Forscher haben entdeckt, dass spezielle Entzündungszellen von der Psoriasis-Haut in die Gelenke wandern und dort nur dann Psoriasis arthritis auslösen, wenn schützende Bindegewebszellen fehlen. Diese Erkenntnis könnte helfen, das Schuppenflechte-Rheuma durch Bluttests frühzeitig zu erkennen und durch Stärkung des körpereigenen Schutzschildes im Gelenk zu verhindern.
In diesem Artikel erklären wir den entdeckten Mechanismus, wie Hautprobleme auf Gelenke übergreifen – zugegeben: mit ein bisschen Drama 😉
Die stille Angst im Wartezimmer
Du sitzt beim Hautarzt. Du kennst das Wartezimmer. Du kennst die Gedanken. Deine Haut juckt. Die roten Flecken sind da. Du hast gelernt, damit zu leben. Du hast deine Medikamente. Du hast deine Routinen. Aber da ist diese eine Statistik: 20 bis 30 Prozent. Das ist die Zahl. So viele von uns bekommen Gelenkprobleme. Man nennt es Psoriasis arthritis. Kurz PsA.
Die Angst ist real. Jeder Schmerz im Finger lässt uns aufhorchen. Zwickt es im Rücken? Ist das nur Muskelkater? Oder geht es jetzt los? Die Ungewissheit belastet. Sie wiegt schwer. Ärzte können bis heute wenig sagen: Sie wissen nicht wirklich, wen es trifft. Sie wissen nicht, warum es passiert. Es ist wie ein Würfelspiel.
Aber es gibt Neuigkeiten aus Erlangen. Dort arbeitet ein Team von Forschern. Sie sind Experten. Sie arbeiten an der Friedrich-Alexander-Universität. Sie haben tief in unsere Zellen geschaut. Sie haben etwas gefunden. Es ist wie ein fehlendes Puzzleteil. Sie haben den Weg der Entzündung entschlüsselt.
Sie wissen jetzt, wie die Schuppenflechte wandert. Sie wissen, wie sie vom Fleck auf der Haut in das Gelenk kommt. Und sie wissen noch etwas Wichtigeres. Sie wissen, wer sie aufhalten kann. Oder wer sie aufhalten sollte.
Dieser Bericht ist lang. Er ist ausführlich. Wir nehmen uns Zeit. Wir schauen uns jedes Detail an. Wir wollen verstehen. Denn Wissen hilft gegen Angst. Schritt für Schritt. Ohne komplizierte Fachsprache. Locker. Aber korrekt. Wir tauchen ein in die Welt deiner Zellen. Wir schauen uns die "Reisenden" an. Und wir besuchen die "Hausmeister" im Gelenk. Mach es dir bequem. Das hier ist wichtig für deine Zukunft.
Teil 1: Das große Rätsel der zwei Krankheiten
Warum Haut und Gelenk zusammenhängen
Wir müssen vorne anfangen. Psoriasis ist nicht nur eine Hautsache. Das wissen wir heute. Es ist eine Entzündung im ganzen Körper. Das Immunsystem spielt verrückt. Es greift körpereigenes Gewebe an. Meistens ist es die Haut. Die Zellen teilen sich zu schnell. Es schuppt. Es entzündet sich.
Aber das Immunsystem ist überall. Es fließt durch dein Blut. Es erreicht jeden Winkel. Warum greift es bei manchen nur die Haut an? Und bei anderen die Gelenke?
Lange dachte man, es sei Zufall. Oder einfach Pech.
Manche Ärzte sprachen von zwei verschiedenen Krankheiten. Die aber oft zusammen auftreten. Andere vermuteten eine Verbindung. Aber niemand konnte sie beweisen. Niemand konnte den Weg aufzeigen.
