Vor Pilzinfektionen in den USA wird bei einigen Biologics gewarnt

Symbol einer Spritze

Biologics helfen ohne Frage vielen Menschen, die mittelschwer bis schwer an der Schuppenflechte, an Psoriasis arthritis oder anderen Autoimmunerkrankungen leiden. Sie bergen aber auch Risiken, und von denen kristallieren sich nach und nach mehrere heraus. Die US-amerikanische Arzneibehörde FDA hat jüngst vor invasiven Pilzinfektionen gewarnt, die während der Behandlung mit TNF-Alpha-Blockern aufgetreten sind. Einige davon gingen sogar tödlich aus. Die Verschärfung der Warnhinweise durch die FDA betrifft vor allem Symptome, die in Europa nicht so oft auftreten – also eher USA-Reisende.

Die Hersteller müssen nach diesem FDA-Hinweis vor den Infektionsrisiken warnen. Das tun sie zwar bislang schon auch im Beipackzettel, aber es muss noch deutlicher als bisher geschehen.

Speziell genannt werden die TNF-Alpha-Blocker mit den Wirkstoffen Infliximab (Handelsname: Remicade), Etanercept (Handelsname: Enbrel) und Adalimumab (Handeslname Humira). In den USA betrifft dies noch ein Medikament mit dem Wirkstoff Certolizumab.

Invasive Pilzinfektionen – was ist das?

Da wäre zum einen die Histoplasmose zu nennen. Das ist eine nicht ansteckende Infektionskrankheit, die durch einen Pilz übertragen wird. Am häufigsten ist die Lunge betroffen. Die Symptome variieren stark. Genannt werden ein allgemeines Krankheitsgefühl, ein trockener Husten (ohne Auswurf), Brustschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Appetitlosigkeit. Die überwiegende Mehrheit der Infizierten hat keine Symptome oder höchstens milde grippeähnliche Symptome.

Disseminierte (eine „gestreute“, ausgeprägte) Histoplasmose kann sich auf mehrere Organe ausbreiten und tödlich sein, wenn sie nicht behandelt wird. Allerdings muss gesagt werden, dass die meisten Erkrankungen davon in Regionen an den Flüssen Ohio und Mississippi auftraten, in deren Gebiet regelmäßig ganze Histoplasmose-Wellen auftreten. In mindestens 21 Fällen war die Histoplasmose allerdings am Anfang nicht erkannt worden.

Andere invasive Pilzinfektionen, die die FDA mit der Behandlung mit TNF-Alpha-Blockern in Verbindung bringt, sind Aspergillose oder Candidiasis.

Welche Fakten hat die FDA?

Die Behörde hat 240 Berichte von Patienten, bei denen es zu einer Histoplasmose gekommen war.

  • Remicade: 207 Fälle
  • Enbrel: 17 Fälle
  • Humira: 16 Fälle

Die FDA hat außerdem Hinweise auf Fälle von „Wüstenfieber“ (Kokzidioidomykose) oder Pilzinfektion der Haut und der Lungen (Blastomykose). Wüstenfieber kommt vor allem in den Südstaaten und im Westen der USA, in Mittel- und Südamerika sowie in China, sehr selten aber in Europa vor. Die Blastomykose ist ebenfalls in Amerika deutlich mehr verbreitet als in Europa.

45 der Patienten starben.

Alles in allem sollen die Ärzte (in den USA) noch mehr als bisher für die Infektionsrisiken sensibilisiert werden.

Die FDA spricht in ihrer Empfehlung für Mediziner sogar davon, dass die TNF-Alpha-Blocker zu den Immunsupressiva zählen – also zu den Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken – wie die „älteren“ Medikamente MTX und Ciclosporin auch.

Was empfiehlt die FDA den Medizinern?

Wenn Patienten kommen und über Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Schwitzen oder Husten klagen, sollten die Ärzte nach einer invasiven Pilzinfektion suchen.

Im Verdachtsfall soll der TNF-Alpha-Blocker abgesetzt werden. Bestätigt sich der Verdacht nicht oder wurde die Pilzinfektion behandelt, kann die Behandlung weitergehen.

Wichtig zu wissen: Die Verschärfung der Warnhinweise durch die FDA betrifft vor allem Symptome, die in Europa nicht so oft auftreten. Wer in die USA und dort in die beschriebenen Gebiete reist, sollte die Worte der FDA im Hinterkopf haben.

Hierzulande sollte ohnehin jeder Arzt wissen, dass während der Behandlung mit Biologics sehr genau auf Infektionen zu achten ist. Ein Biologic-Patient bemerkt Anzeichen für eine Infektion eventuell später.

Quellen:

Bildquellen

  • Spritze Symbol: Karramba Production / Fotolia
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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