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  • Claudia Liebram
    Claudia Liebram

    Wie die Zucht von Knabberfischen funktioniert

    Mario Wegricht investierte zu Beginn des Kangalfisch-Hypes 70.000 D-Mark in ein Aufzuchtbecken, Technik, Räume und mehr. Seine Frau und er verbrachten damals ihre ganze Freizeit mit der Fischaufzucht in Wohnzimmer, Küche, im Bad, im Keller und auf der Terrasse.

    Nachbarn fühlten sich belästigt, wenn die Kellertüren bis spät in die Nacht klapperten, die Wasserleitungen rauschten und jeden Tag neue Besucher kamen, die auch noch die wenigen Parkplätze blockierten. Selbst der Fahrschulbetrieb – Mario Wegrichts Broterwerb – litt unter der neuen Beschäftigung.

    "Seit den Fernsehberichten versuchen die Pharmaindustrie und Discount-Zoohändler, meinen ganzen Fischbestand aufzukaufen", erklärte Wegricht damals. "Islamische Fundamentalisten haben mich schon mehrmals am Telefon bedroht und angezeigt." Wegricht ging noch weiter: "Die Kangal-Lobby plant etwas gefährliches gegen mich, denn ich soll sterben."

    Gute Nachrichten vom Nachwuchs

    Der Mann verbreitete aber auch gute Nachrichten: Ein Patientenpaar aus Hessen überraschte ihn mit einem Zuchterfolg und hatte 15 quicklebendige Jungfische zu Hause. Das verblüffte selbst Wegricht: "Nach meinen Erfahrungen hatten sich die Fische in den letzten vier Jahren nie im Winter gepaart." Die junge Frau jedenfalls war seit Mitte Januar 2001 beschwerdefrei.

    Wegricht selbst – so sagte er – war damals seit drei Jahren absolut beschwerdefrei. "Auch meine gesunde Frau vergnügt sich gelegentlich und lässt sich dabei ihre ,Mitesser' beseiten", berichtete der Fische-Züchter. Bei 30° C Wassertemperatur sei das "sehr wohltuend und angenehm, wenn man nicht äußerst kitzlig ist."

    Jeder Interessent konnte die Fische, wenn er sich per Telefon anmeldete, "in bar" erwerben. Beim Züchter konnten gleich die Kenntnisse über Haltung, Pflege, Heimkur und Aufzucht anschaulich erfahren werden. Wer Interesse und Mut mitbrachte, konnte ein Testbad nehmen, versrpach Wegricht. In Ausnahmefällen lieferte er auch – an "Nichtmobile, ältere Menschen, Schwerkranke" – gegen eine Fahrkostenrechnugn von 61 Pfennig pro Kilometer.

    Als Alternative zur Abholung nannte er einen Transport mit der Bahn samt einem Zehn-Liter-Eimer im Handgepäck.

    Fische illegal eingeführt – darauf stehen in der Türkei zehn Jahre Gefängnis

    Ansonsten appellierte Wegricht an die Solidarität unter den Psoriatikern: Jeder soll möglich nur eine begrenzte Zahl von Jungfischen – zwischen sechs und 15 Stück – erwerben und dann sechs bis neun Monate lang zur Geschlechtsreife großziehen. Mit dem Nachwuchs – wohlgemerkt dem der Fische – könnte man dann "kuren" und nicht benötigte Fische an andere Bedürftige vermitteln.

    Laut Wegricht wurden (und werden wohl) je nach Größe der Hautstellen werden zwischen zehn und 50 erwachsene Fische gebraucht, die mindestens vier bis sieben Zentimeter groß sind. Ausgeswachen messen die Fische bei sachgemäßer und nicht übertriebener Füttern etwa zwölf Zentimter Körperlänge.

