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    Rolf Blaga

    So unterschiedlich glücklich sind Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis in Europa

    In einer aktuellen Studie wurde untersucht, wie glücklich und zufrieden Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis in acht europäischen Ländern sind. Glückliche Menschen bewältigen Probleme besser, die eine Krankheit mit sich bringt. Vermutlich sind sie sogar widerstandsfähiger gegen typische Begleiterkrankungen. Eine angemessene Behandlung verbunden mit einer positiven psychologischen Betreuung würde die Betroffenen zufriedener machen. 

    Die Ergebnisse

    • Befragte mit Neurodermitis fühlten sich durch ihre Erkrankung stärker beeinträchtigt und fühlten sich insgesamt weniger wohl, als die mit Psoriasis.
      Das könnte daran liegen, so die Forschenden, dass Psoriasis-Patienten inzwischen wirksamer mit innerlichen Medikamente behandelt werden.
    • Österreichische Hautpatienten erreichten die höchsten Werte bei Fragen zu Lebensqualität, Wohlbefinden und Zufriedenheit. Es folgen Italiener und Malteser. Deutsche lagen im Mittelfeld der acht Länder. Befragte aus Polen, Rumänien und der Ukraine dagegen fühlten sich am wenigsten glücklich. 
    • Österreichische Patienten gaben an, ihre Hautkrankheit weniger schwer wahrzunehmen als andere. Die Autoren vermuten, dass sie häufiger mit innerlichen Medikamenten behandelt werden als Betroffene aus anderen Ländern. Generell entspräche das Glücksniveau in dieser Studie dem der Allgemeinbevölkerung. Das führen die Forschenden darauf die zurück, dass die Teilnehmenden an Universitätskliniken angesprochen wurden. Dort würden sie hochwertig versorgt werden.
    • Wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind, werde durch unterschiedlich kulturelle Einflüsse und die wirtschaftliche Situation (v.a. Arbeitslosigkeit) beeinflusst. Das würden andere Studien bestätigen. Bei Erkrankten käme hinzu, wie stark sie betroffen sind und welche Chance sie in ihrem Gesundheitssystem hätten, sich wirkungsvoll behandeln zu lassen. 
    • Behandlung scheine sich grundsätzlich positiv auf die Stimmung auszuwirken. Welche Therapie bzw. welcher Wirkstoff, das am besten erreicht, werde aber uneinheitlich beantwortet. Weniger glücklich waren Patienten, die häufig die Therapie wechselten, mit weniger als drei innerlichen Therapien behandelt wurden oder sich nicht therapiegemäß verhalten haben.
    • Personen, die häufiger positive Gefühle erleben, würden besser befähigt sein, die Herausforderungen des Lebens zu meistern; auch krankheitsbedingte. Das könnten Patienten lernen, wenn sie zusätzlich psychologisch betreut werden; selbstverständlich zugeschnitten auf ihre individuellen Bedürfnisse und die Gegebenheiten in ihrem Land.
    • Indirekt fordern die Forschenden, dass Hautpatienten in allen europäischen Länder die gleiche Chance haben müssten, mit wirksamen Medikamenten behandelt zu werden. Damit könne ihr Glücksgefühl verbessert werden. 

    Was mit der Studie erreicht werden soll

    Mit bisher veröffentlichten Befragungen von Hautpatienten wurde hauptsächlich untersucht, was sich die Betroffenen von der Therapie erhoffen oder wie stark sie sich durch ihre Erkrankung eingeschränkt bzw. stigmatisiert fühlen. Mit der Frage nach „Glück und Zufriedenheit“, so die Forschenden, solle dagegen herausgefunden werden, wodurch positive Gefühle verstärkt werden könnten. Denn „glücklichere Menschen hätten oft mehr Erfolg, erfüllende Beziehungen, positive soziale Ausstrahlung und eine bessere geistige und körperliche Gesundheit“.

    Was als Glück empfunden wird, sei in jedem Land unterschiedlich und werde beeinflusst von Dingen wie soziale Freiheit, Einkommen und Kultur.

