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  • Claudia Liebram
    Claudia Liebram

    Kangal-Fische knabbern an der Schuppenflechte

    Die Therapie in Deutschland ist ausgereizt? Das Tote Meer ist zu anstrengend oder im Moment politisch zu verrückt? Im türkischen Ort Kangal wartet ein Phänomen, von dem Menschen mit Schuppenflechte profitieren können: Fische knabbern an den schlimmen Stellen, und die werden dadurch gebessert. Unglaublich? Klingt so.

    Mehrere Menschen nahmen Fische aus Kangal mit nach Deutschland und setzten auf große Zuchterfolge. Die Hoffnung vieler Patienten lastete auf ihnen, bei dem einen oder anderen aber auch die Hoffnung auf das große Geld aus dem Verkauf der Fische.

    Ob der Versuch lohnt, ein paar Fische ins heimische Aquarium oder in die Regentonne zu setzen, sei dahingestellt. Eine langfristige Wirkung der "Heim-Therapie" wurde nie bewiesen. Magazin-Sendungen im Fernsehen berichteten mehrfach sowohl über die Fische in Kangal an Ort und Stelle als auch in Deutschland berichtet. Das beweist jedoch noch nichts...

    Eine süddeutsche Heilpraktikerin hatte die Gelegenheit als erste beim Schopfe gepackt: Sie bot in ihrer Praxis Bäder mit den Kangal-Fischen an. Mehrere Heilpraktiker taten es ihr nach. Durch die Presse ging auch das Hotel Reblingerhof. Dort wurden "Kur-Aufenthalte" mit den Fischlein angeboten.

    Was ein Wissenschaftler sagt

    Dr. Ulrich Amon, damals Ärztlicher Leiter der Hautklinik des Interdisziplinären Therapiezentrums PsoriSol empfahl die Methode "unter den Kriterien der Evidence based medicine" nicht. "Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Kangal-Fischen liegen nur in Form einer Studie (Stand: Juli 2001) vor", so Dr. Ulrich Amon. Seine weitere Kritik: "Vergleichsstudien mit wissenschaftlich gesicherten Therapieansätzen liegen nicht vor." Für deutsche Patienten spiele das Verfahren mit den Kangal-Fischen bis dahin – nach seinen Erkenntnissen – eine unbedeutende Rolle in der Psoriasistherapie.

    Noch weiter ging Dr. Matthias Augustin, damals an der Uniklinik in Freiburg. In der "Badischen Zeitung" sagt er: "Es gibt so viele Therapiemöglichkeiten, dass man die Fischbehandlung nicht machen muss." Für ihn müsse erst einmal bewiesen werden, dass jegliches Infektionsrisiko ausgeschlossen werden kann. "Er ist sich absolut sicher, dass die Fische beim Knabbern an erkrankten Hautstellen mit Blut in Kontakt kommen", zitiert ihn die Zeitung. "Die Fische müssten daher als Überträger von Krankheiten in Betracht gezogen werden." Besonders bei Viruserkrankungen könne es sehr lange dauern, bis eine Krankheit zum Ausbruch kommt. Da nütze eine mehrwöchige Quarantäne der Fische nichts. Ähnlich der Behandlungsmethode mit Blutegeln müsste man die Fische "theoretisch auch nach einmaliger Nutzung töten".

    Zweifel auch von anderer Seite

    Kritik und Zweifel kommen jedoch nicht nur von Wissenschaftlern und Ärzten. Selbst Leute, die eine Fische-Therapie anbieten wollen, sind skeptisch ob der "Mode". Andreas Wewer, Geschäftsführer des Hostal Cala-Llombards auf Mallorca, meint: "Jeder wird plötzlich zum Hobby-Aquarianer." Die Knabberfische seien sehr robust und hielten sehr viel aus, dennoch bedarf es eines gewissen Fachwissens bzgl. abwechslungsreicher Ernährung, Wasserbedarf und -zusammensetzung u.v.m., "damit die Fische nicht nur vegetieren, sondern leben." Wewer und seine Kollegen suchen nach Erfahrungen, wie viele Fische für eine erfolgreiche Behandlung nötig sind. "Bei den meisten Pso-Kranken werden 30 oder 50 Fische nicht ausreichen", ahnt er. Auch die Verweildauer von nur einer oder zwei Stunden am Tag erscheint ihm zu gering. Der Platz für die Fische darf nicht zu klein sein: "Jedem plötzlichen Hobbyaquarianer sollte bewusst sein, dass man die Aquariengröße nach der Anzahl der Fische bemisst." Zehn Liter Wasser rechnet man für Fische, die rund 10 bis 12 Zentimeter lang sind. Bei 150 Garra Rufa wäre das ein Becken mit 1500 Litern Wasser – ein Aquarium mit den Maßen 80cm x 80cm x 230 cm. "Ein Aquarium, das man nicht so schnell mal für 1,50 € kauft und in eine Ecke stellt", so Wewer.

    Kritik äußert Wewer auch an dem potenziellen Ort der Behandlung - an der Regentonne oder dem Weinfass. "Es ist kein Geheimnis, dass die Psoriasis sehr viel mit Psyche zu tun hat. Wenn sich jemand zu einer Therapie entscheidet, sollte er auch auf das Ambiente achten. Eine Regentonne o.ä. ist keine Kurstätte, in der ich Erholung finden würde. Zudem halten wir es für äußerst belustigend, wenn jemand 80 bis 120 DM für einen einzelnen gerade geschlüpften Fisch möchte und im gleichen Atemzug eine Regentonne aus dem Baumarkt für 40 Euro empfiehlt."

    Die Knabberfische eignen sich nach seiner Meinung ohnehin nur als Kombitherapie. "In unseren Augen sollte die Putzerfischtherapie, da Sie lediglich eine Symptombehandlung ist, nur in Kombination mit anderen Therapieformen durchgeführt werden."

    Dubiose Züchter, Fisch-Diebe und Bruder-Zwist

    Profi-Züchter berichten von Anrufern, die sich im Internet bereits als Garra-rufa-Züchter verkaufen, jedoch Anfänger-Fragen stellen. Da wird schon mal gefragt, woran man Männchen und Weibchen unterscheidet und wie man sie vermehrt.

    Richtig gefährlich wird's zuweilen von anderer Seite für neue Züchter: Ihnen und ihren Familien wird am Telefon gedroht, dass ihr Haus oder ihre Wohnung angezündet würde.

    Inzwischen soll laut Berichten aus der Türkei den Fisch-Diebstählen ein Riegel vorgeschoben werden: Wächter haben des nachts eine Auge darauf, dass die Tier auch bleiben, wo sie sind.

    Marco S. (Name von der Redaktion geändert) war vor drei Jahren in Kangal. Er berichtet wiederum wenig Gutes: "Diese Becken, wo sich die Fische aufhalten und wo wir unsere Genesung erhalten sollten, bestehen aus Marmor, und den Fischen wird niemals eine andere Nahrung zugeführt als die Schuppen an unseren Körpern. Den Fischen bleibt ja nicht anderes übrig, als an uns rumzuknabbern, da auch keine Gefahr von den Menschen ausgeht." Die Sonnenstrahlen seien dort sehr intensiv. Der sogenannte Heilungsort werde von Brüdern geführt, die untereinander mit rabiaten Methoden ihre Scharmützel austragen.

    Wie anstrengend der Aufenthalt dort war, berichtet auch Gerhard Förster in seinem "Kur-"Bericht.

    Erste Anfänge in größerem Maße

    Neben den Züchtern – oder vermutlich beeindruckt von ihnen – springen nach und nach einige kleine Kliniken oder Bäder im deutschsprachigen Raum auf den Zug auf. So berichtete das schweizerische Internet-Portal Bluewin über Bemühungen des Ortes Bad Ragaz. Im dortigen Dorfbad sollten Patienten ab 2003 ihre Schuppen an die Fische loswerden. Vorher musste jedoch noch der "Prachtbau" erneuert werden. Zuvor wurde dort noch eine Patientenstudie durchgeführt. Dafür zeichnete die örtliche Fachschule für NaturheilpraktikerInnen verantwortlich. Wie so oft ist aber das nötige "Kleingeld" noch ein Hemmnis: Das Kantonsparlament musste noch beschließen, ob es das Haus abtreten und Geld zur Sanierung "dazuschießen" will.

    Unter dem Dach der Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen war das Therapiezentrum Reeder um Hautkranke bemüht. Begleitet wurde die Therapie nach Aussagen von Chef Michael Reeder von einem Hautarzt. "Wir möchten uns von den Regentonnen-Anbietern abgrenzen und die Therapie auf höchstem medizinischen und hygienischen Niveau anbieten. Hierzu begleitet uns auch das Hygiene Institut Gelsenkirchen." Ansonsten beschäftigte sich das Therapiezentrum hauptsächlich mit Krankengymnastik und Rehabilitation. Es teilte sich die Räume mit einem Institut für medizinisch wissenschaftliche Begutachtungen. "Mit diesem Institut werden wir versuchen, die Therapien unter empirischen Gesichtspunkten zu begleiten", sagte Michael Reeder damals, "um letztlich den Weg zu den Kostenübernahmen bei Krankenkassen zu ebnen."

    Dazu ist es nie gekommen.

    In Breisach im Breisgau schuf Günter Hagen mit seiner HS-Projekt-Consulting AG ebenfalls eine Therapiemöglichkeit: Dort konnte man eine dreiwöchige Kur für 1.300 Euro buchen. Dort saß man zwei Stunden am Tag in einem speziell angefertigten Becken mit Wasser, das um die 30 °C warm war.

    Nach seiner Aussage nutzte während der drei Wochen niemand anderes das Becken, so dass Ansteckungen vermieden werden. Nach den drei Wochen wurden die Fische für sechs bis acht Wochen in Quarantäne gesteckt, damit sie keine Krankheiten in den Kiemen behalten und an den nächsten Patienten übertragen. Jeder Bade-Willige muss eine ärztliche Bescheinigung mitbringen, dass Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit gut vertragen werden.

    Meine Meinung

    Wer sich einen Aufenthalt in Kangal vorstellen und leisten kann, solle es unbedingt probieren – wohl wissend, dass es kein Luxus-Urlaub wird. Als Experten in dieser Sache können da sicherlich die Organisatoren bei Fener-Reisen gelten, die die Kangal-Aufenthalte seit Jahren im Angebot haben, obwohl noch immer sehr wenige Deutsche dorthin pilgern.

    Wem es auf Geld und Zeit nicht ankommt, der kann den Besuch bei einem Heilpraktiker oder in einer der Einrichtungen dieser Art in Erwägung ziehen. Dort kostet nicht nur der Preis aber viel Überwindung. Man muss auch 14 Tage lang oder länger jeden Tag für zwei Stunden in die Wanne. Aber: Die Hausärzte der beiden bei Stern-TV gezeigten Patienten waren die ersten unabhängigen Befürworter der Fische-Heimbehandlung.

    Mir selbst ist nicht klar, ob meine Haut nicht auch so weich und die Stellen "weniger erhaben" wären, wenn ich täglich zwei Stunden lang im Wasser säße. Die Psoriasis-Patientin aus dem Stern-TV-Beitrag hatte noch große, rote, sehr gut sichtbare Stellen. Das ist ein weiterer Punkt, der mich nicht recht überzeugt hat. Doch es gilt auch hier wie bei allen Pso-Medikamenten und -Mitteln: Was dem einen nicht oder kaum hilft, kann beim anderen sehr gut anschlagen. Utopisch ist dagegen der Wunsch, dass die Therapie von Krankenkassen anerkannt wird: Da warten noch viel mehr Therapien schon lange auf die Zulassung.

    Meine weiteren Bedenken: Behauptungen, dass "Heimbehandlungen" tolle Erfolge gebracht haben, sind mit Vorsicht zu genießen: Oftmals stammen sie von den Züchtern selbst oder wurden sie von ihnen "in Auftrag gegeben". Zudem ist unklar, ob die Fische einst jemals legal nach Deutschland gelangten. Züchter, die die Fische einst aus der Türkei importierten, erklären heute, damals sei der Fischfang noch legal gewesen.


    Bildquellen

    • Kangalfische: Bildrechte beim Autor

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    Recommended Comments

    Guest Peter R: Siegmann

    Posted

    Knabberfische & Co.

    Zu dem obigen Artikel kann man nur sagen, dass es tatsächlich gefährlich ist. Gefährlich ist aber nur der Blödsinn der in diesem Artikel (Dubiose Züchter, Fisch-Diebe und Bruder-Zwist) verbreitet wird. Die Fische leben in Ihrem natürlichen Lebensraum in den Thermalquellen - und flüssen mit Temperaturen zwischen 32 und 36°C. Bei diesen Temperaturen wachsen kaum Pflanzen und auch andere Lebensformen haben es schwer. Die Menschen gehen dort schon seit huinderten von Jahren baden und werden dort auch schon genausolange von Garras angeknabbert. Die Fische sind genetisch darauf programmiert, Schuppen anzuknabbern. In Zusammenhang mit der UV-Einstrahlung und des Sole-Gehaltes des Wassers sind außerordentliche Erfolge bei der Therapie verzeichnet worden. Dass Mediziner ihre Pfründe verteidigen und allem abgeneigt sind was natürlichen Ursprungs ist kennen wir ja schon im Krieg der Schulmedizin gegen Heilpraktiker und Akkupunktur. Das in China Operationen am offenen Herzen (!) ohne chemische Betäubung nur mit leichter Akkupunktur durchgeführt werden ist für die meisten "Doktoren" hierzulande ja auch "Geimeingefährlich". Das dabei aber weniger Leute während der OP versterben oder mit schlimmen Nebenwirkungen zu kämpfen haben, wird glatt verschwiegen. Ich bitte Euch von solch einseitiger Berichterstattung abzusehen und nicht solchen Blödsinn zu verbreiten. Die Preise für Kangal-Knabberfische sind auch nicht richtig. Die Preise für einzelne Fische liegen bei 3,95€!

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    Schuppenflechte am Po und Versen.

    Hallo,

    ich habe genau in der Mitte meines Po´s an der Innenseite Schuppenflechte und an den Versen. Ginge das auch ... wegen meines Po´s, oder muß ich da befürchten: die zwicken mioch zu dolle ...

    Ich habe ernsthaft dieses Problem.

    Gruß - Steffen.

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    @R. Siegmann: Der Artikel ist ja nun schon einige Jahre alt. Wir haben am Anfang ganz schön unter der Aggressivität der Fische-Verkäufer gelitten. Das waren keine Fisch-Fachleute, keine Therapeuten irgendwelcher Art. Und damals wurden eben Preise von bis zu 120 D-Mark pro Fisch aufgerufen und Behandlungen in der heimischen Regentonne propagiert.

    Das alles ist lang vorbei, inzwischen hat da etwas Normalität Einzug gehalten und wir sind auch unaufgeregter im Umgang bzw. in der Unterscheidung von bloßen Verkäufern und Leuten, die sich mit einer Materie ernsthaft befassen.

    Neuere Erkenntnisse finden Sie im aktuellen Artikel: https://www.psoriasis-netz.de/therapien/kangal/fischstudie.html

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    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Fische, die die Pso wegknabbern: Seit Jahren zieht dieses Phänomen durch Presse, Funk und Fernsehen. Der erste Boom ist lange vorüber. Es zeichnet sich ab: Wer die Therapie ausprobieren möchte, sollte entweder in die Türkei an die Quelle fahren, wo die Fische zuhause sind, oder sich hierzulande in die Hände von erfahrenen Therapeuten begeben. Unter letzteren waren die Mitstreiter in der Erlenbach-Klinik in Bad Mergentheim wohl am weitesten.
      Die Erlenbach-Klinik hatte Platz für 80 Menschen – kein großer Klinik-Betrieb erwartete also den Patienten. Mit Hautkrankheiten beschäftigte sich die Klinik, seitdem die Garra rufa (der lateinische Name für die Fische) "in Mode" waren. Klinikchef Karl Gutekunst litt selbst an Schuppenflechte und nahm die Therapie mit den Fischen unter die Lupe. Sie half ihm, und so zogen nach einigen Umbauten die ersten Garra rufa ein.
      Das Procedere bei der Fischtherapie
      Die Therapie wurde in einem separaten Gebäude – zwei Kilometer entfernt von der Klinik – durchgeführt. Die Patienten wurden dorthin gefahren, was schon wegen des bergigen Landes sehr angenehm ist.
      Für jeden Patienten wurden vor seiner Ankunft etwa 150 Fische in eine Badewanne gesetzt. Dort blieben die Fische für die gesamten drei bis vier Wochen. Jeder Patient erhielt während der gesamten Therapiezeit seine eigene Wanne mit seinen eigenen Fischen. Die Fische wurden täglich mit herkömmlichem Futter gefüttert.
      Denn: Sitzt der Patient bei seinen Fischen, stürzen die sich gleich auf ihn – schließlich hat er ihr Futter sozusagen am Leib. Die Fische stupsen die Stellen des Patienten weich und massieren sie. Zudem knabbern sie die Schuppen weg. So ging das 21 Tage lang: Täglich sitzt der Psoriatiker vier Stunden lang oder zwei mal zwei Stunden lang im Wasser.
      Jeder Patient badete immer komplett – egal, ob der ganze Körper oder nur einzelne Stellen befallen sind.
      Auch die Erlenbach-Klinik-Betreiber versprachen keine Heilung von der Psoriasis. Vielmehr sahen sie die Chance der Therapie in einem Abheilen der Haut-Stellen und weniger Juckreiz und Spannungsgefühl.
      Patientenmeinung
      Patient Uwe Gräser (29) sagte damals, er würde die Therapie sofort wiederholen. Zwei Tage vor Ende seines Aufenthaltes konstatierte er: "Ich spüre keinen Juckreiz, keine Hautverspannungen. Meine Haut ist zwar an manchen Stellen noch etwas errötet, doch sie ist glatt, von Schuppen keine Spur." Endlich könne er wieder ein Hemd mit kurzen Ärmeln tragen. Den Skeptikern sagt er: "Wer den letzten Strohhalm nicht nutzt, leidet meiner Meinung nach nicht genug."
      Am Anfang war er selbst gar nicht so enthusiastisch: "Die erste halbe Stunde bedurfte einer gewissen Gewöhnungsphase, doch an das kitzelige Gefühl gewöhnt man sich schnell."
      Mehr über die Kangalfisch-Therapie
      Ina Schubert, Mitarbeiterin der Erlenbach-Klinik, damals: "Der Erfolg hielt bei unseren Patienten zwischen 14 Wochen und 18 Monaten an." Dr. Manfred Derr, niedergelassener Hautarzt in Bad Mergentheim, betreute die Psoriasis-Patienten in der Klinik – was nicht hieß, dass er ständig oder täglich anwesend war. "Für viele Patienten ist eine tägliche Visite gar nicht nötig", meinte er damals. "Sie bringen ja Erfahrung mit ihrer Schuppenflechte mit."
      Anfangs bekamen selbst erfahrene Psoriatiker einen Schreck: Bei 20 Prozent der Patienten wurde die Schuppenflechte zunächst schlimmer. Das jedoch ist laut Dr. Süßmuth, damals Chefarzt der Erlenbach-Klinik, normal – vor allem bei Naturheilverfahren, zu denen er die Fische-Therapie zählt. Und: "Die Patienten, bei denen die Psoriasis am Anfang schlechter wurde, haben hinterher die schnellsten Erfolge erlebt."
      Dafür waren in der Klinik dann aber doch nicht nur die Fische verantwortlich: Die Patienten wurden psychologisch mitbetreut und lernten, mit Stress umzugehen.
      Außerdem wurde die Knabber-Therapie in der Erlenbach-Klinik immer mit einer Bestrahlungstherapie mit UV-A-Licht kombiniert. Wer wollte, bekam zusätzlich Stutenmilch, die der Patient schon zwei Wochen vor dem Klinikaufenthalt zu sich nahm. Das "Getränk" wurde während der Fische-Therapie und danach fortgesetzt. Hinzu kamen eine Colon-Hydro-Therapie zur Sanierung des Darmes und eine individuelle Ernährungsberatung von einer erfahrenen Diätassistentin.
      Volker Schweizerhof, der für die Fische und deren Zucht verantwortlich zeichnete, wusste und weiß: "Wer behauptet, die Garra-rufa-Theapie ist nur angenehm und es würde nicht bluten, lügt." Deshalb wurden offene Stellen stets abgeklebt. Viele Patienten berichteten außerdem davon, dass die Haut hinterher kribbelt. Das soll laut Volker Schweizerhof geschehen, weil die unteren Hautschichten stimuliert werden – ähnlich wie bei der Anwendung von Interferenzstrom.
      Dr. Süßmuth hat beobachtet, dass auch Haut an Ohren- und Kopfhaut besser wurde, obwohl sie nicht mit im Wasser waren.
      War ein Patient weg, müssen die Fische erst einmal "durchatmen": Obwohl jeder Patient vor der Therapie auf ansteckende Krankheiten wie Hepatitis oder HIV untersucht wurde, wurden die Fische zehn Tage lang in Quarantäne geschickt, damit keine ansteckenden Krankheiten oder krankmachende Keime zum nächsten Patienten gelangen konnten. Für Kenner der Materie: Die DIN 19346, bei der es um Wasserqualität und Keime geht, wurde streng überprüft.
      Wer sollte nicht zu den Fischen steigen?
      Ein Patient mit Psoriasis arthritis, der die Therapie ausprobierte, verspürte nur eine leichte Besserung. Während des gesamten Klinik-Aufenthaltes sollte auf Alkohol und Kortison verzichtet werden, weil die das Knabberverhalten der Fische beeinträchtigen. Wer mit diesen Verzichten Probleme hat, war ebenfalls für die Therapie nicht geeignet. Bei Menschen mit Fibromyalgie musste eine individuelle Klärung erfolgen. Die Kosten
      Keine Krankenkasse erkennt die Therapie als Reha-Maßnahme an. Ina Schubert riet damals jedem, selbst zur Krankenkasse zu gehen und eine ambulante Badekur durchzuboxen, um wenigstens einen Teil der Therapiekosten erstattet zu bekommen.
      Die Therapie hatte ihren Preis: Für das Rundum-Paket wurden für 21 Tage 1.990 Euro verlangt. Vier Wochen kosteten 2.650 Euro. Verzichtete der Patient auf den Verzehr von Stutenmilch, belief sich der Preis für eine dreiwöchige Therapie auf 1.790 Euro, für vier Wochen auf 2.385 Euro (Stand Frühjahr 2003).
      Schnupperwochenenden gab es nicht. "Jeder kann aber zu seiner persönlichen Information vorbeikommen und einmal seinen Arm ins Aquarium halten", so Ina Schubert.
      Im Programm der Klinik war eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur mit den Fischen im Sanatorium "An der Höhle".
      Was bleibt
      Die Erlenbach-Klinik begab sich mit ihrem Konzept heraus aus dem Spannungsfeld der reinen Fische-Züchter, die hierzulande schnell ins Geschäft einstiegen, den Betroffenen das Blaue vom Himmel versprachen und ihnen gern viel Geld abnahmen. "Einige Züchter haben die Therapie in ein sehr schlechtes Licht gerückt und ihr geschadet", sagt Volker Schweizerhof deutlich.
      In der Erlenbach-Klinik setzte man auch nicht allein auf die Fische, sondern mischte herkömmliche Therapien wie Bestrahlung mit sanfteren Methoden.
      Es wurde an einem wissenschaftlichen Nachweis gearbeitet, dass die Therapie besser hilft als die oft mit schweren Nebenwirkungen verbundenen bisherigen Methoden. Die Erlenbach-Klinik erstellte zusammen mit einem Dermatologen unter Zugrundelegung der Behandlungsergebnisse sämtlicher in der Wanne behandelten Patienten eine Studie zum Wirksamkeitsnachweis der Fischtherapie.
      Nach wie vor meinen Wissenschaftler vor allem an Uni-Kliniken, dass der Patient eine entschuppte Haut auch einfacher haben kann. So muss jeder Patient für sich entscheiden, ob ihm der Versuch das Geld wert ist. Für andere Selbstzahler-Therapien berappt der Betroffene jedoch schnell die gleiche Summe.
      Doch leider: Die Klinik musste ihre Pforten schließen.
      Inzwischen wird eine richtige Therapie mit den Fischen kaum noch in Deutschland angeboten. In sogenannten Fish-Spas werden die Tiere zum Beseitigen von Hornhaut und zu anderen Wellness-Zwecken eingesetzt. Meist sind Menschen mit Schuppenflechte oder Neurodermitis vom Besuch in diesen Spas sogar ausdrücklich ausgeschlossen.
      Als Beispiel hier ein Video von einer Behandlung der Hände:
      Bilder von Knabberfischen im Aquarium
      Tipps zum Weiterlesen
      Kangal-Fische knabbern an der Schuppenflechte – aber hilft das auch? In unserer Community wird immer noch ab und an über Erfahrungen mit der Knabberfisch-Therapie diskutiert. Mehr über die Therapie mit Knabberfischen in der Türkei Mehr über die Zucht von Kangalfischen – und wie man es nicht macht In unserem Branchenbuch findest du einige Therapeuten, die mit Kangalfischen arbeiten. Einschätzung vom Psoriasis Forum Berlin e.V.  „Knabber-Fische“ in Kosmetikstudios – Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz?" – Beitrag in einem regionalen Online-Portal "Knabberfische dürfen auch in Deutschland arbeiten" – Beitrag in einem Rechts-Blog "Fisch-Spa-Behandlung im Friseursalon bei argerechter Haltung mit Tierschutz vereinbar" – zum gleichen Gerichtsurteil wie der Artikel zuvor "Hygienerichtlinien bei der Therapie mit Knabberfischen", erschienen in der Zeitschrift Hygiene + Medizin 2005; 30 [7+8]: 268-269 "Garra-Rufa-Fische kaufen - das ist zu beachten", erschienen im Portal "helpster", zuletzt abgerufen am 18.11.2013 Weitere Artikel
      Knabberfische dürfen für Kosmetiker arbeiten
      (Spiegel online, 16.07.2015)
      Das Urteil vom Verwaltungsgericht Köln gibt's auch zum Nachlesen.
      Haltung von Knabberfischen ist nicht immer Tierquälerei
      (IKZ, 25.07.2014)
      Wer Knabberfische hält, macht sich damit nicht gleichzeitig der Tierquälerei schuldig – zumindest ein Friseur aus Essen-Rüttenscheid hat das jetzt amtlich: Ihm war die Haltung vom Landesumweltamt untersagt worden. Jetzt gab ihm ein Gericht aber Recht: In einer Einzelfallentscheidung (!) entschied es zugunsten des Friseurs – wegen seiner nachgewiesenen Fachkenntnis.
      Knabberfische im Test
      (test, 22.05.2014)
      Stiftung Warentest hat im Heft 06/2014 einen Beitrag über die Kangalfische, die den Fußpfleger ersetzen sollen. Um ihren Einsatz in der Psoriasis-Therapie ist es ruhig geworden. Der Tipp der "test"-Redaktion sagt recht klar:
      Urteil vom Verwaltungsgericht Essen
      (Gerichtsurteil vom 15.05.2014)
      Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW muss einer Friseurin eine Erlaubnis zum gewerbsmäßigen Halten von Kangal-Fischen erteilen.
      Ein Kangalfisch erzählt aus seinem Leben
      (Potsdamer Neueste Nachrichten, 12.03.2014)
      Mal eine andere Sichtweise: Ein Kangalfisch berichtet von seinem Alltag "auf Arbeit", vom Tierschutz und von seinen liebsten Fütterern. Und nein, auch er darf nicht an Kranken herumknabbern – also auch nicht an Psoriatikern. Das ist ja inzwischen oft so.
      Baden-Württemberg will Knabberfisch-Bäder nur für Hautkranke erlauben
      (nano (3sat), 03.09.2013)
      Die baden-württembergische Landesbeauftragte für Tierschutz, Marita Langewische, sieht Probleme beim Einsatz der Knabberfische im Wellness- oder Kosmetik-Bereich. Wenn die Tiere zu therapeutischen Zwecken einsetzt werden, fällt ihre Bewertung anders aus.
      Therapie mit Kangal-Fischen - Tierschutz, Hygiene und Rechtliches
      (WAZ, 11.01.2012)
      In Europa ist die Pediküre mit den kleinen Doktorfischen ein boomendes Geschäftsmodell. Außer in NRW. Die Landesregierung hat sich bis jetzt nicht zu einer einheitlichen Haltung durchringen können, ob Fische in der Kosmetik aus Hygienegründen eingesetzt werden dürfen.
      Wellness mit Risiko
      (news.at, 18.11.2011)
      Die britische Gesundheitsbehörde warnt: Fische können Krankheiten wie HIV übertragen.
      Heilende Sekrete
      (Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011)
      Knabberfische sorgen für Pfirsichhaut
      (Südwest Presse, 13.09.2011)
      Bitte trotz des Titels lesen Endlich mal ein Artikel, der über die Beschreibung einer skurrilen Behandlung hinausgeht, der auch auf die nötige Sachkunde hinweist.
      Knabbern für die Schönheit
      (WELT kompakt, 11.07.11)
      Wie ist es, wenn Fische an den Füßen saugen? Ausprobiert hat es eine Autorin der Tageszeitung "Welt kompakt".
      Doktorfische: Hautpflege durch Saugbarben
      (Focus, Februar 2011)
      Alternativmedizin im Aquarium
      (Hamburger Abendblatt, 13.08.09)
      Fische knabbern Patienten in Thale an
      (Mitteldeutsche Zeitung, 09.08.2009)
      Kangal-Fische aus der Türkei sollten ihre Heilkräfte in Sachsen-Anhalt einsetzen. In der Therme in Thale (Landkreis Harz) sollte die alternative Heilmethode im großen Stil angeboten werden. Heute ist davon nichts mehr auf deren Internetseite zu finden.
      'Doctor fish' clear skin disease (englisch)
      (BBC, 20.11.2008)
      Ein Reisender berichtetüber seine Fisch-Therapie in der Türkei.
      Wirksamkeit von Fischtherapie untersucht
      (Wirtschaftswoche, 20.07.2006)
      Ärzte in Wien haben einen weiteren Beleg für die Wirksamkeit der Behandlung von Schuppenflechte mit einem so genannten Knabberfisch erbracht.

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