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  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Wie behandelt die TCM die Schuppenflechte?

    Kann die Traditionelle chinesische Medizin die Psoriasis behandeln? Mehrere Institute und Heilpraktiker gaben auf diese Frage alle denkbaren Antworten zwischen „Ja“ und „Nein“. Wie geht die TCM die Psoriasis nun an?

    Der große Einfluss der Philosophen Laotse und Kungfutse hat dazu geführt, dass die traditionelle chinesische Medizin das Denken und das Handeln der Chinesen tausende von Jahren bestimmt hat. Schriftgelehrte haben ausführlich dokumentiert, wie erfolgreich die Ärzte damit in der Vergangenheit waren. Dieser traditionelle Ansatz wird heutzutage gerade noch an zehn Prozent der chinesischen Kliniken praktiziert.

    Die Traditionelle chinesische Medizin geht davon aus, dass jedes Organ des Menschen seine eigene Lebensenergie (Qi, gesprochen Tschi) besitzt. Dieses Qi fließt in Energiebahnen (Meridiane) über bestimmte Zugangspunkte durch den gesamten Körper. Krankheit zeigt, dass ein Organsystem entweder zu viel oder zu wenig Energie erhält.

    Wenn der Energiefluss an einem Organ gestört ist, kann sich das an jedem Teil des Körpers zeigen, durch den der entsprechende Meridian fließt. Logischerweise kann deshalb diese Blockierung an jedem dieser Zugangspunkte entlang des Meridians wieder aufgehoben werden. Zum Beispiel durch Akupunktur genau an diesen Punkten.

    Die Therapie soll die Blockierung einer bestimmten Energiebahn lösen und das Gleichgewicht möglichst wieder herstellen. Trotzdem bleibt es ein nie erreichter Idealzustand des Menschen, dass Yin und Yang in seinem Körper, in seinem Geist und in seiner Seele völlig harmonisch sind.

    Begriff von Krankheit bei der TCM

    Bei einer Krankheit wird danach unterschieden, ob sie einen Mangel an Yin oder an Yang signalisiert. Yang steht für männlich, dynamisch, aktiv, warm, heiß usw. Yin ist weiblich, substantiell, passiv, kalt usw.

    Ein Krankheit zeigt zu viel Yang bei Fieber, rotem Gesicht, Unruhe, starken Gerüchen der Ausscheidungen, roter Zunge und schnellem, aufwallendem Puls. Sie bedeutet zu viel Yin bei Frieren, Blässe, Mattigkeit, großen Mengen geruchloser Ausscheidungen, blasser Zunge und straffem, tiefem, gemächlichem Puls. Es gibt äußere Ursachen wie Wind, Kälte, Sommerhitze, Feuchtigkeit, Trockenheit oder Glut. Oder die Krankheit kommt von innen durch Lust, Zorn, Sorge, Trauer, Furcht oder Schreck.

    Wer in dieser Tradition steht, für den gibt es keine „reine“ Hauterkrankung. Störungen auf der Haut werden angesehen als Störungen an den Organen, die sich lediglich an diesem Punkt des Körpers äußern. Behandelt werden deshalb in erster Linie nicht die Hauterscheinungen selbst, sondern die für Haut und Haare zuständigen Organe Lunge oder Dickdarm.

    „Die chinesische Medizin kennt keine einheitliche Ursache für Hautkrankheiten,“ so Dimmling. „Eine Krankheit ist wie ein Baum. In den Wurzeln finden sich die Ursachen, wir aber sehen nur ein System von Zweigen (Erscheinungsformen, Krankheitssymptome). Bei der Diagnose werden deshalb (ganzheitlich) Anhaltspunkte in Körper, Geist und Seele gesucht. Nur so kann bestimmt werden, welchem Organ eine Krankheit zugeordnet wird. Nur wer den gesamten Menschen betrachtet, erfährt, wie sich bei ihm Yin und Yang zueinander verhalten.

    Anamnese – die Bestandsaufnahme

    Der Patient wird eingehend befragt und betrachtet. Sein Geruch und der Klang seiner Stimme sind ebenso wichtig wie sein Gefühlsleben, sein Schlaf und seine Verdauung. Bedeutend ist, welche Wärme- und Kälteempfindungen der Patient hat. Hände, Puls, Zunge und Ohren werden genau untersucht, um daraus auf konkrete Disharmonien zu schließen. „Wer die Pulsdiagnose nicht beherrscht, kann keine chinesische Medizin“ (Dimmling).

    Leidet der Patient z.B. unter Verstopfung, fällt es ihm schwer zu schwitzen oder zu schreien, kann er Altvertrautes nicht loslassen oder unterdrückt er seine Traurigkeit, dann wird die Psoriasis als Ausscheidungsschwäche des Dickdarms diagnostiziert. Das Yin stagniert und es herrscht ein Yang-Mangel. Es kann aber auch sein, dass der Therapeut Anhaltspunkte dafür findet, dass die Psoriasis von einer Disharmonie an der Lunge herrührt. Die Lunge beherbergt gleichzeitig einen Teil der Seele (Psyche).

