Bericht einer Gruppenreise ans Tote Meer

Von Romany Dietz, Selbsthilfegruppe Ostheim/Rhön (Text und Foto)

Am 22. März 2005 machten sich sieben Hautpatienten aus der Rhön und 15 weitere aus dem ganzen Bundesgebiet auf, um ihrer Gesundheit in Jordanien am Toten Meer etwas Gutes zu tun.

Da der Bereifung zweier Anhänger unter der Last der Koffer die Luft ausging, verstauten wir alles im Bus. Wir kamen trotzdem pünktlich in Frankfurt zum Abflug. Dort trafen wir auf den Rest unserer Gruppe und kamen auch gleich gut ins Gespräch. Die jüngste Teilnehmerin war 17 Jahre alt, der Älteste 79 – was aber auch diesmal kein Problem darstellte.

Als wir am Toten Meer ankamen, war die Temperatur noch nicht so hoch (etwa 23 °C), was aber unserer wintergewöhnten Haut ganz gut tat. Nach drei Tagen haben wir dann die 30 °C überschritten und sogar einmal einen kleinen Sandsturm miterlebt.

Danach ebbte die Temperatur wieder etwas ab, so dass wir sogar einmal einen Sonntags-Frühschoppen ohne schlechtes Gewissen bis in den Nachmittag ausgedehnt haben. Ansonsten waren aber alle Teilnehmer sehr darauf bedacht, die Sonnenstunden für die Haut entsprechend zu nutzen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die einzelnen Leute selbst so viel Körpergefühl dafür entwickeln, was ihrer Haut gut tut (Salben, Schlamm, Wasser, Sonne etc.), und in welcher Intensität es für jeden selbst richtig ist. Man tauscht sich auch gerne aus, gibt hilfreiche Tipps, was man noch tun könnte, um die Haut möglichst gut auszuheilen.

So entsteht eine Gemeinschaft, die man in keinem normalen Urlaub erhalten kann. Das ist dann auch der Urlaub für die Seele, den wir Hautgeplagte auch sehr benötigen. In jedem anderen „normalen“ Urlaubsgebiet wird man argwöhnisch beäugt, was das wohl auf der Haut sein mag. Hier am Toten Meer hat jeder „sein Päckchen“ zu tragen. Dadurch entstehen solche Ausgrenzungen erst gar nicht.

Der Chef des Hauses, Nader Amr, stand uns an einem Nachmittag Rede und Antwort zu allen Themen rund um das Land. Wir konnten erfahren, wie und wann Jordanien gegründet wurde, und wie sich die Bevölkerung zusammensetzt. Er scheute sich auch nicht davor, die Fragen über die Religion und die Verschleierung der Frauen zu beantworten. Zum Abschluss versprach er uns, dass die Umbaumaßnahmen am Hotel und am Neubau neben dem Hotel bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein sollen, so dass wir im nächsten Jahr auch keinen Baulärm mehr haben werden. Wobei dieser Lärm in unserem Hotel nicht mehr so schlimm war wie im Nachbarhotel.

Zu der Gruppe möchte ich noch etwas persönlich anmerken: Natürlich gibt es immer einige, mit denen man mehr, und andere, mit denen man weniger Kontakt hat. Aber ich muss sagen, dass mich der Zusammenhalt dieser Gruppe doch sehr beeindruckt hat. Egal, welches Alter oder welcher Krankheitszustand – die Gemeinschaft war einfach riesig!

Danke nochmal an alle für die schöne Zeit, die ich mit euch verbringen durfte!

Leider musste ich nach 2 Wochen bereits abreisen, was mir sehr schwer gefallen ist. Aber ich weiß, dass ich mit einigen weiterhin einen intensiven Kontakt pflegen werde, da sie mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Alle Mitgereisten haben die kompletten Kosten aus ihrer eigenen Tasche bezahlt, da unsere Krankenkassen immer noch der Meinung sind, dass wenn man alle drei Jahre dort eine Kur machen kann, genügt. Anscheinend sitzen in den Krankenkassen keine Hautpatienten – sonst würde man doch vielleicht endlich verstehen, dass ein Leben ohne oder mit wesentlich weniger Schüben nicht nur alle drei Jahre schön ist.

In den meisten Fällen kann man durch einen Aufenthalt am Toten Meer sechs bis acht Monate beschwerdefrei leben. Was das für ein Lebensgefühl ist, kann man nicht mit Worten beschreiben. Dass die Krankenkassen die Entlastung an Medikamenten anscheinend nicht rechnen, ist dagegen sehr traurig. Ich hoffe darauf, dass unser Gesundheitswesen eines Tages auch wieder das ganze wörtlich nimmt und sich um unsere Gesundheit im Ganzen kümmert und uns nicht nur mit schweren Medikamenten therapiert.

Ich für meinen Teil weiß, dass ich dieses Land und das Tote Meer sicherlich nicht zum letzten Mal besucht habe. Auch wenn ich seit einigen Jahren an der Haut erscheinungsfrei bin, bringt mir der Aufenthalt dort sehr viel für meine Allergien (Etagenverlagerung durch Kortison) und diverse andere Leiden.

Wir – die Selbsthilfegruppe Ostheim/Rhön – würden uns freuen, wenn auch beim nächsten Mal wieder so nette Leute mit uns verreisen.

Zu ihrer Freude konnte die Selbsthilfegruppe Ostheim/Rhön zum Abschluss ihrer Reise eine Spende von 200 Euro vom Reisebüro Freimuth – Klimaheilbehandlung am Toten Meer entgegen nehmen.

Bildquellen

  • Gruppe1: SHG Neurodermitis und Psoriasis Ostheim v.d. Rhön

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*