Brustschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Appetitlosigkeit. Die überwiegende Mehrheit der Infizierten hat keine Symptome oder höchstens milde grippeähnliche Symptome.
</p>

<p>
	Disseminierte (eine "gestreute", ausgeprägte) Histoplasmose kann sich auf mehrere Organe ausbreiten und tödlich sein, wenn sie nicht behandelt wird. Allerdings muss gesagt werden, dass die meisten Erkrankungen davon in Regionen an den Flüssen Ohio und Mississippi auftraten, in deren Gebiet regelmäßig ganze Histoplasmose-Wellen auftreten. In mindestens 21 Fällen war die Histoplasmose allerdings am Anfang nicht erkannt worden.
</p>

<p>
	Andere invasive Pilzinfektionen, die die FDA mit der Behandlung mit TNF-Alpha-Blockern in Verbindung bringt, sind Aspergillose oder Candidiasis.
</p>

<h2>
	Welche Fakten hat die FDA?
</h2>

<p>
	Die Behörde hat 240 Berichte von Patienten, bei denen es zu einer Histoplasmose gekommen war.
</p>

<ul>
	<li>
		Remicade: 207 Fälle
	</li>
	<li>
		Enbrel: 17 Fälle
	</li>
	<li>
		Humira: 16 Fälle
	</li>
</ul>

<p>
	Die FDA hat außerdem Hinweise auf Fälle von "Wüstenfieber" (Kokzidioidomykose) oder Pilzinfektion der Haut und der Lungen (Blastomykose). Wüstenfieber kommt vor allem in den Südstaaten und im Westen der USA, in Mittel- und Südamerika sowie in China, sehr selten aber in Europa vor. Die Blastomykose ist ebenfalls in Amerika deutlich mehr verbreitet als in Europa.
</p>

<p>
	45 der Patienten starben.
</p>

<p>
	Alles in allem sollen die Ärzte (in den USA) noch mehr als bisher für die Infektionsrisiken sensibilisiert werden.
</p>

<p>
	Die FDA spricht in ihrer Empfehlung für Mediziner sogar davon, dass die TNF-Alpha-Blocker zu den Immunsupressiva zählen - also zu den Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken - wie die "älteren" Medikamente <span ipsnoautolink="true"><abbr title="Methotrexat">MTX</abbr></span> und Ciclosporin auch.
</p>

<h2>
	Was empfiehlt die FDA den Medizinern?
</h2>

<p>
	Wenn Patienten kommen und über Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Schwitzen oder Husten klagen, sollten die Ärzte nach einer invasiven Pilzinfektion suchen.
</p>

<p>
	Im Verdachtsfall soll der <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha</span>-Blocker abgesetzt werden. Bestätigt sich der Verdacht nicht oder wurde die Pilzinfektion behandelt, kann die Behandlung weitergehen.
</p>

<p>
	<b>Wichtig zu wissen:</b> Die Verschärfung der Warnhinweise durch die FDA betrifft vor allem Symptome, die in Europa nicht so oft auftreten. Wer in die USA und dort in die beschriebenen Gebiete reist, sollte die Worte der FDA im Hinterkopf haben.
</p>

<p>
	Hierzulande sollte ohnehin jeder Arzt wissen, dass während der Behandlung mit Biologics sehr genau auf Infektionen zu achten ist. Ein Biologic-Patient bemerkt Anzeichen für eine Infektion eventuell später.
</p>

<p>
	<b>Quellen</b>:
</p>

<ul>
	<li>
		<a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33592" rel="external">Tödliche Pilzinfektionen durch TNF-Blocker</a> (Deutsches Ärzteblatt, 05.09.2008)
	</li>
	<li>
		<a href="http://www.fda.gov/bbs/topics/NEWS/2008/NEW01879.html" rel="external nofollow">Pressemitteilung der FDA</a>, 04.09.2008
	</li>
	<li>
		<a href="http://www.amgen.com/media/media_pr_detail.jsp?year=2008&amp;releaseID=1193862" rel="external nofollow">Information des US-Herstellers Amgen</a>, 04.09.2008
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">325</guid><pubDate>Sat, 06 Sep 2008 06:53:00 +0000</pubDate></item><item><title>Einige Biologics bringen Schuppenflechte zum Ausbruch</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologics-interview/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2008_04/kristianreich.jpg.73d44c4b0e449c6a1fa8d55f7d363381.jpg" /></p>
<p>
	In einigen Fachzeitschriften wird von einem erstmaligen Ausbruch oder einer starken Verschlimmerung der <span ipsnoautolink="true">Schuppenflechte</span> nach dem Einsatz von Biologics berichtet. Auch von Betroffenen gibt es entsprechende Berichte. Das Psoriasis-Netz fragte bei <a href="https://www.kristian-reich.com/" rel="external nofollow">Professor Kristian Reich</a> nach, der damals am Hamburger Dermatologikum arbeitete.
</p>