Bis jetzt. Die Studie aus Erlangen zeigt einen Weg. Eine Straße. Sie führt von der Haut zum Gelenk. Die Krankheit breitet sich aus. Sie bleibt nicht stehen. Die Forscher vergleichen das mit Krebs. Das klingt erst mal hart. Krebs ist ein böses Wort. Aber der Mechanismus ist ähnlich. Bei Krebs wandern Zellen vom Tumor weg. Sie bilden Metastasen. Bei Psoriasis wandern Entzündungszellen weg. Sie bilden eine Arthritis. Das ist eine völlig neue Sichtweise. Sie hilft uns beim Verstehen.
Die Statistik, die vielen Sorgen macht
Lass uns kurz bei den Zahlen bleiben. 20 bis 30 Prozent. Das ist fast jeder Dritte. Das Risiko ist nicht klein. Eine Psoriasis arthritis ist kein Spaß. Sie tut weh. Gelenke schwellen an. Sie werden steif. Ohne Behandlung passiert Schlimmes. Knochen gehen kaputt. Knorpel verschwindet. Das Gelenk verformt sich. Das bleibt dann so. Man kann es nicht rückgängig machen. Deshalb ist Früherkennung so wichtig. Aber wie erkennt man etwas, das noch nicht da ist? Bisher ging das nicht. Wir mussten warten. Warten auf den Schmerz. Warten auf die Schwellung. Dann war die Entzündung schon da. Das Kind war in den Brunnen gefallen. Wir konnten nur reagieren. Wir konnten nicht agieren. Die Erlanger Forschung könnte das ändern. Sie gibt Hoffnung auf einen Test. Einen Test, bevor es wehtut. Dazu später mehr.
Wer sind die Helden dieser Geschichte?
Hinter dieser Entdeckung stecken Menschen. Es ist ein Es ist ein Team um Dr. Maria Gabriella Raimondo, Dr. Simon Rauber und Professor Andreas Ramming. Sie arbeiten an der Medizinischen Klinik 3 in Erlangen.
Sie haben nicht allein gearbeitet. Es war ein riesiges Projekt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat geholfen. Der Europäische Forschungsrat war dabei. Das zeigt: Das Thema ist wichtig. Die Wissenschaft schaut auf Psoriasis. Wir werden nicht vergessen.
Das Forscher-Team hat seine Ergebnisse veröffentlicht. In einem Fachblatt. Es heißt Nature Immunology. Das ist der Olymp der Wissenschaft. Wer dort veröffentlicht, hat etwas Wichtiges gefunden.
Teil 2: Der erste Schritt – Der Aufbruch in der Haut
Die Geburt der "Reisenden"
Stell dir deine Haut vor. Dort ist ein Psoriasis-Herd. Es ist rot. Es ist aktiv. In dieser Entzündung ist viel los. Immunzellen kämpfen. Botenstoffe fliegen hin und her. In diesem Chaos entstehen neue Zellen. Die Forscher nennen sie "myeloische Vorläuferzellen". Das ist ein schweres Wort. Nennen wir sie "die Reisenden". Diese Zellen sind jung. Sie sind noch nicht fertig. Sie sind wie Rekruten. Sie wurden gerade eingezogen. Ihr Ausbildungsort ist die entzündete Haut. Dort bekommen sie ihre Prägung. Sie lernen dort: "Entzündung ist gut. Wir müssen kämpfen."
Der Weg in den Blutstrom
Aber sie bleiben nicht in der Haut. Das ist das Neue. Das wusste man vorher nicht so genau. Die Forscher erklären das mit ihrer Studie. Diese Zellen treten über. Sie gehen in den Blutkreislauf. Sie nutzen deine Adern als Autobahn. Sie schwimmen mit dem Strom. Durch den ganzen Körper. Das klingt gruselig. Entzündung, die durch den Körper schwimmt. Aber das ist erst mal normal. Das Immunsystem ist ja überall.
Die Frage ist: Wo wollen sie hin? Haben sie ein Ziel? Ja, das haben sie. Ihr Ziel sind die Gelenke.
Warum gerade die Gelenke?
