Individuellen Erhaltungsdosis von Cosentyx® (Secukinumab)
Stand: 23. August 2020
Suche und Findung der individuellen Erhaltungsdosis von Secukinumab
Der Hersteller von Cosentyx® gibt ein festes, starres Therapieschema für die Behandlung
der Psoriasis mit Secukinumab vor.
Individuelle Besonderheiten werden (können) nicht berücksichtigt werden.
Auch die Erhaltungstherapie nach der Einleitungsphase wird durch ein festes Schema von
300 mg alle 4 Wochen bestimmt.
Individuellen Eigenschaften und Besonderheiten der Anwender von Cosentyx® wird
nicht/kann nicht Rechnung getragen werden:
- Eine Person mit 50 kg Körpergewicht wird nach dem selben Schema behandelt wie
eine mit 100 kg Körpergewicht.
- Eine Person, bei der die Halbwertszeit (HWZ) von Secukinumab im Organismus 20
Tage beträgt bekommt die selbe Dosis wie eine Person bei der die HWZ 35 Tage beträgt.
- Der individuelle Interleukin 17A Spiegel des Patienten wird nicht/kann nicht(?, Kosten?)
bestimmt werden. Die Dosis richtet sich also nicht nach der Höhe eines Laborwertes (so
wie dies zum Bsp. bei Diabetes der Fall ist, wo die Insulinmenge dem Serum-
Glukosespiegel angepasst wird).
- Die Dosis wird nicht dem Schweregrad der Erkrankung oder etwaigen
Krankheitsschüben angepasst.
- Ein Absetzen oder Ausschleichen der Therapie oder eine Therapiepause nach erfolgter
Remission der Psoriasis-Erscheinungen ist nicht vorgesehen.
- Die Therapie wird solange als Erhaltungstherapie fortgeführt, solange es die
unerwünschten Nebenwirkungen zulassen.
- Unerwünschte Nebenwirkungen (UNW) sind oft dosisabhängig, statt eine Therapie
wegen Nebenwirkungen abzubrechen, könnte eine Dosisverringerung die UNW
reduzieren und tolerierbar machen bei möglicherweise dennoch zufriedenstellendem
Therapieerfolg.
Nötig wären differenziertere Studien, welche die oben beschriebenen Sachverhalte
berücksichtigen. Die kosten allerdings Geld und Zeit und könnten schwierig im Design
sein, vielleicht besteht auch kein ausreichendes Interesse an weitergehenden Studien.
Eine Übersicht zu bisherigen Studien habe ich im nächsten Blog-Beitrag tabellarisch
zusammengestellt, siehe:
https://www.psoriasis-netz.de/community/blogs/blog/818-cosentyx-secukinumab/
Leicht könnte die Einzeldosis von 300 mg Secukinumab, die bei der Erhaltungstherapie
alle 4 Wochen gespritzt wird, auf zwei Dosen zu 150 mg Secukinumab alle 2 Wochen
aufgeteilt werden, denn die 300 mg Dosis liegt ohnehin schon in der Form von 2 Spritzen
mit je 150 mg in der Verpackung vor (wohl aus produktionstechnischen oder
applikationstechnischen Gründen). Dies hätte den Vorteil, dass der Secukinumab-Spiegel
im Organismus über die Zeit gleichmäßiger wäre.
Für dieses Dosierungsschema wurde allerdings keine Zulassungsstudie durchgeführt und
somit auch keine Zulassung erteilt. Folglich kann es auch nicht vom Hersteller "empfohlen"
werden. Ärzte müssten ein derartiges Therapieschema "auf die eigene Kappe nehmen",
es hätte versicherungsrechtliche Konsequenzen und auch die Krankenkassen könnten
Einwände erheben, da ja der Therapieerfolg eines solchen Schemas nicht durch Studien
belegt ist und keine entsprechende Zulassung besteht.
Daher sehe ich es so, dass in dieser Situation nur der Patient für sich selber handeln
kann (mit oder ohne "stillschweigender"/informeller/inoffizieller Zustimmung des
behandelnden Arztes). Solange die Therapieintervalle verlängert und damit die Dosis, im
Vergleich zum durch die Studie vorgegebenen Therapieschema, verringert wird, sollte
man auf der sicheren Seite sein und das Therapierisiko sogar verringern. Verschlechtern
könnte sich nur der Therapieerfolg im Vergleich zu der höheren Standarddosierung.
Patientenberichte hier in der Community des Psoriasis-Netzes berichten, dass auch
längere "Spritzenpausen" (z. Bsp. wegen Operationen oder Erkrankungen) nicht von
einem Psoriasis-Schub begleitet wurden, sondern der Hautzustand stabil blieb und die
Therapie nach der Pause einfach fortgeführt werden konnte.
Hierfür spricht auch die Halbwertszeit von Secukinumab von rund 4 Wochen.
Die Cosentyx® Fachinformation vom August 2020 führt dazu auf Seite 13 aus:
"Die mittlere Eliminationshalbwertszeit bei Patienten mit Plaque-Psoriasis wurde auf
Grundlage einer populationspharmakokinetischen Analyse auf 27 Tage geschätzt und lag
über alle Psoriasis-Studien mit intravenöser Gabe hinweg in einem Bereich von 18 bis 46
Tagen."
Ausgehend von einer Halbwertszeit von 4 Wochen ist nach 4 Wochen noch die Hälfte (50
%), nach 8 Wochen somit immer noch die Hälfte der Hälfte, also ein Viertel (25 %) und
nach 12 Wochen immer noch ein Achtel (12,5 %) der "ursprünglichen" Menge
Secukinumab im Organismus. Man könnte also sagen, Secukinumab schleicht sich
aufgrund der relativ langen Halbwertszeit quasi von selber langsam aus (exponentieller
Abfall) und seine Wirkung ist nach 4 Wochen nicht plötzlich weg.
Fazit:
Zu prüfen ist, ob längere Abstände zwischen den Einzeldosen individuell vorteilhaft für
das Nebenwirkungsprofil sind.
Eine Dosisreduktion durch Intervallverlängerung stellt möglicher Weise eine Alternative
zum Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen dar.
Eine Aufteilung der Einzeldosis von 300 mg auf zwei zeitlich versetzt gespritzte 150 mg
"Teildosen" könnte Vorteile bringen sowohl bezüglich der unerwünschten
Nebenwirkungen als auch der Wirksamkeit von Secukinumab, da der Wirkstoffspiegel im
Organismus dann kleinere Schwankungen und einen höheren Minimalwert vor der
nächsten Spritze aufweist.
Über eine rege Diskussion meiner Gedankengänge würde ich mich sehr freuen.
Siehe auch meinen Beitrag im Forum:
Cosentyx® 1/2 Dosis (150 mg) alle 2 Wochen spritzen?
bearbeitet von GrBaer185

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