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  • Inga Richter
    Inga Richter

    Kommen Teer-Produkte bald zurück?

    Vor 2000 Jahren ahnten die Menschen noch nicht einmal, dass irgendwann motorbetriebene Fahrzeuge auf geteerten Straßen fahren würden. Allerdings wussten sie schon damals um die heilsame Wirkung von Teer bei Hauterkrankungen.

    Vor über 100 Jahren erkannte man schließlich den Nutzen für die Behandlung der Psoriasis. Denn die Wirkung des schwarzbraunen Gemisches aus Schiefer, Holz oder Kohle umfasst ein breites Spektrum - nicht nur, dass die Inhaltsstoffe der Masse entzündungshemmend wirken.

    Durch die antibakterielle Wirkung verhindert Teer auch mögliche Infektionen. Er hemmt die überschießende Zellteilung und die Verhornung. Außerdem mindert er den Juckreiz. Zwar reicht die Wirkung für schwere Krankheitsverläufe allein nicht aus, dennoch hatten diverse Präparate bald einen festen Platz im Therapieplan.

    Moderne Medizin verdrängt Teerprodukte

    Die Entwicklung von Alternativen in der modernen Medizin rückte die Nachteile der Teerprodukte mehr und mehr in den Vordergrund. Zu nennen sind der unangenehme Geruch oder das Verfärben von Haut und Kleidung. Die Behandlung geht – wie fast jede Medikamenten-Behandlung – manchmal mit Nebenwirkungen einher. Dazu gehören Kontaktdermatitis, Follikulitis und erhöhte UV-Empfindlichkeit, die ein Sonnenbad verbietet - obwohl doch gerade Sonne meist Linderung der Symptome verspricht.

    Schlimmer noch als das wogen dann jedoch die Vermutungen, dass Teer krebserregend sei und das Erbgut schädigen könnte.

    Zumindest der Krebs-Verdacht wurde jetzt erschüttert: "Steinkohlenteer ist eine effektive Behandlungsmöglichkeit für Psoriasis und Ekzeme, aber mehrere Bestandteile könnten krebserregend sein", schreiben Judith H.J. Roelofzen von der Universitätsklinik in Nijmegen (Niederlande) und Kollegen in der Zeitschrift "Nature". "Viele Dermatologen haben die Steinkohlenteer-Behandlung aufgegeben - obwohl unklar ist, wie hoch das Risiko ist."

    Krebsgefahr bei Teer und Kortison

    In einer Untersuchung an 13.200 Patienten mit Psoriasis und Ekzemen wurde die Krebsgefahr von Steinkohlenteer-Präparaten mit der von Kortison-Salben verglichen. Die Teersalbe wurde im Durchschnitt sechs Monate lang angewendet - bei einigen Probanden einen Monat, bei anderen 300 Monate lang. Das Fazit der Forscher: "Die Behandlung mit Steinkohlenteer ist nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden."

    Obwohl das Krebsrisiko also bislang nicht bewiesen werden konnten, wurden Teerpräparate seitdem verschreibungspflichtig oder gar vom Markt genommen.

    Nun scheint das Schattendasein ein Ende zu haben. Im Jahr 2010 brachte Promius Pharma beispielsweise Scytera auf den US-Markt. Einer der Vorteile des neuen Medikamentes liegt in der neuartigen Darreichungsform als Schaum. Denn ein Schaum trocknet schneller auf der Haut und lässt sich leichter verteilen als etwa Salben oder Cremes.

    Geruch nach Teer bei neuem Produkt minimal

    Solche Eigenschaften sind besonders nützlich bei Körperstellen, an denen zwei Hautschichten aneinander reiben: in der Gegend von Achseln, Leisten, Kniekehlen oder im Genitalbereich, zwischen den Fingern oder Zehen.

    Auf der Kopfhaut erschweren die Haare normalerweise eine optimale Wirkung. Hier scheint eine Darreichungsform geeignet, die sich leicht auftragen lässt. Bei Schuppenflechte auf den Handflächen ist es sicher von Vorteil, wenn das Präparat schnell einzieht.

    Außerdem soll – sagt der Hersteller – der Geruch nur minimal an Teer erinnern. In der Fachzeitschrift "Clinical an Aesthetic Dermatology" wurde die Wirksamkeit anhand von zwei Beispielen eindrucksvoll dargestellt.

    Vergleich von Teer und Calcipotriol

    Allerdings ergab eine Studie mithilfe von 38 Teilnehmern im Vergleich zu Calcipotriol weniger beeindruckende Ergebnisse. Die Wirkung beider Produkte war vergleichbar, doch in der Scytera-Gruppe klagten mehr Teilnehmer über die Nebenwirkungen wie Jucken, Hautverfärbungen und den (dennoch) unangenehmen Geruch.

    Linda Stein, Dermatologin am Henry Ford Hospital in Detroit, zielt dann auf einem Dermatologie-Seminar der Skin Disease Education Foundation (SDEF) eher auf den geringeren Preis von Scytera ab.

