Jump to content
  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Wie sich das Kratzen stoppen lässt

    Viele Psoriatiker finden den quälenden Juckreiz und das zwanghafte Kratzen schlimmer als die Hautkrankheit selber. Man spricht von „chronischem Juckreiz“ (lat. Pruritus), wenn das Jucken länger als sechs Wochen anhält. Der Leidensdruck ist genauso hoch wie bei dauerhaften Schmerzen. Betroffene schlafen schlecht und sind tagsüber übermüdet und unkonzentriert. Sie meiden Kontakte und bekommen Probleme in der Partnerschaft. Juckreiz-Patienten sind selbstmordgefährdet – männliche Jugendliche doppelt so häufig wie weibliche. Außerdem kann man sich in den aufgekratzten Stellen mit Bakterien infizieren.

    Psoriasis und Juckreiz

    Früher wurde Patienten geraten, sich zusammen zu nehmen und nicht zu kratzen. Wer darauf bestand, bekam Tabletten, die aber müde machten. Der quälende Juckreiz aber blieb. Seit einigen Jahren wird dem Phänomen wissenschaftlich auf den Grund gegangen. Inzwischen gibt es für die Behandlung die „Leitlinie Chronischer Pruritus“ und spezialisierte Juckreiz-Ambulanzen in Münster, Heidelberg, München, Berlin und demnächst in Erlangen.

    Juckreiz wird als zweithäufigstes Symptom von Psoriatikern genannt. Frauen beschreiben deutlich häufiger Juckreiz-Symptome und empfinden Juckreiz intensiver als Männer. Sie haben ein stärkeres Kratzbedürfnis und leiden öfters unter Juckreiz-Attacken leiden. Psoriatiker mit Juckreiz sind auffällig häufiger depressiv und leben zurückgezogener. Je stärker der Juckreiz, desto depressiver, aufgeregter und unkonzentrierter sind die Betroffenen. Stress und das Gefühl, von anderen gemieden zu werden verstärkt den Juckreiz. Depressionen gehen meist zurück, wenn Psoriasis und Juckreiz erfolgreich behandelt werden.

    Der wichtigste Botenstoff, der den Juckreiz dem Gehirn meldet, ist das Histamin. Juckreiz wird nicht nur durch Hautkrankheiten ausgelöst. Er tritt auf bei psychischen Belastungen (Stress), Nervenleiden, AIDS, Nieren- und Leberschäden sowie Mangelerscheinungen (z.B. Eisen, Östrogen). Juckreiz verursachen außerdem Kontaktstoffe (Allergene), Medikamente (u.a. Anti-Baby-Pille, Beta-Blocker, Aspirin, Immun-Supressiva) oder histaminhaltige Lebensmittel (wie Käse, Fisch oder Rotwein).

    Juckreiz-Empfinden ist beeinflussbar

    Es ist objektiv unmöglich, einen Juckreiz bewusst zu unterdrücken. Kratzen ist ein Reflex, der dauerhaft nicht kontrolliert werden kann. Der Juckreiz führt zum Kratzen. Das Kratzen verursacht Wunden. Die entzünden sich und provozieren einen neuen Juckreiz. Dieser Teufelskreis wird chronisch, wenn das Gehirn automatisch reagiert: Man empfindet bereits schwache mechanische Reize (Wolle) als stark juckend. Oder man kratzt sich, wenn man lediglich an etwas Juckendes denkt (Kopfläuse, Flöhe , Wollpullover) bzw. nur Bilder dieser Juck-Auslöser sieht. Im Endeffekt verfestigt sich ein „Juckreiz-Gedächtnis“.

    Wer sich aktiv ablenkt, kratzt sich weniger, als derjenige, der sich schont und nur darauf lauert, dass es erneut juckt. Man kann einen Juckreiz als normal hinnehmen oder ihn jedes Mal wieder neu als Katastrophe empfinden. Wer überzeugt ist, wirksam etwas gegen seinen Juckreiz tun zu können, wird sich weniger verzweifelt kratzen, als derjenige, der sich dem hilflos ausgeliefert fühlt.

