Die Rheuma-Liga Rheinland-Pfalz lädt zu einer Online-Veranstaltung über "Rheuma bei Kindern" ein. Die Veranstaltungen finden online über Microsoft Teams statt, so dass Betroffene aus ganz Deutschland teilnehmen können.
Referen ist Dr. Boris Hügle, Chefarzt der Kinder- und Jugendrheumatologie im Rheumazentrum Rheinland-Pfalz.
Anmeldungen gehen an: info@rheuma-liga-rlp.de
Die Veranstaltung ist kostenlos.
06.05.2026 14:00
Hallo,
nachdem ich meine nahezu traumatischen Erfahrungen in der Rehaklinik der Deutschen Rentenversicherung Borkum Riff einigermaßen überstanden habe, möchte ich Euch meine Erfahrungen nicht vorenthalten:
Die Abholung am Hafen klappte gut. Meine Koffer waren übrigens ein paar Tage verschollen. Ich würde zumindest einen kleinen Koffer mit Notkleidung im Handgepäck dabei haben. Soll wohl häufig vorkommen,
Das Zimmer war renoviert. Von Größe und Ausstattung schon ok. Das Bad war auch sehr schön. Besonders sauber war es allerdings nicht. Schwarzes Zeugs an den Vorhängen. Löcher in der Bettwäsche. Die Gardinen sicher Monate nicht mehr gewaschen. Im Duschbereich war die Decke nicht ganz geschlossen. Das ergab einen Ausblick auf die Entwässerungsrohre. Sollte dass die Badlüftung sein? Ich würde sagen, der Schacht endet im Umkleidevoraum der Frauendusche. Dort fehlten auch einige Bretter und die Rohre kamen mir sehr bekannt vor. Grund für derartiges sind häufig Feuchtigkeitsprobleme. Gegen Schimmelpilze bin ich allergisch. Vielleicht lag es daran, dass ich drei Wochen durchgehustet hatte? Die Matratzen sind extrem hart. Wer über 100 kg wiegt hat sicher keiner Probleme. Ich wiege allerdings 55 kg. Am Ende der Reha hatte ich massive Rückenschmerzen. Der Orthopäde meinte später, dass das von der Matratze kommen könnte. Er war fassungslos. Die Rückenschmerzen bin ich bis heute nicht wieder los geworden.
Frühstück und Abendbrot waren in Ordnung. Das Mittagessen war sehr schlecht. Es gibt nur ein Hauptgericht. In den anderen Rehakliniken gab es immer drei Gerichte zur Auswahl. Eher deftige Hausmanskost. Ich selbst bin Vegetarierer und bekam drei Wochen lang Essensreste vorgesetzt. Eine veg. Speiseplan gab es nicht. Furchtbar. Jedes Krankenhaus ist da schon deutlich weiter. Mittagessen gibt es schon um 11.30. Erhält man Sondernahrung, z.B. ich, dann steht das Essen meistens schon um 11 auf dem Tisch und ist dann schön kalt. Die Essenzeiten sind unangemessen. Selbst am Wochenende ist Frühstücksende um 8.00 Uhr. Wobei dann schon kurz nach halbacht mit dem Abräumen begonnen wird. Abendbrot um 17.15. Das Personal möchte ja zeitig Feierabend machen. Ich war bisher in 3 anderen Rehakliniken. Und da konnte man am Sonntag immer bis 10.00 Uhr frühstücken und bis 19.30 zu Abend essen. Dann ist der Tag auch nicht so lang und man kann v.a. im Winter noch das letztes Tageslicht mit Spaziergängen auskosten. Die Mittagsruhe wurde nie eingehalten. Teilweise fanden Therapien statt. Die ganze Klink ist sehr hellhörig. Spätesten wenn kurz vor 6 Uhr das Personal kommt, ist man wach. Abends kommt man wegen des Lärmsauch schlecht in den Schlaf. Die meisten Patienten haben auch über massive Müdigkeit geklagt.
Den Chefarzt habe ich während meine Aufenthaltes nicht gesehen. Der war wohl krank. Das Personal freute sich darüber. Das Personal war weitgehend sehr unfreundlich. Selbst am Empfang, falls während der Öffnungszeiten überhaupt mal jemand anwesend war, konnte man nicht mit Höflichkeit nicht rechnen. Eine Mitarbeiterin meinte, dass sich ein Großteil der Patienten bei der Rentenversicherung beschweren würden. Dann käme alle 6 Monate jemand von der Rentenversicherung vorbei und würde Ärger machen. Weshalb alle Angestellten wieder einen auf den "Deckel" bekämen und noch weniger Lust hätten, ihr Arbeit zu verrichten. Das erklärt natürlich so einiges.
Den Oberarzt habe ich einmal gesehen. Ansonsten nur Leute, die direkt von der Uni kamen und wenig Ahnung von meiner Krankheit, schwarzer Hautkrebs, haben. Anstatt einen Menschen aufzubauen, wurde, vermutlich unbewußt, sehr an der Demontage der Psyche gearbeitet. Die Therapien waren schlecht. Die erste Woche fast gar nichts, in der zweiten Woche, nach massiven Beschwerden mehr, in der dritten Woche wieder fast gar nichts und dann natürlich schon Freitagmorgen 10.00 Uhr Therapieende und Entlassung in grauenvolle Langeweile. Es gab Wassergymnastik von lustlosen Therapeuten durchgeführt. Ich hatte morgens um 8.00 Wassergymnastik. Ein richtiges Aufwärmen fand nicht statt. Jedenfalls habe ich die ganze Zeit gefroren. Das darf nicht sein. Walking, natürlich ohne Stöcke und ohne jegliche Einweisung und Aufwärmen. Der Trainer ist nicht mal mitgelaufen. So auch keine gezieltes Tempo. Strandgymnastik. Ein Lichtblick. War gut. Malkurs für Krebspatienten. War gut. Allerdings das psychotherapeutieren mal so eben zwischendurch fand ich sehr übel. Z.B. fangen Mitpatienten an zu weinen, weil sie unvorbereitet mit Fragen konfrontiert wurden. Da gibt es dann aber keine ensprechende Zuwendung. Man sitzt ja am Maltisch. Eine Gesprächgruppe für Krebspatienten gab es nicht. Für andere Gruppen auch nicht. Eine Sozialberatung gibt es nur auf Antrag. Dann auch viel zu kurz und schlecht. Dabei ist die Sozialberatung ein wesentliches Element einer Reha. Nachhaltigkeit der Reha gab es auch nicht. Also dafür zu sorgen, dass erzielte Dinge in der Reha zu Hause weitergeführt werden können. Im Prinzip gab es überhaupt kein Behandlungskonzept für die paar Krebspatienten. Mir wurde gesagt, man befinde sich ja im Aufbau. Naja, was interessiert mich das? Es gab z.B. keine Vorträge zur Krankheit, keine Sportprogramme zur Leistungssteigerung, Vertrauensgewinnung in den eigenen Körper, Abbau von Todesängsten. Nix. Unglaublich. V.a. weil es auch sehr verzweifelte Patienten gibt. Beim Wäschebügeln ist z.B: eine Mitpatientin heulend vor mir zusammengebrochen. Sie hatte sich soviel von der Reha versprochen. Ich konnte ihr wenigstens etwas weiterhelfen. Aber das wäre Aufgabe der Klinik gewesen. Aber großes Interesse am Patienten ist ja nicht vorhanden. Von Patienten mit Schuppenflechte habe ich gehört, dass die mit der Therapie auch nicht einverstanden sind. Viel zu wenig Therapie. Weil man nach dem Eincremen einen Bademantel anziehen muß, und klar, dann die Creme mit dem Stoff auch über gesunde Bereiche zieht, gab es oft Brandwunden zu sehen. Es wird auch reichlich Kortison verteilt. Aber darüber haben auch andere schon ausführlich geschrieben.
Ein Freizeitangebot war dürftig. Ein Vortag über das Wattenmeer. Sowas hatte ich schon x mal in der Grundschule. Das Freizeitprogramm wurde von den Zivis gestaltet. Dementsprechen eher nur für Männer. Z.B. Fußballabend, Skatabend. Dann auch noch im Vortragsaal mit Neonlicht. Sehr gemütlich. Keinerlei Kreativ-Veranstaltung. In einer meiner letzten Kliniken habe ich Gitarre spielen gelernt und dann sind wir durch die anderen Kliniken gedüst und haben mit unserem Nichtkönnen verzaubert. Der Kiosk hatte abends auch nicht mehr auf. Der Betreiber wollte den Kiosk auch aufgeben. Es gab keinen Alkohol, keinen Kuchen, keine kostenlosen Tageszeitungen. Gemütlich Aufenthaltsräume gibt es nicht. Nur die paar Kunstledersofas im zugigen Empfangsbereich. Schwimmbad steht auch nur eingeschränkt zur Nutzung. Und nur mit Voranmeldung. Es müssen auch immer mind. 3 Personen anwesend sein. Fitnessraum dito. Zum Wasser ist es sehr weit. Ich habe 20 Minuten zu Fuß gebraucht. Am besten ein Fahrrad aussleihen und bis in die Stadt radeln. Das Wasser ist dann in ein paar Minuten erreichbar. Ich finde Borkum auch häßlich. Kein Vergleich mit Sylt. Ich muß dazu sagen, ich wohne nur 20 Meter von der Ostsee entfernt, da ist Strand und Meer nix besonderes für mich. Außerdem habe ich Hautkrebs und gehe deshalb nicht schön in der Sonne spazieren. Was nervigerweise die Ärzt dort immer propagieren. Wer in einer Großstadt im Landesinneren hat sicher mehr Freude an Borkum. Und wer daheim nur vor dem Fernseher hockt, der findest sicher Entspannung beim Tanzen oder Bier trinken in den umliegenden Kneipen.
Mein Fazit ist, dass ich auf gar keinen Fall mehr in eine Rehaklink der Rentenversicherung fahren werde. Die üblichen Ablehungsschreiben der Rentenversicherung werde ich in den Papierkorb schmeißen (da gehören sie verwaltunsgrechtlich auch hin) und auf Erstellen eines Widerspruchbescheides bestehen.
Gruß, Toskana