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  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Nagelpsoriasis – Symptome, Diagnose, Behandlung und Tipps

    Nagelpsoriasis ist mehr als nur ein kosmetisches Problem: Die Fuß- oder Fingernägel sind dann brüchig, bröselig, verformt, verfärbt – auf jeden Fall nicht so, dass man sie gern länger zeigt und schon gar nicht groß verwendet. Nur ist das im Alltag schwierig.

    Wichtig ist: Die Schuppenflechte der Nägel ist nicht ansteckend. Auf jeden Fall sollte ein Hautarzt die Diagnose stellen. Er kann mit einer Laboruntersuchung am besten herausfinden, ob es sich um einen Nagelpilz handelt oder eben die Schuppenflechte der Nägel.

    Mit einer Behandlung sollte lieber früher als später begonnen werden, denn Nägel brauchen sehr lange, um ordentlich nachzuwachsen. Bis die Erkrankung verschwunden ist, vergehen meist mehrere (um nicht zu sagen viele) Monate. Am Anfang wird man es sicherlich mit einem Nagellack versuchen – dazu weiter unten mehr.

    Aufbau eines Nagels

    Aufbau eines gesunden Nagels
    Aufbau eines gesunden Nagels

    Auf dem Nagelbett befindet sich das Hyponchium, das für die Verbindung zur Nagelplatte sorgt. Die ist 0,5 bis 0,7 Millimeter dick. Sie wird an drei Seiten vom Nagelfalz begrenzt. Der Nagel wächst von der Nagelmatrix aus. Der weiße Halbmond ist der vordere, sichtbare Teil der Matrix. Unter der Haut ist der hintere Teil, geschützt vom Nagelhäutchen.

    Symptome der Nagelpsoriasis

    Tüpfelnägel: Der Fingernagel ist nicht mehr schön eben, sondern wird wellig. Er sinkt punktförmig ein, wie Tüpfel. Die Tüpfel bleiben sichtbar und wachsen mit dem Nagel aus. Aber Vorsicht: Tüpfel können auch durch andere Ekzeme, Infektionen oder Pilzbefall entstehen.

    Ölfleck: Ein anderes Zeichen für eine Nagelpsoriasis ist ein Ölfleck. Der findet sich meist am Rand des Nagels, dort, wo sich die Nagelplatte vom Nagelbett abhebt. Dieser Ölfleck ist meist gelbbraun oder rot, wobei das Rot zum Nagelrand hin oft abnimmt. Das alles ist ein Zeichen dafür, dass zu viele nicht ausgewachsene Zellen an die Oberfläche der Haut unter dem Nagel schießen. Diese Zellen drücken von unten gegen den Nagel, so dass der sich abhebt. Aber noch mal Achtung: Auch hier kann wieder eine Pilzinfektion im Spiel sein. Verschiedene Pilzinfektionen nämlich sehen ähnlich aus. Was noch komplizierter ist: Pilz und Psoriasis können auch nebeneinander vorhanden sein.

    Krümelnägel: Unter dem Nagel stapeln sich Schuppen. Im Laufe der Zeit heben sie das Nagelbett an. Die Nagelplatte wird krümelig. Gerade dieses Symptom ist es, das Betroffene vor anderen Menschen am liebsten verstecken würden.

    Begleiterscheinungen sind gelegentlich Schmerzen oder Druckempfindlichkeit.

    Fakten

    Grundsätzlich gibt es mehr Schuppenflechte an den Finger- als an den Fußnägeln.

    Eine schwere Psoriasis der Nägel gilt als „Vorbote“ der Psoriasis arthritis (Gelenk-Psoriasis). Ausgeprägte Formen der Nagelpsoriasis sind nicht mit rein äußerlichen Behandlungen abzuheilen. Wer schnell mit einer innerlich wirkenden Therapie beginnt, kann verhindern, dass sich die Nägel erheblich verschlimmern.

    Das gilt besonders bei der Psoriasis pustulosa: Bei ihr heilt die Nageldeformation am schwersten ab. Eine frühzeitige innerliche Therapie bremst vermutlich eine aufziehende Psoriasis arthritis ab. Trotz langer Behandlungszeiten schaffen es nur einige Biologika, dass lediglich bei der Hälfte der Betroffenen die Nägel völlig verheilt sind. Das größte Problem: Bei der Behandlung einer Schuppenflechte der Nägel müssen alle Beteiligten geduldig sein und dürfen nicht zu schnell aufgeben.

    Aktuelle Erhebungen gehen davon aus, dass 70 Prozent der Patienten mit Psoriasis arthritis eine Nagel-Beteiligung haben und 40 Prozent bis 50 Prozent der Haut-Psoriatiker. Eine Nagelpsoriasis ohne Hautbeteiligung ist möglich, aber eher selten. Am häufigsten kommen Tüpfelnägel und abgelöste Nagelplatten vor.

    Eine Nagelpsoriasis ist gut im Rheumascan (Xiralite) zu erkennen. Manchmal ist eine Biopsie des Nagelbettes zur eindeutigen Klärung der Diagnose notwendig.

    Welche Therapie angebracht ist, hängt davon ab, wie schwer der Nagel betroffen ist. Dafür sind inzwischen verschiedene Messmethoden entwickelt worden. International wird der NAPPA-Score (Nail Assessment in Psoriasis and Psoriatic Arthritis) verwendet. Man zählt die jeweiligen krankhaften Veränderungen auf den Nägeln und erfragt die körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen der Erkrankung. Die Gewichtung aller Faktoren bestimmt den Schweregrad einer Nagelpsoriasis. Der Wert kann auch dann hoch sein, wenn die Schädigungen am Nagel zwar nicht extrem stark, die Lebensqualität aber erheblich beeinträchtig ist.

    Probleme im Alltag

    Gelbliche, bröckelnde und verformte, abgehobene Nägel sehen für andere Menschen unästhetisch aus, ganz gleich, ob die Hände oder die Füße gemeint sind. Betroffene versuchen, vor allem ihre Fingernägel vor scheelen Blicken zu verbergen und meiden deshalb soziale Kontakte bis hin zur Partnersuche. Greifen (Fingernägel) und Laufen (Zehennägel) werden zur Qual. Ganz gewöhnliche Verrichtungen in Alltag, Beruf und Sport fallen schwer und verursachen Schmerzen. Patienten mit schweren Nagelschädigungen sind länger krankgeschrieben, leiden erheblich an ihrer Situation und neigen zu Angst-Erkrankungen oder Depressionen.

    Es war lange nicht bekannt, dass Nägel, Sehnenansatz am Knochen (Enthese) und Knochenhaut anatomisch miteinander verbunden sind. Darüber wurde erst geforscht, als auffiel, dass Nagelveränderungen bei Patienten mit Psoriasis Arthritis deutlich häufiger vorkommen als bei denen ohne. Der Nagel ist funktional gleichzeitig mit Haut und Knochen verbunden. Vereinfacht dargestellt, kommt erst die Sehnenentzündung, dann die Nagelpsoriasis und schließlich die Psoriasis arthritis. Die Gelenk-Schuppenflechte ist um so ausgeprägter, je schlimmer die Nägel betroffen sind. Aufgrund der Erfahrungen mit anderen Begleiterkrankungen geht man davon aus, dass sich eine Psoriasis Arthritis weniger heftig entwickelt, wenn die Nagelpsoriasis frühzeitig behandelt wird.

    Bisher war es selten möglich, eine Nagelpsoriasis völlig abzuheilen. Meist dauerte es monatelang, bis deutliche Verbesserungen sichtbar wurden. Mit Cremes, Salben, Tinkturen oder Lotionen dringt ein Wirkstoff nur schwer oder überhaupt nicht in den Nagel ein. Auch durch intensives Einmassieren wird der Nagel nicht durchlässiger. Mit einem harnstoffhaltigen Nagellack kann man den Nagel meist nur weicher machen, damit hinterher ein Wirkstoff besser eindringen kann. Die Wirkung wird deutlich verstärkt, wenn ein Mittel unter luftdicht verschlossener Folie (Okklusiv-Verband) z.B. über Nacht einziehen kann.

    Andere Erkrankungen der Nägel

    Nicht jeder dicke, verhornte, bröselige Fingernägel ist einer, der eine Nagelpsoriasis birgt. Manchmal fällt es dem Arzt schwer, die Diagnose Nagelpsoriasis zu stellen. Das Problem ist, dass Nagelveränderungen bei Pilzinfektionen, Ekzemen, inneren Krankheiten bis hin zu Tumoren gleich aussehen können. Eine Pilzinfektion ist die häufigste Nagelerkrankung, die allein oder aber mit der Schuppenflechte zusammen auftreten kann. Schwierig wird es für den Arzt, wenn jemand keine Haut-Erscheinungen hat, sondern nur Veränderungen an Hand- und Fußnägeln.

    Nagelveränderungen gibt es auch wegen Ekzemen, Mangelernährung, Pilzen, Allergien zum Beispiel gegen Nagellack oder gegen Medikamente. Sprich: Wer den Verdacht hat, er hätte eine Nagelpsoriasis, sollte den Doktor erst mal nach einem Pilztest fragen. Erst wenn der negativ ist, sollte man sich tiefergehend mit der Nagelbehandlung beschäftigen.

    Um die Verwirrung zu steigern: Nagelpilz und Nagelpsoriasis können auch gleichzeitig auftreten.

    Nagelpsoriasis behandeln

    In schweren Fällen mussten die Dermatologen schon immer innere Medikamente geben. Nicht jedes davon wirkt direkt auf die Nägel bzw. nicht auf alle Formen der Nagelpsoriasis. Am besten helfen starke Präparate, die aber auch schwere Neben- und Wechselwirkungen haben können.

    Heute ist es der Medizin möglich, selbst eine schwere Nagelpsoriasis erfolgreich zu behandeln. Es liegen Studien vor, die genau beschreiben, wie und bei welcher Form ein Medikament hilft. Der Arzt kann also gezielter therapieren. Es sind vor allem neue, hochwirksame Biologika, auf die eine Nagelpsoriasis reagiert. Die Angst vor schwerwiegenden Nebenwirkungen ist überwiegend unbegründet: In Deutschland liegen bei allen innerlich wirkenden Schuppenflechte-Medikamenten die schwerwiegenden Nebenwirkungen unter 1 Prozent. Nur bei den Infekten lagen die Biologika etwas höher als die übrigen Medikamente. Das ergab eine aktuelle Sicherheitsanalyse aus dem Patienten-Registers „PsoBest“. Wer seine Blutwerte regelmäßig kontrollieren lässt, kann diese Medikamente beruhigt nehmen.

    Äußerliche Behandlungen

    Bei schwach ausgeprägten Veränderungen der Nägel kann eine äußerliche Behandlung sinnvoll sein. Studien dazu sind häufig mit nur wenigen Patienten und nicht nach streng wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt worden.

    • Harnstoff (Urea) ist zu 15 Prozent im speziell für die Nagelpsoriasis entwickelten Nagellack Onypso enthalten. Nach sechs Monaten waren bei fast allen Patienten 43 Prozent der Nageldefekte zurückgegangen. Außerdem gibt es die Salbe Onyster mit 40 Prozent Urea. Sie löst den Nagel ab. Dadurch kann dann das Nagelbett direkt behandelt werden.
    • Schwefel-/Schachtelhalm ist im Sililevo-Nagellack enthalten, der erfolgreich an Patienten mit Psoriasis-Nägeln getestet wurde. Seine Grundlage ist Hydroxypropylchitosan, kurz HPCH. Die Wirkung kann durch Clobetasol 0,05 Prozent, einem stark wirksamen Kortison, verstärkt werden. Als Rezeptur bezahlt das die Krankenkasse, den Lack pur nicht.
    • Kortison gilt auch bei mittelschwerer bis schwerer Nagelpsoriasis als äußerliches „Mittel erster Wahl“. Verwendet werden stark bis sehr stark wirksame Kortisone, oft in Kombination mit 3 Prozent Salicylsäure oder mit Calcipotriol (z.B. Daivobet). Dazu wird zum Beispiel täglich ein Tropfen einer Kortison-Tinktur auf die Nagelwurzel und/oder das Nagelbett aufgetragen. Die Behandlung kann bis zu acht Monate dauern. Der Nagelzustand verbessert sich deutlich, verschlechtert sich aber meist wieder, wenn die Therapie abgesetzt wird. Bei schweren Fällen wird Kortison in das Nagelbett eingespritzt – mit einer normalen Spritze oder Impfpistole bei lokaler Betäubung. Und ja, das ist so schmerzhaft wie es sich anhört.
    • Calcipotriol (Vitamin D 3 Analogika) wird empfohlen als Kombination mit einem Kortison (siehe oben), entweder abwechselnd („Tandem-Therapie“) oder als Mixtur. Die Wirkung kann gesteigert werden, wenn erst Salbe aufgetragen und dann über Nacht ein abschließender Verband z.B. aus Folie aufgezogen wird
    • Tacrolimus (Protopic) hat in einer Studie nach nur zwölf Wochen Nägel vollständig abgeheilt. Es darf nur „off-label“ verschrieben werden, weil es nicht für die Behandlung der Schuppenflechte zugelassen ist.

