Brodalumab (Siliq)

Brodalumab ist eine Substanz, die derzeit in klinischen Studien erforscht wird. Sie soll bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris und bei Psoriasis arthritis eingesetzt werden. Anfangs hieß die Substanz auch AMG 827. Das Medikament mit diesem Wirkstoff wird Siliq heißen.

Das Medikament nistet sich im Körper am Rezeptor des Interleukins 17 ein. Es soll wie ein Torwart seine Arbeit behindern. Ähnlich arbeiten die Wirkstoffe Ixekizumab (ebenfalls noch in der Entwicklung) und Secukinumab, die jedoch das Interleukin 17 selbst „wegfangen“ – wenn wir beim Sport bleiben: den Ball einkassieren.

Brodalumab wird als Injektion verabreicht. Entwickelt wurde das Arzneimittel von den Firmen Amgen und AstraZeneca.

Im November 2014 meldete Amgen, dass die Studien erfolgreich verlaufen sind. Brodalumab wirkte zudem besser als der schon auf dem Markt befindliche Wirkstoff Ustekinumab (Medikament: Stelara®).

Einzelheiten über die aktuellen Studien (Phase III) sind im Verzeichnis von klinischen Studien in Europa zu finden – für Plaque-Psoriasis und für Psoriasis arthritis.

Ende Mai 2015 stieg Amgen aus der Entwicklung von Brodalumab aus: „Während der Studien waren bei Patienten suizidale Gedanken und suizidales Verhalten aufgetreten“, begründete Amgen seine Entscheidung. Dies könne bei der Zulassung des Arzneimittels dazu führen, dass einschränkende  Kennzeichnungen nötig würden. Das wiederum würde die Zahl der Patienten einschränken, für die Brodalumab in Frage kommt, prognostizierte Sean E. Harper, einer der Entwicklungs-Chefs von Amgen. Was AstraZeneca künftig aus Brodalumab mache, sei allein deren Entscheidung.

AstraZeneca wollte sich die Daten näher ansehen und dann über die Zukunft von Brodalumab entscheiden. Das ist im Sommer 2015 geschehen: Am 1. September 2015 meldete die Firma, dass sie es nun der Firma Valeant überlässt, den Wirkstoff weiterzuentwickeln und zu vermarkten.

In einer Pressemitteilung zu den Ergebnissen der Phase-III-Studie AMAGINE 2 war von psychischen Nebenwirkungen keine Rede. Vielmehr wurden dort von Erkältungen, Infektionen der oberen Atemwege, Kopf- und Gelenkschmerzen berichtet. „Es gab einen schwerwiegender Fall von Herzinfarkt“, berichteten damals die Forscher, die 1800 Patienten ein viertel Jahr lang beobachtet hatten. In einer kleineren Studie an einer kanadischen Klinik war zusätzlich noch von Rückenschmerzen als Nebenwirkung die Rede. Auch in einem Poster auf der Jahrestagung der US-Dermatologen 2015, auf dem Ergebnisse der AMAGINE-3-Studie erläutert wurden, waren keine Suizide verzeichnet.

In einer Präsentation (einem „Investor Call“ von Amgen) von eben jener Tagung tauchen auf Seite 17 dann aber doch Todesfälle auf. Demnach erlitten zwei Brodalumab-Probanden einen Herzstillstand, einer starb nach einem Unfall. Und: 27 Tage nach Anwendung der letzten Brodalumab-Dosis beging ein Patient Selbstmord – außerhalb des offiziellen Studienzeitraums.

Im Januar 2016 akzeptierte die US-Arzneimittelbehörde FDA den Antrag der Firma AstraZeneca auf Zulassung von Brodalumab (in den USA). Auch für Europa läuft ein entsprechender Zulassungsantrag bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Hier wird mir einer Zulassung im ersten Quartal 2017 gerechnet.

Im Sommer 2016 kaufte die Firma Leo Pharma die Vertriebsrechte an Brodalumab für Europa.

Im Juli 2016 hatte ein Expertengremium der FDA darüber zu befinden, ob die Zulassung von Siliq empfohlen werden sollte. Kurz zuvor wurde bekannt, dass es bei Brodalumab-Studien insgesamt sechs vollendete Suizide gab – vier bei Studien mit Psoriasis-Patienten und je einen bei Studien zu Psoriasis arthritis und Rheumatoider Arthritis. Den Experten der FDA fiel es nicht leicht, zu beurteilen, ob die Suizide nun mit dem Medikament zu tun hatten oder nicht:

„We have uncertainty about whether the signal for completed suicide is a risk related to brodalumab treatment,“ FDA reviewers said. „From the available data, we cannot conclude whether or not suicide is a drug-related risk.“

Dennoch sprachen sich alle 14 Experten für die Empfehlung aus. Aber: Der Hersteller muss einen Risiko-Managementplan in petto haben, Patienten müssen in der Packungsbeilage usw. über das erhöhte Suizid-Risiko informiert werden.

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