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  • Claudia Liebram
    Claudia Liebram

    Behandlung in der Kältekammer: Frieren gegen Schmerzen

    Die Behandlung in einer Kältekammer ist eine Therapiemöglichkeit vor allem bei Psoriasis arthritis, aber manchmal auch bei der Schuppenflechte der Haut. Zittern und Bibbern bei minus 110 Grad soll den chronischen Beschwerden entgegenwirken. Das klingt unglaublich, doch die Mutigen, die es bereits gewagt haben, wurden mit positiven Ergebnissen belohnt.

    Ablauf in der Kätekammer

    Im Immanuel-Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf stand vor fast zehn Jahren die erste Kältekammer Deutschlands. Frank Ruppenthal, Leiter der Abteilung Physiotherapie, weiß: "Die Kryotherapie wird seit dem Altertum angewendet." In der Antike hätten sich die Ärzte Eis vom Olymp mitbringen lassen, um Kranke zu behandeln.

    Heute geht die Behandlung moderner zu. Die Kältekammer ist ein Raum mit einer Größe von zwei bis vier Quadratmetern. In diesem Raum herrscht eine Temperatur von zwischen minus 70 und minus 80 Grad Celsius. Zudem ist die Luftzirkulation regulierbar. Dies gewährleistet einen individuell gestaltbaren Wärmeentzug der Haut.

    Der angenehm beleuchtete Raum ist praktisch ohne Luftfeuchtigkeit und somit extrem trocken. Er ist durch eine große beheizbare Scheibe mit dem Vorraum verbunden, in dem sich das Personal aufhält und in stetem Kontakt mit den Patienten steht. Den Raum betritt jeder Patient einzeln und lediglich in Badebekleidung, mit festem Schuhwerk und einem Mundschutz. Wer schnell zum Frieren neigt, sollte sich zusätzlich mit Handschuhen, Ohrenschützern und Strümpfen einkleiden.

    "Je weniger Kleidung man trägt, um so angenehmer wird die Behandlung", so Frank Ruppenthal. Grund: Was nicht am Körper ist, kann auch nicht von der Kälte, von der Verdampfung der Körperwärme feucht werden.

    Zunächst wird der Erste von drei Räumen betreten. Um sich an die arktischen Temperaturen zu gewöhnen, sinkt das Quecksilber in den beiden Vorräumen, welche als Schleuse zur dritten und eigentlichen Sektion dient, zunächst auf nur minus 10 und minus 60 Grad Celsius.

    In der eigentlichen Kältekammer angekommen, in der jetzt sportliche minus 110 Grad Celsius herrschen, gilt es körperlich aktiv zu bleiben. Damit die Stimmung nicht unter den Nullpunkt sinkt, wird oft mit aufmunternder und schneller Musik gegen die Kälte angegangen. Es wird getanzt, in die Hände geklatscht, sich im Kreis gedreht oder sogar gehüpft. Alles ist erlaubt - Hauptsache, es bleibt niemand wie angewurzelt stehen.

    Dies geschieht alles ausschließlich unter professioneller Anleitung und Aufsicht des geschulten Personals, mit denen die Patienten auch in akustischer Kommunikation stehen.

    Die Aufenthaltsdauer beträgt von einer bis zu vier Minuten. Danach ist die "Schocktherapie" überstanden und die Patienten kommen meistens überglücklich und strahlend aus dem Tiefkühler wieder in die Wärme zurück.

    In der Kältekammer werden Bewegungsübungen absolviert, auch unter Anleitung. Ohne geht's auch nicht. Deshalb ist eine der Voraussetzungen, dass der Patient gehfähig ist.

    Wirkung der Kältetherapie

    Was diese Glücksgefühle und die Euphorie beim Verlassen der Kältekammer auslöst, ist den medizinischen Fachkräften teilweise weiterhin ein Rätsel. Die einen sind der Meinung, dass die Patienten schlicht glücklich darüber sind, dass sie diese Tortur überstanden haben, andere denken eher an Hormone, welche durch diese Extremsituation freigesetzt werden.