    Alte oder nicht praktikable äußerliche Therapien

    • 5-Fluorouracil (Efudix) ist ein Zellwachstums-Hemmer, der nicht mehr zur Behandlung der Nagelpsoriasis empfohlen wird.
    • Dithranol (Cignolin) ist bei der Nagelpsoriasis unwirksam.
    • UV-Bestrahlungen werden bei der Nagelpsoriasis immer seltener eingesetzt, weil sie sehr zeitaufwendig sind. Den UV-Punktstrahler („Blue Point“) muss man vier bis sechs Wochen lang, möglichst täglich, auf die Nagelplatte einwirken lassen. Man bestrahlt mit UVB + UVA. PUVA arbeitet nur mit UVA. Der Nagel wird vorher mit Psoralen lichtempfindlich gemacht. Nur für PUVA liegen mehrere Studien vor, in denen sich die Nägel um 50 Prozent verbesserten. In einer Studie wurden psoriatische Nägel erfolgreich mit dem Excimer-Laser behandelt.
    • Interferenzstrom hat sich als Therapie für die Nagelpsoriasis nicht durchgesetzt, obgleich es erste erfolgversprechende Ergebnisse gab.
    • Therapie mit Röntgenstrahlen
    • "Verstümmelungsbehandlung" mit Entfernung der psoriatischen Nagelveränderungen und anschließender Weiterbehandlung. Es gab einen grausigen Bericht im Pso-Magazin von einem Patienten, der sich von beiden großen Zehen die Nägel entfernen ließ. Zweimal pfuschten die Ärzte, der dritte operierte schließlich richtig, entfernte auch alle Nagelzellen, kürzte einen Endknochen, zog Hornhaut von unten hoch und vernähte alles. Der Patient hat keine Schmerzen mehr, keine Gelenkschmerzen und keine Schuppen. Der Arzt gibt zu Bedenken: An den Fingern braucht man die Nägel zum Greifen. Sein Rat: abends, nach Duschen oder Baden, wenn die Haut unter den Nägeln ohnehin aufgeweicht ist, Schuppen mit einem selbst zurechtgefeilten Haken entfernen; mit Spritze mit abgesägter Kanüle Eucerin dazwischen auftragen.
    Finger- und FußnägelNagelpsoriasis würde diese schönen Finger- und Fußnägel nicht so schön aussehen lassen

    Innerliche Behandlung

    Bei schweren Nagelveränderungen ist häufig eine innerliche Therapie nötig – egal, wie stark die Haut von einer Schuppenflechte befallen ist. So werden auch deutliche Einschränkungen der Lebensqualität vermieden. Eine Psoriasis arthritis kann auf diese Weise ebenfalls "mitbehandelt" werden.

    • Methotrexat (MTX) gilt als innerliches „Mittel der ersten Wahl“. Solide Studien zeigen, dass sich die Nägel nach 6 bis 12 Monaten um etwa 40 Prozent verbessern können.
    • Kortison, in den Nagel gespritzt, galt lange als wirksamstes Mittel, v.a. bei Tüpfel und Nagelwurzel-Befall. In verschiedenen Studien wurde Triamcinolon-Acetonid injiziert, aber unterschiedlich häufig und lange. Nach 9 bis 12 Monaten besserten sich die Nägel. Die Injektion ist unangenehm, es muss örtlich betäubt werden und es besteht die Gefahr von Gewebsschwund bis hin zum Einriss der Sehne. Mit Kortison wird kaum noch behandelt, seitdem es wirksamere Medikamente gibt.
    • Ciclosporin verbessert die Nagelpsoriasis erfahrungsgemäß, ohne dass es bisher Studienergebnisse gibt. Meistens wird es zusätzlich zu einer äußerlichen Behandlung verschrieben. Es können Wechsel- und schwere Nebenwirkungen auftreten. Deshalb wird es zurückhaltend verschrieben.
    • Fumarsäureester (Fumaderm und Skilarence) ist bisher nur in einer sehr kleinen Studie darauf untersucht worden, wie es auf eine starke Nagelpsoriasis wirkt. Nach 12 Monaten verbesserten sich die Nägel um 50 Prozent. Eine weitere Verbesserung war nur noch schwer zu erreichen. Viele Ärzte setzen es zusätzlich zu einer äußerlichen Therapie ein.
    • Acitretin (Neotigason, Acicutan) ist wissenschaftlich kaum inbezug auf Nagelpsoriasis untersucht worden. In einer Studie ergab sich nach 6 Monaten bei 41 Prozent der Patienten eine mittlere Besserung. Bei 25 Prozent heilten sie vollständig oder nahezu vollständig ab. Wird gerne mit PUVA kombiniert. Es können schwere Nebenwirkungen auftreten. Deshalb wird es zurückhaltend verschrieben.
    • Biologika sind am besten darauf untersucht worden, wie erfolgreich sie auf die Nagelpsoriasis wirken. Sie werden grundsätzlich erst dann verschrieben, wenn andere Therapien nicht anschlagen. Infliximab (Remicade) spricht am schnellsten und wirkungsvollsten auf die Nagelpsoriasis an. Schon nach sechs Wochen sind deutliche Nagelverbesserungen sichtbar, nach 22 Wochen fast 90-prozentige. Innerhalb eines Jahres waren bei 50 Prozent der Patienten die Nägel vollständig oder nahezu vollständig abgeheilt. Bei Etanercept (Enbrel) waren das 30 Prozent. Die anderen Biologika sind ebenfalls etwas wirkungsvoller als konventionelle innerliche Medikamente. Neue Biologika werden oft in eigenen Studien speziell bei Nagelpsoriasis getestet. Darüber hier bald mehr.

    Tipps für Betroffene

    • Pflegen: Nägel kurz halten, vorsichtig schneiden und möglichst feilen; in schweren Fällen medizinische Fußpflege beim Podologen. Ausgiebig und täglich in lauwarmen Salzwasser (z.B. Stassfurter Badesalz, Totes Meer Salz) einweichen. Danach vor allem die Haut an der Nagelwurzel und den Seitenrändern ausreichend rückfetten – praktischerweise mit einer Lotion.
    • Waschen: Unter den Nägeln mit einem Papiertaschentuch abtrocknen, um Feuchtigkeit aufzunehmen. Dann rückfetten (s.o).
    • Schützen: Beim Umgang mit Nässe und aggressiven Materialien in Beruf und Haushalt (Abwasch, Putzen) Handschuhe tragen.
    • Vermeiden: Nägel vor Reibung, Druck oder Quetschung bewahren, Nagelhäutchen nicht abreißen, keinen acetonhaltigen Nagellackentferner benutzen, Nägel nicht als Werkzeug einsetzen.
    • Erleichtern: Unter Arbeitshandschuhen dünne baumwollene tragen. Schuhe, die nicht auf befallene Zehen-Nägel drücken. Leichtes, weites Schuhwerk, das nicht drückt, tragen.
    • Verschönern: Verdickungen und von Querrillen von erfahrenen Kosmetikerinnen (Podologen) abfeilen oder abfräsen lassen. Geglättete Oberfläche mit medizinischem Lack (z.B. Sililevo oder Onypso) stabilisieren. Entstellte oder zerfallende Nägel mit künstlichen Fingernägeln überdecken.

    Welche Erfahrungen hast du mit der Behandlung der Psoriasis an den Nägeln? Oder möchtest du erfahren, wie es anderen Betroffenen damit geht? Unsere Community ist dafür der richtige Ort.

    Gekürzte Fassung eines Artikels, der erstmals in der Zeitschrift PSOaktuell, Ausgabe 2/2013, erschienen ist.

    Tipps zum Weiterlesen

    Bei Nagel-Psoriasis häufig auch Pilz dabei – Behandlungserfolg fraglich

    (gesundheit.com, 1. Dezember 2014)

    In einem Tagungsbericht geht es um Nagelpilz und Nagelpsoriasis – angeblich wäre in 20 Prozent der Fälle beides gleichzeitig zu finden. Die sonst bei Nagelpilz gern eingesetzte innerliche Therapie mit einem Anti-Pilz-Mittel sei aber nicht so oft von Erfolg gekrönt – nämlich nur in 30 Prozent der Fälle. Und die Nagelpsoriasis würde davon auch nicht unbedingt besser. [lesen]

    Unter künstlichen Nägeln können Probleme heranwachsen

    (20 Minuten Online, 20.03.2013)

    Künstliche Fingernägel sind nicht ungefährlich. Dermatologen beobachten immer mehr Komplikationen - beispielsweise Infektionen unter dem Nagel oder Kontaktallergien. [lesen]

    Starke Nagel-Psoriasis macht anfälliger für Pilzinfektion

    (hautstadt.de, 19.04.2012; nicht mehr im Netz verfügbar)

    Bei einer Studie mit Menschen mit Nagel-Psoriasis zeigte sich bei 62 Prozent der Teilnehmer eine Pilzbesiedlung der Nägel. Allerdings ist es wie fast immer: Es gibt auch eine Studie, die etwas anderes sagt, zumindest, wenn man sich die Arten der Pilze ansieht. Das steht am Ende des Artikels.

    Welche Krankheiten Fingernägel verraten

    (Apotheken-Umschau, 14.04.2010)

    Veränderungen an den Fingernägeln können alles bedeuten – manchmal auch eine Psoriasis. Die Apotheken Umschau erklärt die Möglichkeiten in Wort und Bild. [lesen]

    Nagelpsoriasis – was wann wie helfen kann

    (Psoriasis Forum Berlin e.V., 2013)

    PDF-Datei eines Artikels mit ausführlichen Informationen [lesen]

    Nagelprothetik bei Psoriasis

    ("Flotte Feile")

    Jessica Dlling vom Nagelstudio "Flotte Feile" zeigt das Ergebnis ihrer Arbeit bei einem Fall von Nagel-Psoriasis. [ansehen]

    Bilder

    Hier siehst du, wie eine Schuppenflechte am Nagel oder an mehreren Nägeln aussehen kann. Es sind keine schönen Bilder, deshalb zeigen wir sie so klein – du kannst sie aber großklicken.

     


    Bildquellen

    • Aufbau eines gesunden Nagels: Accountalive / Wikimedia | CC BY-SA 3.0
    • Finger- und Fußnägel: contrastwerkstatt - Fotolia.com
    • Nagelpsoriasis kann Hand- und Fußnägel befallen: Dan Race / Fotolia

    User Feedback

    Recommended Comments

    Ich hätte mir gewünscht, als erstes eine genaue Beschreibung darüber zu lesen, wie eine Nagel-Psoriasis überhaupt aussieht, damit ich anhand dieser nachvollziehen kann, ob die aufgezeigten behandlungsmöglichkeiten für mich überhaupt in Frage kommen.

    MfG IHW

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    Eine kurze Frage zu diesem Abschnitt:"Nagellack Sililevo® enthalten, der erfolgreich an Patienten mit Psoriasis-Nägeln getestet wurde. Die Wirkung wird durch Clobetasol 0,05 Prozent, einem stark wirksamen Kortison, verstärkt. Als Rezeptur bezahlt das die Krankenkasse"

    Meinen Sie damit, dass Sililevo und Clobetasol als Kombi-Präparat im Nagellack aufgearbeitet wird? Oder ist es die Kombination aus Siliveo und Clobetasol-Creme? Falls ersteres: Haben Sie ein beispiel für eine solche Rezeptur? Mischungsverhältnisse etc. für die Apotheke?

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    Hallo IHW!

    Fotos einer Nagel-Psoriasis findest Du z.B. in der Bildergalerie des Psoriasis-Netzes: https://www.psoriasis-netz.de/galerien/psoriasis-den-naegeln. Aber Fotos sind keine Diagnosen. Also n u r wenn der Arzt klar diagnostiziert, dass eine Nagel-Psoriasis und kein Nagel-Pilz vorliegt, gelten die Behandlungs-Tipps.

