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Es war alles schon einmal da...

(0 Rezensionen)

....habe ich heute von einem Freund bekommen

Wenn die Börsenkurse fallen,

regt sich Kummer fast bei allen,

aber manche blühen auf:

Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben

Dinge, die sie gar nicht haben,

treten selbst den Absturz los,

den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten

tun sie sich mit Derivaten:

Wenn Papier den Wert frisiert,

wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,

haben Sparer nichts zu lachen,

und die Hypothek aufs Haus

heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,

kommt die ganze Welt ins Wanken -

auch die Spekulantenbrut

zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?

Da muss eingeschritten werden:

Der Gewinn, der bleibt privat,

die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,

und das bringt erneut Profite,

hat man doch in jenem Land

die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen

hat der kleine Mann zu blechen

und - das ist das Feine ja -

nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,

fängt von vorne an der Reigen -

ist halt Umverteilung pur,

stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen

das mal nimmer bieten lassen,

ist der Ausweg längst bedacht:

Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"

Immerhin ist dieses Gedicht 79 Jahre alt!

7 Kommentare

Empfohlene Kommentare

Steffan

Steffan

Benutzer

.....und so aktuell wie noch nie !!!

Schönes Gedicht

Grüße aus dem Pott

Gast Savant_iner

Gast Savant_iner

Gäste

TRAURIGES GEDICHT

marx-rot.gif

Gast Bluemchen28

Gast Bluemchen28

Gäste

Hallo Suzanne,

diese Zeilen kenne ich auch.

Es ist doch eigentlich beängstigend.

Liebe Grüße

Bluemchen28

Suzane

Suzane

Benutzer

ich finds ganz schön traurig ,das man aus Fehlern doch nicht immer zu lernen scheint :(

Gast Savant_iner

Gast Savant_iner

Gäste

Jetzt bin ich aber froh, das das Gedicht nicht von Tucholskiy(1930) ist. Dann kann ja nichts anbrennen.;)

Dann halt noch'n Gedicht von ihm:

„Der Tiger gähnt. Er käm so gern geloffen … Doch seines Käfigs Stäbe halten dicht. Und ließ der Wärter selbst die Türe offen: Man geht ja nicht.“ (Im Käfig, 1918)

Kurt Tucholsky

Suzane

Suzane

Benutzer

@ Claudia

vielen Dank für deine Aufklärung !! Nix kannst mehr glauben

:0(

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