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  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Wenn der Kranke nicht zum Arzt will

    Wer krank ist, geht zum Doktor – denkt man. Aber es kursieren Zahlen, dass 40 Prozent der Menschen mit Psoriasis überhaupt nicht zum Arzt gehen. "Na und?" könnte man denken. "Ist doch gut, wenn es auch ohne geht."

    Die Wirklichkeit sieht anders aus. In vielen Fällen haben diese Patienten ihr Vertrauen in die Schulmedizin verloren. Sie haben die Suche nach einem "guten Arzt" aufgegeben. Trotzdem leiden sie meist weiterhin an ihrer Krankheit. Denn die geht schließlich nicht dadurch weg, dass man sie ignoriert.

    Doch es leidet noch jemand mit: Partner, Eltern oder andere nahestehende Verwandte und Freunde. Hilflos sehen sie zu, wie sich der Psoriatiker quält, blutig kratzt und oft von anderen isoliert. Sie wollen so gerne helfen - aber geht das überhaupt?

    Katja (30) ist eine selbstbewusste Frau, die gerne bestimmt, wo es lang gehen soll. Deshalb passt Thorsten (33) ganz gut zu ihr. Er ist ein eher sanfter Mann, wurde liebevoll erzogen und von seinen Eltern gut behütet. Ihn stört es nicht, wenn Katja die Entscheidungen trifft. Seit sieben Jahren sind sie zusammen. Seitdem leben beide mit seiner Schuppenflechte. Sie hat sich angewöhnt, ihn liebevoll zu ermahnen, wenn er sich zu auffällig kratzt. Weil sie ihn liebt, ignoriert sie meist seine Krankheit. Aber ihr und ihrer gesamten Familie kommt es trotzdem so vor, als würde er durch das Kratzen auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. So wird Thorsten angesprochen und bedauert.

    Thorsten macht nichts gegen seine Krankheit. Er geht nicht zum Arzt, informiert sich nicht, ändert seine Ernährung nicht und will zu keiner Psychotherapie. Das Thema ist Tabu.

    Jetzt aber hat sich seine Psoriasis deutlich verschlechtert. Er hat kaum noch eine freie Fläche auf dem Körper. Natürlich kratzt er sich deshalb noch mehr, so dass Katja nicht mehr weghören kann. Er ist psychisch schon völlig fertig. Am schlimmsten ist es für Katja, Thorsten jammern zu hören. Er jault vor Schmerzen wie ein Welpe. Für sie ist es unerträglich, das miterleben zu müssen. Natürlich will sie ihn nicht leiden sehen. Sie spürt, dass sie nicht mehr genug Kraft hat, sondern durch die Situation selbst mit herunter gezogen wird. Mit ihren eigenen Problemen kann sie Thorsten jetzt überhaupt nicht kommen.

    Was soll man ihr raten?

    Natürlich ist es toll, wie Katja zu Thorsten steht. Viele andere hätten sich von der Psoriasis und dem ständigen Kratzen schon längst abgestoßen gefühlt und die Beziehung beendet. Aber hier steckt auch ihr gemeinsames Problem: Es ist unklar, wie oft Katja und andere Thorsten vergeblich dazu gedrängt haben, sich behandeln zu lassen. Da Katja ihn grenzenlos liebt, verzeiht sie ihm seine Schwäche, nichts gegen die Psoriasis zu tun. Dadurch verhält sie sich zu Thorsten wie eine "Co-Abhängige". So nennt man diejenigen, die mit einem Abhängigen zusammen leben und es nicht über das Herz bringen, ihm die Grenzen aufzuzeigen. Weil es immer einen helfenden Menschen gibt, der den Abhängigen nie fallen lassen würde, muss er nichts grundlegend gegen seine Sucht machen. Dieses psycho-soziale Muster findet sich aber nicht nur bei Suchtkrankheiten, sondern eben auch bei anderen Patienten, die ihre Krankheit nicht wirklich angehen und bewältigen wollen.

    Katja und ihre Familie vermuten, dass Thorsten mit seinem Leiden auf sich aufmerksam machen will. Aber haben sie mit ihm jemals darüber offen gesprochen? Niemand weiß wirklich, ob und weshalb Thorsten sich nicht beachtet fühlen könnte. Aber selbst, wenn diese Frage zu klären wäre, verschwinden damit weder der Juckreiz noch die schwere Psoriasis.

