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Deutscher Psoriasis-Tag 2026 in Erlangen: Was die Forschung für den Alltag mit Schuppenflechte bringt

Wie lassen sich Kinder mit Schuppenflechte sicher behandeln? Was bringt eine Ernährungsumstellung wirklich – und wie helfen künftig smarte Pflaster oder Künstliche Intelligenz bei der Therapiewahl? Antworten auf diese Fragen gab es beim Deutschen Psoriasis-Tag 2026. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse aus den Vorträgen zusammengefasst.

Am 24. Oktober 2026 lud der Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB) gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) und dem Universitätsklinikum Erlangen ins Novotel Erlangen ein. Mehr als 120 Betroffene und Mediziner kamen zusammen, um sich über den aktuellen Stand der Psoriasis-Forschung und -Therapie auszutauschen. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte bereits die Gelegenheit, die Veranstaltung in unserem Liveticker auf Psoriasis-Netz.de zu verfolgen.

Ärzte und Patienten auf Augenhöhe

Dass der Deutsche Psoriasis-Tag ein besonderes Format ist, betonte Dr. Thomas Rosenbach direkt zum Auftakt: Während Ärztinnen und Ärzte normalerweise auf eigenen Fachkongressen tagen und Patientinnen und Patienten bei ihren Treffen unter sich bleiben, erleben beim Psoriasis-Tag beide Seiten einen gemeinsamen Tag. Schließlich, so Rosenbach, könnten die Mitglieder des Deutschen Psoriasis-Bundes mindestens genauso schlaue Fragen stellen wie die Mediziner. Zudem bot der Tag reichlich Gelegenheit, sich nicht nur in den Vorträgen, sondern auch an den Ständen der Industrieausstellung umfassend zu informieren.

Mehr als „nur“ eine Hautkrankheit

„Herbststürme, Regen, Kälte – spätestens jetzt hat uns der Herbst in den Fängen“, begrüßte Professorin Carola Berking, Direktorin der Hautklinik am Uniklinikum Erlangen, die Teilnehmenden. In der Klinik mache sich die Jahreszeit deutlich bemerkbar, da wieder vermehrt Psoriasis-Patientinnen und -Patienten mit akuten Schüben Hilfe suchten.

Gleichzeitig machte sie Mut: Die Medizin habe die Schuppenflechte inzwischen deutlich besser verstanden. Dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse lasse sich die Erkrankung heute viel gezielter behandeln – etwa indem spezifische Entzündungsbotenstoffe heruntergeregelt und entzündliche Signalwege gezielt abgeschaltet werden.

Dennoch bleibe eine zentrale Erkenntnis der vergangenen Jahre entscheidend für die Behandlung: Psoriasis ist keine reine Hautkrankheit. Es bestehen enge Zusammenhänge mit den Gelenken, dem Stoffwechsel und dem Gefäßsystem. Um dieses wichtige Wissen in die Breite zu tragen, leiste die Selbsthilfe einen unverzichtbaren Beitrag.

Das Ziel: Nahezu erscheinungsfreie Haut

Auch die großen dermatologischen Fachverbände unterstrichen in ihren Grußworten die rasanten Fortschritte in der Therapie:

  • Professor Mark Berneburg, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), ließ ausrichten: „Eine erfolgreiche Behandlung gelingt heute immer öfter.“

  • Ralph von Kiedrowski, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), wandte sich per Videobotschaft an das Publikum. Da die Psoriasis das Leben der Betroffenen auf ganz unterschiedliche Weise beeinflusse, seien der persönliche Austausch und das Aufnehmen aktueller Erkenntnisse enorm wichtig. Sein klares Fazit zum heutigen Anspruch an die Medizin: „Eine Heilung ist nicht in Sicht, aber eine Behandlung bis zur nahezu Erscheinungsfreiheit sollte das Ziel sein.“

Wenn schon Kinder Schuppenflechte haben: Was bei Diagnose und Therapie wichtig ist

Professor Michael Sticherling erläutert, welchen Einfluss die Psoriasis eines Kindes auch auf die Eltern hat

Im ersten Fachvortrag des Tages widmete sich Professor Michael Sticherling (Uniklinikum Erlangen) der leitliniengerechten Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Seine zentrale Botschaft gleich zu Beginn: „Psoriasis ist auch bei Kindern und Jugendlichen keine seltene Erkrankung.“

  • Rund ein Prozent der Unter-18-Jährigen ist bereits von Schuppenflechte betroffen.

  • Wie eng das mit dem Erwachsenenalter verknüpft ist, zeigt die Statistik: Bei fast einem Drittel (30 Prozent) aller Betroffenen beginnt die Erkrankung schon vor dem 20. Lebensjahr.

  • Während die Krankheit bei Kleinkindern noch sehr selten auftritt, steigt die Häufigkeit mit zunehmendem Alter bis zum 18. Lebensjahr kontinuierlich an.

Oft verwechselt: Warum die Diagnose bei Kindern schwierig ist

Im Vergleich zu Erwachsenen wird die Schuppenflechte bei Kindern häufiger übersehen oder erst verspätet diagnostiziert. Das liegt vor allem daran, dass die Hautveränderungen anders aussehen: Die Stellen (Läsionen) sind oft dünner und kleiner. Zudem zeigen sie sich bei Kindern deutlich häufiger im Gesicht, auf der Kopfhaut oder in den Beugefalten und Hautfalten (intertriginöse Bereiche).

Weil andere Hautausschläge im Kindesalter viel verbreiteter sind und die Psoriasis in den Beugefalten leicht täuschen kann, lautet die erste Fehldiagnose nicht selten: Neurodermitis. Zudem leidet etwa jeder fünfte Psoriasis-Patient (20 Prozent) unter dem sogenannten Köbner-Effekt – bei dem schon mechanische Reize oder kleine Kratzer neue Schuppenflechte-Herde auslösen können.

