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  • Rolf Blaga
    Rolf Blaga

    Wie Schuppenflechte und Selbstmorde zusammenhängen

    Bei einigen Psoriasis-Medikamenten wird befürchtet, sie könnten Tendenzen, sich selbst zu töten („Suizidalität“) verstärken. Aber es kann nicht nachgewiesen werden, dass sie tatsächlich die Ursache dafür sind. Völlig ausschließen will das jedoch auch niemand.

    Bewiesen ist, dass Menschen mit Schuppenflechte mehr an Selbsttötung denken als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie versuchen sich öfters das Leben zu nehmen und sterben etwas häufiger von eigener Hand. Das gilt für alle Psoriatiker – unabhängig von der jeweiligen Therapie. Deshalb sollten nicht nur die Patienten verstärkt auf suizidale Symptome achten, die mit einem der unter Verdacht geratenen Medikamente behandelt werden. Aber: Selbsttötungen kommen unter Psoriatikern extrem selten vor – wenn auch jeder Fall einer zu viel ist. Als Lichtblick gilt, dass sich Depressionen und Ängste bei vielen Patienten durch eine wirkungsvolle Behandlung der Psoriasis verbessern lassen.

    Ab September 2017 darf das Biologikum Brodalumab (Kyntheum) in der EU verschrieben werden. Während der Studienphase gab es sechs Selbsttötungs-Fälle, davon vier bei Schuppenflechte-Patienten. Deshalb hatte der ursprüngliche Auftraggeber, die US-Firma Amgen, die Studien unterbrochen. Für die dann doch noch beantragte Zulassungsprüfung von Brodalumab in den USA hat die FDA Zahlen veröffentlicht, wie viel versuchte und vollendet Selbsttötungen es in klinischen Psoriasis-Studien bisher gab:

    Selbsttötung

    pro 100 Patienten in einem Behandlungsjahr

     versucht und vollendetvollendet
    Adalimumab (Humira)0,030,03
    Apremilast (Otezla)0,200,07
    Brodalumab (Siliq, Kyntheum)0,210,04
    Infliximab (Remicade)0,240
    Ixekizumab (Taltz)0,140
    Secukinumab (Cosentyx)0,030
    Ustekinumab (Stelara)0,020,02

    Bei den Ixekizumab-Studien wurden neuro-psychische Vorerkrankungen ausdrücklich ausgeschlossen. Obwohl Apremilast (Otezla®) schon in den Studien eine höhere Selbsttötungs-Rate aufwies, gab es eine entsprechende Warnmitteilung (Rote-Hand-Brief) erst im November 2016 nach der Zulassung.

    Professor Craig L. Leonardi hält die Zahl der Fälle, z.B. bei Brodalumab, für zu gering. Sie seien statistisch nicht aussagekräftig (signifikant) genug, um zu behaupten, die Medikamente würden Selbsttötungs-Ideen verursachen. Trotzdem, so Leonhardi, würde natürlich jeder wegen des ernsten Ereignisses innehalten.

    Brodalumab in den USA und Europa

    Zwei Zulassungsgremien haben sich ausführlich mit den Fällen und ihren psycho-sozialen Hintergründen bei Brodalumab beschäftigt. In den USA erklärte ein Beratungsausschuss der FDA, dass aus den verfügbaren Daten nicht eindeutig gefolgert werden könne, ob Selbsttötung durch das Medikament verursacht wird oder nicht. Deshalb darf Brodalumab in den USA nur dann verschrieben werden, wenn der Patient in ein umfangreiches Risiko-Programm (REMS) eingebunden wird. Und es darf nur von solchen Ärzte verschrieben werden, die im Umgang mit diesem Programm geschult wurden.