    Weiß man eigentlich genau, weshalb Thorsten nicht zum Arzt geht oder kann man darüber mit ihm nicht sprechen? Vielleicht ist es möglich, mit Hilfe aller Bezugspersonen die Gründe herauszufinden, weshalb Thorsten sich nicht helfen lassen will - zum Beispiel auf einer Familienkonferenz. Das gäbe dann vielleicht Anhaltspunkte, damit man ihn umstimmen kann.

    Es ist ganz eindeutig: Thorsten braucht medizinische und psychologische Hilfe - jetzt und sofort. Aber niemand kann ihn zwingen, gesund werden zu wollen. Alle sollten eindringlich versuchen ihn davon zu überzeugen, dass er sich um seine Krankheit kümmert. Aber niemand kann ihn hinter seinem Rücken helfen: Arzttermine vereinbaren oder einen Arzt ins Haus bestellen, Medikamente ins Essen tun. Der "mündige Patient" hat das Recht, eine Therapie abzulehnen. Juristisch gäbe es die Möglichkeit, einen Menschen unter vorläufige Betreuung ("entmündigen") zu stellen, d.h. ihm das Recht abzusprechen, als Patient eigenständig zu entscheiden. Das wird aber nur in extremen Fällen genehmigt.

    Wenn Überzeugung nicht hilft, schafft es vielleicht Druck. Zum einen kann die Krankheit so schlimm werden, dass der Patient es nicht mehr aushält. Man hofft, dass jemand spätestens dann seine Krankheit behandeln lässt, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Je länger man aber wartet, desto schwieriger wird es, eine Krankheit zu therapieren. Bei der Psoriasis arthritis können dann schon Gelenke unwiederbringlich zerstört sein. Angehörige können den Kranken nur immer wieder auf solche Gefahren aufmerksam machen - einsehen muss er es selbst.

    Eventuell hilft persönlicher Druck, das bedeutet: eine klare Grenze zu setzen. Zum Beispiel könnte Katja ihrem Thorsten ein Ultimatum stellen: "Wenn Du Dich bis Ende der Woche nicht in ärztliche Behandlung begibst, dann .... " Ja - was, dann? Keine Zärtlichkeit mehr? Keinen Sex? Keine gemeinsame Reise? Auseinanderziehen? Weniger treffen? Trennung?

    Katja liebt Thorsten und will sich natürlich nicht wirklich von ihm trennen. Aber sie hilft ihm nicht, wenn sie ihn bedingungslos und grenzenlos liebt. Sie muss etwas finden, das ihn unter Druck setzt. Denn auch Thorsten muss etwas tun, um sich Katjas Liebe zu verdienen und von ihr respektvoll behandelt zu werden. Ist es nicht egoistisch von ihm, wenn er sich überhaupt nicht um seine Krankheit kümmert? Wenn es ihm egal ist, wie er aussieht, wie er auf gemeinsame Freunde wirkt, ob er sein Leben sinnvoll gestaltet, ob er einen Job hat usw.? Wäre es nicht ein Zeichen seiner Liebe, für Katja auf sein Äußeres, seine Erscheinung und seine Psyche zu achten? Enttäuscht er sie nicht, weil sie mit ihm ihre eigenen Probleme überhaupt nicht mehr besprechen kann? In so einer Situation kann Katja sich bestimmt nicht vorstellen, gemeinsame Kinder zu haben. Sie hat schon eines - nämlich Thorsten!

    Jeder von uns muss lernen, in Beziehungen Grenzen zu setzen - auch Menschen, die man liebt. Wer anderen nicht offen und klar signalisiert, was man sich nicht gefallen lässt, wird ganz schnell selbst zum Opfer. Kompromisse muss man immer im Leben schließen. Ein Kompromiss bedeutet, dass jeder etwas nachgibt. Aber man darf nicht zulassen, dass ein anderer Mensch Dinge mit einem tut oder einem zumutet, die man "eigentlich" nicht will. Gerade Frauen neigen dazu, bei ihren Partnern, Eltern oder Freunden Vieles zu erdulden. Über Jahre haben sie "großes Verständnis" mit dem anderen, quälen sich aber in Wirklichkeit und nehmen sich und ihre Interessen zurück. Wenn sie viel früher klar und unmissverständlich ausgedrückt hätten, was sie persönlich wollen und vor allem, was sie nicht wollen, wäre die Beziehung eher geklärt worden: entweder der andere verändert sein Verhalten oder man passt nicht zusammen.