    Mario Wegricht nahm pro Fisch, der dann im zarten Alter von zwei bis vier Wochen war, 125 Mark. "Das ist nicht, um meine Idee oder das Risiko bei der illegalen Einfuhr oder meine wertvollen Erfahrungen zu honorieren, sondern um meine Auslagen für Investitionen und Aufwendungen auszugleichen", begründete er den hohen Kaufpreis. Wer ein komplettes Aquarien-Set, ausreichend für maximal zehn Fische, dazu nimmt, zahlte damals noch einmal 175 Mark.

    Wegricht rechnete pro Fisch im heimischen Aquarium mit mindestens zehn Liter Wasserbedarf. Das Becken sollte oben dicht abgedeckt sein. Eine Lücke von einem halben Zentimeter ist laut Wegricht schon zu groß: Er hat negative Erfahrungen mit vertrockneten Fischen, die er vom Teppich aufgelesen hat.

    Das Wasser muss nicht geheizt werden, wenn der Raum ständig zwischen 22 und 25 °C warm ist. Ansonsten ist ein regulierbarer Aquarium-Heizstab nötig. "Jungfische mögen es lieber etwas frischer." Das Wasser muss keine besonderen Eigenschaften vorweisen. "Unser deutsches Leitungswasser kommt dem türkischen Kangal-Thermalwasser zu 98 Prozent nahe", bekundet Wegricht. Pflanzen müssen nicht sein, dürfen aber.

    Fische täuschen Hunger vor

    Beim Futter lautet die Devise "oft und wenig". Ein Fastentag pro Woche sei gesund und natürlich. "Achtung", schreibt Wegricht in seinem Werbe-Rundbrief. "Die Fische täuschen ständig Appetit vor und ,betteln'. Bleiben Sie hart. Fette Fische leben kürzer und vermehren sich schlechter."

    Wer sich ordentlich um den tierischen Nachwuchs kümmert, hat bald Freude: "Nach sechs bis neun Monaten ist der gepflegte, glückliche Fisch fünf bis acht Zentimeter lang und geschlechtsreif." Im Zuchtbecken sollten mindestens sechs bis acht Fische sitzen. "Auch die Fische sind in der Partnerwahl etwas wählerisch", so Wegricht.

    Zum Schluss warnte der Kangal-Autodidakt: "Die Fische sollen zur Heimkur nicht in die heiße Badewanne gesetzt werden."

    In der Therme in Kangal schwimmen zwei Sorten Fische herum: Der Leuciscus Cephalus und der Garra rufa. Letzterer wurde von Wegricht nach Deutschland eingeführt. Er – der Fisch – half und hilft laut seiner Aussage nicht nur gegen die Psoriasis, sondern beseitigt auch Mitesser, hilft gegen Fußpilz, Ekzeme, Akne, Neurodermitis und Warzen. Beim Knabbern injiziert er laut Wegricht zugleich salz- und dithranolhaltige Sekrete und Enzyme in die neue Unterhaut.

    Wer es irgendwie schafft, a) das genügend große Aquarium oder die Regentonne in die Wohnung zu stellen und b) in die "Gefäße" mit den Fischen 'reinzukommen, sollte Fernseher, Familie, Kreuzworträtsel, Bücher und andere Unterhaltung stets in der Nähe haben: Wegricht empfahl täglich vier bis acht Stunden Aufenthalt über zwei bis drei Wochen.

    Nachtrag

    Damals hatte Mario Wegricht so viel PR in eigener Sache gemacht, dass auch die staatlichen Institutionen auf ihn aufmerksam wurden. Laut seinen eigenen Aussagen in unserem wurde ihm per einstweiliger Verfügung untersagt, seine Fische weiter zu verkaufen. Den genauen Grund für die einstweilige Verfügung hat er trotz mehrerer Anfragen nicht genannt.

    Als behördenunkundiger Bundesbürger muss man die korrekten Namen der Gerichte auch nicht wissen. Wenn man von ihnen freilich Post bekommt und das auch noch aller Welt kundtut, kann man schon einmal die genaue Bezeichnung ablesen. Ein Landesgericht Stuttgart gibt es auf keinen Fall. Ein Oberlandkreisamt Pforzheim ist ebenfalls nirgends zu finden.

    "Ob einstweiliger Verfügung vom 23. April 2001 vom Landesgericht Stuttgart und Oberlandkreisamt Pforzheim darf ich keine Fische der ART "gara ruffa" zu medizienischen und sonstigen Zwecken mehr verkaufen oder verschenken", schreibt Mario Wegricht und zitiert einen Dr. Dr. Bauer. "Alle meine Fische sind zu medizinischen Untersuchungen freizugeben oder sofort töten zu lassen."

    Das Verkaufs-Verbot wurde mittlerweile aufgehoben. Dennoch hat Mario Wegricht angekündigt, auszuwandern und mit einer seiner ehemaligen Kundinnen - mit Gabi Gratke - ein Thermal-Fisch-Bad in Brno (Tschechei) aufzubauen. Das ist allerdings auch schon ein wenig her. Auf seiner Webseite ist au§erdem mittlerweile Köthen als Wohnort angegeben.

    Unsere Meinung

    Ich übe mich in deutlicher Zurückhaltung, einem Laien die Züchtung der Garra rufa (Knabberfische) auch nur ansatzweise zu empfehlen. Es ist nirgends von einer unabhängigen Stelle dokumentiert, dass das funktionieren kann. Vielmehr sind Wasser und Klima vor Ort, in der Türkei, für die Linderung wichtig.


    User Feedback

    Recommended Comments

    Ich habe 2012 in Griechenland eine Saison und hoffentlich auch 2013 in einer Fishspa gearbeitet und habe wahre Wunder gesehen. Was nach einer mehrtaegigen Therapie passier, es ist Heilung pur. Die Natur hilft bei den schlimmsten Hautkrankheiten.

    Leute ich kann euch nur raten, probiert es aus, auch bei den schlimmsten Hautkrankheiten.

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    Ähm... ich bin Aquarianer. Garra rufa wird bei uns im Großhandel zu Preisen um 2 € verkauft. Daraus resultiert ein Einzelhandelspreis um 6-8 €. Hier will wohl jemand sein Näschen vergolden.

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    Na Du lieber Aquarianer, Haettest den Artikel mal sorgfaeltig gelesen, waere Dir aifgefallen, dass es sich um D-Markzeiten handelte.

    Dort aifgrund des Aufhebens um die Art der Heilung muss es in den 80 ern bis 85 ern gewesen sein.

    Erst Mal genau lesen bevor gemeckert wird.

    Und mittlerweile kosten ECHTE Kangal- Knabberfische um die drei bis fuenf Euro wenn sie juvenil sind.

    Adulte Exemplare mehr.

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    Hi,

    ... mittlerweile um die 0,80 CENT(!!!) ... und Katharina.S.: Ich wusste gar nicht, dass Aquarianer so miteinander umgehen?!!!! Der "ECHTE" Kangal kommt woher? Wo lebt er? Wenn du für einen "Echten!!!!" Kangal ca. 4 Bucks nimmst, hoffe ich, dass du Quaranräne, Transport, Fangpersonal, Boot, Benzin,etc eingrechnet hast?!! Habe 2 Becken mit Diskus Heckel, nebst 4 Becken mit "einfachen" Diskuswildfängen (rot!)! Kosten pro Fisch: ca.: 150,-Eus!! Wenn die (die Fische!), sich paaren mit welchem Diskus auch immer (alles Wildfänge!) und die bekommen die ( Babys!) auch noch durch...??? ... sind die Babys dann Wildfänge????? ECHTE Wildfänge?? ich will hier gar nicht rummaulen, doch dein Kommentar hat mich einfach nur aufgebracht!!! ... und jeder kann`s bei Goggle goggeln!! Nun ja, jedem seins!!!!!

