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Fumaderm - was ist das und wie wird es angewendet?
Wirkstoff: Fumarsäureester
 
Diese Medikament ist rezeptpflichtig.

Allgemeine Informationen

Fumarsäure ist eine natürliche Substanz und gehört zu dem Fruchtsäuren. Man findet sie z.B. in der Heilpflanze Gemeiner Erdrauch (Fumaria officinalis), die schon im Mittelalter bei trockener und schuppender Haut angewandt wurde. Fumaderm ® enthält nicht die Fumarsäure selbst, sondern zwei chemische Abkömmlinge (Ester) der Fumarsäure (Dimethylfumarat und Ethylhydrogenfumarat). Anders als die Fumarsäure können diese Fumarsäureester problemlos aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden und sind daher für eine innerliche Therapie in Tablettenform geeignet. Die Tabletten sind magensaftresistent, d.h. sie lösen sich erst im Dünndarm auf und können dann über die Darmschleimhaut aufgenommen werden.

Bei welcher Erkrankung wird das Medikament angewandt?

Fumarsäureester können bei mittelschweren bis schweren Formen der Psoriasis vulgaris eingesetzt werden, wenn die alleinige äußerliche Therapie mit Cremes, Salben, Bädern und Licht nicht ausreicht. Als schwer wird eine Psoriasis eingestuft, wenn mehr als 25% der Körperoberfläche betroffen sind, die gängigen äußerlichen Therapien nicht ausreichend wirken oder häufig Rückfälle auftreten.

Wirkmechanismus

Die gesunde Haut erneuert sich ständig, indem Hornschicht-bildende Zellen (Keratinozyten) durch die Hautschichten an die Oberfläche gelangen  und in rund 28 Tagen zu Hornzellen werden. Diese abgestorbenen Hornzellen fallen dann durch Waschen oder Reiben an der Kleidung ab. Bei Psoriasis teilen sich die Keratozyten vermehrt und die Zeit bis zur Umwandlung in eine (unvollständige) Hornzelle ist auf 3-5 Tage verkürzt. Beide Mechanismen führen zu einer vermehrten Schuppenbildung. Zusätzlich wandern weiße Blutkörperchen (Leukozyten) in die Haut ein und bilden kleinen Eiterherde unter der Hornschicht. 
Fumarsäureester führen zum einen dazu, dass die krankhaft gesteigerte Teilung der Keratozyten ausgebremst wird. Zum anderen wirken sie auch ausgleichend auf das überaktive Immunsystem, was sich an einer Verminderung entzündlicher Botenstoffe (Zytokine) ablesen lässt. Auch auf die Einwanderung der Leukozyten ist ein hemmender Effekt gezeigt worden. Vollständig aufgeklärt ist der Wirkmechanismus aber bis heute noch nicht.

Wie wird die Therapie angewandt?

Um den Körper langsam an den Wirkstoff zu gewöhnen und damit die Nebenwirkungen zu vermindern, steht für die ersten drei Wochen ein spezielles, niedrig dosiertes Präparat (Fumaderm ® initial) zur Verfügung. 
Üblicherweise nimmt man davon in der 1. Woche eine Tablette (abends) in der 2. Woche zwei Tabletten (morgens und abends) und in der 3.Woche drei Tabletten (morgens, mittags, abends).
Danach wird auf das höher dosierte Präparat (Fumaderm ®) umgestellt. Auch hier fängt man erste einmal mit einer Tablette am Abend an und steigert die Dosis dann langsam über sechs Wochen bis zu einer Maximaldosis von 3x2 Tabletten. 
 
Erste Behandlungseffekte sieht man erfahrungsgemäß nach vier bis sechs Wochen. Innerhalb von drei Monaten wird dann meist eine deutliche Verbesserung des Hautbildes erreicht. Sind die Hauterscheinungen abgeklungen, sollte versucht werden, die Dosis auf die individuell erforderliche Erhaltungsdosis zu reduzieren, die meist deutlich unterhalb der Maximaldosis liegt. 
Die Tabletten müssen unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit während oder unmittelbar nach den Mahlzeiten eingenommen werden. Generell ist darauf zu achten, dass während der Behandlung ausreichend getrunken wird (1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt).