Das ist eine spannende Frage. Warum schwimmen sie nicht zur Leber? Oder zur Lunge? Es scheint eine Verbindung zu geben. Eine spezielle Anziehung.
Vielleicht liegt es an der Struktur. Haut und Gelenk haben Ähnlichkeiten. Beides hat Bindegewebe. Beides wird mechanisch belastet. Die Reisenden fühlen sich dort wohl. Sie erkennen das Gewebe wieder. Es ist wie eine zweite Heimat für sie.
Sie steigen also aus. Sie verlassen die Blutbahn. Sie wandern in das Gewebe um das Gelenk. Die Synovia. So heißt die Gelenkinnenhaut. Dort kommen sie an.
Die Entdeckung mit den leuchtenden Mäusen
Woher wissen die Forscher das so genau? Man kann ja nicht in einen lebenden Menschen hineinschauen. Zumindest nicht so tief. Sie haben einen Trick benutzt. Sie nutzten spezielle Mäuse. Man nennt sie "Kaede-Mäuse". Kaede ist ein Protein. Es leuchtet. Normalerweise leuchtet es grün. Aber man kann die Farbe ändern. Mit Licht. Nimmt man violettes Licht, wird es rot. Die Forscher haben nur die Haut der Mäuse beleuchtet. Alle Zellen in der Haut wurden rot. Alle anderen Zellen im Körper blieben grün. Das war der Startschuss.
Dann haben sie gewartet. Sie haben geschaut: Wo tauchen rote Zellen auf? Finden wir rote Zellen im Herz? Finden wir sie im Gehirn? Nein. Aber sie fanden sie im Gelenk. Nach einiger Zeit tauchten dort rote Zellen auf.
Das war der Beweis. Eindeutig. Diese Zellen kamen aus der Haut. Sie waren gewandert. Sie hatten ihre Farbe mitgebracht. Wie einen Stempel im Pass. "Ich komme aus der Haut." Das stand auf ihnen geschrieben. So konnten die Forscher die Reisenden identifizieren. Sie konnten sie zählen. Und sie konnten sehen: Bei Psoriasis wandern viele von ihnen.
Teil 3: Der zweite Schritt – Die Ankunft und die Kontrolle
Allein ankommen reicht nicht
Jetzt wird es spannend. Die Reisenden sind da. Sie sind im Gelenk. Bedeutet das jetzt Arthritis? Geht jetzt die Entzündung los? Nein. Eben nicht. Das ist die große Überraschung der Studie. Dr. Rauber sagt: Die Einwanderung allein reicht nicht. Nur weil die Zellen da sind, wird man nicht krank. Das erklärt, warum viele Psoriasis-Patienten gesund bleiben. Auch bei ihnen wandern Zellen. Auch bei ihnen kommen die Reisenden an. Aber es passiert nichts. Warum nicht? Wer hält sie auf?
Das Begrüßungskomitee: Die Fibroblasten
Im Gelenk wohnen andere Zellen. Sie sind schon immer da. Es sind Bindegewebszellen. Die Fachleute sagen "Fibroblasten". Stell sie dir vor wie Hausmeister. Sie kümmern sich um das Gelenk. Sie bauen Knorpel auf. Sie schmieren das Gelenk. Sie sorgen für Ordnung. Und sie sind die Türsteher. Wenn neue Zellen kommen, prüfen sie diese. Sie schauen sich die Reisenden an. Sind das Freunde? Oder Feinde? Wollen die Ärger machen? Die Fibroblasten entscheiden über Krieg oder Frieden.
Der geheime Handschlag: CD200
Wie machen sie das? Die Zellen reden miteinander. Aber nicht mit Worten. Sie nutzen Moleküle. Die Forscher haben das Molekül gefunden. Es heißt CD200. Das ist wie ein Ausweis. Oder wie eine beruhigende Hand auf der Schulter. Die gesunden Hausmeister (Fibroblasten) haben viel CD200. Sie zeigen diesen Ausweis. Die Reisenden haben den passenden Empfänger. Er heißt CD200R1. Das ist wie ein Schloss für den Schlüssel. Wenn CD200 an den Empfänger andockt, passiert etwas Magisches. Ein Signal geht in die Reisende Zelle. Das Signal heißt: "Alles ruhig. Kein Angriff. Leg die Waffen weg."
Die friedliche Koexistenz
Das passiert in einem gesunden Gelenk.
Die Reisenden kommen an. Sie sind vielleicht etwas aggressiv. Sie kommen ja aus der entzündeten Haut. Aber die Hausmeister sind stark. Sie zeigen ihren CD200-Ausweis.
Die Reisenden beruhigen sich. Sie werden inaktiv. Sie lösen keine Entzündung aus. Das Gelenk bleibt gesund.
Du hast zwar Psoriasis. Deine Zellen wandern auch. Aber dein Gelenk schützt sich selbst. Das ist ein perfektes System. Es funktioniert bei den meisten von uns. Wir haben Glück. Unsere Hausmeister sind wachsam.
Teil 4: Wenn das System versagt – Der Ausbruch der Arthritis
Der fehlende Schutzschild
Aber bei 30 Prozent geht es schief. Warum? Auch das erklären die Forscher. Bei diesen Menschen fehlt der Schutz. Die Hausmeister sind schwach. Oder es sind zu wenige da. Die Fibroblasten haben kein CD200 mehr. Oder viel zu wenig. Der Ausweis fehlt. Die beruhigende Hand fehlt. Das Gelenk ist schutzlos. Der "Boden" ist verändert. Er lässt die Entzündung zu.
Die Eskalation
Stell dir die Situation vor: Die Reisenden kommen an. Sie sind voller Energie aus der Haut. Sie sind bereit für Krawall. Sie treffen auf die Hausmeister. Aber die Hausmeister signalisieren nicht "Ruhe". Sie können es nicht. Ihnen fehlt das CD200. Die Reisenden warten vergeblich auf das Stopp-Signal. Da kommt nichts. Also machen sie das, was sie gelernt haben: Sie machen Entzündung. Sie werden aktiv. Sie rufen Verstärkung.
Die Verwandlung in Brandstifter
Die Reisenden verändern sich jetzt. Sie werden zu echten Fresszellen. Zu Makrophagen. Und sie aktivieren andere Zellen. Besonders die T-Zellen. T-Zellen sind die Spezialeinheiten des Immunsystems. Die Reisenden feuern die T-Zellen an. "Hier ist ein Feind! Greift an!" Die T-Zellen schütten Botenstoffe aus. Einer davon ist berüchtigt. Er heißt IL-17. Vielleicht kennst du den Namen. Viele moderne Medikamente blockieren IL-17. Jetzt wissen wir noch besser, warum das hilft. IL-17 ist wie Benzin im Feuer. Es heizt die Entzündung an.
Das Feuer brennt
Jetzt ist die Arthritis da. Das Gelenk wird heiß. Es schwillt an. Flüssigkeit sammelt sich. Das Immunsystem greift den eigenen Körper an. Es denkt, dort sei eine Infektion. Aber da ist keine.
Es ist ein Fehlalarm. Ausgelöst durch die Reisenden. Und nicht gestoppt durch die Hausmeister. Der Knochen wird angegriffen. Er wird abgebaut. Gleichzeitig wuchert der Knochen an anderen Stellen. Das führt zu den typischen Verformungen. Und zu den Schmerzen, die wir kennen.
Teil 5: Die Beweise – Von der Maus zum Menschen
Hightech-Analyse der Zellen
Die Forscher haben nicht nur Mäuse beobachtet. Sie haben die modernste Technik genutzt, die es gibt. Sie haben "Single Cell Sequencing" gemacht. Das heißt: Sie haben jede einzelne Zelle untersucht. Sie haben ihr Erbgut gelesen. Wie ein Tagebuch. Sie konnten sehen, welche Gene aktiv sind. So haben sie die Reisenden genau identifiziert. Sie haben einen komplizierten Namen: CD2+/MHC-II+/CCR2+ (das bedeutet, sie tragen alle drei Marker gleichzeitig). Lass uns bei "Reisende" bleiben. Aber dieser genetische Fingerabdruck ist wichtig. Er macht die Zellen unverwechselbar.