    Das klingt hart, aber nur so gibt es eine Lösung. Ein erwachsener Mann, der verantwortungsvoll mit seinem Leben umgeht, holt sich dann sachkundige Hilfe, wenn er ernsthaft krank ist oder psychische Probleme hat. Genau das muss Katja immer und immer drängender von Thorsten fordern. Er sollte erklären, weshalb er seine Hautkrankheit nicht behandeln lassen will. Weshalb nimmt er in Kauf, von anderen angestarrt zu werden, sich blutig zu kratzen und seine Freundin zu verzweifeln? Was ist sein persönlicher "Krankheits-Gewinn" - was erlaubt ihm die Krankheit, was er als Gesunder nicht machen darf oder sich nicht traut? Wie stellt er sich seine Zukunft mit Katja vor, wenn er so weiter macht wie bisher?

    Handlungsdruck kann auch dann entstehen, wenn ein Kranker persönliche Nachteile erkennt, das heißt, wenn er befürchten muss, seine Arbeit, seine Freunde, seine Partnerin oder andere soziale Zusammenhänge zu verlieren. Wenn er aber schon alles verloren hat, ist es oft zu spät. Der Betreffende gibt sich selbst auf. Als Angehöriger kann man frühzeitig mögliche Folgen aufzeigen - mehr nicht.

    Man kann allen Angehörigen und Freunden nur wünsche, dass sie die Kraft haben, einen Weg für sich zu finden. Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich - im Guten wie im Schlechten.

    Wie sind deine Erfahrungen?

    Der Hilferuf einer jungen Frau war Anlass für uns, uns mit diesem Thema zu beschäftigen. Wie sind deine Erfahrungen als Angehöriger oder mit Angehörigen? Hast du einen Vorschlag, wie Angehörige reagieren können? Diskutiere in unserer Community.


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    Recommended Comments

    Bitte mehr Tiefgang

    Ein Anfang dieser Artikel, aber für meinen Begriff etwas oberflächlich. Wer nicht zum Arzt geht, ist tief verletzt und versucht sein Schmerz aus dem Leben möglichst zu verbannen (Indolenz).Igendwelcher äußerer Druck ist der falsche Ansatz, denn der Betroffene kämpft ohnehin schon mit einer Lösung seiner Probleme - wenn auch vielleicht nicht bewußt und evtl. mit dem falschen Mittel.

    Hier noch ein Link - nur zu empfehlen:http://www.bholstiege.de/weltexpress/chronischer schmerz.htm

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    Sorgende Freundin

    Hallo,ich muß zu Katja sagen das ich sie sehr verstehen kann. Mein Lebensgefährte hat auch Psoriasis,aber nicht so schlimm das er solchen Juckreitz hat.Es ist nur dieser schlimme "Hautpanzer" der abbröckelt und er ihn "abpiedelt" bis es schon blutig ist.Ich liebe meinen Freund so wie er ist.Habe ihn ohne diese Krankheit kennen gelernt, aber mir macht dies nichts.Aber er geht auch nicht um Arzt. Ich habe es ihm schon öfter gesagt. Er sagte er wolle erst einmal Bäder ausprobieren, dann Ernährungsumstellung dann Creme und vor jedem Versuch hat er Versprochen"Wenn das nicht lappt,gehe ich zum Arzt".Nichts ist passiert.Ich komme mir langsam vor wie eine Mutter die ihrem Kind sagen muß was es machen soll.Er ist dann auch langsam schon genervt und reagiert nicht grade nett.Er hat sehr schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht(seine Frau ist an Krebs gestorben) und traut sich wohl nicht, weil er Angst hat das man ihn auf Krebs behandelt und er Chemo vor sich hat ich weiß es nicht.Ich kann Katja völlig verstehen und ihr auch keinen Rat geben.

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    BLIND

    Ich selbst habe Schuppenflechte.Man sieht die Krankheit nach einer gewissen Zeit nicht mehr.Werden aus 30 Pünktchen nach 2 Monaten 33 und nach wieder 2 36 usw kann man als Betroffener den Unterschied nicht mehr erkennen.Ich selbst habe mich täglich eingecremt und bin regelmäßig zum Hautarzt. Habe trotzdem nicht erkannt wie schlimm ich aussehe und wie sehr sich die Haut verschlechtert hat.Man sollte sich auf jeden Fall in eine Hautklinik begeben. Bin froh, dass ich das gemacht habe.

