Einige Biologics bringen Schuppenflechte zum Ausbruch

Kristian Reich

In einigen Fachzeitschriften wird von einem erstmaligen Ausbruch oder einer starken Verschlimmerung der Psoriasis nach dem Einsatz von Biologics berichtet. Auch von Betroffenen gibt es entsprechende Berichte. Das Psoriasis-Netz fragte bei Professor Kristian Reich vom Hamburger Dermatologikum nach.

Wer ist vor allem betroffen?

Professor Reich: TNF-Alpha-Antagonisten (= Enbrel, Humira und Remicade, die Redaktion) wirken nicht nur bei Psoriasis. Sie sind auch für andere chronischen Entzündungskrankheiten zugelassen, zum Beispiel für rheumatische Gelenkentzündungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Bei diesen Patienten kann eine Psoriasis tatsächlich erstmals während oder nach Ende der Therapie auftreten. Davon sind besonders Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis betroffen. Bei diesen Krankheiten werden die TNF-Alpha-Antagonisten oft anders dosiert als in der Dermatologie. So werden bei einer rheumatoiden Arthritis 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben. Bei der Psoriasis sind dagegen 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht üblich. Es ist unklar, ob diese Fälle auch aufgetreten wären, wenn die Dosis genauso hoch wie bei der Psoriasis gewesen wäre.

Gibt es dieses Phänomen auch bei Psoriatikern?

Ja, auch bei Psoriasis-Patienten traten psoriatische Hautveränderungen auf, während sie mit TNF-Alpha-Antagonisten behandelt wurden bzw. nach Abschluss der Therapie. Das waren meist pustulöse Hautveränderungen an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Diese Pustulosis palmoplantaris wird im engeren Sinne nicht der Psoriasis zugerechnet. Die ursprünglichen, klassischen Psoriasis-Herde konnten aber gut kontrolliert werden und verbesserten sich während der TNF-Alpha-Antagonisten-Behandlung.

Wann sollte ein Patient die Therapie abbrechen?

Professor Reich: Insgesamt sind etwa 100 Fälle dokumentiert. Das entspricht bei mehr als zwei Millionen Patienten, die mit einem TNF-Alpha-Antagonisten behandelt werden, einer Häufigkeit von 0,005 Prozent. Bei Psoriasis-Patienten sind pustulöse Hautveränderungen während dieser Therapie sehr selten. Die Therapie sollte nicht abgebrochen werden, weil die neu aufgetretene Psoriasis gut zu behandeln, zum Beispiel mit einer zusätzlichen Salben- oder Phototherapie oder – in schweren Fällen – mit einer kurzfristigen zusätzlichen systemischen Therapie, z.B. mit Acitretin.

Sind Biologics trotzdem sicher?

Professor Reich: Die Ursachen für die psoriatischen Nebenwirkungen sind derzeit nicht bekannt. Es gibt auch keine Marker, die eine Vorhersage erlauben würden, bei wem damit zu rechnen ist. Das Ereignis ist so selten, dass solche Marker auch schwerlich zu finden sein dürften. Möglicherweise handelt es sich um Patienten, die wegen genetischer Faktoren ein besonderes Risiko tragen. So kann z.B. eine Pustulosis palmoplantaris dann auftreten, wenn man die Veranlagung dazu in sich trägt. Es ist auch möglich, dass Menschen gibt, die anders auf TNF-Alpha und TNF-Alpha-Antagonisten reagieren. Noch einmal: Hautveränderungen unter der Therapie mit TNF-Alpha-Antagonisten sind sehr selten. Sie sind nicht bedrohlich. Man kann sie mit zusätzlichen Therapiemaßnahmen in der Regel gut kontrollieren. Es gibt keinen Grund, das günstige Nutzen-Risiko-Profil der TNF-Antagonisten bei Psoriasis neu zu bewerten.

Gibt es ein Biologic, das stärker betroffen ist?

Professor Reich: Von Efalizumab (Raptiva, die Redaktion) liegen uns Berichte vor, dass sich psoriatische Hautveränderungen verschlechtern oder Psoriasis-ähnliche, entzündliche Dermatosen bilden können. Dieser Wirkstoff ist nur für die Psoriasis zugelassen. Die Zahl der beschriebenen Fälle liegt aber unter einem Prozent. In den allermeisten Fällen kann das aber gut kontrolliert werden, wenn man zusätzliche therapeutische Maßnahmen ergreift oder die Therapie wechselt. Weil der Wirkstoff unter anderem den Austritt von Entzündungszellen aus der Blutbahn in das Gewebe verhindert, ist darüber spekuliert worden, ob bei zusätzlichen Schubfaktoren während der Therapie – also beispielsweise bei einer Entzündung – oder nach dem Ende der Behandlung eine Überwindung der Blockade zu den Phänomenen beitragen könnte.

Die Fragen stellte Claudia Liebram.

Bildquellen

  • Kristian Reich: privat

2 Kommentare

  1. Man bin ich dankbar, für diesen Bericht. Juni 2006 mit Humira behandelt wegen Morbus Bechterew. Juli 2007 Beginn Psoriasis pustulosa palmoplantaris. Im September Absetzen von Humira, wegen der Pso. Ab 1.Nov 2007 PUVA, weil sonst nichts hilft.J etzt noch 1x pro Woche Bestrahlung. Hab die Pso gut im Griff. Seit 1 Woche Enbrel wegen Bechterew. Was passiert jetzt, fängt die Pso wieder an? Kein Arzt in der Hautklinik konnte mir sagen, warum das unter Humira ausgebrochen ist, weil es ja eigentlich gegen Pso eingesetzt wird. Bin ratlos und hab die totale Angst, was jetzt passieren wird.

  2. Im Februar 2007 hab ich mit einer RAPTIVA-Behandlung begonnen 0.5-0.7
    Die Haut hat sich bereits während der ersten zwölf Injektionen bedeutend gebessert, aber es sind Nebenerscheinungen an den Gelenken aufgetreten. Mit den nächsten zwölf Injektionen wurden die Gelenkschmerzen immer stärker, und nach der 24. Injektion die Behandlung abgesetzt mit der Anweisung, in zehn Wochen eine Kontrolle vorzunehmen. Bereits drei Wochen nach Absetzen bekam ich so einen starken Schub, wie ich ihn schon lange in meiner 49-jährigen Psoriasis-Zeit nicht mehr hatte. Dann war ich wieder in Kortison-Behandlung. Über das Ergebnis der RAPTIVA-Behandlung bin ich zutiefst enttäuscht. Demnach bin auch ich auf die überdimensionale Werbung von Biologicas hereingefallen. Ich hatte nur Probleme! Es wundert mich sehr, dass man mit leidgeprüften Psoriatikern solche Experimente macht. Im Frühjahr April/Mai unterzog ich mich einer Klimakur am Toten Meer/Jordanien und kann nur Positives berichten. In der dritten Woche kam die Besserung, und nach der vierten Woche war ich erscheinungsfrei am ganzen Körper. Glücklich und mit einem gestärkten Allgemeinbefinden trat ich wieder die Heimreise an.

    Anmerkung der Redaktion. Raptiva ist ein zugelassenes Medikament. Insofern kann man nicht (mehr) von einem Experiment sprechen.

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