    Andere Therapeuten unterscheiden die Psoriasis aufgrund von Bluthitze, von Blutstasen (Blutstauung), Blutarmut oder wegen Feuchtigkeitshitze. Weitere Ursachen für die Schuppenflechte können sein Windhitze, Bluttrockenheit, Leber-/Nieren-Leere oder Milz- Nieren-Leere. Eine Psoriasis kann schließlich auch ausgelöst werden durch eine Zhong Ren Dysbalance oder durch Hitze der Gong Ebene.

    Behandlungsmethoden der TCM

    Die traditionellen Behandlungsmethoden der chinesischen Medizin sind Akupunktur und Akupressur, Moxibustion (Akupunkturpunkte werden mit Kräutern erwärmt), Qigong (Bewegungstherapie, sprich: Tschigong), Schröpfen, Fünf-Elemente-Lehre (Ernährungsempfehlungen) und vor allem Heilkräutertherapie (Pythotherapie). „Es gibt“, so Dimmling, „einige Akupunkturpunkte mit Hautbezug. Die muss man sehr genau vorher durch Pulsdiagnose herausfinden.“

    Der Schwerpunkt der Behandlung von Psoriasis in der Chinesischen Medizin liegt aber zu 80% bis 90% in der Heilkräutermedizin. Dazu Friedrich Dimmling: „Bei starker Schuppenbildung müssen Yang betonte Rezepturen zugeführt werden. Behandele ich die Hauterscheinungen allgemein, versuche ich die Blockierung von Lunge und Dickdarm durch Yin-betonte Substanzen zu beeinflussen.“ Die verschiedenen Heilkräuter werden nie einzeln, sondern immer als Mischungen von ca. 8-12 Kompositionen verabreicht.

    Heilpflanzen für die Haut

    Wichtige Heilpflanzen sind u.a. Lei Gong Teng (Tripterygium Wilfordii), Ba Xia (Smilax China), Huai Hua (Sophora japoni-ca). Die Haut selbst kann allgemein durch Ernährungsvorschläge im Sinne der Lehre von Yin und Yang verbessert werden.

    Dimmling warnt dringend davor, sich ohne Therapeut mit chinesischen Kräutern selbst zu behandeln: „Zum einen muss die Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin stimmen. Zum anderen ist die Herstellung von chinesischen Kräutermischungen eine Vertrauenssache. Statt Fertigpräparaten aus dem Internet sollte man sich die Rezepturen besser bei spezialisierten Apotheken in Deutschland herstellen lassen.“

    Aus den USA sind vereinzelte Fälle bekannt geworden, bei denen Patienten durch kriminelle Mixturen an chinesischen Kräutern erkrankt oder sogar gestorben sind. Ebenso wurde bei Hautkranken undeklariert Kortison in die Kräutermischung getan.

    Der Berliner Heilpraktiker dämpft zu hohe Erwartungen: „Wer nach dieser Methode behandelt, muss ehrlicherweise zugeben, dass die Psoriasis ein eher schwer zu behandelndes Krankheitsbild ist. Manchmal können auch wir gar nicht helfen.“

    Kritik an TCM

    Die traditionelle chinesische Medizin hat eine sehr lange Tradition. Über die Jahrhunderte wurde davon berichtet, wie Menschen dadurch geheilt wurden. Trotzdem entsprechen diese Berichte nicht den heutigen Anforderungen an medizinische Studien. Es gab nie Vergleiche mit Placebos und man erfährt nicht, bei wie viel Patienten die Methode nicht geholfen hat. In China selbst war diese Methode nie die einzige Heilkunst. Sie wurde überwiegend von der Oberschicht praktiziert. Außerdem haben sich auf einigen Gebieten im Laufe der Geschichte viele Varianten und Schulen herausgebildet, die sich teilweise widersprechen oder sogar bekämpfen.

    Rezepturen nach der TCM sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen.

    Schulmediziner kritisieren vor allem die TCM-Diagnose von Krankheiten: Es würden keine genauen, sondern nur sehr vage Diagnosen gestellt werden. Die Definition von Krankheit widerspreche teilweise naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Es sei zu befürchten, dass bestimmte Krankheiten, z.B. Organveränderungen, Krebs oder Aids, nicht rechtzeitig erkannt bzw. nicht fachgerecht behandelt werden. Bei rein psychischen Störungen wie Depressionen oder Angst würden nur die Körpersymptome behandelt werden. Krankmachende Probleme würden überhaupt nicht angesprochen werden.

    TCM wird von ausgebildeten Medizinern, aber auch von Heilpraktikern praktiziert. Die Ausbildung ist nicht einheitlich, die Abschlüsse nicht staatlich kontrolliert. Es ist stets ein Risiko, zu einem Heilpraktiker zu gehen.

    Die traditionelle chinesische Medizin sei durchaus in der Lage, positiv auf funktionelle Störungen oder chronische Krankheiten einzuwirken. Sie kann Beschwerden lindern. Aber sie sollte stets nur neben einer schulmedizinischen Therapie genutzt werden, nie als alleinige Akutbehandlung.