    Wie intensiv man das Jucken empfindet, hängt außerdem davon ab, wie gut man mit seiner Schuppenflechte umgeht. Einen Einfluss hat es ebenfalls, ob man davon ausgeht, die aktuelle Psoriasis-Behandlung könne einem helfen. Wenn Eltern, Partner usw. verständnisvoll mit dem Juckreiz-Gequälten umgehen, reagiert der weniger heftig aufs Jucken, als wenn er wegen seines Kratzens abgelehnt wird. Wer funktionierende soziale Kontakte hat, kommt weniger in Kratz-Stress, als derjenige, der sozial isoliert ist.

    Juckreiz eigenständig behandeln

    Chronischer Juckreiz ist keine „Begleiterscheinung“ der Psoriasis, die „nebenbei“ mitbehandelt werden kann. Im Gegenteil müssen oft unterschiedliche Therapien ausprobiert werden. Das verlangt viel Geduld bei Patient und Arzt. In schweren Fällen kann es ein bis zwei Jahre dauern. Alle Maßnahmen zum Juckreiz müssen genauso so ernsthaft, umfassend und konsequent umgesetzt werden wie die Behandlung der Psoriasis. Ein einmal geprägtes Juckreiz-Gedächtnis lässt sich nur langsam wieder zurück entwickeln.

    Es gibt nicht „das eine“ Medikament, um den Juckreiz zu lindern. Je nach dem, was genau den Juckreiz verursacht, helfen unterschiedliche Wirkstoffe. Die Therapie-Leitlinie empfiehlt, schrittweise vorzugehen. Die Behandlung soll danach abgestimmt werden, wie schwer der Juckreiz ist und wie ausgeprägt die Kratzverletzungen sind.

    Berücksichtigt werden muss außerdem, welche Medikamente der Patient nimmt, welche Begleit-Erkrankungen er hat und wie alt er ist. Begleitend sollen äußere Einflüsse verändert werden, die den Juckreiz verstärken können. Eine gezielte Juckreiz-Therapie kann nur dann wirken, wenn zur gleichen Zeit die zugrundeliegende Krankheit erfolgreich behandelt wird. Meist geht der Juckreiz zurück oder verschwindet ganz, wenn die Hautkrankheit sich verbessert.

    Tipps, um den Juckreiz zu lindern

    Pflegen

    Juckreiz verlangt regelmäßige Hautpflege mit harnstoffhaltige Cremes oder Lotionen für die Feuchtigkeitsbindung oder mit Fettcremes (Sheabutter), Ölen (Mandel-, Borretsch-, Saflor-, Hanf-, Argan-, Schwarzkümmel-, Hanf- oder Nachtkerzen- Öl) oder Ölmischungen. Nur unparfümierte Crèmes u. Seifen verwenden.

    Lindern durch Kühlen

    Zum Kühlen eignen sich

    • feuchte Umschläge
    • Kühlaggregate
    • Eiswürfel
    • Gel-Kompressen
    • kalte Duschen
    • Umschläge mit kaltem schwarzem Tee über einer fetthaltigen Creme oder Salbe
    • lauwarme oder kalte Dusche (vor dem Schlafengehen)
    • Schlafanzug/Nachthemd ins Tiefkühlfach
    • Bettwäsche aus kühlendem Material
    • kühles Schlafzimmer
    • keine überheizten Räume (60% Luftfeuchtigkeit)
    • luftige, weiche, glatte Kleidung und „atmende“ Materialien (Baumwolle, Seide oder Leinen).