    Weitere Informationen zum Thema "Nagel-Psoriasis" findest Du auf unserer Seite, wenn Du als Suchbegriff "Nagel" eingibst.

    Im übrigen wünschen wir uns auch etwas: Wir machen diese Seite rein ehrenamtlich, d.h. in unserer Freizeit und natürlich ohne Bezahlung. Deshalb wünschen wir uns, dass die Nutzer uns entlasten und möglichst selbständig suchen. Fast alles zum Thema ist irgendwann schon einmal im Psoriasis-Netz geschrieben worden.

    MfG R.B.

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    Hallo ihr Lieben..

    auch ich bin nun seid etwas über einem Jahr ein Pso-opfer.. und zwar der allertollsten Sorte. (achtung ironie). Ich hatte komplett alle Fingernägel sowie Zehennägel betroffen und auch verloren. Zudem schwersten Ausschlag am Körper und eine naja sagen wir mal unschön aussehende kopfhaut. Da ich im Handel tätig bin wurde ich sofort für ein Jahr krankgeschrieben, was mir ein ziemliches Loch in den Geldbeutel rieß.. Mit dem Eintreffen der Arbeitslosigkeit wurde meine Pso immer schlimmer.. zudem bekam ich heftige MagenDarmProbleme. Ich hatte schon fast den Mut verloren bis ich hier euer kleines Forum fand.. seid meinem 22 Geburtstag gehts mir zusehends besser. ich versuche immer positiv zu denken und mich nicht von der Krankheit mürbe machen zu lassen. Ich finde mit seiner Psyche und seinen Gedanken kann man viel anrichten und mit dieser Erkenntnis fiel es nir persönlich viel einfacher mit der Krankheit umzugehen. Ich weiss das ist nicht die Lösung für alles aber wenn einem im Leben immer Steine in den Weg gelegt werden muss man sie eben irgendwann als Sprungbrett nehmen um weiter zu kommen..;) so nun aber zu meinen tipps.! ich hatte hier mal von einer Dame gelesen die ihrem Sohn Honig auf die Finger macht.. UND ES HILFT TATSÄCHLICH! ich muss dazu sagen meine nägel waren fast wieder "in Ordnung" allerdings der halbmond fing langsam an zu wachsen und da hab ich den Honig angewendet. einfach abends auftragen. einweghandschuh drauf und schön einziehen lassen;) außerdem kann ich jedem wärmstens CHIA-SAMEN ans Herz legen. Sie bringen die Darmflora wieder in ordnung und reinigen quasi den körper von innen. ich nehme sie seid über einem Monat jeden Morgen und mir gehts so gut wie noch nie.:) ich hoffe ich konnte hier vielleicht dem ein oder anderen ein bisschen Mut zusprechen und bitte lasst euch nicht unterkriegen❤

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    Mercedes beschreibt, dass sie mit Honig ihre Nägel "fast wieder in Ordnung" gebracht hat. Ich kann verstehen, dass sie darüber sehr froh ist. Aber ich bin trotzdem nicht überzeugt. Bekannt ist, dass medizinischer Honig und Propolis-Produkte die Teilung von Hautzellen anregen und damit die Wundheilung beschleunigen. Gerade deshalb haben wir bezweifelt, dass Honig gegen Psoriasis wirken kann. Bekanntlich ist bei uns die Bildung von Hautzellen extrem beschleunigt. Die Schuppen sind das augenscheinliche Ergebnis davon. Ein Wirkstoff, der diesen Prozess noch anfeuert, dürft logischerweise nicht bei Psoriasis helfen.

    Deshalb wäre es interessant, weshalb die Nägel bei Mercedes besser geworden sind. Zum einen verläuft die Psoriasis schubweise, d.h. sie geht bei vielen (nicht allen!) durchaus von allein zurück, um dann Monate später wieder auszubrechen. Es könnte aber auch sein, dass Mercedes gar keine Nagel-Psoriasis, sondern einen schweren Nagel-Pilz hat. Ist das diagnostiziert worden? Könnte es ein Placebo-Effekt gewesen sein, weil sie so fest davon überzeugt war? Wer sich damit beschäftigt, ist erstaunt, was der Glaube an einen Wirkstoff tatsächlich erreichen kann. Oder wirkt Honig doch gegen Nagel-Psoriasis? Ausprobieren kann nicht wirklich schaden.

    Aber Vorsicht: In dem Artikel über Manuka-Honig https://www.psoriasis-netz.de/?s=Manuka habe ich aufgezeigt, dass mit unbewiesenen Behauptungen und gefälschten Produkten gutgläubigen Patienten viel Geld abgenommen wird.

    Das Risiko besteht auch bei Chia-Samen, den Mercedes ebenfalls empfiehlt. Der ist sicherlich gesund und wirkt vermutlich auch auf die Darmflora. Experten bezweifeln, dass man einen Darm "reinigen", "entschlacken" oder sogar "entgiften" kann. Das sei ein unwissenschaftlicher "Mythos". Fasten ist bisher die einzige Methode, bei der über den Darm die Psoriasis beeinflusst, aber natürlich nicht geheilt werden kann. Durch mikrobiologische Maßnahmen können heutzutage schon Krankheiten über den Darm therapiert werden. Im Gegensatz zur Neurodermitis weiß man aber bisher noch nicht, welche Bakterienstämme gestärkt werden müssen, um eine Psoriasis beeinflussen zu können.

    Erschwerend kommt hinzu, dass Chia-Samen-Produkte Anfang 2015 unter Verdacht geraten sind, mit Schadstoffen belastet zu sein.

    Chia-Samen wird seit einiger Zeit als Wundermittel vermarktet - so wie viele andere exotische Wirkstoffe aus Pflanzen und (Meeres-) Tieren auch. Selbst gegen Krebs soll Chia-Samen helfen. Das Prinzip klappt immer wieder: Verzweifelten Patienten, die nach natürlichen Mitteln gegen ihre Krankheit suchen, wird alles versprochen, ohne Beweise. Sie wollen es glauben und bezahlen dafür.

    Rolf

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    I have the same problem on my Finger and toenails...i have tried nearly evrything

    Now i use onypso daily, sometimes daivobet under the nail. Its getting better.important is to cut your nails as short as you can. Try to eat much vegetables and rice, less Meat and Not Hot(i mean like chili). Also eat less sweets and sours like ananas or tomatos. You can find more about that on google "ayurveda pitta food". Try to do as much Sports as you can, maybe Yoga and Meditation too. And use Apple cidar vinegar for a few minutes in a fingerbath. Sleep is also Important and go out in the sun or Solarium. Hope we're all getting cured soon. Best wishes, Dennis. If you habe any questions just write me back.

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    Hallo, ich bin gerade auf diese Seite gestoßen, da auch ich an einer Nagelpsoriasis leide. Erst wurde ich fälschlicherweise vom einem Hautarzt auf Nagelpilz behandelt. Da sich der ganze Daumennagel verschlecht hat, habe ich den Hautarzt gewechselt, der mir dann eine Nagelpsoriasis bestätigte. Empfohlen hat er mir den Sililevonagellack und es ist auch schon etwas besser geworden. Allerdings fangen auch noch 2 andere Nägel an und der kleine Fingernagel hebt sich immermehr ab und ich befürchte halt, dass dieser das Nagelbett am schnellsten erreicht. Da ich nicht gerne zu einem Hautarzt gehe, wollte ich nun versuchen zu meiner Hausärztin zu gehen und mir evtl. die Rezeptur mit dem Clobetasol und Sililevo verschreiben lassen. Jetzt wäre meine Frage: Wie lange wendet man dieses Kombipräparat an und wäre es sinnvoll, gleich alle anderen Nägel gleich mitzubehandeln oder diese nur weiterhin mit dem normalen Sililevolack zu versorgen?

    Ich schöpfe wieder Hoffnung durch Ihre Seite und würde mich sehr freuen, wieder von Ihnen zu hören.

    Liebe GrüßeBettina

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    Wenn ich einen Brei von Leinsamenöl und Buchweizenmehl mache und den einige Stunden auf den betroffenen Stellen lasse, schließen sich die Wunden und da Jucken hört auf. Ich habe eine Heilmethode für mich gefunden. Ich freue mich so

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    Ich habe auch schon seit mehreren Jahren Nagelpsoriasis. Es wird immer mal schlechter aber auch wieder besser. Ich hatte auch schon fast alle Nägel weg. Dann sind sie aber wieder nachgewachsten. Meine Behandlung erstreckt sich Hauptsächlich darin die Nägel sehr kurz zu halten. Niemals lang wachsen lassen. Regelmäßig Urealotion einmassieren. Und ab und an benutze ich tatsächlich einen Lack für Nagepilz, der auch gut hilft. Dann habe ich noch einen Lack bei Rossmann gefunden, mit jeden Menge Vitaminen und Mineralstoffen, den Nutze ich auch wenn es wieder anfängt gelb zu werden. Naja, letztendlich schützt es aber nicht davor, dass die Psoriasis ab und an die Nägel komplett zerstört. Man darf sich aber nicht damit abfinden. Sondern immer schön dran bleiben an den Nägeln ;-).

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    Sehr geehrte Redaktion,

    ich habe eine Frage zur Nagelpsoriasis.Ich habe bei mir mit zweierlei Medikamenten ein positive Auswirkung auf den Nägel gehabt.Der Daumen an der linken Hand ist ganz geheilt und hatte keinerlei Rückfälle. Zwei weitere Finger und einige Zehen sind noch befallen. Ich therapiere mich sozusagen selber um die Gewissheit zu erlangen ob es alles heilt. Meine Frage wäre, es muss doch die Möglichkeit geben das zu prüfen und evtl. ein neues Medikament zu "entwerfen". An wen könnte ich mich den wenden?

    GrüßeDaniel

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    Hallo Bettina!

    Wir sind ja keine Ärzte, sondern selbst Betroffene. Deshalb können wir dazu nichts sagen.

    Eigentlich entscheidet so eine Frage der H a u t -Arzt. Er ist in Dermatologie ausgebildet ist und hat Erfahrung mit anderen Patienten. In komplizierten Fällen würde ich mich nicht auf die H a u s - Ärztin verlassen. Nicht umsonst hießen die früher "Allgemein-Mediziner". Es ist doch wohl eher die Ausnahme, dass eine Hausärztin sich speziell und vor allem auf neuestem Stand z.B. mit Psoriasis oder noch genauer mit Nagel-Psoriasis auskennt. Muss sie ja auch nicht. Dafür gibt es F a c h - Ärzte! Hausärzte haben die Aufgabe, als "Lotse" ihre Patienten an die zuständigen Spezialisten zu überweisen.

    Alternativ könnten Sie beim Hersteller, der Taurus Pharma GmbH in Bad Homburg direkt anfragen.