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    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Fische, die die Pso wegknabbern: Seit Jahren zieht dieses Phänomen durch Presse, Funk und Fernsehen. Der erste Boom ist lange vorüber. Es zeichnet sich ab: Wer die Therapie ausprobieren möchte, sollte entweder in die Türkei an die Quelle fahren, wo die Fische zuhause sind, oder sich hierzulande in die Hände von erfahrenen Therapeuten begeben. Unter letzteren waren die Mitstreiter in der Erlenbach-Klinik in Bad Mergentheim wohl am weitesten.
      Die Erlenbach-Klinik hatte Platz für 80 Menschen – kein großer Klinik-Betrieb erwartete also den Patienten. Mit Hautkrankheiten beschäftigte sich die Klinik, seitdem die Garra rufa (der lateinische Name für die Fische) "in Mode" waren. Klinikchef Karl Gutekunst litt selbst an Schuppenflechte und nahm die Therapie mit den Fischen unter die Lupe. Sie half ihm, und so zogen nach einigen Umbauten die ersten Garra rufa ein.
      Das Procedere bei der Fischtherapie
      Die Therapie wurde in einem separaten Gebäude – zwei Kilometer entfernt von der Klinik – durchgeführt. Die Patienten wurden dorthin gefahren, was schon wegen des bergigen Landes sehr angenehm ist.
      Für jeden Patienten wurden vor seiner Ankunft etwa 150 Fische in eine Badewanne gesetzt. Dort blieben die Fische für die gesamten drei bis vier Wochen. Jeder Patient erhielt während der gesamten Therapiezeit seine eigene Wanne mit seinen eigenen Fischen. Die Fische wurden täglich mit herkömmlichem Futter gefüttert.
      Denn: Sitzt der Patient bei seinen Fischen, stürzen die sich gleich auf ihn – schließlich hat er ihr Futter sozusagen am Leib. Die Fische stupsen die Stellen des Patienten weich und massieren sie. Zudem knabbern sie die Schuppen weg. So ging das 21 Tage lang: Täglich sitzt der Psoriatiker vier Stunden lang oder zwei mal zwei Stunden lang im Wasser.
      Jeder Patient badete immer komplett – egal, ob der ganze Körper oder nur einzelne Stellen befallen sind.
      Auch die Erlenbach-Klinik-Betreiber versprachen keine Heilung von der Psoriasis. Vielmehr sahen sie die Chance der Therapie in einem Abheilen der Haut-Stellen und weniger Juckreiz und Spannungsgefühl.
      Patientenmeinung
      Patient Uwe Gräser (29) sagte damals, er würde die Therapie sofort wiederholen. Zwei Tage vor Ende seines Aufenthaltes konstatierte er: "Ich spüre keinen Juckreiz, keine Hautverspannungen. Meine Haut ist zwar an manchen Stellen noch etwas errötet, doch sie ist glatt, von Schuppen keine Spur." Endlich könne er wieder ein Hemd mit kurzen Ärmeln tragen. Den Skeptikern sagt er: "Wer den letzten Strohhalm nicht nutzt, leidet meiner Meinung nach nicht genug."
      Am Anfang war er selbst gar nicht so enthusiastisch: "Die erste halbe Stunde bedurfte einer gewissen Gewöhnungsphase, doch an das kitzelige Gefühl gewöhnt man sich schnell."
      Mehr über die Kangalfisch-Therapie
      Ina Schubert, Mitarbeiterin der Erlenbach-Klinik, damals: "Der Erfolg hielt bei unseren Patienten zwischen 14 Wochen und 18 Monaten an." Dr. Manfred Derr, niedergelassener Hautarzt in Bad Mergentheim, betreute die Psoriasis-Patienten in der Klinik – was nicht hieß, dass er ständig oder täglich anwesend war. "Für viele Patienten ist eine tägliche Visite gar nicht nötig", meinte er damals. "Sie bringen ja Erfahrung mit ihrer Schuppenflechte mit."
