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>>Einige der häufigsten Dermatosen ist die Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt. Sie äußert sich in scharf begrenzten, scheiben- bis flächenförmigen, entzündlichen Krankheitsherden, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Die natürliche Hornbildung der Haut ist bei der Schuppenflechte maßlos übersteigert. Sie erinnert zwangsläufig an eine Panzerbildung (vgl. Hornpanzer bei Tieren). Hierbei wird die natürliche Schutzfunktion der Haut zur Einpanzerung umfunktioniert — man grenzt sich in jeder Richtung ab. Man will nichts mehr herein- und nichts mehr herauslassen. Reich nannte das Ergebnis psychischer Abwehr und Abkapselung sehr treffend den »Charakterpanzer«. Hinter jeder Art der Verteidigung steckt Angst vor dem »Verletztwerden«. Je größer die Abwehr und je dicker der Panzer eines Menschen ist, um so größer ist seine innere Empfindlichkeit und seine Angst vor Verletzung. Es ist hier wie im Tierreich. Man nehme einem Schalen-tier die Schale weg, und man findet ein schutzloses, weiches, verletzbares Etwas. Die Menschen, die in ihrer abwehrenden Art nichts und niemand an sich heranlassen, sind in Wirklichkeit meist die Empfindsamsten. Diese Erfahrung meint auch der Ausspruch, daß in »einer rauhen Schale meist ein weicher Kern« steckt. Doch der Versuch, die Verwundbarkeit der Seele durch einen Panzer zu schützen, besitzt eine gewisse Tragik. Zwar schützt ein Panzer vor Verwundung und Verletzung, doch er »schützt« gleichzeitig gegen alles, auch gegen Liebe und Zuwendung. Liebe hieße: Sich-Offnen — doch das würde auch die Verteidigung in Frage stellen. So schließt der Panzer die Seele ab vom Fluß des Lebendigen, der Panzer macht eng — und Angst beginnt noch mehr zu wachsen. Es wird immr schwieriger, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Irgend wann muß der Mensch die ewig befürchtete und abgewehrte Verwundung der Seele geschehen lassen, um zu erfahren, daß die Seele daran noch lange nicht zugrunde geht. Man muß wieder verwundbar werden, um das Wunderbare erleben zu können. Dieser Schritt geschieht nur
unter äußerem Druck, den entweder das Schicksal oder die Psychotherapie zustande bringen.
Wir haben den Zusammenhang zwischen der hohen Verwundbarkeit und der Panzerung an dieser Stelle deshalb ein wenig ausführlicher dargestellt, weil die Schuppenflechte auf der körperlichen Ebene uns den geschilderten Zusammenhang ebenfalls eindrucksvoll zeigt, denn die Schuppenflechte führt zu offenen Stellen der Haut, zu Schrunden und blutenden Wunden. Dadurch steigt die Infektionsgefahr der Haut. Wir sehen hier, wie die Extreme sich nahe berühren, wie Wundheit und Hornpanzer den Konflikt zwischen Sehnsucht und Nähe und Angst vor Nähe verwirklichen. Häufig beginnt die Schuppenflechte an den Ellbogen. Mit den Ellbogen setzt man sich durch —auf den Ellbogen stützt man sich ab. Gerade an diesen Stellen zeigen sich Verhärtung und Verwundbarkeit. In der Schuppenflechte haben Abgrenzung und Isolation ihr Extrem erreicht, so daß sie den Patienten zwingt, zumindest körperlich wieder »offen und verwundbar« zu werden.<<
Bei Hautproblemen und Ausschlägen sollte man folgenden Fragen nachgehen:
1. Grenze ich mich zu sehr ab?
2. Wie steht es um meine Kontaktfähigkeit?
3. Steht hinter meiner ablehnenden Haltung der verdrängte Wunsch nach Nähe?
4. Was ist es, das die Grenze durchbrechen will, um an die Sichtbarkeit zu kommen? (Sexualität, Trieb, Leidenschaft, Aggression, Begeisterung)
5. Was juckt mich in Wirklichkeit?
6. Habe ich mich (unbewußt)in eine Isolation verbannt?
Textauszug aus dem Buch "Krankheit als Weg" von T. Dethlefsen & Dr.med. Rüdiger Dahlke
Goldmann Taschenbuch ISBN 3-442-11472-1, ca. € 10,00
HG
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