Wenn die ganze Familie mitleidet

Eine Schuppenflechte im Kindes- und Jugendalter beeinträchtigt nicht nur das Selbstwertgefühl, Freundschaften und den Schulalltag der jungen Betroffenen massiv. Sie hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Eltern, wie Professor Sticherling anhand von Studiendaten verdeutlichte:

  • Pflege und Alltag: Die zeitintensive Hautpflege des erkrankten Kindes lässt Eltern oft wenig Raum für die eigene berufliche Weiterentwicklung oder das Kümmern um Geschwisterkinder.

  • Angst und Sorge: Viele Eltern belastet der Gedanke, dass die Krankheit nicht heilbar ist, sowie die Sorge vor langfristigen negativen Auswirkungen der Therapien.

  • Stress, Traurigkeit und Erschöpfung: Das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber dem leidenden Kind und Unverständnis aus dem Umfeld führen häufig zu Frustration, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen.

  • Finanzen: Auch Behandlungskosten und Auslagen für zahlreiche Arztbesuche machen sich im Familienbudget bemerkbar.

Begleiterkrankungen treten oft schon in jungen Jahren auf

Schuppenflechte zeigt sich zwar auf der Haut, ist aber eine Entzündungskrankheit, die den gesamten Organismus fordern kann. Dass Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) nicht erst im hohen Alter entstehen, sondern oft schon im Kindes- und Jugendalter gehäuft auftreten, belegte Professor Sticherling mit eindrücklichen Vergleichszahlen. Sie zeigen, um welchen Faktor das Risiko im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Psoriasis erhöht ist.

Begleiterkrankung

Risiko-Faktor bei Kindern

Risiko-Faktor bei Erwachsenen

Gelenkentzündungen (Rheumatoide Arthritis / Juvenile idiopathische Arthritis)

5,21-fach

3,84-fach

Morbus Crohn (Chronisch-entzündliche Darmerkrankung)

3,69-fach

2,06-fach

Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie)

2,15-fach

1,75-fach

Diabetes mellitus

2,01-fach

2,02-fach

Bluthochdruck (Arterieller Bluthochdruck)

1,89-fach

1,73-fach

Starkes Übergewicht (Adipositas)

1,70-fach

1,72-fach

Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämische Herzerkrankung)

1,52-fach

1,87-fach

Gerade bei Gelenkentzündungen (mehr als fünfmal so häufig) und Morbus Crohn (fast viermal so häufig) sowie bei erhöhten Blutfettwerten fallen die Risiken im Kindesalter relativ gesehen sogar noch stärker ins Gewicht als bei Erwachsenen. Bei einer schweren Psoriasis, so der Hinweis auf der Folie, ist die Lebenserwartung statistisch um drei bis vier Jahre verkürzt – ein Grund mehr, frühzeitig und konsequent zu behandeln.

Das Dilemma bei der Therapie von Kindern

Etwa 10 bis 20 Prozent der jungen Patientinnen und Patienten haben eine mittelschwere bis schwere Psoriasis und benötigen möglicherweise eine innerliche (systemische) Therapie. Doch genau hier liegt die Herausforderung in der Praxis: „Es gibt kaum Studien, kaum Zulassungen von Medikamenten“, erklärte Professor Sticherling. Zudem haben Kinder noch ihr ganzes Leben vor sich, in dem sie Langzeitwirkungen und mögliche Langzeit-Nebenwirkungen entwickeln können, die heute – selbst bei modernen Medikamenten – mangels jahrzehntelanger Erfahrung noch gar nicht vollständig bekannt sind.

Deshalb beginnt die Behandlung bei Kindern und Jugendlichen meist mit einer äußerlichen (lokalen) Therapie durch Cremes und Salben. Diese hat im Alltag klare Vor- und Nachteile:

  • Vorteile: Sie ist problemlos ambulant durchführbar, hat kaum innerliche (systemische) Nebenwirkungen, ist kostengünstiger als viele Systemtherapien und eignet sich gut bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung.

  • Nachteile: Es kann zu lokalen Nebenwirkungen wie Brennen, Kontaktsensibilisierungen oder kosmetischen Einschränkungen kommen. Zudem ist das Eincremen sehr zeitaufwendig und manchmal schlicht nicht ausreichend wirksam.

Der Tischstaubsauger ist das beliebteste Weihnachtsgeschenk für Psoriatiker.
Professor Michael Sticherling

Nachgefragt: Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

In der anschließenden Fragerunde wollte ein Teilnehmer wissen, welche Bedeutung das Haut- und Darm-Mikrobiom für die Psoriasis hat. „Es gibt jede Menge Literatur dazu, aber die ist allermeist noch experimentell“, ordnete Professor Sticherling den Forschungsstand nüchtern ein. Im klinischen Alltag spiele das derzeit noch keine große Rolle. Zwar sei eine gesunde Ernährung grundsätzlich wichtig, doch von gezielten Bakterienpräparaten dürfe man keine Wunder erwarten: Erst kürzlich habe es eine große Untersuchung mit Probiotika gegeben – „das ändert die Psoriasis nicht wirklich.“

Fazit: Das Wichtigste zur Psoriasis im Kindesalter

Häufigkeit: Rund 1 % der Unter-18-Jährigen hat Psoriasis; bei 30 % aller erwachsenen Betroffenen begann die Krankheit vor dem 20. Lebensjahr

Verwechslungsgefahr: Häufige Fehldiagnose anfangs ist Neurodermitis, da Kinder oft dünnere Läsionen in Gesicht, Falten oder auf der Kopfhaut haben

Erhöhte Risiken (Kinder): Gelenkentzündungen (5,21-fach), Morbus Crohn (3,69-fach) und Fettstoffwechselstörungen (2,15-fach) treten im Vergleich zu Gleichaltrigen stark erhöht auf.

