Psoriasis arthritis

Einführung

Psoriasis ist eines der Paradebeispiele für Erkrankungen, bei denen spezialisierte Ärzte – in diesem Fall die Hautärzte – über den Tellerrand ihres Fachgebietes hinausblicken sollten. Denn wegen der charakteristischen Erscheinungen an der Haut und oft auch den Fuß- und Fingernägeln werden Patienten mit Schuppenflechte von ihrem Hausarzt in aller Regel an einen Dermatologen überwiesen. Doch die Krankheit kann auch „unter die Haut gehen“ und Sehnen und Gelenke angreifen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich bleibende Schäden bei einer Psoriasis arthritis meist verhindern.

Wie oft gibt es sie?

Ging man früher davon aus, dass etwa fünf Prozent der Psoriatiker an einer Psoriasis arthritis leiden, kommen neuere Untersuchungen auf einem Anteil von zwanzig oder sogar bis zu 40 Prozent – möglicherweise wegen gestiegenen Bewusstseins der Ärzte für die Erkrankung. Bei rund 80 Prozent dieser Patienten treten zuerst die Hautsymptome und meist Jahre oder Jahrzehnte später die Gelenkveränderungen in Erscheinung. Bei den übrigen 20 Prozent bricht die Psoriasis Arthritis je zur Hälfte gleichzeitig mit oder sogar noch vor der Schuppenflechte aus. Im Durchschnitt aller Patienten gehen die Hautsymptome den Gelenksymptomen zehn Jahre voraus. Bei etwa jedem fünften Patienten mit Psoriasis Arthritis kommt es unbehandelt zu einer fortschreitenden Zerstörung der betroffenen Gelenke.

Gelenkschäden sind oft nicht bekannt

Engagierte Rheumatologen bemühen sich deshalb intensiv um Aufklärung unter Dermatologen. Denn gerade sie können Sorge dafür tragen, ihre Schuppenflechte-Patienten mit Psoriasis arthritis einer fachgerechten Therapie zuzuführen. Zumindest 2007 war das Bewusstsein aber offensichtlich noch nicht sehr ausgeprägt. Dies jedenfalls lassen Daten vermuten, die Rheumatologen damals in Deutschland erhoben haben. Bei etwa jedem fünften der untersuchten Patienten, die wegen einer Plaque-Psoriasis an einem dermatologischen Zentrum in Behandlung waren, diagnostizierten sie eine Psoriasis Arthritis. Was zu denken geben sollte: Bei weniger als 20 Prozent war die Gelenkbeteiligung bereits bekannt – und das, obwohl bei etwa jedem zweiten Patienten fünf oder mehr Gelenke betroffen waren.

Beschwerden abklären lassen

Solltest du also unter Plaque-Psoriasis leiden und das Gefühl haben, dass mit deinen Gelenken etwas „nicht stimmt“: Lass dich von ihrem Haut- oder Hausarzt zur Abklärung umgehend an einen Rheumatologen überweisen. Umgekehrt sollten Patienten mit unklaren rheumatischen Beschwerden ohne Psoriasis-Diagnose einen Dermatologen konsultieren, wenn unter Umständen nur minimale psoriatische Veränderungen an der Haut, den Nägeln oder irgendwo sonst am Körper erkennbar sind. Auch dann kann eine Psoriasis arthritis auftreten.

Risikofaktoren

Psoriasis arthritisUnter dem Begriff „Psoriasis Arthritis“ werden alle mit Schuppenflechte einhergehenden Veränderungen an Gelenken und auch Sehnen zusammengefasst. Der Verlauf ist dabei von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Ein erhöhtes Risiko, eine Psoriasis Arthritis zu entwickeln, besteht bei

  • schwerer Hauterkrankung
  • Beteiligung der Nägel und/oder
  • Beteiligung der Kopfhaut sowie bei
  • Schuppenflechte in der Gesäßfalte oder um den After.

Je ausgeprägter die Hautsymptome, desto wahrscheinlicher muss mit einer Psoriasis Arthritis gerechnet werden. Ein Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Hautsymptome und der Gelenkbeschwerden besteht aber nicht.

Einteilung in Untergruppen

Die Einteilung der Psoriasis Arthritis in so genannte Subtypen ist komplex und wird dadurch erschwert, dass ein Patient nacheinander verschiedene Formen durchlaufen kann oder mehrere Subtypen gleichzeitig vorliegen können. So sind bei manchen Patienten zunächst wenige Gelenke („Oligoarthritis“) und später viele Gelenke („Polyarthritis“) entzündet – etwa die Fingergelenke und zusätzlich ein großes Gelenk wie das Kniegelenk. Bei bis zu 40 Prozent der Patienten ist neben Gelenken der Extremitäten auch die Wirbelsäule betroffen.

Ein charakteristisches Zeichen der Psoriasis Arthritis ist die so genannte Daktylitis, d.h. eine Entzündung der Finger, bei der neben den Gelenken auch die Weichteile betroffen sind und anschwellen („Wurstfinger“). Im Unterschied zur Arthrose treten die Gelenkentzündungen oft asymmetrisch auf, zum Beispiel an Fingergelenken der rechten Hand und gleichzeitig dem linken Knie. Die Übergangsstellen zwischen Sehnen und Knochen können sich ebenfalls entzündlich verändern. Eine solche „Enthesitis“ ist dann zum Beispiel an einer Schwellung im Bereich der Achillessehne erkennbar.

Wie groß der Anteil der Patienten mit bestimmten Symptomen ist, lässt sich kaum sagen. Denn die vielen hierzu durchgeführten Studien kommen teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Symptome

Eine Psoriasis Arthritis verläuft oft viele Jahre unbemerkt, bevor die ersten Symptome auftreten. Zu ihnen zählen Schmerzen, Rötungen und Schwellungen über einem Gelenk, Morgensteifigkeit, Funktionseinschränkungen und – in fortgeschrittenen Stadien – sichtbare Verformungen der Gelenke. Ist das Kreuz-Darmbein betroffen, kann sich dies durch Schmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes äußern. Sie sind nachts besonders stark ausgeprägt und bessern sich am Tage unter Bewegung. Eine Beteiligung der Wirbelsäule kann ebenfalls mit Schmerzen verbunden sein. Oft macht sie sich auch durch eine eingeschränkte Beweglichkeit bemerkbar, etwa beim Drehen des Kopfes.

Dies alles kann die Lebensqualität Betroffener erheblich beeinträchtigen – zusätzlich zur Belastung durch die Psoriasis selbst.

Ursachen

Die Ursachen der Psoriasis Arthritis sind im Detail noch nicht geklärt. Sie wird jedoch – ebenso wie zum Beispiel die rheumatoide Arthritis und die Plaque-Psoriasis – den immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen zugeordnet. Aus noch ungeklärten Gründen kommt es demnach zu einer Aktivierung des Immunsystems, das sich dann gegen körpereigene Strukturen richtet und Entzündungsprozesse an den Gelenken in Gang setzt. Mediziner und Grundlagenforscher haben noch keine Erklärung dafür, warum einige Psoriatiker eine Psoriasis Arthritis entwickeln und andere nicht – und warum das Krankheitsbild individuell so unterschiedlich verläuft. Da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, ist ein Einfluss genetischer Faktoren aber wahrscheinlich. Umweltfaktoren wie zum Beispiel bakterielle Infekte könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Diagnose

Psoriasis arthritis DiagnoseEbenso wie die rheumatoide Arthritis kann Psoriasis Arthritis unbehandelt teils schwere und bleibende Schäden an den Gelenken verursachen. Die frühzeitige Diagnose und Therapie ist deshalb von entscheidender Bedeutung – möglichst in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Dermatologen und Radiologen. Sollten Sie bei sich selbst den Verdacht auf eine Psoriasis Arthritis hegen, sprechen Sie ihren Arzt umgehend darauf an.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Am Anfang der Diagnose steht das Befragen des Patienten nach seiner Krankengeschichte (Anamnese). Hilfreich sind hier Fragebögen wie zum Beispiel der GEPARD-Fragebogen. Entscheidend ist anschließend die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Gelenke sowie die Übergangsstellen zwischen Sehnen und Knochen besonders gründlich begutachten sollte. Stößt er bei einem Psoriatiker auf Auffälligkeiten, ist aber nicht zwangsläufig auf eine Psoriasis Arthritis die Ursache. Denn unabhängig von der Schuppenflechte kann eine andere Erkrankung wie zum Beispiel eine verschleißbedingte Arthrose vorliegen. Deshalb sind weitere Untersuchungen notwendig.

Bildgebende Untersuchungen

An erster Stelle steht meist eine Röntgenuntersuchung der Hände und Füße bzw. der auffälligen Gelenke oder der Wirbelsäule. Zeigen sich in dieser „bildgebenden“ Untersuchung Gelenkschäden, lässt sich anhand bestimmter Charakteristika zum Beispiel zwischen rheumatoider Arthritis und Psoriasis Arthritis unterscheiden. Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann wichtige Informationen liefern. Bei besonderen Fragestellungen kommen die Magnetresonanztomographie, die Szintigraphie oder die Computertomographie zum Einsatz. Im Frühstadium der Psoriasis Arthritis sind allerdings noch keine so genannten „radiologischen Zeichen“ an Knorpel und Knochen vorhanden.

Laboruntersuchungen

Im Blut messbare Marker, mit deren Hilfe sich eine Psoriasis Arthritis sicher nachweisen oder ausschließen lässt, existieren nicht. Der Test auf den bei Patienten mit rheumatoider Arthritis nachweisbaren Rheumafaktor fällt meist negativ aus. Ein positives Ergebnis schließt eine Psoriasis Arthritis aber nicht aus. In Studien weist nur etwa jeder zweite Patient erhöhte Entzündungswerte auf. Andere Ursachen der Gelenkbeschwerden wie Gicht oder eine Borreliose können mittels bestimmter Bluttests mehr oder weniger sicher ausgeschlossen werden.

Therapie mit Medikamenten

Psoriasis ArthritisEmpfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis Arthritis finden sich in der Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“, die mit Unterstützung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen erstellt wurde. Empfehlungen einer deutschen rheumatologischen Fachgesellschaft speziell zu ihrer Behandlung existieren nicht. Im April 2014 wurden jedoch Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga EULAR („European League Against Rheumatism“) zur medikamentösen Therapie der Psoriasis Arthritis veröffentlicht.

Bei der Auswertung der verfügbaren Studien berücksichtigten die Experten vier Medikamentengruppen:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR; z.B. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac)
  • Glukokortikoide
  • synthetische krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente (engl.: disease-modifying antirheumatic drugs, DMARDs)
  • biologische DMARDs („Biologika“)

Einige dieser Medikamente wie bestimmte Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha-Hemmer sind dabei sowohl zu Behandlung der Psoriasis Arthritis als auch der Plaque-Psoriasis und der Rheumatoiden Arthritis zugelassen.

Was eine Expertengruppe sagt

Fünf Grundprinzipien

Die EULAR hat ihre detaillierten Empfehlungen kompakt in fünf Grundprinzipien und zehn Empfehlungen zusammengefasst. In teils verkürzter Form lauten sie wie folgt

  1. Psoriasis Arthritis ist eine heterogene und potenziell schwere Erkrankung, die der multidisziplinären Behandlung bedarf.
  2. Rheumatologe und Patient müssen Entscheidungen gemeinsam treffen.
  3. Primär sollte sich ein Rheumatologe um die Behandlung der Beschwerden an Muskeln und Gelenken kümmern und bei gleichzeitigem Vorliegen von Hautsymptomen oder Nagelpsoriasis mit einem Dermatologen kooperieren.
  4. Oberstes Behandlungsziel ist eine möglichst gute Lebensqualität. Dies lässt sich dadurch erreichen, die Symptome zu kontrollieren, Gelenkschäden zu verhindern, die Funktionalität der Gelenke zu erhalten und die Teilhabe der Patienten am sozialen Leben zu ermöglichen. Die entzündlichen Krankheitsprozesse sollten dabei möglichst vollständig zum Stillstand gebracht werden.
  5. Bei regelmäßigen Kontrollen durch den Rheumatologen muss die Therapie den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

Zehn Therapieempfehlungen

  1. Zur Linderung der Symptome können (entzündungshemmende und zugleich schmerzlindernde) NSAR eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).
  2. Vor allem wenn viele Gelenke geschwollen sind, sollte schon in frühen Krankheitsstadien der Einsatz eines (synthetischen) DMARD erwogen werden (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin).
  3. Bei gleichzeitig vorliegenden Hautsymptomen ist ein Medikament zu bevorzugen, das auch diese verbessert.
  4. Bei Psoriasis Arthritis können zusätzlich lokale Kortisoninjektionen in das Gelenk erwogen werden. Bei einer in möglichst niedriger Dosierung durchzuführenden oralen Kortisontherapie ist Vorsicht geboten.
  5. Patienten mit aktiver Erkrankung, die auf mindestens ein synthetisches DMARD wie Methotrexat nicht angesprochen haben, sollten mit einem TNF-alpha-Hemmer behandelt werden.
  6. In Betracht gezogen werden kann die Behandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer auch bei Patienten mit Daktylitis (Entzündung aller Strukturen des Fingers, „Wurstfinger“) und/oder Enthesitis (Entzündung an der Übergangsstelle zwischen Sehne und Knochen), wenn sie auf NSAR oder lokale Kortisoninjektionen nur unzureichend ansprechen.
  7. In Betracht gezogen werden sollte ein TNF-alpha-Hemmer bei Patienten mit Beteiligung der Wirbelsäule und unzureichendem Ansprechen auf NSAR.
  8. Bei Patienten mit sehr starker Krankheitsaktivität kann ein TNF-alpha-Hemmer in Ausnahmefällen auch sofort eingesetzt werden, ohne zuvor eines der anderen Medikamente auszuprobieren.
  9. Spricht ein Patient auf einen bestimmten TNF-alpha-Hemmer nicht an, kann die Umstellung auf einen anderen TNF-alpha-Hemmer erwogen werden.
  10. Bei jeder Anpassung der Therapie sollte der Arzt eventuell vorliegende Begleiterkrankungen sowie mögliche Nebenwirkungen der Medikamente berücksichtigen.

Eine Anmerkung zu NSAR

NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac sind frei verkäuflich. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Anwendung aufgrund der Nebenwirkungen nicht unproblematisch ist. So weist die Europäische Arzneimittelbehörde zum Beispiel darauf hin, dass Diclofenac bei Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einer mittleren bis schweren Herzinsuffizienz oder zerebrovaskulären (d.h. die Blutgefäße des Gehirns betreffenden) Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall, gar nicht eingesetzt werden sollte. Menschen mit Bluthochruck oder Diabetes sowie Raucher sollten es aufgrund des erhöhten Risikos für Nebenwirkungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erst nach sorgfältiger Abwägung einnehmen. Selbst Menschen ohne Risikofaktoren sollten auf eine möglichst niedrige Dosierung achten und Diclofenac oder ein anderes NSAR nur so kurz wie unbedingt nötig nehmen. Auch viele schwere oder sogar tödliche Magen-Darm-Blutungen werden den NSAR zugeschrieben.

Solltest du dir NSAR in der Apotheke kaufen, vergiss deshalb nicht, es deinem Arzt gegenüber zu erwähnen und besprich mit ihm die Alternativen.

Was außerdem helfen kann

Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten und rezeptfrei erhältlichen Schmerzmitteln gibt es weitere Maßnahmen, mit deren Hilfe sich der Verlauf der Psoriasis Arthritis günstig beeinflussen lässt.

Den Körper in Schwung halten

Psoriasis arthritisEin ganzes Maßnahmenbündel gilt dabei für alle Menschen mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates – zum Beispiel Rückenschmerzen oder Rheuma – und zielt darauf ab, Patienten körperlich zu aktivieren. So neigen Schmerzpatienten oft zu Schonverhalten. Dies aber kann dazu führen, dass das Zusammenspiel von Muskeln, Bändern und Gelenken aus dem Gleichgewicht gerät und sich die Schmerzen noch weiter verstärken. Krankengymnastik, gezieltes Muskelaufbautraining, Dehnungsübungen und eine allgemeine Steigerung der körperlichen Aktivität sind deshalb wichtige Bestandteile eines so genannten „multimodalen“ Therapiekonzepts.

Eine Voraussetzung hierfür ist, dass Arzt und Patient die Schmerzen gemeinsam zumindest einigermaßen in den Griff bekommen. Doch auch wenn dies geling, sollten Patienten mit Psoriasis Arthritis nicht einfach „drauf los trainieren“. So weist Professor Uwe Lange in einem 2010 erschienenen Artikel darauf hin, dass vor dem Training die Belastbarkeit und die Beweglichkeit der Gelenke getestet werden sollte. Grundsätzlich befürwortete der Rheumatologe Übungsprogramme in Fitness-Studios. Er bezweifelt aber, dass deren Betreiber eine den speziellen Bedürfnissen der Patienten entsprechende Betreuung leisten können – etwa durch die Anpassung des Programms an den jeweiligen Krankheitszustand. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte sich deshalb besser nach Kursen an Reha-Kliniken, bei Selbsthilfegruppen oder in ambulanten Praxen mit rheumatologisch geschultem Personal umsehen.

Gesunde Ernährung

Eine spezielle Diät, die nachweislich das Erkrankungsrisiko reduziert oder den Verlauf der Psoriasis Arthritis verlangsamt, existiert nicht. Übergewicht sollte jedoch vermieden werden, da jedes Kilo mehr die Gelenke zusätzlich belastet. Zudem kommt es ihrer Gesundheit zu Gute, wenn Sie allgemeine Ernährungsempfehlungen beherzigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zehn Regeln formuliert, unter ihnen die folgenden:

  • Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln; Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis am besten aus Vollkorn.
  • Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, möglichst frisch oder nur kurz gegart; gelegentlich auch als Saft oder Smoothie.
  • Milch- und Milchprodukte täglich, ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch und Wurstwaren (zusammen nicht mehr als 300 – 600 g pro Woche) sowie Eier in Maßen; Geflügel sei unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als Rind- oder Schweinefleisch.
  • Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel; pflanzliche Öle und Fette (z.B. Raps- und Sojaöl sowie daraus hergestellte Streichfette) sind zu bevorzugen.
  • Lebensmittel schonend zubereiten.
  • Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben.

Vitamine

Auf Vitaminpräparate können die meisten Menschen bei einer ausgewogenen Ernährung verzichten. Obst und Gemüse lassen sich wegen der in ihnen enthaltenen Mineralien und so genannten „sekundären Pflanzenstoffen“ durch Nahrungsergänzungsmittel auch nicht ersetzen.Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Vitamin E und das bei Schuppenflechte als Salbe angewendete Vitamin D.

So kann Vitamin E eventuell dazu verhelfen, die Dosis an Schmerzmitteln zu reduzieren. Mit Vitamin D sind viele Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma, Multipler Sklerose sowie Schuppenflechte unterversorgt. Das bei Osteoporose schon seit Langem eingesetzte Vitamin ist dabei nicht nur für den Erhalt der Knochendichte notwendig. Mittlerweile werden ihm weitere positive Eigenschaften wie ein regulierender Eingriff in das Immunsystem zugeschrieben.

Da der Körper Sonnenlicht benötigt, um Vitamin D in der Haut herzustellen, kommt es gerade in den Wintermonaten bei vielen Menschen zu einer Unterversorgung. Doch auch im Sommer sind die Blutspiegel oft erniedrigt. Scheuen Sie sich deshalb nicht, Ihren Arzt um einen Labortest zur Bestimmung des Vitamin D-Spiegels im Blut zu bitten.

Liegt ein Defizit vor, reicht die üblicherweise empfohlene Dosis von 800 bis 1.000 I.E. (Internationale Einheiten) täglich bei Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie Rheuma nicht aus. Auch wenn rheumatoide Arthritis und Psoriasis Arthritis nicht dasselbe sind: Aufgrund ähnlicher Krankheitsprozesse ist davon auszugehen, dass dies auch auf Patienten mit Psoriasis Arthritis zutrifft.

Alternative Behandlungsmethoden

Zu den alternativen Behandlungsmethoden zählen Homöopathie, Akupunktur und pflanzliche Produkte. Unter Letzteren gibt es für Zubereitungen aus Weihrauch Hinweise, dass sie entzündliche Haut- und Gelenkerkrankungen günstig beeinflussen könnten. Studien, die wissenschaftlichen Standards genügen, liegen hierzu jedoch nicht vor. Für Homöopathie und Akupunktur ist eine Wirksamkeit ebenfalls nicht zweifelsfrei belegt.

Das bedeutet nicht, dass diese Verfahren im Einzelfall nicht wirken können. Hören Sie aber auf Ihren gesunden Menschenverstand, wenn Ihnen ein Anbieter Heilung verspricht. Was Sie ebenfalls beachten sollten: Naturprodukte sind nicht automatisch „sanfte Medizin“. So enthalten Pflanzenzubereitungen eine Vielzahl verschiedener Substanzen, die Wechselwirkungen mit synthetisch hergestellten Medikamenten haben können. Je nach Herkunftsland können aus Pflanzen hergestellte Produkte außerdem mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet sein. Sprechen Sie solche Behandlungsversuche deshalb bitte immer mit Ihrem Arzt ab.

Dr. rer. nat. Matthias Herrmann

Tipps:

  • In unserer Community sind viele Betroffene mit Psoriasis arthritis zu finden. Dort kannst du sie fragen, wie sie ihre Gelenk-Schuppenflechte behandeln, ob ihnen eine spezielle Ernährung hilft oder was sie sonst noch dafür tun.
  • Es gibt mehrere Broschüren über Psoriasis arthritis. Die kannst du anfordern oder als PDF herunterladen.
  • Du willst wissen, wie Psoriasis arthritis aussieht? Hier sind Bilder.

Bildquellen

  • Psoriasis arthritis: reineg / Fotolia
  • Psoriasis arthritis: underdogstudios - Fotolia
  • Psoriasis arthritis Diagnose: wildworx – Fotolia.com
  • psoriasis-arthritis-medikamente: Kadmy – Fotolia.com
  • Psoriasis arthritis: dalaprod – Fotolia

7 Kommentare

    • Eine Infrarot-Kabine kann – wie Wärme sonst auch – dafür sorgen, dass man beweglich bleibt oder wird, dass Schmerzen gelindert werden. Den Abbau der Gelenke kann sie nicht verhindern.

  1. In dem Textabschnitt: Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis Arthritis finden sich in der Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“, die mit Unterstützung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen erstellt wurde.

    Der Link zu „http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-001.html“ Enthält keine aktuelle Leitlinie.
    Es sind keine Leitlinien für Psoriasis vulgaris vorhanden. Ihr Text ist somit nicht mehr aktuell. Bitte überprüfen.

    Leitlinien-Detailansicht
    Therapie der Psoriasis vulgaris
    Registernummer 013 – 001
    Klassifikation S3

    01/2016: Leitlinie seit > 5 Jahren nicht aktualisiert, Leitlinie wird zur Zeit überprüft / 03.07.2014: aktuelle Patienten-Leitlinie eingestellt

    Mit freundlichen Grüssen
    R. K.

    • Danke für den Kommentar! Es ist leider richtig: Die Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis ist nicht mehr aktuell, sie wird derzeit überarbeitet. Nach unserem Kenntnisstand soll sie bis gegen Ende des Jahres (2016) aktualisiert sein. So lange kann man auf dem von Ihnen genannten Link ja aber noch die alte Leitlinie finden.

  2. Das Psoriasis Forum Berlin linked auf diese Seite. Ihre Ernährungsvorschläge weichen von der des Forums erheblich ab. Nicht nachvollziehbar, dass Sie allen Ernstes Getreideprodukte, Brot, Eier und Milchprodukte auf den Speiseplan stellen, mal abgesehen vom Fleisch. In meiner Wahrnehmung schöpfen Sie hier aus dem Pool des Halbwissens und empfehlen m. E. die Verschlechterung des Gesundheitszustands der Patienten.

  3. Hallo!
    Ich finde es ist eine Krankheit die zu oft verkannt wird. Und leider sind die heutigen Mediziner zu spezialisiert in ihrem Fach und ich weiß nicht, wird das „über den Tellerrand zu schauen“ noch gelehrt. Oder liegt es daran, dass das Wissen der Medizin so umfangreich ist, dass man sich darin verliert. Teilweise hört man oft, „man glaube“, „ein Verdacht auf“… Bloß nicht festlegen. Die Angst vor Fehlern und Fehleinschätzungen ist wohl doch zu groß und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet immer mehr. Dazu kommt der Stress und der Zeitdruck. Ein Kreis ohne Ende.

  4. Hallo, habe auch einen langen Weg bis zur endgültigen Diagnose Psoriasisarthritis hinter mir. Obwohl ich eindeutige Symptome inklusive Psoriasis der Haut hatte, war es sehr schwierig zu diagnostizieren. Die Psoriasisarthritis ist ein Chamäleon und bei mir auch nicht über Blutwerte zu entdecken. Habe vor ca. 9 Monaten Otezla verordnet bekommen und endlich bessern sich meine Symptome, sowohl Haut als auch Gelenke! Die anfänglichen Nebenwirkungen haben sich gelegt und ich bin froh, dass es dieses Medikament gibt. Habe bereits erfolglos Humira hinter mir und nehme auch noch zusätzlich Arcoxia uns Predni.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*