Zu Inhalt springen

Neue Leitlinie: UV-Therapie bleibt unverzichtbar bei Schuppenflechte

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat im Januar 2026 eine aktualisierte Leitlinie zur Lichttherapie und Photochemotherapie veröffentlicht. Sie rückt die Lichttherapie wieder stärker ins Bewusstsein von Patientinnen, Patienten und Ärzten. Für Menschen mit Schuppenflechte enthält die Leitlinie konkrete und teils neue Empfehlungen. Je nach Psoriasis-Form unterscheiden sich die empfohlenen Verfahren deutlich.

Zusammenfassung

Eine Lichttherapie sollte bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis eine wichtige Behandlungsform bleiben. Das haben Experten in einer neuen Leitlinie bestätigt. Sie empfehlen UVB 311 nm sowie PUVA. Je nach Form der Erkrankung, Alter und Schwangerschaft unterscheiden sich die Empfehlungen.

Neu ist unter anderem, dass UVA1 bei Psoriasis ausdrücklich nicht empfohlen wird und die Kombination mit Biologika wie IL-17- oder IL-23-Inhibitoren ausdrücklich als sinnvolle Option genannt wird.

Warum das wichtig ist

Die Zahl der Lichttherapien bei Psoriasis nimmt seit Jahren ab. Die neue Leitlinie zeigt, warum das ein Fehler sein könnte, und gibt Betroffenen eine solide Grundlage für das Gespräch mit dem Hautarzt.

Was ist UV-Therapie?

Wer zum ersten Mal von UV-Therapie hört, denkt vielleicht ans Solarium. Das wäre ein Missverständnis. Bei der medizinischen UV-Therapie kommen spezielle Geräte zum Einsatz, die ganz bestimmte Wellenlängen des ultravioletten Lichts gezielt auf die erkrankte Haut richten. Das natürliche UV-Spektrum wird dabei in UV-A, UV-B und UV-C unterteilt. Für die Behandlung von Hauterkrankungen nutzt man ausschließlich UV-A- und UV-B-Strahlung – UV-C wird nicht eingesetzt.

Für die Psoriasis-Behandlung wichtig sind vor allem zwei Verfahren:

  • UVB 311 nm (Schmalband-UVB): Das heute am häufigsten eingesetzte Verfahren. Es wirkt gezielter und nebenwirkungsärmer als älteres Breitband-UVB.

  • PUVA-Therapie (Psoralen + UVA): Dabei nimmt man vor der Bestrahlung einen lichtempfindlich machenden Wirkstoff (Psoralen) ein oder badet darin. PUVA ist etwas wirksamer als UVB 311 nm, aber aufwändiger und mit mehr Nebenwirkungen verbunden.

Die Breitband-UVB-Therapie (280–320 nm) spielt bei der Psoriasis heute nur noch eine Nebenrolle, da UVB 311 nm ihr in der Wirksamkeit überlegen ist.

Lichttherapie bleibt First-Line bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis

Die neue Leitlinie bestätigt ausdrücklich, was die Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis vulgaris schon festlegt: Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis gehören die UV-Therapie mit UVB und die PUVA-Therapie weiterhin zu den Erstlinienbehandlungen. Das ist eine wichtige Botschaft, denn in der Praxis ist die Zahl der UV-Therapie-Verordnungen bei Psoriasis in den letzten Jahren zurückgegangen.

Die Leitlinie gibt dabei klare Zahlen: Bei der UVB-Therapie erreichen etwa 50 bis 75 Prozent der Behandelten innerhalb von vier bis sechs Wochen mindestens einen PASI 75 – also eine 75-prozentige Verbesserung des Hautbefunds. Bei der PUVA-Therapie sind es sogar 75 bis 100 Prozent der Behandelten im gleichen Zeitraum. Der erste Wirkungseintritt ist bereits nach ein bis zwei Wochen zu erwarten.

Und es kommt noch ein Aspekt hinzu, der oft übersehen wird: UV-Therapie kann nicht nur die Haut verbessern. Sie dämpft laut den Leitlinien-Experten nachweislich auch die systemische Entzündung im Körper – gemessen an einem Rückgang von CRP und IL-6 im Blut. Außerdem könnte sie den HDL-Cholesterin-Spiegel erhöhen und damit wahrscheinlich auch das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

Verglichen mit dem TNF-alpha-Blocker Adalimumab verbesserte die UV-Therapie sogar die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten stärker.