    Denn durch diese Extremsituation, dem der Körper ausgesetzt war, werden Energiereserven und Kraftreserven mobilisiert. Diese können vom Körper unter normalen Umständen nicht direkt zur Verfügung gestellt werden, denn das Energiepotenzial mit der Kraft des Unmöglichen liegt größtenteils brach und im Verborgenen und bedarf einer Aktivierung.

    Sie geschieht durch die Freisetzung und Ausschüttung von Hormonen wie Kortison, Endorphine und Peptide. Diese Stoffe gelangen direkt in den Blutkreislauf und steigern die Leistungsfähigkeit erheblich. Durch eine intensivere Atmung kommt es gleichzeitig zu einem höheren Sauerstoffgehalt im Blut und fördert die Durchblutung.

    Durch die Ausschüttung von körpereigenem Kortison aus der Nebennierenrinde und der verbesserten Durchblutung kommt es zur Schmerzlinderung in den Gelenken.

    Akute und chronische Schmerzzustände können somit in kürzester Zeit gelindert oder sogar auch über einen längeren Zeitraum vollständig beseitigt werden.

    Hauterkrankungen, die mit einem starken Juckreiz einhergehen – wie die Psoriasis – können durch diesen Mechanismus auch positiv beeinflusst werden. Zudem wirkt die Kälte im Speziellen auf die Haut. Durch den plötzlichen Temperaturunterschied prasselt ein ständiger und extremer Reiz auf die Haut und bringt sie in eine Art Schockzustand. Sie zieht sich blitzschnell zusammen und die Gefäße verengen sich. Dadurch kann es zu einer Linderung des Juckreizes kommen.

    "Die Kältetherapie ist besonders für Menschen mit entzündlichen Krankheiten geeignet", so Frank Ruppenthal.

    Schmerzen am ganzen Körper werden von der Vereisung in der Kältekammer gelindert. Alles wird extrem stärker durchblutet, auch die Nebennierenrinde, aus der Kortison kommt. Dadurch wird körpereigenes Kortison ausgeschüttet - womit eine niedrigere Dosierung des gefährlichen Medikamentes möglich ist. Außerdem schüttet der Körper mehr Endorphine aus - einfach gesagt: Glückshormone. "Die meisten, die aus der Kältekammer kommen, strahlen über alle vier Backen", lächelt Frank Ruppenthal. Grund sei sicherlich auch, dass jeder stolz ist, sich selbst überwunden und die Tortur überstanden zu haben. Insgesamt wird das Immunsystem gestärkt.

    "Wir haben eine einzige Patientin, die überhaupt keine Wirkung der Therapie spürte", berichtet Frank Ruppenthal. "Es gibt aber auch den Fall, dass jemand zwei Jahre lang ohne Beschwerden war."

    Wie oft, wie lange?

    Die Frequenz und die Dauer einer Therapieserie richten sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel handelt es sich bei einer Psoriasis arthritis um zehn bis zwölf Sitzungen bei minus 110 Grad Celsius. Am besten ist, wenn die Patienten zweimal am Tag zur Kältetherapie kommen.

    Wirkung und Gegenanzeigen

    Kältekammer in BleibergFrank Ruppenthal warnt auch: "Zu Beginn der Behandlung können alte Zipperlein auftauchen." Er selbst spürte ein altes Schulter-Leiden wieder. "Das gibt sich aber bald wieder."

    Nicht hinein darf, wer zu hohen Blutdruck, extreme Platzangst oder ein fortgeschrittenes Stadium des Diabetes mellitus hat.

    Kältekammer: Mögliche Nebenwirkungen

    Neben den positiven Wirkungen kann es jedoch auch zu weniger angenehmen Nebenwirkungen der Kältetherapie kommen. Patienten berichten von Hautveränderungen, die sich in einer Rötung, in Form von Bläschen oder einem Juckreiz äußern. Zudem kann es zu plötzlicher Platzangst, Schwindelattacken, Atemnot oder einem Anstieg des Blutdrucks kommen.

    Auf diese Gegenstände sollte in der Kältekammer verzichtet werden:

    • jeglicher Schmuck
    • Brillen
    • Kontaktlinsen
    • Uhren
    • Piercings
    • Ohrringe.

    Vor der Therapie sollten keinerlei Salben oder Kosmetika benutzt werden. Zudem sollte darauf verzichtet werden, kurz vorher zu Duschen oder die Haare zu waschen.

