Fortschritte der Ursachenforschung

Die Charakteristika der psoriatischen Hautläsion – die extreme Proliferation der Keratinozyten und die läsiona-le Akkumulation neutrophiler Granulozyten – werden durch Zytokine ausgelöst und unterhalten, welche in die Haut infiltrierte T-Lymphozyten sezernieren. Es scheint, daß die pathologischen Prozesse durch spezielle T-Zell-Klone vermittelt werden, welche durch Kontakt mit dem jeweils gleichen Antigen aktiviert werden.

In diesem Zusammenhang sind die Keratinozyten von großem Interesse: Proteine dieser Zellen, so fand man, weisen Strukturhomologien mit Antigenen von Streptococcus pyogenes auf. Einiges spricht dafür, daß das antigene Mimikry dazu führen könnte, daß die Immuntoleranz gegen die autologen Keratinozyten verloren geht: Schließlich, so J. Prinz, München, sind Racheninfektionen mit ß-hämolysierenden Streptokokken einer der wichtigsten Triggerfaktoren der primären Psoriasis-Manifestation.

Ist das Autoantigen einmal identifiziert, liegt z.B. die Induktion oraler Toleranz im Bereich des Möglichen, so C. E. M. Griffiths, Manchester/England. Neben eingeführten Immuntherapien z.B. mit Ciclosporin oder FK 506 und hochspezifischen experimentellen Ansätzen mit Anti-CD3- und Anti-CD4-Antikörpern diskutierte Griffiths mögliche zukünftige Strategien wie Anti-Zytokine oder Immunmodulation mit Hilfe des antientzündlich wirkenden Interleukins IL-10.

Modernes Psoriasis-Management

Dank ihrer vielfältigen Aktivitäten auf Zellproliferation, Differenzierung und Entzündung hat man schon früh den Wert der Retinoide bei chronisch hyperproliferativen Hauterkrankungen erkannt. Im Bemühen um größere therapeutische Breite wurden immer neue Abkömmlinge entwickelt, z.B. solche mit Selektivität für bestimmte Retinoid-Rezeptor-Subtypen. Diese, vor allem aber die in Entwicklung befindlichen Rezeptor-Antagonisten könnten sich laut J.-H. Saurat, Genf/ Schweiz, für die topische Therapie als geeignet erweisen.

Das große Angebot an Therapeutika macht es möglich, der Variablilität der Psoriasis Rechnung zu tragen und die Behandlung auf den individuellen Patienten abzustimmen. Unter den antipsoriatisch wirksamen Externa Dithranol, Teer und Vitamin-D3-Analoga sind letztere Mittel der ersten Wahl. Die etablierte Photochemotherapie PUVA bekommt von zwei Seiten Konkurrenz: von der selektiven Phototherapie mit einem engbandigen UVB-Spektrum von 311 nm und der Balneo-Phototherapie, z.B. auch Bade-PUVA.

Über die Kombination verschiedener pharmakologischer Therapieprinzipien läßt sich, bei geringerer Nebenwirkungsrate, der Effekt optimieren. Bewährte Kombinationen sind laut P. C. M. van de Kerkhof, Nijmegen/ Niederlande, Retinoide plus Photo(chemo)therapie oder Calcipotriol sowie Ciclosporin plus Calcipotriol.

Ungeklärtes Phänomen Pruritus

Obwohl er eines der häufigsten Symptome in Dermatologie und Allergologie überhaupt ist, sind die zugrundeliegenden Mechanismen des Juckreizes immer noch kaum entschlüsselt. Wie bei keinem anderen Symptom ist man bei der Erforschung des Phänomens auf die Beschreibung und Bewertung durch Betroffene angewiesen; Tiermodelle helfen hier nicht weiter. Zur Bestimmung der Intensität stützt man sich im wesentlichen auf visuelle Analogskalen. Versucht wurde auch, zur quantitativen Abschätzung meßbare Parameter heranzuziehen wie nächtliches Kratzen, Schlaflosigkeit oder die Zahl der Exkoriationen.

Wie J. Ring, München, betonte, gibt es auch verschiedene Qualitäten des Pruritus. Der Allergologe stellte ein Juckreiz-Modell vor, das nach Art eines Pricktests durchgeführt wird und mit dem bei freiwilligen Versuchspersonen die pruritogene Aktivität verschiedener Verbindungen einerseits sowie juckreizlindernde Strategien andererseits getestet werden können.

Neue Möglichkeiten der äußerlichen Behandlung diskutierte S. Reitamo, Helsinki/Finnland. Bei Patienten mit atopischer Dermatitis konnte die Überlegenheit eines Doxepinhaltigen Externums gegenüber dem Vehikel festgestellt werden. Allerdings litten viele der Behandelten an Müdigkeit – ein Hinweis darauf, daß der therapeutische Erfolg womöglich auf der systemischen Sedation durch das Antidepressivum beruht. Ein interessanter Kandidat ist Capsaicin, der Bestandteil der Pfefferschote, der ihr die Schärfe verleiht. Zwar induziert die Substanz die Freisetzung von Neuropeptiden, was zunächst ein brennendes, stechendes Gefühl auf der Haut erzeugt. Bei wiederholter Anwendung jedoch scheint der Stoff jedoch antipruriginös zu wirken, wie man in einer kontrollierten Studie an Psoriasis-Patienten fand. Das Juckreizlindernde Potential von Kortikoiden ist belegt; auch das Immunsuppressivum Tacrolimus scheint Neurodermitiker von der unangenehmen Empfindung zu befreien. Dennoch: Bei der Behandlung des Juckreizes spielt immer ein ausgeprägter Plazeboeffekt mit, betonte Ö. Hägermark, Stockholm/ Schweden. (Kg/wpa)

Quelle: hautnah dermatologie Heft 2/1999

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