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  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Teer in der Behandlung der Psoriasis

    Seit mehr als 100 Jahren werden chronische Hautkrankheiten mit Steinkohle-Teer behandelt. Es wirkt eher schwach, d.h. es ist nicht für mittelschwere und schwere Formen der Schuppenflechte geeignet. Steinkohle-Teer wurde in Deutschland verdächtigt, krebserregende Stoffe zu enthalten. Nachdem es deshalb in Kosmetika völlig verboten wurde, wurden steinkohlenteerhaltige Cremes und Shampoos verschreibungspflichtig. Diese Entscheidung war aber zwischen den Experten stets umstritten. Wegen der öffentlichen Diskussion wurden die teerhaltigen Präparate kaum noch verschrieben. Die Hersteller nahmen sie daraufhin vom Markt.

    Teer ist einer der ältesten Wirkstoffe, um Hautkrankheiten zu behandeln. Er wird aus Kohle, Holzkohle und Torf gewonnen. Daher auch der intensive Geruch. Teer enthält mehr als 400 Inhaltsstoffe, von denen nicht einmal die Hälfte erforscht ist. Die Medizin arbeitet meist mit Steinkohle-Teer (LCD - liquor carbonis detergens).

    Substanzen im Teer hemmen die übertriebene Zellteilung und Verhornung. Sie wirken entzündungshemmend und lindern den Juckreiz. Viele Patienten haben gute Erfahrungen mit Teer gemacht. Oft können sie auf Kortisoncremes oder -salben verzichten, wenn sie stattdessen teerhaltige Präparate auftragen1. In den USA gehört Teer (neben Kortison) zu den am meisten verschriebenen Wirkstoffen bei Psoriasis.

    Teere machen die Haut besonders empfindlich für UV-Strahlen. Deshalb sollte man sich nicht gleichzeitig intensiv mit Sonnen- oder künstlichem UV-Licht bestrahlen. Das kann zu Sonnenbrand und Blasenbildung führen. In den USA dagegen wird eine Behandlung mit Steinkohle-Teer einer UVB-Therapie vorgeschaltet ("Goeckermann-Schema"). Bei der "Ingram-Methode" werden Teerbad, UVB-Bestrahlung und Dithranol-Paste kombiniert.

    Gelegentliche Hautreizungen verschwinden nach sehr kurzer Zeit. Teerhaltige Präparate dürfen nicht bei einer feucht-entzündlichen bzw. einer pustulösen Psoriasis eingesetzt werden. Vorsicht ist außerdem in Körperregionen geboten, die den Wirkstoff vermehrt aufnehmen: z.B. Gesicht, Hautfalten, Leistenbeuge, Hodensack oder um den After. Teerhaltige Produkte dürfen nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Man sollte sie bei Kindern unter 12 Jahren nicht einsetzen.

    Trotz guter Wirkung stört es viele Anwender, dass die Cremes intensiv riechen. Die modernen Zubereitungen synthetischer Teere sind aber hinsichtlich Farbe und Geruch durchaus akzeptabel. Sie eignen sich besonders zur preiswerten Nachbehandlung, wenn die akute Entzündung z. B. durch Kortison abgeklungen ist.

    Wegen möglicher erbgutschädigender und krebserregender Effekte von Steinkohle-Teerverbindungen sind die teerhaltigen Shampoos und Cremes in Verruf geraten. Das galt nie für Ölschiefer-Teer. In Tierexperimenten hatte sich gezeigt, dass die im Steinkohle-Teer manchmal vorkommenden Benzpyrene krebserregend sind. Daraufhin wurde Steinkohle-Teer zuerst in Kosmetika verboten, dann als Wirkstoff in Fertigpräparaten rezeptpflichtig. Einige der bisher frei käuflichen Präparate verschwanden vom Markt: Poloris-Lotion, Poloris-Fettcreme und Basiter.

    Professor Roland Niedner von der Hautklinik Potsdam spricht von "unkritischen Krebswarnungen" und hält die "sporadische Anwendung des altbewährten Steinkohleteers" weiterhin für vertretbar. Andere Experten verweisen auf die jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen und die zahlreichen Studien an Patienten. Sie halten es "so gut wie ausgeschlossen", dass Menschen Krebs bekommen, weil sie mit Teer behandelt wurden. Die Patientenzeitschrift PSO aktuell weist darauf hin, dass ein Krebsrisiko nur besteht bei "ununterbrochenem Dauergebrauch und an Körperstellen, an denen die Haut den den Wirkstoff vermehrt aufnimmt. Meiden sollte Steinkohle-Teer auch, wer an einer angeborenen Geschwulstneigung leidet. In den USA hat die Gesundheitsbehörde FDA, deren strenge Richtlinien für Nahrungs- und Arzneimittel international als vorbildlich gelten, die freiverkäuflichen Steinkohleteer-Shampoos als "sicher und wirksam" eingestuft.

