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    Doktorfisch-Therapie als IGeL-Leistung?

    Die Psoriasis ist ein Leiden, das wie kaum eine andere Hauterkrankung am Ego des Dermatologen zu kratzen vermag. Von der chronischen Schuppenflechte befallene und gequälte Patienten suchen nicht selten auch Zuflucht in so genannten alternativen Behandlungsverfahren. Selbst Fische sind als Therapeuten gefragt. Die aber standen bisher nur im fernen Zentralanatolien im speziellen Ambiente und "Heilwasser" zur Verfügung.Jetzt soll es auch die Reise in die Südpfalz tun: In Pirmasens hat sich die Heilpraktikerin Tanja Handler 200 Kangalfische zugelegt, die ab sofort ihre Schuppenflechte- und Neurodermitis-Patienten beknabbern. Wäre so eine Therapie, die von Beginn an eine große Nachfrage bei betroffenen Patienten auslöste, nicht auch Ärzten als IGeL-Leistung zu empfehlen? Der "Zertifizierungszwang" steht dem wohl (noch) entgegen.

    Heimisch sind die bis zu 12 cm großen, karpfenähnlichen "Doktorfische" Leucsicus cephalus und Garra rufa ("Rötliche Saugbarbe") in den Gewässern des Baches "Kavak Deresi" im Herzen Anatoliens in rund 1.500 Meter Höhe. Von dort aus ist es nicht weit zur Kreisstadt Kangal. Während die an der Seidenstraße gelegene Provinzhauptstadt und historische Handelsmetropole Sivas, wo kleinere Flugzeuge landen können, circa 100 Kilometer entfernt ist.

    Die in den letzten Jahren rund 6.000 Gesundheitstouristen mit chronischen Hauterkrankungen, die es in diese recht verlassene Gegend zieht, tummeln sich jeweils drei Wochen lang täglich je zweimal vier Stunden in speziellen Badebecken, die in den Quellfluss gebaut wurden. Die Kosten für die Kur? Ein Pauschalarrangement von Deutschland aus ist - bei eher spartanischer Unterbringung - für etwa 2.500 DM zu haben. Das dortige Thermalwasser ist circa 37 Grad Celsius warm und weist einen hohen Kalzium-, Magnesium-, Sulfat- und Hydrogenkarbonatgehalt auf, wie von der medizinischen Fakultät der Istanbuler Universität in Zusammenarbeit mit der türkischen Sivas Cumhuriyet Universität bescheinigt ist.

    Schwimmende Therapeuten, die unermüdlich rackern

    Die eigentliche, sehr medienwirksame Attraktion dieser Gewässer sind zwei aus Südwest-Asien stammende Karpfenarten. Deren Ernährungsbedingungen sind aufgrund eines nur minimalen Vorkommens an Phyto- und Zooplanktonen schlecht, was eine gewisse Aggressivität und Appetenz gegenüber den "schmackhaften" Hauteffloreszenzen der Badenden zur Folge hat. Während in "therapeutischer Arbeitsteilung" der unermüdlich, freilich nicht selbstlos rackernden "schwimmenden Hautärzte aus Kangal" die einen den badenden Gästen die Hautschuppen abfressen und die entsprechenden Hautareale durch die Stöße ihrer Fischmäuler "massieren", nehmen die anderen die Wundsäuberung vor.

    Die Fische teilen sich bis zu 40 Patienten

    Dabei sollen durch die Fische sogar "heilsame", dithranolhaltige Sekrete bzw. Enzyme abgesondert werden. Während der Prozedur sei lediglich "ein äußerst angenehmes Kribbeln und Kitzeln" - ähnlich der Reizstrombehandlung zu verspüren, woran man sich sehr schnell gewöhne, versichert Kangal-Patient Gerhard Förster aus Prenzlau. In anderem Zusammenhang spricht der Psoriatiker von einem Feeling, das mit dem beim Peeling vergleichbar sei. "Unreine" Haut bis hin zu den Mitessern übt auf die Fische offenbar eine geradezu magische Anziehung aus. Aber: "Die Fische wissen nicht, wann Schluss ist." So könne es durchaus vorkommen, dass "blutige Stellen entstehen", so zum Beispiel regelrechte "Löcher in den Fußsohlen". Es empfehle sich unter Umständen, im Wasser Socken zu tragen.

    Für Betroffene sind die Fische das kleinste Übel

    "Schmerzhaft wird es nur, wenn die Fische in offene Wunden stechen bzw. diese absaugen", hatte Christian Pagel, Psoriasispatient von Kindheit an, bereits vor nunmehr sechs Jahren in Günther Jauchs "Stern TV" erklärt. Er habe in seinem Leben therapeutisch schon so viel mitgemacht, da seien die Fische sicher das kleinste Übel. Angesichts der Behandlungsusancen komme bei ihm kein Ekel auf, versicherte Pagel, der sich in der damaligen Sendung mit anderen Hautkranken - die meisten von ihnen kahlgeschoren am Kopf wie er - in einem der Kangal - Thermalbecken zeigte. Die Gruppentherapie mit "Fischtausch" ist – getrennt nach Männlein und Weiblein – in Kangal durchaus üblich, wobei ein Becken mit durchschnittlich 35 bis 40 Patienten belegt ist.

    Reichlich Kangalwasser außen und innen

    Einer Arbeit zufolge, die von S. Ozcelic et al., Hautklinik der Universität von Sivas, unter der Headline "Kangal hot spring with fish and psoriasis treatment" unlängst im "Journal of Dermatology" (27, 6 (2000): 386-390) publiziert wurde, können sich die therapeutischen Ergebnisse der so außergewöhnlichen Therapie durchaus sehen lassen. Demnach waren die Remissionszeiten bei insgesamt 87 Psoriasispatienten unter der Wasser-Fisch-Behandlung im Mittel signifikant länger als die einer Kontrollgruppe, deren Patienten topische Steroide erhielten.

    Dabei tragen die Fische zum Behandlungserfolg nur zu etwa 20 Prozent bei, teilt Götz Lefeber von Fener-Reisen in Hamburg mit, wo man unter anderem auf entsprechende Gesundheitsreisen ins Kangalgebiet spezialisiert ist. Das Klima und natürlich das Wasser seien weitere, wesentliche Faktoren. Vom heißen Kangalnass sollen bereits nach dem Aufstehen vier bis fünf Gläser getrunken werden, und während der täglich achtstündigen Badeexzesse dann noch weitere zwei bis drei Liter.

    Züchter sahen schon die Geldquellen sprudein

    Während man das Kangalklima mit täglichen Gewittergüssen "wie aus heiterem Himmel" ja nicht außer Landes schaffen kann, ist das mit dem Wasser und den Fischen anders. Die wecken Begehrlichkeiten, wobei sich Letztere sogar vermehren lassen. Der aus Sachsen-Anhalt stammende und jetzt in Stuttgart heimische Taxifahrer und Hobbyzüchter Mario Wegricht hat das rechtzeitig verinnerlicht: Seine Exemplare, die er aus dem Kangal hat "mitgehen" lassen, pflanzten sich in heimischen Aquarien, Wannen und Regentonnen so prächtig fort, dass das – bei einem Verkaufspreis von 125 DM pro Fisch – wahre Geldquellen sprudeln lassen sollte. Jetzt sieht sich Wegricht allerdings, was seine Werbeaktivitäten betrifft, zunehmend in die Enge getrieben von diversen Behörden bis hin zu "islamischen Fundamentalisten", die ihn nach eigenen Angaben anonym bedroht haben sollen: Grund genug, jetzt vielleicht auszuwandern und in Tschechien ein "Thermal-Fisch-Bad" aufzubauen. Große Thermalbadpläne hat auch ein anderer, zum Züchter konvertierter Psoriasispatient aus Berlin, Georg Seidler. Von 100 Fischen, die er in einer Plastiktüte mit in den Flieger nahm, hätten immerhin 90 die Reisestrapazen überlebt.

    Zum Beknabbern zur Heilpraktikerin

    Was da schon lange in der Luft – oder eher im Wasser – lag, setzt eine clevere Heilpraktikerin aus Pirmasens seit 1. Juni 2001 konsequent in die Tat um: In ihrem neuen "Zentrum für Gesundheit" bietet Tanja Handler - für Deutschland ein Novum - die Therapie mit Kangalfischen an. Von den zurzeit rund 200 Fischen, über die Handler verfügt, kommen pro Sitzung – Dauer bis zu zwei Stunden – etwa 50 in die Wanne zum Beknabbern des jeweiligen Patienten. Das läuft mit dem Segen des Gesundheitsamts, allerdings nur in Einzeltherapie.

    Die Nachfrage bei Psoriatikcrn soll sehr groß sein, auch im benachbarten Frankreich. Das rief Günther Jauchs "Stern-TV"-Team auf den Plan, um die schon ehemals verfolgte Spur wieder aufzunehmen: Am Drehort Pirmasens verfolgte man die therapeutischen Fortschritte bei zwei Psoriasis- und einem jungen Neurodermitis - Patienten über drei Wochen, um darüber noch vor der Sommerpause des Magazins zu berichten. Dabei leisteten die Fische bereits nach einer Woche gute bis ganze Arbeit, wie aus den Filmdokumentationen bei jeweils deutlich gebessertem Hautstatus hervorgeht. Was freilich nichts darüber sagt, wie es über längere Zeit aussieht.

    IGeL oder nicht: Was sagen die Hautärzte dazu?

    Was sagen die Hautärzte in Pirmasens zu den Aktivitäten der benachbarten Heilpraktikerin? Wäre das nicht auch eine schöne IGeL-Leistung für sie? Jürgen Knauber ist, was die Knabber-Erfolge bei Psoriasis unter heimischen Bedingungen betrifft, noch skeptisch. Der Dermatologe Volker Vogt weist mit Recht darauf hin, dass auch die privat zu verrechnenden IGeL-Leistungen gewisser wissenschaftlicher Standards bedürften bzw. – wie die Kassenleistungen – gewissen "Zertifizierungszwängen" unterliegen. Was der Heilpraktiker dürfe, sei dem gewöhnlichen Arzt noch lange nicht erlaubt, und zu den Gurus fließe das Geld.

    Kollegiale Schützenhilfe für IGeL-Interessenten, auch was die Fische aus Kangal betrifft, könnte allerdings einem Editorial von Privatdozent Matthias Augustin von der Universitäts-Hautklinik Freiburg in "Biologische Medizin" (3/2001: 101) entnommen werden. Der Kliniker schreibt da, dass die so nötige komplexe, ganzheitlich-individuelle Behandlung in der Dermatologie keinesfalls mit fehlender Wissenschaftlichkeit gleichgesetzt werden könne, denn: "Die Regeln der ansonsten hoch geschätzten Evidence Based Medicine lassen sich auf die klinische Vielfalt von Auslösefaktoren und Symptomen einer komplexen Erkrankung nur eingeschränkt anwenden."Erfahrungswissen müsse daher gleichberechtigt in die Behandlung mit einfließen dürfen. Für die Psoriasis gelte das ganz besonders: Bereits von Paul Bechet im Jahre 1936 als "Antidot für das Ego bzw. Selbstwertgefühl des Therapeuten" gebrandmarkt, stellt die Schuppenflechten-Crux noch heute eine ganz besondere Herausforderung dar.