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    Hallo Mercedes, vielen Dank für deinen Bericht, das mit dem Honig werde ich auch versuchen und Chiasamen stehen schon in der Küche. Ich bin sehr gespannt. Dir alles Gute auf deinem weiteren Weg ;)

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      IL-23 Blocker
      Zurzeit (Mai 2019) sind zugelassen: Tremfya, Skyrizi und Ilumetri. Die ersten beiden wirken ähnlich gut, wie die IL-17-Blocker, nur nicht so schnell. Das dritte Medikament wirkt deutlich schlechter (siehe unten). Keines ist bisher für die Behandlung der Psoriasis arthritis zugelassen. Praktisch ist, dass man sie nicht so oft spritzen muss: nämlich nur alle 8 bzw. 12 Wochen.
      Es wird vermutet, dass Schuppenflechte vor allem durch die Entzündungssignale des Interleukin 23 ausgelöst wird. Endgültig können das erst Langzeitstudien belegen. Schon jetzt sprechen einige Erfahrungen dafür: So gab es in den Studien Tremfya-Patienten, die noch 9 Monate nach dem Absetzen des Medikaments nahezu erscheinungsfrei blieben. Professor Marc Radtke verwies darauf, dass Stelara über viele Jahre nicht an Wirkung verliert, wie z.B. die TNF-Alpha-Blocker. Stelara sei zwar kein reiner IL-23 Blocker, sondern hemmt zugleich das IL-12. Trotzdem vermutet er, dass auch die reinen IL-23 Blocker langfristig ihre Wirkung beibehalten werden. Es wird sich zeigen, ob er recht hat.
      Nebenwirkungen: Vermutlich keine „Klasseneffekte“
      Ein entscheidender Unterschied zu bisherigen Biologika: Bei den IL-23 Blocker sind bisher keine Nebenwirkungen beobachtet worden, die typisch für diese Klasse wären. Im Gegensatz zu den anderen Biologika: Bei den TNF-Blockern treten typischerweise vermehrt Infektionen auf oder erstmalig neue Psoriasis-Formen. Sie können außerdem eine schlummernde Tuberkulose aktivieren. Bei den IL-17 Blockern sind öfter Pilz- (Candida-) Infektionen beobachtet worden, z.B. in den Schleimhäuten. Auch Darmentzündungen waren häufiger.
      Da IL-23 Blocker erst seit 2018 zugelassen sind, gibt es noch keine Langzeiterfahrungen. Erfahrungsgemäß zeigen sich typische Nebenwirkungen aber schon in den Zulassungsstudien. Schließlich waren jeweils einige tausend Patienten daran beteiligt, so Prof. Andreas Körber. Sehr häufige Nebenwirkungen der IL-23 Blocker sind Infektion der oberen Atemwege; häufig gibt es Pilzinfektionen der Haut. Die aber, so Körber, würden bei den anderen Biologika ebenfalls vorkommen – teilweise häufiger. Behandelbar sind sie alle.
      Warum Nebenwirkungen?
      Biologika hemmen entweder das TNF-Alpha oder Interleukine. Deren Aufgabe ist es, Botenstoffe an das Immunsystem zu senden. Das machen sie, wenn sie einen ihnen bekannten Krankheitserreger im Körper entdecken. Manche senden auch falsche Signale: Damit rufen sie Autoimmun-Krankheiten wie die Schuppenflechte erst hervor. Genau das soll ein Biologikum verhindern. Durch die Blockade wird das Immunsystem aber auch nicht über neue Krankheitserreger informiert. Die können dann vermehrt auftreten. Deshalb sind bei allen Biologika Nebenwirkungen möglich – mehr oder weniger schwere, die mehr oder weniger häufig auftreten.
      Welches Medikament passt?
      Die Therapie der schweren oder mittelschweren Psoriasis kann heutzutage viel genauer an den Einzelfall angepasst werden, als noch vor einigen Jahren. Schon 2018 wurde darüber ausführlich diskutiert. In manchen Fällen muss das Medikament jedoch mehrmals gewechselt werden, bis ein passendes gefunden wird. Leider gibt es noch nicht  den Wirkstoff, der ein Leben lang hilft, denn „das Immunsystem macht, was es will“, so Professor Marc Radtke.
      Bei zusätzlichen Krankheiten
      Verschiedene Tabellen zeigen, welcher Wirkstoff wann und bei wem eingesetzt werden darf und wann nicht. Manche Psoriasis-Medikamente helfen gleichzeitig gegen andere Krankheiten (z.B. des Darms). Andere dürfen nicht eingesetzt werden, wenn Patienten zusätzlich z.B. an Hepatitis, Herz-Kreislaufproblemen, Leber-oder Nierenschädigungen leiden. Wer ein Psoriasis-Präparat bekommen soll, sollte alle seine Krankheiten dem Arzt gegenüber offenlegen.
      Wenn Haut und Gelenke betroffen sind
      Wenn jemand Schuppenflechte gleichzeitig an Haut und Gelenken hat, kommt es darauf an, was vorrangig behandelt werden muss. Sind es die Gelenke (Psoriasis Arthritis = PsA), dann wirken TNF- Blocker immer noch am besten. Aus dieser Gruppe verbessern sich durch Cimzia die PsA-Symptome am besten. Auch die Haut heilt damit besser ab, als durch andere TNF-Blocker. Etwas weniger gut bei PsA wirkt Stelara. Wenn die Haut im Vordergrund steht, würde man eher zu IL-17-Blockern raten. Die wirken sehr gut auf die Haut, aber nicht ganz so effektiv auf die PsA. 
      Wer nur an der Haut betroffen ist, kann gut mit Methotrexat (MTX), Skilarence oder einem IL-Blocker behandelt werden.
      Wenn's schnell gehen soll
      Psoriasis-Medikamente wirken unterschiedlich schnell. Die Tabelle zeigt, wie lange es durchschnittlich dauert, bis bei 25 Prozent der Patienten sich die Haut um 75 Prozent gebessert hat (PASI 75):
      Daten von 2019* 2013 Taltz 2,18   Methotrexat (1x 7,5 mg, ab 2.Woche 15 mg)   3,2 Infliximab (z.B. Remicade) 3,37 3,5 Cosentyx 3,44   Adalimumab (z.B. Humira) 4,52 4,6 Stelara, 90 mg   4,6 Stelara, 45 mg   5,1 Cyclosporin A 5,63 6 Etarnercept (z.B. Enbrel) 100 mg   6,6 Etarnercept (z.B. Enbrel) 50 mg   9,5 Fumaderm 9,9   Methotrexat (langsame Dosis-Steigerung) 9,96 9,9 * Which antipsoriatic induction treatment sequence is the most time-effective? M.Zidane , C.Dressler , M.Gaskins , A.Nast, (Berlin, Germany), Poster 072 auf der SPIN 2019
      Taltz wirkt am schnellsten; manchmal schon nach der ersten Injektion. Professor Ulrich Mrowietz nennt es das „Hochzeits-Medikament“. Das sind aber nur durchschnittliche Werte für ein Viertel der Patienten. Bei manchen kann es länger dauern, bei anderen schneller gehen.
      Weitere Informationen, wann eine Therapie sichtbar zu wirken anfängt, in einem Artikel von 2009.
      Bei Psoriasis-Sonderformen
      Manche Präparate haben sich bei schwierig zu behandelnden Formen als wirkungsvoller erwiesen als andere: Das sind z.B. bei Nagelbefall Adalimumab, Tremfya und Otezla, beim Juckreiz ebenfalls Otezla, bei der Genital-Psoriasis Taltz und bei Bläschen an Händen und Füßen (Psoriasis pustulora palmoplantaris) der IL-23 Blocker Tremfya.
      Wie gut wirken einzelne Medikamente?
      Auf Kongressen werden stets viele Vergleichszahlen genannt. Bei gesponserten Veranstaltungen steht meist der firmen-eigene Wirkstoff im Vordergrund. Eine erste unabhängige Auswertung gibt es von Cochrane. Aber die verwendeten Daten enden 2016. So konnten weitere, seitdem zugelassene Medikamente nicht berücksichtigt werden. Professor Kamran Ghoreschi stellte deshalb einen Vergleich der Biologika vom März 2019 vor, der die Cochrane Studie bestätigt und ergänzt. Beide Auswertungen berücksichtigen nur die Anfangsphase. Die Tabelle gibt nicht wieder, dass einige Medikamente länger brauchen, bis mehr Patienten einen PASI 90 erreichen – Cimzia z.B. 16 Wochen.
      Wirksamkeit von Biologika nach 10-12 Wochen
      Anteil der Patienten mit einer Hautverbesserung von
      90% (PASI 90)
      Skyrizi 72,2 % Kyntheum 71,1 % Taltz 70,9 % Tremfya 67,4 % Cosentyx 60,7 % Stelara 44,8 % Adalimumab (z.B. Humira) 44,4 % Ilumetri 200 mg 38,8 % Cimzia 400 mg 34,0 %* Etanercept (z.B. Enbrel) 18,2 % Otezla 12,5 % Skilarence 12,1 % Die gleiche Reihenfolge ergibt sich für Verbesserungen um 50, 75 und 100 Prozent.
      Quellen:
      The Comparative Efficacy for Novel Treatments of Moderate to Severe Plaque Psoriasis: A Network Meta-Analysis, April W. Armstrong et.al. 2019
      * Certolizumab pegol for the treatment of chronic plaque psoriasis, Mark Lebwohl et.al. 2018
      Abgestufte Wirkung
      In der Cochrane-Auswertung heißt es zusammenfassend: Mit Biologika erreichen deutlich mehr Patienten einen PASI 90 als mit anderen Medikamenten. IL-Blocker wirken deutlich besser auf die Schuppenflechte als TNF-Blocker – außer Cimzia (siehe Tabelle). Otezla wirkt besser als Methotrexat oder Ciclosporin.
      Die Wirkung hängt auch davon ab, ob ein Patient mit einem Biologikum vorbehandelt wurde. Stelara wirkt dann z.B. weniger gut, bei Kyntheum spielt es keine Rolle.
      Innerlich behandeln, trotz geringem PASI
      Wer an nur wenigen, aber markanten Stellen eine Schuppenflechte hat, sollte ebenfalls mit innerlichen Medikamenten behandelt werden. Darauf verwies Dr. Ralph von Kiedrowski. Das sind vor allem:
      deutlich sichtbare Areale (Hände, Arme, Gesicht, Ohren, Hals) Genital-und / oder Anal-Bereich,  Hand- und und Fußflächen, Finger- und Zehen-Nägel, bei schwerem Juckreiz und bei schwer zu behandelnden Plaques. Obwohl diese Patienten einen niedrigen PASI-Wert haben, können markante Stellen ihre Lebensqualität wesentlich verschlechtern: andere Menschen ekeln sich und vermeiden, sie zu berühren; das Sexualleben ist massiv gestört; die Bewegung ist eingeschränkt, was zu Problemen im Beruf, Alltag und Freizeit führt, ständiges Kratzen führt zu Schlaflosigkeit und sozialem Rückzug; nicht abheilende Stellen können sich verschlimmern. Die Patienten sind oft krankgeschrieben.
      Betroffene sollten unbedingt auf diese Areale aufmerksam machen. Sie sollten der Ärztin sehr ausführlich schildern, welche Probleme für sie persönlich mit diesen Psoriasis-Stellen verbunden sind. Das erleichtert es zu begründen, weshalb teure innerliche Medikamente notwendig sind.
      "Erstverschlimmerung" unter Biologika?
      Am Anfang einer Biologika-Therapie kann es dazu kommen, dass sich der Zustand der Haut verschlechtert. Dr. Ralph von Kiedrowski rät, in so einem Fall die Therapie nicht sofort abzubrechen, sondern abzuwarten. Ansonsten würde man ein Medikament „zu schnell verschleißen“ und damit langfristig eine geringere Auswahl haben.
      Langzeit-Folgen durch eingeschränkte Lebensqualität
      Hautpatienten, die innerlich behandelt werden sollen, werden auch danach gefragt, wie die Krankheit ihr Leben einschränkt. Dafür gibt es einen DLQI-Fragebogen. Praktiker kritisieren, dass einige Fragen nichts mit dem Leben ihrer Patienten zu tun haben: nicht jeder macht Haus- oder Gartenarbeit, treibt Sport, ist berufstätig bzw. studiert oder ist sexuell aktiv. Viele Einschränkungen werden nicht abgefragt, z.B. wenn man sich nicht mehr unter Menschen traut, man bestimmte Bewegungen nicht mehr machen kann oder andere sich von einem abwenden. Psychische Probleme kommen bei der Auswertung überhaupt nicht vor.
      Wenn jemand wegen einer Krankheit über längere Zeit eingeschränkt ist, nicht alles machen kann, was er will und sich von Menschen zurückzieht, kann das dauerhafte Folgen haben – für seine Persönlichkeit und sein gesamtes Leben. Professor Marc Radtke spricht von „Langzeit-Schäden“. Damit sich die nicht verfestigen, müsse so früh wie möglich behandelt werden. Dreiviertel aller Patienten würden bei einer erfolgreichen Therapie ihre Lebensqualität komplett zurückerhalten. Radtkes Hinweis kann auch als Apell an diejenigen verstanden werden, die es aufgegeben haben, sich behandeln zu lassen.
      Entzündungs-Gedächtnis verhindern
      Erst seit kurzem weiß man, dass es Gedächtniszellen (Tissue Resident Memory Cells – TRM) sind, die die Psoriasis immer wieder neu aufflammen lassen. Schuppenflechte ist eine Fehlfunktion des Immunsystems. Wie das genau funktioniert, hatte Professor Jörg Prinz 2015 herausgefunden: Dem Immunsystem werden angeblich krankheitserregende Anti-Gene präsentiert, die es dann bekämpft. Im Laufe der Zeit „lernt“ das Immunsystem, auf diese Moleküle immer wieder mit Entzündungen zu reagieren. Das „Lernen“ findet in Gedächtniszellen (TRMs) statt.
      Professor Andreas Körber berichtete, je schwerer eine Schuppenflechte ist, desto mehr TRMs könne man messen. Selbst, wenn die Haut nach erfolgreicher Behandlung erscheinungsfrei war, wurden TRMs festgestellt. Bei Psoriatikern, die noch nicht so lange erkrankt waren, fanden sich dagegen weniger davon. Das heißt, so Körber, bei denen war das Entzündungsgedächtnis noch nicht voll entwickelt.
      Das spricht dafür, eine Psoriasis möglichst früh und möglichst effektiv zu behandeln. Aber: bisher konnte nur für die IL-23 Blocker festgestellt werden, dass sie die TRMs beeinflussen. So erklärt sich, weshalb Patienten 28 - 72 Wochen fast erscheinungsfrei blieben (PASI 90), obwohl der Wirkstoff abgesetzt wurde. Das waren, so Körber, diejenigen, die noch nicht so lange an Schuppenflechte erkrankt waren. Bei ihnen hätte sich das auslösenden Anti-Gen noch nicht endgültig im Entzündungs-Gedächtnis „eingebrannt“. 
      Professor Marc Radtke geht davon aus, dass man den gesamten Krankheitsverlauf eines Psoriatikers „in den Griff bekommen“ könne, wenn frühzeitig behandelt wird. TRMs sind übrigens auch bei Vitiligo festgestellt worden.
      Kinder kriegen
      Schwangerschaft
      Kein Psoriasis-Medikament ist für Schwangere zugelassen. Aber lässt sich die Behandlung mit einem innerlichen Wirkstoff nicht vermeiden, ist Cimzia® das sicherste. Nur bei diesem Biologikum dürfen Babys gleich nach der Geburt geimpft werden! Darauf verwies Professor Ulrich Mrowietz. Zwar wurden den Psoriasis-Registern keine auffälligen Probleme gemeldet, wie Fehlgeburten, Missbildungen o.ä. Aber niemand weiß wirklich, wie viel von den anderen Wirkstoffen durch die Nabelschnur oder die Muttermilch zum Baby gelangt.
      Fruchtbarkeit
      Die meisten Warnungen im Beipackzettel, Männer sollten während der Einnahme des Medikaments keine Kinder zeugen, scheinen unbegründet. Dr. Jean-Pierre Allam wies auf eine britische Studie hin, dass es trotz MTX-Einnahme keine Auffälligkeiten gab. Wer dagegen wegen seiner Psoriasis Arthritis mit innerlichem Kortison behandelt wurde, sollte drei Monate vor der Zeugung den Wirkstoff absetzen. Vorsichtig äußerte sich Dr. Sonja Grunewald: Nach den vorliegenden Registerdaten und Studien an Affen sind alle Arten von Biologika „wahrscheinlich nicht fruchtbarkeits-beeinträchtigend“. Bei Janus-Kinase-Hemmern wie Xeljanz geht man dagegen davon aus, dass sie die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigen und genverändernd wirken können.
      Hautpflege bei Erscheinungsfreiheit
      In der Apotheke hergestellte Präparate sind sinnvoll, wenn es keine zugelassenen Fertigarzneimittel gibt oder Patienten etwas nicht vertragen. Die Leitlinie gibt Rezeptur-Empfehlungen unter anderem für Psoriasis an Hand- und Fußflächen und auf dem Kopf, bei starkem Juckreiz, zur Vorbereitung einer PUVA-Bestrahlung oder zur Abschuppung. Kortisone (Kortikosteroide) werden wohl am meisten zur Entzündungshemmung angerührt. Zink oder Ölschiefer (Ichthyol) können aber ebenfalls gut wirken, so Professorin Petra Staubach-Renz.
      In der Leitlinie wird bei chronisch entzündlichen Hauterkrankungen eine Basistherapie (Hautpflege) als “fester Bestandteil des Therapiekonzeptes“ empfohlen. Das gilt auch für Biologika-Patienten, die fast keine Hauterscheinungen haben, so Staubach-Renz. Was sie nicht sagte: Betroffene, die sich daran halten wollen, müssen sich meist selbst sachkundig machen. Was ist die „richtige“ Hautpflege für Psoriatiker? Es gibt viele falsche Vorstellungen darüber.
      Schuppenflechte und Psyche
      Psoriasis psychisch verursacht?
      Ein Auslöser für Schuppenflechte kann ein traumatisches Lebensereignis sein. Dafür gibt es viele Hinweise, aber keinen wissenschaftlichen Nachweis. Darauf verwies der Diplom-Psychologe Dr. Kurt Seikowski. Für ihn sind Auto-Immunkrankheiten wie die Schuppenflechte ein psycho-somatisches Signal: In der „Sprache des Körpers“ macht es Sinn, bei bestimmten psychischen Belastungen Hautsymptome zu entwickeln. Durch Psychotherapie, so Seikowski, könne man die damit verbundenen Belastungen vermindern.
      Dass schon Babys Autoimmunkrankheiten entwickeln, erklärte Professor Uwe Gieler mit Depressionen der Schwangeren, die nachgewiesenermaßen auf das Neugeborene wirken würden.
      Dieser Ansatz wird in zwei grundlegende Bücher ausführlich erklärt:
      Die berührungslose Gesellschaft
      Die Haut und die Sprache der Seele: Hautkrankheiten verstehen und heilen
      Stimmung vom Immunsystem gesteuert?
      Einen völlig anderen Ansatz vertritt Professor Kai G. Kahl. Seit einigen Jahren zeigt er, dass Stress die gleichen Botenstoffe aussendet, wie das Immunsystem bei Schuppenflechte. Die Krankheit würde die Betroffenen sehr stressen. Aber es funktioniere auch umgekehrt: Je mehr Entzündungsbotenstoffe wie TNF oder IL im Körper festgestellt wurden, desto eher könne sich eine Depression entwickeln. Weil die gleichen Botenstoffe freigesetzt werden, wie bei Depressionen. Menschen, die mit Biologika behandelt wurden, seien euphorisch geworden. Ihre depressiven Symptome hätten sich deutlich verbessert. Biologika hemmen die Produktion von Botenstoffen, die Entzündungen und Depressionen verursachen.
      Siehe dazu: Mit Entzündungshemmern gegen Depression
      Kahl liefert weitere Argumente dafür, Schuppenflechte möglichst früh zu behandeln: Je länger die Erkrankung anhält, desto eher riskiere man eine Depression. Besonders dann, wenn der Genitalbereich betroffen sei. Erektionsstörungen wären, so Kahl, bei Psoriatikern weit verbreitet. Generell sind etwa ab dem 30. Lebensjahr neuro-psychologische Veränderungen beobachtet worden. Menschen mit Psoriasis seien 2 bis 3 x so häufig von echten Depressionen und Angsterkrankungen betroffen wie der Bevölkerungsdurchschnitt.
      Glücklichsein selbst erarbeiten?
      Barbara Schuster stellte eine Studie der TU München vor: Patienten mit Psoriasis und Neurodermitis fühlen sich danach besonders unglücklich. Dagegen, so Professorin Corinna Pfeifer, könnten die Betroffenen etwas machen: positive Gefühle entwickeln, angenehme Momente genießen, guttuende Beziehungen pflegen, sich selbst Ziele setzen; also insgesamt seinem Leben einen Sinn geben – trotz Krankheit!
      Es gibt viele Konzepte, um optimistischer, zufriedener und beschwerdefreier zu werden:
      Glücks- oder Dankbarkeits-Tagebuch über 10 Wochen führen. Flow-Erleben, d.h. sich völlig in eine Tätigkeit oder ein Amt vertiefen, z.B. bei Malen, Sport oder sozialem Engagement.  Stress vermindern durch Achtsamkeit (Mindfulness-Based-Stress-Reduction). Der Augenblick wird bewusst erlebt, akzeptierend und nicht wertend mit einer liebevollen Grundhaltung. Kurse werden von Krankenkassen bezuschusst. Geben ohne Gegenleistung (Random Act of Kindness), d.h. man macht irgendjemanden eine Freude, ohne zu erwarten, dass die oder der etwas zurückgibt. Eine Zuhörerin vom Uniklinikum Schleswig-Holstein berichtete, dass Patienten zufriedener aus dem Gespräch gehen würden, wenn sie selbst Zufriedenheit ausstrahlt: Glücklichsein könne anstecken! 
      Werbung in der Stadt