    Zurzeit (Mai 2020) ist nur die Tarmed-Lösung, 4 % Steinkohle-Teer-Lösung, zugelassen für Psoriasis auf der Kopfhaut, gegen Rezept erhältlich.

    Nicht in Deutschland zugelassen war und ist die Exorex Lotion mit 1% Steinkohleteerextrakt. In Österreich, Luxemburg, Holland, Spanien und Irland war sie (angeblich) zugelassen zur Behandlung der Schuppenflechte auf Haut und Kopfhaut.

    Nicht mehr erhältlich sind

    • Berniter Kopfhaut Gel, 0,5 % Steinkohleteer, zugelassen nur für die unterstützende Therapie bei Psoriasis auf der Kopfhaut.
    • LorindenT-Salbe, 1,5 % Steinkohleteer, zugelassen für Psoriasis vulgaris.
    • Teer Linola Fett mit 4% Steinkohlenteer

    Rezepturen (Zubereitungen) mit Konzentrationen von 10 % bis 20 % Steinkohleteer werden wegen des unangenehmen Teergeruchs und der Verfärbung von Haut und Kleidung nur noch in Klinken angewendet.

    Anmerkungen

    1) In einem vierwöchigen Rechts-Links-Vergleich an 30 Patienten wirkte Teer nicht schlechter, als Hydrokortison 1% ("arznei-telegramm" 2003; Jg. 34, Nr. 5. S. 53).

    Der Vertreiber von Exorex verweist auf eine kontrollierten Prüfung an 40 Patienten mit Plaque-Psoriasis, die an der Universitäts-Hautklinik in Wien durchgeführt wurde (S. Tzaneva, H. Hönigsmann, A. Tanew im British Journal of Dermatology. Volume 149 / 2003, S. 350 ff.). Danach hat sich dieses steinkohleteerhaltige Präparat klinisch und statistisch dem Wirkstoff Calcipotriol (Daivonex oder Psorcutan Creme) als "ebenbürtig" erwiesen.

    Tipps zum Weiterlesen

    Wie Hautkrankheiten mit Steinkohlenteer behandelt werden können

    (Pharmazeutische Zeitung, 31.07.2014)

    Die Pharmazeutische Zeitung gibt einen Überblick zur Behandlung der Schuppenflechte mit Steinkohlenteer. Auch Seborrhoische Dermatitis, Ekzeme und einige Kopfhaut-Probleme können damit therapiert werden – wenn man denn den Geruch mag und ausgiebige Sonnenbäder oder Besuche im Solarium sein lässt.


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    • Stefan22869
      By Stefan22869
      Hallo, ich habe seit rund 20 Jahren Pso und habe natürlich alles probiert. Fumaderm und ähnliches...alles nicht lang von Erfolg gekrönt. Ich habe Pso an den üblichen Stellen. Finger, Ellenbogen, Knie usw.....
      Vor einem halben Jahr habe ich durch einen Umzug einen neuen Doc besucht und der hat mir eine Salbe verschrieben, die in der Apo erst abgemischt werden musste und furchtbar nach Teer stinkt.
      Inhaltsstoffe: Clobetasolum Propionicum, Salicylsaeure, Steinkohlenteerspiritus, eucerinium anhydrcium
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    • PtrckSbstn
      By PtrckSbstn
      Hallo ihr Lieben,
       
      momentan habe ich wohl einen der schlimmsten Peso-Schübe  seit Langem und es juckt auch noch überall... Als Hintergrund- Nach einer schweren Mandelentzündung hatte sich bei (ich war glaube ich 20) mir erstmals eine POS Guttata entwickelt, die dann nach und nach einen chronischen Verlauf genommen hat - was sich bis heute leider nicht geändert hat. Ich habe also meist kleine (max. 2 Euro Stück große) Plaques - diese aber am ganzen Körper.
       
      Ich habe viel ausprobiert aber nichts will so richtig helfen außer Daivobet. Wenn ich ganz schlimme Schübe habe, benutze ich es täglich über einen Zeitraum von 4 Wochen und manchmal mache ich mir dann Sorgen, dass das viel zu viel ist.
       