Ernährung, Sport und Co.: Wie der Lebensstil die Psoriasis-Therapie unterstützt

Professorin Yurdagül Zopf erklärt neue Erkenntnisse zum Zusammenhang von Psoriasis, Psoriasis arthritis, Ernährung und Bewegung

Was können Betroffene selbst tun, um ihre Behandlung im Alltag zu unterstützen? Dieser Frage widmete sich Professorin Yurdagül Zopf, Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin am Uniklinikum Erlangen, in einem leidenschaftlichen Vortrag.

Gleich zu Beginn räumte sie mit einer falschen Erwartungshaltung auf, die Betroffenen oft begegnet: „Keine entzündliche Erkrankung kann nur mit Ernährung und Sport in den Griff bekommen werden.“ Ein gesunder Lebensstil könne die Behandlung wirksam unterstützen, ersetze aber niemals eine gezielte medizinische Therapie mit Cremes, Licht oder innerlichen Medikamenten.

Vielmehr gehe es um das Zusammenspiel aus drei Säulen:

  1. Medizin: Topische Therapien, Phototherapie und Systemtherapien behandeln gezielt die Entzündung.

  2. Lebensstil: Eine angepasste Ernährung, regelmäßige Bewegung, guter Schlaf und ein Rauchstopp fördern die allgemeine Gesundheit und Lebensqualität.

  3. Gemeinsame Ziele: Ärztinnen, Ärzte und Betroffene sollten Therapieziele gemeinsam festlegen – und Fortschritte nicht allein am Hautbild messen, sondern auch an der Fitness, dem Stoffwechsel und der Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Abnehmen wirkt: Warum jedes verlorene Kilo zählt

Wie stark das Körpergewicht die Schuppenflechte beeinflusst, belegte Professor Zopf anhand aktueller Auswertungen. Wer mit Übergewicht und Psoriasis lebt, kann durch eine gezielte Gewichtsabnahme nicht nur sein Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen senken, sondern auch die Aktivität der Schuppenflechte spürbar reduzieren[cite: 1, 9].

Eine Übersichtsarbeit aus sechs Studien-Vergleichsgruppen verdeutlicht diesen Effekt in Zahlen:

  • 57 Prozent höhere Chance auf Therapieerfolg: Teilnehmende, die gezielt Gewicht reduzierten, hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, einen sogenannten PASI 75 (also eine Verbesserung des Hautbildes um mindestens 75 Prozent) zu erreichen als Gruppen ohne Gewichtsverlust (relatives Risiko: 1,57).

  • Keine Radikalkur nötig: Im Schnitt nahmen die Teilnehmenden in den untersuchten Studien 8,6 Kilogramm (rund 8,9 Prozent ihres Ausgangsgewichts) ab. Insgesamt bewegte sich die erfolgreiche Gewichtsreduktion meist im realistischen Bereich von 5 bis 12 Prozent des Körpergewichts.

Dabei gilt der Grundsatz: Je größer der Gewichtsverlust, desto deutlicher bessert sich auch der PASI-Wert. Eine Auswertung von 60 Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis über zwölf Monate zeigte, wie stark der Erfolg von der Höhe der Abnahme abhängt:

  • Bei weniger als 5 Prozent Gewichtsverlust erreichten nur 12 Prozent der Teilnehmenden einen PASI 75.

  • Bei 5 bis unter 10 Prozent Gewichtsverlust waren es bereits 33 Prozent.

  • Bei 10 bis unter 15 Prozent Gewichtsverlust stieg der Anteil auf 67 Prozent.

  • Wer 15 Prozent oder mehr seines Ausgangsgewichts verlor, erreichte sogar in 83 Prozent der Fälle einen PASI 75.

Allerdings bremste die Ernährungsmedizinerin zu hohe Erwartungen an reine Diäten: „Mit Ernährung und Sport schaffen Sie maximal 10 Prozent Gewichtsabnahme.“ Und auch von kurzfristigen Nulldiäten riet sie mit Blick auf eine Studie ab, die den Effekt von Fasten und mediterraner Kost auf die Schuppenflechte verglichen hatte: „Das Fasten hat nichts gebracht.“

Keine entzündliche Erkrankung kann nur mit Ernährung und Sport in den Griff bekommen werden.“
Professorin Yurdagül Zopf

Biologikum plus „Abnehmspritze“: Neue Daten zur Kombinationstherapie

Wenn Lebensstilmaßnahmen allein bei starkem Übergewicht an ihre Grenzen stoßen, rücken zunehmend moderne Medikamente zur Gewichtsreduktion in den Fokus. Professorin Zopf stellte dazu die Ergebnisse der neuen Phase-3b-Studie TOGETHER-PsO (2026) mit 274 Teilnehmenden vor.

Untersucht wurden Menschen mit Psoriasis und Adipositas (bzw. Übergewicht ab einem BMI über 27), die über 36 Wochen hinweg neben einer Ernährungs- und Bewegungsberatung entweder das Psoriasis-Biologikum Ixekizumab (einen IL-17A-Blocker) allein erhielten oder eine Kombination aus Ixekizumab und der „Abnehmspritze“ Tirzepatid:

  • Vollständige Hautabheilung (PASI 100): Mit Ixekizumab allein erreichten 29,0 Prozent der Behandelten eine komplett erscheinungsfreie Haut – in der Kombinationsgruppe mit Tirzepatid waren es 40,6 Prozent.

  • Kombiniertes Ziel (PASI 100 plus mindestens 10 Prozent Gewichtsverlust): Dieses doppelte Erfolgsziel schafften unter Ixekizumab allein 5,8 Prozent, mit der zusätzlichen Gabe von Tirzepatid hingegen 27,1 Prozent.

Interessantes Detail am Rande: Laut den Studienautoren lässt sich dieser Zusatznutzen bei der Hautabheilung nicht allein durch die verlorenen Kilos erklären – was darauf hindeutet, dass auch direkte entzündungshemmende Effekte im Stoffwechsel eine Rolle spielen könnten.

Warum Bauchfett die Entzündung anheizt

Doch warum hängen Übergewicht und Schuppenflechte überhaupt so eng zusammen? Wie Professorin Zopf anhand eines Schaubilds erklärte, ist vor allem das tiefliegende Bauchfett (viszerales Fettgewebe) kein passiver Energiespeicher, sondern hochgradig stoffwechselaktiv.

Im Fettgewebe sitzen Immunzellen wie Makrophagen und T-Zellen, die gemeinsam mit den Fettzellen fortlaufend entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) ausschütten – darunter TNF-alpha, Interleukin-6 (IL-6), Interleukin-17 (IL-17) sowie Hormone wie Leptin und Adipokine. Das führt im Körper zu einer dauerhaften innerlichen (systemischen) Entzündung, aktiviert den für Psoriasis typischen Th17-Signalweg und fördert eine Insulinresistenz.

Wer durch Ernährung und Bewegung gegensteuert und Bauchfett abbaut, bremst diese Entzündungskaskade: Die Krankheitsaktivität auf der Haut (PASI) sinkt, Gelenkbeschwerden bei Psoriasis-Arthritis lassen nach und auch das Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Typ-2-Diabetes geht zurück.

Mediterrane Kost und die NOVA-Skala: Worauf es beim Essen ankommt

Statt strenger Verbote oder radikaler Diäten empfahl die Erlanger Ernährungsmedizinerin eine alltagstaugliche, pflanzenbetonte mediterrane Ernährung:

  • Häufiger: Mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst täglich Vollkornprodukte sowie mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte.

  • Regelmäßig: Eine Handvoll Nüsse (etwa 25 Gramm pro Tag), hochwertige pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl sowie ein- bis zweimal wöchentlich Fisch.

  • Seltener: Zuckerhaltige Getränke möglichst meiden, verarbeitetes und rotes Fleisch reduzieren und stark verarbeitete Fertigprodukte begrenzen.

Um im Supermarkt gesunde Lebensmittel von ungünstigen Industrieprodukten zu unterscheiden, riet Professorin Zopf zu einem Blick auf die sogenannte NOVA-Klassifikation. Anders als der bekannte Nutri-Score bewertet NOVA nicht allein einzelne Nährwerte, sondern teilt Lebensmittel in vier Gruppen danach ein, wie stark sie industriell verarbeitet sind:

  1. NOVA 1 (Minimal verarbeitet): Frisches Gemüse und Obst, Naturjoghurt, Haferflocken oder Hülsenfrüchte.

  2. NOVA 2 (Küchenzutaten): Oliven- und Rapsöl, Butter, Zucker oder Salz.

  3. NOVA 3 (Verarbeitet): Hülsenfrüchte im Glas/in Salzlake, Käse oder einfaches Brot.

  4. NOVA 4 (Hochverarbeitet): Viele Fertigmüslis und Cerealien, industrielle Brotaufstriche und Softdrinks. Diese Produkte der Gruppe 4 gilt es im Alltag möglichst zu meiden.

Was Nahrungsergänzungsmittel betrifft, zog die Expertin auf ihrer Übersichtsfolie eine vorsichtige Bilanz: Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und einzelne Probiotika zeigen in Untersuchungen zwar erste positive Signale, für eine allgemeine Einnahme-Empfehlung reicht die Datenlage derzeit aber noch nicht aus.

Fazit: Das Wichtigste zu Ernährung & Gewichtsabnahme

  • Der Erfolgseffekt: Eine Reduktion von durchschnittlich 8,6 kg (~9 % des Gewichts) erhöht bei einer Behandlung mit innerlichen Medikamenten die Chance auf eine fast erscheinungsfreie Haut (PASI 75) um 57 %.

  • Die Dosis macht's: Je höher der Gewichtsverlust (ab 15 % Gewichtsverlust erreichen 83 % der Patienten einen PASI 75), desto besser spricht die Haut an.

  • Die Grenze: Mit reiner Ernährung und Sport sind maximal 10 % Gewichtsverlust machbar – bei starkem Übergewicht rücken moderne Kombi-Therapien (Biologikum + Abnehmspritze) in den Fokus

Bewegung: Warum Ernährungsmedizin nicht ohne Sport geht

„Ernährungsmedizin geht nicht ohne Sportmedizin“, betonte Professorin Zopf. Gerade für Menschen mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis hält regelmäßige, gelenkschonende Bewegung die Gelenke beweglich, kräftigt die Muskulatur und verbessert neben dem Stoffwechsel auch die Schlafqualität und das psychische Wohlbefinden.

Gemäß den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden pro Woche 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität (oder alternativ 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität) empfohlen – ergänzt durch Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche. Frauen ab den Wechseljahren riet die Medizinerin sogar zu dreimal wöchentlichem Krafttraining.

Damit Betroffene besser einschätzen können, welche Alltagsbewegung wie viel bringt, stellte Professorin Zopf die Einteilung nach sogenannten MET-Einheiten (metabolisches Äquivalent; 1 MET entspricht dem Energieverbrauch in völliger Ruhe) vor:

Die WHO-Empfehlung von 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung entspricht etwa 450 bis 900 MET-Minuten pro Woche – wobei sich verschiedene Aktivitäten beliebig kombinieren lassen (30 Minuten zügiges Gehen bei 3,5 MET bringen zum Beispiel schon 105 MET-Minuten auf das Konto). Auch wenn spezifische Sport-Studien zur Psoriasis noch klein sind und Bewegung allein nicht immer sofort das Hautbild verändert, ist sie für die Gesamtgesundheit enorm wertvoll.