      Während des Kongresses sah man überall in Berlin Plakate: Pharmafirmen warben damit, dass Psoriasis behandelbar sei. Nun ist Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente in der Öffentlichkeit verboten. Aber es ist scheinbar nicht ausdrücklich verboten, indirekt dafür zu werben: Indem eine Firma darauf verweist, dass sie Medikamente gegen Schuppenflechte anbietet. Wer sich davon betroffen fühlt, wird dann beim Arzt nach einem Medikament dieses Anbieters fragen. Der Fachbegriff dafür ist Content-Marketing. Es gehört schon lange zur Werbe-Strategie von Pharmafirmen, Patienten direkt anzusprechen, ohne Umweg über den Arzt.
      Aufgeschnappt
      Produkte, die uns aufgefallen sind
      Cera VE ist eine feuchtigkeits-spendende Creme bzw. Lotion. Es wird mit einem speziellen Verfahren geworben, durch das sich Inhaltsstoffe wie Hyaloron verzögert in der Haut freisetzen sollen. Dadurch bleibe sie länger feucht. Eigentlich für Neurodermitiker gedacht, kann sie auch denjenigen helfen, die z.B. harnstoff-freie Pflegemittel suchen.
      Hersteller: LʹORÉAL Deutschland
      Cetaphil Pro Itch Control ist eine Serie für sehr trockene und juckende Haut. Sie wird angeboten z.B. als Lotion, Pflegeschaum, als Creme fürs Gesicht oder die Hand. Wer einen leichten Juckreiz hat, kann ausprobieren, wie gut es einem hilft.
      Hersteller: Galderma Laboratorium
      Clarelux (Wirkstoff Clobetasol) ist ein verschreibungspflichtiger Schaum zur Behandlung der Kopf-Psoriasis. Auch in 2019 kann der Hersteller das Präparat noch nicht anbieten. Wir haben darüber ausführlich berichtet. Der Firma ist bewusst, dass viele Patienten langfristig auf ein anderes Präparat wechseln werden.
      Hersteller: Pierre Fabre Dermo-Kosmetik
      Deflatop (Wirkstoff Betamethason) ist ein verschreibungspflichtiger Schaum zur Behandlung der Kopf-Psoriasis. Der Hersteller kündigte ein "Comeback" für den Sommer 2019 an.
      Hersteller: Holsten Pharma
      Ducray SENSINOL soll beruhigend wirken und „sofort“ den Juckreiz lindern. Der Hinweis auf „Studien“, die das belegen stellt sich als eine „interne“ Untersuchung heraus, die nie veröffentlicht wurde. Trotzdem kann man die Pflege- Lotion bzw. -Milch bei leichtem Juckreiz ausprobieren.
      Hersteller: Pierre Fabre Dermo-Cosmétique
      Eucerin Urea Repair Plus ist eine Serie mit unterschiedlichen Harnstoff-Konzentrationen von 3 bis 30 Prozent. Sie wird angeboten z.B. als Lotion und als Creme für Körper, Gesicht und Hände.
      Anbieter: Beiersdorf
      HELIOCARE 360 ist ein Sonnenschutz mit Faktor 100+. Das ist für diejenigen, die sich wirklich schützen müssen, z.B. wegen einer aktinischen Keratose im Gesicht aufgrund früherer Sonnenbestrahlungen. Das reine Sonnenschutz-Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen.
      Anbieter: IFC Dermatologie Deutschland
      LETI balm ist eine Serie für die trockene und schuppige Haut. Sie wird angeboten z.B. als Creme und Fluid, auch speziell für Kinder und Jugendliche. Eigentlich für Neurodermitiker gedacht, kann sie auch denjenigen helfen, die z.B. harnstoff-freie Pflegemittel suchen.
      Hersteller: Laboratorios LETI
      Protopic wird bis Ende Mai wieder lieferbar sein. Die Salbe ist zwar nicht für Psoriasis zugelassen. Aber einige Ärzte verschreiben sie „off-label“, weil sie z.B. auch bei der Nagel-Beteiligung wirksam sein soll.
      Hersteller: Leo Pharma
      TOLERIANE SENSITIVE ist eine Feuchtigkeitscreme, die vor allem das Mikrobiom der Haut regulieren soll. Das betrifft ein typisches Problem von Neurodermitikern. Das Pflegeprodukt kann aber denjenigen helfen, die z.B. harnstoff-freie Pflegemittel suchen.
      Hersteller: La Roche-Posay
    • Rolf Blaga
      By Rolf Blaga
      Der Global Player Abbott hat sich in zwei Unternehmen aufgeteilt. Weshalb, werden Wirtschaftsexperten sicherlich analysieren. Dem interessierten Laien fällt auf, dass gerade die Geschäftszweige Abbvie zugeschlagen wurden, die schon bisher besonders hohe Gewinne gemacht haben.
      AbbVie stellt sich als „forschendes BioPharma-Unternehmen“ vor. Als „Forschungsobjekt“ wird die „Lösung der Gesundheitsversorgung“ genannt. In den vergangenen Jahren ist viel Geld von Pharmafirmen in Studien zur „Versorgungsforschung“ und Befragungen von Patienten durch PR-Agenturen gesteckt worden. Viele große Pharmafirmen sind Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement (DGbV). Die Industrie will wissen, wie die für sie interessanten Patientengruppen tatsächlich versorgt werden und welche Versorgungslücken existieren.
      „Versorgungsforschung“ hat in der Vergangenheit Erstaunliches ans Licht gebracht. Zum Beispiel, dass Psoriasis-Patienten in Deutschland mit großem Abstand am häufigsten Kortison zum Einnehmen erhalten. Da das nicht den Leitlinien der Dermatologen entspricht, verschreiben das vermutlich die Hausärzte. Das hätte aber eigentlich eine Aufklärungskampagne bei Allgemein-Medizinern auslösen müssen.
      „Versorgungsforschung“ ist sinnvoll, wenn ihre Ergebnisse dazu führen, dass sich die Versorgung von Patienten objektiv verbessert. Sie ist zweifelhaft, wenn ihre Ergebnisse dazu genutzt werden, kommerziellen Anbietern Marktlücken aufzeigen. Sie ist problematisch, wenn Anbieter rezeptpflichtiger Medikamente Hinweise bekommen, wie sie ihren direkten Zugang zu Patienten ausbauen können.
      AbbVie macht dort weiter, wo Abbott aufgehört hat: Kein Pharmakonzern in Deutschland hat versucht, den direkten Kontakt zu den (Psoriasis-) Patienten so zu perfektionieren wie Abbott. Informationsbroschüren, Patientenportale, telefonische Beratung und Hausbesuche durch eine Krankenschwester bieten andere (Biologika-) Hersteller ebenfalls an. Abbott organisiert darüber hinaus mit Apothekern „Psoriasis-Gespräche“, hat einen Standardvortrag für diese Veranstaltung entwickelt, berät telefonisch über Sozialrechtsfragen und versuchte vergeblich, einen „Lieferservice“ für Humira® einzurichten. Dieses „Betreuungsprogramm“ wurden schon in der Vergangenheit von Patientenverbänden deutlich kritisiert: nicht nur von der PSOAG, sondern ebenfalls von der Deutschen Rheuma-Liga.
      Seit einigen Jahren zeichnet sich ab, dass Pharmafirmen versuchen, ohne den Umweg über die Ärzte direkt die Patienten zu erreichen. Gescheitert ist der Versuch zu erreichen, dass in der EU auch bei Patienten für rezeptpflichtige Medikamente geworben werden darf. Erfolgreich dagegen war die Pharmalobby im Punkt „integrierte Versorgung“: Seit 2011 ist es gesetzlich erlaubt, dass die Krankenkassen die Versorgung kompletter Patientengruppen an kommerzielle Unternehmen abgeben. So lässt die AOK Niedersachsen ihre Schizophrenie-Patienten komplett von der I3G GmbH versorgen, einer 100%-igen Tochter von Janssen-Cilag. Die stellen wiederum Psychopharmaka gegen Schizophrenie her. Auch andere Pharmafirmen würden gerne „ihre“ Patienten selbst versorgen. Kritiker befürchten, dass bestimmte Patientengruppen in Zukunft nur noch mit Pillen behandelt werden. Interessenkonflikte sind programmiert.
    • Redaktion
      By Redaktion
      Name des Originalpräparats: Humira
      Namen von Biosimilars: Amgevita, Amsparity, Cyltezo, Halimatoz, Hefiya, Hulio, Hyrimoz, Imraldi, Solymbic, Yuflyma
      Name des Wirkstoffs: Adalimumab
      Hersteller des Originalpräparats: AbbVie
      Dieses Medikament ist rezeptpflichtig.
      Allgemeine Informationen
      Adalimumab gehört zur Gruppe der so genannten Biologika. Diese Stoffe heißen so, weil sie von lebenden Zellen hergestellt werden – mit „Bio“ wie man es vom Lebensmittelmarkt kennt hat das nichts zu tun. Bei Adalimumab handelt es sich um einen gentechnisch hergestellten  humanen Antikörper gegen löslichen Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α).
      Bei welcher Erkrankung wird Humira angewandt?
      Humira kann sowohl bei Psoriasis arthritis als auch bei mittelschwerer bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis des Erwachsenen angewandt werden. Bei Psoriasis arthritis wird Humira allein (Monotherapie) oder in Kombination eingesetzt, wenn herkömmliche krankheitsmodifizierende Antirheumatika nicht ausreichend wirken.
      Bei Plaque-Psoriasis wird es als Monotherapie bei Patienten angewandt, bei denen eine äußerliche Therapie mit Cremes, Salben und Bädern nicht ausreicht und eine Systemtherapie erforderlich ist. In der Regel wird ein Biologikum wie Humira aber erst eingesetzt, wenn andere Systemtherapien wie Fumarsäureester, Retinoide, Methotrexat oder Ciclosporin nicht ausreichend gewirkt haben.
      Humira kann bei Kindern mit Plaque-Psoriasis ab 4 Jahren eingesetzt werden, wenn äußerliche Therapien und eine Lichttherapie nicht angesprochen haben oder aus einem anderen Grund für sie nicht geeignet sind.
      Darüber hinaus wird Humira auch bei vielen anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und Morbus Crohn eingesetzt.
      Wirkmechanismus
      Der Tumor-Nekrose-Faktor (TNF-alpha) ist ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Abwehrsystems gegen Bakterien. Er schafft die Vorraussetzungen für andere Zellen und Eiweißstoffe, im Kampf gegen Bakterien optimal zu funktionieren. TNF-α wird vor allem von Makrophagen ausgeschüttet und hat vielfältige Wirkungen in vielen Organsystem. Eine lokal erhöhte Konzentration von TNF führt zu den klassischen Entzündungssymptomen: Hitze, Schwellung, Röte und Schmerz. Erhöhte Konzentrationen im Blut können zu Fieber und Appetitminderung mit Gewichtsverlust führen.
      Bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Psoriasis ist TNF-α außer Kontrolle geraten. Man findet den Faktor in hohen Konzentrationen, obwohl Bakterien bei dieser Entzündung gar nicht mit im Spiel sind. Die eigentlich gegen Bakterien gerichtete Entzündungsreaktion mit all ihren Folgen wie Schmerz, Rötung und Gewebezerstörung läuft sozusagen ins Leere. Indem man TNF- α aus dem Spiel nimmt, kann man die Entzündungsreaktion ausbremsen.
      Adalimumab ist ein Antikörper gegen löslichen TNF-α. Durch die Bindung an den Antikörper passt TNF-α nicht mehr ins „Schloss“ (Rezeptor) und kann seine Wirkung in den Zielorganen nicht entfalten.
      Wie wird Humira angewandt?
      Es wird empfohlen, dass die Behandlung mit Humira von speziellen Fachärzten eingeleitet und überwacht wird, die über viel Erfahrung mit diesem Medikament verfügen.
      Humira gibt es als Spritze und als Pen. Mit dem Pen sollen Menschen mit schweren Gelenkproblemen an den Händen bei der Injektion des Medikaments weniger Probleme haben.
      Wer schon einmal einem Diabetiker beim Spritzen zugesehen hat, wird sich spontan daran erinnert fühlen: Beim Pen ist die Nadel während des Injektionsvorgangs nicht sichtbar. Die Patienten halten den Humira-Pen gegen die Haut, drücken einen Knopf und warten auf die Injektion des Medikaments. Die Injektion selbst wird nach Angaben des Herstellers AbbVie von Patienten beim Pen als weniger schmerzhaft empfunden.
      Für den Pen gab es eine Studie. Die hieß Touch (Trial Of Usability in Clinical settings of HUMIRA Autoinjector vs. Prefilled Syringe). 52 Patienten nahmen daran teil. Neun von zehn fanden den Pen bequemer und einfach zu handhaben. Acht von zehn berichteten von weniger Schmerzen.
      Bei Psoriasis arthritis wird in der Regel alle zwei Wochen als Einmalgabe 40 mg des Antikörpers unter die Haut (subkutan) gespritzt.
      Bei Plaque-Psoriasis wird bei erwachsenen Patienten ein Anfangsdosierung von 80 mg Adalimumab subkutan empfohlen. Die nächste Gabe von 40 mg erfolgt nach einer Woche, danach werden wie bei der Psoriasisarthritis alle zwei Wochen 40 mg verabreicht.
      Für Kinder mit Plaque-Psoriasis ab 4 Jahren beträgt die empfohlene Dosis 0,8 mg pro Kilogramm Körpergewicht und maximal 40 Milligramm. Die genaue Dosis kann der Arzt in der Fachinformation finden. In den ersten beiden Wochen wird Humira wöchentlich, da nach alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt.
