Eine Schuppenflechte zu haben, wirft viele Fragen auf – gerade, wenn du am Anfang deines Berufslebens stehst. Vielleicht fragst du dich: "Schränkt mich die Erkrankung bei der Wahl meines Berufs ein? Kann ich alles werden, was ich möchte?" Die kurze Antwort lautet: Ja, die Chancen stehen heute besser als je zuvor. Dank moderner Medizin und einem besseren Verständnis für die Erkrankung stehen dir die allermeisten Türen offen.
Dieser Artikel gibt dir einen ehrlichen Überblick, worauf du achten solltest, welche Rechte du hast und wo du Unterstützung findest.
Die wichtigste Grundlage: Deine Interessen zählen
Bevor wir über die Psoriasis sprechen, gilt der wichtigste Grundsatz: Wähle einen Beruf, der dich begeistert, der deinen Talenten entspricht und dir Freude macht. Dein Interesse und deine Motivation sind der stärkste Motor für eine erfolgreiche Karriere. Ein Job, den du mit Leidenschaft ausübst, gibt dir die Kraft, auch an Tagen durchzuhalten, an denen die Haut oder die Gelenke vielleicht mal nicht so mitspielen.
Informiere dich online, bei der Agentur für Arbeit oder auf Ausbildungsmessen über Berufe, die zu deinen Stärken passen. Die Psoriasis ist dabei nur einer von mehreren Faktoren – wie deine Schulbildung, deine Fähigkeiten und deine Wünsche.
Wie Psoriasis die Berufswahl beeinflussen kann (aber nicht muss)
Früher war eine schwere Psoriasis oft ein sichtbares und belastendes Stigma. Das hat sich geändert. Dank moderner Therapien wie Biologika oder JAK-Inhibitoren erreichen heute viele Betroffene eine fast oder sogar komplett erscheinungsfreie Haut. Wenn deine Psoriasis gut behandelt ist, spielt sie für viele Berufe gar keine Rolle mehr.
Trotzdem ist es klug, bei der Berufswahl realistisch auf mögliche Belastungsfaktoren zu schauen. Das hilft dir, einen Job zu finden, in dem du dich langfristig wohlfühlst.
Berufe mit potenzieller Hautbelastung
Manche Tätigkeiten können die Hautbarriere schwächen und so Schübe der Psoriasis auslösen oder verschlimmern. Dazu gehören:
- Ständige Feuchtarbeit: Berufe, in denen deine Hände oft und lange nass sind (z.B. in der Gastronomie, in der Krankenpflege, als Friseur/in oder Reinigungskraft).
- Umgang mit Chemikalien: Kontakt mit reizenden Stoffen, wie sie in Reinigungsmitteln, Desinfektionsmitteln, Friseurprodukten oder in der Industrie vorkommen.
- Starker mechanischer Druck oder Reibung: Tätigkeiten, bei denen die Haut ständigem Druck ausgesetzt ist, z.B. durch eng anliegende Schutzkleidung oder wiederholte Reibung an bestimmten Körperstellen (Köbner-Phänomen). Dies kann im Handwerk oder auf dem Bau der Fall sein.
- Starkes Schwitzen oder Hitze: Berufe in Bäckereien, Küchen oder Gießereien können durch Hitze und Schweiß die Haut reizen.
Wichtig: Das ist kein Verbot! Es bedeutet nur, dass du in diesen Berufen besonders auf Hautschutz, konsequente Pflege und eine gute Therapie achten musst. Ein Gespräch mit deinem Hautarzt kann hier Klarheit schaffen.
Besonderheit Psoriasis arthritis (PsA)
Bei etwa einem Drittel der Menschen mit Psoriasis sind auch die Gelenke betroffen. Wenn du eine Psoriasis arthritis hast, sind andere Aspekte bei der Berufswahl ebenso wichtig:
- Körperliche Belastung: Berufe, die schweres Heben, Tragen oder ständiges Stehen erfordern (z.B. in der Logistik, im Einzelhandel, auf dem Bau), können die Gelenke stark beanspruchen.
- Feinmotorik und Zwangshaltungen: Tätigkeiten, die eine hohe Fingerfertigkeit oder langes Arbeiten in einer bestimmten Haltung erfordern (z.B. Zahntechniker/in, Uhrmacher/in, Chirurgie), können bei Gelenkbeschwerden in den Händen oder der Wirbelsäule schwierig werden.
Auch hier gilt: Eine gut eingestellte Therapie kann die Symptome der PsA stark lindern. Sprich mit deinem Rheumatologen darüber, welche Belastungen du dir zutrauen kannst.
Deine Rechte: Was du im Bewerbungsgespräch wissen solltest
Die größte Sorge vieler Betroffener ist das Bewerbungsgespräch. Muss ich meine Psoriasis angeben?
Die rechtliche Lage ist klar: Du musst eine chronische Erkrankung nur dann von dir aus offenlegen, wenn sie dich daran hindert, die vertraglich vereinbarte Arbeit dauerhaft oder regelmäßig auszuführen.
Ein Beispiel: Ein Dachdecker mit schwerer, schmerzhafter Psoriasis arthritis, der nicht mehr sicher auf Dächern klettern kann, müsste dies angeben.
Ein Gegenbeispiel: Eine Bürokauffrau mit Psoriasis an den Ellenbogen und Knien kann ihre Arbeit uneingeschränkt ausüben. Sie muss die Erkrankung nicht erwähnen.
Fragen nach deinem Gesundheitszustand sind im Bewerbungsgespräch generell unzulässig, es sei denn, sie beziehen sich direkt auf die Fähigkeit, den Job auszuüben. Sollten deine Hautveränderungen sichtbar sein und du wirst darauf angesprochen, kannst du selbstbewusst und kurz antworten: "Das ist eine Schuppenflechte, eine nicht-ansteckende Hauterkrankung, die meine Leistungsfähigkeit in diesem Beruf in keiner Weise beeinträchtigt."
Der Schwerbehindertenausweis: Eine Hilfe für dich?
Je nach Ausprägung deiner Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis hast du möglicherweise Anspruch auf einen Grad der Behinderung (GdB). Ab einem GdB von 50 giltst du als schwerbehindert und erhältst einen Schwerbehindertenausweis.
Das klingt vielleicht erstmal abschreckend, hat aber Vorteile im Berufsleben (Nachteilsausgleiche):
- 5 Tage mehr Urlaub pro Jahr
- Besonderer Kündigungsschutz
- Steuerliche Vorteile
- Anspruch auf Unterstützung durch das Integrationsamt
Ob du einen Antrag stellst, ist deine persönliche Entscheidung. Du musst den Ausweis einem Arbeitgeber auch nicht ungefragt vorlegen. Er kann aber eine wertvolle Absicherung sein. Dein Arzt oder Sozialverbände können dich dazu beraten.
Fazit: Dein Weg in einen erfüllenden Beruf
Lass dich nicht von deiner Schuppenflechte ausbremsen. Die Berufswelt steht dir offen.
- Finde deine Leidenschaft: Konzentriere dich auf deine Interessen und Stärken.
- Sei gut informiert: Kenne die Anforderungen deines Wunschberufs und gleiche sie ehrlich mit deiner gesundheitlichen Situation ab.
- Optimiere deine Therapie: Eine moderne und gut eingestellte Behandlung ist der Schlüssel, um die Psoriasis in den Hintergrund zu rücken.
- Kenne deine Rechte: Gehe selbstbewusst in Bewerbungen und wisse, was du sagen musst – und was nicht.
- Hol dir Unterstützung: Sprich mit deinen Ärzten, der Familie und professionellen Beratungsstellen.
Du bist mehr als deine Haut oder deine Gelenke. Mit der richtigen Strategie findest du einen Beruf, der dich erfüllt und zu dir passt.
Mehr zum Thema im Psoriasis-Netz
➔ Erfahrungen von Betroffenen: Berufswahl mit Psoriasis bzw. Berufswahl mit Psoriasis arthritis
➔ Träume: Ein Buch über die erste Liebe, Pferde und die Schuppenflechte
➔ FAQ: Häufige Fragen und Antworten für 13- bis 18-Jährige
➔ Tipps: Klarkommen mit Schuppenflechte – für alle zwischen 13 und 18
➔ Community: U25 – Gruppe für junge Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis
Tipps zum Weiterlesen
➔ Schuppenflechte und Beruf: Informationen der Gesetzlichen Unfallversicherung
➔ Psoriasis im Berufsleben: Informationen der Arbeitsmedizinerin Dr. Eva Cramer
➔ Menschen mit Behinderungen: Beratung zu Beruf und Reha von der Bundesagentur für Arbeit
Empfohlene Kommentare
Keine Kommentare vorhanden
Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren
Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können
Benutzerkonto erstellen
Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!
Neues Benutzerkonto erstellenAnmelden
Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmelden