Xamiol – das Daivobet-Gel für den Kopf

Juckreiz am Kopf

Ein Kombinationspräparat gegen die Kopfhaut-Psoriasis

Seit Anfang 2009 gibt es zur Behandlung der Kopfhaut ein weiteres Präparat: Xamiol. Dabei handelt es sich um die Kombination eines Vitamin D3-Analogon mit einem Kortison. Für die Behandlung der Psorias auf der Haut gibt es diese Wirkstoffkombination schon seit langem. Daivobet und Psorcutan Beta gibt es aber nur in Salbenform und sind deshalb für den Kopf nicht wirklich geeignet. Außerdem sollen sie nur vier Wochen angewendet werden – ausnahmsweise acht Wochen. Danach wird üblicherweise nur noch mit einem Wirkstoff, dem Vitamin-D3-Analogon, weiterbehandelt. Das ist bei Xamiol anders: Es ist ausdrücklich für eine dauerhafte Therapie vorgesehen. In Ein-Jahres-Studien sind dabei keine wesentlichen Nebenwirkungen festgestellt worden.

Das Gel enthält die Wirkstoffe Calcipotriol und Betamethason. Gel wurde als Grundlage genommen, weil es technisch nicht anders möglich war, beide Wirkstoffe „kopfhaut-freundlich“ anders miteinander zu verbinden.

Professor Kristian Reich (Hamburg) stellte auf der 21. Fortbildungswoche für Dermatologen in München 2008 die Ergebnisse der Zulassungs-Studie vor:

  • Danach wirke das Kombinationspräparat schon nach zwei Wochen. Nach acht Wochen sei bei ca. 70 Prozent der Patienten die Kopf-Psoriasis vollständig oder nahezu abgeheilt.
  • Die Kombination wirke eindeutig besser und schneller, als wenn man nur einen der beiden Wirkstoffe verwende. Ein Placebo-Gel zeige dagegen nur geringe Wirkungen. Reines Calcipotriol wurde einmal als Gel und zum anderen als Lösung getestet. In beiden Fällen wirkte es schlechter und langsamer gegenüber der Kombination von Calcipotriol mit Betamethason.
  • Nach einem Jahr sei immer noch bei 70 Prozent der Patienten die Kopf-Psoriasis vollständig oder nahezu abgeheilt.
  • Weniger als vier Prozent der Patienten würden die  Therapie abbrechen, weil das Präparat bei ihnen nicht wirke.
  • In der Kurz- wie in der Langzeit-Therapie würden beim Gel geringe Nebenwirkungen auftreten. Kortisontypische Effekte wie Hautverdünnung oder Nachlassen der Wirkung seien nicht aufgetreten. Juckreiz und Verletzungen durch Kratzen seien aber auch bei diesem Präparat weiterhin das größte Problem, wenn auch auf niedrigerem Niveau.
  • Über 4.000 Patienten seien in sechs klinischen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse waren bei allen nahezu einheitlich und damit stabil.
  • Das Gel wird einmal täglich aufgetragen, ohne den Kopf vorher zu entschuppen. Es ist geruchsfrei und einfach auszuwaschen.

 

Unser Kommentar

Die Psoriasis auf der Kopfhaut ist für den Patienten oft eine große Belastung: Die Plaques reichen manchmal bis ins Gesicht hinein und sind zusammen mit den aufgekratzte Stellen für alle sichtbar. Es juckt mörderisch. Man kann nicht jede Frisur tragen. Schwarze Kleidung ist tabu. Wo man geht und steht, fallen Schuppen hin. Die Behandlung ist unpraktisch, zeitaufwendig und wirkt nur begrenzt. Nach wie vor erdulden viele Patienten „Salbenschmiererei“ und „Kopfkappe“. Viele Ärzte experimentieren mit selbst zusammengestellten Rezepturen. Es gibt keine vereinbarten „Leitlinien zur Behandlung der Psoriasis auf der Kopfhaut“. Patient und Arzt versuchen oft über Jahre, mit „Versuch und Irrtum“ herauszufinden, was hilft.

Selbstverständlich kann man auch mit einem reinen Betamethason-Gel sehr gute Wirkungen erzielen. Betamethason gehört zur Wirkstoffklasse III der stark wirksamen Kortikoide. Unter Dermatologen ist umstritten, ob und wie stark Kortison der Kopfhaut schadet. Die vorgestellten Studien verneinen das für das Kombinationspräparat. Das trifft aber nur für den Zeitraum von einem beobachteten Jahr zu.

Es fällt auf, dass immer mehr (teure) Psoriasis-Medikamente als „Dauer-Therapie“ angeboten werden. Bis vor einigen Jahren war es noch selbstverständlich, dass man ein Medikament absetzt oder sich ausschleicht, wenn die Haut erscheinungsfrei ist. Wer zukünftig Xamiol® über mehrere Jahre anwenden will, sollte sich auf jeden Fall regelmäßig auf langfristige Nebenwirkungen kontrollieren lassen.

Es ist nicht ganz korrekt zu behaupten, das Präparat wäre an „4.000 Patienten“ ausprobiert worden. In dieser Zahl sind auch diejenigen Probanden enthalten, die in Vergleichsgruppen waren. Tatsächlich haben etwas mehr als 2.900 Patienten das Kombinationspräparat gegen die Kopf-Pso getestet.

Der Verbrauch ist nicht ganz ohne: Xamiol Gel gibt es in 60-g-Flaschen. Die Vergleichsgruppe hat in der 8-Wochen-Studie wöchentlich 20 g Calcipotriol, in der Jahresstudie 12,8 g bekommen. Das sind im Quartal mindestens drei Flaschen, die jeweils 71,22 Euro kosten.

Wie bei ähnlichen Präparaten gegen die Kopf-Psoriasis sollen (eigentlich) nur die betroffenen Hautstellen behandelt werden. Wer es selbst macht, wird längere Zeit vor dem Spiegel stehen. Den Hinterkopf kann man allein nur mit einer entsprechenden Spiegelkonstruktion behandeln. Eine Flüssigkeit verführt dazu, sie zeitsparend auf die gesamte Kopfhaut aufzutragen. Die Wirkstoffe gelangen so auch auf die gesunde Haut. Außerdem steigt der Verbrauch des Präparats, so dass man vermutlich mit drei Flaschen pro Vierteljahr nicht auskommt.

Wie bei den teuren Biologika argumentieren die Hersteller damit, dass der Patient das Recht einfordern muss, alle zugelassenen Medikamente verschrieben zu bekommen – auch die teuren. Die vorgelegten Studien argumentieren, dass die Kombination von Calcipotriol und Betamethason besser wirken sollen, als wenn nur einer der beiden Wirkstoffe angewendet wird. Xamiol kommt genau zu einem Zeitpunkt auf den Markt, ab dem der Wirkstoff Calcipotriol nicht mehr patentgeschützt ist. Neben den bekannten Calcipotriol – Kopf-Lösungen Psorcuan und Daivonex gibt es inzwischen auch das Generika Calcipotriol Hexal. rb

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Quellen: Mittagsseminare während der 21. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, Juli 2008, München

Bildquellen

  • Kratzen am Kopf: Fotoplaner / Fotolia.com
Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

13 Kommentare

  1. Taclonex
    Seit ca. einem halben Jahr nutze ich die Creme: Taclonex. (calcipotriene 0.005% and betamethasone deprpionate 0.064%)
    Ich habe sie von einem amerikanischen Hautarzt verschrieben bekommen. Wir leben voruebergehend in Texas und sind auch ueber eine amerikanische Krankenversicherung versichert. Die Creme kostet mich 40 Dollar Eigenbeteiligung. Ein Witz, denn sie kostet insgesamt 535 Dollar!!! Mit der Creme komme ich ein halbes Jahr hin. Sie hilft fantastisch, habe ueberhaupt keine Probleme mehr. Fuer die Kopfhaut habe ich von einem deutschen Hautarzt Deflatop verschrieben bekommen. Bei mir ist es allerdings auch nicht ganz so schlimm. Hoere ich aber auf, den Schaum zu gebrauchen, schmerzt es sogar, wenn ich es wieder anwende. Als, jeden Tag ein bisschen!!!
    Ich schiebe jetzt schon panik, wenn ich dieses Taclonex in Deutschland nicht bekommen kann. Darum versuche ich bis Juni (dann kommen wir wieder fuer immer nach Deutschland) so viele Packungen wie moeglich zu besorgen! Bisher habe ich auch im Internet nicht die Info bekommen, ob die Creme auch in Deutschland verschrieben wird.
    ICH HOFFE ES DOCH GANZ STARK!!!