    Es sollte nicht die beste Kleidung und die schönsten Schuhe in der Kältekammer angezogen werden, denn durch die extreme Temperatur können manche Stoffe und Materialien brüchig werden, da sie an Elastizität verlieren.

    Gut ist, wenn die Patienten zwei Stunden vor und nach der Therapie nicht baden, keine Wärmeflasche oder ähnliche Dinge anwenden, damit der Körper nicht noch feucht ist.

    Kosten: Selbstzahler und stationärer Aufenthalt

    Die Behandlung in der "klassischen" Kältekammer geschieht meist stationär, geht aber auch ambulant vonstatten. Die ambulante Behandlung hat einen entscheidenden Nachteil: Die Krankenkassen bezahlen sie meist nicht. Jeder muss jeden Einzelfall mit dem Betreuer bei seiner Krankenkasse ausfechten. Dabei stellen sich die Kassen auf den Standpunkt, dass die Wirkung der Kältetherapie nicht wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen ist. Wer sich dagegen als stationärer Patient einweisen lässt, kann problemlos die Kälte genießen.

    Wer auf Rezept in die Kältekammer will, muss schon sehr gut nach einem seriösen Anbieter suchen. Meist sind es große physiotherapeutische Zentren, die die Kältekammer auch mit einer Verordnung vom Arzt anbieten. Dort lässt man sich am besten beraten, damit klar ist, was auf dem Rezept vom Rheumatologen oder anderen Arzt stehen muss, damit die Kältetherapie auch wirklich von der Krankenkasse übernommen wird.

    Die Kosten für Selbstzahler sind in den letzten Jahren vor allem gefallen, weil immer mehr Firmen einen Aufenthalt in der Kältekammer anbieten. Dabei sollte man darauf achten, dass Anbieter sehr unterschiedliche Geräte mit verschiedenen Minusgraden dastehen haben. Die "original" Kältekammern haben -110°C.

    Einige Anbieter haben 10er-Karten im Programm. Dann kostet eine Sitzung in der Kältekammer im Durchschnitt etwa 20 bis 25 Euro. Einzeln gebuchte Sitzungen sind entsprechend teurer. Wir haben da Preise um die 40 Euro gesehen.

    Kurzgefasst

    Wie oft: 10 bis 12 Sitzungen bei minus 110 °C, möglichst 2x/Tag

    Gegenanzeigen: zu hoher Blutdruck, extreme Platzangst,  fortgeschrittenes Stadium des Diabetes mellitus,

    Indikationen: entzündlich-rheumatische Krankheiten, degenerativ-rheumatische Erkrankungen, Hauterkrankungen mit entzündlicher Komponente (also auch Schuppenflechte und Neurodermitis), Schmerzen, Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale und Autoimmunerkrankungen, Bandscheibenschaden, Endoprothesen, künstliche Gelenke

    Zahlung: Krankenkasse nur, wenn stationäre Behandlung, ansonsten Selbstzahler

    Wo Kältekammern zu finden sind

    Wer eine Rehaklinik mit Kältekammer an der Ostsee sucht: Die Inselklinik in Heringsdorf bietet die Kältekammertherapie innerhalb eines Reha-Aufenthalts an.

    In unserem Adressbuch findet Ihr eine Liste von weiteren Kältekammern. Wer eine Kältekammer in der Nähe finden will, kann bei der Suche im Netz auch die Begriffe Kryotherapie, Eissauna oder Cryosauna benutzen.

    Erfahrungen aus unserer Community

    ➞ "Ich nahm mein Schicksal selbst in die Hand" – Erfahrungsbericht eines Betroffenen von der Therapie seiner Schuppenflechte in der Kältekammer

    Test der Kältekammer in der Spessart-Therme in Bad Soden /Saalmünster in unserem Forum

    Erfahrungen mit der Behandlung der Schuppenflechte in der Kältekammer in unserem Forum

    Erfahrungen mit der Behandlung der Psoriasis arthritis in der Kältekammer in unserem Forum

    Erfahrungen mit der Kältekammer-Therapie ohne Angabe der Diagnose in unserem Forum

     ❄️ Hast du schon einmal eine Therapie in der Kältekammer gemacht? Betroffene freuen sich, wenn du deine Erfahrungen teilst. Oder hast du Fragen dazu? Dann stell sie in unserer Community.