    Für die Europäische Union erklärte ein Komittee der EMA, nach derzeitigem Wissen gäbe es keine „biologisch plausible Erklärung“ dafür, dass Brodalumab suizidale Tendenzen bewirkt. Allerdings könne es auch nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Man wisse derzeit noch zu wenig über die Wirkungen von IL-17 im Zentralen Nervensystem. Deshalb müssen Patienten, Pflegepersonal und Familien darauf hingewiesen werden, bei ersten Anzeichen von typischen Symptomen umgehend medizinisches Fachpersonal zu informieren. Die Herstellerfirma muss im Rahmen eines Risiko-Management-Plans (RMP) Strategien festlegen, wie ein mögliches Suiziditäts-Risiko vermindert werden könne.

    In den Diskussionen wurde hervorgehoben, dass Patienten mit Psoriasis generell stärker gefährdet sind, an psychischen Störungen zu erkranken als die allgemeine Bevölkerung, aber auch als andere Hautkranke. Zahlreiche Studien belegen, dass vor allem Depressionen, Angstzustände und Selbsttötungs-Tendenzen bei Menschen mit Schuppenflechte häufiger vorkommen.

    Psychische Symptome

    So oft häufiger als ohne Psoriasis wurden die Symptome in Studien bemerkt

     AngstzuständeDepressionenSelbsttötungs-

    Gedanken

    Selbsttötungs-

    Versuche

    Selbsttötungs-

    Abschlüsse

    Analyse von 18 Studien

    mit 330.207 Psoriatikern

    September 2017

    (bei 9,8%-12,5%)2x1,32 x1,2 x
    Daten des

    Gesundheitsministeriums GB

    mit 149.998 Psoriatikern

    August 2010

    1,39 x1,31 x1,44 x
    Europäische Studie mit 3.635 Psoriatikern2,18 x2,4 x1,94 x
    Anzahl der Fälle pro 100 Patienten, die 1 Jahr behandelt werden0,110,040,03

    Noch stärker gefährdet als der durchschnittliche Psoriatiker sind schwer Betroffene und Jüngere. Wer eine schwere Schuppenflechte hat, wird meist erheblich in seiner Lebensqualität eingeschränkt sein. Er leidet unter sozialer Ausgrenzung, Abwertung durch andere, negativem Körperbild und geringem Selbstwertgefühl. Das fördert Depressionen, die typischerweise Selbsttötungen auslösen können. Jüngere Psoriatiker sind oft noch nicht so gut in der Lage, mit ihrer Krankheit umzugehen und neigen zu impulsiven Handeln. Das fördert ebenfalls suizidale Tendenzen.

    Entzündungen auch im Kopf

    Aber es ist nicht nur die persönliche Situation, die Suizidalität fördert. In verschiedenen Untersuchungen wurde festgestellt, dass entzündungs-auslösende Botenstoffe (Zytokine) den Serotinin-Stoffwechsel beeinflussen. Der ist zuständig für die Grundstimmung („Glückshormon“).

    Patienten mit Depressionen, die sonst medizinisch gesund und ohne entzündliche Hauterkrankungen waren, hatten typische Entzündungs-Biomarker im Gehirngewebe. In einer Studie wurden bei Menschen, die versucht hatten, sich selbst umzubringen, höhere Interleukin-6-Werte gegenüber gesunden Patienten gefunden. Chronisch entzündliche Krankheiten sind demnach ein eigenständiges Risiko für psychische Erkrankungen.

    Medikamente mit Suizid-Risiko

    Erhöhte Vorsicht ist geboten, denn es sind Wirkstoffe bekannt, die Selbsttötungs-Ideen bei Patienten auslösen, die nie zuvor daran gedacht hatten. Diese Suizidität kommt plötzlich, meist ohne Vorzeichen und die Betroffenen können sich dem kaum entziehen. Über die tatsächlich nachgewiesenen Fälle hinaus stehen weitere Medikamente im Verdacht, dazu zu gehören.

