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Warum du bei Schuppenflechte und Psoriasis arthritis diese kleine Bürste brauchst

Besonders für Menschen mit Psoriasis oder Psoriasis arthritis ist die Mundgesundheit ein wichtiges Thema. Warum? Chronische Entzündungen im Körper können sich gegenseitig verstärken. Eine gründliche Mundhygiene kann dazu beitragen, entzündliche Prozesse im Körper zu reduzieren. Darauf weist die Initiative ProDente hin.

Was ist eigentlich Parodontitis?

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats. Sie beginnt meist mit einer Zahnfleischentzündung und greift dann auf das darunter liegende Gewebe über. Die Erkrankung verläuft oft schleichend und ohne Schmerzen. Viele Menschen bemerken sie daher erst spät.

Das Tückische daran ist, dass die Entzündung langfristig zu irreversiblen Schäden führt. Unbehandelt lockern sich die Zähne und können sogar ausfallen.

Die aktuelle Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) zeigt erschreckende Zahlen. Etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer schweren Form der Parodontitis. Bei den jüngeren Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren haben sogar 95,1 Prozent eine Parodontitis in verschiedenen Stadien. Das macht diese Erkrankung zu einem echten Volksleiden.

Warum ein sauberer Zahnzwischenraum so wichtig ist

Viele unterschätzen die Parodontitis als reine Munderkrankung. Doch sie kann weitreichende Folgen für den gesamten Körper haben. Besonders für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung wie Psoriasis ist dieses Wissen wichtig. Chronische Entzündungen im Körper können sich gegenseitig beeinflussen.

Die gute Nachricht ist, dass wir selbst viel für unsere Mundgesundheit tun können.

Doch mit der Zahnbürste allein lässt sich eine umfassende Mundhygiene nicht erreichen. Selbst bei gründlichem Putzen werden nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche gereinigt. Die restlichen 30 Prozent verstecken sich in den Zwischenräumen der Zähne. Dort ist die Zahnbürste machtlos. In diesen Nischen sammeln sich Speisereste und Bakterien besonders leicht an.

Entwicklung einer Parodontitis

Werden diese Zahnzwischenräume nicht regelmäßig gereinigt, entwickelt sich dort ein Biofilm aus Bakterien. Dieser kann Zahnfleischentzündungen verursachen. Das Zahnfleisch rötet sich und blutet leicht.

Wird nichts dagegen unternommen, kann sich die Entzündung ausbreiten und zu einer Parodontitis mit Zahnfleischtaschen führen. Diese Taschen sind ein idealer Nährboden für krankmachende Bakterien. Über die Blutbahn können sie dann in den gesamten Körper gelangen.

Die richtige Ausrüstung für die Zwischenräume

Für die Reinigung der Zahnzwischenräume stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Am wirksamsten sind Zahnzwischenraumbürsten, auch Interdentalbürsten genannt. Diese kleinen Bürsten gibt es in unterschiedlichen Größen. Sie können die Zahnzwischenräume gründlich reinigen und den bakteriellen Biofilm entfernen.

Eine wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass die regelmäßige Verwendung von Interdentalbürsten das Zahnfleischbluten deutlich reduzieren kann. Die vorbeugende Wirkung betrug nach einer Woche bereits 46 Prozent, nach einem Monat 64 Prozent und nach drei Monaten sogar 72 Prozent. Das ist ein beeindruckendes Ergebnis.

Anwendung einer Interdentalbürse

Für sehr enge Zahnzwischenräume eignet sich Zahnseide. Sie gibt es sowohl gewachst als auch ungewachst. Die ungewachste Zahnseide fasert auf und entfernt dadurch Beläge besser. Stehen die Zähne jedoch sehr dicht beieinander, kann gewachste Zahnseide manchmal besser in den Zwischenraum gelangen.

Eine weitere Option sind Mundduschen oder Water Flosser. Sie reinigen mit einem pulsierenden Wasserstrahl. Dieser kann bakterielle Biofilme aufreißen und entfernen. Besonders geeignet sind sie für Personen mit festen Zahnspangen oder anderen kieferorthopädischen Apparaturen.

So wird's gemacht

Die Reinigung der Zahnzwischenräume sollte täglich erfolgen. Am besten vor dem abendlichen Zähneputzen. Bei Interdentalbürsten ist es wichtig, die richtige Größe zu wählen. Der Zahnarzt kann dabei helfen und die passende Größe bestimmen. Die Bürste wird vorsichtig in den Zahnzwischenraum geschoben und mit leichten Hin- und Herbewegungen gereinigt.

Zahnseide wird zwischen den Zähnen hindurchgeführt und dann mit sanften Auf- und Abbewegungen an den Zahnflächen entlanggeführt. Wichtig ist, nicht zu fest zu drücken, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen.

Die Realität sieht jedoch anders aus. In Deutschland werden pro Person im Jahr durchschnittlich nur 23 Einheiten Zahnseide verwendet. Empfohlen werden dagegen 365 Einheiten – also täglich eine Anwendung. Ähnlich verhält es sich mit Zahnzwischenraumbürsten. Hier liegt der jährliche Verbrauch bei etwa sechs Stück pro Person – statt der empfohlenen 52 Stück.

Die Initiative proDente e.V. ist ein Zusammenschluss zentraler Akteure der deutschen Dentalbranche. Hinter der Initiative stehen die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) und der Verband der Deutschen Dental-Industrie (VDDI), die proDente auch finanzieren.


Über die Autorin

Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

Mehr über und von Claudia Liebram


Bildquellen

Parodontitis-Entwicklung und Anwendung einer Interdentalbürste: ProDente e.V.

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Empfohlene Kommentare

Burg

Burg

Benutzer
Zitat

Für sehr enge Zahnzwischenräume eignet sich Zahnseide. Sie gibt es sowohl gewachst als auch ungewachst. Die ungewachste Zahnseide fasert auf und entfernt dadurch Beläge besser. Stehen die Zähne jedoch sehr dicht beieinander, kann gewachste Zahnseide manchmal besser in den Zwischenraum gelangen.

Wenn die Zähne sehr eng stehen, passt kein Bürstchen mehr dazwischen, aber mit der Zahnseide lassen sich die Zahnzwischenräume vor dem Zähneputzen prima reinigen.

Eine gute Zahnbürste mit zu den Borstenenden hin dünner werdenden Enden und diese noch an den Spitzen abgerundet (damit die Borsten nicht das Zahnfleisch aufkratzen können) ist für mich sehr hilfreich, da ich damit zum Teil in die Zwischenräme komme und auch mein Zahnfleisch wunderbar massiert wird.

Parodontitis hatte ich noch nie. Mein Zahnarzt meinte dazu, dass es auch an einer Vollwerternährung liegen könnte, wenn man keine Parodontitis hätte.

In meiner Familie hat niemand Parodontitis. Ob das eine genetisch bedingte Erkrankung ist? Oder die Zahnpasta, die wir alle schon seit 70J benutzen? Oder reicht überhaupt das Bürsten alleine schon aus?

Burg

Burg

Benutzer
(bearbeitet)

Antwort auf eine Zuhörer-Frage: Neben Parodontitis wäre auch eine bakterielle Besiedlung von Zahn-Implantaten als Trigger für eine Arthritis denkbar.

Heute: 20.5.2025, im Deutschlandfunk, Dlf 

Zitat

11:05-Uhr Gespräch:
Mit Rheuma erwachsen werden
Interview mit Dr. Florian Milatz, Kinder und Jugendrheumatologie, Deutsches Rheuma- und Forschungszentrum

Charite, Berlin

Bearbeitet ( von Burg)

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