    Tipps zum Weiterlesen

    ➞ Kryotherapie – Informationen bei Wikipedia

    ➞ Wem eine Kältekammer helfen kann – und wem nicht – Was ist mit Lifestyle-Kältekammern oder Kryo-Saunen, von denen immer mehr eröffnet werden und die eher an eine Tonne erinnern? Die Apotheken-Umschau hat einen Rheumatologen gefragt, was er davon hält und wo sie wirklich helfen. (Apotheken-Umschau, Juli 2022)

    ➞ Die Kraft, die aus der Kälte kommt – Ein Bericht über die Anwendung der Kältekammer-Therapie in der Inselklinik in Heringsdorf. (Hamburger Abendblatt, 10.06.1998)


    Über die Autorin

    Claudia Liebram ist Journalistin in Berlin. Ihre Psoriasis begann, als sie drei Jahre alt war. Sie absolvierte den Masterstudiengang "Consumer Health Care" an der Berliner Charité.

    Mehr über und von Claudia Liebram

    Bildquellen

    Kältekammer: Rudolf Simon / Wikimedia

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    Recommended Comments

    Guest Dr. med. Dietmar Kargus, Internist, Rheumatologe

    Posted

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin als internistischer Rheumatologe in der Klinik Herzoghöhe Bayreuth als Oberarzt tätig. Wir haben eine Kältekammer, die erfolgreich bei akuten rheumatischen Beschwerden eingesetzt wird. Auch die Psoriasis-Arthritis wird durch die Kältekammer gebessert. Wir haben als zusätzlichen Nutzen bemerkt, dass sich auch die Hautveränderungen der Psoriasis und das Allgemeinbefinden der Patienten deutlich verbessern. Ich kann aus meiner Sicht eine Kältekammer-Therapie (falls möglich) nur empfehlen.

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    Hallo, ich leide z.B. wegen muskulärer Erkrankungen wie Fibromyalgie und einiger degenerativer Erscheinungen häufig unter starken Schmerzen. Behandlung in der Kältekammer habe ich in der Klinik in Heringsdorf kennengelernt. Ich kann gut mit, also in Kälte. Die derzeitigen Wintertemperaturen (2-stellig minus)sind wie eine Badekur. Die Schmerzen fliehen!

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    Hatte jahrelang Exzeme am Schienbein durch Aufkratzen. Nachdem die Entzündungen da waren, produzierten diese bei leichten Berührungen erheblichen Juckreiz.

    Nach dem Strandurlaub waren meine Ekzeme immer weg. Salben halfen bis dato nichts. In den letzten heiße Tagen trug ich kurze Hosen und kratzte mich auch nicht. Trotzdem war das Ekzem voll entzündet - gerötet und geschwollen. Die Entzündungen mußten also durch etwas hervorgerufen werden, dass auf der Haut war.

    Nach einigen Überlegungen über die Haut-Besonderheiten des Strandurlaubs kam mir u.a. das häufige Abspülen des Sandes beim Gang in die Hotelanlage in den Sinn. Das habe ich dann ausprobiert (in der Wanne) und das Ekzem zeigte schon nach drei Tagen deutliche Entzündungsverringerung. Der allerdings meistens nur kurz aufgetretene Juckreiz hörte sofort auf. Nach ca. einer Woche ist es fast ganz weg. Die Reibung von Kleidung scheint jedoch auch eine Rolle zu spielen. Ca. eine Minute mit kaltem Wasser abspülen, ca. 5-8 mal pro Tag und reibende Kleidung vermeiden. Nach dreimaligem Behandlungserfolg ist das kein Zufall. Vielleicht hilft das nur bei mir. Mein Ekzem war auch nicht so ausgeprägt und definitiv nur durch Aufkratzen hervorgerufen. Wobei vielleicht die Dauerentzüdung und der ursprüngliche Juckreiz die gleich Ursache haben könnten, z.B. Ungleichgewicht bei den Hautbakterien. Aber Ausprobieren kann ja wohl nicht schaden. Es kostet praktisch nichts.

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