Die neue Kernempfehlung – und was sich verändert hat

Die wichtigste neue Empfehlung in der Leitlinie lautet:

Bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis wird eine Behandlung mit UVB 311 nm oder mit PUVA (systemisch oder topisch) empfohlen. Bezüglich der Wirksamkeit, insbesondere bei der chronischen Plaque-Psoriasis, ist die PUVA-Therapie etwas überlegen. UVA1 wird nicht empfohlen.

Das ist ein wichtiger Klarstellungspunkt: UVA1-Strahlung, die bei manchen anderen Hauterkrankungen gut wirkt, ist bei Psoriasis keine sinnvolle Option. Die Leitlinie bezeichnet die Ergebnisse mit mittelhohen UVA1-Dosen bei Psoriasis vulgaris ausdrücklich als „enttäuschend" und als der PUVA- oder UVB 311 nm-Therapie „deutlich unterlegen".

Pustulöse Psoriasis: PUVA besonders geeignet

Menschen mit pustulöser Psoriasis – also der Psoriasis-Form, bei der sich statt typischer Schuppen mit Flüssigkeit gefüllte Pusteln bilden – profitieren besonders stark von PUVA. Die Leitlinie beschreibt die PUVA- oder Bade-PUVA-Therapie bei dieser Form als „sehr effektiv".

Auch bei der palmoplantaren Psoriasis (Befall von Handflächen und Fußsohlen) empfiehlt die Leitlinie als bevorzugtes Verfahren die Hand/Fuß-Bade-PUVA-Therapie. Wenn diese nicht verfügbar oder kontraindiziert ist, kann alternativ UVB 311 nm eingesetzt werden. Die Leitlinie stellt außerdem klar, dass bei palmoplantarer Pustulose die Kombination einer oralen PUVA-Therapie mit Acitretin oder Fumarsäureestern sehr gute Ergebnisse zeigt.

Psoriasis bei Kindern und Schwangeren

Für diese besonderen Patientengruppen gibt es klare und wichtige Regelungen.

Kinder und Jugendliche: Bei ihnen kann UVB 311 nm erwogen werden. Kinder und Jugendliche sollten grundsätzlich keine PUVA-Therapie bekommen. Der Grund: Das Krebsrisiko durch die UV-Belastung muss in frühem Alter besonders niedrig gehalten werden – und es gibt alternative Therapien.

Schwangere und stillende Patientinnen: Auch hier gilt: UVB 311 nm kann eingesetzt werden – allerdings sollte dabei auf eine Folsäure-Supplementation (800 µg/Tag) geachtet werden, weil UVB 311 nm den Folsäurespiegel im Blut senken kann. PUVA hingegen ist in Schwangerschaft und Stillzeit klar kontraindiziert, da die verwendeten Psoralene (8-MOP) laut Fachinformation in diesen Situationen nicht eingesetzt werden dürfen.

Kombination mit anderen Therapien – auch mit Biologika

Die Leitlinie geht ausführlich auf Kombinationstherapien ein, was für viele Psoriasis-Patienten relevant ist, die bereits andere Medikamente nehmen.

Als topische Kombination ist die gleichzeitige Anwendung von Vitamin-D-Analoga, topischen Kortikoiden oder Dithranol (Cignolin) sinnvoll – wegen ihrer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung.

Als systemische Kombinationspartner werden Retinoide (zum Beispiel Acitretin) und Fumarsäureester empfohlen. Die Kombination aus Retinoiden und UVB 311 nm ist ähnlich wirksam wie die Kombination aus Retinoiden und PUVA. Die Kombination mit Methotrexat ist ebenfalls wirksam – hier sollte aber auf seltene Reaktivierungen von UV-Erythemen nach Sonnenexposition geachtet werden. Zudem gibt es Hinweise, dass Methotrexat das Risiko erhöht, langfristig Hautkrebs zu entwickeln.

Ganz neu und wichtig: Die Leitlinie adressiert auch die Kombination mit Biologika. UVB 311 nm kann zusammen mit den Biologika Etanercept, Adalimumab oder Ustekinumab eingesetzt werden – und wirkt dann besser als jedes Medikament allein.

