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Neue Tablette gegen Psoriasis: Medikament Icotyde in der EU zugelassen

Die Europäische Kommission hat ein neues Medikament gegen mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis zugelassen. Es heißt Icotrokinra und wird unter dem Namen Icotyde verkauft. Das Besondere daran: Es ist die erste Tablette, die an der Stelle wirkt, an der bisher nur Spritzen ansetzten. Für viele Menschen mit Psoriasis ist das eine zusätzliche Behandlungsoption.

Icotrokinra ist ein sogenannter IL-23-Rezeptor-Antagonist. Bei Psoriasis spielt der Botenstoff Interleukin-23, kurz IL-23, eine zentrale Rolle. Er sorgt dafür, dass sich Hautzellen viel zu schnell vermehren und die typischen roten, schuppigen Plaques entstehen. Bisherige Medikamente, die IL-23 blockieren, muss man spritzen. Icotrokinra ist ein kleines Peptid, das man einfach schluckt.

Das Peptid setzt sich direkt an den Rezeptor für IL-23. Dadurch kann der Botenstoff gar nicht erst andocken und die Entzündungskette wird unterbrochen.

Wie gut wirkt die neue Tablette?

Die Zulassung stützt sich auf das Studienprogramm mit dem Namen Iconic. Darin wurden mehr als 2500 Patientinnen und Patienten in vier großen Phase-3-Studien untersucht, darunter auch Jugendliche ab 12 Jahren mit mindestens 40 Kilogramm Körpergewicht. Das Programm ist deshalb so aussagekräftig, weil es nicht nur die klassischen Psoriasis-Herde untersucht hat, sondern auch besonders belastende Stellen wie Kopfhaut und Genitalbereich.

In zwei direkten Vergleichsstudien gegen ein bereits zugelassenes Medikament erreichten rund 70 Prozent der Behandelten eine klare oder fast klare Haut, gemessen mit der sogenannten IGA-Skala. 55 Prozent erzielten nach 16 Wochen eine PASI-90-Antwort, das heißt eine Verbesserung von mindestens 90 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Unter Placebo lag die Rate für klare oder fast klare Haut nur bei 8 bis 11 Prozent.

Bei der Sicherheit zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei der Placebogruppe. Die Rate an Nebenwirkungen lag bei den mit Icotrokinra behandelten Personen nur 1,1 Prozentpunkte über der Placebogruppe. Bis Woche 52 zeigten sich keine neuen Sicherheitssignale.

Icotyde vs. Sotyktu

2022 kam mit Sotyktu (Wirkstoff: Deucravacitinib) eine orale Alternative auf den Markt, die zumindest ähnlich gut wirkte wie manche Antikörper. Sie wirkt allerdings über einen anderen Mechanismus, nämlich die Hemmung des Enzyms TYK2.

Icotyde (Wirkstoff: Icotrokinra) ist die erste Substanz, die beides verbindet: eine Wirksamkeit, die in Studien mit manchen Spritzen-Biologika vergleichbar war, und die einfache Einnahme als Tablette.

Studienergebnisse im Detail

In der Studie ICONIC-LEAD erreichten 65 Prozent der Patienten eine erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut. Bei der Placebo-Gruppe waren es nur acht Prozent. Außerdem erreichten 50 Prozent der mit Icotrokinra behandelten Patienten eine 90-prozentige Verbesserung ihrer Hauterscheinungen. Bei Placebo lag dieser Wert nur bei 4 Prozent.

Die Studie ICONIC-TOTAL zeigte, dass Icotrokinra auch bei Psoriasis an Kopfhaut, Genitalbereich sowie an Händen und Füßen gut wirkt. Diese Körperstellen sind für Patienten besonders belastend, da sie oft sichtbar sind oder das tägliche Leben stark beeinträchtigen.

In direkten Vergleichsstudien schnitt Icotrokinra laut den Studien ICONIC-ADVANCE 1 und ICONIC-ADVANCE 2 besser ab als Deucravacitinib (Handelsname: Sotyktu), ebenfalls eine Tablette. Die vollständigen Ergebnisse sind im September 2025 im Fachjournal "The Lancet" erschienen. Nach 24 Wochen erreichten unter Icotrokinra rund 70 bis 75 Prozent der Behandelten eine klare oder fast klare Haut, unter Deucravacitinib war dieser Anteil deutlich geringer. Auch bei den Nebenwirkungen lag Icotrokinra über ein Jahr hinweg etwas günstiger.

Für wen kommt Icotyde in Frage?

Zugelassen ist Icotrokinra für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 Kilogramm. Voraussetzung ist eine mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis und die Eignung für eine systemische Therapie. Das bedeutet: Cremes und Salben allein reichen nicht mehr aus.

Man nimmt eine Tablette pro Tag mit Wasser, direkt nach dem Aufwachen, und wartet mindestens 30 Minuten mit dem Frühstück. Diese einfache Handhabung könnte gerade für Menschen wichtig sein, die Spritzen scheuen oder mit dem Kühlschranklagern von Biologika kein Problem haben wollen.

Warum diese Zulassung so wichtig ist

Icotrokinra ist die erste Tablette, die gezielt den IL-23-Signalweg blockiert. Bisher gab es diese Wirkung nur als Spritze, etwa mit den Wirkstoffen Guselkumab, Risankizumab oder Tildrakizumab. Wer bislang eine so wirksame Therapie wollte, musste sich also regelmäßig selbst spritzen oder in die Praxis gehen.

Die Studiendaten zeigen eine Wirksamkeit, die bislang eher Spritzen vorbehalten war. Die Tablettenform könnte die Hürde senken, überhaupt eine systemische Therapie zu beginnen. Gerade Menschen, die Angst vor Nadeln haben oder die eine Spritze im Alltag als belastend empfinden, könnten von dieser Option profitieren.

Die Studienlage deutet darauf hin, dass Icotrokinra auch bei besonders unangenehmen Stellen wirkt, etwa an der Kopfhaut oder im Genitalbereich. Diese Bereiche wurden früher in Studien oft vernachlässigt, obwohl sie für Betroffene enorm belastend sein können.

40 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten erreichten in Woche 20 eine komplett erscheinungsfreie Haut. Das kommt an einige unserer besten Biologika heran.

US-Forscher Joel M. Gelfand in einem Kommentar zu Daten, die auf einem AAD-Kongress vorgestellt wurden. Gelfand ist als bezahlter Berater für mehrere Pharmafirmen tätig, darunter auch für Johnson & Johnson.

Preis von Icotyde ist noch nicht öffentlich

Bevor Icotrokinra einen festen Preis bekommt, muss es in Deutschland ein festgelegtes Verfahren durchlaufen. Das nennt sich frühe Nutzenbewertung und ist im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz geregelt, kurz AMNOG. Das läuft für jedes neue Medikament mit neuem Wirkstoff nach dem gleichen Muster ab [web:95].

  1. Der erste Schritt liegt beim Hersteller selbst. Sobald Icotrokinra in Deutschland auf den Markt kommt, muss Johnson & Johnson dem Gemeinsamen Bundesausschuss, kurz G-BA, ein umfassendes Dossier vorlegen. Darin muss die Firma belegen, welchen zusätzlichen Nutzen das Medikament gegenüber einer bereits etablierten Vergleichstherapie hat, zum Beispiel gegenüber einem der bekannten IL-23-Hemmer zum Spritzen [web:95].

  2. Der G-BA gibt dieses Dossier an das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen weiter, kurz IQWiG. Das IQWiG prüft die Daten wissenschaftlich und erstellt eine sogenannte Dossierbewertung. Dafür hat das Institut gesetzlich genau drei Monate Zeit.

  3. Auf Basis dieser Bewertung entscheidet der G-BA, wie groß der Zusatznutzen tatsächlich ist. Möglich sind mehrere Abstufungen von einem erheblichen Zusatznutzen bis hin zu keinem belegten Zusatznutzen. Dieser Beschluss muss spätestens sechs Monate nach der Markteinführung in Deutschland stehen.

  4. Erst danach beginnt die eigentliche Preisverhandlung. Der GKV-Spitzenverband, der die gesetzlichen Krankenkassen vertritt, verhandelt mit Johnson & Johnson über den sogenannten Erstattungsbetrag. Das ist der Preis, den die Kassen künftig tatsächlich zahlen. Für diese Verhandlung sind in der Regel vier Gesprächstermine innerhalb von sechs Monaten vorgesehen.

Bis dieser Erstattungsbetrag feststeht, gilt ein wichtiger Zwischenschritt: In den ersten sechs Monaten nach Markteinführung darf der Hersteller den Preis noch frei festlegen. Das heißt, der anfängliche Listenpreis kann durchaus höher liegen als der später verhandelte Betrag. Kommt es zwischen Kassen und Hersteller zu keiner Einigung, entscheidet eine unabhängige Schiedsstelle innerhalb von weiteren drei Monaten. Am Ende gilt der ausgehandelte oder von der Schiedsstelle festgesetzte Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem 7. Monat nach Markteinführung.

Wann kommt Icotrokinra in Deutschlands Apotheken?

Einen festen Starttermin für Deutschland hat Johnson & Johnson bisher nicht genannt. In der offiziellen Mitteilung zur EU-Zulassung heißt es nur allgemein, man arbeite "gemeinsam mit relevanten Akteuren in ganz Europa" daran, die Einführung zu unterstützen und den Zugang für Patientinnen und Patienten zu ermöglichen. Konkreter war der Konzern schon vor der Zulassung: Bei einem Presseworkshop im Herbst 2025 hatte J&J als Ziel genannt, den Wirkstoff noch "bis Ende 2026" auf den europäischen Markt zu bringen.

Fachbegriffe erklärt

IL-23 (Interleukin-23): IL-23 ist ein Botenstoff des Immunsystems. Bei Psoriasis ist er quasi ein Feueranzünder für die Entzündung in der Haut. Er sorgt dafür, dass sich Hautzellen viel zu schnell teilen und dass sich die typischen roten, schuppigen Stellen bilden. Medikamente, die IL-23 blockieren, unterbrechen diesen Prozess an einer sehr frühen Stelle der Entzündungskette und können deshalb sehr wirksam sein.

IGA- und PASI-Wert: Beides sind Maßstäbe, mit denen Ärztinnen und Ärzte den Schweregrad der Psoriasis messen. Der IGA-Wert ist eine einfache Skala von 0 bis 4, wobei 0 für komplett klare Haut steht und 4 für sehr schwere Psoriasis. Der PASI-Wert ist etwas genauer und berücksichtigt, wie viel Hautfläche betroffen ist und wie stark die Haut gerötet, verdickt oder schuppig ist. Ein PASI-90-Wert bedeutet, dass sich die Haut um mindestens 90 Prozent gegenüber dem Ausgangswert verbessert hat.

Systemische Therapie: Damit ist eine Behandlung gemeint, die im ganzen Körper wirkt, zum Beispiel über eine Tablette oder eine Spritze. Das unterscheidet sie von einer äußerlichen Behandlung mit Cremes oder Salben, die nur direkt auf der Haut wirkt. Eine systemische Therapie kommt meist dann zum Einsatz, wenn die Psoriasis mittelschwer bis schwer ist und äußerliche Mittel allein nicht mehr ausreichen.

Mehr darüber im Psoriasis-Netz

Forum: Austausch über das Leben mit Psoriasis

Übersicht: Innerliche Medikamente bei Psoriasis – Tabletten und Spritzen

Wissen: Die wichtigsten Fakten zu Icotyde bzw. Icotrokinra


Hersteller oder Anbieter:
Über die Autorin

Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

Mehr über und von Claudia Liebram


Bildquellen:

Alexander Mils / Unsplash+

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