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  • Inga Richter
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    Inga Richter

    Auch eine Placebo-Creme verschafft Linderung

    Kortison wirkt, unbestritten. Doch stellt es aufgrund der Nebenwirkungen für viele Psoriatiker keine langfristige Therapieoption dar. Wäre es hingegen möglich, die Dosis zu reduzieren, so könnten auch die unerwünschten Ereignisse vermindert werden. Forscher der Universität Rochester untersuchten daher, ob sich dies mithilfe des Placebo-Effektes bewerkstelligen lässt.

    Dafür behandelte das Team um Robert Ader bei 46 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte je eine Läsion mit Triamcinolone Acetonide (Aristocort 0,1%) Salbe. Nach drei Wochen teilten sie die Probanden für weitere acht Wochen in drei Gruppen ein. Gruppe I wurde mit der üblichen Dosierung versorgt. Bei Gruppe II war in nur jeder zweiten bis vierten Anwendung Kortison enthalten. Und Gruppe III erhielt bei jedem Cremen Kortison, allerdings in einer Konzentration von nur 25 bis 50 %.

    Die Studie verlief doppelblind und randomisiert. Das heißt: Wer welche Salbe bekam, blieb zunächst ein Geheimnis und wurde außerdem per Los entschieden. Um die „Täuschung“ perfekt zu machen, glichen die verschiedenen Salben einander in Konsistenz, Farbe, Geruch und Verpackung. Schließlich unterwies eine Autoritätsperson in weißem Kittel die Probanden, wie das Medikament zu verwenden sei.

    „Die Medikamentenwirkung beruht nicht auf Wirkstoffen allein.“, erklärt Ader. Ähnlich wie Pawlows Hunde auf die Glocke reagierten, ist das Gehirn des Menschen durch Stimuli wie die äußere Form eines Medikamentes oder die Zuwendung eines Arztes auf `Heilung´ konditioniert. Wäre die Wirksalbe rosa und die anderen Salben blau oder würde gar ein Student in Jeans den Teilnehmern kommentarlos eine Tube in die Hand drücken, käme kein Placebo-Effekt zustande.

    Nach den Gesetzen der reinen Pharmakologie war ein positives Resultat sowieso kaum zu erwarten. Die reduzierte Wirkstoffdosis sei eigentlich zu klein für eine therapeutische Wirkung, sagt Ader. Doch Psychoneuroimmunologen, so wie er, wissen längst um die Macht der Selbstheilung. Seit Jahrzehnten erforschen sie das Zusammenwirken von Gehirn und Immunsystem, den Placebo-Effekt, der nach Schätzung von Experten fast die Hälfte vom Nutzen medizinischer Methoden ausmacht.

    Placebo – nicht nur Einbildung

    Dabei handelt es sich mitnichten um Einbildung. Dank moderner Bildgebungsverfahren sind die Auswirkungen der Gedanken und damit einhergehende körperliche Veränderungen direkt messbar. So ist es heute eine anerkannte Tatsache, dass positive oder negative Gefühle wie Hoffnung oder Stress erheblichen Einfluss auf chemische Botenstoffe im Gehirn ausüben und über die Menge der Hormonausschüttung das Immunsystem aktivieren – oder unterdrücken. Doch auch ohne Kernspintomographen gibt es genügend Beweise:

    Beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, als die Soldaten im Lazarett nach einer Injektion weniger Schmerzen verspürten. Zum Glück wussten sie nicht, dass den Ärzten das Morphium ausgegangen war und nun lediglich Kochsalzlösung in ihren Adern floss. Somit hatte ihr Glaube an die Medizin im Gehirn schmerzstillende Endorphine ausgeschüttet.

    Andererseits können Menschen mit Gehirnschädigungen wie Alzheimer nicht vom Placebo-Effekt profitieren - zu sehr sind ihre neuronalen Schaltkreise in Mitleidenschaft gezogen. Auch kann die Heilmethode keine fehlenden Organe oder Zellen herbeizaubern. Diabetes Typ I wäre auf diese Weise also nicht zu heilen.

    Behandlung mit nutzloser Dosis

    Psoriasis aber gehört zu den Erkrankungen, bei denen Gehirn und Immunsystem in direktem Zusammenhang stehen. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sich die Symptome bei Stress verschlimmern. Theoretisch könnte demnach der Placebo-Effekt greifen und tat es scheinbar auch: In der Wirkstoffgruppe meldeten vier von 18 Probanden (22,2 Prozent) einen „Rückfall“ – das heißt, die zunächst abheilende Läsion näherte sich im Laufe der Zeit bis auf zwei Einheiten wieder dem ursprünglichen Wert auf der Psoriasis Severity Scale (PSS).

    Erstaunlicherweise verhielt es sich bei der Gruppe II (normale Kortison-Konzentration, nur in jeder zweiten oder vierten Anwendung) mit einer Rückfallquote von 26,7 Prozent vergleichbar. Aus der Reihe fiel das Ergebnis der Gruppe III, die durchgehend mit Kortison in verringerter Konzentration behandelt worden waren: acht von 13 der Probanden (61,5 Prozent) erlitten einen Rückfall. Dennoch blieb ein gutes Drittel der Betroffenen vergleichsweise beschwerdefrei.

    Weitere Forschungen sollen diese Ergebnisse und auch die Nachhaltigkeit der Methode näher beleuchten. Die Studie beweise, dass der Placebo-Effekt die Behandlung von Psoriasis mit einer therapeutisch nutzlosen Medikamentendosis möglich mache, sagt Ader. Würde Placebo mehr beachtet, dann ließen sich Giftstoffbelastung und Nebenwirkungen reduzieren sowie die dadurch bedingten Therapieabbrüche - mal ganz abgesehen von den verringerten Kosten für das Gesundheitssystem.


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