Für Menschen mit Schuppenflechte ist die tägliche Hautpflege weit mehr als nur Kosmetik – sie ist ein zentraler Baustein der Therapie. Eine gute Basispflege hilft, die Haut geschmeidig zu halten, den Juckreiz zu lindern und die schubfreien Phasen zu verlängern.
Doch der Gang durch die Drogerie oder Apotheke kann schnell überfordern. Die Regale sind voll mit Produkten, die mit Versprechen wie "dermatologisch getestet", "pH-hautneutral" oder "frei von..." werben.
Doch was bedeuten diese Hinweise konkret für Ihre Psoriasis-Haut? Nicht jedes gut gemeinte Werbeversprechen ist auch ein Garant für gute Verträglichkeit. Wir helfen, den Marketing-Dschungel zu durchdringen und die Produkte zu finden, die der Haut wirklich guttun.
"Dermatologisch getestet" – Ein Basis-Check, nicht mehr
Diese weit verbreitete Aussage bedeutet lediglich, dass das Produkt unter der Aufsicht eines Hautarztes an freiwilligen Testpersonen auf die Haut aufgetragen wurde, um die primäre Verträglichkeit zu prüfen.
Was es nicht bedeutet: Es ist kein Beweis für eine besondere Wirksamkeit. Der Test sagt nichts darüber aus, wie das Ergebnis war, ob die Testpersonen eine Vorerkrankung wie Psoriasis hatten oder ob das Produkt von Dermatologen empfohlen wird.
Für Psoriasis-Betroffene: Betrachte es als absoluten Mindeststandard. Ein Fehlen dieses Hinweises wäre ein Warnsignal, sein Vorhandensein allein ist aber noch kein Kaufgrund.
"pH-hautneutral" – Ein entscheidender Faktor für die Hautbarriere
Unsere Haut hat von Natur aus einen leicht sauren pH-Wert von etwa 5,5. Dieser "Säureschutzmantel" ist ein wichtiger Teil der Hautbarriere, die uns vor dem Austrocknen und dem Eindringen von Krankheitserregern schützt. Bei Psoriasis ist diese Barrierefunktion oft gestört.
Was es bedeutet: Das Produkt hat einen an den natürlichen pH-Wert der Haut angepassten, leicht sauren pH-Wert. Es greift den Säureschutzmantel nicht an.
Für Psoriasis-Betroffene: Dies ist einer der wichtigsten Hinweise! Achte bei allen Pflege- und insbesondere bei Reinigungsprodukten (Waschlotionen, Duschgele) auf die Angabe "pH-hautneutral" oder "pH 5,5". Seifen, die meist basisch sind (hoher pH-Wert), solltest du meiden, da sie die empfindliche Hautbarriere zusätzlich schwächen.
Der "Frei-von..."-Check: Was der Haut wirklich fehlt
Diese Werbeaussagen sind besonders für empfindliche Haut relevant. Hier lohnt sich ein genauer Blick.
"Frei von Duftstoffen"
Was es bedeutet: Dem Produkt wurden keine Parfümöle oder Duftstoffe zugesetzt.
Für Psoriasis-Betroffene: Eine absolute Empfehlung. Duftstoffe, egal ob synthetisch oder natürlich (z.B. ätherische Öle), gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien und können die bereits gereizte Haut zusätzlich irritieren oder Schübe provozieren.
"Frei von Parabenen"
Was es bedeutet: Das Produkt enthält keine Parabene als Konservierungsmittel. Parabene stehen in der Diskussion, potenziell hormonell wirksam zu sein.
Für Menschen mit Psoriasis: Die in der EU zugelassenen Parabene werden von offiziellen Stellen wie dem wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) in den erlaubten Konzentrationen als sicher eingestuft. Aus Vorsicht und zur Minimierung jeglicher Risiken kann es für die sehr empfindliche Psoriasis-Haut jedoch sinnvoll sein, auf parabenfreie Alternativen auszuweichen.
"Frei von Alkohol"
Was es bedeutet: Hier ist Vorsicht geboten! Gemeint ist meist kurzkettiger, austrocknender Alkohol (Alcohol denat., Ethanol, Isopropyl Alcohol), der weit oben auf der Zutatenliste stehen kann.
Für Menschen mit Psoriasis: Vermeide Produkte mit den genannten austrocknenden Alkoholen. Nicht verwechseln mit "guten" Fettalkoholen (zum Beispiel Cetyl Alcohol, Cetearyl Alcohol). Diese haben pflegende Eigenschaften, machen die Haut geschmeidig und sind für Psoriasis-Haut unbedenklich und sogar nützlich.
"Frei von Silikonen/Mineralölen"
Was es bedeutet: Es wird auf Inhaltsstoffe wie Dimethicone (Silikon) oder Paraffinum Liquidum (Mineralöl) verzichtet.
Für Menschen mit Psoriasis: Hier gibt es kein klares Richtig oder Falsch. Diese Stoffe bilden einen schützenden Film auf der Haut, der den Feuchtigkeitsverlust verringern kann. Dies kann bei extrem trockener Haut hilfreich sein. Andererseits liefern sie keine aktiven Pflegestoffe und können sich für manche "maskenartig" anfühlen. Die Wahl ist hier oft eine Frage des individuellen Hautgefühls.
"Ohne Tierversuche" – Eine Selbstverständlichkeit in der EU
Was es bedeutet: In der EU ist dieser Hinweis eine reine Marketingaussage ohne besonderen Wert, denn: Tierversuche für Kosmetikprodukte sind in der gesamten EU seit 2013 vollständig verboten. Dies gilt sowohl für die fertigen Produkte als auch für deren Inhaltsstoffe.
Für Menschen mit Psoriasis: Du kannst dich darauf verlassen, dass in der EU gekaufte Kosmetik nicht an Tieren getestet wurde. Siegel wie der "Leaping Bunny" können eine Orientierung für global agierende Marken sein, deren Produkte auch außerhalb der EU verkauft werden.
Der wichtigste Ratgeber: Die INCI-Liste auf der Rückseite
Das kleingedruckte Verzeichnis der Inhaltsstoffe (INCI) ist das wichtigste Werkzeug. Die Zutaten sind nach ihrer Konzentration in absteigender Reihenfolge aufgelistet.
Halte Ausschau nach diesen Helfern für die Psoriasis-Haut:
- Urea (Harnstoff): bindet exzellent Feuchtigkeit und hilft, die Hautschuppen zu lösen. Konzentrationen von 5-10 % sind ideal.
- Glycerin: ein bewährter und sehr gut verträglicher Feuchtigkeitsspender.
- Ceramide: sind natürliche Bausteine der Hautbarriere. In Cremes helfen sie, die gestörte Barriere zu reparieren und zu stärken.
- Panthenol (Provitamin B5): wirkt beruhigend, entzündungshemmend und fördert die Wundheilung.
- Niacinamid (Vitamin B3): stärkt ebenfalls die Hautbarriere und kann Rötungen reduzieren.
Sei vorsichtig bei diesen Inhaltsstoffen:
- Parfum / Fragrance: Solltest du immer meiden.
- Alcohol denat. / Ethanol: Steht es weit oben in der Liste, deutet das auf eine austrocknende Wirkung hin.
- Sodium Laureth/Lauryl Sulfate (SLS/SLES): Aggressive Tenside in Reinigungsprodukten, die die Hautbarriere stark angreifen können. Wähle lieber Produkte mit sanften Zuckertensiden (z.B. Coco-Glucoside).
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