      Anfangs bekamen selbst erfahrene Psoriatiker einen Schreck: Bei 20 Prozent der Patienten wurde die Schuppenflechte zunächst schlimmer. Das jedoch ist laut Dr. Süßmuth, damals Chefarzt der Erlenbach-Klinik, normal – vor allem bei Naturheilverfahren, zu denen er die Fische-Therapie zählt. Und: "Die Patienten, bei denen die Psoriasis am Anfang schlechter wurde, haben hinterher die schnellsten Erfolge erlebt."
      Dafür waren in der Klinik dann aber doch nicht nur die Fische verantwortlich: Die Patienten wurden psychologisch mitbetreut und lernten, mit Stress umzugehen.
      Außerdem wurde die Knabber-Therapie in der Erlenbach-Klinik immer mit einer Bestrahlungstherapie mit UV-A-Licht kombiniert. Wer wollte, bekam zusätzlich Stutenmilch, die der Patient schon zwei Wochen vor dem Klinikaufenthalt zu sich nahm. Das "Getränk" wurde während der Fische-Therapie und danach fortgesetzt. Hinzu kamen eine Colon-Hydro-Therapie zur Sanierung des Darmes und eine individuelle Ernährungsberatung von einer erfahrenen Diätassistentin.
      Volker Schweizerhof, der für die Fische und deren Zucht verantwortlich zeichnete, wusste und weiß: "Wer behauptet, die Garra-rufa-Theapie ist nur angenehm und es würde nicht bluten, lügt." Deshalb wurden offene Stellen stets abgeklebt. Viele Patienten berichteten außerdem davon, dass die Haut hinterher kribbelt. Das soll laut Volker Schweizerhof geschehen, weil die unteren Hautschichten stimuliert werden – ähnlich wie bei der Anwendung von Interferenzstrom.
      Dr. Süßmuth hat beobachtet, dass auch Haut an Ohren- und Kopfhaut besser wurde, obwohl sie nicht mit im Wasser waren.
      War ein Patient weg, müssen die Fische erst einmal "durchatmen": Obwohl jeder Patient vor der Therapie auf ansteckende Krankheiten wie Hepatitis oder HIV untersucht wurde, wurden die Fische zehn Tage lang in Quarantäne geschickt, damit keine ansteckenden Krankheiten oder krankmachende Keime zum nächsten Patienten gelangen konnten. Für Kenner der Materie: Die DIN 19346, bei der es um Wasserqualität und Keime geht, wurde streng überprüft.
      Wer sollte nicht zu den Fischen steigen?
      Ein Patient mit Psoriasis arthritis, der die Therapie ausprobierte, verspürte nur eine leichte Besserung. Während des gesamten Klinik-Aufenthaltes sollte auf Alkohol und Kortison verzichtet werden, weil die das Knabberverhalten der Fische beeinträchtigen. Wer mit diesen Verzichten Probleme hat, war ebenfalls für die Therapie nicht geeignet. Bei Menschen mit Fibromyalgie musste eine individuelle Klärung erfolgen. Die Kosten
      Keine Krankenkasse erkennt die Therapie als Reha-Maßnahme an. Ina Schubert riet damals jedem, selbst zur Krankenkasse zu gehen und eine ambulante Badekur durchzuboxen, um wenigstens einen Teil der Therapiekosten erstattet zu bekommen.
      Die Therapie hatte ihren Preis: Für das Rundum-Paket wurden für 21 Tage 1.990 Euro verlangt. Vier Wochen kosteten 2.650 Euro. Verzichtete der Patient auf den Verzehr von Stutenmilch, belief sich der Preis für eine dreiwöchige Therapie auf 1.790 Euro, für vier Wochen auf 2.385 Euro (Stand Frühjahr 2003).
      Schnupperwochenenden gab es nicht. "Jeder kann aber zu seiner persönlichen Information vorbeikommen und einmal seinen Arm ins Aquarium halten", so Ina Schubert.