Bestätigung beim Menschen
Mäuse sind gut für die Forschung. Aber wir sind keine Mäuse. Funktioniert das bei uns auch so? Das Team hat Gewebeproben von Patienten untersucht. Von Menschen mit Psoriasis. Und von Menschen mit Psoriasis arthritis. Sie haben Hautproben genommen. Und Gelenkproben. Und sie haben verglichen. Das Ergebnis war eindeutig. Ja, es ist bei uns genauso. Auch in unseren Gelenken finden sich diese Reisenden. Und auch bei Arthritis-Patienten fehlen die CD200-Hausmeister.
Der genetische Beweis der Wanderung
Sie haben noch einen Beweis gefunden. Sie haben die Mitochondrien untersucht. Das sind die Kraftwerke der Zellen. Sie haben eigene kleine Gene. Diese Gene verändern sich leicht. Wie Muttermale. Wenn eine Zelle sich teilt, gibt sie diese Merkmale weiter. Die Forscher fanden die gleichen Merkmale in der Haut und im Gelenk. Bei denselben Patienten. Das beweist: Die Zellen im Gelenk stammen von den Zellen in der Haut ab. Sie sind wirklich gewandert. Es ist wie ein Vaterschaftstest. Nur für Zellen. Der Weg ist bewiesen.
Teil 6: Der Blick in die Zukunft – Diagnose und Therapie
Warum erzählen wir das so ausführlich? Weil es Hoffnung gibt. Wenn wir den Mechanismus kennen, können wir ihn stören. Bisher werden oft nur die Symptome behandelt. Oder wir unterdrücken das ganze Immunsystem. Oder einzelne Komponenten – was schon ziemlich gut ist. Aber: Jetzt können wir noch gezielter vorgehen.
Die Erlanger Entdeckung öffnet zwei neue Türen: Eine Tür für die Diagnose. Und eine Tür für die Therapie.
Die Chance auf einen Früherkennungstest
Erinnerst du dich an die Reisenden im Blut? Sie sind da, bevor das Gelenk wehtut. Das ist die Chance. Man könnte einen Bluttest entwickeln. Der Arzt nimmt dir Blut ab. Er sucht nach genau diesen Zellen mit den Markern CD2+, MHC-II+ und CCR2+. Findet er viele davon? Dann ist dein Risiko hoch. Deine Haut schickt schon Truppen los. Dann muss man handeln. Findet er keine? Dann kannst du aufatmen. Dein Risiko ist gerade gering. Das würde die Angst nehmen. Die Ungewissheit wäre weg. Wir wüssten, woran wir sind.
Die Vision der Prävention
Wenn wir wissen, wer gefährdet ist, können wir vorbeugen. Das ist der Heilige Gral der Medizin. Krankheiten verhindern, bevor sie ausbrechen. Wie könnte das gehen? Es gibt zwei Strategien, die sich aus der Studie ergeben.
- Strategie 1 – Die Reise stoppen: Man könnte Medikamente entwickeln, die das Wandern verhindern. Man könnte die Autobahn sperren. Oder man könnte den Zellen den Austritt ins Gelenk verwehren. Wenn keine Reisenden ankommen, gibt es keine Entzündung. Die Psoriasis bliebe auf der Haut. Das Gelenk bliebe verschont.
- Strategie 2 – Die Hausmeister stärken: Das ist vielleicht noch cleverer. Wir wissen, dass das Fehlen von CD200 das Problem ist. Warum geben wir es nicht zurück?& Man könnte Medikamente entwickeln, die CD200 ersetzen. Oder die die eigenen Fibroblasten anregen, es wieder zu produzieren. Wir würden den Schutzschild reparieren. Die Reisenden kommen an. Aber sie werden sofort beruhigt. "Alles gut. Kein Stress." Die Entzündung würde im Keim erstickt.
Wann gibt es das beim Arzt?
Ganz realistisch: Wenn, dann in einigen Jahren. Forschung braucht Zeit. Die Erlanger Ergebnisse stammen aus der Grundlagenforschung. Das ist der erste Schritt. Ein sehr wichtiger Schritt.
Aber bis zur Pille in der Apotheke dauert es noch. Es müssen Wirkstoffe gefunden werden. Sie müssen getestet werden. Erst an Zellen. Dann an Tieren. Dann an Menschen. Das dauert Jahre.
Der Bluttest ist derzeit nicht verfügbar. Die Studie zeigt lediglich, dass die Zellen prinzipiell im Blut nachweisbar sind. Die Erlanger Studie ist also ein Machbarkeitsnachweis. Die Forscher haben eine Forschungsmethode gewählt – und keine Routinediagnostik.
Bis zu klinischen Anwendungen vergehen typischerweise zehn bis 15 Jahre.
Bei etwa 20 Prozent der Patienten entwickelt sich eine Psoriasis arthritis ohne vorherige Hauterkrankung – für diese Gruppe greift der beschriebene Mechanismus nicht.
Aber der Weg ist jetzt klarer. Die Richtung stimmt. Jetzt gibt es eine Karte.
Teil 7: Was du jetzt tun kannst – Wissen ist Macht
Du kannst jetzt noch keinen CD200-Booster kaufen. Aber du kannst dein Wissen nutzen.
Beobachte dich. Achte auf deinen Körper. Die Studie sagt: Der Prozess beginnt schleichend. Hör auf kleine Signale. Morgensteifigkeit? Ein dickes Gelenk? Schmerzen in der Ferse? Das könnten Zeichen sein. Geh zum Rheumatologen. Nicht erst, wenn gar nichts mehr geht. Geh früh. Erzähl ihm von deinen Sorgen.
Sprich mit deinem Arzt. Ärzte lesen Fachliteratur. Dein Rheumatologe kennt vielleicht diese Studie. Oder er liest bald davon. Frag ihn nach deinem Risiko. Lass deine Entzündungswerte checken – auch, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Eine gut behandelte Psoriasis der Haut senkt vielleicht auch den Nachschub an Reisenden. Das ist noch nicht bewiesen. Aber es klingt logisch. Wenn in der Haut Ruhe ist, entstehen weniger Vorläuferzellen. Also: Pflege deine Haut. Nutze die Medikamente, die es. heute schon gibt. Halte die Entzündung klein.
Ein gesunder Lebensstil hilft den Hausmeistern
Wir wissen noch nicht genau, warum die Fibroblasten schwach werden. Warum verlieren sie das CD200? Vielleicht spielt Stress eine Rolle. Oder Ernährung. Oder Rauchen. Rauchen ist Gift für Psoriasis. Das wissen wir. Vielleicht schadet es auch den Hausmeistern im Gelenk.
Ein gesunder Lebensstil ist immer gut.
Bewegung tut den Gelenken gut. Sie hält die Fibroblasten fit.
Ernähre dich entzündungshemmend. Viel Gemüse. Gute Öle. Wenig Zucker. Das unterstützt dein Immunsystem. Und vielleicht auch deinen Schutzschild.
Teil 8: Zusammenfassung und Ausblick
Forscher der FAU Erlangen haben das Rätsel der Psoriasis arthritis ein Stück weit gelöst. Sie haben gezeigt: Es ist ein Prozess in zwei Schritten.
Erstens: Zellen wandern aus der Haut ins Gelenk.
Zweitens: Das Gelenk verliert seinen Schutz. Nur wenn beides zusammenkommt, werden wir krank. Das erklärt, warum es manche trifft und manche nicht.
