OpenAI hat ChatGPT Health veröffentlicht – eine Version für Gesundheitsfragen. Hier kommt eine Anleitung, wie Menschen mit Gesundheitsproblemen damit bewusst umgehen können.
ChatGPT Health ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Aber: Die Betonung dürfte auf "noch" liegen. Fakt ist auch: Künstliche Intelligenz wie ChatGPT ist im Alltag und in der Medizin längst angekommen. Für Patienten kann sie eine Hilfe sein. KI übersetzt unverständliche Befunde oder komplizierte Laborberichte auf einen einfachen Prompt wie: "Erkläre mir das bitte in einfacher Sprache."
Aber Vorsicht: Gesundheitsdaten sind Eure intimsten Daten. Sobald Ihr einen Bericht in eine KI hochladet, verlässt dieser Euren geschützten Raum.
Damit die KI Euch helfen kann, ohne dass Ihr Eure Privatsphäre komplett opfert, müsst Ihr persönliche Daten vorher entfernen. Wir zeigen, wie Ihr Dokumente so schwärzt, dass sie wirklich sicher sind – und welche Fehler Ihr unbedingt vermeiden solltet.
Was ist ChatGPT Health?
ChatGPT Health ist eine für Medizin optimierte Version der bekannten KI. Sie ist darauf trainiert, Laborwerte besser zu verstehen und Therapiepläne logisch zu strukturieren.
Wann sie nach Deutschland kommt, steht in den Sternen. Grund ist der Datenschutz. In der EU gelten mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem "AI Act" (KI-Verordnung) sehr strenge Regeln, besonders für Gesundheitsdaten. Während in den USA Patientendaten oft schon freizügiger verarbeitet werden, prüfen europäische Behörden solche Dienste sehr genau.
Auch wenn das offizielle ChatGPT Health hier noch nicht gestartet ist, nutzen viele bereits das normale ChatGPT, um medizinische Fragen zu klären. Und genau hier liegt das Risiko: Das "normale" ChatGPT ist nicht speziell datenschutzrechtlich für Medizin abgesichert. Von Halluzinationen, also frei erfundenen Antworten, mal ganz abgesehen, doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.
Laut OpenAI gibt es zwischen dem "normalen" ChatGPT und der Health-Version nur eine Einbahnstraße: Eure Daten aus ChatGPT können in ChatGPT Health einfließen, aber nicht umgekehrt.
Dem kann man glauben – oder auch nicht. Und selbst wenn: Am Ende liegen Eure Gesundheitsdaten eben doch bei OpenAI. Die Firma kann irgendwann beschließen, dass sie die Daten an irgendwen verkauft. Wie das enden kann, ist an Twitter (X) zu sehen: Der Käufer muss nicht zwangsläufig ein Guter oder auch nur gutwillig sein.
Und so lautet unser Rat: Denkt vor der Nutzung solcher Angebote einmal über den Schutz Eurer persönlichen Daten nach, wägt ab, wieviel er Euch wert ist – und handelt dann, wie Ihr wollt. Nutzt, wenn es geht, einen gesonderten Account für Anfragen zur Gesundheit. Und: Schwärzt vorher alle Angaben, die Eure Identität verraten.
Die Gefahr: Der "falsche" schwarze Balken
Viele machen einen gefährlichen Fehler: Sie öffnen ein PDF oder Word-Dokument am Computer, ziehen mit einem Zeichenwerkzeug einen schwarzen Balken über den Namen und speichern ab.
Das Problem: Für den Computer (und die KI) ist der Text unter dem schwarzen Balken oft immer noch da! Der Balken liegt nur wie eine Decke darüber. Eine KI kann einfach "unter die Decke gucken" und den Text lesen.
Die goldene Regel lautet daher: Wir müssen die Daten so entfernen, dass sie physikalisch weg sind oder das Dokument in ein "dummes" Bild verwandelt wird.
Checkliste: Was muss alles raus?
Bevor Ihr loslegt, prüft das Dokument auf folgende Punkte. Es geht nicht nur um Euren Namen:
- Name und Adresse: Offensichtlich, aber oft auch klein in der Fußzeile versteckt.
- Geburtsdatum: Ein wichtiges Identifikationsmerkmal.
- Versichertennummer & Fallnummern: Damit seid Ihr eindeutig identifizierbar.