      Im Programm der Klinik war eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur mit den Fischen im Sanatorium "An der Höhle".
      Was bleibt
      Die Erlenbach-Klinik begab sich mit ihrem Konzept heraus aus dem Spannungsfeld der reinen Fische-Züchter, die hierzulande schnell ins Geschäft einstiegen, den Betroffenen das Blaue vom Himmel versprachen und ihnen gern viel Geld abnahmen. "Einige Züchter haben die Therapie in ein sehr schlechtes Licht gerückt und ihr geschadet", sagt Volker Schweizerhof deutlich.
      In der Erlenbach-Klinik setzte man auch nicht allein auf die Fische, sondern mischte herkömmliche Therapien wie Bestrahlung mit sanfteren Methoden.
      Es wurde an einem wissenschaftlichen Nachweis gearbeitet, dass die Therapie besser hilft als die oft mit schweren Nebenwirkungen verbundenen bisherigen Methoden. Die Erlenbach-Klinik erstellte zusammen mit einem Dermatologen unter Zugrundelegung der Behandlungsergebnisse sämtlicher in der Wanne behandelten Patienten eine Studie zum Wirksamkeitsnachweis der Fischtherapie.
      Nach wie vor meinen Wissenschaftler vor allem an Uni-Kliniken, dass der Patient eine entschuppte Haut auch einfacher haben kann. So muss jeder Patient für sich entscheiden, ob ihm der Versuch das Geld wert ist. Für andere Selbstzahler-Therapien berappt der Betroffene jedoch schnell die gleiche Summe.
      Doch leider: Die Klinik musste ihre Pforten schließen.
      Inzwischen wird eine richtige Therapie mit den Fischen kaum noch in Deutschland angeboten. In sogenannten Fish-Spas werden die Tiere zum Beseitigen von Hornhaut und zu anderen Wellness-Zwecken eingesetzt. Meist sind Menschen mit Schuppenflechte oder Neurodermitis vom Besuch in diesen Spas sogar ausdrücklich ausgeschlossen.
      Als Beispiel hier ein Video von einer Behandlung der Hände:
      Bilder von Knabberfischen im Aquarium
      Tipps zum Weiterlesen
      Kangal-Fische knabbern an der Schuppenflechte – aber hilft das auch? In unserer Community wird immer noch ab und an über Erfahrungen mit der Knabberfisch-Therapie diskutiert. Mehr über die Therapie mit Knabberfischen in der Türkei Mehr über die Zucht von Kangalfischen – und wie man es nicht macht In unserem Branchenbuch findest du einige Therapeuten, die mit Kangalfischen arbeiten. Einschätzung vom Psoriasis Forum Berlin e.V.  „Knabber-Fische“ in Kosmetikstudios – Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz?" – Beitrag in einem regionalen Online-Portal "Knabberfische dürfen auch in Deutschland arbeiten" – Beitrag in einem Rechts-Blog "Fisch-Spa-Behandlung im Friseursalon bei argerechter Haltung mit Tierschutz vereinbar" – zum gleichen Gerichtsurteil wie der Artikel zuvor "Hygienerichtlinien bei der Therapie mit Knabberfischen", erschienen in der Zeitschrift Hygiene + Medizin 2005; 30 [7+8]: 268-269 "Garra-Rufa-Fische kaufen - das ist zu beachten", erschienen im Portal "helpster", zuletzt abgerufen am 18.11.2013 Weitere Artikel
      Knabberfische dürfen für Kosmetiker arbeiten
      (Spiegel online, 16.07.2015)
      Das Urteil vom Verwaltungsgericht Köln gibt's auch zum Nachlesen.
      Haltung von Knabberfischen ist nicht immer Tierquälerei
      (IKZ, 25.07.2014)
      Wer Knabberfische hält, macht sich damit nicht gleichzeitig der Tierquälerei schuldig – zumindest ein Friseur aus Essen-Rüttenscheid hat das jetzt amtlich: Ihm war die Haltung vom Landesumweltamt untersagt worden. Jetzt gab ihm ein Gericht aber Recht: In einer Einzelfallentscheidung (!) entschied es zugunsten des Friseurs – wegen seiner nachgewiesenen Fachkenntnis.