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    Vielleicht liegt es daran, dass selten ein Arzt auf den Patienten eingeht, man kommt sich schon vor wie ein Versuchskaninchen, jeder probiert und tut, ich weiß schon im Nachhinein, wie es ausgeht: Alles bleibt beim Alten.

    Dazu kommt, wenn etwas in Genen liegt,wirds von "außen" behandelt, obwohl es von innen herkommt!

    Gibt dem Arzt/Ärztin einen Kommentar noch ab, grenzt es schon an Majestätsbeleidigung, wie kann er nur...nein danke!

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  • Similar Content

    • Alex H.
      By Alex H.
      ... ich bin der Alex und neu bei euch gelandet.

      Ich möchte euch an dieser Stelle von meiner Pso berichten und hoffe hier vielleicht etwas neuen Mut, Zuspruch und den ein oder anderen guten Tipp zur Behandlung bzw. bekämpfung der Krankheit mitnehmen zu können.

      Vorab möchte ich mich kurz entschuldigen, falls ich mich in dem Text überschlagen oder wiederholen sollte oder auch etwas auslasse. Evtl trage ich es nach, wenn es mir wieder einfällt. Ich versuche den Verlauf auf die Schnelle nach bestem Wissen wiederzugeben.

      Zunächst möchte ich euch kurz von mir erzählen. Ich bin der Alex, 20 Jahre alt, komme aus dem Ruhrgebiet und mache z.zT. eine Ausbildung bei der Bahn.
      Ich bin nebenbei noch bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig, bin ein Hobbyautoschrauber, Motorhead, Fotograf und ein Zocker
      Eigentlich ein sehr lebensfroher und lustiger Mensch gab es in den letzten zwei Jahren bei mir viele Tiefschläge, die meine Art mehr und mehr Richtung Zyniker gewandelt haben.
      So hat mich meine Freundin vor 1 3/4 Jahren etwas grundlos verlassen, ein sehr guter Freund ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen und viele Freunde sind verloren gegangen (weil weggezogen oder aus den Augen verloren) Habe in der Zeit viel getrunken und auch angefangen zu Rauchen.

      Als jemand der sich nicht so leicht unterkriegen lässt habe ich auch einfach weitergelebt und es gab auch wieder gute Zeiten. Doch seit etwa einem halben Jahr ist bei mir die Pso ausgebrochen.
      Zunächst konnte ich mit der geröteten Haut an den Ellenbogen nichts anfangen und habe mir auch nichts weiter dabei gedacht. Dass auch der Genitalbereich mit Pso betroffen ist, konnte ich mir damals auch nicht herleiten. Selbst als dort einzelne Stellen etwas "verkrustet" gewirkt haben, bzw die Haut im Genitalbereich einriss, habe ich mir dabei noch nichts gedacht (wusste ja nicht, was das sein soll) und habe es (bei den Ellenbogen ) eher auf mechanische Belastung durch Feuerwehr oder das Schrauben am Auto geschoben. Also Bepanthen genommen und immer schön eingeschmiert. Stutzig wurde ich, als die Stellen nach 4 Wochen immer noch nicht "verheilt" waren und sich Schuppen bildeten. Jedoch habe ich bedingt dadurch, dass ich immer denke, ich sei gesund, den Besuch beim Arzt auf die lange Bank geschoben. Aber nachdem meine familie mich mehrmals darauf hingewiesen hatte, was das denn da am Arm sei, bin ich doch zum Hausarzt gegangen. Der gab mir eine Überweisung für einen seiner Meinung nach guten Hautarzt. Einen Termin gabs natürlich erst 6 Wochen nach dem Telefonat. Das war dann so Ende Juli. Dort stellte mir der Arzt relativ schnell die Diagnose "Schuppenflechte" und verschrieb mir Psorcutan in einer relativ niedrigen Konzentration. (Nach meinem heutigen Wissen kann ich sagen, die Stellen sahen echt sch****e aus, da hätte definitiv was anderes hergemusst).

      Aber immer noch guter Dinge probierte ich die Creme aus. Doch auch nach ein paar Wochen war keine Besserung in Sicht, auch im Genitalbereich gab es keine Besserung. Also wieder einen Termin gemacht, wieder vergangen 4 Wochen bis Ende August Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Pso bei uns in der Familie wohl vererbt ist. (Oma hat sie, Mutter hat sie) Allerdings haben die beiden nur kleine Stellen am Hinterkopf, die betroffen sind. Pso in diesem Ausmaß war ihnen nicht bekannt.

