Totes Meer in Jordanien – ein Besuch

Totes Meer Jordanien

Wer ans Tote Meer will, hat die Wahl zwischen einem Aufenthalt in Israel oder in Jordanien. Was passiert also auf jordanischer Seite des Salzsees? Welche Unterschiede gibt es zur Behandlung in Israel? Das Psoriasis-Netz war vor Ort.

Der erste große Unterschied fällt dem Reisenden am Flughafen in Deutschland auf: Niemand fragt mit versteinerter bis aggressiver Miene, ob man alles alleine eingepackt habe, ob man Palästinenser kenne oder warum man ins Land will. In Jordanien hat man jedenfalls nicht das Gefühl, als Reisender erst einmal generell verdächtig zu sein.

Je nach eigenem Anspruch und Geldbeutel kann man vom Drei-Sterne- bis Fünf-Sterne-Hotel wählen. Derzeit (Stand: Sommer 2008) stehen vier Hotels zur Auswahl:

Wer wegen seiner Haut ans Tote Meer fährt, bleibt dort meist drei oder mehr Wochen. Von den Hotels, die wir besichtigt haben, bieten nur das Marriot und das Dead Sea Spa Hotel eine eigene medizinische Betreuung an. Die anderen beiden Hotels arbeiten mit dem Arzt im Dead Sea Medical Center des Dead Sea Spa Hotels zusammen. Nach unseren Beobachtungen gab es im Kempinski keine Hautpatienten – zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen ist das Publikum dort vermutlich psychologisch weniger auf Hautpatienten eingestellt.

Im Marriot gibt es ein Behandlungs- und Wellness-Zentrum, aber keine Möglichkeit, sich textilfrei zu sonnen. Ein Allgemeinmediziner steht zwei Mal pro Woche zur Verfügung.

Wir selbst waren im preisgünstigsten Dead Sea Spa Hotel untergebracht und können nur von diesem Hotel ausführlich berichten. Wegen des Behandlungszentrums gibt es dort viele Gesundheitstouristen. Darauf sind die Hotelgäste, das Personal, die Küche und die Hotelorganisation eingerichtet. Hautkranke sind selbstverständliche Gäste, die zum Charakter dieses Hotels gehören.

Das „Dead Sea Spa Hotel“ ist das „lockerste“ der Hotels, das „einfachste“ auch im positiven Sinne. Derzeit hat das Hotel 120 Zimmer mit 200 Betten. Ab Frühjahr 2009 werden es mehr als doppelt so viele sein. Seminar- und Banketträume, Kino oder Kegelbahn und eventuell eine Kinderbetreuung sollen dann angeboten werden.

Das Dead Sea Spa ist nach unserer Meinung am besten auf den Gesundheitstouristen eingerichtet.

Der Standard der anderen beiden Hotels bewegt sich in der oberen Mittelklasse. Dort sind kleine Läden und auch mal Restaurants vorhanden, alles ist edler.

Dr. Zuhair Z. Bisharat

Beim Dead Sea Spa Hotel angesiedelt ist auch das Behandlungszentrum „Dead Sea Medical Center“ für alle, die der Gesundheit wegen da sind. Es steht den Gästen aller Hotels offen. Hautarzt Dr. Zuhair Z. Bisharat und ein Allgemeinarzt sorgen sich um die Patienten. Dr. Bisharat hat lange in Wien gearbeitet und spricht gut Deutsch.

Wer das Klinikpaket gebucht hat oder über die Krankenkasse da ist, findet bei der Ankunft einen Brief mit seinem Arzttermin vor. Dann wird besprochen, wie behandelt wird, ob und wie lange man in die Sonne und ins Tote Meer darf. Salben, Öle usw. werden dann vom Arzt mitgegeben.

Im Dead Sea Medical Center sind zwei Becken mit Wasser vom Toten Meer – in unterschiedlicher Salz-Konzentration, damit auch empfindlichere Neurodermitiker ihre Haut auf das „starke“ Tote Meer vorbereiten können.

Wer sich auf eigene Faust behandeln will, sollte

  • unbedingt an ausreichend Feuchtigkeitslotion oder -creme denken.
  • sich eine Karte fürs Solarium leisten. „Solarium“ ist die Umschreibung für abgetrennte Bereiche, in denen man nackt in der Sonne oder im Schatten liegen kann – getrennt nach Geschlechtern. Außerdem sind im „Solarium“ auch die meisten anderen Hautpatienten. So hat man neben der Unterhaltung auch noch jede Menge Information und Hilfe, die einem sagt, wie man sich verhalten, was man tun und was man lassen sollte.
  • mindestens drei Wochen Aufenthalt am Toten Meer einplanen

Verpflegung

Suweima – der Erholungsort am Toten Meer – besteht aus Hotels – nichts weiter. Ein neu gebautes Haus steht auf der anderen Seite der Schnellstraße, ist aber ungenutzt. Der Besucher findet keinen Laden zum Einkaufen, keinen „Supermarkt“, wo er mal Kaffeepulver, Kekse oder andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen kann. So ist man völlig auf die Hotelverpflegung angewiesen, weil es beispielsweise auch keine Wasserkocher im Zimmer gibt. Um sich für den kleinen Hunger zwischendurch einzudecken, fahren die einen mit dem Bus (fährt 2 x pro Woche) in die Hauptstadt Amman, die anderen bringen sich Vorräte aus der Heimat mit.

Land und Leute

Jordanien hat zwar seinen Namen vom Fluss Jordan – doch wird dem Jordan von den Anrainerstaaten so viel Wasser entnommen, dass nicht mehr genügend im Toten Meer ankommt. Folge ist, dass 80 Prozent des Wassers für die Hotels in Tankwagen angefahren werden muss.

In Jordanien waren die Menschen, egal, wo wir sie trafen, immer freundlich und hilfsbereit.

Jeder Reisende sollte unbedingt einen Tag für die Besichtigung der Felsenstadt Petra einplanen.

Ausblick

An der Straße werden weitere Luxushotels und ein großes Apartment-Center mit Boutiquen und Restaurants gebaut. Das Dead Sea Spa Hotel will auf dem direkten Nachbargrundstück eine Klinik errichten. Die Regierung hat beschlossen, dass insgesamt nicht mehr als zehn Hotels dort errichtet werden dürfen – plus dem aufwendigen Tagungszentrum der Regierung.

Claudia Liebram

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1 Kommentar

  1. Meine Eindrücke waren ähnlich denen, die auch im Artikel beschrieben sind. Dennoch möchte hier noch eigene Eindrücke zur Verfügung stellen. Das Dead Sea Spa Hotel fand ich persönlich äußerst angenehm, weil man dort wirklich locker wohnen kann. Die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen.

    Es ging wirklich recht zwanglos ab. Zum Zeitpunkt meiner „Schnupperwoche“ waren sehr viele Psoriatiker, aber auch Menschen mit anderen Hauterkrankungen dort. Ich konnte mich als Gleicher unter Gleichen fühlen und erhielt schon bei meinem ersten Solarienbesuch Einweisung durch die Kundigen. Für mich war es das erste Mal, dass ich am Toten Meer war, und ich hätte auf Anhieb nicht gewusst, wie man sich dort verhält. So war es Dank der anderen Solarienbenutzer ein Leichtes, sich einzufinden.

    Ich habe die Woche nicht zu Besichtigungstouren (mit Ausnahme einer Abendtour in die Nähe) verwendet, sondern für mich selber getest, wie gut oder schlecht Klima, Meer und Sonne meiner Haut tun. Meine Haut und ich waren beide sehr begeistert. Ich möchte gerne im nächsten Jahr die Reise für drei bis vier Wochen machen.

    Im Hotel herrschte ein freundlicher Umgang mit den Gästen. Stets konnte man an der Rezeption jemanden ansprechen wenn es einmal Fragen gab. Die Mahlzeiten waren sehr reichhaltig und vielfältig, so dass ich persönlich nicht den Bedarf hatte, mir etwas für den Tag mitzunehmen oder gar vermisst hätte, etwas vor Ort kaufen zu können. Sicher war auch ein Grund, dass während meines Aufenthaltes (15. bis 21. Juni) die Temperaturen recht hoch waren und dadurch das Hungergefühl mehr dem Durstgefühl weicht.

    Trinkwasser in 1,5-Liter-Flaschen kann man im Hotel gegen Bons erhalten. Bei durchschnittlich 6 Litern Wasser lag mein Tagesbedarf. Die Hitze konnte ich recht gut ertragen.

    Ich finde die Anlage sauber und ordentlich, auch wenn das manche Mitbewohner nicht immer so sehen konnten. Entweder war ich zu offen und anspruchslos, oder andere waren zu überempfindlich. Wenn einmal irgendwo ein Papierchen liegt, rege ich mich nicht auf. Schließlich musste man ja nicht durch Müllberge gehen, und außerdem machte die angenehme Atmosphäre für mich solche Minikleinigkeiten wett. Rein subjektiv kann ich das Hotel als sauber bezeichnen. Das Bett (ich kann nur meines beurteilen) war angenehm zu liegen und bequem.

    Im feineren Mövenpick war ich enttäuscht, als wir an einem Abend dort ein Glas Wein tranken. Für mich gehört Rotwein in ein Rotweinglas und nicht in ein Weißweinglas. War zwar nur eine Kleinigkeit, aber bei einem solchen Hotel hätte ich es anders erwartet. In welchen Gläsern Rotwein im Dead Sea Spa serviert wird, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich dort keinen Roten trank.

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