Der Podologe – unterschätzte Hilfe bei Nagel-Psoriasis

Podologie

Wer eine Schuppenflechte unter den Fußnägeln hat, leidet oft erheblich darunter – ob nun wegen des unschönen Aussehens, drückendem Schuhwerk oder anderer Schmerzen. Vor allem aber kann die Psoriasis dort nur dann effektiv behandelt werden, wenn der Nagel richtig bearbeitet wird. Dafür gibt es den Medizinfachberuf des Podologen. Der ist aber nicht dazu ausgebildet, auch die Fingernägel zu bearbeiten.

Zu einem Podologen – früher „medizinischer Fußpfleger“ – kommen aber auch Diabetiker, Menschen mit Gefäß- oder Nervenerkrankungen, Rheumatiker und Leute, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen. „Zehn Prozent meiner Patienten sind Psoriatiker“ schätzt Podologin Amrei Lemke aus Hohen Neuendorf bei Berlin. Sie weiß aus ihrer Berufserfahrung: „Wenn sich ein Psoriatiker den Nagel selbst schneidet, kann er viel falsch machen: Weil der Nagel hart und brüchig ist, splittert er schnell. Wenn die Seiten nicht penibel entfernt werden, kann der Nagel einwachsen (Rollnagel). Außerdem muss die tote Haut darunter entfernt und der Bereich mit Tamponaden versiegelt werden.“

Bei schwerer Nagel-Psoriasis muss der Gang zum Podologen alle drei bis vier Wochen wiederholt werden. Dort wird, was überflüssig ist, beispielsweise mit einem Fräser abgetragen. Dabei hilft Nassfräsen oft besser als Trockenfräsen. Andere Werkzeuge des Podologen sind das Skalpell und der Hornhauthobel. Amrei Lemke hat festgestellt, dass die Psoriasis Fersen-Verhärtungen provoziert.

Tipps bei Rissen in der Haut

Der Podologe kümmert sich auch um Rhagaden, das sind schmerzhafte Risse am Fuß. Denen kommt man mit einem Hydrokolloid-Pflaster bei. Das drängt die harte Haut zurück und macht sie elastischer. Ein Tipp von Amrei Lemke: „Einmal im Jahr gibt es bei Aldi ein sogenanntes Sport-Care-Pflaster, das den gleichen Zweck erfüllt.“ Es sollte mindestens vier Tage lang auf der Haut bleiben. Ein anderer Tipp bei Rissen ist ein dicker „Propfen“ Schrundensalbe, über den Haushaltsfolie gewickelt wird. Der Fuß wird mit einer Wollsocke verpackt. Das Ganze wird zwei bis drei Stunden angewendet – länger halten es ohnehin die Wenigsten aus. Auch basische Fußbäder – fünf bis 15 Minuten lang – können helfen. Wichtig: Danach muss Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden – und keine Fettcreme! Melkfett ist für den Fuß tabu. Salicylsalbe sollte nur unter dem Fuß angewendet werden.

Es dauert ein bis eineinhalb Jahre, bis ein veränderter Fußnagel mit Hilfe der Spangentechnik wieder normal wächst. Mit einer Nagelplastik kann der Podologe Nägel verlängern, mit einer Nagel-Prothetik einen künstlichen Nagel herstellen.

Einen Podologen in seiner Nähe kann jeder auf der Internetseite des Berufsverbandes finden: www.Podologenliste.de. Auch Krankenkassen haben diese Liste. Eine Behandlung von 30 bis 45 Minuten kostet etwa zwischen 25 und 32 Euro – wenn die Krankenkasse sie nicht aus einem anderen Grund  übernimmt.

Wer darum bittet, kann sich von seinem Podologen eventuell auch die Fingernägel bearbeiten lassen. Aber es gibt nur wenige, die sich auch darauf spezialisiert haben.

Ein Mittel zum Aufbau von Fuß- und Fingernägeln ist noch recht neu auf dem Markt: Der Sililevo-Nagellack kostet etwa 14 Euro (Stand März 2009).

Schnelle Erfolge darf man bei der Therapie der Schuppenflechte an den Nägeln nicht erwarten. Sie erfordert sehr viel Geduld.

Fotos von der Nagel-Psoriasis finden Sie in unserer Bildergalerie. Aber Vorsicht: Hübsch ist anders.

Bildquellen

  • Podologe: manu / Fotolia.com
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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