      Dieser nächste Termin war für mich sehr niederschmetternd und hat für mich persönlich Nachwirkungen bis heute.
      Nachdem ich pünktlich da war, musste ich 2 Stunden warten um dann ein Gespräch von 2 Minuten mit dem Arzt zu führen, welches mehr ein Vortrag seinerseits war.
      Er erklärte mir, die Pso sei nicht heilbar, ich könne vielleicht versuchen meine Ernährung umzustellen und solle versuchen Stress zu vermeiden. Außerdem solle ich lernen, mit der Krankheit zu leben. Er könne mir nochmals die Salbe aufschreiben, aber wenn das eh nichts gebracht hätte, würde das auch keinen Sinn machen.
      Auf Wiedersehen.

      MIt dieser Nachricht begab ich mich dann nach Hause und war und bin immer noch frustriert, so von einem angeblich so guten Hautarzt behandelt worden zu sein.
      Ich sehe ja ein, dass die Pso eine schwierige Krankheit ist, aber gerade als junger Mensch, der auf sein Aussehen achten möchte und bei dem auch auf das Aussehen geachtet wird, gerade wenn er wieder eine Freundin haben möchte, ist das halt schwierig. Natürlich kommt es auf solche Aüßerlichkeiten nicht an, aber erklär das mal den Mädels in meinem Alter, dass du Pso hast. Und dann noch im Genitalbereich. Jackpot.

      Nunja, die Wochen vergingen und es hat sich nichts geändert, ganz im Gegenteil, es wurde schlimmer. Seit etwa 6-8 Wochen ist auch der Kopf, die Ohren, der After, einzelne Punkte am ganzen Körper und in Ansätzen das Gesicht betroffen. Nachdem ich herausgefunden habe, dass ja wohl Sonne und Licht ganz gut sein sollen, habe ich mir gedacht, dass mein Cabrio mich im Sommer vielleicht "gerettet" hat, da ich sehr viel offen unterwegs war und das den Schub vllt. an diesen Stellen unterdrückt hatte. Ich habe verschiedene Cremes ausprobiert, u.A. Physiogel Creme, Linola Salbe und seit vorgestern Solventol Hydrocort. Letzteres scheint wohl zumindest im Genitalbereich leichte WIrkung zu zeigen, aber ich warte wie es sich entwickelt, denn auch die Physiogel Creme brachte erst Besserung die dann aber schlagartig stagnierte. Ich habe auch extra das Linola Shampoo und die Waschlotion, Status unverändert. Außerdem noch die mildeen med Soletinktur. Nichts davon brachte bis jetzt merklichen Erfolg.
      Die Stellen am Ellenbogen und am Körper sind noch die angenehmsten, die jucken wenigstens nicht. Doch am Kopf ist es ganz schlimm. Es juckt, schuppt und ist rot! Die Soletinktur brennt nur wie Zunder und das Shampoo bringt auch nichts irgendwie. Einmal hab ichs mit Olivenöl probiert, sah auch ganz gut aus nach dem Einwirken über nacht und dem waschen, aber schon am nächsten Abend sahs aus wie vorher.
      Im Genitalbereich kämpfe ich ebenfalls mit übelem Juckreiz, sowie richtigen Einrissen in der Haut. Diese werden aber seit vorgestern durch die Solventol Creme erträglicher und scheinen zurückzugehen.

      Eine Bekannte gab mir einen Tipp, wo noch ein guter Arzt zu finden sein soll. Einen Termin dort habe ich am 29.10. und hoffe es kommt etwas neues heraus, denn im Moment ist die Situation eher unerträglich. Ich traue mich nicht zum Frisör zu gehen, habe mir vorne die Haare etwas selbst geschnitten, damit es irgendwie geht. Ich muss aufpassen, dass nicht überall Schuppen herumfliegen, sieht ja auch nicht schön aus. Die Stellen am bzw im Ohr sieht man z.zT. durch die längeren Haare nicht, ist vllt auch ganz gut so. Da es wieder kälter wird und man längere Sachen tragen muss ist es ganz gut, dass die Stellen am Ellenbogen bedeckt sind, sieht auch nicht schön aus. Und da ich ja auch gerade keine Freundin habe, ist die Sexualität auch nicht so das Thema. Aber falls sich da doch mal etwas ergibt, wird es natürlich spätestens dann sehr unangenehm.


      Meine Fragen die ich jetzt habe klingen vielleicht etwas profan, aber ich habe so viele verschiedene Meinungen gehört, dass mich das doch verunsichert hat.