<p>
	<b>Wer ist vor allem betroffen?</b>
</p>

<p>
	<b>Professor Reich:</b> <span ipsnoautolink="true">TNF-alpha-Blocker</span> <i>(= <span ipsnoautolink="true">Enbrel</span>, <span ipsnoautolink="true">Humira</span> und <span ipsnoautolink="true">Remicade</span>, die Redaktion)</i> wirken nicht nur bei Psoriasis. Sie sind auch für andere chronischen Entzündungskrankheiten zugelassen, zum Beispiel für rheumatische Gelenkentzündungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Bei diesen Patienten kann eine Psoriasis tatsächlich erstmals während oder nach Ende der Therapie auftreten. Davon sind besonders Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis betroffen. Bei diesen Krankheiten werden die TNF-Alpha-Antagonisten oft anders dosiert als in der Dermatologie. So werden bei einer Rheumatoiden Arthritis 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben. Bei der Psoriasis sind dagegen 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht üblich. Es ist unklar, ob diese Fälle auch aufgetreten wären, wenn die Dosis genauso hoch wie bei der Psoriasis gewesen wäre.
</p>

<p>
	<b>Gibt es dieses Phänomen auch bei Psoriatikern?</b>
</p>

<p>
	Ja, auch bei Psoriasis-Patienten traten psoriatische Hautveränderungen auf, während sie mit TNF-Alpha-Antagonisten behandelt wurden bzw. nach Abschluss der Therapie. Das waren meist pustulöse Hautveränderungen an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Diese Pustulosis palmoplantaris wird im engeren Sinne nicht der Psoriasis zugerechnet. Die ursprünglichen, klassischen Psoriasis-Herde konnten aber gut kontrolliert werden und verbesserten sich während der TNF-Alpha-Antagonisten-Behandlung.
</p>

<p>
	<b>Wann sollte ein Patient die Therapie abbrechen?</b>
</p>

<p>
	<b>Professor Reich:</b> Insgesamt sind etwa 100 Fälle dokumentiert. Das entspricht bei mehr als zwei Millionen Patienten, die mit einem TNF-Alpha-Antagonisten behandelt werden, einer Häufigkeit von 0,005 Prozent. Bei Psoriasis-Patienten sind pustulöse Hautveränderungen während dieser Therapie sehr selten. Die Therapie sollte nicht abgebrochen werden, weil die neu aufgetretene Psoriasis gut zu behandeln, zum Beispiel mit einer zusätzlichen Salben- oder Phototherapie oder - in schweren Fällen - mit einer kurzfristigen zusätzlichen systemischen Therapie, z.B. mit Acitretin.
</p>

<p>
	<b>Sind Biologics trotzdem sicher?</b>
</p>

<p>
	<b>Professor Reich:</b> Die Ursachen für die psoriatischen Nebenwirkungen sind derzeit nicht bekannt. Es gibt auch keine Marker, die eine Vorhersage erlauben würden, bei wem damit zu rechnen ist. Das Ereignis ist so selten, dass solche Marker auch schwerlich zu finden sein dürften. Möglicherweise handelt es sich um Patienten, die wegen genetischer Faktoren ein besonderes Risiko tragen. So kann z.B. eine Pustulosis palmoplantaris dann auftreten, wenn man die Veranlagung dazu in sich trägt. Es ist auch möglich, dass Menschen gibt, die anders auf TNF-Alpha und TNF-Alpha-Antagonisten reagieren. Noch einmal: Hautveränderungen unter der Therapie mit TNF-Alpha-Antagonisten sind sehr selten. Sie sind nicht bedrohlich. Man kann sie mit zusätzlichen Therapiemaßnahmen in der Regel gut kontrollieren. Es gibt keinen Grund, das günstige Nutzen-Risiko-Profil der TNF-Antagonisten bei Psoriasis neu zu bewerten.
</p>

<p>
	<b>Gibt es ein Biologic, das stärker betroffen ist?</b>
</p>

<p>
	<b>Professor Reich:</b> Von Efalizumab <i>(<span ipsnoautolink="true">Raptiva</span>, die Redaktion)</i> liegen uns Berichte vor, dass sich psoriatische Hautveränderungen verschlechtern oder Psoriasis-ähnliche, entzündliche Dermatosen bilden können. Dieser Wirkstoff ist nur für die Psoriasis zugelassen. Die Zahl der beschriebenen Fälle liegt aber unter einem Prozent. In den allermeisten Fällen kann das aber gut kontrolliert werden, wenn man zusätzliche therapeutische Maßnahmen ergreift oder die Therapie wechselt. Weil der Wirkstoff unter anderem den Austritt von Entzündungszellen aus der Blutbahn in das Gewebe verhindert, ist darüber spekuliert worden, ob bei zusätzlichen Schubfaktoren während der Therapie – also beispielsweise bei einer Entzündung – oder nach dem Ende der Behandlung eine Überwindung der Blockade zu den Phänomenen beitragen könnte.
</p>

