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    Rolf Blaga

    Mit moderner Ernährungsstrategie Psoriasis lindern?

    Am 28. April 2018 veranstalteten wir in Berlin den Patientenkongress „Bewährte naturheilkundliche Behandlungen der Schuppenflechte“. Wir werden nach und nach berichten, was zu den verschiedenen Themen gesagt wurde. Dr. med. Anne Fleck („ErnährungsDoc“) sprach über Ernährung bei Schuppenflechte.

    Dr. Fleck betonte, dass man mit Ernährung weder Rheuma noch Psoriasis „heilen“ könne. Je nach Schweregrad brauche man solide Medikamente. Wenn, wie bei einer unbehandelten Psoriasis Arthritis, die Gelenke erst einmal zerstört sind, könne man nichts mehr „gesund essen“. Wer sich aber bewusst ernährt, könne damit das Immunsystem und typische Begleiterkrankungen beeinflussen und seine Schuppenflechte verbessern. Sie empfahl Lebensmittel ohne Alkohol, ohne Zusatzstoffe, so einfach und unverfälscht wie möglich.

    Immunsystem stärken

    Im Darm sitzen 80 % der Immunzellen. Die Bakterien dort entscheiden, wie gut das Immunsystem funktioniert. Schuppenflechte als Auto-Immunkrankheit mache es erforderlich, die gestörte Balance wiederherzustellen. Deshalb müsse, so Dr. Fleck, der Darm gestärkt werden: Gutes Kauen und ketogene Ernährung mit viel „guten“ Fetten verlangsamen die Magen-Darm-Passagen. Damit haben die Nahrungsenzyme mehr Möglichkeiten, anzudocken. Dazu gehöre außerdem, die Ballast-Stoff-Menge langsam zu steigern, präbiotisch wirkende Lebensmittel zu essen und Bitterstoffe als Heißhunger-Bremse einzusetzen.

    Begleiterkrankungen abschwächen

    Studien hätten gezeigt, dass typische Begleiterkrankungen der Psoriasis durch Nahrungsmittel beeinflusst werden können. Das gelte z.B. für Herz-/Kreislaufprobleme, vor allem Bluthochdruck, aber auch für Magen- / Darmkrankheiten, Diabetes und vor allem Übergewicht (Adipositas).

    Patienten mit Schuppenflechte sollten sich unbedingt anti-entzündlich ernähren, so Dr. Fleck. Das würden vor allem Lebensmittel mit hohem Omega 3 - Gehalt bewirken: Nüsse, Mandeln, Samen, Leinsamen, Chiasamen, Wallnüsse, fetter Fisch und Leinöl. Wegen der Umweltgifte könne sie aber Fisch "nicht inflationär" empfehlen. Es gibt auch Öle, denen essentiellen Omega-3-Fettsäuren hinzugesetzt sind und Fischöl-Kapseln.

    Bewusst ernähren

    Dr. Fleck orientiert sich bei ihren Empfehlungen an der „Flexi-Carb-Pyramide“: Oft und reichhaltig solle man Obst und stärkefreies Gemüse mit Öl zubereitet essen. Häufig könne man zu fermentierten Milchprodukten, Eiweiß aus vielfältigen Quellen (auch fetthaltigen Fisch), Hülsenfrüchten, Nüssen und zuckerreichem Obst greifen. Wenig und abhängig von körperlichen Aktivitäten sollten die stärkereichen Getreideprodukte + Kartoffeln gegessen werden. Selten dagegen solle man Weißmehl- und Zucker-Produkte zu sich nehmen.