    Umlenken

    Ein anderer Reiz wird entgegen gestellt durch

    • Reiben
    • Klopfen
    • Streicheln
    • Drücken oder
    • Kneifen der Stellen selbst oder der Areale um den Juckreiz herum
    • Kratzklötzchen, um Spannungen an einem Objekt abzubauen
    • elektrische Stimulation durch Reizstromgerät
    • Akupressur-Punkt über der Kniescheibe

    Waschen

    • Kurz und lauwarm baden oder duschen
    • Syndets mit rückfettender Wirkung,
    • Duschöle oder Duschcremes verwenden, danach nur abtupfen (nicht rubbeln) und eincremen
    • Kleidung mit Sensitiv-Waschmittel oder Waschnüssen waschen
    • zum Putzen alkoholfreie Reinigungsmittel benutzen oder Handschuhe

    Essen und Trinken

    Meiden von

    • Alkohol
    • stark gewürzten Speisen und
    • Nahrungsmitteln mit hohem Histamingehalt, zum Beispiel
      • geräucherter Fisch
      • lang gereifter Käse
      • Rohwurst
      • abgehangenes Fleisch
      • Tomaten
      • Ketchup
      • Tomatenmark
      • Spinat
      • Avocado
      • Aubergine
      • Sauerkraut
      • saure Gurken
      • Sellerie
      • Rotwein
      • Weißwein
      • Sekt
      • Dessertwein
      • Likör
      • Bier
      • Geliermittel
      • Emulgatoren
      • Geschmacksverstärker
      • Anti-Oxidationsmittel
      • Süßstoff

    Vermeiden

    Provozierende Medikamente (siehe oben) und Stress.

    Erleichtern

    Fingernägel extrem kurz schneiden, nachts leichte Baumwollhandschuhe und Schlafanzug wegen der Nähte „auf links“ tragen.

    Ablenken

    • Aktivitäten, die Spaß machen, einen fordern oder auf andere Gedanken bringen lassen
      • Sport
      • Yoga
      • Spaziergang
      • anregende Unterhaltung
      • Sudoku, Handwerk
      • Putzen
      • Hobbys
      • Freunde
      • Theater
      • Kino
      • Konzert
    • Computerbasierte Ablenkungs-Systeme wie Audiovisual Distraction (AVD) und Virtual Realtiy Immersion (VRI)
    • Entspannungstechniken können helfen, aber Ruhe kann das Juckreiz-Empfinden auch verstärken.

    Kontakt aufnehmen

    Atemtechniken (z.B. nach Middendorf) nutzen, um Energie in die gedachten Juckreiz-Bahnen zu senden. Visualisierungstechniken („Imaginationen“) lernen, um Juckreiz zu neutralisieren.

    Äußerliche Behandlung des Juckreizes

    Hausmittel

    Zink-Oxid-Verbände oder Umschläge mit Tubifast®-Kochsalz, Schwarztee, Apfelessig oder Heilerde – nicht als alleinige Therapie gedacht.

    Kortisonfreie Wirkstoffe

    • Rückfettenden Kosmetika und Badezusätzen mit Polidocanol, PEA, Steinkohle-Teer, Gerbstoffe oder Harnstoff.
    • Kühlend wirken Menthol, Kampfer und Thymol. Man muss sie für sich ausprobieren. Wirken nur kurzzeitig bzw. bei nicht so starkem Juckreiz.

    Capsaicin

    Ursprünglich aus Paprika- und Chili-Schoten. Ist ein sehr wirksames Mittel gegen Juckreiz, wenn man es drei bis sechs Mal täglich aufträgt. Empfohlen wird, sich niedrig dosiert und langsam einzuschleichen. Capsamol Salbe® gibt es nur in einer Dosierung. Deshalb mit Apothekenzubereitung langsam hoch dosieren. Für Kinder ist Capsaicin eher ungeeignet, weil es anfangs brennt und nicht in die Schleimhäute kommen darf.

    Kortisone

    Präparate der Klassen 2 bis 4 lindern schnell den Juckreiz. Nicht für große Flächen geeignet und Vorsicht bei älteren Leuten wegen der dünneren Haut. Nach vier bis sechs Wochen ausschleichen hin zu anderen Wirkstoffen.

    Tacrolimus und Pimecrolimus

    Wirken bei anderen Hautkrankheiten deutlicher als bei der Psoriasis. Beide werden bei Kindern eingesetzt. Es ist nicht auszuschließen, dass sie krebserregend sind.

    Akupunktur

    Durch Studien ist belegt, dass der Juckreiz zurück gehen kann.

    UV-Bestrahlung

    Empfehlenswert, wenn keine Medikamente genommen werden dürfen. Kann gut kombiniert werden mit Capsaicin.