    Erste Studien hätten gezeigt, dass Patienten mit Hautkrankheiten, insbesondere mit Schuppenflechte und Neurodermitis, weniger glücklich seien – abhängig davon, wie schwer und wie lange sie schon erkrankt sind.

    Wer an der Studie teilgenommen hat

    Die Ergebnisse basieren auf Antworten, die bei Befragungen an Uni-Kliniken gegeben wurden. Insgesamt beteiligten sich daran 1039 Betroffene aus Deutschland, Italien, Malta, Polen, Portugal, Österreich, Rumänien und der Ukraine. Davon hatten 726 Psoriasis und 316 Neurodermitis. Aus Deutschland kamen 92 Teilnehmer (8,9 Prozent) und aus Österreich 256 (24,6 Prozent). In Deutschland waren die Uni-Hautkliniken in München und Freiburg beteiligt, in Österreich die Uni-Klinik in Graz.

    Durchschnittlich waren die Befragten 40 Jahre alt; 55,6 Prozent waren Männer; 71,5 Prozent waren berufstätig und 52,6 Prozent lebten in einer Partnerschaft. 

    Wonach die Teilnehmer gefragt wurden

    Die Patienten sollten angeben, wie schwer sie ihre Erkrankung selbst wahrnehmen. Wie stark sie sich dadurch in ihrem Leben beeinträchtigt fühlen, beantworteten sie mit dem DLQI-Fragebogen. Wie wohl sie sich generell fühlen, ergab sich daraus, wie oft sie Gefühle wie "glücklich", "zufrieden" oder "freudig" erleben. Als Gegenpol wurde gefragt, wie oft sie sich "traurig", "ängstlich" oder "wütend" gefühlt haben (Scale of Positive and Negative Experiences). Schließlich gaben sie Auskunft darüber, wie zufrieden sie mit ihrem Leben insgesamt sind (Satisfaction with Life-Scale). Entspricht das Leben den eigenen Idealvorstellungen? Empfindet man seine Lebensbedingungen als ausgezeichnet. Ist man mit seinem Leben zufrieden? Habe man im Leben das Gewünscht erreicht? Würde man, wenn das möglich wäre, noch einmal alles genauso machen?

    Wer die Studie finanziert hat

    Die Studie wurde vom Deutschen Psoriasis Bund mit einem Forschungsstipendium in Höhe von 15.000 Euro gefördert. Das Geld dafür kam vom Cosentyx-Hersteller Novartis Pharma GmbH.

    Was wir dazu meinen

    Mit der Studie sollte festgestellt werden, wie sich das Glücksempfinden von Menschen mit Schuppenflechte und Neurodermitis in den acht Ländern unterscheidet und woran das liegen könnte. Auf den ersten Blick erscheinen die Resultate nicht unerwartet und die vorgeschlagenen Schlussfolgerungen sehr allgemein.

    Glücksgefühl steigt mit wirksamer Behandlung

    Als wichtigste Konsequenz wird wiederholt genannt: Der Schlüssel zu vermehrtem Glücksgefühl sei eine wirkungsvolle Behandlung. Welche damit gemeint ist, wird nicht genau gesagt. Aber am Beispiel der höheren Glückswerte der Patienten mit Psoriasis gegenüber denen mit Neurodermitis wird es klar. Die besseren Werte kämen vermutlich daher, dass Psoriasis häufiger mit innerlichen Medikamenten behandelt wird. Damit können nur Biologika oder die anderen neue Wirkstoffe gemeint sein.

    Ähnlich die Schlussfolgerung für diejenigen, die ein niedrigeres Glücksniveau und eine geringere Lebensqualität angaben. Verantwortlich dafür sei zum einen die schlechtere wirtschaftliche Situation (hohe Arbeitslosigkeit), zum anderen aber, die „Nichtverfügbarkeit von Therapien“. Warum diese Therapien nicht verfügbar sind, wird nicht gesagt. Die Wahrheit ist: Die Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern können sich solche hochpreisige Medikamente schlichtweg nicht leisten. Die Süddeutsche Zeitung hat ausführlich berichtet, welche Folgen so etwas für Betroffene in diesen Ländern hat. Dabei könnten auch neue Präparate deutlich billiger sein! Es ist  hinlänglich nachgewiesen, dass sie nicht wegen der Forschungs- und Entwicklungskosten so teuer sind.

    Die Pharmabranche erzielt seit 2021 eine durchschnittliche Umsatzrendite von mehr als 25 Prozent. „Mehr schafft keine Branche“, so die Süddeutsche. Diese Gewinnvorgabe führt zu überteuerten Medikamenten.

    Faire Medikamentenpreise, damit alle behandelt werden können

    Der Auftraggeber dieser Studie war der Deutsche Psoriasis Bund (DPB). Der gilt als anerkannte Interessenvertretung von Menschen mit Schuppenflechte – auch auf europäischer Ebene als Mitglied von EUROPSO. Der DPB müsste nach dieser Studie lautstark fordern, dass alle Psoriasis-Betroffenen in Europa (und Baden-Württemberg!) die Chance bekommen, mit diesen neuen Wirkstoffen behandelt zu werden. Das ist unter den gegebenen Umständen nur möglich, wenn die Pharmafirmen die Preise für ihre patentgebundenen Medikamente auf ein faires Niveau senken. Da das Geld überwiegend von Versichertengeldern kommt, müssen Medikamentenpreise kalkulatorisch begründet und sachlich nachprüfbar sein. Das würde die Menschen mit Schuppenflechte glücklich machen!

    Glücklichsein kann man trainieren

    Als zweite Konsequenz wird vorgeschlagen, dass Patienten psychologisch betreut werden sollten, um – vereinfacht ausgedrückt – positiv denken zu lernen. Das wird beim derzeitigen Mangel an Psychologieplätzen vermutlich schwer umzusetzen sein. Patientenschulungen, Selbst-Management-Programme u.ä. wären möglicherweise eine Alternative, um zu lernen mit der eigenen Krankheit umzugehen. Die Dermatologie der TU München plant eine "Happiness Intervention" für Betroffene von Psoriasis und Neurodermits. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für positive Psychologie soll herausgefunden werden, ob damit deren Glücksempfinden gesteigert werden kann.

    Ergebnisse basieren auf subjektiven Aussagen

    Inwieweit die Studie statistischen Ansprüchen genügt, müssen Experten beurteilen. Die Autoren selbst sprechen von einer „robusten Stichprobengröße“. Diese Stichprobe ist aber nicht repräsentativ für die durchschnittlichen Hautkranken: Sie gehören zu der Minderheit von schwer Betroffenen, sonst würden sich nicht an Unikliniken behandelt werden. 

    Die Forschenden benutzen die Begriffe „heuristische Glücks“, „heuristische Zufriedenheit“ oder „heuristisches Wohlbefinden“. Das bedeutet, alle Aussagen basieren auf rein subjektiven Erfahrungen. Dabei ist zu bedenken: „Glücklichsein“ ist immer subjektiv, selbst wenn die Gründe dafür verzerrt wahrgenommen, unbewusst beeinflusst oder falsch geschlussfolgert sind. 

    Globaler Psoriasis-Happiness Bericht

    Die Studie ist nicht die erste dieser Art. Der Hersteller von Kyntheum und Daivobet, die Firma Leo Pharma GmbH, hat 2017 und 2018 einen „World Psoriasis Happiness Report“ gesponsert. Auch darin wird festgestellt, dass Glücklichsein in unterschiedlichen Ländern sehr verschieden verstanden wird. Das läge daran, dass sich individuell orientiere Kulturen erheblich von und kollektiv orientierten unterscheiden würden, vor allem bei der Nutzenbewertung. Außerdem seien Depressionen unterschiedlich stark verbreitet und das medizinische Personal nicht überall einfühlsam genug. Es lohnt sich, die neun weiteren Schlussfolgerungen nachzulesen.

    Glück ist schwierig zu definieren 

    Inwieweit mit dieser Studie tatsächlich "Glück“ erfragt werden konnte, müssen die Wissenschaftler der Glücksforschung beurteilen. Einer der Autoren, Professor Alexander Zink, hat auf der DDG-Tagung 2023 darauf hingewiesen, wie schwierig Glück zu definieren sei: Im Deutschen „hat man Glück“ (glücklicher Zufall) oder man „empfindet Glück“. Ist man glücklich, wenn man viele positive Gefühle hat? Oder reicht es aus, nur keine negativen Gefühle zu haben? Wie stark hängt das von der Bezugsgruppe ab, was man als Glück ansieht? Werden Menschen mit Psoriasis häufiger unglücklich? Oder sind sie an sich unglücklich und die Psoriasis verstärkt das? Wo ist die Abgrenzung zur Zufriedenheit? 

    Pflege von Beziehungen als Schlüssel für ein glückliches Leben

    Zink verwies auf eine Harvard-Studie, in der Menschen seit 1938 über 80 Jahre lang beobachtet wurden. Die zeige, dass die Pflege von Beziehungen der Schlüssel zu einem glücklichen und gesunden Leben ist. Das bedeute, mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, alte Konflikte beizulegen und sich sozial zu engagieren. Investitionen in zwischenmenschliche Beziehungen seien das Beste, was wir für ein gutes Leben machen können. Das gilt vermutlich für alle Menschen, ob mit oder ohne Hautkrankheit.

    Begriffe erklärt

    Heuristisches Glück ist eine subjektive Einschätzung des Patienten, wie zufrieden er mit dem Leben ist. Die Studie verwendete einen Fragebogen, der an den "European Social Survey" (ESS) angelehnt ist, um das heuristische Glück der Patienten zu messen.

    In dieser Studie bezieht sich die Angabe von "positiven Emotionen" darauf, wie oft jemand positive Emotionen erlebt.  Gemessen wird das mit einem Test, bei dem die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 5 notieren, wie oft sie Emotionen wie "glücklich", "zufrieden" oder "freudig" erleben.

    Umgekehrt bezieht sich die Angabe "negativer Emotionen" darauf, wie oft jemand negative Emotionen erlebt. Der Test ist ähnlich: Die Teilnehmer notieren auf einer Skala von 1 bis 5, wie oft sie Emotionen wie "traurig", "ängstlich" oder "wütend" verspüren.

    Die Zufriedenheit mit dem Leben ("Satisfaction with Life (SWL)" ist eine allgemeine Bewertung des eigenen Lebens. Sie spiegelt wider, inwieweit eine Person mit ihrem Leben insgesamt zufrieden ist. Gemessen wurde die Zufriedenheit mit der "Satisfaction with Life Scale (SWLS)". Diese Skala besteht aus fünf Aussagen, die von den Teilnehmern auf einer Skala von 1 ("stimme überhaupt nicht zu") bis 7 ("stimme voll und ganz zu") bewertet werden.


    Über den Autoren

    Rolf Blaga hat sich mehr als 28 Jahre lang in der Patienten-Selbsthilfe für Menschen mit Schuppenflechte engagiert. Als Autor fürs Psoriasis-Netz besucht er regelmäßig medizinische Veranstaltungen. Er ist Vorsitzender der AG Medizin und Gesundheit bei Transparency Deutschland.

    Mehr über und von Rolf Blaga


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    aestelle / Unsplash

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    Die amerikanischen Bürger haben das Recht auf Leben, auf Freiheit und darauf, nach Glück zu streben. Davon erzählte mir meine deutsch-amerikanische Freundin. Das ist in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankert. In der Verfassung wird es nicht noch mal extra erwähnt, aber Amerikaner fühlen es im Innersten, als ob es auch da stünde: Das streben nach Glück, Typisch USA, Americanet: https://www.americanet.de/typisch-usa/das-streben-nach-glueck/ - Auch die Eigenverantwortung wäre hier noch zu erwähnen. 