Art der Aktivität

Aktivität

Sehr leichte Aktivitäten

Sitzen und Lesen, langsames Gehen unter 3 km/h, leichte Hausarbeit oder Staubsaugen, Dehnen und leichtes Yoga

Moderate Aktivitäten

Zügiges Gehen mit 5–6 km/h, Wandern im leichten Gelände, Radfahren in der Ebene mit 15–20 km/h, ruhiges Schwimmen

Höhere Aktivitäten

Joggen mit 8–10 km/h, schnelles Radfahren mit 20–25 km/h, zügiges Schwimmen oder steileres Bergwandern

Alkohol und Rauchen bremsen den Therapieerfolg

Einen deutlichen Dämpfer verpassen Alkohol und Tabak der Behandlung:

  • Alkohol: Eine große Metaanalyse aus 48 Studien (mit 1,7 Millionen Personen) zeigt für Menschen, die Alkohol trinken, ein fast anderthalbfach erhöhtes Psoriasis-Risiko (Odds Ratio 1,47) gegenüber Nichttrinkern. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei höherem Konsum ab 45 Gramm Alkohol pro Tag. das entspricht im Schnitt etwa 450 ml Wein (4–5 kleinen Gläsern), 1,1 Litern Bier, 500 ml Sekt oder 110 ml Spirituosen (4–5 Schnäpsen). Zudem geht ein höherer Alkoholkonsum mit einer stärkeren Krankheitsaktivität und einem schlechteren Ansprechen auf innerliche Therapien einher.

  • Rauchen: Noch deutlicher sind die Zahlen beim Zigarettenrauchen (Metaanalyse aus 15 Studien): Aktuelle Raucherinnen und Raucher haben ein fast doppelt so hohes Risiko für Psoriasis (OR 1,89), bei ehemaligen Rauchern liegt der Wert bei 1,45. Rauchen begünstigt nicht nur schwerere Verläufe, sondern kann auch die Wirkung von Systemtherapien einschließlich moderner Biologika abschwächen.

Auch wenn ein Rauchstopp oder der Verzicht auf Alkohol auf der Haut nicht immer sofort einen messbaren PASI-Gewinn garantiert, sind beide Schritte entscheidend, um die Medikamente bestmöglich wirken zu lassen und Herz und Gefäße zu schützen.

Drei kurze Fragen aus dem Publikum an Professorin Zopf

Zum Abschluss ihres Vortrags beantwortete die Ernährungsmedizinerin noch drei ganz praktische Alltagsfragen aus dem Saal:

  • Warum sollte man Nüsse ungeröstet essen? Beim industriellen Rösten wird den Nüssen oft zu viel ungesundes Fett zugefügt, während die wertvollen, gesunden Fettsäuren der Nuss unter der Hitze zu flüchtig sind und verloren gehen.

  • Ist eine vegane Ernährung bei Psoriasis ratsam? Wenn ein Mensch vollkommen gesund ist, sei gegen vegane Kost nichts einzuwenden. Aber: Wer eine chronische Entzündung im Körper hat, leidet immer auch unter einem gewissen Muskelabbau – und um dem entgegenzuwirken, fehlen bei rein veganer Kost oft wichtige Proteine tierischen Ursprungs.

  • Gemüse lieber roh oder gekocht essen? Die knappe Antwort der Expertin: „Fifty-fifty“ – also halb Rohkost, halb gegart.

Mehr über Professorin Yurdagül Zopf gibt es auf ihrer Profilseite am Uniklinikum Erlangen sowie auf ihrem Instagram-Kanal.

Tipp: Nutze unser Forum

Wer sich über eigene Erfahrungen mit Ernährung und Gewichtsabnahme bei Schuppenflechte austauschen möchte, findet dazu viele Tipps in unserem Ernährungs-Forum.

Familienplanung mit Psoriasis: Vererbung, Schwangerschaft und Stillzeit

Für viele junge Menschen mit Schuppenflechte ist die Familienplanung mit großen Fragen und oft auch Ängsten verbunden: Vererbe ich die Krankheit an mein Kind? Und welche Medikamente darf ich während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit überhaupt nehmen? Antworten darauf gab Professorin Wiebke Sondermann.

Frauen und Männer erleben Psoriasis unterschiedlich

Psoriasis beeinflusst weit mehr als nur die Haut – sie wirkt sich tiefgreifend auf Lebensqualität, Partnerschaft, Sexualität und den Kinderwunsch aus. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die in der medizinischen Forschung lange Zeit zu wenig beachtet wurden („Gender Data Gap“) und auch heute in klinischen Studien noch oft unterrepräsentiert sind.

Wer ist häufiger betroffen – Frauen oder Männer? Ein Blick auf die Statistik in Deutschland zeigt: Es kommt auf das Lebensalter an. Während bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 29 Jahre die Frauen leicht in der Überzahl sind, kehrt sich das Verhältnis ab dem 40. Lebensjahr um – ab diesem Alter erkranken prozentual mehr Männer als Frauen an Schuppenflechte.

Eindeutig ist die Studienlage jedoch bei den seelischen Folgen: Frauen tragen eine deutlich höhere psychosoziale Krankheitslast als Männer. Sie berichten häufiger über Stigmatisierung im Alltag und entwickeln öfter depressive Symptome oder Depressionen. Zudem unterscheiden sich Frauen und Männer in ihren Erwartungen an die Therapie, im gemessenen Schweregrad und der Lebensqualität (PASI/DLQI), beim Stoffwechselrisiko sowie in der Häufigkeit, mit der sie eine innerliche Therapie erhalten.

Vererbung: Wie hoch ist das Risiko für das eigene Kind?