      Knabberfische im Test
      (test, 22.05.2014)
      Stiftung Warentest hat im Heft 06/2014 einen Beitrag über die Kangalfische, die den Fußpfleger ersetzen sollen. Um ihren Einsatz in der Psoriasis-Therapie ist es ruhig geworden. Der Tipp der "test"-Redaktion sagt recht klar:
      Urteil vom Verwaltungsgericht Essen
      (Gerichtsurteil vom 15.05.2014)
      Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW muss einer Friseurin eine Erlaubnis zum gewerbsmäßigen Halten von Kangal-Fischen erteilen.
      Ein Kangalfisch erzählt aus seinem Leben
      (Potsdamer Neueste Nachrichten, 12.03.2014)
      Mal eine andere Sichtweise: Ein Kangalfisch berichtet von seinem Alltag "auf Arbeit", vom Tierschutz und von seinen liebsten Fütterern. Und nein, auch er darf nicht an Kranken herumknabbern – also auch nicht an Psoriatikern. Das ist ja inzwischen oft so.
      Baden-Württemberg will Knabberfisch-Bäder nur für Hautkranke erlauben
      (nano (3sat), 03.09.2013)
      Die baden-württembergische Landesbeauftragte für Tierschutz, Marita Langewische, sieht Probleme beim Einsatz der Knabberfische im Wellness- oder Kosmetik-Bereich. Wenn die Tiere zu therapeutischen Zwecken einsetzt werden, fällt ihre Bewertung anders aus.
      Therapie mit Kangal-Fischen - Tierschutz, Hygiene und Rechtliches
      (WAZ, 11.01.2012)
      In Europa ist die Pediküre mit den kleinen Doktorfischen ein boomendes Geschäftsmodell. Außer in NRW. Die Landesregierung hat sich bis jetzt nicht zu einer einheitlichen Haltung durchringen können, ob Fische in der Kosmetik aus Hygienegründen eingesetzt werden dürfen.
      Wellness mit Risiko
      (news.at, 18.11.2011)
      Die britische Gesundheitsbehörde warnt: Fische können Krankheiten wie HIV übertragen.
      Heilende Sekrete
      (Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011)
      Knabberfische sorgen für Pfirsichhaut
      (Südwest Presse, 13.09.2011)
      Bitte trotz des Titels lesen Endlich mal ein Artikel, der über die Beschreibung einer skurrilen Behandlung hinausgeht, der auch auf die nötige Sachkunde hinweist.
      Knabbern für die Schönheit
      (WELT kompakt, 11.07.11)
      Wie ist es, wenn Fische an den Füßen saugen? Ausprobiert hat es eine Autorin der Tageszeitung "Welt kompakt".
      Doktorfische: Hautpflege durch Saugbarben
      (Focus, Februar 2011)
      Alternativmedizin im Aquarium
      (Hamburger Abendblatt, 13.08.09)
      Fische knabbern Patienten in Thale an
      (Mitteldeutsche Zeitung, 09.08.2009)
      Kangal-Fische aus der Türkei sollten ihre Heilkräfte in Sachsen-Anhalt einsetzen. In der Therme in Thale (Landkreis Harz) sollte die alternative Heilmethode im großen Stil angeboten werden. Heute ist davon nichts mehr auf deren Internetseite zu finden.
      'Doctor fish' clear skin disease (englisch)
      (BBC, 20.11.2008)
      Ein Reisender berichtetüber seine Fisch-Therapie in der Türkei.
      Wirksamkeit von Fischtherapie untersucht
      (Wirtschaftswoche, 20.07.2006)
      Ärzte in Wien haben einen weiteren Beleg für die Wirksamkeit der Behandlung von Schuppenflechte mit einem so genannten Knabberfisch erbracht.

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