    Innerliche Behandlung des Juckreizes

    Oolong-Tee

    Wird als Juckreiz stillend angepriesen, ohne Nachweis. Schmeckt streng und sollte gemixt werden z.B. mit Jasmintee.

    Schmerzmittel

    Aspirin, Paracetamol o.ä. wirken nur kurzzeitig und sollten weder langfristig noch überdosiert eingenommen werden. Es sind schwere bis hin zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen möglich.

    Anti-Histaminika

    Gute Wirkung bei Psoriatikern, wenn auch nicht bei allen. Präparate der ersten Generation beruhigen stark und machen müde. Menschen über 65 Jahren dürfen sie lt. Priscus-Liste nicht gegeben werden. Bei der zweiten Generation gibt es keine oder nur eine leicht beruhigende Wirkung, ohne müde zu machen.  Nicht rezeptpflichtige Präparate werden von den Kassen übernommen, bei „schwerwiegendem, anhaltenden Pruritus“ (OTC-Ausnahmeliste). Es ist zweifelhaft, ob Neurodermitiker gut auf Anti-Histaminika ansprechen.

    Opiatrezeptor-Antagonisten

    Lassen das Kratzen als unangenehm empfinden. Vor allem Naltrexon wirkt lang anhaltend, kann aber in den ersten Tagen starke Nebenwirkungen verursachen. Deshalb beginnt man einschleichend und niedrig dosiert.

    Kortisone

    Eingenommen oder gespritzt wirken sie rasch. Einsatz bei schwerstem Juckreiz und hohem Leidensdruck für maximal zwei Wochen, bis eine andere Therapie anschlägt.

    Ciclosporin A

    Lindert extrem schnell den Juckreiz, ist aber ein starker Wirkstoff, dessen mögliche Nebenwirkungen (Nieren und Bluthochdruck) regelmäßig kontrolliert werden müssen.

    Anti-Depressiva

    sind nicht zur Behandlung des Juckreizes zugelassen. Einige Arten wirken gut bei hautbedingtem Juckreiz (Fluvoxamin, Paroxetin Mirtazapin), haben aber teilweise erhebliche Nebenwirkungen.

    Alitretinoin

    Toctino® ist nicht zur Behandlung des Juckreizes zugelassen, aber bei Hautpatienten sehr erfolgreich eingesetzt worden. Ärzte berichten nur von Kopfschmerzen und veränderten Blutfettwerten, während generell für Retinoide viele Einschränkungen gelten und schwere Nebenwirkungen bekannt sind.

    Aprepitant

    Emend® ist nicht zur Behandlung des Juckreizes zugelassen, aber verringert das Kratzbedürfnis erheblich und hat extrem wenig Nebenwirkungen. Es wird  bisher nur in schweren Fällen und nur von spezialisierten Behandlungszentren verschrieben.

    Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Patientenzeitschrift "PSOaktuell".

    Tipps zum Weiterlesen

    www.juckreiz-informationen.de

    Informationsseite der Hautklinik des Universitätsklinikum Münster

    Patienteninformation zum Symptom Juckreiz

    Broschüre der Universitäts-Hautklinik Münster (PDF-Datei)

    Juckreiz

    Informationen im PharmaWiki (Schweiz)

    Wie kommt es zu Juckreiz?

    Informationen im dermIS.net

    Empfehlenswerte Artikel

    Was hilft gegen chronischen Juckreiz?

    (NDR Visite, 02.12.2019)

    In einer Folge der Gesundheitssendung "Visite" ging es um chronischen Juckreiz, ob nun bei Hauterkankungen oder eben ohne. Auf der Seite zur Sendung gibt es viele Hinweise und Tipps. Hoffentlich bleiben sie länger dort zu finden.

    Juckreiz-Nerven machen das Leben zur Qual

    (Spiegel online, 18.11.2013)

    Chronischer Juckreiz sollte so früh wie möglich behandelt werden, da sich sonst ein tückisches Juckreizgedächtnis bildet. Leider rätseln Forscher immer noch, wie man die Qual beenden kann.