Grundsätzlich kann zwar die genetische Veranlagung zur Psoriasis weitergegeben werden, das bedeutet aber keineswegs, dass die Krankheit beim Kind auch tatsächlich ausbrechen muss.

In der Medizin unterscheidet man zwei Verlaufsformen:

Merkmal

Typ-1-Psoriasis (Frühtyp)

Typ-2-Psoriasis (Spättyp)

Erstauftreten

Vor dem 40. Lebensjahr (Gipfel: 15.–25. Lebensjahr)

Nach dem 40. Lebensjahr (Gipfel: 50. und 60. Lebensjahr)

Anteil an allen Betroffenen

ca. 75 %

ca. 25 %

Krankheitsverlauf

Meist eher schwerer, mit häufigen Rückfällen

Eher stabil, ohne große Rückfallneigung

Weitere Angehörige betroffen

Häufig

Oft nicht

Genetik

Starke Verknüpfung u. a. mit dem Genmarker HLA-Cw6

Keine ausgeprägte genetische Assoziation

Für das statistische Risiko der eigenen Kinder gelten folgende Richtwerte:

  • Ein Elternteil hat Psoriasis: Das Risiko für das Kind, im Laufe des Lebens ebenfalls an Schuppenflechte zu erkranken, liegt bei 15 bis 28 Prozent.

  • Beide Elternteile haben Psoriasis: Die Wahrscheinlichkeit steigt auf 40 bis 65 Prozent.

  • Zum Vergleich (Eineiige Zwillinge): Selbst bei identischem Erbgut erkranken nicht zwingend beide Geschwister – die Übereinstimmung (Konkordanz) liegt bei 35 bis 72 Prozent. Das zeigt, dass neben den Genen immer auch Umwelt- und Auslösefaktoren eine Rolle spielen [Schlussfolgerung].

Schwangerschaft: Warum Nichtstun ein Risiko sein kann

Aus Angst, dem ungeborenen Kind zu schaden, setzen manche Frauen ihre Medikamente bei einem positiven Schwangerschaftstest abrupt ab [Schlussfolgerung]. Doch Professorin Sondermann warnte ausdrücklich: „Das Vorenthalten von Systemtherapien kann das Schwangerschaftsoutcome negativ beeinflussen!“

Denn gerade Frauen mit einer mittelschweren bis schweren Psoriasis haben – vor allem durch die ungebremste chronische Entzündung im Körper und Begleiterkrankungen – ein erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft. Dazu zählen:

  • Fehlgeburten und Frühgeburten,

  • ein zu niedriges oder zu hohes Geburtsgewicht des Kindes,

  • Schwangerschaftsdiabetes und Schwangerschaftsbluthochdruck (Hypertonie),

  • Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) sowie

  • ein (notfallmäßiger) Kaiserschnitt.

Dass eine gut eingestellte Biologika-Therapie hier sogar schützen kann, belegen aktuelle Real-World-Daten einer großen Kohortenstudie aus dem Fachjournal JAAD (Bar et al., 2026). Verglichen wurden 1.226 Schwangerschaften von Psoriasis-Patientinnen unter Biologika (zu rund 84,5 Prozent TNF-alpha-Blocker sowie zu knapp 10 Prozent IL-12/23-Blocker) mit 1.238 Schwangerschaften ohne Biologika-Therapie:

  • Weniger Komplikationen insgesamt: Negative Ereignisse in der Schwangerschaft traten in der Biologika-Gruppe signifikant seltener auf (24,14 % gegenüber 29,97 % in der Kontrollgruppe).

  • Weniger Fehlgeburten: Die Rate lag unter Biologika bei 8,40 Prozent gegenüber 10,90 Prozent ohne Biologika.

  • Deutlich weniger Schwangerschaftsdiabetes: Nur 4,16 Prozent der mit Biologika behandelten Schwangeren entwickelten einen Schwangerschaftsdiabetes – in der Vergleichsgruppe ohne Biologika waren es 7,43 Prozent.

Welche Medikamente sind in Schwangerschaft und Stillzeit möglich?

Auf Basis der aktuellen Fachinformationen, Leitlinien, dem Portal Embryotox und einer Experten-Übersichtsarbeit im JDDG (Balakirski et al.) zeigte Professorin Sondermann eine detaillierte Ampel-Tabelle für innerliche Psoriasis-Medikamente:

  • Grünes Licht bei TNF-alpha-Blockern: Die Biologika Certolizumab-pegol (als erste Wahl/Präferenz), Etanercept, Adalimumab und Infliximab erfordern vor der Empfängnis keine Therapiepause und können bei klinischer Notwendigkeit in allen drei Schwangerschaftsdritteln sowie in der Stillzeit eingesetzt werden. (Wichtiger Hinweis für die Kinderarztpraxis: Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft Biologika erhalten haben, sollten in den ersten sechs Lebensmonaten keine Lebendimpfungen bekommen.)

  • Möglich bei strenger Indikation: Unter den klassischen Systemtherapien ist Ciclosporin während der Schwangerschaft als zweite Präferenz (hellgrün) eingestuft. Neuere Biologika wie IL-17- und IL-23-Blocker sind mangels breiter Zulassungsdaten meist gelb/orange markiert (je nach Wirkstoff 10 bis 21 Wochen Pause vor geplanter Empfängnis laut Fachinformation empfohlen, Anwendung nur nach genauer Nutzen-Risiko-Abwägung).

  • Absolut tabu (Rot): Klassische Wirkstoffe wie Acitretin (3 Jahre Pause vor Empfängnis!), Leflunomid (2 Jahre Pause bzw. Auswaschverfahren) und Methotrexat (1–3 Monate Pause) sowie neuere Tabletten (Small Molecules) wie Apremilast, Tofacitinib und Upadacitinib dürfen in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.

Das beruhigende Fazit der Expertin: Eine innerliche Therapie ist für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und Stillende nach heutigem Wissensstand mit hoher Sicherheit möglich – und in vielen Fällen auch medizinisch sinnvoll und erforderlich.

Fazit zur Familienplanung mit Psoriasis

  • Keine Therapiepause nötig: Wirkstoffe wie Certolizumab-pegol (erste Wahl), Adalimumab, Etanercept und Infliximab können bei klinischer Notwendigkeit durchgehend in Schwangerschaft und Stillzeit genutzt werden.

  • Real-World-Daten: Studien zeigen unter Biologika geringere Raten an Fehlgeburten (8,4 % vs. 10,9 %) und Schwangerschaftsdiabetes (4,2 % vs. 7,4 %) im Vergleich zu unbehandelten Patientinnen.

  • Wichtig für Babys: Nach mütterlicher Biologika-Therapie sollten in den ersten 6 Lebensmonaten keine Lebendimpfungen verabreicht werden.

Nachgefragt: Warum blüht die Haut nach der Geburt oft wieder auf?

In der Diskussion wollte eine Teilnehmerin wissen, warum sich die Schuppenflechte in der Schwangerschaft zwar oft bessert, nach der Geburt und Stillzeit aber häufig mit voller Wucht zurückkehrt.

Professorin Sondermann erklärte das mit der immunologischen Anpassung des Körpers: Während der Schwangerschaft fährt das mütterliche Immunsystem herunter, unter anderem weil es sich auf Frau und Kind aufteilen muss und das ungeborene Kind mit seinem zur Hälfte fremden Erbgut („Fremdmaterial“) nicht abstoßen darf. Ist diese Schutzphase nach Geburt und Stillzeit vorbei, kurbelt sich das Immunsystem wieder hoch – und mit ihm oft auch die Psoriasis. Den naheliegenden Umkehrschluss aus dem Publikum, ob man Schuppenflechte dann nicht einfach mit einer Hormontherapie behandeln könne, verneinten allerdings alle drei Fachleute auf dem Podium.

„PsoChoice“: Digitale Entscheidungshilfe für die passende innerliche Therapie

Nach der Mittagspause wurde Dr. Christina Pham virtuell zugeschaltet. Sie erhielt die diesjährige Forschungsförderung 2026 des Deutschen Psoriasis Bundes (DPB) für die Entwicklung von „PsoChoice“ – einem digitalen Tool, das Ärztinnen, Ärzte und Betroffene künftig dabei unterstützen soll, gemeinsam das individuell passendste innerliche Medikament (Systemtherapie) bei Psoriasis vulgaris auszuwählen.

Gleiche Diagnose, aber völlig unterschiedliche Bedürfnisse

Warum eine solche Entscheidungshilfe im Praxisalltag so wertvoll ist, machte Dr. Pham an einem anschaulichen Beispiel deutlich: Man stelle sich zwei Patientinnen mit Schuppenflechte vor. Beide sind 32 Jahre alt, beide leben seit mehr als fünf Jahren mit ihrer Psoriasis, haben einen hohen Leidensdruck und wurden bisher lediglich mit Cremes und Lichttherapie behandelt.

Auf den ersten Blick ähneln sich die Fälle – doch im Detail unterscheiden sie sich grundlegend: Während die eine Patientin im kommenden Jahr schwanger werden möchte, leidet die andere unter einer ausgeprägten Spritzen-Phobie.

Ob Schweregrad, Begleiterkrankungen, Vorbehandlungen, ein bestehender Kinderwunsch oder die persönliche Vorliebe für Tabletten statt Spritzen: Bei der Vielzahl moderner Psoriasis-Medikamente spielen heute enorm viele Faktoren eine Rolle, die im kurzen Arztgespräch alle gegeneinander abgewogen werden müssen.

Grüne und rote Einträge weisen den Weg

Genau hier setzt „PsoChoice“ an. Das digitale Tool führt aktuelle medizinische Leitlinien, wissenschaftliche Studienbelege (Evidenz) und praktische klinische Erfahrung zusammen. Um diesen Erfahrungsschatz in das System einzuspeisen, wurden im Rahmen der Entwicklung unter anderem erfahrenen Hautärztinnen und Hautärzten fiktive Patientenfälle vorgelegt und deren Einschätzungen ausgewertet. Wichtig dabei: Nicht alle Kriterien zählen gleich viel – die verschiedenen Faktoren werden je nach medizinischer Bedeutung unterschiedlich stark gewichtet.

In der Praxis soll der Ablauf später ganz einfach sein:

  1. Vorab-Fragebogen: Schon vor dem eigentlichen Arzttermin füllen Patientinnen und Patienten einen Fragebogen zu ihrer Situation und ihren Wünschen aus (perspektivisch bequem vorab im Internet).

  2. Ärztliche Ergänzung: Die behandelnde Ärztin oder der Arzt ergänzt diese Angaben im Gespräch um die medizinischen Befunde und das eigene Fachwissen.

  3. Ampel-Übersicht als Ergebnis: Am Ende erstellt „PsoChoice“ eine übersichtliche Tabelle mit grünen und roten Einträgen. Während die grün markierten Medikamente gut zum individuellen Profil passen, zeigen die roten Einträge auf einen Blick, welche Wirkstoffe im konkreten Fall auf keinen Fall gegeben werden sollten.

Noch befindet sich „PsoChoice“ in der Erprobung und steht zunächst nur Dermatologinnen und Dermatologen zur Verfügung. Aktuell wird das Entscheidungstool in einer klinischen Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wissenschaftlich untersucht (weitere Details dazu gibt es im Deutschen Register Klinischer Studien unter DRKS00041105).

