Jump to content
  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Ernährungs-Docs widmeten sich erstmals der Schuppenflechte

    In Folge 8 widmeten sich die „Ernährungs-Docs“ des NDR-Fernsehens im Februar 2016 der Schuppenflechte. Sie stellten den Fall einer Frau vor, die durch radikale Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten, Abnehmen und Laufen ihre Psoriasis eindämmen konnte. Was ist dran an den Tipps der Ärzte?

    Die 66-Jährige ist seit 16 Jahren betroffen. Die Ernährungs-Ärztin stellte einen PASI von 28,5 fest. Ab PASI 10 spricht man von einer schweren Psoriasis. Die Patientin ist stark übergewichtig und bewegt sich wenig. Man erfuhr, dass sie „bislang keine Medikamente“ genommen hat. Sie würde „ihre ganze Hoffnung auf anderes Essen“ setzen. Ihr sei schon klar, dass sie bisher zu oft, zu viel und meist das Falsche gegessen habe.

    Die Ärztin bestätigte, dass ihre Lebenserwartung geringer sein könne. Sie warnte mit drastischen Worten: „Die Schuppenflechte marschiert quasi von der Haut zum Herzen“. Weniger dramatisch heißt das: Bei einer starken, unbehandelten Schuppenflechte sind Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall möglich.

    Vorgeschlagen wurde ein Ernährungskonzept, mit dem die Entzündungen im Körper der Patientin zurückgedrängt, ihr Gewicht verringert und ihr Herz gestärkt werden solle. Sie dürfe täglich nur zwei feste Mahlzeiten zu sich nehmen (vor allem 3x in der Woche fetten Fisch) und nichts zwischendurch essen. Abends solle sie einen ärztlich verordneten Eiweiß-Shake (Formula-Diät) und tagsüber viel Weißdorn-Tee trinken. Außerdem erhielt sie einen Schrittzähler, um sich kontrolliert mehr zu bewegen.

    Nach vier Monaten stellte sich die Patientin wieder vor: Sie hatte weniger Psoriasis-Stellen, die nicht mehr so rot und kaum noch schuppig waren. Ihr PASI betrug nur noch 12,2 und sie hatte 17 kg abgenommen.

    Zum Schluss hieß es: „Weil sie es geschafft hat, ihre Essgewohnheiten zu verändern, hat [sie] ihre Schuppenflechte in den Griff gekriegt – mit entzündungshemmenden Essen, mit Bewegung und Gewichtsabnahme“. Weitere Tipps finden sich auf der Internetseite der TV-Serie[1].

    ?Wir haben auch eine Übersicht über alle Folgen der "Ernährungs-Docs", in denen es um Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis ging.

    Unser Kommentar

    Auf den ersten Blick überzeugt der Fall. Die Patientin ist endlich aktiv geworden und hat erfolgreich ihre Hautkrankheit und ihr Gewicht verringert. „Mit viel Disziplin“, wie es im Beitrag hieß. Aber ist das wirklich ein weiterer Beweis dafür, dass die „Ernährungs-Docs“, wie sie behaupten, schon innerhalb weniger Monate oft mehr erreichen als Tabletten? Zwei Jahre später bemerkte Dr. Anne Fleck zu dem Konzept, allein mit Ernährung eine schwere Schuppenflechte verbessern zu wollen: "Mit Ernährung kann man weder Rheuma noch Psoriasis 'heilen'. Je nach Schweregrad braucht man solide Medikamente." 

    Der PASI bei der Patientin ist über die Hälfte auf 12,2 zurückgegangen. Das ist tatsächlich beeindruckend, aber es reicht nicht! Der verringerte Wert steht immer noch für eine schwere Form der Psoriasis. Und die muss unbedingt therapiert werden. Dazu sagt die Ärztin im TV-Beitrag aber kein Wort! Sie hätte die Patientin, die „ihre ganze Hoffnung auf anderes Essen“ gesetzt hat, darüber aufklären müssen! Auch der Abschlusskommentar, die Patientin hätte ihre Krankheit jetzt „im Griff“, vermittelt einen falschen Eindruck. Es scheint, als müsse die Patientin das Ernährungskonzept nur weiterführen, um irgendwann einmal erscheinungsfrei zu werden. Wenn diese Patientin aber ihre weiterhin schwere Psoriasis medizinisch nicht behandelt, riskiert sie (trotz Weißdorn-Tee) lebensgefährliche Begleiterkrankungen.