    Eine Woche im Leben eines Juckreizforschers

    (Berliner Zeitung, 11.03.2013)

    Juckreizforscher Martin Metz von der Berliner Charité hat aufschreiben lassen, was bei ihm im Beruf so ein einer Woche passiert.

    Unter anderem meint er:

    Es gibt Patienten, da sieht man nichts auf der Haut, nur die Kratzspuren, und man denkt: Dann kratz’ halt nicht. Wenn man selbst Juckreiz gehabt hat, weiß man: Man muss kratzen, das geht nicht anders. Es haut nicht hin zu sagen: Hör auf damit.

    Wenn Juckreiz zur Qual wird (und mehr)

    (Nordwest Zeitung, 15.10.2012)

    In der Nordwest Zeitung beschäftigen sich mehrere Artikel mit der Psoriasis:

    Statt Kratzen lieber den Juckreiz austricksen

    (Stuttgarter Zeitung, 30.01.2012)

    Juckreiz kann den Alltag zur Hölle machen. Beim Medizinkongress in Stuttgart wurde über Abhilfe berichtet.

    Beim Juckreiz ist die Medizin immer noch ratlos

    (Badische Zeitung, 07.11.2011)

    Chronischer Juckreiz hat einen verheerenden Effekt auf die Betroffenen. Viele klagen über Depressionen, Angsterkrankungen oder Schlafstörungen. Die Medizin weiß immer noch keinen rechten Rat dagegen.

    Mit Pfeffer, Eis und Tee gegen chronischen Juckreiz

    (Die Welt, 29.08.2011)

    Der Juckreiz galt lange Zeit als kleiner Bruder des Schmerzes. Nun haben Forscher jedoch eigene Rezeptoren in der Haut gefunden. Geplagte könnten auf einen Tee hoffen.

    Juckreiz - der kleine Bruder des Schmerzes

    (Pharmazeutische Zeitung, 09.06.2011)

    Ständiger Juckreiz kann einen in den Wahnsinn treiben. Auch für Ärzte ist das Symptom schwierig: Einer Vielfalt an Ursachen stehen wenige Therapieoptionen gegenüber.

    Jucken steckt ähnlich wie Gähnen an

    (Bild der Wissenschaft, 24.03.2011)

    Wenn man jemand anderen beim Kratzen beobachtet, löst das Gehirn Juckreize aus oder verstärkt bereits vorhandene, so dass man sich häufiger kratzt.

    Dem Jucken auf der Spur

    (bild der wissenschaft, 06.22.2010)

    Schmerzempfinden und Juckreiz sind eng miteinander verknüpft.

    Wie Sie lästigen Juckreiz loswerden können

    (Naturheilkunde-News, 12.10.2009)

    Dicke Kleidung sowie starke Temperaturschwankungen – all das tut unserer Haut nicht gut. Die Folge ist: Sie schränkt die Talgproduktion ein, wird trocken, fängt an zu schuppen – und juckt.

    Juckreiz zeigt die Effektivität von UVB an

    (Springer Medizin, 20.08.2009)

    Bei Patienten mit Psoriasis, die stark unter Juckreiz leiden und sich viel kratzen, muss eine UVB-Phototherapie besonders häufig angewendet werden, bis sich eine Verbesserung des Hautbildes erzielen lässt.

    Fast jeden fünften Patienten juckt's ständig

    (Die Welt, 22.07.2009)

    Eine so große Befragung zu dem Thema gab es in Deutschland bislang nicht: Forscher wollten von 11.000 Menschen wissen, ob sie unter einem Juckreiz leiden. 17 Prozent gaben an, sechs Wochen oder länger ein Kribbeln zu verspüren. Doch nur jeder zweite Patient geht zum Arzt. Das Thema wird unterschätzt und verharmlost.

    Warum juckt es uns eigentlich?

    (20 Minuten Online, 09.07.2009)

    Er überfällt uns plötzlich und dann gerne an Stellen, die für unsere Hände schwer zu erreichen sind. Doch was bezweckt das lästige Jucken und wie entsteht es überhaupt?

    Warum Kratzen eine Wonne ist

    (scienceticker, 01.02.1008)

    Ob Mückenstich oder Schuppenflechte - manchmal tut Kratzen dermaßen gut, dass man kaum damit aufhören kann. Warum das so ist, glauben amerikanische Forscher herausgefunden zu haben.


    Bildquellen

    • Kratzen gegen den Juckreiz am Rücken: ampyang - Fotolia.com

    User Feedback

    Recommended Comments

    Hallo

    Bei meinem Sohn Justus (13 Jahre) wurde vor drei Wochen Schuppenflechte ( Hautstanzbiopsie) festgestellt. Die betroffenen stellen sind an den Beinen und Armen. Wir versuchen es jetzt mit Curatoderm-creme und sollen an den Stellen wo es sichtbar besser wird Urea-Creme im Wechsel verwenden zum ausschleichen. Das machen wir jetzt seit zwei Wochen. Wirklich besser wird es nicht und der Juckreiz, vor allem nach dem eincremen macht ihn echt fertig.

    Haben Sie Tipps für uns?

    Link to comment
    Share on other sites

    Hallo Lux!

    Es gibt leider nicht d e n einen, heißen Tipp, wie Juckreiz verringert werden kann. Ich kann Ihnen nur raten, die ausführlichen Tipps in diesem Artikel abzuarbeiten, d.h. auszuprobieren, was den Juckreiz bei Ihrem Sohn lindern könnte. Das ist mühsam, aber alternativlos.

    In Ihrem konkreten Fall sollten Sie unbedingt mit dem Arzt absprechen, ob die Therapie ausreicht, um die Psoriasis u n d den Juckreiz zu lindern. Merkwürdig klingt es, dass Sie Curatoderm® (ein Vitamin-D-3-Analogikum) und Harnstoff (Urea) abwechselnd anwenden sollen. Curatoderm® enthält einen Wirkstoff gegen Psoriasis, Urea nicht! Curatoderm® ist kein Kortison und muss nicht ausgeschlichen werden. Richtig ist nur, dass es nicht großflächig angewendet werden darf (wg. Kalcium-Stoffwechsel).

    Vielleicht verschwindet der Juckreiz vor allem deshalb nicht, weil die äußerliche Therapie mit Curatoderm® in diesem Fall nicht ausreicht! Dann wäre ein Wechsel notwendig. Die allerbeste Möglichkeit, Juckreiz zu verhindern, ist immer noch die, eine Psoriasis möglichst effektiv zu behandeln. Für keine Hautkrankheit gibt es heutzutage so viele unterschiedliche Medikamente, wie gerade für die Psoriasis. Gegen Juckreiz gibt es natürlich auch Medikamente, die man aber bei so jungen Patienten eher vermeiden will.

    Eine andere Frage wäre, weshalb Ihr Sohn nach dem "Eincremen" (?) einen Juckreiz spürt. Es ist ungewöhnlich, dass es nach der Behandlung (!) mit Curatoderm® juckt. Müsste abgeklärt werden. Aber es ist in seltenen Fällen möglich, dass nach der Pflege (!) mit Harnstoff ein Juckreiz auftritt. Urea ist alkalisch und kann die Barrierefunktion der Haut negativ beeinflussen. Auch das sollte vom Arzt nach genauer Schilderung des Juckreizes abgeklärt werden.

    In einigen deutschen Kliniken gibt es eine Juckreiz-Sprechstunde - für besonders schwere oder ungewöhnliche Fälle.

    Link to comment
    Share on other sites


    Join the conversation

    You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
    Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

    Guest
    Add a comment...

    ×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

      Only 75 emoji are allowed.

    ×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

    ×   Your previous content has been restored.   Clear editor

    ×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.


  • Welcome!

    psoriasis-netz-icon.pngDo you feel alone with your psoriasis? Does psoriasis arthritis still bother you? Get support and tips from people like you.