Wann darf das Medikament nicht eingenommen werden?

  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe
  • bei schweren Allgemeinerkrankungen 
  • bei schweren Magen-Darmerkrankungen (z.B. Magen- oder Zwölffingerarmgeschwüre)
  • bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen
  • bei chronischen Erkrankungen mit Beeinträchtigung der Leukozytenzahl und -funktion
  • bei Krebserkrankungen
  • bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (in Ausnahmefällen möglich) 

Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?

Vor Behandlungsbeginn muss der Arzt das Blutbild kontrollieren. Nur, wenn hier alles in Ordnung ist, darf mit der Therapie begonnen werden. Außerdem sollte vor der Behandlung sichergestellt werden, dass keine erhöhten Leber- und Nierenwerte vorliegen.
 
Blutbild, Leber- und Nierenwerte müssen auch während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden. Bei auffälligen Veränderungen muss die Behandlung abgebrochen werden. 
 
Falls es wegen Nebenwirkungen notwendig erscheint, kann die Therapie ohne Probleme abrupt abgesetzt werden. Dies sollten Sie aber immer mit ihrem Arzt besprechen. Wird die Therapie nach einer Pause weiter fortgeführt, kann die Dosis rascher erhöht werden als bei der Erstbehandlung.

Kann das Medikament in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?

Weil nicht genügend Erfahrungen in Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollte das Präparat hier nicht eingesetzt werden. Bisher sind keine schädigenden Einflüsse auf das ungeborene Kind beobachtet worden. Trotzdem sollte das Präparat abgesetzt werden, wenn während der Behandlung eine Schwangerschaft eintritt. 

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sehr häufig (bei einem von 10 Behandelten oder mehr)
  • Gesichtsrötung und Hitzegefühl (Flush) vier bis sechs Stunden nach der Medikamenteneinnahme – meist nur zu Beginn der Therapie
  • Durchfall (Diarrhö) – meist nur zu Beginn der Therapie
  • leichte Formen der Lymphopenie (bei 50 Prozent der Behandelten)
  • leichte Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen)
Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)
  • Völlegefühl, Oberbauchkrämpfe, Blähungen (geht im Laufe der Behandlung meist zurück)
  • Schwere Formen von Lymphopenie (bei 3% der Behandelten)
  • Vorübergehende Eosinophilie
Gelegentlich (bei mehr als einem von 1000 Behandelten aber weniger als bei einem von 100)
  • Übelkeit (geht im Laufe der Behandlung meist zurück)
  • Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen (geht im Laufe der Behandlung meist zurück)
  • Vermehrte Eiweißausscheidung über die Nieren (Proteinurie)
  • Erhöhung der Serumkreatininkonzentration (Grund für einen sofortigen Therapieabbruch) 
  • Erhöhung der Leberwerte 
Selten (mehr als einer von 10.000 Behandelten aber weniger als einer von 1000) 
  • allergische Hautreaktionen
Sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten)
  • anhaltende Eosinophilie
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Irreversible Panzytopenie (Einzelfallbericht)
  • Unspezifische Knochenschmerzen mit Erhöhung der alkalischen Phophatase und and Absinken des anorganischen Phosphats

Mit welchen anderen Medikamenten oder Wirkstoffen gibt es Wechselwirkungen?

Fumarsäureester dürfen nicht zusammen angewandt werden mit:
  • Methotrexat
  • Retinoiden
  • Cyclosporin
  • Immunsuppressiva
  • Zytostatika
  • Medikamenten mit bekanntem schädlichen Einfluss auf die Niere
Eine gleichzeitige äußerliche Anwendung von Fumarsäureabkömmlingen z. B. in Form von Cremes oder Bädern sollte während der Behandlung vermieden werden, da der Wirkstoff zum Teil auch über die Haut aufgenommen wird und die maximale Dosis dann möglicherweise überschritten wird.
 
Alle anderen äußerlichen Mittel wie Dithranol, Salizylsäure, Teerderivate, topisches Vitamin D3 und Analoga, topische Retinoide, topische Kortikosteroide und pflegende Externa können problemlos mit dem Medikament kombiniert werden.
 