      Nun bekomme ich mit Daivo so ziemlich jede Stelle gut in den Griff außer meine Hände... Befallen sind bei mir nicht die Innenflächen sondern die Handöberfläche selbst, bevorzugt unterhalb der Finger bei den Handwurzelknochen. Nach 2 Wochen Daivo kam es zu keiner Besserung also bin ich nun bei einem Coal Tar ointment aus den USA angekommen. Ich habe im Netz gelesen, dass dieses Zeug besonders bei Peso an den Händen Wunder wirken soll - aber auch da sehe ich nach nunmehr 2 Wochen noch keine einzige Besserung...
      Habt ihr Tipps? Die Plaques sind nicht anders als alle anderen an meinem Körper, daher verstehe ich nicht warum nichts hilft
       
      LG!
    • Meister82
      By Meister82
      Ich habe Schuppenflechte an den Beinen..bedingt durch Stoffwechselerkrankung(Angeblich)
      Keine Kortisonsalbe hat wirklich geholfen.Dann war ich auf Borkum in Kur man wurde bei der Aufnahmeuntersuchung auf meine Flechten aufmerksam und schickte mich in die dort ansässige Hautklinik.
      Ein älterer Chefarzt hat mich untersucht und mir eine Salbe (Mixtur aus Biostoffen)verschrieben. Sie nennt sich
      "Hydrophile LCD  Creme" Rezeptpflichtig und wird jeweils angemischt..Steinkohlenteermischung.
      Ich trage Sie dünn auf und dann die Stellen, in meinem Fall die Beine,mit Klarsichtfolie umwickeln,wegen Geruch,Fleckenbildung auf Wäsche und damit die Wärme auf den Beinen bleibt.
      Morgens abduschen und eincremen Hautfreundlich..
      Nach 3maliger Anwendung sind die Schuppenflechten so gut wie weg  natürlich auch der Juckreiz..und das hält so ca.4Wochen an.
       
       
    • Claudia
      By Claudia
      Hallo Frau Charitidou,
      haben Sie Alltagstipps für Leute mit Psoriasis am Kopf? Ist Föhnen zum Beispiel schädlich? Und sollte ich lieber weniger die Haare waschen?
      Und: Wir hatten hier im Forum kürzlich eine Diskussion, was eigentlich mit dem "guten alten" Teer ist. Mancher schwört auf das Teershampoo. Was halten Sie davon?
    • arni
      By arni
      Jetzt muss ich doch mal in großer Runde fragen. Ihr habt ja alle schon einiges ausprobiert und mitgemacht. 
      In der Klinik Bad Bentheim wurde ich mit verschiedenen Teerhaltigen Präparaten behandelt. Salben, Lotionen usw.  Zuerst wurde es mit Kortison mal wieder versucht. Als es keinen Erfolg brachte, wurde auf Teer umgeschwenkt. Teer und Protopic. Diese Kombi brachte meiner Kopf-Pso endlich mal eine Verbesserung. 
      Gestern war ich beim Hautarzt mit dem vorläufigen Bericht von Bentheim. Protopic kann er nicht verschreiben, da es für die Psoriasis nicht zugelassen ist.
      Über die Teerbehandlung war er sehr erstaunt und meinte, damit wird eigentlich niemand mehr behandelt. Es gäbe modernere Möglichkeiten. Kann sein...meine Kopf-Pso spricht aber auf die moderne Palette der Möglichkeiten überhaupt nicht an  . Er war ein relativ junger Arzt. Er meinte in seinem Studium, sei die Teerbehandlung vorgekommen. Aber nur am Rande. Und er hatte bisher auch noch keinen Patienten mit Teerbehandlungen. Also Null-Ahnung. 
      Nach einigen hin-und her, hat er mir ein Rezept zum anmischen in der Apotheke ausgestellt. Dort gab es die nächste Überraschung. Die Apotheke kann es nicht anmischen. Rezepturen veraltet und fehlende Rohstoffe. 
       
      Ist diese Behandlungsmöglichkeit tatsächlich schon so unmodern? Warum verwenden es die Hautkliniken, wenn ich anschließend damit nicht weiter behandelt werden kann? Das ist doch frustrierend. 
      Jetzt will er mir ein Rezept für das Tarmed Shampoo zuschicken. Und mit dem Xamiol soll ich weiter machen. Wobei ich den Sinn nicht sehe. Wenn es nach 6 Monaten keine Besserung gibt...aber gut. Vielleicht bringt die Kombi von Shampoo und Xamiol einen Erfolg. 
       
       

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