Dithranol – was ist das und wie wird es angewendet?

Wirkstoff: Dithranol

Handelsname: Psoradexan Creme (1% Dithranol) und Psoradexan mite Creme (0,5% Dithranol)

Diese Medikamente gibt es nicht rezeptfrei. Sie sind verschreibungspflichtig.

Allgemeine Informationen

Dithranol wird auch Cignolin oder Anthralin genannt. Es wird äußerlich schon seit 1916 zur Therapie der Psoriasis eingesetzt und war der erste Arzneistoff, der speziell für die Behandlung dieser Erkrankung entwickelt wurde. Es handelt sich um einen synthetisch hergestellten Abkömmling eines Naturstoffgemisches, das in der indischen und südamerikanischen Heilkunst schon im 18. Jahrhundert bei Hautkrankheiten eingesetzt wurde.

Der Wirkstoff ist in Deutschland als Fertig-Arzneimittel nur noch in Kombination mit Harnstoff zu haben. Dieses Produkt heißt Psoradexan. Das Medikament Micanol wurde vom Markt genommen. Harnstoff verstärkt genauso wie Salicylsäure die abschuppende Wirkung von Dithranol. Allerdings kann jeder Hautarzt auch ein Rezept verordnen, dann wird Dithranol in der Apotheke nach einer Standard-Rezeptur angemischt.

Der hochwirksame Arzneistoff kann die Haut stark reizen. Er darf daher auch nur auf die Psoriasis-Herde, nicht aber auf die umgebende gesunde Haut aufgetragen werden.

Bei welcher Erkrankung wird Dithranol angewandt?

Dithranol kann als Kurzkontakttherapie zur Behandlung der subakuten und chronischen Psoriasis eingesetzt werden. Weitere Einsatzgebiete sind Warzen (Verrucae vulgaris) und Alopecia areata (kreisförmiger Haarausfall).

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Dithranol in den Hautzellen ist bisher noch nicht endgültig geklärt. Der Wirkstoff scheint in vielfältiger Art und Weise den Zellstoffwechsel zu beeinflussen. Gezeigt wurde z.B. eine Veränderung des Stoffwechsels der ungesättigten Fettsäuren, eine Verminderung der Konzentration des bei Schuppenflechte erhöhten zelleigenen Botenstoffes cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) und eine Beeinträchtigung der Energiegewinnung in den Mitochondrien („Kraftwerke“ der Zelle) der Zellen). Durch all diese Mechanismen wird die Zellteilung verzögert.

Die gesunde Haut erneuert sich ständig, indem Hornschicht-bildende Zellen (Keratinozyten) durch die Hautschichten an die Oberfläche gelangen  und in rund 28 Tagen zu Hornzellen werden. Diese abgestorbenen Hornzellen fallen dann durch Waschen oder Reiben an der Kleidung ab. Bei Psoriasis teilen sich die Keratozyten vermehrt und die Zeit bis zur Umwandlung in eine (unvollständige) Hornzelle ist auf 3 bis 5 Tage verkürzt. Beide Mechanismen führen zu einer vermehrten Schuppenbildung.

Durch Dithranol wird die krankhafte Zellvermehrung auf ein normales Maß zurückgebracht.

Anwendung von Dithranol

Dithranol (und die entsprechenden Kombinationspräparate) sind nur für die äußerliche Anwendung bei Erwachsenen gedacht. Die Creme wird in der Regel einmal täglich sparsam auf die betroffene Hautregion aufgetragen und vorsichtig und gründlich eingerieben bis sie vollständig von der Haut aufgenommen wurde. Der Kontakt mit der gesunden Haut muss dabei sorgfältig vermieden werden.

Grundsätzlich wird die Creme nach einer gewissen Einwirkzeit wieder abgespült. Dazu sollte immer höchstens lauwarmes fließendes Wasser verwendet werden. Bei größeren behandelten Flächen geht das am besten unter der Dusche. Keinesfalls darf zu heißes Wasser (über 30°C) oder Seife verwenden werdet. Beides würde die Salbengrundlage zerstören und zu übermäßigen Verfärbungen der Haut oder auch der Badewanne/Duschwanne führen.

Bei der ersten Anwendung von Psoradexan wird in der Regel die Creme mit der niedrigsten Dosierung verwendet – also Psoradexan mite. Wird die vertragen, können alle, deren Haut nicht empfindlich reagiert, auf die höhere Dosierung (Psoradexan) umsteigen. Wer Erfahrung mit Dithranol hat und weiß, dass er es gut verträgt, kann auch gleich höher einsteigen, also Psoradexan mite auslassen. Kommt es zu Hautreizungen, geht man wieder auf die geringer dosierte Creme zurück. Bis zur Erscheinungsfreiheit können 4 bis 6 Wochen vergehen. Der Hersteller empfiehlt, Psoradexan nicht unter Verbänden anzuwenden, weil dann die Haut stärker verfärbt oder mehr gereizt reagieren kann.

Bei einer angerührten Dithranol-Creme aus der Apotheke wird ebenfalls mit der schwächsten Konzentration, nämlich 0,1%, begonnen. Sie wird zweimal am Tag dünn auf die Stellen aufgetragen und dann nicht abgewaschen. Mit einer höher konzentrierten Salbe wird weitergemacht, wenn die Haut nicht zu sehr gereizt reagiert. Für gewöhnlich passiert das alle drei Tage, bis am Ende eine Salbe mit bis zu drei Prozent im Einsatz ist. Wie bei der anderen Dithranol-Variante wird bei zu starker Hautreizung auf eine schwächere Dosis zurückgegangen werden.

In der Regel wird die Therapie solange angewandt, bis die Haut frei von Psoriasisherden ist.

Säuglinge und Kleinkinder dürfen nicht mit Dithranol behandelt werden.

Wann und wo nicht?

Dithranol soll nicht zur Anwendung kommen

  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Dithranol oder einen der Inhaltsstoffe
  • bei akuter pustulöser Psoriasis
  • bei Entzündungen der Haut einschließlich Follikulitis, Erythrodermie (großflächige entzündliche Hautrötung), vesikulöse Dermatitis, akute ekzematöse Dermatitis
  • bei Niereninsuffizienz
  • auf  Wunden, Geschwüren, nässenden Hautpartien
  • im Bereich von Gesicht, Körperfalten (Achselhöhle, Brustfalte, Leiste) und Genitalen
  • auf Schleimhäuten und im Bereich der Augen

Worauf achten?

Dithranol kann zu Verfärbungen von Kleidung und Bettwäsche führen. Der Kontakt mit Kleidung sollte daher vermieden werden und es wird empfohlen bei der Anwendung nur alte Waschlappen und Handtücher zu benutzen.

Zum Entfernen von Flecken aus Textilgewebe sollte nur lauwarmes Wasser (< 30° C) verwendet werden. Rückstände auf anderen Oberflächen sollten sofort mit einem geeigneten Reinigungsmittel entfernt werden.

Da Dithranol auch blonde oder graue Haare verfärben kann, ist bei der Anwendung auf dem behaarten Kopf Vorsicht geboten.

Kontakt mit den Augen ist unbedingt zu vermeiden, da es zu hochgradiger Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Hornhautentzündung (Keratitis) oder Hornhauttrübung kommen kann. Daher müssen auch die Hände nach jeder Anwendung gründlich gewaschen werden. Ist es versehentlich doch zum Kontakt der Creme mit dem Auge gekommen, sollte mit reichlich lauwarmen Wasser oder isotoner Kochsalzlösung gespült werden. Eventuell ist auch eine lokale Kortikosteroidbehandlung erforderlich.

Kommt es zu übermäßiger Rötung oder Brennen der Haut sollte die Anwendungshäufigkeit oder die Konzentration vermindert werden. Unter Umständen muss die Behandlung auch abgebrochen werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Da nicht genug Erfahrungen in Schwangerschaft vorliegen, sollte das Präparat hier nur eingesetzt werden, wenn es absolut notwendig erscheint. Ob der Wirkstoff in die Muttermilch gelangt ist nicht untersucht worden. Sicherheitshalber sollten stillende Frauen Dithranol nicht anwenden bzw. abstillen. An der Brust stillender Mütter darf die Creme auf keinen Fall angewandt werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Sehr häufig (bei einem von 10 Behandelten oder mehr)

  • Leichtes Brennen der behandelten Hautflächen und leichte Entzündung der umgebenden gesunden Haut. Dies zeigt gutes Ansprechen auf die Behandlung an und lässt mit zunehmender Behandlungsdauer meist nach.

Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)

  • Verfärbung der behandelten Haut (vor allem bei höher dosierten Präparaten). Diese Verfärbung ist harmlos und bildet sich in der Regel circa 14 Tage nach Anwendung wieder zurück

Sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten)

  • Allergische Kontaktdermatitis (bei starken Hautreizungen Behandlung abbrechen)

Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Wirkstoffen

  • Vorsicht ist bei photosensibilisierenden Medikamenten geboten, da deren Wirkung verstärkt werden kann.
  • Die gleichzeitige äußerliche Anwendung von Präparaten mit Kohlenteer, Zinkoxid oder Stärke können die Wirksamkeit von Dithranol herabsetzen.
  • Die gleichzeitige äußerliche Anwendung von Harnstoff oder Salicylsäure verstärkt die Wirkung von Dithranol, was bei entsprechenden Kombinationspräparaten auch genutzt wird. Auch Calcipotriol-haltige Cremes und eine UVB-Fototherapie kann die Wirkung verstärken.
  • Präparate, die Propylenglycol enthalten, sollten vermieden werden. Dieser Stoff führt zur Oxidation von Dithranol und macht es dadurch unwirksam.

Was sollte man sonst noch wissen?

In kontrollierten klinischen Studien zeigten 30 bis 70% der Patienten einen mindestens 75%igen Rückgang der Hauterscheinungen (Remission) nach fünf bis acht Wochen.

In den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft wird Dithranol als Monotherapie im ambulanten Bereich bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis empfohlen. Die Anwendung sollte nur über vier bis acht Wochen erfolgen. Eine Langzeittherapie ist wenig praktikabel und bringt keinen Vorteil.

In der Klinik können auch Kombinationstherapien (Fototherapie und andere äußerliche Therapien) bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vorgenommen werden.

Lagerung

  • bei 2° bis 8° C im Kühlschrank (Entnahme und Anwendung bei Raumtemperatur)

Maria Weiß, Ärztin

Verwendete Literatur: 

  • Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris (Appendix) – ICD10:L40.0
  • Fachinformation Micanol-Creme 1% (inzwischen außer Handel)
  • Fachinformation Psoradexan / Psoradexan mite/Psoradexan forte
  • Fachinformation Psoralon MT (inzwischen außer Handel)

Tipps zum Weiterlesen

Häufige Fragen zur Anwendung von Dithranol

Was ist Dithranol?

Dithranol ist ein synthetisch hersgestellter Abkömmling von Teer.

Wie wirkt Dithranol?

Dithranol unterdrückt die übertriebene Zellteilung, die bei Psoriasis das Problem ist. Außerdem behindert es Zellen, die falsch reagieren.

Wie bekomme ich Flecken aus der Kleidung?

Der Hersteller von Psoradexan hatte mal einen Handzettel herausgegeben. Dem entnahmen wir folgende Hinweise:

Falls bei Anwendung von Psoradexan bräunliche Wäscheverfärbungen auftreten, so lassen sich diese im Allgemeinen durch Vorbehandlung mit „Sil Fleckenlöser“ (Firma Henkel) beseitigen.

Wichtiger Hinweis: „Sil Das Fleckensalz“ ist nicht geeignet!

Eine weitere Möglichkeit für weiße oder farbechte (chlorechte) Textilien besteht in der Verwendung von Chlorbleibe mit hypochlorithaltigen Produkten (z.B. Kloris).

Vorsicht! Wolle und Naturseide verfärben sich bei Chlorbleiche gelb und werden geschädigt. Bei anderen Textilien sollte auf das oftmals angebrachte Pflegesymbol (mit der Spitze nach oben gerichtetes Dreieck) geachtet werden.

Es gibt vom Hersteller auch Hinweise zur Anwendung. Demnach sollen die Textilstücke über Nacht kalt eingeweicht werden, und zwar in kaltem Wasser, dem 10 Milliliter Fleckenlöser (siehe oben) pro Liter Wasser zugesetzt werden. Danach werden die Textilien normal gewaschen.

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2 Kommentare

  1. Hallo, ich habe meinen ersten Psoriasis Schub vor kurzem mit 61 Jahren bekommen und wurde in Tübingen mit Cignolin, Puva und uvb Bestrahlung behandelt. Jetzt bin ich wieder zu hause. Für die stellen an denen die SF wieder auftaucht habe ich Dithranol bekommen und für den Rest der Flächen Daivobet und Daivonex, welche ich im Wechsel anwenden.Darf ich nach der Anwendung mit Dithranol die Behandelten Stellen mit Daivobet bzw Daivonex weiter behandeln?
    Nach welcher Zeit kann ich Pflegecreme auftragen?

    Bin auf diesem Gebiet Anfänger. Im Voraus meinen herzlichen Dank!

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