  • Similar Content

    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      "Neurodermitis – das ist die Krankheit, bei der sich die Leute so viel kratzen. Schuppenflechte juckt nicht so stark." Seit Jahren zeigt sich immer öfter, dass diese Meinung genau eins ist: eine Meinung. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Das bestätigt jetzt eine Studie. Zwei Forscherinnen in den USA haben sich angeschaut, was in 19 hochwertigen Untersuchungen zum Thema Juckreiz bei Neurodermitis und Psoriasis herausgefunden worden war.
      Das Ergebnis: Auf einer Skala von 0 bis 100 landete der Juckreiz bei Neurodermitis bei 62,87. Bei der Schuppenflechte betrug er 63,03 – sogar ein klitzekleines bisschen mehr. Für Statistiker ist das aber noch keine deutliche Abweichung.
      Und jetzt? Die beiden Forscherinnen schlagen vor, dass der Juckreiz in künftigen Studien zum Thema Psoriasis immer auch Thema sein sollte.  Schließlich lässt sich am Juckreiz auch erkennen, wie zufrieden jemand mit einer Therapie ist oder wie es um seine Lebensqualität steht.
      Juckreiz kann stark sein – egal, wie schwer die Schuppenflechte ist
      Auch Dr. David Roblin und Dr. Ro Wickramasinghe aus Großbritannien zeigten in einer Studie im Jahr 2014, dass der Juckreiz viele Menschen mit Schuppenflechte fest im Griff hat. Sie hatten die Daten von 158 Patienten ausgewertet, die an einer Studie für eine neue Salbe teilnahmen und eine leichte bis mittelschwere Psoriasis aufwiesen. 68,8 Prozent der Studienteilnehmer litten an einem mittelschweren Juckreiz, 33,8 Prozent an schwerem Juckreiz. Das bestätigte bis dahin schon bekannte Zahlen, in denen von 70 Prozent mit einem mittelschweren Juckreiz ausgegangen worden war.
      Unklar war aber, ob der Juckreiz stärker ist, wenn auch die Psoriasis stärker ist. Und genau das konnten die Forscher nicht bestätigen: Sie fanden keinen streng wissenschaftlichen Beweis dafür,  dass eine schwere Schuppenflechte mit einem stärkeren Juckreiz einhergeht. Für die Forscher ist vielmehr klar: Die Stärke des Juckreizes bei Psoriasis-Patienten ist unabhängig davon, wie schwer die Schuppenflechte ist. Und: Die gängigen Psoriasis-Medikamente wie Kortisonsalben oder Vitamin-D-Cremes richten sich gegen die Entzündung, nicht aber gegen den Juckreiz. Der ist aber für viele Betroffenen das quälendste Symptom, und so würden viele lieber zuerst den Juckreiz behandelt wissen.
      Die Wirkung der gängigen Medikamente auf den Juckreiz aber war nach Meinung der Forscher bis zum Zeitpunkt ihrer Studie nicht in anderen Studien berücksichtigt worden. Also zogen die Wissenschaftler das Fazit: Forscher und Ärzte müssten mehr Aufmerksamkeit darauf legen, Therapien gegen den Juckreiz bei Psoriasis und anderen Hauterkrankungen zu entwickeln.
      Quelle: "Itch intensity in moderate-to-severe plaque psoriasis versus atopic dermatitis: A meta-analysis" in: JAAD, Juni 2017
    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Mit einer Videobrille lässt sich der Juckreiz lindern – auch bei Schuppenflechte. Entdeckt wurde das eher zufällig, doch jetzt wollen Forscher in Oldenburg mehr wissen.
      An der Hautklinik der Uniklinik Oldenburg bekommen Patienten auf der Station schon mal eine Videobrille "verordnet". Gezeigt werden wahlweise Filme, die der Ablenkung und Entspannung dienen – aber nicht einfach, um die Tage schneller herumgehen zu lassen: Die Brille soll dafür sorgen, dass die Haut nicht mehr so juckt.
      Dabei war sie ursprünglich gar nicht für diese Anwendung gedacht. Vielmehr fing alles bei den Patienten mit Schmerzen an. Aber wie Menschen an langen Nachmittagen so sind: Die Bettnachbarn der "Brillenträger" wollten das Gerät auch mal ausprobieren. Und siehe da – bei ihnen ging der Juckreiz zurück.