  2. XAMIOL
    wirkt bei mir echt gut, fast alles weg, jedoch merke ich wenn ich es ein paar tage nicht anwende kommt es wieder 🙁 ich wünschte es würde für immer verschwinden!!!

  3. Nicht ganz überzeugt
    Also, ich bin von dem Präparat nicht wirklich überzeugt.

    Beim ersten Mal habe ich es drei bis vier Wochen benutzt. Die Schuppen wurden zwar etwas weniger, aber das Ergebnis war nicht viel besser als bei einem Schuppenschampoo – das wesentlich billiger ist.

    Der Knaller kam dann, nachdem ich mit Xamiol aufgehört hatte: Da hatte ich auf einmal nicht mehr massenhaft kleine Schuppen, sondern ich bekam riesige, juckende weiße Plaggen auf der Kopfhaut.

    Der zweite Hautarzt, den ich ein halbes Jahr später besucht habe, hat mir genau dasselbe Präparat verschrieben. Entweder gibt es nichts „Besseres“ auf dem Markt, oder die Herstellerfirma zahlt den Ärten üppige Vermittlerhonorare.

  4. NICHT GANZ ÜBERZEUGT (Teil 2, ca. 10 Wochen später)
    Mittlerweile habe ich eine zweite „Kur“ von ca. sechs Wochen hinter mir.

    In den ersten vier Wochen habe ich das Produkt täglich auf die von Psoriasis betroffenen Kopfhautstellen aufgetragen. Nach vier Wochen war ich zur Kontrolle bei der Hautärztin. Das Ergebnis war recht verblüffend: fast alle Stellen waren weg. In den nächsten beiden Wochen habe ich das Produkt dann nur noch zwei Mal wöchentlich auf die hartnäckigsten Stellen aufgetragen. Das war bis ca. Ende Februar.

    In der Zeit, als ich Xamiol verwendete, traten extreme Müdigkeit und in den letzten Wochen auch eine innere Unruhe sowie depressive Verstimmungen auf. Ich kann natürlich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob das Nebenwirkungen des Xamiol sind/waren. Es ist aber auffällig, dass diese „Symptome“ allmählich verschwanden, nachdem ich das Präparat abgesetzt hatte.

    Seit Ende Februar habe ich das Mittel nicht mehr verwendet. Was soll ich sagen? Trotz der sechswöchigen Kur sind die Schuppen/Schuppenflechte wieder da, jetzt nicht nur auf der rechten Hälfte des Kopfes, sondern auch links, teilweise sogar wesentlich schlimmer als vorher. Und aufgrund der merkwürdigen Nebenwirkungen möchte ich nicht erneut damit anfangen 🙁

  5. komisch fettig
    mein hautarzt versprach mir durch das „gel“ verbesserten komfort in der anwendung, da ich biher immer eine creme hatte – leider behielt er nicht recht. auch nach zweimaligem haare-waschen sehen meine (blonden) haare fettig und ungepflegt aus. die erhoffte wunderwirkung blieb bislang ebenfalls aus.

  6. Taclonex….Kommentar von Sylvia aus Texas….
    ist wohl in Deutschland als Xamiol bekannt.
    Reteptur scheint in etwa die Gleiche zu sein….

  7. habe xamiolgel in der uniklink 14 tage abends aufgetragen und morgens mit clobex shampoo gewaschen meine kopf psoriasis war ich los und kann wieder ohne mich zu schämen zum frisör.

  8. Habe 4 Wochen lang jede Nacht Xamiol angewendet. Nach 2 Wochen war das Jucken wesentlich weniger geworden, am Ende der Kur aber wieder fast wie zu Beginn.