    Hans-Jürgen Richter

    Quelle: "Der Kassenarzt" 33/34 2001, S. 18-20

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    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Fische, die die Pso wegknabbern: Seit Jahren zieht dieses Phänomen durch Presse, Funk und Fernsehen. Der erste Boom ist lange vorüber. Es zeichnet sich ab: Wer die Therapie ausprobieren möchte, sollte entweder in die Türkei an die Quelle fahren, wo die Fische zuhause sind, oder sich hierzulande in die Hände von erfahrenen Therapeuten begeben. Unter letzteren waren die Mitstreiter in der Erlenbach-Klinik in Bad Mergentheim wohl am weitesten.
      Die Erlenbach-Klinik hatte Platz für 80 Menschen – kein großer Klinik-Betrieb erwartete also den Patienten. Mit Hautkrankheiten beschäftigte sich die Klinik, seitdem die Garra rufa (der lateinische Name für die Fische) "in Mode" waren. Klinikchef Karl Gutekunst litt selbst an Schuppenflechte und nahm die Therapie mit den Fischen unter die Lupe. Sie half ihm, und so zogen nach einigen Umbauten die ersten Garra rufa ein.
      Das Procedere bei der Fischtherapie
      Die Therapie wurde in einem separaten Gebäude – zwei Kilometer entfernt von der Klinik – durchgeführt. Die Patienten wurden dorthin gefahren, was schon wegen des bergigen Landes sehr angenehm ist.
      Für jeden Patienten wurden vor seiner Ankunft etwa 150 Fische in eine Badewanne gesetzt. Dort blieben die Fische für die gesamten drei bis vier Wochen. Jeder Patient erhielt während der gesamten Therapiezeit seine eigene Wanne mit seinen eigenen Fischen. Die Fische wurden täglich mit herkömmlichem Futter gefüttert.
      Denn: Sitzt der Patient bei seinen Fischen, stürzen die sich gleich auf ihn – schließlich hat er ihr Futter sozusagen am Leib. Die Fische stupsen die Stellen des Patienten weich und massieren sie. Zudem knabbern sie die Schuppen weg. So ging das 21 Tage lang: Täglich sitzt der Psoriatiker vier Stunden lang oder zwei mal zwei Stunden lang im Wasser.
      Jeder Patient badete immer komplett – egal, ob der ganze Körper oder nur einzelne Stellen befallen sind.
      Auch die Erlenbach-Klinik-Betreiber versprachen keine Heilung von der Psoriasis. Vielmehr sahen sie die Chance der Therapie in einem Abheilen der Haut-Stellen und weniger Juckreiz und Spannungsgefühl.
      Patientenmeinung
      Patient Uwe Gräser (29) sagte damals, er würde die Therapie sofort wiederholen. Zwei Tage vor Ende seines Aufenthaltes konstatierte er: "Ich spüre keinen Juckreiz, keine Hautverspannungen. Meine Haut ist zwar an manchen Stellen noch etwas errötet, doch sie ist glatt, von Schuppen keine Spur." Endlich könne er wieder ein Hemd mit kurzen Ärmeln tragen. Den Skeptikern sagt er: "Wer den letzten Strohhalm nicht nutzt, leidet meiner Meinung nach nicht genug."
      Am Anfang war er selbst gar nicht so enthusiastisch: "Die erste halbe Stunde bedurfte einer gewissen Gewöhnungsphase, doch an das kitzelige Gefühl gewöhnt man sich schnell."
      Mehr über die Kangalfisch-Therapie
      Ina Schubert, Mitarbeiterin der Erlenbach-Klinik, damals: "Der Erfolg hielt bei unseren Patienten zwischen 14 Wochen und 18 Monaten an." Dr. Manfred Derr, niedergelassener Hautarzt in Bad Mergentheim, betreute die Psoriasis-Patienten in der Klinik – was nicht hieß, dass er ständig oder täglich anwesend war. "Für viele Patienten ist eine tägliche Visite gar nicht nötig", meinte er damals. "Sie bringen ja Erfahrung mit ihrer Schuppenflechte mit."