      Die Wirkung soll nun in einer Studie mit 150 Patienten wissenschaftlich untermauert werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch die Entspannung mit der "audiovisuellen Stimulations-Brille" eine Entkopplung vom sogenannten Juckreizgedächtnis erfolgt – und damit zu einer Linderung des Juckreizes an sich.
      So sieht sie aus, die Videobrille
      Zuvor waren auf der Station insgesamt drei Systeme getestet worden: eines mit Virtual Reality, eines mit Augmented Reality Brille und die schmale weiße "audiovisuelle Stimulation Brille". Das Fazit der Patienten nach drei Monaten sprach deutlich für Letztere. Als Gründe gaben sie an, dass die anderen beiden Modelle eher unruhig machten, weil sie zum Mitmachen und Umherschauen animierten.
      Die nun favorisierte Videobrille kam vor einigen Jahren unter dem Namen "Cinemizer" auf den Markt. Sie hat zwei kleine OLED-Bildschirme. Die lassen es so wirken, als säße ihr Träger zwei Meter weit von einem 40-Zoll-Fernseher entfernt. Nach einer Einstellung der Sehschärfe kann gewählt werden, welcher Film es sein soll – und los geht's mit der Entspannung und Ablenkung.
      Professor Ulrike Rapp, die Direktorin der Hautklinik, sagt: "Alles, was dazu beiträgt, dass sich unsere Patientinnen und Patienten wohler fühlen, wirkt sich positiv auf die Heilung aus. Deshalb haben wir nun die Videobrille auf der Station regelmäßig im Einsatz.“ Sie und ihre Kollegen erhoffen sich einen einfachen und kostengünstigen Therapieansatz. Der könnte am Ende sogar dafür sorgen, dass Menschen mit Juckreiz weniger Medikamente brauchen – oder gar keine mehr.
      Du glaubst, du hast schon alles gegen diesen verdammten Juckreiz probiert? Wir haben da eine Checkliste für noch mehr Ideen gegen das Kratzen.
    • Claudia
      By Claudia
      Liebe Leser,
      vom 17. bis 19. Dezember 2012 wird es wieder ein Expertenforum geben - und zwar zum Thema Juckreiz. Diesmal antworten gleich drei Expertinnen vom Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus am Universitätsklinikum Münster: Professor Sonja Ständer, Fiona Schedel und Dr. Claudia Zeidler.
      Sammelt Euch und Eure Fragen schon mal - zum Juckreiz bei Psoriasis, aber auch zum Juckreiz aller Art, egal, welche Ursache er hat. Da gibt es vielleicht bei manchem im Bekannten- und Verwandtenkreis auch Fragen.
      Zu gegebener Zeit richten wir dann die Rubrik ein, in der Ihr Eure Fragen loswerden könnt. Wer es eilig hat, kann seine Fragen aber auch jetzt schon hier reinschreiben, wir kümmern uns um den Rest.
    • PtrckSbstn
      By PtrckSbstn
      Hallo meine Lieben,
      momentan habe ich mal wieder extreme Probleme mit meiner Haut.
      Seit ungefähr 5 Wochen plagt mich ein extremer Juckreiz, so schlimm wie noch nie. Selbst in "Pso-Höchstzeiten" als ich wirklich unzählbar viele Flecken hatte, war das nie so schlimm.
      Momentan ist meine Haut optisch sehr gesund. Ich habe nur wenige, etwa Stecknadelkopfgroße, Flecken an den Füßen, den Händen und dezent am Bauch.
      Trotzdem jucken meine Beine, Oberkörper und Arme extrem und es will einfach nicht aufhören. Ich kann Nachts manchmal nicht schlafen, weil es mich in den Wahnsinn treibt.
      Warum juckt es obwohl nichts von der Pso zu sehen ist, bis auf diese wenigen kleinen Stellen?
      Habt ihr vielleicht Tipps? Hatte noch jemand mal dieses Problem?
      Liebe Grüße!

Willkommen

Willkommen in der Community für Menschen mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis. Ohne Werbung, ohne Tracking, aber mit ganz viel Herz 💛

×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue.