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    Balneophototherapie untersucht und bewertet

    Menschen mit Schuppenflechte profitieren von einer Balneo-Photo-Therapie (Licht-Bade-Therapie) mehr als von einer "trockenen" UVB-Bestrahlung. Für Patienten mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) gibt es zumindest Hinweise auf einen Zusatznutzen - aber eben auch nur Hinweise. Das gilt allerdings nur für die so genannte synchrone Balneo-Photo-Therapie, bei der ein Patient während des Bades bestrahlt wird. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 28. Dezember 2006.

    Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hatte das IQWiG den Nutzen und die Notwendigkeit verschiedener Varianten der Balneo-Photo-Therapie untersucht. Dies sind Therapien, die Bäder und Bestrahlung mit UV-Licht kombinieren. Bad und Bestrahlung können nacheinander (asynchron) oder gleichzeitig (synchron) erfolgen.

    Vom IQWIG untersuchte Verfahren

    • Synchrone Variante: das TOMESA-Verfahren. Dem Badewasser wird "TOtes-MEer-SAlz" zugefügt.
    • Asynchrone Variante: Bade-PUVA und Photo-Sole-Therapie
    • "Bade-PUVA": Der Patient badet zuerst in Wasser mit dem Wirkstoff Psoralen. Der macht die Haut lichtempfindlicher. Danach wird mit UVA-Licht bestrahlt.
    • Photo-Sole-Therapie: Der Patienten badet zuerst in einer konzentrierten Salzlösung. Danach wird mit UVB-Licht bestrahlt.

    Therapievarianten erschweren eine Bewertung

    Die Pressemitteilung zum Abschlussbericht liest sich, als hätten sich die Prüfer ordentlich die Haare gerauft: Es gibt nicht nur verschiedene Verfahren der Therapie, sondern diese werden auch noch sehr unterschiedlich ausgeführt.

    So fanden sie deutliche Unterschiede

    • bei den Inhaltsstoffen
    • bei der Konzentration der Bade-Lösungen
    • bei der Dauer des Bades
    • bei der Temperatur des Badewassers
    • bei der Art der UV-Strahlung
    "Beispielsweise werden drei verschiedene Varianten von UVB-Licht eingesetzt, ohne dass bislang eindeutig geklärt ist, wie sich deren Nutzen unterscheidet", so das IQWIG.

    Zwar fanden die IQWiG-Wissenschaftler zur asynchronen Balneophototherapie immerhin 11 Studien, die den Ein- und Ausschlusskriterien genügten. Diese 11 Studien stellten aber 11 verschiedene Therapievergleiche an.

    Studienqualität zum Teil mangelhaft

    Insgesamt gingen 13 kontrollierte Studien mit zusammen 2.326 Patienten in die Nutzenbewertung ein. Diese Studien ließen jedoch viele Fragen unbeantwortet, weil bei Studienplanung und -publikation wichtige Aspekte nicht berücksichtigt worden waren: Sieben der 13 Studien wiesen leichte Mängel auf, weitere 6 sogar grobe.

    Als für die Patienten wichtige Therapieziele wertete das IQWiG

    • die Reduzierung (oder Beseitigung) von Hautbeschwerden über einen möglichst langen Zeitraum sowie
    • die Besserung der krankheitsbezogenen Lebensqualität.
    Wichtig war auch, ob unerwünschte Nebenwirkungen seltener auftraten und ob der Therapieaufwand für die Patienten geringer war.

    Bade-PUVA besser als andere der Therapien

    Die Auswertung der Studien ergab, dass sich Hautbeschwerden von Psoriasis-Patienten bei allen drei Varianten der Balneophototherapie positiver als bei einer trockenen Bestrahlung entwickelten. Für die Bade-PUVA sind darüber hinaus weniger unerwünschte Wirkungen belegt. Im Vergleich der beiden asynchronen Methoden untereinander schneidet die Bade-PUVA besser ab als die Photo-Sole-Therapie, und zwar sowohl mit Blick auf das Hautbeschwerdebild als auch auf die Nebenwirkungen.

    Wie sich die Lebensqualität von Patienten mit Psoriasis verändert, lässt sich aus den verfügbaren Studien für keine der asynchronen Methoden ablesen. Nur bei der synchronen Bade-Variante, dem TOMESA-Verfahren, deutet sich eine Verbesserung der Lebensqualität an. Weil die einzige Studie zu dieser Frage aber mangelhafte Qualität hat, muss der Hinweis mit Vorsicht interpretiert werden. Vergleichende Aussagen zum Therapieaufwand sind bei den meisten Verfahren nicht möglich, weil hierzu nur wenige Daten vorliegen oder nicht interpretierbar sind.

    Situation bei atopischer Dermatitis gänzlich unklar

    Für die Indikation atopische Dermatitis gibt es derzeit lediglich eine Studie, und zwar zum TOMESA-Verfahren. Sie liefert - anders als bei der Psoriasis - keine Belege, sondern lediglich Hinweise, dass Patienten mehr profitieren als von einer trockenen Bestrahlung, und dies auch nur hinsichtlich des Hautbeschwerdebildes und für keine andere Zielgröße.

    Bade-PUVA: Nur schwache Hinweise auf geringeres Krebsrisiko

    Der für Licht sensibilisierende Wirkstoff Psoralen kann nicht nur bei einem Bad über die Haut, sondern auch in Form von Tabletten aufgenommen werden (so genannte orale PUVA). Einige Experten bevorzugen die Bade-PUVA, weil sie vermuten, dass sie im Vergleich zur oralen PUVA ein geringeres Risiko aufweist, bestimmte Arten von Hautkrebs zu erregen, und weniger unerwünschte Nebenwirkungen hat. Zudem sei der Behandlungsaufwand geringer.

    Das IQWiG hat die orale PUVA mit der Bade-PUVA verglichen. In einigen Stellungnahmen zum Vorbericht war kritisiert worden, diese Vorteile seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Nachträglich hat das IQWiG deshalb auch retrospektiv vergleichende Studien in die Bewertung einbezogen. Auch nach Auswertung dieser Studien sehen die IQWiG-Wissenschaftler die Frage des Krebsrisikos aber weiter als weitgehend ungeklärt an. Eine abschließende Nutzen-Schaden-Abwägung ist auf Basis der derzeit verfügbaren Studien nicht möglich.

    Quelle: Abschlussbericht und Presseinformation des IQWIG, 28.12.2006


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    Recommended Comments

    Guest Hermann F. L.

    Posted

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin seit langem Psoriasis-Patient und leide gerade ganz einem heftigerem Schub, den auch mein Hautarzt nicht mit Salben in den Griff bekommt. Nun hörte ich von der Balneo-Photo-Therapie und möchte (als schwerbehinderter Senior, 74) wissen, ob es im Münchner Norden (München-Schwabing un Umgebung) Hautpraxen und Einrichtungen gibt, diese Form der Therapie anbieten.

    Mit freundlichen Grüßen, Hermann F. L.

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