      - Kann man die Pso so in den Griff bekommen, dass sie zumindest im Genitalbereich und auf dem Kopf verschwindet oder so zurückgeht, dass vllt. nur eine Rötung zurückbleibt?
      - Habt ihr einen Tipp, welche Creme ich akut, also noch vor dem Termin nehmen könnte (rezeptfrei halt, außer Solventol)
      - Gibt es einen guten Trick, wie ich den Juckreiz auf dem Kopf stillen und die Schuppen reduzieren kann?
      - Soll ich die Haare kürzer schneiden lassen, fördert das evtl die Heilung oder ist das eigentlich egal? (Habe Angst, dass man die Stellen auf der Kopfhaut sonst so gut sieht)
      - Die Ohren sind als Brillenträger empfindlich, da die Bügel immer aufliegen, jemand gute Ideen oder Erfahrungen wie man damit umgeht?
      - WIe trage ich die Creme im Genitalereich am besten auf, sodass sie auch da bleibt wo sie hingehört? Mull drüber oder wie kann man das lösen?

      Das ist alles, was mir gerade so einfällt, ich hoffe ich überrenne euch nicht zu sehr.

      Bitte zögert auch nicht, fragen zu stellen, ich möchte mich daran beteilligen, erfahrungen zu sammeln und zu tauschen!

      Einen schönen Abend noch
      Alex
    • frank1771
      By frank1771
      Hallo!!
      Ich habe mich gerade hier neu angemeldet und möchte mich kurz vorstellen: ich heiße Frank, bin 30 und hab seit etwa 25 Jahren Schuppenflechte. Ich habe sie überall, außer auf dem Kopf und an den Handflächen. Ansonsten ist wirklich jedes Körperteil betroffen.
      Ich hab das übliche natürlich hinter mir. Kuren, Klinik, Salben, Bestrahlungen, Bäder und was weiß ich noch alles, aber es hilft einfach nichts. In den letzten 20 Jahren war ich nicht einen einzigen Tag beschwerdefrei.
      Aber irgendwie muss ich sagen, das ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, so gut das eben geht.
      Was mich aber (seit vielen Jahren) sehr fertig macht ist, dass ich bei Frauen nicht den leisesten Hauch einer Chance habe. Das mag jetzt auf den ersten Blick nicht weiter wild erscheinen, ist aber für mich ein ernstes Problem.
      Ich hatte noch nie eine Freundin. Nicht mit 15, nicht mit 20, nicht mit 25 und jetzt mit 30 auch nicht.
      Udn das nagt sehr an mir. So wie ich aussehe ist das sicher auch kein Wunder, dass da die Damen nicht gerade nen Salto schlagen vor Begeisterung, aber ich hab bei anderen Betroffenen schon oft mitgekriegt, das die in ner Beziehung leben. Ich frag mich dann, wie machen die das?
      Wenn ich so überlege... In der Schule war ich das Gespött der Klasse, weil ich eben so aussah, wie ich aussehe. Kein Mädchen hätte mich freiwillig angefasst. In dem Alter, in dem die meisten ihre ersten Erfahrung mit dem anderen Geschlecht machen, stand ich daneben und hab mich gefragt, was ich eigentlich falsch mache. Bis zum Abi beschränkten sich sämtliche körperlichen "Kontakte" zu Frauen auf nahezu null.
      In der Ausbildung hat sich das dann ein wenig geändert, weil ich zum ersten Mal eine Frau kennengelernt hab, der meine Haut nichts auszumachen schien. Natürlich war dieses seltene Exemplar längst in festen Händen.
      Tja, ich will jetzt nicht zu sehr ausholen hier. Jedenfalls ist es bis heute dabei geblieben, das keine Frau mich freiwillig anfasst. Das gibts einfach nicht. Meine einzigen sexuellen erfahrungen hab ich mit einer (zugegeben wirklich sehr netten) Prostituierten gemacht, als ich mit 24 irgendwann vor der Wahl stand, entweder das jetzt zu machen oder mir meinen verfluchten Schädel wegzuschießen.
      Ich frage mich einfach, wie es anderen bei sowas ergeht/ergangen ist. Ich kenne als einzige Reaktion auf mich von Frauen: Ekel. Und ich frage mich einfach, wie andere Schuppis das machen, dass sie ne Freundin/nen Freund haben. Das ist mir völlig unerklärlich.
    • Moorbacher
      By Moorbacher
      Hallo,
      ich weis nicht, ob das Thema hier richtig ist. Deshalb entschuldigt, wenn es falsch ist
      Aber findet ihr Singles Partner/innen, wenn ihr auch wie ich Schuppenflechte habt?
      Ich habe an Hände, Kopf und Genitalbereich  und leider ,verständlicherweise, ekeln sich dich meisten Frauen.
      MFG,
      Detlef
    • jogginghosin
      By jogginghosin
      liebe alle,
       