<p>
	<i>Die Fragen stellte Claudia Liebram.</i>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">324</guid><pubDate>Mon, 14 Apr 2008 07:56:00 +0000</pubDate></item><item><title>Ibuprofen und ASS nicht gleichzeitig nehmen</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/ibuprofen-ass/</link><description><![CDATA[<p></p><p>Die Schmerzmittel Ibuprofen und ASS sollten nicht gemeinsam eingenommen werden. Darauf weist die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hin. Grund: Ibuprofen hebt die Blutverdünnung, die ASS bewirken soll, teilweise wieder auf. Alternative zu Ibuprofen wäre beispielsweise der Wirkstoff Diclofenac.</p><p></p><p>Zwar gäbe es eine Möglichkeit, Ibuprofen und ASS gemeinsam anzuwenden, doch die klingt nicht eben alltagstauglich: Ibuprofen könnte 30 Minuten nach oder acht Stunden vor ASS eingenommen werden, doch wer will das ausrechnen und einhalten? Am besten spricht man dann doch mit einem Arzt darüber. <i>cl</i></p><p></p><p><b>Quellen:</b></p><p></p><ul><li>"Arzneiverordnung in der Praxis", Herausgeber: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, April 2007</li><li>test - Stiftung Warentest, 12/2007</li></ul>]]></description><guid isPermaLink="false">322</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Infektionen bei Biologics erkl&#xE4;rt</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/listeriose/</link><description><![CDATA[<p>
	TNF-alpha-Blocker werden bei der Behandlung der Rheumatoiden und der <span ipsnoautolink="true">Psoriasis arthritis</span> eingesetzt – beispielsweise in Adalimumab (<span ipsnoautolink="true">Humira</span>), Etanercept (<span ipsnoautolink="true">Enbrel</span>) oder Infliximab (<span ipsnoautolink="true">Remicade</span>). Die Medikamente erhöhen aber auch das Risiko, an einer schweren Infektion – zum Beispiel mit Listeriose-Erregern – zu erkranken. Forscher des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) haben herausgefunden, <i>wie</i> diese gefährliche Nebenwirkung entsteht. Sie entdeckten, dass TNF-alpha essenziell für die Bildung von Granulomen und damit für die Immunantwort des Körpers auf eine Infektion mit Listeriose-Erregern ist.
</p>

<p>
	Mit der Einkapselung von Krankheitserregern in Abszessen und Granulomen schützt die angeborene Immunabwehr den Körper. Granulome sind knotenartige Gewebeneubildungen, die hauptsächlich aus Fresszellen (medizinisch: Makrophagen) und dendritischen Zellen des Immunsystems bestehen. Was die Fresszellen bei der Bekämpfung der Bakterien tun ist bekannt: Sie schließen die Bakterien in ihr Zellinneres ein und isolieren die Krankheitserreger so vom gesunden Gewebe.
</p>

<p>
	Wissenschaftler der Universitäten Köln, Gießen und Konstanz haben herausgefunden, dass auch die dendritischen Zellen eine sehr wichtige Aufgabe haben: Sie bilden eine Ringwand um die Fresszellen und grenzen sie auf diese Weise von einer anderen Klasse von Immunzellen, den T-Zellen, ab.
</p>

<p>
	"Nach einer Infektion mit Listeriose-Erregern produzieren die dendritischen Zellen das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO)", erklärt der Leiter der Studie, Professor Joachim L. Schultze von der Universität Köln. "IDO spaltet daraufhin den Eiweißbaustein Tryptophan. Der verstärkte Abbau des Tryptophans stoppt wiederum das Wachstum der Bakterien, die das Tryptophan als Nährstoff benötigen oder für die - wie im Fall der Listerien - dessen Abbauprodukte giftig sind."
</p>

<p>
	Die Tryptophan-Abbauprodukte haben aber auch noch eine zweite Funktion: Sie hemmen die körpereigenen T-Zellen. Diese Hemmung der T-Zellen ist sehr wichtig, denn T-Zellen erkennen und vernichten infizierte Zellen. Ohne eine Hemmung durch die dendritischen Zellen würden die T-Zellen auch das Granulom vernichten, die darin eingekapselten Erreger im Körper freisetzen und so die Infektion verschlimmern.
</p>

<p>
	Die NGFN-Forscher zeigten, dass die dendritischen Zellen nur dann das Enzym IDO vermehrt bilden, wenn auch der Signalstoff TNF-alpha vorhanden ist. Unterdrücken spezifische Blocker nun TNF-alpha, kann eine Infektion mit Listeriose-Erregern lebensbedrohliche Ausmaße annehmen: Da die T-Zellen nicht gehemmt werden, zerstören diese die schützenden Granulome. Die freigesetzten Krankheitserreger überschwemmen den Körper.
</p>

<p>
	<span ipsnoautolink="true">TNF-alpha-Blocker</span> werden zum Beispiel in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis eingesetzt, da TNF-alpha hier entscheidend zu den für diese Krankheit typischen chronischen Gelenkentzündungen beiträgt. Die Forscher empfehlen deshalb, begleitend zur Therapie mit TNF-alpha-Hemmern gegebenenfalls Antibiotika zu geben, um eine Ausbreitung dieser Krankheitserreger im Körper zu verhindern.
</p>

<p>
	Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden <a href="https://www.jci.org/articles/view/28996" rel="external nofollow">in der Fachzeitschrift "The Journal of Clinical Investigation"</a> veröffentlicht.
</p>

<h2>
	<b>Was ist Listeriose?</b>
</h2>

<p>
	Das Bakterium Listeria monocytogenes kann verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Zuvor: Meist bemerkt ein gesunder Mensch die Infektion gar nicht. Aber: Ältere oder abwehrgeschwächte Patienten haben dann mit Blutvergiftungen und Entzündungen der Hirnhäute oder des Gehirns zu kämpfen. Infektionen während einer Schwangerschaft können das Kind schädigen oder zu einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt führen. <i>idw/cl</i>
</p>

<p>
	Quellen:
</p>

<ul>
	<li>
		idw, 01.12.2006
	</li>
	<li>
		Robert-Koch-Institut, 01.12.2006
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">321</guid><pubDate>Sun, 25 Feb 2007 02:09:00 +0000</pubDate></item><item><title>Teilen von Tabletten kann gef&#xE4;hrlich sein</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/tablettenteilen/</link><description><![CDATA[<p>
	Ein Viertel aller Tabletten werden von den Patienten zu Hause geteilt, bevor sie sie einnehmen.. Das ist nicht immer unproblematisch: Knapp zehn Prozent Tabletten haben keine Bruchkerbe, so dass eine genaue Teilung schwierig ist. Bei vier Prozent ist das Zerteilen sogar gefährlich für den Patienten. Dabei stehen für mehr als die Hälfte der geteilten Tabletten ohne Bruchkerbe geeignete Alternativen zur Verfügung, die oft sogar günstiger sind.
</p>

<p>
	Dies sind die Ergebnisse einer Untersuchung, die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg im "European Journal of Clinical Pharmacology" veröffentlicht haben. Die Heidelberger Wissenschaftler haben 905 ambulante Patienten, die mindestens drei Medikamente einnahmen, zu ihrer Einnahme von Arzneimitteln und dem Thema Tablettenteilung befragt. Die Patienten nahmen insgesamt 3.200 verschiedene Arzneimittel ein. Am häufigsten geteilt wurden Medikamenten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zur Bluttverdünnung und Senkung des Cholesteringehalts im Blut.
</p>

<p>
	<b>Tabletten mit Überzug sollten meist nicht geteilt werden</b>
</p>

<p>
	"Das Tablettenteilen kann aus mehreren Gründen heikel sein", erklärt Professor Walter E. Haefeli von der Uni-Klinik Heidelberg. Bei vielen Tabletten wird der Wirkstoff vor dem sauren Magensaft mit einem magensaftresistenten Überzug geschützt. Werden diese Tabletten geteilt, wird der Wirkstoff bereits im Magen freigesetzt, dabei zerstört und das Medikament wird unwirksam. Bei Tabletten mit einem sogenannten Retard-Überzug, der ihre Freisetzung verlängert, kann die Wirkung des Medikamentes verkürzt werden. Das Risiko für Nebenwirkungen steigt dann.
</p>

<p>
	Auch Tabletten mit speziellen Überzügen, die den Wirkstoff vor einer Inaktivierung durch Luftsauerstoff, Licht oder Feuchtigkeit schützen oder einen unangenehmen Geschmack überdecken, können nicht ohne weiteres geteilt werden. Besonders zu beachten ist, dass selbst vermeintlich leicht teilbare Tabletten mit einer Kerbe nicht immer geteilt werden können, da es sich in manchen Fällen nur um eine irreführende "Schmuckkerbe" handelt.
</p>

<h2>
	<b>Keine ausreichende Information zur Teilbarkeit für Ärzte und Patienten</b>
</h2>

<p>
	Fachinformationen für Ärzte und Beipackzettel für Patienten gehen auf die Teilungsmöglichkeit von Tabletten nur unzureichend ein. Es ist für Patienten und Ärzte häufig nicht zu sehen, ob die Tabletten zum Teilen geeignet sind. "Dies ist problematisch, da die Teilung von Tabletten in vielen Fällen erforderlich ist", erklärt Professor Haefeli, denn nur dadurch könne die Dosis individuell angepasst werden. Vor allem für ältere Menschen und Kinder stehen Arzneimittel nicht immer in der gewünschten Dosis zur Verfügung.
</p>

<p>
	Aber auch aus ökonomischen Gründen werden Tabletten geteilt: Wegen der gesetzlich geforderten Zuzahlungen pro Packung kann es für den Patienten günstiger sein, weniger Packungen mit dem höher dosierten Medikament zu kaufen und die Tabletten zu teilen, als eine größere Anzahl Packungen mit dem niedriger dosierten Medikament.
</p>

<h2>
	<b>Älteren Menschen fehlt oft die Fingerfertigkeit zum Tablettenteilen</b>
</h2>

<p>
	"Gerade für ältere Menschen mit oft eingeschränkter Fingerfertigkeit oder Sehschwäche ist es schwierig, Tabletten fachgerecht zu teilen", berichtet Professor Haefeli. So berichtete jeder sechste Patient über Probleme beim Teilen von Tabletten. Nur 20 Prozent dieser Patienten, dies hat die Umfrage ebenfalls ergeben, benutzen einen Tablettenteiler. Die meisten benutzen ein Küchenmesser, das keine exakte Teilung erlaubt.
</p>