Kurzfristig (bis zu vier Wochen) kann Fumaderm ® auch mit einer Lichttherapie kombiniert werden. Von einer Langzeitkombination wird aber wegen mangelnder Erfahrung abgeraten.

Was sollte man sonst noch wissen?  

  • Bei Magenbeschwerden oder Durchfall hat sich das Trinken von alkalischen Tafelwasser und der Genuss von Milchprodukten bewährt. Meist klingen diese Beschwerden im Laufe der Behandlung von allein wieder ab, nur selten muss deshalb die Therapie abgebrochen werden.
  • Nach klinischen Studien profitieren etwa 70% der Patienten mit schwerer und schwerster Psoriasis von der Therapie mit Fumarsäureestern. Manchmal kann es aber etwas länger dauern, bis der Therapieeffekt eintritt. Besonders viel Geduld muss man bei trockenhyperkeratotischen Formen der Hand- und Fußpsoriasis und bei Gelenkbeteiligung haben. 
  • Meist wird solange behandelt, bis die Hauterscheinungen vollständig abgeklungen sind oder der Betroffene mit dem Hautbild zufrieden ist. Bei schweren Psoriasisformen mit häufigen Rückfällen ist aber auch einer Langzeittherapie über Jahre möglich. Hierbei versucht man eine möglichst geringe Dosis zu finden, die die Hauterscheinungen gerade noch in Schach hält (Erhaltungsdosis). Bleibt der Behandelt unter einer niedrigen Dosis lange Zeit erscheinungsfrei, kann eine Auslassversuch gemacht werden. 
Lagerung: nicht über 25°
 
 
Verwendete Literatur: 
- Leitlinie zur Therapie der Psoriasis mit Fumarsäureestern (Fumaderm ®) – ICD10:L40.0
- Fachinformation Fumaderm ® initial/Fumaderm ®
 
Maria Weiß, Ärztin

Kommentare (1)

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Hier einige eigene Erfahrungen mit o.g. Präparat.
Habe 2002 nach einer Odyssee von Mandelentzündungen, ständigen Antibiotikaeinnahmen - verbunden mit 15 kg Gewichtsabnahme - und dann endlich einer Tonsillektomie beide Fumaderm-Präparate über ca. 3 Monate eingenommen. Angefangen habe ich, da gab es an meinem Körper keine "heile" Stelle mehr. Vom Scheitel bis zur Sohle, inkl. Fußbett, Handrücken... ALLES! Sämtliche Produkte die ich noch besaß habe ich in den Müll geworfen und habe mir nur eine Fettcreme gekauft. Ich habe vom 1. Tag an Buch geführt (war auch so vom Hautarzt verlangt) und für mich ging ein Wunder in Erfüllung, ohne Quatsch. Natürlich wurden auch die regelmäßigen Laborkontrollen vorgenommen, aber da war stets alles in Ordnung. Nach ca. 3 Wochen gingen die Stellen mehr und mehr zurück und verschwanden dann vollständig, selbst die hartnäckigen Ellenbogen wurden sauber. Es war einfach genial. Und es ging mir wirklich prima. Bis dahin hatte ich in ca. 25 Jahren mit dieser Erkrankung ALLES ausprobiert was ich kriegen konnte. Von der Hautklinik über qualvolle Teerbehandlungen oder Dithranol-Behandlungen, Lichttherapie... Ich habe alles versucht, ganz ehrlich. Aber mit Fumaderm geschah für mich wirklich ein Wunder. Jetzt haben wir 2011 und ich habe außer an meinen Ellenbogen und ab und zu mal eine winzige Stelle (bei mir definitiv stressbedingt + psychisches Befinden), welche meistens von selbst wieder verschwindet, eine relativ gute Haut. Schön wäre es, wenn es für die kleinen "Stellchen" auch eine Creme mit diesem Wirkstoff gäbe. Das wäre echt supi!
Für alle Betroffenen!
Seid glücklich, dann geht es auch eurer Haut ein wenig besser!
Susi , 13.12.2011

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. August 2011 um 11:52 Uhr