    Habe dann eine kurze Pause gemacht, 2 Wochen Diprosalic angewendet um die Psori zu reduzieren nach einer Woche wieder mit Xamiol weiter gemacht. Diesmal nur 2 mal wöchentlich um den Haarwaschstress zu reduzieren:

    Ich habe langes Haar; das Auswaschen war fast unmöglich. Nach 4, 5-maligem shamponieren waren die Haare dann in trockenem Zustand immer noch völlig fettig. (Habe nun gemerkt, dass das Shampoo unbedingt auf das trockene Haar aufgetragen werden muss, so brauchts nur noch 3x Shampoo)

    Der Zustand der Kopfhaut ist sosolala; nicht wirklich gut, aber das Jucken hält sich wenigstens momentan in Grenzen.

    Was mich aber wirklich beunruhigt, ist mein sonstiges Befinden:
    Während der 4 Wochen Intensivkur war ich die ganze Zeit unglaublich müde.
    Nach einer Woche Kur hat mich ein Erkältungsvirus erwischt, und mich ungewohnt lange geplagt.
    Ich habe an den Tagen nach der Anwendung völlig verspannte Nacken- und Rückenmuskulatur, mit Kopfschmerzen. Auch habe ich seit nunmehr 7 Monaten eine Muskelzerrung die nicht zu heilen scheint und eine Muskelansatzentzündung die je länger je schlechter wird… Ob da Nebenwirkungen auf die Muskulatur entstehen können?

  9. Ich habe gelesen, dass Xamiol für Kinder unter 18 Jahren nicht geeignet ist. Aber warum hat meine Tochter (4 Jahre alt) das bekommen? Was kann ich jetzt machen? Benutzen oder lassen?

    • Warum Ihre Tochter Xamiol trotzdem bekommen hat, können wir nicht wissen. Am besten ist es, wenn Sie einmal bei Ihrem Arzt anrufen – vielleicht hat er ja einen Grund. Bei deutlich älteren Kindern ab 12 Jahren wurde Xamiol schon untersucht, da schien es unproblematisch. Aber Ihre Tochter ist ja doch deutlich jünger.

  10. NEIN, die Kombination von Calcipotriol und dem starken Kortison Betamethason hilft nicht gegen Haarausfall. Wer aber bei der Behandlung der Kopfhaut Haare verliert, kann normalerweise damit rechnen, dass das nach der Behandlung wieder aufhört. Weitere Information unter Suche „HAARAUSFALL“.

    Xamiol® heißt jetzt Daivobet®-Gel. Das gibt es mit und ohne speziellen Applikator zum besseren Auftragen auf die Kopfhaut. Wir haben im Psoriasis-Netz darüber mehrmals darüber berichtet. Weitere Information unter Suche „DAIVOBET“. Die Wirkstoffkombination gibt es auch als Schaum unter dem Namen Enstilar®.

    Seit einigen Jahren raten Dermatologen, das Mittel nicht mehr abzusetzen, sondern dauerhaft anzuwenden. Selbst, wenn die Kopf-Psoriasis weg ist, sollte man 2 x wöchentlich das Präparat auftragen. Damit würde man den nächsten Schub (der auf jeden Fall kommt!) abmildern und die lebenslange Zufuhr von Kortison verringern. Das entspricht der Erfahrung mit Neurodermitikern, die kaum ohne äußerliches Kortison auskommen.

    Der erste Bericht aus den USA ist insofern unglaublich, weil dort die gleiche Wirkstoff-Kombination 535 US-Dollar kosten soll, in Deutschland aber z.B. 120 g Gel 135,47 Euro. Verschreibungspflichtig ist es allemal.

    Es ist leider typisch, dass Wirkstoffe, die bei einem Psoriatiker gut helfen, bei anderen weniger gut oder überhaupt nicht anschlagen. Melden tun sich immer diejenigen, bei denen es nicht hilft. Aber in den Studien mit sehr vielen Patienten hat es der überwiegenden Zahl sehr gut geholfen. Insofern hilft nur Ausprobieren!

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