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Tiefer Eingriff ins Immunsystem
Seit etwa zehn Jahren sind die TNF-alpha-Hemmer zugelassen und werden bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Nicht nur bei der rheumatoiden Arthritis, sondern auch bei anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen, gegen Schuppenflechte oder auch bei Darmentzündungen wie Morbus Crohn. Im vergangenen Jahr hatten die Wirkstoffe der Medikamentengruppe insgesamt einen Zuwachs von etwa 25 Prozent, sagt Professor Schönhöfer vom Arznei-Telegramm in Berlin. Das zeigt die zunehmende ökonomische Bedeu-tung dieser Stoffe für die Pharmaindustrie.
Die Funktionsweise beruht auf einem tiefen Eingriff ins Immunsystem des Menschen: „TNF-alpha“ steht für „Tumor-Nekrose-Faktor-alpha“, ein körpereigener Botenstoff. Innerhalb der Immunabwehr ist er eine Waffe, denn er kann Tumorzellen abtöten, genauso wie Zellen, die von Bakterien und Viren befallen sind. Aber derselbe Mechanismus ist auch aktiv, wenn den Körper eine Gelenkentzündung befallen hat. Werden die TNF-alpha-Stoffe blockiert oder ge-hemmt, wird die Entzündung eingedämmt.
Aber hier wird es auch problematisch: Wenn ein Rheumatiker TNF-alpha-Hemmer nimmt, könnte das eine Lücke in der Krebsabwehr schlagen. Das ist nicht nur eine theoretische Möglichkeit. Mehrere amerikanische Studien, veröffentlicht in renommierten Fachzeitschriften, le-gen nahe, dass bei der Behandlung mit dem Wirkstoff Etanerzept (Produktname „Enbrel“) die Krebsrate mehr als vierfach erhöht war, unter einem anderen TNF-alpha-Hemmer, dem Infliximab, war die Krebsrate mehr als dreimal so hoch.
Diese statistischen Zusammenhänge werden auch in Deutschland mit Sorge registriert, sagt Dr. Hartmut Michels, Kinder- und Jugendrheumatologe in Garmisch-Partenkirchen: „Die mitt-lerweile vorliegenden Daten lassen den Schluss zu, dass das Gesamtrisiko für maligne Erkran-kungen (also Tumore, Anmerkung der Redaktion), Stand heute, wohl nicht erhöht ist, dass aber ein erhöhtes, möglicherweise zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für die Entwicklung von bösartigen Lymphknotenerkrankungen besteht, und das müssen wir natürlich sehr ernst neh-men.“
Warnhinweise der US-Gesundheitsbehörde
Besorgnis erregt auch die Tatsache, dass der Lymphknotenkrebs, den Dr. Michels meint, bisher recht selten vorkam. Wieso das so ist, ist bisher unklar. Doch die amerikanische Zulassungs-behörde in Sachen Gesundheit, FDA, hat in den USA einen Warnhinweis auf jeder Packung eines TNF-alpha-hemmenden Präparates durchgesetzt. Dort muss seit August 2009 zu lesen sein, dass das Krebsrisiko erhöht, Leukämie bei Erwachsenen und Kindern verstärkt auftreten und Psoriasis ausgelöst werden könne.
(der gesamte Artikel zur Sendung: http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/1116/pdf/1116pdf.pdf)