    Kosten einer TCM-Behandlung

    Für eine Behandlungsserie sollte man 500 Euro einplanen. Die Hälfte genügt, um festzustellen, ob die Therapie überhaupt anschlägt. Die einzige private oder gesetzliche Krankenkasse, die einige TCM-Behandlungen bezahlt (z.B. Akupunktur) ist u.W. die SECURVITA (www.securvita.de, Tel. 0800/600 3333)

    Adressen

    • Centrum für Traditionelle Chinesische Medizin in Potsdam, Eisenhardtstr. 4, 14469 Potsdam

      Tel. 0331/2 70 60 00, Fax 0331/2 70 70 40, E-Mail: info@ctcm.de

    • Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
    • Michael von Gorkum, Wisbacher Str. 1, 84435 Bad Reichenhall

      Tel. 086 51/69 09 019, Fax 086 51/71 06 94

    • TCM-Therapeuten in Deutschland
    • TCM-Therapeuten in Berlin: Patienteninformation für Naturheilkunde e.V.

      Tel 030/45475207

    • Deutsches Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin, Klinik Raupennest, Rehefelder Str. 18, 01773 Altenberg

      Tel. 03 50 56/30 0, Fax 03 50 56/30 88 88

    • Klinik Dr. Otto Buchinger, Forstweg 39, 31812 Bad Pyrmont

      Tel. 05281/16 60, Fax 05281/16 64 50

    • Praxis für Chinesische Medizin Dr. rer. nat. Friedrich Dimmling

      Bergmannstraße 68, D-10961 Berlin, Tel.: 030/69 40 13 28, Fax: 030/69 40 13 29; E-Mail | Internet

    Tipps zum Weiterlesen

    Literatur

    Allgemein

    • Hempen, Carl Hermann, „Die Medizin der Chinesen - Erfahrungen mit fernöstlicher Heilkunst“
    • Flaws, B. und Wolfe, H. Lee, „Das Handbuch der chinesischen Ernährungslehre. Die moderne Umsetzung ihrer Grundlagen, Methoden und Rezepte
    • Temelie, Barbara, „Ernährung nach den fünf Elementen - Wie Sie mit Freude und Genuss Ihre Gesundheit, Liebes- und Lebenskraft stärken.
    • Stiftung Warentest, „Die andere Medizin - Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden“ (1991)

    Zu Akupunktur und Psoriasis

    • Deadman, Peter, Al-Khafaji, Mazin, Baker, Kevin: „A Manual of Acupuncture“
    • Journal of Chinese Medicine Publications, East Sussex, England
    • Lu Yongtian (1983), „Effect of Fructus Psoraleae injection in 800 cases of psoriasis“, Journal of TCM
    • Al-Khafaji, Mazin (1988), „Acupuncture prescriptions for tranquillising the heartand calming the spirit“
    • Journal of Chinese Medicine, 4 Seiten

    Bildquellen

    Katherine Hanlon / Unsplash

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    Recommended Comments

    Yin/ Yang

    Yin - entspricht weiblichYang - steht für männlichDa ist im Text anscheinend was schief gegangen!!??Freundliche Grüße Karin

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    Ying und Yang verwechselt!!!!!!!!!!!

    Yin steht für das Weibliche, Bewahrende, Kühlende, Struktive! Yang steht für das Männliche, extrovertierte, Bewegung, Wärme!

    Freundliche Grüsse

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    Heilpraktikerin und TCM-Therapeutin

    Sie schreiben..."TCM wird von ausgebildeten Medizinern, aber auch von Heilpraktikern praktiziert. Die Ausbildung ist nicht einheitlich, die Abschlüsse nicht staatlich kontrolliert. Es ist stets ein Risiko, zu einem Heilpraktiker zu gehen."

    Ich finde diese Aussage schlicht unverschämt.Sie sollten Ihre Aussage erweitern, denn auch ein Arztbesuch birgt hin und wieder auch große Risiken."Nur" weil jemand Medizin studiert hat ist er nicht automatisch ein guter TCM Therapeut.Es gibt viele Heilpraktiker die über eine sehr gute Ausbildung in TCM verfügen und die TCM verantwortungsvoll und aus Überzeugung anwenden.Bei einigen Ärzten hingegen dient die Akupunktut nur als Zubrot in der Praxis und wird daher auch entsprechend erfolglos angewendet.Mit freundlichen Grüßen

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    Ich habe mich heute ganz doll gefreut, dass das Psoriasis-Netz zunehmend die naturheilpraktischen Methoden der Gesundheitspflege in den Blickpunkt rückt. Schließlich ist gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen, man frau muß es nur suchen und finden.

    Vielen lieben Gruß

    Wolfgang H., Berlin

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    stimmt, das ist mir auch gerade aufgefallen..... und wenn ich auf das Datum dieses Kommentars schaue und sehe, dass es immer noch nicht geändert wurde, habe ich kein Vertrauen und auch keine Lust mehr weiter zu lesen

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    Puh, das ist uns offensichtlich wirklich über all die Zeit durchgerutscht. Ist korrigiert, Danke!

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