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Seltene Hautkrankheit GPP erhält besonderen Status – Medikament rückt näher

Die europäische Behörde EMA hat die Psoriasis-Form GPP erstmals offiziell als seltene Erkrankung anerkannt und dem Wirkstoff Imsidolimab den Orphan-Drug-Status verliehen. Das Medikament blockiert einen wichtigen Entzündungssignalweg. Es könnte eine gezielte Therapieoption für Betroffene in Europa werden.

Neben der klassischen Plaque-Psoriasis gibt es eine viel seltenere und deutlich gefährlichere Form: die generalisierte pustulöse Psoriasis, kurz GPP. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat kürzlich eine für Betroffene interessante Entscheidung getroffen: Ihr Ausschuss für seltene Erkrankungen hat empfohlen, dem Wirkstoff Imsidolimab den Orphan-Drug-Status zu verleihen. Dieser Status wird nur für Medikamente vergeben, die schwere oder lebensbedrohliche seltene Krankheiten behandeln. Als selten gilt eine Erkrankung, wenn weniger als 5 von 10.000 Menschen in der EU davon betroffen sind.

Für Menschen mit GPP ist das eine große Sache: Es ist das erste Mal, dass die EMA diesen Status für ein Medikament gegen GPP vergibt. Damit wird GPP nun offiziell als eigene seltene Erkrankung in Europa anerkannt. Das war bisher nicht selbstverständlich, denn GPP wurde oft nur als schwere Variante der normalen Psoriasis betrachtet.

Was ist GPP?

GPP unterscheidet sich deutlich von der Plaque-Psoriasis, die viele kennen. Bei GPP entstehen plötzlich große Mengen an sterilen Pusteln auf der Haut, teilweise am ganzen Körper. Gleichzeitig läuft im Körper eine starke, systemische Entzündung ab. Diese Entzündung kann zu Fieber, Erschöpfung und in schweren Fällen sogar zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Der Grund für diese heftige Entzündung liegt in einem bestimmten Signalweg im Körper. Er heißt Interleukin-36-Signalweg, kurz IL-36. Bei Menschen mit GPP fehlt oft ein natürlicher Bremsmechanismus für dieses Signal: Normalerweise verhindert der Interleukin-36-Rezeptorantagonist (IL-36Ra), dass IL-36 ungehindert Entzündungen auslöst. Bei vielen GPP-Patienten liegt jedoch eine Mutation im Gen IL36RN vor. Dadurch kann dieser Antagonist seine Bremsfunktion nicht mehr richtig ausüben kann. Dadurch bleibt das Entzündungssignal unkontrolliert aktiv und es kommt zur massiven Ausschüttung von proinflammatorischen Botenstoffen wie IL-8, was die typische neutrophile Entzündung in der Haut auslöst.

Wie funktioniert das Medikament?

Imsidolimab ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper. Das Medikament setzt genau an diesem IL-36-Signalweg an, indem es den IL-36-Rezeptor blockiert. Dadurch wird die überschießende Aktivität des Rezeptors reduziert und die Entzündungsreaktion gedämpft.

Das Medikament ist noch nicht in der EU zugelassen. Der Orphan-Drug-Status bringt dem Hersteller aber wichtige Vorteile. Dazu gehören zum Beispiel Unterstützung bei der Studienplanung, geringere Gebühren und ein Marktschutz nach einer möglichen Zulassung. Das soll die Entwicklung von Medikamenten für seltene Krankheiten attraktiver machen.

Wie geht es weiter?

In den USA und Japan wurde Imsidolimab bereits ähnlich anerkannt. In den USA prüft die Zulassungsbehörde FDA aktuell den Zulassungsantrag. Eine Entscheidung wird bis zum 12. Dezember 2026 erwartet.

Für Europa steht eine tatsächliche Zulassung aus. Der Orphan-Drug-Status ist ein wichtiger Zwischenschritt, aber noch keine Marktzulassung.

Für Betroffene bedeutet diese Entwicklung also vor allem Hoffnung. GPP ist eine Erkrankung, für die es bisher nur wenige gezielte Therapien gibt. Eine offizielle Anerkennung als eigene Krankheit kann außerdem helfen, dass Ärzte und Forscher sie besser verstehen und ernster nehmen.

Da war doch schonmal was?

Spesolimab (Spevigo) war das erste zielgerichtete GPP-Medikament überhaupt und blockiert ebenfalls den IL-36-Rezeptor. Die EU-Zulassung kam Ende 2022, in Deutschland war es ab Februar 2023 erhältlich. Boehringer Ingelheim zog es aber im August 2023 wieder vom deutschen Markt zurück. Grund war die Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA): Ein Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie wurde nicht anerkannt, was einen niedrigen Erstattungspreis bedeutet hätte. Statt zu diesem Preis weiterzuverkaufen, nahm der Hersteller das Medikament ganz vom Markt.

Der entscheidende Unterschied zum Vorgang rund um Imsidolimab liegt im Stadium des Verfahrens. Bei Spesolimab ging es um die Nutzenbewertung und Preisverhandlung nach einer bereits erteilten Zulassung, also um die Frage, wie viel Geld die Krankenkassen bezahlen. Bei Imsidolimab geht es aktuell "nur" um den Orphan-Drug-Status – eine Vorstufe, die noch keine Marktzulassung ist und mit Preisfragen nichts zu tun hat.

Die eigentliche Zulassung und spätere Preisverhandlungen stehen bei Imsidolimab in der EU also noch aus, sodass ein ähnliches Szenario wie bei Spesolimab theoretisch erst danach entstehen könnte, aber bisher reine Spekulation wäre.

Fachbegriffe erklärt

  • Orphan-Drug-Status: Dieser Status wird von Behörden wie der EMA vergeben, wenn ein Medikament eine seltene Krankheit behandelt. Er soll Firmen dazu ermutigen, auch für kleine Patientengruppen Medikamente zu entwickeln. Ohne diesen Anreiz würde sich die Forschung oft nicht lohnen, weil zu wenige Menschen betroffen sind.

  • Monoklonaler Antikörper: Ein monoklonaler Antikörper ist ein künstlich hergestelltes Eiweiß. Es erkennt eine ganz bestimmte Struktur im Körper, zum Beispiel einen Entzündungsrezeptor. Dadurch kann das Medikament sehr gezielt wirken und andere Prozesse im Körper weitgehend unberührt lassen.

  • Interleukin-36 (IL-36): IL-36 ist ein Botenstoff des Immunsystems. Normalerweise sorgt er dafür, dass der Körper bei Bedarf eine Entzündungsreaktion startet. Bei Menschen mit GPP fehlt oft die natürliche Bremse für diesen Botenstoff, wodurch die Entzündung außer Kontrolle geraten kann.


Über die Autorin

Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

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Bildquellen:

Allec Gomes / Unsplash+

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