Auch in Kombination mit neueren Biologika – die sogenannten IL-17- und IL-23-Hemmer – kann UVB 311 nm die Wirkung zusätzlich verstärken. Das ist besonders praktisch, wenn trotz verschiedener Biologika keine vollständige Hautabheilung erreicht wird. Die UV-Therapie kann dann entweder in der Frühphase zur Beschleunigung des Wirkungseintritts oder bei Wirkungsverlust des Biologikums als Zusatztherapie eingesetzt werden.

Aber Achtung: Die Kombination mit Ciclosporin sollte wegen des Hautkrebsrisikos nach vielen UV-Sitzungen im Laufe des Lebens in jedem Fall vermieden werden.

Was darf die Therapie kosten – und geht das auch zuhause?

Die Leitlinie hebt ausdrücklich hervor, dass die Lichttherapie im Vergleich zu modernen Systemtherapeutika wie Biologika vergleichsweise kostengünstig ist.

Eine Heimbehandlung halten die Experten für grundsätzlich möglich, sie sehen aber strenge Bedingungen: Sie kommt für sie nur in Betracht, wenn der Besuch eines Therapiezentrums unmöglich ist und keine geeigneten Alternativen bestehen.

Neuere Studien zeigen jedoch, dass digitale Phototherapie-Systeme für die Heimbehandlung mit UVB 311 nm die Therapietreue deutlich verbessern können – weil der Aufwand für die Betroffenen sinkt. Die Photochemotherapie (PUVA) soll laut Leitlinie grundsätzlich nur in der Praxis oder Klinik erfolgen.

Hautkrebsvorsorge nicht vergessen

Wer in seinem Leben schon viele UV-Behandlungen erhalten hat – mehr als 500 UVB-Sitzungen oder mehr als 250 PUVA-Sitzungen – sollte regelmäßige Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren vorliegen.

Fachbegriffe erklärt

  • PUVA-Therapie: PUVA steht für „Psoralen + UVA". Psoralene sind natürliche oder synthetische Wirkstoffe, die die Haut lichtempfindlicher machen. Man nimmt sie entweder als Tablette ein, badet darin oder trägt sie als Creme auf. Danach bestrahlt der Arzt die Haut mit UV-A-Licht. Die Kombination dringt tiefer in die Haut ein und ist besonders wirksam – aber auch aufwändiger als eine reine UVB-Therapie.

  • PASI 75: Der PASI ist ein Messwert, der den Schweregrad der Psoriasis bewertet – er berücksichtigt, wie viel Körperoberfläche befallen ist und wie stark die Haut gerötet, verdickt oder beschuppt ist. „PASI 75" bedeutet, dass sich der Befund im Vergleich zum Ausgangswert um mindestens 75 Prozent verbessert hat. Das gilt in der Dermatologie als Standardziel und Zeichen eines guten Therapieansprechens.

  • Schmalband-UVB (UVB 311 nm): „Schmalband" bedeutet, dass nur ein sehr enger Bereich des UV-Spektrums genutzt wird – nämlich die Wellenlänge um 311 Nanometer. Diese Wellenlänge ist besonders wirksam bei Psoriasis, weil sie genau den Bereich trifft, der die krankhaften Immunreaktionen in der Haut dämpft. Gleichzeitig verursacht sie weniger Sonnenbrand und weniger Hautrötungen als das ältere Breitband-UVB – deshalb hat sie die Breitband-Therapie in der modernen Dermatologie weitgehend abgelöst.


Zuletzt aktualisiert:

Nutzer-Rückmeldung

Empfohlene Kommentare

Burg

Burg

Benutzer
(bearbeitet)
7 Stunden her, Claudia Liebram schrieb:

Der erste Wirkungseintritt ist bereits nach ein bis zwei Wochen zu erwarten.

Und es kommt noch ein Aspekt hinzu, der oft übersehen wird: UV-Therapie kann nicht nur die Haut verbessern. Sie dämpft laut den Leitlinien-Experten nachweislich auch die systemische Entzündung im Körper – gemessen an einem Rückgang von CRP und IL-6 im Blut. Außerdem könnte sie den HDL-Cholesterin-Spiegel erhöhen und damit wahrscheinlich auch das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

Wer, wie ich, sehr gut auf UVBsel anspricht und mit Dithranol-Creme kombiniert, kann schon ab dem 2.-3. Tag mit dem beginnenden Erfolg rechnen.