Apps, KI und smarte Pflaster: Digitale Zukunft der Psoriasis-Behandlung

Einen Blick in die technologische Zukunft warf Professor Alexander Zink von der Technischen Universität München (TUM), der in der deutschen Dermatologie als einer der führenden Köpfe für Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Medizin gilt. Seinen Vortrag hatte er kurzerhand auf dem Heimflug am Flughafen von Singapur aufgezeichnet.

Über einen kleinen Ausflug in die Tierwelt – das „Icarus-Projekt“, bei dem Vogelzüge mithilfe winziger Sensoren weltweit beobachtet werden – schlug Professor Zink den Bogen zur Medizin: Ganz ähnlich könnten tragbare Sensoren (Wearables) schon bald dabei helfen, Entzündungsmarker im Körper und die Aktivität der Schuppenflechte im Alltag lückenlos zu überwachen.

Das Muttermal oder auch der Schweregrad der Psoriasis werden in Zukunft [...] mit einer Kamera in der heimischen Dusche vermessen.“
Professor Alexander Zink

„CRISPatch“: Ein smartes Pflaster misst die Entzündung ohne Blutabnahme

Professor Alexander Zink erläutert die Arbeit am Projekt CRISPatch

An der TU München wird bereits an verschiedenen digitalen Überwachungssystemen geforscht – etwa am Cutis Monitor zur Verlaufskontrolle bei Neurodermitis oder einem Zyklus Monitor zur Begleitung von Hormonbehandlungen.

Speziell für Menschen mit Schuppenflechte entwickeln Forscherinnen und Forscher der TU München gemeinsam mit der Technischen Universität Dänemark (DTU) ein intelligentes Pflaster namens „CRISPatch“, das von der Leo Foundation gefördert wird (zur Projektübersicht der Stiftung). Die Idee dahinter: Statt einer klassischen Blutabnahme beim Arzt soll das kleine Pflaster auf der Haut den Entzündungsstatus und den Therapieerfolg kontinuierlich und völlig schmerzfrei überwachen.

Wie die Technologie im Detail funktioniert, zeigte Professor Zink anhand einer Grafik:

  • Schmerzfreie Probe durch Mikronadeln: Auf der Unterseite des Pflasters befinden sich mikroskopisch kleine, poröse oder hohle Nadeln (Microneedles). Sie dringen nur minimal in die oberste Hautschicht ein und saugen dort winzige Mengen Gewebewasser (interstitielle Flüssigkeit) auf – ganz ohne Einstichschmerz oder Blut.

  • Erkennung über die Genschere CRISPR-Cas: Im Inneren des Pflasters sucht ein molekularer Sensor auf Basis des CRISPR-Cas-Systems gezielt nach bestimmten Gen-Schnipseln (spezifischer miRNA bzw. cfDNA), die typisch für die Psoriasis-Entzündung sind.

  • Umwandlung in ein Messsignal: Sobald der Sensor diese Psoriasis-Marker erkennt, spaltet er im Pflaster glukosemarkierte Reporter-Moleküle auf. Die dabei freigesetzte Glukose löst eine elektrochemische Reaktion aus, die ein elektronischer Sensor direkt in messbare Werte übersetzt – ablesbar am Pflaster oder über ein gekoppeltes Wearable. Perspektivisch, so skizzierte Professor Zink die Vision im Vortrag, könnten solche smarten Pflaster am Handgelenk nicht nur die Krankheitsaktivität messen, sondern je nach Ergebnis auch gleich passgenau ein Medikament abgeben.

Wer noch tiefer in solche digitalen Zukunftsideen eintauchen möchte: Am 27. und 28. November 2026 findet die nächste Ausgabe der Tagung „New Ideas for Medicine“ (NIM) mit Professor Alexander Zink statt, die Interessierte kostenlos im Livestream verfolgen können.

Abschluss-Fragerunde: Was bringen Nahrungsergänzungsmittel und Vitamin D?

In der abschließenden Fragerunde mit dem Podium kam noch einmal ein Thema zur Sprache, das viele Betroffene im Alltag beschäftigt: Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Schuppenflechte? Die Antworten der Mediziner fielen sehr deutlich aus:

  • Kritischer Blick auf Tabletten und Kapseln: PD Dr. Thomas Rosenbach riet von frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln ab. Aus solchen Tabletten würden die Substanzen vom Körper oft gar nicht richtig aufgenommen – „das funktioniert nicht“, betonte er und verwies darauf, dass hinter diesen Produkten vor allem eine große Industrie stecke.

  • Kein Effekt auf die Psoriasis durch Vitamin D: Professor Michael Sticherling stellte klar, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen einem Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen und der Schuppenflechte gebe. „Sie können Ihre Psoriasis nicht verbessern, indem Sie Vitamin D einnehmen“, sagte der Erlanger Dermatologe. Nur wenn tatsächlich ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel vorliege, müsse dieser natürlich gezielt ausgeglichen (substituiert) werden.

  • Warnung vor „Immunboostern“: Ausdrücklich warnte Professor Sticherling zudem vor Präparaten, die das Immunsystem anregen sollen (Immunstimulanzien): Zwar werde dadurch vielleicht die allgemeine Infektabwehr angekurbelt – „aber das Immunsystem ist bei Psoriasis ja schon hochgekurbelt, das wird dann noch mehr hochgekurbelt.“

Ausblick: Wohin geht die Reise 2027?

Für uns als Beobachter vor Ort war es besonders erfreulich zu sehen, dass in diesem Jahr spürbar mehr jüngere Betroffene im Publikum saßen als bei früheren Veranstaltungen.

Und für alle, die im kommenden Jahr live dabei sein möchten, steht das nächste Ziel bereits fest: Wie der Deutsche Psoriasis Bund am Ende eines Instagram-Reels zum Veranstaltungstag verriet, wird der Deutsche Psoriasis-Tag 2027 in Leipzig zu Gast sein.


Über die Autorin

Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

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