    Für mich ist Glück etwas anderes als das in der oben beschrieben Studie. Ein Beispiel: Ich hatte einen schweren Unfall, der Fuß war nicht mehr im Fußgelenk verortet, Das war zwar Pech, aber ich empfand es als großes Glück, dass mir in der Klinik geholfen werden und ich auch wieder laufen lernen konnte. Glück, wenn ein unerwartet positives Ereignis eintritt. 

    Folgend Zitate aus dem obigen Text mit meinen Kommentaren: 

    Zitat

    Bei Erkrankten käme hinzu, wie stark sie betroffen sind und welche Chance sie in ihrem Gesundheitssystem hätten, sich wirkungsvoll behandeln zu lassen. 

    In den ersten 2 Jahren meiner Pso mit Mitte 20 gab es nur sehr wenige dezente Pso-Stellen... und ich war totunglücklich, haderte mit dem Leben, jammerte gar schrecklich und probierte einige Therapien aus, meist cortisonhaltige Cremes. Meine Pso schaukelte sich immer weiter hoch, bis sich am Ende mindestens 90% meiner Körperoberfläche mit einer durchgehenden Pso-Schicht bedeckt hatte und ich als Notfall im Krankenhaus landete. 

    Mit geeigneter PUVA konnten die Ärzte nach 10 Wochen wieder einen Menschen aus mir machen. Ich verließ das Krankenhaus vorzeitig mit einem Hautzustand, mit dem ich heute eine Klinik zur Therapie aufsuchen würde. - Aber ich war glücklich!!! Ich durfte leben, konnte die ganze Welt umarmen und freute mich meines Lebens. 

    Jetzt wusste ich, was meine Pso noch so konnte... nach der Therapie ließ mich das nur noch dankbar und bescheiden werden und kleinere Pso-Stellen ab da geduldig ertragen. Ein Jahr später war ich schwanger und trug dann die Verantwortung für Zwei. (Totunglücklich war gestern.) Ab jetzt wurde glücklich gelebt! - Nie mehr wollte ich einen so schweren Pso-Schub erleben und setzte alles daran, dem Kind nicht zu schaden und selbst als Mutter einigermaßen "gesund" zu bleiben. 

    Zitat

    Personen, die häufiger positive Gefühle erleben, würden besser befähigt sein, die Herausforderungen des Lebens zu meistern; auch krankheitsbedingte. 

    Richtig Positiv wurde es, als ich einen chronisch Kranken kennen lernte, der schon lange seine Erkrankung akzeptiert hatte. Er war heiter und immer zu Späßen aufgelegt; seine Gelassenheit und Heiterkeit färbte auf mich ab und wir waren ständig unterwegs unsere Umgebung zu erkunden und erlebten so die wahre Schönheit unserer Welt. Das war Glück pur! 

    Zitat

    Glücksgefühl steigt mit wirksamer Behandlung

    Als wichtigste Konsequenz wird wiederholt genannt: Der Schlüssel zu vermehrtem Glücksgefühl sei eine wirkungsvolle Behandlung. Welche damit gemeint ist, wird nicht genau gesagt. Aber am Beispiel der höheren Glückswerte der Patienten mit Psoriasis gegenüber denen mit Neurodermitis wird es klar. Die besseren Werte kämen vermutlich daher, dass Psoriasis häufiger mit innerlichen Medikamenten behandelt wird. Damit können nur Biologika oder die anderen neue Wirkstoffe gemeint sein. 

    Das kann so sein. Es gibt aber auch noch andere Wege. 

    Durch die Schwangerschaften hatte ich gelernt so viel Therapie wie nötig, aber auch so wenig wie möglich einzusetzen und dabei immer das Kindeswohl zu berücksichtigen. Also hatte ich nicht direkt eine Pso-Freiheit angestrebt, sondern nur soviel Pso-Reduktion, dass Schlimmeres verhindert wurde. 