      Bei Patienten, bei denen sich auch nach 16 Wochen noch keine Wirkung gezeigt hat, sollte Humira abgesetzt werden. Bei guter Wirksamkeit kann nach 33 Wochen eine Unterbrechung der Therapie erwogen werden. Studien haben gezeigt, dass bei knapp drei Viertel der Patienten nach diesem Zeitraum keine Rückfälle mehr auftreten.
      Grundsätzlich ist es möglich, dass man sich als Patient nach entsprechender Schulung das Medikament selbst injiziert. Ob das auch für dich in Frage kommt, solltest du mit deinem Arzt besprechen.
      Wann darf Humira nicht angewendet werden?
      bei bekannter Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe (auch bei Latex-Allergikern ist Vorsicht geboten, da der Nadelschutz der Spritze Latex enthält) bei aktiver Tuberkulose bei schweren Infektionen wie Blutinfektion (Sepsis) bei Infektionen mit Keimen, die normalerweise harmlos sind (Solche „opportunistischen“ Infektionen sind ein Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystems) bei mittelschwerer bis schwerer Herzinsuffizienz Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?
      Besonders gefürchtet ist unter der Behandlung mit Humira das Wiederaufflackern einer nicht richtig ausgeheilten Tuberkulose (Tbc). TNF-α ist in besonderer Weise daran beteiligt, Tuberkelbakterien dauerhaft in Schach zu halten. Fällt dies Wirkung weg, kann die Tuberkulose erneut ausbrechen und dann zu schweren Krankheitsverläufen führen.
      Ihr Arzt wird Sie daher ausführlich befragen, ob Sie jemals an einer Tbc erkrankt waren oder Kontakt mit Tbc-Kranken hatten. Zusätzlich wird unter Umständen mittels Röntgenaufnahme und/oder Hauttest (Tuberkulin-Test) nach einer inaktiven (latenten) Tuberkulose gefahndet.
      Wird eine aktive Tuberkulose festgestellt, darf mit der Therapie mit Humira nicht begonnen werden. Bei einer inaktiven Tuberkulose wird zuerst eine Anti-Tuberkulosetherapie eingeleitet.
      Auch wenn sich vor der Therapie keine Hinweise für eine Tuberkulose ergeben haben, ist eine spätere Infektion oder ein Wiederaufflackern nicht völlig ausgeschlossen. Sie sollten daher während des Behandlungszeitraums besonders auf mögliche Anzeichen einer Tuberkulose wie anhaltender Husten, Gewichtsverlust, niedriges Fieber und Nachtschweiß achten und ggf. sofort Ihren Arzt informieren.
      Auch andere Infektionen können unter Humira gehäuft auftreten bzw. schwerer verlaufen. Ihr Arzt wird daher versuchen, Infektionen vor der Behandlung weitgehend auszuschließen. Tritt eine schwere Infektion während der Behandlung auf, muss die Behandlung mit Adalimumab möglicherweise abgebrochen werden, bis die Infektion unter Kontrolle ist.
      Auch eine chronische Hepatitis B. sollte möglichst ausgeschlossen werden. Einige  Menschen sind Träger des Hepatitis-B-Virus ohne davon zu wissen. Die Therapie mit Adalimumab könnte das Virus aktivieren.
      Auch opportunistische Infektionen mit ansonsten harmlosen Erregern einschließlich Pilzerkrankungen können auftreten. Symptome wie Unwohlsein, Fieber, Gewichtsverlust, Schwitzen, Husten und Atemnot müssen daher immer ernst genommen werden.
      Beim heutigen Wissenstand kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass TNF-Gegenspieler wie Adalimumab das Risiko für Lymphome und andere bösartige Erkrankungen erhöhen. Dies gilt vor allem für Patienten mit einer intensiven abwehrschwächenden (immunsuppressiven) Therapie in der Vorgeschichte. Wurde vorher eine PUVA-Therapie durchgeführt, sollte vermehrt auf die mögliche Entstehung von Hautkrebs geachtet werden.
      Manche Impfstoffe enthalten lebende Erreger. Auf Impfungen mit solchen Lebend-Impfstoffen sollte während der Therapie mit Humira verzichtet werden. Dazu gehören z.B. Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Gelbfieber und Typhus. Impfungen mit Tot-Impfstoffe stellen kein Problem dar.
      Besondere Vorsicht ist auch bei Patienten mit leichter Herzschwäche (Herzinsuffizienz) geboten, da sich diese unter Umständen verschlechtern kann. Bei Neuauftreten einer Herzschwäche oder Verschlechterung der Symptomatik muss die Therapie abgesetzt werden.
      Kann Humira in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?
      Da nicht genug Erfahrungen in Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollte das Präparat hier nicht eingesetzt werden. Während der Behandlung ist eine sichere Empfängnisverhütung zu empfehlen.
      Mögliche Nebenwirkungen
      Sehr häufig (bei einem von 10 Behandelten oder mehr)
      Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Schwellung, Schmerz, Juckreiz (bei 16% der Patienten – meist mild und kein Grund zum Absetzen) Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)
      Infektionen der oberen und unteren Atemwege (Schnupfen, Halsentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündung), Virusinfektionen (einschließlich Grippe und Herpesinfektionen), Hefepilzerkrankungen (Candidiasis), andere bakterielle Infektionen (z.B. Harnwegsinfektionen) Lymphopenie (Rückgang der Lymphozyten) Benommenheit (einschließlich Schwindel), Kopfschmerz, neurologische Empfindungsstörungen (z.B. „Ameisenlaufen“) Infektion, Reizung oder Entzündung des Auges Husten, Schmerzen im Bereich von Nasen- und Rachenraum Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit Entzündungen und kleine Geschwüre der Mundschleimhaut (Stomatitis) Erhöhung der Leberenzyme Hautausschläge (Dermatitis, Ekzem), Juckreiz (Pruritus) Haarausfall Schmerzen im Bereich von Muskulatur und Skelett Fieber, Müdigkeit/Abgeschlagenheit, Unwohlsein Gelegentlich (bei mehr als einem von 1000 Behandelten aber weniger als bei einem von 100)
      Sepsis (Blutinfektion), opportunistische Infektionen, Abszess, Gelenkinfektionen, Hautinfektionen (einschließlich Weichteilinfektion und Impetigo), oberflächliche Pilzinfektionen Blutbildveränderungen (Neutropenie bis hin zu Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie, Leukozytose) Lymphknotenschwellungen Hautpapillom, Basalzellkarzinom der Haut Systemischer Lupus erythematodes, Angioödem Arzneimittelüberempfindlichkeit, saisonale Allergien Kaliummangel (Hypokaliämie), erhöhte Blutfette, erhöhte Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) Appetitstörungen (bis hin zu Abmagerung) Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit (einschließlich Nervosität und Agitation) Ohnmacht (Synkope), Migräne, Zittern (Tremor), Schlafstörungen Störungen des Sehvermögens, Empfindungsstörungen des Auges Tinnitus, Ohrbeschwerden (einschließlich Schmerz und Schwellung) Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie), schneller Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen Blutdruckerhöhung, Gesichtsrötung (Flush), blaue Flecken (Hämatome) Asthma, Kurzatmigkeit (Dyspnoe), Heiserkeit (Dysphonie), verstopfte Nase Blut im Stuhl, Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Erbrechen, Dyspepsie, Blähungen, Verstopfung Nesselsucht (Urtikaria), Schuppenflechte (Psoriasis), Ekchymose und vermehrte Blutergüsse, Purpura Blut im Urin (Hämaturie), eingeschränkte Nierenfunktion, Blasen- und Harnröhrenbeschwerden Störungen des Menstruationszyklus und Blutungsstörungen Erhöhung der Kreatinphosphokinase im Blut, Verlängerung der partiellen Thrombinzeit, Nachweis von Auto-Antikörpern Versehentliche Verletzung, beeinträchtigte Wundheilung Selten: (mehr als einer von 10.000 Behandelten aber weniger als einer von 1000)
      Nekrotisierende Faszitis, virale Hirnhautentzündung (Meningitis), Divertikulitis Lymphom, andere Organtumoren (einschließlich Brust, Eierstock, Hoden), Plattenepithelkarzinome der Haut, schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) Schwere Blutbildveränderung (Panzytopenie), idiopathische thrombozytopenische Purpura Serumkrankheit Schilddrüsenfunktionsstörung (einschließlich Kropf) zu hohe oder zu niedrige Kalziumspiegel (Hyperkalzämie oder Hypokalzämie) Multiple Sklerose, Gesichtslähmung Panophthalmie, Regenbogenhautentzündung (Iritis), Glaukom Hörverlust Herzstillstand, Koronarinsuffizienz, Angina pectoris, Perikarderguss, dekompensierte Herzinsuffizienz Gefäßverschluss, Aortenverengung (Aortenstenose), Venenentzündung (Thrombophlebitis), Aortenaneurysma Lungenödem, Rachenödem, Pleuraerguss, Rippenfellentzündung (Pleuritis) Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), intestinale Stenose, Kolitis, Enteritis, Ösophagitis Lebernekrose, Hepatitis, Leberverfettung, Gallensteine, erhöhtes Bilirubin im Blut Erythema multiforme, Pannikulitis Rhabdomyolyse Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie), Nierenschmerzen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Wirkstoffen
      Wechselwirkungen mit anderen zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen eingesetzten Medikamenten wie Sulfasalazin, Hydroxychloroquin, Leflunomid, Gold, Glukokortikoiden, Salicylaten; nicht-steroidalen Antiphlogistika oder Analgetika sind nicht zu erwarten.
      Die Kombination mit Methotrexat hat sich als günstig erwiesen, da in diesem Fall seltener Antikörper gegen Adalimumab gebildet werden und die Wirkung verstärkt wird.
      Die Kombination mit einem weiteren TNF-α-Gegenspieler bringt keinen klinischen Vorteil und erhöht die Infektionsgefahr, sodass davon abgeraten wird. Das gleiche gilt für die Kombination mit Anakinra.
      Was sollte man sonst noch wissen?
      Bei Psoriasis-Arthritis kann Humira die klinischen Zeichen der Gelenkentzündung bessern und das Fortschreiten der Gelenkentzündungen vermindern. Auch eine deutliche Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit ist gezeigt worden. Bei mäßiger bis schwerer Plaque-Psoriasis kann mit Adalimumab eine rasche Rückbildung der Hauterscheinungen bis hin zum völligen Abheilen erreicht werden. Die Biologika Humira und Enbrel sind vor allem für die Langzeittherapie einer stabilen, ständig fortschreitenden Psoriasis geeignet. Ein besonders schnelles Ansprechen in kritischen Situationen erreicht man dagegen mit Infliximab und Ustekinumab. Nach einer Therapiepause kann nicht garantiert werden, dass man bei einem Rückfall wieder genauso gut auf die Therapie mit Adalimumab anspricht. Wird das Therapieziel nach 12 Wochen mit Humira nicht erreicht, kann mit Methotrexat kombiniert werden. Bringt auch das keinen Erfolg kann der Wechsel auf ein anderes Biologikum erwogen werden. Maria Weiß, Ärztin
      Lagerung
      Die Fertigspritzen müssen im Kühlschrank (2 bis 8°C) aufbewahrt werden. Um den Inhalt vor Licht zu schützen, sollte man die Spitzen in der Originalverpackung lassen.
      Kosten von Humira
      Eine Packung mit 2 Pen mit je 40 mg Adalimumab (Humira) kostet etwa 1900 Euro (Stand Juni 2020). Eine Packung mit 6 Pen mit je 40 mg Adalimumab (Humira) kostet etwa 5325 Euro (Stand Juni 2020). Die Preise sind Listenpreise. Durch Rabattverträge, die Verschreibung eines Biosimilars und weitere Umstände können (und werden) die Kosten davon abweichen. Deshalb ist diese Angabe nur als sehr grobe Richtschnur anzusehen.
      Verwendete Literatur:
      Fachinformation Humira Frank Bachmann et al; Stellenwert der Biologika im Praxisalltag; AP Dermatolgie/Allergologie 2009; 4: 28-31 https://www.psoriasis-netz.de/medikamente/adalimumab/humira-fragen-antworten.html Kurz gemeldet
      November 2019: Imraldi, ein Nachahmer-Präparat (Biosimilar), kostet in Deutschland jetzt nur noch halb so viel wie das Original-Produkt Humira. [Quelle] November 2019: Nach dem Ende des Patentschutzes für das Medikament Humira hatte der Hersteller AbbVie starke Umsatzverluste erwartet. Sie fielen mit 3,9 Prozent weltweit dann geringer aus als befürchtet. [Quelle] Oktober 2019: Ein Jahr nach Auslaufen des Patentschutzes wird das Medikament Humira nur noch halb so oft verschrieben. Biosimilars – die Nachbauten des Original-Arzneimittels – haben also kräftig aufgeholt. [Quelle] Oktober 2018: Das Biosimilar Cyltezo kommt erst einmal nicht auf den Markt. Grund sind wohl Patent-Streitereien in den USA. November 2016: Pen, Spritze und Verpackung bei Humira wurden leicht geändert. Pen und Spritze enthalten nur noch die halbe Füllmenge. Die Zahlen auf dem Pen sind nun weiß und das Sichtfenster ist größer. Bei der Spritze ist deutlich zu sehen, dass sie weniger Inhalt hat. Verringert wurde laut Hersteller die Menge der Füllstoffe und nicht die des Wirkstoffs. Alles in allem soll die Injektion weniger brennen. In einem Flyer gab es den Hinweis, dass Anwender des Pens weiterhin nach dem Auslösen bis 10 zählen sollten. Tipps zum Weiterlesen