Die Analogie vom Samen und dem Boden
Die Forscher nutzen ein Bild. Das Bild von Samen und Boden. Die Entzündungszellen sind die Samen. Sie fliegen durch die Luft (oder das Blut). Das Gelenk ist der Boden. Fällt der Samen auf Beton (gesundes Gelenk), passiert nichts. Er geht nicht auf. Fällt er auf fruchtbare Erde (Gelenk ohne CD200), fängt er an zu wachsen. Die Wurzeln schlagen aus. Die Entzündung blüht auf.
Das Ziel muss es sein, den Boden wieder zu Beton zu machen. Für die Entzündung unbewohnbar. Aber für uns gesund und stabil.
Diese Studie gibt Hoffnung. Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gelenkschäden. Hoffnung auf eine Medizin, die verhindert statt nur zu reparieren.
Die Arbeit in Erlangen und auf der ganzen Welt geht weiter. Forscher werden neue Wirkstoffe suchen. Sie werden Tests entwickeln.
Bleib optimistisch
Lass dich von der Statistik nicht entmutigen. 20 bis 30 Prozent heißt auch: 70 bis 80 Prozent bekommen es nicht! Die Mehrheit bleibt verschont. Und selbst wenn es dich trifft: Es gibt heute schon gute Medikamente.
Biologika zum Beispiel greifen genau in diese Mechanismen ein. Sie blockieren IL-17 oder andere Botenstoffe. Sie löschen das Feuer, wenn es brennt. Die neue Forschung will verhindern, dass es überhaupt brennt. Das ist das nächste Level.
Du bist nicht allein mit deiner Krankheit. Die Wissenschaft kämpft für dich. Und wir kämpfen mit. Mit Informationen. Mit Aufklärung. Mit Gemeinschaft.
Kopf hoch. Achte auf deine Gelenke. Und bleib informiert.
Fachbegriffe erklärt
Fibroblasten: Stell dir Fibroblasten wie die Bauarbeiter und Hausmeister in deinem Körpergewebe vor. Sie sind Bindegewebszellen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass alles stabil bleibt und Wunden heilen. In diesem Artikel lernst du eine besondere Gruppe von ihnen kennen. Diese speziellen „Hausmeister“ im Gelenk haben eine wichtige Aufgabe: Sie sollen ankommende Immunzellen beruhigen und Entzündungen verhindern. Sie nutzen dafür einen Ausweis, das Protein CD200. Fehlt dieser Ausweis, können Entzündungen entstehen.
Myeloische Vorläuferzellen: Das sind junge, noch nicht fertig ausgebildete Zellen des Immunsystems. Sie entstehen zum Beispiel im Knochenmark oder direkt in entzündeter Haut. Denk an sie wie an Rekruten, die auf ihren Einsatz warten. Im Fall der Psoriasis reisen sie über das Blut in die Gelenke. Sie tragen komplizierte Namen wie CD2+ MHC-II+ CCR2+, aber ihre Funktion ist einfach: Sie sind Boten. Wenn sie im Gelenk nicht gestoppt werden, reifen sie zu aggressiven Entzündungszellen heran und greifen das Gelenk an.
Dieses Thema zum Anhören
Wer lieber hören als lesen will, kann hier einsteigen: Zwei Menschen unterhalten sich über die Studie und ihre Ergebnisse.
Disclaimer: Wir haben uns für diese Audio-Datei von Künstlicher Intelligenz helfen lassen. Das Gesagte wurde von uns überprüft.
Quellen
- "Skin-derived myeloid precursors and joint-resident fibroblasts spread psoriatic disease from skin to joints" in: Nature Immunology, Vol. 27, Januar 2026
- Wie Schuppenflechte auf die Gelenke übergreift – Presseerklärung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Zugriff am 14. Januar 2026)
- Synovial Shaping of Skin-derived Migrating Immune Cells Determines Initiation of Inflammation in Psoriatic Arthritis – ACR Meeting Abstracts (Zugriff am 14. Januar 2026)
- CD200 + fibroblasts form a pro-resolving mesenchymal network in arthritis – Nature Immunology, Vol. 25

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