    Von Ernährungsumstellung keine Wunder erwarten

    Es ist erwiesen, dass es Lebensmittel gibt, die Entzündungen oder Juckreiz fördern können und andere, die darauf hemmend wirken[2]. Daraus folgt, dass man eine Psoriasis nicht unnötig durch provozierende Nahrungsmittel anfeuern sollte. Psoriasis-Patienten sollten mehr darauf achten, was sie essen. Aber wie stark einzelne Nahrungsmittel tatsächlich eine Krankheit beeinflussen, ist wissenschaftlich gar nicht oder kaum erforscht. Aus unserer Erfahrung kann eine Ernährung mit entzündungshemmenden Lebensmitteln allein die notwendige Therapie einer mittelschweren oder schweren Psorias nicht ersetzen. Sie kann aber eine Therapie unterstützen, so dass diese besser wirkt. Deshalb sollte man sich vor allem bei einer schweren Psoriasis bewusst ernähren.

    Ernährungsempfehlungen für Psoriatiker, wie sie rund um diesen TV-Beitrag gemacht werden, gibt es schon lange[3]. Das Problem ist, unter welchen Umständen man als Betroffener aktiv wird, um seine Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Nicht jeder hat die Möglichkeit, dabei so engmaschig betreut zu werden, wie es das NDR-Fernsehen „mit gezielten Ernährungs-Strategien“ in diesem Fall gemacht hat. Der TV-Beitrag deutet an, dass die Patientin sich enorm anstrengen musste. Allein ist das nur schwer zu schaffen.

    Durch Lebensmittel geheilt?

    Es wird immer wieder davon berichtet, dass jemand seine Psoriasis nur durch Ernährung zurückgedrängt oder sogar geheilt haben soll[4]. Das kann stimmen, muss aber nicht. Immer sind es Einzelfälle, die leider nicht auf die Mehrheit der Psoriatiker übertragbar sind. Die Aussage, jemand sei allein durch eine Ernährungsumstellung erscheinungsfrei geworden, konnte in keinem dieser Fälle objektiv überprüft werden.

    Erscheinungsfrei unabhängig von Ernährung

    Es gibt auch andere Gründe, weshalb nach einer Ernährungsumstellung eine Psoriasis zurückgeht. Zum einen gibt es wirklich Fälle, in denen eine Psoriasis abheilt – selten, aber es kommt vor. Zum anderen tritt die Psoriasis schubweise auf – sie kommt und geht, unabhängig von anderen Einflüssen. Viele behandeln während der Diät ihre Krankheit parallel weiter. So ist nicht nachzuweisen, was letztendlich gewirkt hat. Schließlich ist bekannt, dass die Psyche und „die Kraft des Denkens“ auf veränderte Lebensumstände wirken. Sie können eine Krankheit grundlegend beeinflussen – positiv wie negativ. Es ist erwiesen, dass Patienten eher auf eine Therapie ansprechen, wenn sie sich von einem Arzt besonders intensiv betreut und kompetent behandelt fühlen – wie z.B. bei den „Ernährungs-Docs“.

    Therapiebegleitend Gewicht und Bauchfett reduzieren

    Das gleiche gilt fürs Abnehmen. Die Patientin hat vor allem mit Hilfe eines Eiweiß-Diät-Pulvers deutlich an Gewicht verloren. Es blieb in der Sendung offen, wie lange diese Abnehmhilfe eingenommen werden muss. Grundsätzlich gilt fürs Abnehmen das gleiche wie für eine Diät: Ohne Begleitung und Rückkoppelung ist das kaum zu schaffen. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass übergewichtige Psoriasis-Patienten, die abgenommen haben, deutlich besser auf eine Therapie ansprachen, als eine Vergleichsgruppe[5]. Es ist das Bauchfett, das Entzündungen im Körper verstärkt. Ob das auf normalgewichtige Patienten ebenfalls zutrifft, ist noch nicht untersucht worden. Aus unserer Erfahrung kann Abnehmen allein aber die notwendige Therapie einer mittelschweren oder schweren Psorias nicht ersetzen. Trotzdem sollten schwer betroffene und vor allem schwergewichtige Psoriatiker sich durch das Beispiel ermutigt fühlen. Wenn das Leid damit verringert werden kann, sollte man die Qual des Abnehmens nicht scheuen.

    Sport und Schrittzähler helfen – heilen aber nicht

    Das gleiche gilt fürs Bewegen. Die Patientin hat im TV-Beitrag eingestehen müssen, dass sie ihre Bewegungsziele nicht erreicht habe. Trotzdem wurde das im Endkommentar als erfolgreiche Wirkung aufgenommen! Unabhängig von diesem Fall ist es bewiesen, dass körperliche Aktivitäten positiv auf innerliche Entzündungsmediatoren wirken. Auch zur Psoriasis liegen inzwischen sichere Erkenntnisse dazu vor. So verringert sich das Risiko, neu an Psoriasis zu erkranken, bei denjenigen, die regelmäßig körperlich aktiv sind. In Sport treibenden Familien bricht Psoriasis seltener aus. Fitness (Aerobic) und Krafttraining beeinflussen nach sechs Monaten bestimmte Gen-Aktivitäten. Die können das Entzündungsniveau senken. Hinzu kommt, dass Sport Endorphine freisetzt. Das verringert Angst und Stress und verschafft ein positives Lebensgefühl für die Krankheitsbewältigung. Sport allein aber wird eine schwere Psoriasis kaum zum Abklingen bringen[6]. Er kann aber eine Therapie unterstützen, so dass diese besser wirkt. Deshalb sollten Menschen mit schwerer Psoriasis auf ausreichende Bewegung achten.

    Herz- und Kreislauf-Prophylaxe?

    Nicht gemessen wurde im TV-Beitrag, welche Wirkung der Weißdorn-Tee bei der Patientin gehabt hat. Ob er tatsächlich einem möglichen Herzinfarkt vorbeugen kann, können Kardiologen bewerten. Das hängt vermutlich auch davon ab, ob das Herz- und Kreislaufsystem von der Psoriasis schon angegriffen ist. Was bei so einer schweren Psoriasis wie im TV-Beitrag möglich wäre.

    Die Botschaft der „Ernährungs-Docs“

    Die Ankündigungen und der Vorspann der Sendungen sprechen offensichtlich Patienten an, die der wissenschaftlich fundierten („Schul-“) Medizin nicht mehr trauen. Es wird versprochen, durch Ernährungsumstellung „mehr zu erreichen als mit Tabletten“. Krankheiten würden abgemildert oder sogar geheilt werden.

    Die Fernseh-Ärzte in diesem Sendeformat bezeichnen sich selbst (in klassischem Denglisch) als „Ernährungs-Docs“. Ihre Stellungnahmen erinnern an typische Aussagen von Schulmedizin-Verächtern und Alternativ-Heilern. Obgleich sie alle drei aus der Schulmedizin kommen. So heißt es im Vorspann zu jeder Sendung:

    „Wir schlucken jede Menge Pillen und sind trotzdem krank. Für viele gibt es eine bessere Behandlung: Anders essen!“ (Off)

    „Mit Ernährung lässt sich so viel erreichen. Aber nur wenige wissen das und noch viel weniger nutzen diese Chance“ (Dr. Matthias Riedl)

    „Essen ist gleich Medizin “ (Dr. Jörn Klasen)

    „Jeder hat es verdient, dass er eine Chance bekommt“ (Dr. Anne Fleck).

    Rheuma-Diät – wissenschaftlich nicht nachgewiesen

    Beim Fall einer jungen Patientin mit schwerem Rheuma, stark fortgeschrittener Gelenkzerstörung und Pflegebedürftigkeit haben wir nachgefragt. Schließlich sind Rheuma und Psoriasis Arthritis sehr ähnlich. Wir wollten wissen, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Empfehlungen ausgesprochen wurden. Alle Experten behaupten, dass es bisher keine belegbare "Rheuma-Diät" gibt. Immerhin wurde in dem Beitrag suggeriert, dass die Ernährungstipps das schaffen könnten, was selbst starke Medikamente nicht schaffen würden: die Entzündungen herabzusetzen. Der NDR sah sich nicht imstande, Nachweise zu bringen. Stattdessen hieß es:

    „Wir haben die Ernährungsempfehlungen zusammen mit den Ärzten und auf Grundlage unserer langjährigen Recherchen und Erfahrungen im Bereich Ernährungsmedizin für das NDR-Gesundheitsmagazin Visite entwickelt.“

    Den TV-Beitrag haben wir einigen Ernährungsberaterinnen aus Rheuma-Kliniken vorgespielt. Alle haben die reißerische Darstellung kritisiert. Generell haben sie die Vorschläge nicht abgelehnt, aber nur als eine von mehreren Möglichkeiten bewertet. Smoothies sahen sie als problematisch an, weil dadurch das vorbereitende Kauen und Aufspalten mit Speichel übersprungen wird. Leinöl gilt bei manchen als „ungeeignet“. Im Gegensatz zum Fischöl müssen beim Leinöl die beiden entzündungshemmenden Wirkstoffe EPA und DHA erst getrennt werden. Das, so behaupten Untersuchungen, würde aber im Stoffwechsel nur in sehr geringem Maße stattfinden[7]. Ganz am Ende dieses Beitrags wurde die Patientin kurz darauf hingewiesen, dass sie vermutlich weniger Medikamente benötige, wenn sie die Diät einhalte.