    Einem weiteren Teerpräparat der neuen Generation gab die Herstellerfirma Neostrata den Namen Psorent – ein transparentes Gel, das 2,3% Steinkohlenteer enthält und ebenfalls in den USA zu haben ist.

    Aber: Teilweise dürftige Studienlage

    Laut Linda Stein verfärbt Psorent kein gefärbtes Haar, wenn es für Kopfpsoriasis benutzt wird. Das Medikament trocknet ebenfalls schnell und wird in einer Flasche mit Pinsel angeboten, so dass der Kontakt mit den Händen unterbunden wird.

    Wie bei Skytera scheint die Studienlage bislang recht dürftig – zumindest die Anzahl der Untersuchungen, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Glaubt man den Ergebnissen einer Testreihe an 60 Patienten, dann scheint Psorent gegenüber Calcipotriol jedoch gut abgeschnitten zu haben.

    Ergebnisse im Überblick

     PsorentCalcipotriol
    Verbesserung des Psoriasis Area Severity Index (PASI)58%37%
    Verbesserung des Psoriasis Area Severity Index (PASI) um 75%bei 11 von 27 Patienten (= 41%)bei 0 von 28 Patienten
    Verbesserung des Psoriasis Area Severity Index (PASI) um 50%18 von 27 Patienten (=67%)bei 10 von 28 Patienten (= 36%)
    Verschlechterung des Physician Global Assessment (PGA) nach der Behandlung auf den Ausgangswertbei 5 von 22 Patienten (= 23%)bei 14 von 20 Patienten (= 70%)

    Tabelle: 60 Patienten wurden über zwölf Wochen entweder mit Psorent oder mit Calcipotriol behandelt.

    Quelle: "A new topically applied liquor carbonis distillate (coal tar) solution helps reduce regression of plaque psoriasis after 12 weeks of treatment" in: Journal of the American Academy of Dermatology 2009;60 (Issue 3, Suppl. 1)

    Ob Teerpräparate tatsächlich ihr „Comeback“ feiern werden, wird wohl erst die Zukunft zeigen.


    Bildquellen

    • Teersalbe: Elenathewise / Fotolia.de

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    Recommended Comments

    Zu meiner großen Überraschung -ich befinde mich gerade in der Fachklinik Bad Bentheim als Akutpatientin- wird hier sowohl Teersalbe und Teerlotion eingesetzt. Das Comeback ist also schon Fakt.

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    • Stefan22869
      By Stefan22869
      Hallo, ich habe seit rund 20 Jahren Pso und habe natürlich alles probiert. Fumaderm und ähnliches...alles nicht lang von Erfolg gekrönt. Ich habe Pso an den üblichen Stellen. Finger, Ellenbogen, Knie usw.....
      Vor einem halben Jahr habe ich durch einen Umzug einen neuen Doc besucht und der hat mir eine Salbe verschrieben, die in der Apo erst abgemischt werden musste und furchtbar nach Teer stinkt.
      Inhaltsstoffe: Clobetasolum Propionicum, Salicylsaeure, Steinkohlenteerspiritus, eucerinium anhydrcium
      Vom Geruch her hatte ich die früher schon mal und ich glaube, ihr kennt die Salbe alle....Damals hat sie, glaube ich, nicht so gut geholfen. Jetzt bin ich jetzt zufrieden. Ich schmiere etwa 5 Nächte ein und die Stellen sind verschwunden und ich habe 2 Wochen Ruhe.
      Könnt ihr mir zu der Salbe was sagen? Langzeitwirkungen? Risiken? Kann es sein, dass sie irgendwann nicht mehr hilft?
      Kann ich mir die Mittel selbst besorgen und mischen?
      Ich soll nach dem eincremen alles mit Frischhaltefolie einwickeln. Finger ist kein Probleme, dafür habe ich Handschuhe, aber der Rest ist schon sehr aufwendig....Was für einen Sinn hat die Folie? Soll sie nur Kleidung und Bettwäsche schützen? Könnte ich auch einfach einen alten Pyjama anziehen oder hat die Folie noch einen anderen Zweck?
      Wirkt die Salbe nur auf Stellen oder kann ich prophylaktisch schon vorher die Haus eincremen, wo irgendwann die Stellen erscheinen?
       
      Oh man... viele,viele Fragezeichen.... Sorry und schon mal vielen Dank für die Antworten.
      Liebe Grüße, Stefan
       
    • PtrckSbstn
      By PtrckSbstn
      Hallo ihr Lieben,
       
      momentan habe ich wohl einen der schlimmsten Peso-Schübe  seit Langem und es juckt auch noch überall... Als Hintergrund- Nach einer schweren Mandelentzündung hatte sich bei (ich war glaube ich 20) mir erstmals eine POS Guttata entwickelt, die dann nach und nach einen chronischen Verlauf genommen hat - was sich bis heute leider nicht geändert hat. Ich habe also meist kleine (max. 2 Euro Stück große) Plaques - diese aber am ganzen Körper.
       
      Ich habe viel ausprobiert aber nichts will so richtig helfen außer Daivobet. Wenn ich ganz schlimme Schübe habe, benutze ich es täglich über einen Zeitraum von 4 Wochen und manchmal mache ich mir dann Sorgen, dass das viel zu viel ist.
       
      Nun bekomme ich mit Daivo so ziemlich jede Stelle gut in den Griff außer meine Hände... Befallen sind bei mir nicht die Innenflächen sondern die Handöberfläche selbst, bevorzugt unterhalb der Finger bei den Handwurzelknochen. Nach 2 Wochen Daivo kam es zu keiner Besserung also bin ich nun bei einem Coal Tar ointment aus den USA angekommen. Ich habe im Netz gelesen, dass dieses Zeug besonders bei Peso an den Händen Wunder wirken soll - aber auch da sehe ich nach nunmehr 2 Wochen noch keine einzige Besserung...
      Habt ihr Tipps? Die Plaques sind nicht anders als alle anderen an meinem Körper, daher verstehe ich nicht warum nichts hilft
       
      LG!
    • Meister82
      By Meister82
      Ich habe Schuppenflechte an den Beinen..bedingt durch Stoffwechselerkrankung(Angeblich)
      Keine Kortisonsalbe hat wirklich geholfen.Dann war ich auf Borkum in Kur man wurde bei der Aufnahmeuntersuchung auf meine Flechten aufmerksam und schickte mich in die dort ansässige Hautklinik.
      Ein älterer Chefarzt hat mich untersucht und mir eine Salbe (Mixtur aus Biostoffen)verschrieben. Sie nennt sich
      "Hydrophile LCD  Creme" Rezeptpflichtig und wird jeweils angemischt..Steinkohlenteermischung.
      Ich trage Sie dünn auf und dann die Stellen, in meinem Fall die Beine,mit Klarsichtfolie umwickeln,wegen Geruch,Fleckenbildung auf Wäsche und damit die Wärme auf den Beinen bleibt.
      Morgens abduschen und eincremen Hautfreundlich..
      Nach 3maliger Anwendung sind die Schuppenflechten so gut wie weg  natürlich auch der Juckreiz..und das hält so ca.4Wochen an.
       
       
    • Claudia
      By Claudia
      Hallo Frau Charitidou,
      haben Sie Alltagstipps für Leute mit Psoriasis am Kopf? Ist Föhnen zum Beispiel schädlich? Und sollte ich lieber weniger die Haare waschen?
      Und: Wir hatten hier im Forum kürzlich eine Diskussion, was eigentlich mit dem "guten alten" Teer ist. Mancher schwört auf das Teershampoo. Was halten Sie davon?
    • arni
      By arni
      Jetzt muss ich doch mal in großer Runde fragen. Ihr habt ja alle schon einiges ausprobiert und mitgemacht. 
      In der Klinik Bad Bentheim wurde ich mit verschiedenen Teerhaltigen Präparaten behandelt. Salben, Lotionen usw.  Zuerst wurde es mit Kortison mal wieder versucht. Als es keinen Erfolg brachte, wurde auf Teer umgeschwenkt. Teer und Protopic. Diese Kombi brachte meiner Kopf-Pso endlich mal eine Verbesserung. 
      Gestern war ich beim Hautarzt mit dem vorläufigen Bericht von Bentheim. Protopic kann er nicht verschreiben, da es für die Psoriasis nicht zugelassen ist.
      Über die Teerbehandlung war er sehr erstaunt und meinte, damit wird eigentlich niemand mehr behandelt. Es gäbe modernere Möglichkeiten. Kann sein...meine Kopf-Pso spricht aber auf die moderne Palette der Möglichkeiten überhaupt nicht an  . Er war ein relativ junger Arzt. Er meinte in seinem Studium, sei die Teerbehandlung vorgekommen. Aber nur am Rande. Und er hatte bisher auch noch keinen Patienten mit Teerbehandlungen. Also Null-Ahnung. 
      Nach einigen hin-und her, hat er mir ein Rezept zum anmischen in der Apotheke ausgestellt. Dort gab es die nächste Überraschung. Die Apotheke kann es nicht anmischen. Rezepturen veraltet und fehlende Rohstoffe. 
       
      Ist diese Behandlungsmöglichkeit tatsächlich schon so unmodern? Warum verwenden es die Hautkliniken, wenn ich anschließend damit nicht weiter behandelt werden kann? Das ist doch frustrierend. 
      Jetzt will er mir ein Rezept für das Tarmed Shampoo zuschicken. Und mit dem Xamiol soll ich weiter machen. Wobei ich den Sinn nicht sehe. Wenn es nach 6 Monaten keine Besserung gibt...aber gut. Vielleicht bringt die Kombi von Shampoo und Xamiol einen Erfolg. 
       
       

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