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Hände in Not: Neue Leitlinie zum Hautschutz beim Handekzem

Wer ein Handekzem hat, kennt das Problem: Die Hautbarriere ist oft gestört und mechanische Reize oder der Kontakt mit Wasser kommen dann dazu. Wie schützt man seine Hände richtig – sei es im Beruf oder bei der Hausarbeit?

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin (DGAUM) haben im Mai 2025 ihre Leitlinie „Berufliche Hautmittel“ aktualisiert. Ziel der Leitlinie ist, die Vorbeugung beruflich bedingter Handekzeme zu verbessern. Zwar richtet sie sich primär an Profis, doch die Empfehlungen darin sind für jeden Menschen mit empfindlicher oder vorgeschädigter Haut interessant.

Ja, wir sind das Psoriasis-Netz, unser Thema ist die Schuppenflechte. In unserem Forum sind aber schon öfter Fragen zum Handekzem gelandet – für all jene Betroffenen ist dieser Artikel.

Aha-Effekt „Feuchtarbeit“: Es ist nicht nur das Wasser

Viele denken bei „Feuchtarbeit“ nur an das Spülen oder Händewaschen. Die Leitlinie definiert den Begriff jedoch breiter: Feuchtarbeit bedeutet auch das Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen über einen längeren Zeitraum.

Warum ist das wichtig? Unter dem Gummihandschuh staut sich Feuchtigkeit (Okklusionseffekt). Das kann die Haut aufweichen und durchlässiger für Schadstoffe machen. Wer Handschuhe trägt – was oft sinnvoll ist –, sollte sie regelmäßig wechseln oder Baumwollhandschuhe darunter tragen, um den Schweiß aufzusaugen.

Die drei Säulen: Schutz, Reinigung und Pflege

Die Leitlinie unterscheidet klar zwischen drei Arten von Produkten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zum Einsatz kommen sollten:

  • Hautschutz (vor der Arbeit): Diese Mittel sollen die Haut vor Belastungen schützen (Protektion). Sie werden vor Arbeitsbeginn und nach Pausen aufgetragen. Wichtig: Hautschutzcremes sind kein Ersatz für Handschuhe, wenn Du mit Chemikalien hantierst. Und: Creme Dich nicht unmittelbar vor dem Anziehen von Handschuhen ein, da dies die Schutzwirkung der Handschuhe beeinträchtigen kann.
  • Hautreinigung (während der Arbeit): Hier gilt: So mild wie möglich. Aggressive Scheuermittel oder Bürsten sollten tabu sein, da sie die Hautbarriere schädigen.
  • Hautpflege (nach der Arbeit): Pflegeprodukte dienen der Regeneration der Hautbarriere. Sie gehören in die Pausen und an das Ende des Arbeitstages. Wenn Deine Haut sehr trocken ist, greife eher zu fettreicheren Cremes statt zu wässrigen Lotionen.

Vorsicht: Die Urea-Falle

Bei Urea (Harnstoff) gibt es eine wichtige Einschränkung für den Hautschutz: Die Leitlinie rät davon ab, Urea in Hautschutzmitteln (also vor der Arbeit) zu verwenden. Der Grund: Harnstoff kann die Haut durchlässiger machen („Penetrationsförderung“), wodurch Schadstoffe bei der Arbeit leichter in die Haut eindringen könnten.

Der Tipp: Nutze Urea-Produkte gezielt zur Pflege nach der Arbeit oder vor dem Schlafengehen – dort sind sie zur Regeneration ausdrücklich sinnvoll. Vor der belastenden Tätigkeit (z. B. Putzen, Gartenarbeit) greife lieber zu einem Hautschutzprodukt ohne Harnstoff.

Checkliste Inhaltsstoffe: Die „No-Gos“ bei Handekzemen

Ein Highlight der neuen Leitlinie ist eine klare Warnung vor bestimmten Inhaltsstoffen bei „vorgeschädigter Haut“. Die Experten haben eine Liste von Stoffen erstellt, die in Hautmitteln für diese Zielgruppe nicht enthalten sein sollten, da sie ein hohes Allergierisiko bergen.

Achte beim Kauf von Handcremes und Seifen darauf, dass folgende Stoffe nicht auf der Verpackung (INCI-Liste) stehen:

  • Konservierungsstoffe: Methylisothiazolinone, Chlormethylisothiazolinone.
  • Duftstoffe: Citral, Eugenol, Farnesol, Geraniol, Hydroxycitronellal, Isoeugenol, Zimtaldehyd (Cinnamal), Zimtalkohol.
  • Naturstoffe/Öle: Ylang-Ylang Öl, Lemongrasöl, Jasmin absolut, Nelkenöl, Perubalsam, Sandelholzöl.
  • Propolis: Auch Bienenharz kann Allergien auslösen.

Es lohnt sich, das Kleingedruckte auf der Tube zu lesen. Übrigens: Aluminiumchlorohydrat (bekannt aus Deos) kann bei intakter Haut in Hautschutzmitteln eingesetzt werden..

Und noch ein Hinweis: Diese Liste richtet sich laut Leitlinie vor allem an Menschen mit Handekzemen. Bei anderen Hauterkrankungen wie Psoriasis sollten individuelle Faktoren berücksichtigt werden.

Praxis-Tipp: Waschen oder Desinfizieren?

Es klingt erst einmal widersprüchlich, aber für die Hautbarriere ist die Händedesinfektion oft schonender als das Waschen mit Wasser und Seife. Warum? Seife wäscht die hauteigenen Fette aus und erhöht den pH-Wert der Haut. Moderne alkoholische Desinfektionsmittel greifen den Säureschutzmantel weniger aggressiv an.

Die Empfehlung der Leitlinie lautet daher: Ist keine sichtbare Verschmutzung da (zum Beispiel im Umgang mit anderen Menschen oder nach dem Einkaufen), ziehe die Desinfektion dem Händewaschen vor. Das Händewaschen sollte auf das notwendige Minimum reduziert werden.

Fazit

Die Prinzipien des beruflichen Hautschutzes – erst schützen (ohne Urea!), mild reinigen, dann pflegen (gern mit Urea) – sind bei Handekzemen evidenzbasiert. Ob und inwieweit sie sich auf andere Hauterkrankungen wie Psoriasis übertragen lassen, sollte individuell mit dem Hautarzt besprochen werden. Besonders der Blick auf die Inhaltsstoffe kann helfen, zusätzliche Reizungen oder Kontaktallergien zu vermeiden.


Über die Autorin

Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

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eva0062

eva0062

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Mir platzt bedingt mit Umgang von Plastiktüten, Kartons und auch Textilien die Haut auf. Schlecht mit Cremes, da ich keine Spuren an den Materialien hinterlassen darf. Gefleckte Kleidung möchte keiner kaufen.

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