    Dabei entdeckte ich, dass bei mir sogar regelmäßige Pflegecreme eine befriedigende Wirkung haben konnte. Dabei war meine Pso fast immer sichtbar, aber richtig schwere Schübe waren selten, etwa alle 10 Jahre mal, aber nie mehr so wie davor schon mal. 

    Meine Pso konnte ich so klarer beobachten, wie sie sich auf verschiedene externe Einflüsse verhielt und daraus lernen, was mir half und was mehr schadete. - Medikamente verdeckten während meiner stabilen chronischen Pso-Phase solche Lernvorgänge, waren aber im akuten schweren Schub immer hilfreich und willkommen. 

    Bei mir stieg das Glücksgefühl auch mit einer eher weniger wirksamen "Therapie". Dafür hatte ich viel weniger Stress und mehr Zeit für meinen Beruf und die Familie. 

    Zitat

    Ähnlich die Schlussfolgerung für diejenigen, die ein niedrigeres Glücksniveau und eine geringere Lebensqualität angaben. Verantwortlich dafür sei zum einen die schlechtere wirtschaftliche Situation (hohe Arbeitslosigkeit), zum anderen aber, die „Nichtverfügbarkeit von Therapien“. Warum diese Therapien nicht verfügbar sind, wird nicht gesagt. Die Wahrheit ist: Die Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern können sich solche hochpreisige Medikamente schlichtweg nicht leisten. Die Süddeutsche Zeitung hat ausführlich berichtet, welche Folgen so etwas für Betroffene in diesen Ländern hat. Dabei könnten auch neue Präparate deutlich billiger sein! Es ist  hinlänglich nachgewiesen, dass sie nicht wegen der Forschungs- und Entwicklungskosten so teuer sind. 

    Wenn man wie ich auch mit Weniger glücklich sein kann, stelle ich mal meine "Therapie-Kosten" den hochpreisigen Therapien gegenüber. Seit etwa 40 Jahren belaufen sich meine Therapiekosten auf etwa 150-200€/Jahr, zuzüglich 3x 3-wöchige Krankenhausaufenthalte und 1x REHA, fast keine Arztbesuche, da ich mich um meine für mich verträglichen Cremes selbst bemühe und als "Dauerkundin" darauf Rabatte erhalte.  

    Zitat

    Patientenschulungen, Selbst-Management-Programme u.ä. wären möglicherweise eine Alternative, um zu lernen mit der eigenen Krankheit umzugehen. Die Dermatologie der TU München plant eine "Happiness Intervention" für Betroffene von Psoriasis und Neurodermits. 

    Meine "Patientenschulung" fand mit meiner Mutter, Verwandten, Freunden, Arbeitskollenen und vor allem mit Mitbetroffenen statt. Von Letzteren konnte ich mir einen besseren, entspannteren Umgang mit meiner Pso "abgucken", die anderen hörten mir zu und gaben Ratschläge wie: "Wenn Deine neue Pflegecreme am Körper die Pso reduziert, dann probiere sie doch auch mal auf dem Kopf aus." "Aber dazu ist sie zu fettig!" "Kannst Du sie mit einer anderen weniger fetten Creme verdünnen und nur ganz dünn auftragen? - Probier es mal aus!" - Nach 3 Jahren war so das große Problem Kopf-Pso für mich, bis auf wenige Stellen, gelöst.  

    In einer Gesellschaft, in der die Einzelnen immer stärker isoliert leben, ist leider eine "Schulung" aus dem Umfeld kaum mehr möglich. 

    - Nur eine gute klinische Versorgung bei der Pso, hatte es mir erlaubt das Risoko mit meiner Pflegecreme einzugehen, denn für den Notfall, wie ein schwerer Pso-Schub, brauchte ich noch dringend die ärztliche Therapie.  

    - Ganz anders betrachte ich die sehr schmerzhafte Pso an Händen und Füßen und die PsA, da können Biologica die Lebensqualität gewiss erheblich verbessern und die Menschen wieder glücklicher machen

    LG Burg 

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