<p>
	Der Heidelberger Klinische Pharmakologe Professor Haefeli empfiehlt deshalb den Ärzten, die Teilung von Tabletten nur zu verschreiben, wenn sie sicher sind, dass dies zulässig ist und von den Patienten auch fachgemäß bewältigt werden kann. Außerdem sollten die Zulassungsbehörden sicherstellen, dass Fachinformationen und Beipackzettel künftig dazu ausreichend Information enthalten.
</p>

<p>
	<i>Quelle: Uni Heidelberg, 23.10.2006</i>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">320</guid><pubDate>Tue, 24 Oct 2006 04:44:00 +0000</pubDate></item><item><title>Einige Rheumamittel wirken offensichtlich auch gegen Alzheimer</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/rheuma-alzheimer/</link><description><![CDATA[<p>
	Bestimmte Schmerz- und Rheumamittel sowie ein erst seit wenigen Jahren bekanntes Medikament gegen Diabetes haben offensichtlich auch einen positiven Effekt auf die Vorbeugung und Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Dies haben Forscher um Professor Michael T. Heneka von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM) zusammen in Wissenschaftlern anderer Zentren in Deutschland, Belgien, Schweden und den USA herausgefunden.
</p>

<p>
	In umfangreichen experimentellen Untersuchungen wiesen sie nach, dass ein bestimmter Rezeptor im Kern der Nervenzellen die Bildung der schädlichen Eiweißablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten reguliert. Anschließend konnten sie zeigen, dass bestimmte ursprünglich für andere Krankheiten entwickelte Medikamente über diesen Kernmembran-Rezeptor einwirken und die Bildung der für die Alzheimer-Erkrankung typischen Eiweißstoffe im Gehirn stark reduzieren.
</p>

<p>
	Zu diesen Medikamenten zählen bestimmte Wirkstoffe, die in einigen Schmerz- und Rheumamedikamenten vorkommen - beispielsweise:
</p>

<ul>
	<li>
		Ibuprofen
	</li>
	<li>
		<span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blocker</span>
	</li>
	<li>
		Naproxen (z.B. in den Medikamenten Dolormin, Naproxen, Aleve, Prodolor) sowie
	</li>
	<li>
		der gegen Diabetes eingesetzte Wirkstoff Pioglitazon (Medikamenten-Handelsname: Actos).
	</li>
</ul>

<p>
	Nach Einschätzung von Professor Erich-Bernd Ringelstein, Direktor der Klinik für Neurologie des UKM, bilden die Forschungsergebnisse des Teams um Professor Heneka "eine neue Grundlage für vorbeugende und Behandlungsstudien an Hochrisiko-Patienten mit gut verträglichen Medikamenten". Es sei heute bereits möglich, einzelne gesunde Menschen zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko haben, später an Alzheimer zu erkranken.
</p>

<p>
	<i>Quellen:</i>
</p>

<ul>
	<li>
		Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Scienes", 10.01.2006
	</li>
	<li>
		Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 10.01.2006
	</li>
	<li>
		MedUniqua, 16.01.2006
	</li>
</ul>
]]></description><guid isPermaLink="false">319</guid><pubDate>Mon, 20 Feb 2006 01:08:00 +0000</pubDate></item><item><title>Hilft das eine nicht, kann das andere sehr wohl wirken</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/biologika-hopping/</link><description><![CDATA[
<p><img src="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2005_12/biologics-wechsel.jpg.1fabc3e77d0d1f86fb67a3e8c092aaf9.jpg" /></p>
<p>
	Eine Therapie für Menschen mit <span ipsnoautolink="true">Schuppenflechte</span> oder <span ipsnoautolink="true">Psoriasis arthritis</span> ist die mit verschiedenen <span ipsnoautolink="true">TNF-Alpha-Blockern</span>, neudeutsch auch "Biologics" genannt. Diese Medikamente sind für diejenigen gedacht, die sehr schwer betroffen sind und bei denen andere Therapien nicht mehr anschlagen ("austherapierte Fälle").
</p>

<p>
	Aber auch die Biologika sind keine Wundermittel: Sie helfen nicht in jedem Fall. Es gibt Patienten, bei denen sie äußerst erfolgreich sind, andere profitieren gut davon. Aber bei allen zugelassenen Biologika gibt es auch eine mehr oder weniger große Gruppe von Patienten, bei denen die Biologika überhaupt nicht anschlagen. Selten wird ein Arzt dann bei dem Patienten noch ein anderes Biologika ausprobieren. Die Krankenkassen verlangen für diese teuren Medikationen eine aufwändige Dokumentation, die sich nicht jeder Arzt mehrmals zumuten wird.
</p>

<p>
	An einer Studie in 71 Zentren in Deutschland haben 819 Patienten teilgenommen, die wegen ihres Rheumas ("rheumatische Arthritis") erfolglos mit Infliximab (<span ipsnoautolink="true">Remicade</span>) und / oder Etanercept (<span ipsnoautolink="true">Enbrel</span>) behandelt worden sind. Diese Personen hatten das Biologika entweder nicht vertragen oder es hat bei ihnen nicht gewirkt. Daraufhin wurden sie 12 Wochen mit Adalimumab (Humira) behandelt.
</p>