Nach 3 Wochen war ich Pso-frei. Ob dabei auch die täglichen 3-4-stündigen Waldwanderungen mitgewirkt hatten?

Nach etwa 3 Tagen erhöhte sich bei mir die Körpertemperatur auf 37,2°C und blieb bis zum Ende der UVBsel-Therapie.

Mein Eindruck war, dass auch Pso in Hautfalten, die nicht so viel UVB-Licht abbekommen hatten, verschwanden.

7 Stunden her, Claudia Liebram schrieb:

Schwangere und stillende Patientinnen: Auch hier gilt: UVB 311 nm kann eingesetzt werden – allerdings sollte dabei auf eine Folsäure-Supplementation (800 µg/Tag) geachtet werden, weil UVB 311 nm den Folsäurespiegel im Blut senken kann.

1990 wurde bei mir bei der Therapie während der Stillzeit keine Folsäure gegeben. Der Säugling wurde im KH mitaufgenommen.

Auch da war ich in 3 Wochen erscheinungsfrei.

7 Stunden her, Claudia Liebram schrieb:

Als topische Kombination ist die gleichzeitige Anwendung von Vitamin-D-Analoga, topischen Kortikoiden oder Dithranol (Cignolin) sinnvoll – wegen ihrer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung.

Auch während der Stillzeit war bei mir die Kombination UVBsel + Dithranol unter sorgfältigem Abdecken der mit Dithranol-Creme behandelten Haut möglich; die Brust wurde NICHT behandelt.

7 Stunden her, Claudia Liebram schrieb:

Auch in Kombination mit neueren Biologika – die sogenannten IL-17- und IL-23-Hemmer – kann UVB 311 nm die Wirkung zusätzlich verstärken. Das ist besonders praktisch, wenn trotz verschiedener Biologika keine vollständige Hautabheilung erreicht wird. Die UV-Therapie kann dann entweder in der Frühphase zur Beschleunigung des Wirkungseintritts oder bei Wirkungsverlust des Biologikums als Zusatztherapie eingesetzt werden.

Hat hier jemand Erfahrung damit?

7 Stunden her, Claudia Liebram schrieb:

Wer in seinem Leben schon viele UV-Behandlungen erhalten hat – mehr als 500 UVB-Sitzungen oder mehr als 250 PUVA-Sitzungen – sollte regelmäßige Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen

In meinem Leben gab es neben Sonnenbaden etwa 70 x PUVA und etwa 250 x UVBsel.

Da ich vor sehr langer Zeit (etwa 1977) mal für 3-4 Wochen ein schon lange obsoletes (es hat sein ursprüngliches Therapiegebiet durch bessere Therapiemöglichkeiten verloren) Arsen-haltigess Präparat eingenommen hatte, soll ich in meinem Leben nur noch 1-5 x (je 3 Wochen a 6x = + 20-100x) mit UVBsel therapieren dürfen.

Allerdings, je älter ich werde, um so weniger stört mich dieser Umstand.

Bis jetzt, nach 50J Pso, habe ich keinen (Haut-) Krebs.

Nicht nur bei den UV-Therapien, sondern auch beim "Sonnenbaden" gewöhne ich langsam meine Haut an die Strahlen; es ist bei mir nur eine leichte Rötung der Haut unter der Therapie erlaubt - so vermeide ich einen Sonnenbrand (und evtl. Pso-Schub) und erlebe trotzdem den therapeutischen Nutzen. Analog gilt das bei mir auch beim Dithranol, auch da darf ich nur 1/10tel der üblichen Dosis verwenden.

LG Burg

Bearbeitet ( von Burg)

Erstelle ein Konto, um zu kommentieren

Wichtige Informationen

Wir setzen Cookies, um die Benutzung der Seite zu verbessern. Du kannst die zugehörigen Einstellungen jederzeit anpassen. Ansonsten akzeptiere bitte diese Nutzung.

Konto

Navigation

Suche

Suche

Browser-Push-Nachrichten konfigurieren

Chrome (Android)
  1. Klicke das Schloss-Symbol neben der Adressleiste.
  2. Klicke Berechtigungen → Benachrichtigungen.
  3. Passe die Einstellungen nach deinen Wünschen an.
Chrome (Desktop)
  1. Klicke das Schloss-Symbol in der Adresszeile.
  2. Klicke Seiteneinstellungen.
  3. Finde Benachrichtigungen und passe sie nach deinen Wünschen an.