    P.S. Nach unserer Kritik und nach dem "Ernährungs-Doc" - Kommentar am Ende dieses Artikels wurde ein 13-jähriges Mädchen mit Rheuma vorgestellt. In diesem Fall wurde deutlich gesagt, dass durch die Ernährungsumstellung einige Medikamente abgesetzt, andere aber beibehalten werden müssten.

    Gesundwerden ohne Medikamente?

    Die „Ernährungs-Docs“ treten absolut überzeugt von sich auf. Ihr Konzept und ihre Ratschläge kennen keine Abstufungen oder vorsichtigen Einschränkungen. Sie weisen nicht darauf hin, dass es auch andere, manchmal gegenteilige Ernährungsvorschläge gibt. Sie propagieren teure, umstrittene Mode-Exoten wie Chia-Samen oder Manuka-Honig. Das Essen als Medizin steht derart massiv im Vordergrund, dass viele Zuschauer glauben müssen, sie könnten auf eine medizinische Behandlung verzichten. Nur wer sehr genau zuhört, erfährt manchmal, dass eine vorgeschlagene Diät lediglich die Medikamenten-Dosis verringern könne. Das ist aber nicht die eigentliche Botschaft der „Ernährungs-Docs“.

    Trotz des sehr selbstbewussten Auftretens und dem Eindruck, hier hätten drei Mediziner endlich den sanften Weg zur Gesundung gefunden: Ernährung und Bewegung können eine Therapie unterstützen, aber selten ersetzen. Vor allem bei schweren chronischen Krankheiten ist es nicht zu verantworten, Betroffenen einzureden, anders essen sei die „bessere Behandlung“. Zwei Jahre nach der Sendung bestätigte Dr. Anne Fleck unsere Kritik: "Wer sich bewusst ernährt, kann damit das Immunsystem und typische Begleiterkrankungen beeinflussen und seine Schuppenflechte verbessern. "Mit Ernährung kann man weder Rheuma noch Psoriasis 'heilen'. Je nach Schweregrad braucht man solide Medikamente." 

    Der NDR bezeichnet seine Sendereihe „Die Ernährungs-Docs“ als „einzigartiges Fernsehformat“, das Menschen hilft, „die an ihren massiven Gesundheitsproblemen fast verzweifeln“. Im Privat-Fernsehen gehört eine derartig reißerische Präsentation zum Geschäftsmodell. Bei einem Sender mit öffentlich-rechtlichem Auftrag dagegen ist es nicht akzeptabel, bei verzweifelten Patienten den Eindruck zu hinterlassen, es ginge auch ohne Medikamente.

    Wir finden, dass diese Sendereihe sensationsheischend Gesundheit oder Heilung verspricht. Einzelfälle werden verallgemeinert. Es gibt keinen Hinweis, dass nicht alles bei jedem gleich wirkt. Die Zuschauer bekommen den Eindruck, dass unterstützende Maßnahmen wie Ernährung anstelle einer Therapie treten können. Notwendige Hinweise, dass trotzdem weiterhin Medikamente genommen werden müssen, werden – wenn überhaupt – nur nebenbei erwähnt. Ob das dann noch von den Zuschauern gehört wird, kann durchaus bezweifelt werden: Viele glauben, was sie glauben wollen.

    [1] Allgemeine Ernährungstipps bei Schuppenflechte [lesen], Rezepte bei Schuppenflechte [lesen]

    [2]  Was gegen Entzündungen hilft [lesen]

    [3] Diät bei Schuppenflechte – Tipps vom Psoriasis Forum Berlin [lesen],

    Mit der Ernährung Entzündungen ausbremsen, Ulrike Becker, PTA-Forum 17/2015 [lesen]

    [4] Buchbesprechung: „Schuppenflechte – Selbstheilung ohne Medikamente“, Marianne Sebök

    „Healing Psoriasis: The Natural Alternative“, John Pagano (Autor)

    [5] Online weight loss coaching for patients with psoriasis: results of a pilot study, Sascha Gerdes, Br J Dermatol. 2015 Sep 24. [lesen]

    Effect of weight loss on the severity of psoriasis: a randomized clinical study, Dr. Peter Jensen et.al., JAMA Dermatol. 2013; 149 [lesen]

    Weight loss improves the response of obese patients with moderate-to-severe chronic plaque psoriasis to low-dose cyclosporine therapy: a randomized, controlled, investigator-blinded clinical trial, Paolo Gisondi et.al. Am J Clin Nutr. 2008 Nov;88(5):1242-7.