<p>
	Bei 61 % der Patienten verbesserten sich die rheumatischen Symptome um 20 %, bei 33 % um 50 %. Selbst nur 20 % weniger Schmerzen und 20 % mehr Beweglichkeit verbessern das Lebensgefühl von Menschen, bei denen jahrelang überhaupt keine Besserung eingetreten ist. Eine kleine Gruppe von 13 % profitierte besonders stark von dem Wechsel: Bei diesen Rheumatiker kam die Krankheit fast völlig zum Stillstand (DAS28&lt;2,6).
</p>

<p>
	Das Ergebnis gilt für Rheumatiker. Es sagt nichts darüber aus, ob es auch Hoffnungen für Menschen mit Gelenk- oder Haut-Psoriasis gibt, die schon einmal vergeblich mit einem Biologika behandelt wurden. Betroffene Patienten sollten auf jeden Fall mit ihrem Arzt darüber sprechen.
</p>

<p>
	Es wäre auch interessant zu untersuchen, ob Patienten, die vergeblich mit Adalimumab (<span ipsnoautolink="true">Humira</span>) behandelt wurden, von einem Wechsel zu Infliximab (Remicade) oder Etanercept (Enbrel) profitieren könnten.
</p>

<p>
	<em>Quelle: Abbott (Hersteller von Humira), zitiert in Pharmazeutische Zeitung 50/2005 und in journal med vom 13.12.05</em>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">328</guid><pubDate>Thu, 15 Dec 2005 04:53:00 +0000</pubDate></item><item><title>Mehr Hautinfektionen nach Biologics</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/hautinfekt-biologics/</link><description><![CDATA[<p>
	Als häufigste Nebenwirkung der Behandlung mit Biologics wird eine Infektion genannt. Damit war bislang meist eine "innerliche" Infektion gemeint. Eine Studie lenkt den Blick aber auch auf Infektionen der Haut, die nach der Nutzung von <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/infliximab//infliximab-remicade/" rel="">Remicade</a>, <a href="https://www.psoriasis-netz.de/medikamente/etanercept/etanercept-enbrel-benepali/" rel="">Enbrel</a> oder <a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/adalimumab/humira/" rel="">Humira</a> häufiger vorkamen.
</p>

<p>
	TNF-Alpha-Blocker sind in den letzten Jahren zu wichtigen Medikamenten geworden: Sie helfen denen, die die Hoffnung auf Besserung ihrer Krankheit schon aufgegeben hatten. Sie sind schweren Fällen vorbehalten, weil sie allesamt sehr teuer sind. Eine mögliche Nebenwirkung eint sie: Die Gefahr von Infektionen ist groß. In der Zeitschrift "Arthritis Research and Therapy" (Ausgabe 7/2005) <a href="https://arthritis-research.biomedcentral.com/articles/10.1186/ar1724" rel="external nofollow">berichten Wissenschaftler</a> nun auch noch von Infektionen und anderen Krankheiten der Haut, die unter der Behandlung mit Biologics vermehrt auftragen.
</p>

<p>
	Die Studie wurde in den Niederlanden durchgeführt. Dort wurden nicht nur die Wirkstoffe Infliximab (Remicade), Adalimumab (Humira) und Etanercept (Enbrel) untersucht, sondern auch ein hierzulande nicht zugelassener Wirkstoff Lenercept.
</p>

<p>
	Infektionen der Haut sind oft nicht schwerwiegend. Sie sehen zudem sehr unterschiedlich aus. Oft wird kein Zusammenhang mit einer Infektion gesehen. Deshalb wird das Risiko eventuell zuweilen unterschätzt. In der Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie viele Biologic-Patienten zusätzlich von einem Hautarzt behandelt werden mussten, wo sie vorher damit keine akuten Probleme hatten.
</p>

<p>
	Insgesamt waren 289 Patienten dabei, die an der rheumatologischen Abteilung der Universität mit TNF-Alpha-Blockern behandelt wurden. Sie wurden verglichen mit genau so vielen Patienten mit rheumatoider Arthritis, die keine TNF-Alpha-Blocker bekamen. Der Unterschied war frappierend: Während 25 Prozent der Biologic-Patienten einen Hautarzt aufsuchten, waren es bei den anderen nur 13 Prozent.
</p>

<p>
	Unter den Hautkrankheiten waren
</p>

<ul>
	<li>
		Hautinfektionen (33mal diagnostiziert)
	</li>
	<li>
		Ekzeme (20mal diagnostiziert)
	</li>
	<li>
		Arzneimittel-Allergie (bei 15 Patienten; 7 von ihnen brachen die Biologic-Behandlung ab)
	</li>
	<li>
		Hauttumore (12 Patienten)?
	</li>
</ul>

<p>
	Von den Patienten mit TNF-Alpha-Blockern brach mehr als ein Viertel (genau: 26 Prozent) die Behandlung wegen der Hauterkrankung ab.
</p>

<p>
	Eine Studie mit 289 Patienten ist nicht repräsentativ für alle Möglichkeiten und Nebenwirkungen einer Therapie. Doch es gibt auch in Deutschland ein Register (<a href="https://biologika-register.de/" rel="external nofollow">Rabbit-Register</a> genannt), wo Beobachtungen von Patienten mit Biologics zusammengetragen werden. Vier Hersteller unterstützten das Projekt des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums. Bis zum 1. März 2005 waren 3.249 Patienten in diesem Register verzeichnet, die mit Adalimumab, Anakinra, Etanercept oder Infliximab behandelt werden oder wurden. Eine ältere Auswertung von 1.295 Patienten geht ebenfalls auf ein höheres Risiko von Hautinfektionen ein.
</p>

<p>
	<i>Quelle (u.a.): Deutsches Ärzteblatt, 04.04.2005</i>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">318</guid><pubDate>Wed, 22 Jun 2005 09:13:00 +0000</pubDate></item><item><title>"Ich kann mich wieder im Spiegel betrachten"</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/raptiva-patientenber/</link><description><![CDATA[
<p>
	<b>Patientenbericht von Jörg Sch., Elektroniker, 37 Jahre</b>
</p>

<p>
	Die <span ipsnoautolink="true">Psoriasis</span> ist das erste Mal im Oktober 2001 in Erscheinung getreten. Vorher hatte ich nie etwas bemerkt. Heute weiß ich, dass man die Veranlagung haben kann, ohne dass die Krankheit ausbricht.
</p>

<p>
	Der Befall trat zuerst an kleineren Stellen am Rücken auf und so ging ich im November 2001 zum ersten Mal zu einem Hautarzt, der dann (ohne große Ausführungen) die Schuppenflechte diagnostizierte. Er verschrieb mir eine Behandlung mit UV-Bestrahlung, die zu keiner Besserung führte. Da der Arzt sich auch nicht weiter um mich kümmern wollte, bin ich im November zu einer anderen Ärztin gegangen. Die Krankheit hatte sich bis dahin ziemlich verschlimmert und es waren jetzt auch die Arme, Beine und der Oberkörper betroffen. Diese Ärztin verschrieb mir eine Therapie mit Fumarsäure (<span ipsnoautolink="true">Fumaderm</span>), die aber auch keine Wirkung erzielte. Zudem wurden meine Blutwerte schlechter und so wurde ich im Januar 2002 an die Uni-Klinik in Köln überwiesen.
</p>

<p>
	Die Aufnahmeuntersuchung in der Ambulanz werde ich nie vergessen. Als erste Reaktion rutschte der untersuchenden Ärztin ein "Ach du Schande" heraus. Da wusste ich, dass ich wirklich eine ziemlich heftige Schuppenflechte hatte. Ich wurde aber erst im März in der Uniklinik aufgenommen. Bis dahin hatte ich eine schreckliche Zeit, da ich erstens damit fertig werden musste, wie ich jetzt aussah und zweitens ziemlich Schmerzen hatte, da die Haut kaum noch gesunde Stellen hatte und auch ziemlich rissig war. Ich war dann insgesamt 5 Wochen in der Uniklinik, 3 Wochen stationär und 2 Wochen in der Tagesklinik. Dort wurde mit stark brennenden Salben und intensiven Bestrahlungen (<a href="https://www.psoriasis-netz.de/magazin/fakten/behandlung/lichttherapie" rel="">Bade-PUVA</a>) behandelt.
</p>

<p>
	Nach dieser Zeit war ich nicht ganz erscheinungsfrei und hatte während der Behandlung starken Juckreiz und Schmerzen durch die Verbrennungen der Haut. Im Krankenhaus wurde auch nach den Ursachen der Erkrankung geforscht. Es wurde von den Ärzten vermutet, dass meine Schuppenflechte mit einer Harnwegsinfektion in Verbindung stand, die ich im Juni 2001 hatte. Ich weiß aus der Literatur, dass auch seelische Belastungen und Schockerlebnisse einen solchen Schub auslösen können. Mittlerweile ist es für mich aber nicht mehr so wichtig, wo meine Krankheit herkommt, sondern wie ich sie in den Griff bekomme.
</p>

<p>
	Nach dem Krankenhausaufenthalt wechselte ich den behandelnden Arzt, da sich meine Bestrahlungstermine, die ich dreimal in der Woche wahrnehmen sollte, nicht mit den Sprechstunden der bisherigen Ärztin vereinbaren ließen. Bei dem neuen Arzt bekam ich erst nach 8 Wochen einen Termin, konnte aber auf Nachfrage erst einmal mit den Bestrahlungen dort anfangen. Während dieser 8 Wochen wurde meine Haut schon wieder schlechter, aber der Arzt riet mir, die Bestrahlungen fortzusetzen. Ich kam mir ziemlich unverstanden vor.
</p>

<p>
	Daraufhin wechselte ich zum neuen Quartal zu meinem jetzigen Hautarzt. Auch dort wurde ich anfangs noch mit Bestrahlungen und verschiedenen Cremes und Salben behandelt.
</p>

<p>
	Dann bekam ich die Möglichkeit, an einer Studie teilzunehmen, die der Wieder-Anerkennung der Bade-PUVA-Therapie in den Arztpraxen dienen sollte. Meine Schuppenflechte war zu diesem Zeitpunkt wieder stark ausgeprägt. Leider kam ich in eine "Beinahe-Placebo"-Gruppe, da ich nur reines Badewasser ohne Zusätze und die Bestrahlung bekam.
</p>