      ich muss mich hier mal ausweinen (und hoffe das ist ok und ihr versteht das)
      ich fürchte ich muss mal eben etwas ausholen:
      alsooo....schuppenflechte hab ich schon seit jahren. bisher war das auch immer erträglich. eben an den klassischen stellen ...knie,ellenbogen....am schlimmsten an den händen usw. meine mama und mein opa haben es auch...ich wundere mich also wenig das es bei mir in stressigen zeiten immer mal zu schüben kommt (und konnte damit auch recht gut leben).
      aber....seit reichlich einem jahr wurden die schübe immer heftiger und häufiger. und nun sind auch wirklich fiese stellen wie der intimbereich (also um den hintern und im schambereich betroffen)
      ich hab das lange einfach hingenommen und halte den scheiß mit sorioncreme und so mittelchen (ihr kennt das ja) in schach.
      irgendwann ist mir aufgegangen das ich diese schlimmen schübe im intimbereich seit meiner beziehung zu meinem freund habe. rückblickend ist das nicht verwunderlich und scheint mir auch recht schlüssig.
      mein freund hat drei kinder (zwillinge 3 jahre und einen 5jährigen) ....er hat sich von der kindsmutti kurz nach der geburt der kleinen (wegen einer anderen frau) getrennt. auch hat er einen  fulltimejob und wir hatten eigentlich nie wirklich zeit und raum für uns und unsere beziehung.
      die beziehung war von anfang an sehr konfliktbeladen und schwierig. zum einen weil ich für mein lebenskonzept nie kinder vorgesehen hatte (obwohl ich erzieherin bin) zum anderen weil die beziehung zwischen meinem freund und seiner ex/kindsmutter latent angespannt bleibt.
      ich empfinde diese frau als sehr herrisch und manipulierend. die beiden versuchen hre elternschaft so gut wie möglich zu hänteln. aber....es ist offensichtlich das die ex meinen freund unfair behandelt und ihn finanziell und zeitlich ausbeutet.
      und ja: er spielt das spiel mit und lässt sich ausbeuten.
      ach und da kommen noch eine ganze menge anderer verstrickungen hinzu. er hat auch eine sehr herrische, grobe mutter die kaum ein gutes wort an ihm lässt. und auch bei der arbeit setzt er sich nicht durch....alles in allem ...er brennt immer mehr aus. ist nur erschöpft. und hat weder zeit noch kraft eine beziehung zu mir zu pflegen.
      unterm strich haben wir sieben stunde die woche zeit um uns (nur uns ohne die kinder) zu sehen. davon schläft er aber die meiste zeit.
      und zu mir:
       
      ich bin hypersensibel und habe seit vielen jahren depressionen (weswegen ich auch in behandlung bin) ich habe gelernt damit zu leben und finde ich komme ganz gut zurecht. ich halte mich selbst eigentlich für eine starke frau. habe viele hobbys und freunde und weiß es mein leben zu genießen und zu erfüllen.
      dennoch....ich habe oft probleme anderen zu vertrauen und brauche grade in zwischenmenschlichen beziehungen viel nähe, sicherheit und das gefühl angenommen und geborgen zu sein.
      (aber mal im ernst...wer braucht das nicht?)
       
      um was es mir nun geht:  im laufe der beziehung konnte ich tatsächlich beobachten wie stark meine haut auf spannungen,konflikte und distanzen in meiner beziehung zu meinem freund reagiert. immer wenn ich das gefühl hatte zu kurz zu kommen - zack ein schub. bei allem was unausgesprochen zwischen und stand - zack nächster schub....usw. und glaubt mir bei 7 h zeit für zweisamkeit bleibt eigentlich alles unausgesprochen.
       