      Anfangs bekamen selbst erfahrene Psoriatiker einen Schreck: Bei 20 Prozent der Patienten wurde die Schuppenflechte zunächst schlimmer. Das jedoch ist laut Dr. Süßmuth, damals Chefarzt der Erlenbach-Klinik, normal – vor allem bei Naturheilverfahren, zu denen er die Fische-Therapie zählt. Und: "Die Patienten, bei denen die Psoriasis am Anfang schlechter wurde, haben hinterher die schnellsten Erfolge erlebt."
      Dafür waren in der Klinik dann aber doch nicht nur die Fische verantwortlich: Die Patienten wurden psychologisch mitbetreut und lernten, mit Stress umzugehen.
      Außerdem wurde die Knabber-Therapie in der Erlenbach-Klinik immer mit einer Bestrahlungstherapie mit UV-A-Licht kombiniert. Wer wollte, bekam zusätzlich Stutenmilch, die der Patient schon zwei Wochen vor dem Klinikaufenthalt zu sich nahm. Das "Getränk" wurde während der Fische-Therapie und danach fortgesetzt. Hinzu kamen eine Colon-Hydro-Therapie zur Sanierung des Darmes und eine individuelle Ernährungsberatung von einer erfahrenen Diätassistentin.
      Volker Schweizerhof, der für die Fische und deren Zucht verantwortlich zeichnete, wusste und weiß: "Wer behauptet, die Garra-rufa-Theapie ist nur angenehm und es würde nicht bluten, lügt." Deshalb wurden offene Stellen stets abgeklebt. Viele Patienten berichteten außerdem davon, dass die Haut hinterher kribbelt. Das soll laut Volker Schweizerhof geschehen, weil die unteren Hautschichten stimuliert werden – ähnlich wie bei der Anwendung von Interferenzstrom.
      Dr. Süßmuth hat beobachtet, dass auch Haut an Ohren- und Kopfhaut besser wurde, obwohl sie nicht mit im Wasser waren.
      War ein Patient weg, müssen die Fische erst einmal "durchatmen": Obwohl jeder Patient vor der Therapie auf ansteckende Krankheiten wie Hepatitis oder HIV untersucht wurde, wurden die Fische zehn Tage lang in Quarantäne geschickt, damit keine ansteckenden Krankheiten oder krankmachende Keime zum nächsten Patienten gelangen konnten. Für Kenner der Materie: Die DIN 19346, bei der es um Wasserqualität und Keime geht, wurde streng überprüft.
      Wer sollte nicht zu den Fischen steigen?
      Ein Patient mit Psoriasis arthritis, der die Therapie ausprobierte, verspürte nur eine leichte Besserung. Während des gesamten Klinik-Aufenthaltes sollte auf Alkohol und Kortison verzichtet werden, weil die das Knabberverhalten der Fische beeinträchtigen. Wer mit diesen Verzichten Probleme hat, war ebenfalls für die Therapie nicht geeignet. Bei Menschen mit Fibromyalgie musste eine individuelle Klärung erfolgen. Die Kosten
      Keine Krankenkasse erkennt die Therapie als Reha-Maßnahme an. Ina Schubert riet damals jedem, selbst zur Krankenkasse zu gehen und eine ambulante Badekur durchzuboxen, um wenigstens einen Teil der Therapiekosten erstattet zu bekommen.
      Die Therapie hatte ihren Preis: Für das Rundum-Paket wurden für 21 Tage 1.990 Euro verlangt. Vier Wochen kosteten 2.650 Euro. Verzichtete der Patient auf den Verzehr von Stutenmilch, belief sich der Preis für eine dreiwöchige Therapie auf 1.790 Euro, für vier Wochen auf 2.385 Euro (Stand Frühjahr 2003).
      Schnupperwochenenden gab es nicht. "Jeder kann aber zu seiner persönlichen Information vorbeikommen und einmal seinen Arm ins Aquarium halten", so Ina Schubert.
      Im Programm der Klinik war eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur mit den Fischen im Sanatorium "An der Höhle".
      Was bleibt
      Die Erlenbach-Klinik begab sich mit ihrem Konzept heraus aus dem Spannungsfeld der reinen Fische-Züchter, die hierzulande schnell ins Geschäft einstiegen, den Betroffenen das Blaue vom Himmel versprachen und ihnen gern viel Geld abnahmen. "Einige Züchter haben die Therapie in ein sehr schlechtes Licht gerückt und ihr geschadet", sagt Volker Schweizerhof deutlich.
      In der Erlenbach-Klinik setzte man auch nicht allein auf die Fische, sondern mischte herkömmliche Therapien wie Bestrahlung mit sanfteren Methoden.
      Es wurde an einem wissenschaftlichen Nachweis gearbeitet, dass die Therapie besser hilft als die oft mit schweren Nebenwirkungen verbundenen bisherigen Methoden. Die Erlenbach-Klinik erstellte zusammen mit einem Dermatologen unter Zugrundelegung der Behandlungsergebnisse sämtlicher in der Wanne behandelten Patienten eine Studie zum Wirksamkeitsnachweis der Fischtherapie.
      Nach wie vor meinen Wissenschaftler vor allem an Uni-Kliniken, dass der Patient eine entschuppte Haut auch einfacher haben kann. So muss jeder Patient für sich entscheiden, ob ihm der Versuch das Geld wert ist. Für andere Selbstzahler-Therapien berappt der Betroffene jedoch schnell die gleiche Summe.
      Doch leider: Die Klinik musste ihre Pforten schließen.
      Inzwischen wird eine richtige Therapie mit den Fischen kaum noch in Deutschland angeboten. In sogenannten Fish-Spas werden die Tiere zum Beseitigen von Hornhaut und zu anderen Wellness-Zwecken eingesetzt. Meist sind Menschen mit Schuppenflechte oder Neurodermitis vom Besuch in diesen Spas sogar ausdrücklich ausgeschlossen.
      Als Beispiel hier ein Video von einer Behandlung der Hände:
      Bilder von Knabberfischen im Aquarium
      Tipps zum Weiterlesen
      Kangal-Fische knabbern an der Schuppenflechte – aber hilft das auch? In unserer Community wird immer noch ab und an über Erfahrungen mit der Knabberfisch-Therapie diskutiert. Mehr über die Therapie mit Knabberfischen in der Türkei Mehr über die Zucht von Kangalfischen – und wie man es nicht macht In unserem Branchenbuch findest du einige Therapeuten, die mit Kangalfischen arbeiten. Einschätzung vom Psoriasis Forum Berlin e.V.  „Knabber-Fische“ in Kosmetikstudios – Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz?" – Beitrag in einem regionalen Online-Portal "Knabberfische dürfen auch in Deutschland arbeiten" – Beitrag in einem Rechts-Blog "Fisch-Spa-Behandlung im Friseursalon bei argerechter Haltung mit Tierschutz vereinbar" – zum gleichen Gerichtsurteil wie der Artikel zuvor "Hygienerichtlinien bei der Therapie mit Knabberfischen", erschienen in der Zeitschrift Hygiene + Medizin 2005; 30 [7+8]: 268-269 "Garra-Rufa-Fische kaufen - das ist zu beachten", erschienen im Portal "helpster", zuletzt abgerufen am 18.11.2013 Weitere Artikel
      Knabberfische dürfen für Kosmetiker arbeiten
      (Spiegel online, 16.07.2015)
      Das Urteil vom Verwaltungsgericht Köln gibt's auch zum Nachlesen.
      Haltung von Knabberfischen ist nicht immer Tierquälerei
      (IKZ, 25.07.2014)
      Wer Knabberfische hält, macht sich damit nicht gleichzeitig der Tierquälerei schuldig – zumindest ein Friseur aus Essen-Rüttenscheid hat das jetzt amtlich: Ihm war die Haltung vom Landesumweltamt untersagt worden. Jetzt gab ihm ein Gericht aber Recht: In einer Einzelfallentscheidung (!) entschied es zugunsten des Friseurs – wegen seiner nachgewiesenen Fachkenntnis.
      Knabberfische im Test
      (test, 22.05.2014)
      Stiftung Warentest hat im Heft 06/2014 einen Beitrag über die Kangalfische, die den Fußpfleger ersetzen sollen. Um ihren Einsatz in der Psoriasis-Therapie ist es ruhig geworden. Der Tipp der "test"-Redaktion sagt recht klar:
      Urteil vom Verwaltungsgericht Essen
      (Gerichtsurteil vom 15.05.2014)
      Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW muss einer Friseurin eine Erlaubnis zum gewerbsmäßigen Halten von Kangal-Fischen erteilen.
      Ein Kangalfisch erzählt aus seinem Leben
      (Potsdamer Neueste Nachrichten, 12.03.2014)
      Mal eine andere Sichtweise: Ein Kangalfisch berichtet von seinem Alltag "auf Arbeit", vom Tierschutz und von seinen liebsten Fütterern. Und nein, auch er darf nicht an Kranken herumknabbern – also auch nicht an Psoriatikern. Das ist ja inzwischen oft so.
      Baden-Württemberg will Knabberfisch-Bäder nur für Hautkranke erlauben
      (nano (3sat), 03.09.2013)
      Die baden-württembergische Landesbeauftragte für Tierschutz, Marita Langewische, sieht Probleme beim Einsatz der Knabberfische im Wellness- oder Kosmetik-Bereich. Wenn die Tiere zu therapeutischen Zwecken einsetzt werden, fällt ihre Bewertung anders aus.
      Therapie mit Kangal-Fischen - Tierschutz, Hygiene und Rechtliches
      (WAZ, 11.01.2012)
      In Europa ist die Pediküre mit den kleinen Doktorfischen ein boomendes Geschäftsmodell. Außer in NRW. Die Landesregierung hat sich bis jetzt nicht zu einer einheitlichen Haltung durchringen können, ob Fische in der Kosmetik aus Hygienegründen eingesetzt werden dürfen.
      Wellness mit Risiko
      (news.at, 18.11.2011)
      Die britische Gesundheitsbehörde warnt: Fische können Krankheiten wie HIV übertragen.
      Heilende Sekrete
      (Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011)
      Knabberfische sorgen für Pfirsichhaut
      (Südwest Presse, 13.09.2011)
      Bitte trotz des Titels lesen Endlich mal ein Artikel, der über die Beschreibung einer skurrilen Behandlung hinausgeht, der auch auf die nötige Sachkunde hinweist.
      Knabbern für die Schönheit
      (WELT kompakt, 11.07.11)
      Wie ist es, wenn Fische an den Füßen saugen? Ausprobiert hat es eine Autorin der Tageszeitung "Welt kompakt".
      Doktorfische: Hautpflege durch Saugbarben
      (Focus, Februar 2011)
      Alternativmedizin im Aquarium
      (Hamburger Abendblatt, 13.08.09)
      Fische knabbern Patienten in Thale an
      (Mitteldeutsche Zeitung, 09.08.2009)
      Kangal-Fische aus der Türkei sollten ihre Heilkräfte in Sachsen-Anhalt einsetzen. In der Therme in Thale (Landkreis Harz) sollte die alternative Heilmethode im großen Stil angeboten werden. Heute ist davon nichts mehr auf deren Internetseite zu finden.
      'Doctor fish' clear skin disease (englisch)
      (BBC, 20.11.2008)
      Ein Reisender berichtetüber seine Fisch-Therapie in der Türkei.
      Wirksamkeit von Fischtherapie untersucht
      (Wirtschaftswoche, 20.07.2006)
      Ärzte in Wien haben einen weiteren Beleg für die Wirksamkeit der Behandlung von Schuppenflechte mit einem so genannten Knabberfisch erbracht.

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