    [6] Diet and physical exercise in psoriasis: a randomized controlled trial, L. Naldi, British Journal of Dermatology, Volume 170, Issue 3, pages 634–642, March 2014

    The association between physical activity and the risk of incident psoriasis, C. Hillary, Arch Dermatol. 2012;148(8):918-924. doi:10.1001/archdermatol.2012.943

    Psoriasis and sport: a new ally?, N. Balato, J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015 Mar;29(3):515-20. doi: 10.1111/jdv.12607. Epub 2014 Jul 30.

    [7] Docosahexaensäure, Wikipedia


    Bildquellen

    • Leckeres Essen: Bildrechte beim Autor

    User Feedback

    Recommended Comments

    Sehr geehrter Herr Blaga,

    Ihre Kritik beruht auf der Annahme, dass die Ernährungsmedizin im Widerspruch zur Schulmedizin steht. Diese Aussage findet sich in keiner Sendung. Vielmehr sind viele Patienten den Leitlinien entsprechend weiter mit Medikamenten behandelt worden. Wo es ging, wurden diese in Absprache mit den Patienten reduziert oder modifiziert. Die Ernährungsmedizin ist integraler Bestandteil der Evidenz basierten Medizin - also der wissenschaftlich fundierten Heilkunst.Alle drei beteiligten Ärzte sind überdies sogenannte "Schulmediziner" und damit in ihrem Handeln medizinischen Leitlinien verpflichtet.

    Die Ernährungstherapie in Misskredit zu bringen, entspricht dem Denken der vergangenen Jahrzehnte. Beispielsweise gibt es Remissionsraten also Heilungen von früh ernährungstherapeutisch behandeltem Diabetes Typ 2 von 10 bis 30 %. Wer den Betroffenen, den Mut nimmt, die eigene Gesundheit in die Hand zu nehmen, handelt fahrlässig und vergeudet Gesundheit und Lebensjahre.

    Ihre Kritik am ernährungstherapeutischen Vorgehen bei der rheumatischen Erkrankung Psoriasis liegt sicherlich an mangelndem Wissen. Zu Ihrem Beitrag hat Ihnen ja auch unlängst schon Prof. Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine fundierte Einschätzung übermittelt. Wir würden es begrüßen, wenn Sie diese Ihren Forums-Lesern nicht vorenthalten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Matthias Riedl sowie das Team der „Ernährungs-Docs“

    Link to comment
    Share on other sites

    Sehr geehrter Herr Dr. Riedl!

    Als gewissenhafter Autor kritischer Beiträge lasse ich mir natürlich nicht gerne "mangelndes Wissen" vorwerfen. Das klingt nicht gerade wie ein sachliches Argument! Sie verweisen auf Prof. Augustin. Der habe dem Psoriasis-Netz eine "fundierte Einschätzung" zum "ernährungstherapeutischem Vorgehen bei der rheumatischen Erkrankung Psoriasis" übermittelt. Sie würden es begrüßen, wir die den Lesern nicht vorenthalten würden.

    Leider hat mir Prof. Augustin nicht geantwortet, als ich ihn dringend darum bat zu erlauben, seine Ausführungen veröffentlichen zu dürfen. Wie Sie vielleicht wissen, geht so etwas in nicht ohne Zustimmung des Verfassers. Schließlich war der Brief an mich persönlich gerichtet.

    Prof. Augustin hat sich nicht, wie Sie schreiben, zur "rheumatischen Erkrankung Psoriasis" geäußert. Das wäre nämlich die Psoriasis Arthritis. Er hat sich aber zur HAUTERKRANKUNG Psoriasis geäußert. Folgende Aussage von mir hat er als nicht richtig bezeichnet: "Es konnte bisher nicht seriös nachgewiesen werden, dass eine Psoriasis durch bestimmte Ernährungskonzepte zurückgeht." Das hatte ich in meinem Beitrag vor der Sendung geschrieben. Als Beleg verwies er auf zwei Studien: "Weight loss improves the response of obese patients with moderate-to-severe chronic plaque psoriasis to low-dose cyclosporine therapy" und "Diet and physical exercise in psoriasis".

    Trotz intensiven Lesens konnte ich in keiner der beiden Studien finden, welche Lebensmittel genau den Patienten gegeben wurden. Studienobjekt war allein die Gewichtsreduktion und nicht die Frage, welche Lebensmittel eine Psoriasis verbessern könnten. Ich bleibe dabei: Es ist bisher nur erwiesen, dass Abnehmen an sich bei übergewichtigen Psoriasis-Patienten den Therapie-Erfolg begünstigt. Es ist offen, ob das auch für Normalgewichtige gilt. Wissenschaftlich ist es noch nicht erwiesen, welche (entzündungshemmende) Lebensmittel wie stark eine Psoriasis beeinflussen.

    Richtige Ernährung kann den Erfolg einer Behandlung deutlich verbessern, aber nicht ersetzen! Sie schreiben, viele Patienten der Sendungen seien "weiter mit Medikamenten behandelt worden". Im Fall der Patientin mit Schuppenflechte wurde das aber ausdrücklich ausgeschlossen!

    Natürlich ist es allgemein bekannt, dass alle drei "Ernährungs-Docs" Schulmediziner sind. Deshalb ist es umso verwunderlicher, wie vehement in den Ankündigungen, im Vorspann und auch in den Beiträgen immer wieder der Eindruck entsteht, als könne man ALLEIN mit Ernährung eine schwere chronische Krankheit verbessern oder sogar heilen. Auf keinem schulmedizinischen Ärztekongress habe ich bisher den Begriff "Ernährungs-THERAPIE" gehört. Eine therapiebegleitende Maßnahme ist noch keine Therapie an sich. Die Zuschauer wurden nicht darüber aufgeklärt, dass die Psoriasis-Patientin im TV-Beitrag mit dem verbliebenen PASI <10 auf jeden Fall medikamentös behandeln muss.

    Auch ohne Abdruck-Erlaubnis gebe ich gern die Botschaft von Prof. Augustin an alle Psoriasis-Patienten weiter: "Gewichtsreduktion bei Übergewicht, verbesserte Ernährung bei entsprechenden Defiziten, Nikotinentwöhnung und ein ausreichendes, regelmäßiges Maß an Bewegung sind Grundkomponenten der Therapie bei Psoriasis, gleichgültig welche Arzneimitteltherapie geplant ist."

    Ich grüße das Team der "Ernährungs-Docs" und wünsche mir mehr sachliche Distanz bei Ihren Sendungen.

    Rolf Blaga

    Link to comment
    Share on other sites

    Lieber Herr Blaga,

    als Psoriasis-Patient mit einer gut 40-jährigen Krankheitshistorie gratuliere ich Ihnen zu diesem sehr guten und vollkommen zurecht kritischen Artikel.

    Die Sendung "die Ernährungsdocs" würde besser bei RTL 2 gesendet, so reißerisch ist sie aufgemacht und wohl auch nur auf Quote bedacht. Wenn Psoriasis so einfach mit der "richtigen" Ernährung und Bewegung zu heilen wäre, wäre ich längst beschwerdefrei. Ohne die entsprechenden Medikamente ist der Schuppenflechte nicht beizukommen. Man hat leicht Reden und kann tolle Ratschläge über alternative Heilmethoden geben, wenn man selber nicht von dieser Krankheit betroffen ist. Jeder Psoriasispatient ist heilfroh, wenn ein Medikament bei ihm einigermaßen anschlägt und hilft hilft und die Plaques nicht allzu offensichtlich in der Öffentlichkeit sichtbar sind. Den, wenn überhaupt, minimalen Erfolg einer Besserung der Psoriasis über die Ernährung, kann man getrost vernachlässigen. Hier werden Hoffnungen geweckt, wie Sie zurecht schreiben und in der Sendung propagiert, die jedoch so nie erfüllt werden können.

    Vielen Dank für Ihren Artikel und für die berechtigte Kritik, auch in Ihrer Reaktion auf das Schreiben des Herrn Riedl!

    Beste Grüße

    Peter R.

    Link to comment
    Share on other sites


    Join the conversation

    You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
    Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

    Guest
    Add a comment...

    ×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

      Only 75 emoji are allowed.

    ×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

    ×   Your previous content has been restored.   Clear editor

    ×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.


  • Welcome!

    psoriasis-netz-icon.pngDo you feel alone with your psoriasis? Does psoriasis arthritis still bother you? Get support and tips from people like you.