      ich habe all das über ein jahr mitgemacht und war sogar 13 wochen in einer tagesklinik weil miene haut und meine psyche so gelitten haben. aber egal zu welchem therapeuten, heilpraktiker und hautarzt ich renne (und unabhängig von allem bestätigt bekomme das miene schübe wohl stressbedingt seien) es wurde nix besser. trotz cremchen und kapselchen...und pipapo.
      ich habe lange versucht an mir zu arbeiten....den fehler, die ursache in mir zu suchen. therapien, selbstreflexion,tagebuch,inner kind arbeit....usw.
      ich halte mich für reflektiert und intelligent.....und weiß das es mir in dieser beziehung schlecht geht. weiß das neben diesem mann in diesem vollen und fremdgesteurten leben kein platz für mich ist. und trotzdem.......eine trennung bricht mir das herz.
       
      gesern war mein frend hier ...und nach wochenlangem schweigen und alles runterschlucken brach nun mal alles aus mir heraus. das ich keinen platz bei ihm hab. das wir keine zeit und keine kommunikation haben. das sein leben völlig fremdbestimmt und fremdgesteuert auf mich wirkt. das er mir in seinem leben gefangen und unglücklich scheint und das all das natürlich nicht sehr verlockend klingt mehr daran teilzuhaben.
      ich mache schon hin und wieder auch was mit ihm UND den kindern....nehme mich aber auch viel raus....einfach weil er dann ganz vater ist (verständlich und auch gut so) und für uns wenig raum bleibt und zum anderen weil icih als erzieherin die ganze woche von kindern angeschrien werde und mir am wochenende schlicht die kraft dafür fehlt.
       
      jedenfalls .....naja...gestern nun das gespräch. er meinte abschließend es wäre meine schuld das wir so wenig alltag und leben teilen....ich solle mich mehr auf ihn und die kinder einlassen. das wäre in seinen augen die lösung unserer distanz. ich sehe das nicht so. verstehe auch nciht warum seine ex/kindsmutti die kinder seltener hat. sie hat zeit für sich und ihren neuen partner...sie kassiert kohle ein (auch von meinem freund) und er arbeitet sich kaputt für die kinder.
       
      ich habe die ex mal kennengelernt und seit dem sind meine schübe noch schlimmer (ca. 2 monaten) ....sie hat ihn " an den eiern" und genießt das auch. als ich zu ihr meinte das es schwer für mich ist das mein freund so wenig zeit für uns hat meinte sie nur kalt " ich bin ja froh das er soviel macht....ich brauche meine freiheit!"
      und er?
      das treffen mit ihr hat mir und unserer beziehung gefühlt den todesstoß gegeben. danach wurde die psoriasis im intimbereich so schlimm....das mein körper schussendlich die distanz zu mienem freund schuf zu der weder ein herz noch mein verstand fähig waren . (heißt sex unmöglich)
       
      so...und nun sitze ich heulend hier....denn trotz al dieser scheiße empfinde ich eine so unfassbare liebe zu diesem menschen. sein humor, seine nähe, sein körper und die art wie er es versteht mit mir und meinen macken umzugehen. ich möchte loslassen.....mein körper möchte loslassen (glaube ich...ohne eso zu wirken)
       
      aber ich weiß nicht wie ich das schaffen soll?
      aber....ich habe mir vor ein paar wochen gesagt:" liebe haut ich verspreche dir ich trenne mich wenns dir noch schlechter geht:"
       
      ich möchte so gern frei von dieser mich krankmachenden beziehung werden...wir sind da so verstrickt und tuen uns nur noch weh. aber er muss mich nur ansehen und ih klammere mich wie so ein dummes äffchen an ihn und will nicht loslassen.
       
      denkt ihr es gibt einen zusammenhang zwischen der beziehung und den schüben. ich bin davon ja mittlerweile überzeugt. so gern ich das leugnen oder verdrängen würde.
      ich weiß gar nicht was ich mir von dem geschreibe hier erwarte....vielleicht einen rat, vielleicht nur verständnis....vielleicht die bestätigung die es braucht eine entscheidung zu treffen.
      ich danke jeden der sich diesen roman hier durchgelesen hat.
      (sorry wegen der rechtschreibfehler....bin tüchtig durch den wind und völlig übernächtigt)
       
      danke....eure jogginhosin (35 jahre) und todtraurig
       
       
    • fex81
      By fex81
      Hallo ihr lieben
      Leb schon auch seit Jahren mit dem Mist. Vom Zeh bis zum Scheitel. Und dementsprechend natürlich mein Liebesleben im Keller.(seit 9 Jahren nicht mal mehr versucht kannst ja keinem anderen zumuten). Wie händelt ihr denn das? Nervt schon so ganz ohne Spaß wa?
      Mfg Fex

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