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Psoriasis-Gespräche - aber von der Pharmaindustrie?


Claudia

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Vor einigen Wochen bekamen wir einen Brief von einer Apotheke im Berliner Umland. Die lud - relativ harmlos - ein zu einem Psoriasis-Gespräch. Wir dachten nur "Aha, mal was Neues", kümmerten uns aber nicht weiter darum, weil es eben im Umland war und die Zeit fehlte, hinzugehen. Angegeben war eine Internetseite - doch wenn man die aufrief, erschien nur "Hier wird noch gebaut" (sinngemäß).

Wochen später fiel es uns wie Schuppen von den Augen - als wir von den Psoriasis-Gesprächen wieder lasen, und zwar aus mehreren Artikeln von Regionalzeitungen wie der hier: http://www.lauterbacher-anzeiger.de/lokales/hochschule/9411218.htm

Tja, und darin stand dann auch, dass das nicht einfach ein paar Apotheker sind, die sich dort vielleicht etwas Gutes vorgenommen haben - nein, da stand und steht "mit Unterstützung des Gesundheitsunternehmens Abbott". Gesundheitsunternehmen klingt ja schon mal sehr viel positiver als Pharmafirma, nicht wahr ;)

Auf der Internetseite dieser Psoriasis-Gespräche prangt dann auch unübersehbar der Hinweis: "Eine Initiative von Abbott". Und welch Überraschung - was ist dann auch auf dieser Internetseite das aktuelle bzw. neueste Thema? "Dürfen alle Ärzte Biologika verordnen?"

Jetzt ist die erste Runde der Termine dieser Psoriasis-Gespräche vorüber. Hingewiesen wird auf Termine von Selbsthilfegruppen - da ich ja auch in der Berliner Selbsthilfegruppe mitmache, kann ich sagen: Gefragt wurden wir nicht, aber beschweren werden wir uns auch nicht...

Was ich zur sachlichen Diskussion stellen will: Kann oder will die Pharmaindustrie auf dieser Weise der Selbsthilfe den Rang ablaufen? Schadet sie ihr? Hilft sie ihr?

5 Comments


Recommended Comments

Liebe Claudia,

wir sollten die Pharmaindustrie benutzen, um uns unsere Vorteile zu erhalten.

Gefährlich ist sie alleine wirken zu lassen. Das sie benutzt werden, damit rechnen sie nicht.

Grüsse von Rolf und Co.

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Den Rang ablaufen, glaube ich nicht, Claudia. Eher auf den Zug aufspringen und durch Aufklärung auch neue Patienten gewinnen. (Und Umsatz machen, ist ja auch generell normal.)

Sicher, es ist auch in verschiedenen Veröffentlichungen von Unterversorgung zu lesen. Das wird bei vielen verschiedenen, aber nicht allen Patienten zutreffen.

Und, obwohl ich selbst ein systemisches Medikament anwende, bin ich strikt gg. eine vorschnelle - wie man es hier manchmal liest - Verordnung dieser! Die Risiken der NW sind einfach bei den "äußerlichen" Therapien in Summe geringer.

Die Frage ist, wieweit geht der Einfluss der Pharmakonzerne in den SHG?

Wenn die Entwicklung jedoch dahin geht, dass sich der Einfluss in den SHG derart manifestiert (zB durch finanziellen Vorteile in Form von Werbeaktionen u.ä....), befürchte ich, dass es um die Unabhängigkeit der SHG schlecht bestellt ist. "Wessen Brot ich ess´, dessen Lied ich sing.".

Ein zweischneidiges Schwert.

Hier im Pso-Netz wird Wert gelegt auf Unabhängigkeit, dass garantiert schon mal ein gewisses Maß an Objektivität.

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Für Selbsthilfegruppen ist es ein absolutes muss unabhängig und neutral zu bleiben.

Das die Pharmaindustrie Selbsthilfegruppen über Ihre Medikamente aufklären, da hab ich nichts gegen. Klar ist auch, für die Pharmaindustrie sind Selbsthilfegruppen ein gutes Potenzial, besser gesagt hier finden sie ihre Kundenschaft. Selbsthilfegruppenleiter sollten keine speziellen Empfehlungen für ein spezielles Produkt geben.

Für das nächste Jahr habe ich zum Beispiel auch einen Vortrag über Naturkosmetik eingeplant.

Hier muss die Firma einen Referenten abstellen. Das heißt jedoch nicht, dass sie Einfluss auf unsere Selbsthilfegruppe haben.

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Ich halte diese neue Strategie der Pharmafirma Abbott für äußerst problematisch: Es ist ein weiterer Versuch eines kommerziellen Unternehmens, ohne Umweg über den Hautarzt und diesmal auch ohne Umweg über die Selbsthilfe d i r e k t mit den Kunden (Patienten) ins Gespräch zu kommen. In dem von Claudia geschilderten Fall bediente man sich einer Apotheke und lud zu einer Informationsveranstaltung in den Gelben Salon der Kavaliershäuser Schloss Königs Wusterhausen -edel, gut und teuer. Zwar ist Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente bei Patienten verboten. Aber es gibt viele Strategien, anders darauf aufmerksam zu machen.

Bei diesen "Kamingesprächen" :) redet man über eine Krankheit, für die der Geldgeber ein verschreibungspflichtiges Präparat anbietet. Seit Einführung des ersten Biologikums in 2004 suchen immer mehr Pharmakonzerne nach Möglichkeiten, Psoriasis-Patienten gezielt anzusprechen. Warum wohl? Was wissen PR-Profies mehr über die Krankheit, als Dermatologen, Rheumatologen oder Patientenvertreter? Es gibt vermutlich keine Hautkrankheit, zu der die Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren so viele neue Patienten-Informationen angeboten hat, wie für die Psoriasis: Internetportale, Broschüren, Telefon-Hotlines, Veranstaltungen bis hin zu geförderten Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften. Das machen die Pharmakonzerne doch nicht, weil bisher falsch über Psoriasis berichtet wurde.

Die meisten dieser Angebote sind vermutlich erst einmal sachlich nicht zu bemängeln. Sie sollen dazu dienen, dass Psoriasis mehr in den Blickpunkt rückt. Es reicht nicht aus, dass die Ärzte die neuen Therapien kennen, sondern auch die Patienten sollen sie kennen und danach fragen. Patienten sollen sich mehr mit ihrer Krankheit beschäftigen und erfahren, dass es "Hoffnung gibt". Schließlich gehen 40 % von ihnen überhaupt nicht (mehr) zum Hautarzt. Seitdem man weiß, dass eine schwere Psoriasis auch lebensgefährliche Begleiterkrankungen hervorrufen kann, ist es noch wichtiger, Patienten aufzufordern sich behandeln zu lassen. In den Augen der Pharmafirmen reicht es nicht aus, dass die Ärzte oder die Patientenorganisationen darauf aufmerksam machen. Mit Hochglanz und in edlem Ambiente wirkt man doch glaubhafter, als in der "trostlosen Atmosphäre eines Selbsthilfetreffens" ;). Wir sollten uns darüber bewusst sein, dass kommerzielle Anbieter in ihren PR-geprägten Veröffentlichungen und Veranstaltungen dazu tendieren, eigene Schwerpunkte zu setzen, maximale Hoffnungen zu wecken, aber wirklich kritische Aussagen (z. B. zu eigenen Wirkstoffen) eher zu vernachlässigen.

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...die Selbsthilfe ist eben praktisch für die Firmen, denn dort sind die potienellen Abnehmer der Präperate. Man sollte sich klar abgrenzen wie es z.B. der DPB e.V. seit Jahren macht. Man kann sie aber trotzdem nutzen, nur eben "gewußt wie" und eben ohne Verpflichtung.

Lg. anjalara

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