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Wenn der Arztbesuch gleich zweimal scheitert

Claudia

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blog-0074067001396953662.jpgEs ist Montagvormittag. Gegen 11 Uhr stehe ich in der Hautarztpraxis. Ohne Termin, aber das ist in dieser Praxis nicht ungewöhnlich. Mit meiner Ärztin will ich über mein Medikament, die Nebenwirkungen und den letzten Blutbefund sprechen. „Gehen Sie ruhig noch mal runter“, sagt der Mann an der Anmeldung. „Die Wartezeit ist im Moment etwa drei Stunden.“ Die Praxis ist so gelegen, dass man sich da locker eine Stunde Zeit vertreiben kann – zumal der Supermarkt für heute ein Sonderangebot angekündigt hat, das mich ohnehin dorthin getrieben hätte. Und so trödel ich dort hin. Als ich nach höchstens einer Stunde zurückkomme, ist es dem Mann an der Anmeldung deutlich unangenehm: „Sorry, Ihre Ärztin ist heute gar nicht da.“ Und er hätte sich auch schon gewundert, dass er ihre Stimme noch gar nicht gehört hat – beim Aufrufen der Patienten. „Mein“ zweiter Arzt in der Praxis sei erst am Nachmittag da. Ich solle doch am nächsten Tag wiederkommen, und dann möglichst früh. Was soll ich auch sagen – ich trolle mich.

Also ist es Dienstagvormittag. Gegen 10 Uhr stehe ich in der Hautarztpraxis – in der Erwartung, heute mit dem zweiten Arzt mein Medikament, die Nebenwirkungen und den letzten Blutbefund besprechen zu können. Die Praxis ist rappelvoll, an der Anmeldung stehen die Patienten bis zum Fahrstuhl. Schon einige Patienten vor mir verkündet der Mann an der Anmeldung, dass er ab sofort keine weiteren Patienten ohne Termin mehr annehmen kann. Wie gesagt: gegen 10 Uhr. 40 Patienten säßen im Wartezimmer. Die Wartezeit sei jetzt bei vier Stunden „oder so“. Und: „Mein" Arzt sei noch nicht einmal eingetroffen.

Ja, es gibt noch (mindestens) zwei weitere Ärzte in der Praxis: Aber: „Meine“ beiden kennen mich schon lange. Sehr lange. Und so will ich nicht (mindestens) zwei weiteren meine Krankengeschichte von vorn erzählen müssen. Wir wissen, wie wir miteinander umgehen können, und das schätze ich an dieser Praxis. Sonst.

Was bleibt? Eine Woche kann die nächste Blutuntersuchung noch warten, ich habe mein Medikament noch für eine Woche. Also stehe ich wohl nächsten Montag wieder in der Praxis.

Ein ganz anderer Aspekt wird im Gespräch mit einem Patienten vor mir deutlich: Bei ihm soll Blut abgenommen werden. Er will und soll angerufen werden, wenn ein wichtiger Wert unter dem Normbereich liegt, weil er dann sein Medikament nicht anwenden darf. Und was sagen die Angestellten dazu? „Das ist schwierig. Den Befund guckt sich ja keiner an, der geht ja direkt in den Computer.“ Äh, stopp - das verstehe ich nicht. Genau das wäre doch die Chance? Computer können heutzutage die allerdollsten Dinge. Sie dürften sich von so einer Aufgabe wie „Wenn der Wert xy < 3, blinke bitte rot“ oder so ähnlich eher unterfordert fühlen.

Ohnehin beißt sich bei diesem Punkt die Katze in den Schwanz: Ich komme regelmäßig zu Blutkontrollen. Mit einem Blatt in der Hand, auf dem steht, welche Werte kontrolliert werden müssen – welche Röhrchen also bitte gefüllt werden müssen. Will ich ein paar Tage später wissen, ob die Werte in Ordnung sind (wovon ja abhängt, ob ich mein Medikament weiter nehme), muss ich anrufen. In einer stets sehr gut bis rappelvoll gefüllten Praxis. An der Anmeldung. Wo man als Patient am Telefon immer stört. Weil vor dem Mann an der Anmeldung ja auch immer jemand steht. Gut, aber ich muss ja schließlich anrufen. Und bin genervt davon, dass ich nerve.

Was ist so schwer daran, einem Computer entsprechende Meldungen beizubringen? Ich will doch nur benachrichtigt werden, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Wenn der Arzt vom Computer ein Signal bekäme, dass da ein Befund ist, den er ansehen sollte, wäre das ein Anfang. Er könnte dann immer noch entscheiden, ob er das selbst macht oder einen "Arzt in Ausbildung“ draufschauen lässt. Mein Vertrauen hätte er. Noch.

Foto:

BenJTsunami via Flickr



7 Comments


Recommended Comments

Ich stell mir grad vor; was wäre wenn....

 

Meine Werte wären ganz miserabel und ich dürfte das Medikament nicht nehmen, aber keiner schaut drauf bzw. merkt das.

Könnte lebensgefährlich werden. 

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...oh man...klingt nach Horror...kann ich doch glatt noch eine Anekdote beisteuern...Augenarztkontrolle auf Grund der PSA dringend empfohlen....geh zum Augenarzt, für meine Kinder (beide privat über Papa versichert...bekomme ich augenblicklich für Anfang Juli einen Termin)...für mich (versichert bei der AOK)...bekomme ich lediglich den Hinweis, dass am 5. Mai zw. 8-10 Uhr die Termine für das 3. Quartal vergeben werden...heißt anstellen...was wenn ich da nicht kann?

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Bei meinem Hausarzt gehen die Blutbefunde noch durch "seine Hand", will sagen, der Doc schaut einmal auf den Befund und zeichnet ihn ab. Wenn ich in der Praxis anrufe, bekomme ich von der Schwester entsprechende Infos zum Befund, ggf. mit Nachricht vom Doc. Meine Werte werden an meine Rheumatologin gefaxt, so dass auch sie immer auf dem neuesten Stand ist. Obendrein bekomme ich den Originalbefund für meine Unterlagen (hole ich mir regelmäßig in dr Praxis ab).

 

Manchmal weiss man gar nicht, wie behütet man ist :-)

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Moin Supermom ,

 

schon mal von der 2 Klassengesellschaft gehört ?

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Ich bestehe darauf, dass mir JEDER Befund gefaxt wird und nerve so lange, bis ich die Befunde selber habe.

 

das hat mich-im wahrsten Sinne das Wortes- schon "gerettet".

 

Alles schön chronologisch in einem Ordner- der einzige Weg, als mündiger Patient...

 

Es geht um mich und mein Leben....

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Bröselbert

Posted

@claudia

Als Softwareentwickler im Gesundheitswesen kann ich dir bei deiner Frage nach dem "wieso kann der Computer das nicht" vielleicht eine Erklärung liefern:

Er soll es gar nicht können. Der Arzt ist dafür verantwortlich, deine Befunde anzusehen, zu beurteilen und bei Überschreitungen von Grenzwerten Maßnahmen anzuordnen. So wie Hucki es beschrieben hat. Das ist auch der richtige Weg.

 

Sobald ein Computerprogramm diese Arbeit erledigt ist der Software-Hersteller in der strengen Pflicht, die absolute medizinische Korrektheit der vom Programm automatisch durchgeführten Analysen nachzuweisen und sicherzustellen. Juristisch gesehen wäre diese Software dann ein Medizinprodukt wie ein Herzschrittmacher etc. mit allen Folgen, die das hätte. Da kommen sehr hohe Zertifizierungs und Prüfungsaufwände auf die Hersteller zu. Und gerade bei Praxisssoftware von niedergelassenen Ärzten, die nicht immer von großen Konzernen wie IBM, sondern gern mal von der örtlichen Software-Bude geschrieben werden, um nur die Verwaltung zu regeln, sind diese Aufwände schwer zu stemmen und werden tunlichst gemieden.

 

Man muss sich auch nur mal die Risiken vor Augen führen, wenn ein Programmierer (medizinisch eher ein Laie) sich mal bei einer Einheit um eine Kommastelle vertut...

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Guter Aspekt, Bröselbert.

 

Aber spätestens, wenn Befunde von Computer A mit Computer B ausgetauscht werden, wird das doch keine PC-Bude "von umme Ecke" mehr machen. Allerdings kann es natürlich gut sein, dass es bei meinem Arzt einfach eine Fax-Eingangs-Software gibt und der Befund kommt als PDF oder so in meine elektronische Akte.

 

Mein Wunsch-Szenario ist doch gar nicht so schwer, denke ich: Der Arzt guckt sich jeden Befund an und benachrichtigt mich, wenn was Auffälliges ist. Und nicht, dass ich eben erst nerven muss.

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