    Unverfälschte Lebensmittel wählen

    Bei modernen Ernährungsempfehlungen, so Dr. Fleck, werden keine Kalorien mehr gezählt. Auch wird nicht mehr vorgeschrieben, wie hoch der Anteil einzelner Nahrungsmittel zu sein habe. Stattdessen solle man naturbelassene Lebensmittel auswählen, keine Angst vor Fett haben, unraffinierte und möglichst frisch gepresste Öle verwenden, Eiweiß (Protein) aus unterschiedlichen Quellen nutzen und selbst qualitativ hochwertige Kohlenhydrate nur eingeschränkt aufnehmen. Man darf so viel essen, wie auf einen normal großen Teller passt. Dabei sollten die Nahrungsmittel so vielfältig wie möglich zusammengesetzt sein.

    Jeder isst anders

    Wirkstoffe aus Nahrungsmitteln werden nicht von jedem Menschen in gleicher Menge aufgenommen (Resorption). Ideal wäre es, für wichtige Stoffe seinen persönlichen „Wirkstoff-Spiegel“ zu kennen. So kann man zum Beispiel seinen Omega-3-Fettsäuren Index messen lassen. Weil es dazu keine Studien gibt, muss jeder bei sich selbst beobachten, ob und wie ein Nahrungsmittel wirkt.

    Nahrungsmittel, so Dr. Fleck, sollten nicht nur dogmatisch danach beurteilt werden, welche Inhaltsstoffe sie haben. Essen soll freudig und genussvoll sein. Schließlich habe jeder seine eigenen Traditionen, Vorlieben und Lieblingsrezepte. Aber auch seine persönlichen Unverträglichkeiten. Deshalb rät Dr. Fleck, seine Mahlzeiten auch nach persönlichen Gewohnheiten zusammenzustellen. 

    Selten essen

    Es sei nicht nur wichtig, was wir essen, sondern auch wie oft. Heute weiß man, dass es dem Körper gut tut, wenn man nicht zu häufig isst und zwischen Abendbrot und Frühstück mindestens 12 Stunden fastet (Intervallfasten). In unserem Kulturkreis essen die Menschen im Laufe des Tages 5-, 8- oder sogar bis zu 15-mal. Jedesmal wird dabei der Blutzucker-Wert mehr oder weniger stark erhöht. Ein hoher Glucose-Anteil im Blut fördert aber niedrig-gradige Entzündungen und langfristig Diabetes.

    Aufgeschnappt

    Nehmen Sie nur soviel Kohlenhydrate auf, wie Sie durch Bewegung verbrauchen.

    Ernähren Sie sich nur von qualitativ hochwertigen Kohlenhydraten (Vollkornprodukte, Dinkel, Roggen, Amaranth, Quinoa, Buchweizen und Naturteig statt Hefe). Die werden langsam verdaut, d.h. der Blutzuckerspiegel steigt auch nur langsam an und Insulin wird nicht explosiv ausgeschüttet.

    Verzichten Sie möglichst auf Zucker, weil er die Insulinproduktion anheizt. Unabhängig von Ihrer Schuppenflechte riskieren Sie sonst eine Insulin-Resistenz. Die ist die „Rakete“ zum Diabetes mellitus, zum Diabetes Typ II und langfristig zum Diabetes Typ III (= Demenz). Zucker ist in vielen Fertig-Lebensmitteln enthalten.

    Meiden Sie möglichst auch Zucker-Ersatz. Süßes löst im Gehirn das Bedürfnis nach mehr aus. Ein Zucker-Austauschstoff, der bis zu 300 Mal stärker süßt als der normale Zucker, verstärkt im gleichen Maße die Suchtreaktion.

    Übertreiben Sie nicht beim Eiweiß (Proteine): Eiweiß-Shakes sollten nicht inflationär getrunken werden. Sie sind oft mit Zucker-Austausch-Stoffen belastet. Eiweiß-Pulver zum Abnehmen hat bei jungen Patienten schwerste Nahrungsmittel-Intoleranzen hervorgerufen. Nur Kinder, Alte und Schwerkranke sowie Leistungssportler brauchen mehr Eiweiß.

    Trinken Sie Kuhmilch eher zurückhaltend, d.h. nicht mehr als zwei Gläser pro Tag. Dagegen haben fermentierte Milchprodukte wie Yoghurt, Quark und Käse einen gesundheitlichen Gesamtvorteil.

    Als Psoriatiker sollten Sie in der Küche viel Leinöl benutzen. Aber: Wenn es in Kontakt mit Licht, Hitze und Sauerstoff kommt, oxydiert es sofort. Leinöl ist extrem schnell verderblich. Das merken Sie daran, dass es bitter schmeckt. Bei Olivenöl reicht es, wenn auf dem Etikett „bio-kaltgepresst“ steht. Bei Leinöl muss noch stehen: „unter Ausschluss von Licht, Sauerstoff und Wärme gepresst“ oder „Omega Safe“.

    Weizenkeim-Öl schützt das Leinöl vor Oxydation. Deshalb werden beide Öle als Mischung angeboten.

    Wenn Sie können, kaufen Sie bei allen Sorten frisch gepresstes Öl. Das hat dann nicht schon wochenlang im Laden gestanden.

    Verwenden Sie unraffinierte Öle , weil nur die noch Nährstoffe wie fettlösliche Vitamine enthalten.

    Es heißt, Schwarzkümmel-Öl könne alles heilen, außer den Tod. Der Geschmack ist aber gewöhnungsbedürftig. Man kann es verstecken und für den Salat mit Oliven- oder Kürbiskernöl mischen. Für eine 3-Monats-Kur darf man anfangs nicht zu hoch dosieren. Sonst verträgt man das Schwarzkümmel-Öl nicht gut. Anfangs 3 x am Tag einen Drittel Teelöffel vor dem Essen. Dann langsam steigern bis zu einem ganzen Teelöffel.

    Tipps zum Weiterlesen

    Ernährungs-Docs gaben Tipps bei Schuppenflechte, Psoriasis-Netz

    Abnehmen mit Schuppenflechte und Psoriasis Arthritis – aber wie?, Psoriasis-Netz

    Heilfasten – Kann man die Psoriasis aushungern?, Psoriasis-Netz

    Esst mehr Eiweiß (Ernährungskompass 2018), Tagesspiegel

    Fast Food fördert Entzündungen

    Nüsse als Omega 3 -Träger

    Mittel mit Omega-3-Fett­säuren im Test (Stiftung Warentest, Mai 2020)

    Walnüsse wirken positiv auf Darmflora

    Psoriasis und Ernährung – Patientenratgeber zum gesunden Abnehmen, Pfizer

    Ernährung und Psoriasis, AbbVie

    Ernährung bei chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, AbbVie

    Psoriasis-Ernährung in der Naturheilkunde-Klinik Blankenstein, Psoriasis-Netz

    Rauchstopp oder Ernährungsumstellung - Was hilft wirklich?, ÄrzteZeitung

    Mit der Ernährungspyramide bewusster essen, Fitbook + DAK Gesundheit

    Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung weitreichend überarbeitet, Ärzteblatt

    Ernährungskonzepte und gesundes Abnehmen: Das Flexi-Carb-Prinzip, Trainingsworld

    Verschiedene Pyramiden-Modelle, Berliner Gasthörerprogramm


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    • Dr. Anne Fleck: Bildrechte beim Autor

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    Recommended Comments

    Nach mehreren Jahrzehnten mit schwerster Plaque-Psoriasis, die auch mit 25mg MTX pro Woche nur einigermassen in Schach gehalten werden konnte, habe ich mit einer Ernährungsumstellung einen grossen Erfolg: Seit fünf Monaten keine MTX-Spritzen mehr, viele Flecken sind verschwunden, die anderen gut mit wenig Daivobet behandelbar. Für mich ein Wunder!

    Das Rezept: Kein Brot, kein Getreide, kein Industriezucker, d.h. möglichst wenig Kohlehydrate. Dafür Salat, Gemüse, Käse, Fleisch. Siehe bei Wiki: Ketogene Ernährung.

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