  • Similar Content

    • Redaktion
      By Redaktion
      Claudia hat jüngst gute Erfahrungen mit eiweißreicher Ernährung gemacht. Nun beobachtet sie sich und ihre Haut - und muss sich neuen Herausforderungen stellen. Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.
      Hallo,
      meine Name ist Claudia. Ich bin 35 Jahre alt und leide seit vier bis fünf Jahren an der Psoriasis pustulosa - beschränkt auf die Handflächen und die Fußsohlen.
      Nach dem ersten Schreck und der Aussage einer Hautärztin, was das ist, das diese Pusteln vor allem an den Händen verursacht, bekam ich eine Kortison-Salbe. Da zu diesem Zeitpunkt ein sehr kleines Kind hatte, das ich mit "Kortison-Fingern" nicht anfassen wollte, setzte ich die Salbe schnell wieder ab.
      Zunächst schien es, als gäbe es einen Zusammenhang mit den Jahreszeiten oder mit Stress-Situationen.
      Den letzten Herbst/Winter (2004/05) über ging es mir psychisch nicht besonders gut, aber die Psoriasis zeigte sich davon unbeeindruckt und blieb verschwunden. Es wurde langsam Frühling, der Stress liess nach. Eben wollte ich aufatmen, da tauchten die ersten Pusteln an Händen und Füssen wieder auf. Beim Hausarzt liess ich die Blutwerte untersuchen, das Ergebnis war erfreulich: alles OK.
      Ich nahm mir die Symptome von verschiedenen Mangelkrankheiten vor. Vitamin-Tabletten brachten keine Besserung - erstmal nicht. Schließlich stieß ich auf die Symptome von Eiweißmangel und beschäftigte mich mit den Aufgaben der essentiellen Aminosäuren im Körper im Detail. U.a. ist Eiweiß der Trägerstoff für das körpereigene Cortisol.
      Seit zwei Wochen achte ich auf eiweißreiche Ernährung, insbesondere Erdnüsse, Thunfisch, mageres Fleisch, Milchprodukte. Ich habe das Glück, keine Nahrungsmittelallergie zu haben.
      Die meisten Pusteln sind inzwischen abgeheilt, alle sind ausgetrocknet und es ist der erste Morgen gewesen, an dem ich aufstand und keine weitere neue Pustel erschienen war.
      Dieser Erfolg hat sich nach der Ernährungsumstellung so schnell gezeigt, dass es mich wirklich staunen lässt. Und das, obwohl die nächste Krise bereits im vollen Gang ist. Ich werde mich einer Biopsie unterziehen müssen, weil eine Hautveränderung an anderer Stelle dazu Anlass gibt. 4 Ärzte meinen, das wäre gutartig, aber um ganz sicher zu sein und mich vollends zu beruhigen, lasse ich die Biopsie machen.
      Sollte die Psoriasis trotz eiweißreicher Ernährung wiederkommen, wenn diese Krise gemeistert ist, werde ich mir irgendeine Herausforderung suchen müssen - denn dann ist sie ein Symptom von Langeweile.
      Viele Grüße
      Claudia
      Tipps zum Weiterlesen
      https://www.psoriasis-netz.de/ernaehrung/schuppenflechte-und-ernaehrung.html
    • EddiJ
      By EddiJ
      Ich finde diese ganze Regasinum Diskussion ja recht interessant, aber ich wundere mich immer wieder, zu welchen Maßnahmen Leute greifen, um ihre Schuppenflechte in den Griff zu kriegen.
      Da wird wirklich nichts unversucht gelassen und jeder gibt zu, dass er unter der Psoriasis unendlich leidet. Nur auf das Naheliegendste, nämlich die Ernährung wird nicht wirklich umfassend geachtet.
      Seit meinem Selbstversuch weiß ich, dass Ernährung und Schuppenflechte 1 zu 1 zusammenhängen. Es mag sein, dass jeder ein paar andere Stoffe hat, die bei ihm auslösend sind, aber es gibt diese Auslöser, man muss sie nur finden.
      Ich habe ja meinen Weg beschrieben (4 Wochen eine einseitige langweilige Basisernährung, die garantiert nicht auslösend ist, z. B. Reis und Fisch (Lachs oder Seelachs, nur gesalzen)), danach war die Flechte weg.
      Seitdem habe ich viele Lebensmittel wieder dazugenommen, Ergebnis: Die Flechte ist immer noch weg. Ich kann alle Milchprodukte essen, Fleisch von guter Qualität (Bio), Gemüse, Obst aus dem Garten (oder Bio), Kartoffeln, Nudeln, Eier, sogar Alkohol (Bier). Lediglich scharfe Gewürze, Geschmacksverstärker, Natriumglutamat, Fertignahrungsmittel, Glukosesirup (leider auch Speiseeis) und Wein meide ich.
      Warum so schwer, wenn es doch auch einfach geht??? Ich verstehe Euch alle nicht.
      Gruß
      EddiJ (aufdemjetztwahrscheinlichallerumhackenwerden)
    • Petterson
      By Petterson
      Hallo,
      Ich habe hier immer mal wieder ein paar Beiträge im Forum gelesen und möchte mit meinem Beitrag keine Diskussion über den Zusammenhang von Schuppenflechte und Ernährung öffnen, lediglich von meinen Erfahrungen berichten.
      Vor etwa 5 Monaten hat meine Schuppenflechte ihren Höchstpunkt erreicht und ich wollte etwa daran ändern, der Hautarzt verschrieb mir eine Creme, diese half auch an den Stellen, jedoch »brach« die Schuppenflechte dann an anderer Stelle erneut aus. Es war also einfach eine Verschiebung des Problems.
      Vor 3 Monaten dachte ich mir dann, dass es so nicht weitergehen kann änderte ein paar Dinge in meinem Leben.
      Zuallererst begann ich sehr viel Sport zu machen, Joggen, 2-4 mal die Woche, so wurde ich dann auch überschüssiges Fett los und habe nun ein »gesundes« Gewicht.
      Desweiteren verzichte ich seit 2 Monaten auf Süßigkeiten und Zucker. Nebenbei esse ich sonst alles was ich für gesund empfinde, Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch ausschließlich Vollkorn-Brot u.s.w.
      Leider habe ich beim essen von wenigen Lebensmitteln eine leichte allergische Reaktion, wenn ich beispielsweise Äpfel esse, verspüre ich ein unangenehmes Jucken im Mund. Es gab dann eine Zeit in der ich nichtsdestotrotz 1-3 Äpfel täglich gegessen habe und dies Schlug sich enorm schlecht auf meine Schuppenflechte aus. Äpfel sind deswegen leider komplett aus meiner Ernährung verschwunden.
      Als Creme benutze ich gewöhnliche Creme oder Body-Milk aus dem Drogeriemarkt.
      Heute ist meine Schuppenflechte fast vollständig verschwunden. Vielleicht bring das ein oder andere ja bei jemand anderem auch was.
      Viele Grüße,
      Petterson
    • Claudia
      By Claudia
      Psoriasis und Mikrobiome: Wie gut helfen Probiotika, Präbiotika oder Fasten?
      Referenten:
      Dr. Bernhard Uehleke, Immanuel Krankenhaus, Abt. Naturheilkunde Rolf Blaga Veranstalter: Psoriasis Forum Berlin e.V.
      Eine Anmeldung ist nicht nötig.
      Link zum Videoseminar: https://us02web.zoom.us/j/83877766158?pwd=WVBqdDZhSmtmMFJnT01ZRTgzYjBDQT09
      Wer per Telefon zuhören möchte, kann unter 030 / 5679 5800 anrufen.
      Meeting-ID: 838 7776 6158
      Kenncode: 165183
      Wir haben eine kleine Anleitung für Zoom geschrieben.
    • lara_hannah
      By lara_hannah
      Hallo ihr Lieben!
      Ich wollte mich erkundigen ob jemand Erfahrungen mit der Diät/ Ernährung von Anthony William gemacht hat. Ich habe sein Buch empfohlen bekommen (Mediale Medizin) und bin generell sehr skeptisch dem gegenüber. Er empfielt eigentlich für fast jede Krankheit das selbe (einen Monat Rohkost und Selleriesaft). Aber da ich vor kurzem mit Pso-athritis diagnostiziert wurde und ich vor einer MTX Therapie noch anderes ausprobieren möchte, überlege ich mich dran zu versuchen. Vor allem da ich vor ca. zwei Monaten eine Woche Buchinger Fasten probiert habe und danach für drei Wochen komplett schmerzfrei war... aber leider nur für drei Wochen. Würde mich freuen falls jemand mehr weiß, wäre auch gepannt auf etwagige andere alternativen Ansätze.
      Lg, Lara

Willkommen

Willkommen in der Community für Menschen mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis. Ohne Werbung, ohne Tracking, aber mit ganz viel Herz 💛

×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue.