Psoriasis-Wirkstoff Acitretin kann auch bei Alzheimer wirken

Alzheimer

Kaum eine Alters-Erkrankung schreckt die Deutschen so sehr wie Alzheimer. Die Zahl der Betroffenen weltweit wird auf 35 Millionen geschätzt. In 35 Jahren soll es bereits 135 Millionen Demenz-Patienten geben – wenn es denn bis dahin nicht ein wirksames und sicheres Medikament gibt. Eines könnte aus der Psoriasis-Behandlung kommen.

Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz haben neue Erkenntnisse mit dem Wirkstoff Acitretin gewonnen. Er ist beispielsweise im Schuppenflechte-Medikament Neotigason enthalten. Das Arzneimittel führt im Gehirn von Alzheimer-Patienten zu einer verstärkten Aktivität des Enzyms ADAM10.

Bislang nur Therapien für die Symptome verfügbar

Das Problem: Zur Behandlung von Alzheimer stehen der Medizin derzeit lediglich symptomatische Therapien zur Verfügung. Sie zögern den Krankheitsverlauf und die fortschreitende Pflegebedürftigkeit hinaus. Eine Therapie, die zur Heilung führt, gibt es heute nicht. Die Alzheimer-Demenz stellt deshalb eine der
großen Herausforderungen für die moderne Medizin und ein wichtiges Forschungsfeld dar.

Umstritten ist, was die häufigste, die spät einsetzende Alzheimer-Demenz, auslöst. Als gesichert gilt, dass die Aktivität bestimmter Sekretasen dabei eine Rolle spielt. Diese Enzyme spalten Eiweiße auf Zelloberflächen und führen zur Freisetzung der Spaltprodukte. Den Vorgang nennt man Sekretion.

Im Krankheitsfall kommt es zu einer vermehrten Spaltung des Amyloid-Vorläuferproteins durch die beta-Sekretase, wobei Amyloid-beta Peptide entstehen. Diese Peptide lagern sich zusammen, schädigen Nervenzellen und bilden den Hauptbestandteil der so genannten Alzheimer-Plaques im Gehirn.

Neuer Ansatz für Alzheimer-Therapie

Die alpha-Sekretase ADAM10 (A disintegrin and metalloproteinase 10) ist ein Gegenspieler der beta-Sekretase: Sie spaltet das Amyloid-Vorläuferprotein so, dass die Entstehung von Amyloid-beta Peptiden verhindert und gleichzeitig ein Nervenzellen-schützender Wachstumsfaktor freigesetzt wird, das APPs-alpha.

Die Grundlagenforscher Dr. Kristina Endres und Professor Falk Fahrenholz – beide von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz – haben aufbauend auf dieser Erkenntnis nun einen neuen Ansatz zur Therapie der Alzheimer-Erkrankung gefunden.

Zusammen mit anderen Wissenschaftlern gaben sie einer Gruppe von Alzheimer-Patienten den Schuppenflechte-Wirkstoff Acitretin in oraler Form – also als Tablette. Daraufhin erhöhte sich die Menge an APPs-alpha in der Rückenmarksflüssigkeit der Patienten.

Ablagerung von Alzheimer-Plaques verhindert

Dies ist ein starkes Zeichen für eine Aktivitätssteigerung der alpha-Sekretase ADAM10, die wiederum die Ablagerung von Alzheimer-Plaques vermindert. Im Tiermodell der Alzheimer-Erkrankung hat sich zudem gezeigt, dass ADAM10 die Lern- und Gedächtnisleistung verbessert.

Das Medikament wurde von den Patienten gut vertragen.

Um den Einfluss der getesteten Substanz auf die geistige Leistungsfähigkeit bei Patienten weiter zu untersuchen und zu prüfen, ob es langfristig als Alzheimer-Therapeutikum eingesetzt werden kann, sind
größere klinische Studien mit längerer Behandlungsdauer erforderlich.

Die Studienergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

idw/cl

Bildquellen

  • Alzheimer: Igor Mojzes / Fotolia

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