- Arzt- und Klinikname: Auch Kopfzeilen und Logos entfernen. Aus der Info "Dermatologie Uniklinik X" lassen sich Rückschlüsse auf Euren Wohnort und die Schwere der Psoriasis ziehen.
- QR-Codes und Barcodes: Ganz wichtig! Diese kleinen Strichcodes an den Rändern enthalten oft alle Patientendaten für den Computer lesbar. Unbedingt unkenntlich machen!
Methode 1: Die "Analoge" Methode (Sehr sicher)
Wenn Ihr einen Drucker habt, ist das oft der sicherste Weg, weil Ihr physisch kontrollieren könnt, was verschwindet.
- Druckt den Bericht aus.
- Nehmt einen dicken, schwarzen Edding (Permanentmarker).
- Streicht alle Daten von der obigen Checkliste gründlich durch.
- Der Licht-Test: Haltet das Papier gegen das Fenster oder eine Lampe. Scheint der Text durch? Wenn ja, klebt sicherheitshalber einen Papierstreifen darüber oder kopiert die geschwärzte Seite noch einmal.
- Fotografiert das Blatt nun mit dem Handy ab. Dieses Foto könnt Ihr bedenkenlos hochladen.
Methode 2: Der "Screenshot"-Trick (Schnell & Digital)
Ihr habt keinen Drucker oder wollt Papier sparen? Dann nutzt Bildschirmfotos (Screenshots). Das ist sicherer als das Bearbeiten in PDF-Programmen, weil beim Screenshot alles zu einem "flachen Bild" verschmilzt. Was übermalt ist, ist dann wirklich weg.
- Öffnet den Bericht an Eurem PC oder auf dem Handy.
- Zoomt so, dass der relevante medizinische Text gut lesbar ist.
- Macht einen Screenshot (Bildschirmfoto) von dem Abschnitt. Achtet darauf, dass der Kopfbereich mit dem Namen gar nicht erst auf dem Bild ist.
- Falls doch noch Daten (z. B. im Textverlauf) zu sehen sind: Öffnet das Bild in einem einfachen Mal-Programm (wie "Paint" am PC oder dem Foto-Editor am Handy).
- Nehmt den virtuellen Pinsel (Farbe Schwarz, 100% Deckkraft) und malt über die Stellen.
- Speichert das Bild als JPG oder PNG. Jetzt könnt Ihr es hochladen.
Profi-Tipp: Einstellungen von ChatGPT anpassen
Wenn Ihr ChatGPT nutzt, könnt Ihr in den Einstellungen oft festlegen, dass Eure Eingaben nicht zum Training der KI verwendet werden sollen.
- Geht in ChatGPT auf Einstellungen -> Datenkontrollen.
- Deaktiviert bei "Das Modell für alle verbessern" oder "Chat-Verlauf & Training"
- Nutzt wenn möglich "temporäre Chats".
Bedenkt auch: Wenn Ihr ChatGPT nutzt, um Gesundheitsfragen von Oma, Mama, Tante und Bekannten zu verbessern, fließen die Fragen und Antworten eines Tages auch in Eure Anfragen bei ChatGPT Health ein. Das glaubt dann, Ihr habt auch Arthrose, Reizdarm oder Schlafapnoe (zum Beispiel). Noch ein Grund dafür, später für ChatGPT Health einen separaten Account zu nutzen.
Fazit
Nutzt die neuen Möglichkeiten, um Eure Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis besser zu verstehen. Aber seid "daten-geizig". Die KI braucht nur die medizinischen Fakten (Blutwerte, Befundtext), um Euch zu helfen – wer Ihr seid und wo Ihr wohnt, geht sie nichts an.
Tipps zum Weiterlesen
- Mehr zum Thema bei the-decoder, einer Plattform für KI-Wissenschaft, Politik und Wirtschaft
- Mehr auch über Risiken bei DataCamp, einer Weiterbildungs-Plattform
- Diskussion zum Thema bei BlueSky, angestoßen vom Bundestagsabgeordneten Janosch Dahmen (Grüne)
❓ Nutzt Ihr Künstliche Intelligenz für Fragen rund um Eure Gesundheit? Seid Ihr da vorsichtiger als bei anderen Themen? Habt Ihr gute Prompts, die gute Antworten liefern? Diskutiert und schreibt's unten in die Kommentare ⬇️

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