      In unserer Community tauschen Betroffene ihre Erfahrungen mit Humira aus. Wer Humira bekommt, kann an einem Patientenbetreuungsprogramm teilnehmen. Dafür kann man sich bei AbbVie Care anmelden. aktueller Beipackzettel von Humira eine Übersicht über Humira und warum es in der EU zugelassen ist von der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA (PDF)
    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Unter den Salben sind solche mit Kortison bei den meisten Psoriatikern am wirksamsten – aber auch am meisten gefürchtet. Schuppenflechte-Stellen gehen mit Kortisonsalben schnell weg. Die Salben sind – richtig angewandt – ein gutes Mittel und vor allem wichtig, um erst einmal die Entzündung der Haut abzuschwächen. Doch die Angst vor Nebenwirkungen ist groß, und sehr oft sagen Betroffene Nein zum Kortikoid – aus eben jener diffuser Angst.
      Die Angst stammt nicht von ungefähr: Als Kortisonsalben in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkamen, waren sie "Wunderwaffen", noch mit wenig Erfahrung eingesetzt, die Nebenwirkungen vernachlässigt, weil der Erfolg ja so gut war. Mittlerweile sind Kortisonsalben der sogenannten vierten Generation auf dem Markt. "Diese Kortisonsalben bringen heute kaum noch Nebenwirkungen", versichert Professor Roland Niedner. "Nur im Gesicht muss man sehr, sehr vorsichtig damit sein."
      Die "Ärzte Zeitung" widmete dem Thema im Jahr 2003 einen Artikel. Danach wurden in den 60-er und 70-er Jahren immer stärkere Kortisonsalben entwickelt. Die damalige falsche Anwendung hätte die Kortisonsalben-Therapie bei Patienten und auch bei vielen Ärzten "in Misskredit gebracht". Seit Mitte der 80-er Jahre stünden aber Kortisonsalben der inzwischen vierten Generation zur Verfügung. Die würden nicht mehr zur gefürchteten "Verdünnung" der Haut (fachmännisch: Atrophie) führen.
      Ärzte müssten vor der Verordnung wissen:
      Wie stark ist das Kortikoid? Wie stark ist die Konzentration? Welche Trägersubstanz kommt zum Einsatz? (Heißt: Worin ist das Kortison untergemischt?) Wie groß sind die Hautstellen, wo die Salbe hinkommt? Wie lange soll die Kortisonsalbe angewendet werden? Kortisonsalben – wie lange?
      Roland Niedner war Deutschlands "Kortisonpapst". Er forschte daran, kann die Stärke der verschiedenen Kortison-Präparate und -Wirkstoffe vermutlich im Schlaf sagen und ist dennoch realistisch: "Kortisonsalben sollten nicht zu lange angewendet werden, sonst ist die Psoriasis schwerer weiterzubehandeln."
      Der Arzt und Wissenschaftler, der am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam arbeitete, hat jahrelang von seinen Kollegen keine Nebenwirkungen berichtet bekommen. Dennoch kennt er sie und weiß sie einzuschätzen:
      Die Verdünnung der Haut geht nach der Anwendung wieder weg. Das gleiche gilt für eine Akne oder eine periorale Dermatitis, die der Akne ähnelt. Eine übermäßige Behaarung der Stellen, wo Kortison geschmiert wurde, verschwindet ebenfalls nach einiger Zeit. Andere Nebenwirkungen wie Pseudo-Narben oder eine Hyperpigmentierung sind ebenfalls später nicht mehr zu sehen. Die schwerste Nebenwirkung von zuviel Kortison ist eine Ausweitung der kleinen Blutgefäße unter der Haut, die meist auch deutlich zu sehen ist. Die sind nur mit Laserverfahren zu entfernen. "Glück" für alle Menschen mit einer Psoriasis auf dem Kopf: Dort wurden noch nie Nebenwirkungen von Kortisonsalben oder -lösungen beobachtet. Gaaaaaanz vorsichtig sollte man aber mit der Anwendung von Kortisonsalben an den Ohren sein: Die zählen noch zum Gesicht, wo mit Kortison sehr, sehr, sehr sparsam umgegangen werden sollte.
      Grundregeln für Kortison
      Grundregeln von Roland Niedner sind:
      Beginne mit dem stärksten Präparat. (Zur Stärke siehe Übersicht) Lass dir von jedem Wirkstoff (siehe Übersicht) ein bis zwei Präparate verschreiben, um testen zu können, was am besten wirkt. Berücksichtige dein Alter. Je älter man ist, um so dünner ist die Haut schon an sich. Dann sind die Blutgefäße auch brüchiger. Begrenze die Therapiedauer. Schleich dich aus der Behandlung aus. Setze Kortisonsalben nach längerer Anwendung, also vier Wochen und länger, nie, nie und niemals nie auf einmal ab. Das heißt: Nimm die Salben dann zunächst nur noch jeden zweiten Tag, später jeden dritten, dann jeden vierten und so weiter und so fort. Für Roland Niedner liegt die durchschnittliche Grenze der Behandlung mit Kortisonsalben bei vier Wochen.
      Sein Tipp für das Präparat Daivobet, eine Mischung aus Kortison und Vitamin D3 (Calcipotriol): Man nehme 14 Tage Daivobet, dann längere Zeit Daivonex, und dann noch einmal eine Woche Daivobet.
      In der Genitalgegend ist Kortisonsalbe immer Abwägungssache. Eine Patientin berichtete von guten Erfolgen mit Linoladiol. Mit einer Tube davon sei sie über ein Vierteljahr gekommen, und sie habe es angewendet, obwohl sie ansonsten felsenfest Kortison ablehnt. An dieser empfindlichen Stelle aber wollte sie "Klarheit".
      Salbe oder Creme?
      Kennst du die Frage vom Arzt: "Wollen Sie 'ne Salbe oder 'ne Creme"? Dahinter verbirgt sich nicht nur eine Frage nach einer Annehmlichkeit. Denn: Kortison wirkt, in gleicher Konzentration in Salben eingearbeitet, besser als in Creme. In (alkoholischer) Lösung eingearbeitet, ist die Wirkung noch schwächer.
      Wer auf seine Stellen zunächst die Kortisonsalbe aufträgt und sie dann mit Folie abdeckt, erhöht die Wirkung um das fünf- bis zehnfache. Insbesondere an Händen und Füßen ist die Wirkung enorm, weil dort Kortisonsalben schlechter eindringen als an anderen Körperteilen. Aber: Das ist schon eine "Holzhammer-Methode", mit der man vorsichtig umgehen sollte. Sie sollte höchstens einige Tage (vorzugsweise Nächte) angewendet werden und dann auch mit dem "Ausschleichen" der Kortisonsalbe beendet werden. Ein Tipp für die Hände: Es gibt in der Apotheke Folien-Handschuhe, die die Behandlung "bequemer" machen.
      Kortisonsalben der "vierten Generation"
      Wirkstoff: Hydrocortison-Aceponat; Handelsname: Retef Wirkstoff: Hydrocortison-Buteprat; Handelsname: Pandel Wirkstoff: Hydrocortison-Butyrat; Handelsname: Alfason Wirkstoff: Methylprednisolon-Aceponat; Handelsname: Advantan Wirkstoff: Prednicarbat; Handelsname: Dermatop Kortison kann Allergien auslösen
      Kontaktekzem, Quaddeln, Juckreiz und zunehmende Rötung oder anaphylaktischer Schock – das Spektrum der Allergie-Symptome ist breit. Verschiedene Kortison-Arten reagieren dabei auch noch untereinander. Wer mehr darüber wissen möchte, lese den kompletten Bericht der Medical Tribune Online.
      Wie gut dringt Kortison-Salbe wo ein?
      (fachmännisch: Penetrationsverhältnisse und Atrophieverhältnisse für Dermokortikoide, nach Feldmann/Maibach)
      Wo? Wie stark?
      Kopfhaut: 3,5 Stirn: 6,0 Kieferwinkel: 13 Rücken: 1,7 Achselhöhle: 3,6 Unterarm dorsal (außen): 1,1 Unterarm ventral (innen): 1 Handfläche: 0,8 Skotum (Geschlechtsteilgegend): 43,0 Knöchel: 0,4 Fußsohle: 0,1 https://www.psoriasis-netz.de/medikamente/kortison/kortison-wirkstoffe.html Quellen:
      Forschung und Praxis (177/1994) Vortrag von Professor Niedner in Berlin (Januar 2003) u.v.a.
    • Redaktion
      By Redaktion
      Hier findest du eine Liste von Kortisonsalben und ihren Wirkstoffen. Manchmal sind es auch Lösungen oder Lotionen. Angegeben ist auch die Stärke bzw. Konzentration des enthaltenen Kortisons.
      Wirkstärke Klasse I – schwach wirksam
      Wirkstoff Konzentration in %
      Handelsname (Beispiele)
      erhältlich als Hydrocortison 0,100 Hydrocutan mild S   0,250 Dermo Posterisan S     RatioAllerg Hydrocortison C     Systral Hydrocort Lo   0,333 Sanatison Mono 1/3% S   0,500 Hydrocortison Wolff 0,5 % Lo, C     Hydrocutan S     Hydroderm HC 0,5% C     Munitren H fettend/fettarm S, C   1,000 Dermallerg-ratiopharm C     Sanatison Mono 1% S     Hydrocortison Wolff 1% C, Lo     Hydrogalen L, Lo, C, S     Remederm HC Widmer C Hydrocortisonacetat 0,250 Ebenol 0,25% Salbe S     Fenistil Hydrocortison S     Soventol HC C   0,330 Posterine Corte S   0,500 velopural OPT S   1,000 Ebenol 1% S     hydrocort von ct S     Hydrocortison POS N 1% S     Hydrocortison POS N 2,5% S     Hydrocutan C, S Prednisolon 0,100 Alferm Salbe S   0,200 Lygal Kopftinktur N L   0,250 Prednisolon AS S     Prednisolon LA C, S   0,400 Linola-H N C     Linola H Fett N S Prednisolonacetat 0,500 Dontisolon D Mundheilpaste P     Inflanefran AS S Fluocortinbutylester 0,750 Vaspit C, S, FS Triamcinolonacetonid 0,012 Arutrin-Spray Spray   0,0125 Volonimat Spray Spray Dexamethason-21-isonicotinat 0,025 Dexa Loscon mono L Dexamethason 0,020 Solutio Cordes Dexa N L   0,025 Dexagalen crinale L   0,030 Cortidexason crinale L   0,050 Dexamethason LAW C, S Clocortolonpivalatplus -caproat 0,030 Kabanimat S, C Klasse II 
      Wirkstoff Konzentration  in %
      Handelsname erhältlich als Clobetasonbutyrat 0,050 Emovate C, S Hydrocortisonaceponat 0,100 Retef C, S Dexamethason 0,100 Cortidexason N S, FS Dexamthason plus-sulfobenzoat je 0,050 Duodexa N S Alclometason-dipropionat 0,050 Delonal S, C Flumetasonpivalat 0,020 Cerson C, S, L Triamcinolonacetonid 0,025 Extracort-N C, S     Volonimat N C, S Fluoprednidenacetat 0,050 Decoderem Salbe S   0,100 Decoderm Creme C, P Hydrocortisonbutyrat 0,100 Alfason S, C, Crelo, CreSa, L, Lo     Laticort 0,1 % C, S Hydrocortisonbuteprat 0,100 Pandel S, C Clocortolonpivalatplus -caproat 0,100 Kaban S, C Desonid 0,100 Sterax 0,1% C Betamethasonvalerat 0,050 Betnesol V crinalite L     Betnesol V mite S, C Triamcinolonacetonid 0,050 Volon A Spray N Spray   0,100 Delphicort S, C     Kortikoid ratiopharm C, FS     Triamgalen Lo, L, C, S     Triam Lichtenstein C, S     Triamcinolon Wolff C     Volon A (antibiotikafrei) S, HS, C, Lo Methylprednisolonaceponat 0,100 Advantan S, C, FS, L, M Prednicarbat 0,250 Dermatop S, FS, C, L Fluocinolonacetonid 0,010 Jellisoft C Desoximetason 0,050 Topisolon mite S Klasse III – stark wirksam
      Name des Wirkstoffs Konzentration in %
      Handelsname erhältlich als Mometasonfuroat 0,100 Ecural S, FC, L     Monovo C, E, S     Momegalen FC, S, L     Momecutan FC, S, L Betamethasonpentanoat 0,100 Cordes Beta C, S Betamethasonvalerat 0,100 Bemon S     Betagalen C, Lo, L, S     Betnesol-v crinale L     Betnesol-v 0,1 % S, C, Lo     Celestan-v S     Cordes Beta C, S     Deflatop Sch     Soderm C, S, L, Lo, Lö Fluticasonpropionat 0,050 Flutivate C Betamethason- dipropionat
      0,050 Diprosone C, L, S     Diprosis G, S Betamethason- dipropionat + Calcipotriol
      0,050 + 50 μg Enstilar Spray     Daivobet G, S Fluocinolonacetonid 0,025 Flucinar C, S     Jellin C, S Diflorasondiacetat 0,010 Florone crinale L Desoximetason 0,050 Topisolon S Fluocinonid 0,050 Topsym L, C, S Amcinonid 0,100 Amciderm C, FS, Lo, S Diflucortolonvalerat 0,100 Nerisona C, FS, S Klasse IV – sehr stark wirksam
      Name des Wirkstoffs Konzentration in % Handelsname erhältlich als Clobetasolpropionat 0,050 Clobegalen S     Dermoxinale L     Dermoxin S, C     Karison C, S, FS     Karison crinale L     Clarelux C, S, E, L, Schaum     Dermovate S Erläuterung der Abkürzungen
      C = Creme
      E = Emulsion
      FC = Fettcreme
      FS = Fettsalbe
      G = Gel
      HS = Haftsalbe
      L = Lösung
      Lo = Lotion
      M = Milch
      P = Paste
      S = Salbe
      Sch = Schaum
      T = Tinktur
      Stand vom 17.01.2013
      Quellen: Prof. Roland Niedner, Rote Liste, Hersteller
      https://www.psoriasis-netz.de/medikamente/kortison/kortison-index.html

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