<p>
	Ich glaube, das war nach dem Krankenhaus die schlimmste Zeit, die ich erlebt habe. Durch das Baden weichten die betroffenen Schuppen extrem auf und wurden anschließend durch die Bestrahlung getrocknet. Die ganze Haut spannt sich und ist extrem anfällig und rissig. Das anschließende Eincremen wurde regelrecht zur Qual, da dies unglaublich brannte. Ich einigte mich mit meinem Arzt darauf, dass wir die Studie trotzdem nicht abbrechen und er mich anschließend "richtig" behandelt.
</p>

<p>
	Ich bekam zum ersten Mal Immunosporin (Wirkstoff <span ipsnoautolink="true">Ciclosporin</span>) verabreicht. Nach 10 Wochen Behandlung war ich zum ersten mal fast völlig erscheinungsfrei, hatte aber nicht die besten Blutwerte.
</p>

<p>
	Das war im April 2003, und so nutzten meine Frau und ich die Zeit, in die Sonne in den Urlaub zu fahren und ich konnte diese Zeit richtig genießen. Leider hielt der Zustand nur bis zum Juni an. Von da ab wurde meine Haut sehr schnell wieder schlechter. Seit dieser Zeit hat mein Hautarzt immer wieder verschiedene Behandlungsformen ausprobiert (Fumarsäure, <span ipsnoautolink="true">Methotrexat</span> und auch wieder Immunosporin). Allerdings ohne Erfolg. Die Psoriasis wurde immer schlimmer. Zum ersten Mal war nun auch das Gesicht betroffen, was seelisch nicht einfach zu verkraften war.
</p>

<p>
	Mehr als sechs Monate lang wurde ich mit <span ipsnoautolink="true">Raptiva</span> (Wirkstoff Efalizumab) behandelt. Obwohl das Mittel auch zuhause verabreicht werden konnte, ging ich einmal in der Woche zu meinem Hautarzt in die Praxis, spritzte dort das Mittel aber auch selbst. Der Arzt wollte eben auch immer auf dem Laufenden bleiben, da ich auch sein erster Raptiva-Patient war.
</p>

<p>
	Es ging mir so gut wie seit anderthalb Jahren zuvor nicht mehr. Ich konnte mich wirklich wieder im Spiegel betrachten und freute mich darüber, was ich sah – auch wenn die Haut nicht hundertprozentig abgeheilt war. Die großen Stellen am Oberkörper, an Armen und Beinen, an den Händen und ganz besonders auf dem Kopf und im Gesicht waren völlig erscheinungsfrei und den Rest konnte man unter der Bekleidung verstecken.
</p>

<p>
	Ich traute mich sogar wieder im T-Shirt unter Menschen. Das Gefühl war wirklich unbeschreiblich.
</p>

<hr>
<p>
	<strong>Anmerkung der Redaktion</strong>: Das Medikament Raptiva wurde später wegen starker Nebenwirkungen vom Markt genommen. Dieser Erfahrungsbericht wird dadurch ja aber nicht ungültig – deshalb lassen wir ihn hier stehen.
</p>

<hr>
<p>
	Am 2. Juni 2005 stand Jörg Sch. in einem Themenchat anderen Betroffenen Rede und Antwort. Das Protokoll des Chats können Sie <a href="https://www.psoriasis-netz.de/files/file/2-chatprotokoll-zur-therapie-mit-efalizumab-raptiva/" rel="">in unserem Download-Bereich</a> herunterladen. Lesen Sie auch: "<a href="https://www.psoriasis-netz.de/medikamente/tabletten-spritzen/raptiva-patientenber.html" rel="">Ich kann mich wieder im Spiegel betrachten</a>" – die Lebens- und Leidensgeschichte von Jörg Sch.
</p>

]]></description><guid isPermaLink="false">333</guid><pubDate>Sun, 15 May 2005 12:57:00 +0000</pubDate></item><item><title>Nicht jede Tablette darf zerteilt werden</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/medikamente/tabletten-spritzen/tabletten-teilen/</link><description><![CDATA[<p>
	<b>Der Überzug schützt einige Pillen gegen Zerstörung im Magen, weil der Wirkstoff erst dahinter wirken soll</b>
</p>

<p>
	Nicht jede Tablette darf man zerteilen, um sie leichter schlucken zu können oder in geringerer Dosis zu nehmen. Davor warnte das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber" in Ausgabe 11/2004.
</p>

<p>
	Manche Pillen besitzen Einkerbungen, um sie exakt brechen zu können. Eine glatte Tablette kann dagegen bedeuten, dass sie einen Schutzüberzug besitzt. "Es gibt auch Wirkstoffe, die durch Magensäure verändert oder zerstört werden", schreibt der Apotheker Dr. Edgar Lenier. "In manchen Fällen reizt sie auch die Magenschleimhaut." Im Zweifelsfall sollte man lieber fachlichen Rat einholen.
</p>

<p>
	<i>Quelle: ots, 16.11.2004</i>
</p>
]]></description><guid isPermaLink="false">316</guid><pubDate>Wed, 17 Nov 2004 02:04:00 +0000</pubDate></item></channel></rss>