    Sensibles und komplexes Thema

    In Deutschland nehmen sich ziemlich konstant über die Jahre hinweg um die 10.000 Menschen das Leben. Das sind 0,012 Prozent der Bevölkerung (2015). Bei geschätzt 2 Mio. Psoriatikern mit einem 1,2 x höherem Suizid-Risiko müsste es unter ihnen 288 Selbstmorde pro Jahr geben – als Begleiterscheinung der Psoriasis und unabhängig davon, mit welcher Therapie sie behandelt wurden. Professor Mathias Augustin betonte, dass dem deutschen Register PsoBest bisher keine Suizid-Fälle im Zusammenhang mit innerlichen Psoriasis-Medikamenten gemeldet wurden.

    Wer sich mit dem Thema näher beschäftigt, erfährt, wie umfangreich und vielschichtig es ist. Schon der Begriff „Selbstmord“ wird abgelehnt, weil er die Opfer zum Täter erklärt. Ein „Mord“ ist strafrechtlich ein Verbrechen, eine Selbsttötung dagegen meist eine Verzweiflungs-Tat.

    Für Außenstehende ist es meist schwer zu erkennen, ob und wie stark jemand gefährdet ist. Meist bitten Suizid-Gefährdete nicht direkt um Hilfe, sondern senden indirekte Signale aus. Davon gibt es derart viele, dass hier nur einige genannt werden können:

    • Aussagen über die Sinnlosigkeit des Lebens,
    • Tiefe verzweifelte Hoffnungslosigkeit („seelischer Schmerz“),
    • Anhaltende Gefühle von Vereinsamung, Verlassen-Sein o. ä.,
    • Ansprechen des Themas (Selbsttötung) oder zweifelsfreie Absichtserklärung,
    • Hoher Leidensdruck wegen ständig wiederkehrender Erkrankung und Hoffnungslosigkeit in Bezug auf Therapierbarkeit,
    • Anhaltende quälende innere und äußere Unruhe, Nervosität, Fahrigkeit, Getriebenheit,
    • Gegen sich selbst gerichtete Schuldvorwürfe („Alles wäre besser, wenn ich nicht mehr leben würde“),
    • Fehlende Impuls-Kontrolle mit Neigungen zur Selbstverletzung.

    Links zu ausführlichen Hinweisen findest du am Ende des Artikels.

    Was also tun?

    Für Laien ist es meist nur schwer möglich, jemanden akut zu helfen. Wichtig ist, den Betroffenen in seiner Not ernst zu nehmen. Völlig falsch wäre es, seine Verzweiflung herunter zu spielen oder schön zu reden. Man sollte ihn ermuntern, sich von Experten oder Beratungsstellen helfen zu lassen. Tag und Nacht steht für schnelle Hilfe die Telefon-Seelsorge bereit. Auf jeden Fall sollten nahe Angehörige oder enge Freunde informiert werden. Wer mit einem suizid-gefährdeten Menschen zusammen lebt, sollte sich ausführlich informieren – auch um sich selbst zu schützen.

    Psychische Störungen können als typische Begleiterkrankung bei allen Psoriatikern auftreten. Das sind in erster Linie Depressionen, aber auch Suizid-Gedanken. Tatsächlich vollendete Selbsttötungen kommen extrem selten vor! Gefährdet sind Risikogruppen: schwer von der Psoriasis Betroffene, ältere hochbetagte Männer, junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Abhängige und diejenigen, die schon zu Therapiebeginn an Depressionen oder Persönlichkeits-Störungen gelitten haben. Arzt und Patient müssen gemeinsam abwägen, welche Therapie geeignet scheint, wie psychische Risiken verringert und wie sie beobachtet werden könnten. Sicherlich eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

    Aber es gibt Hoffnung: Mit ziemlicher Sicherheit wirkt sich eine erfolgreiche Therapie der Psoriasis auch positiv auf Begleiterkrankungen aus. Wer dadurch seine Lebensqualität verbessern kann, wird auch deutlich weniger unter seiner Krankheit leiden. Wenn im Körper die Entzündungslast dauerhaft gesenkt wird, wird es weniger entzündungsauslösende Signale geben. Damit können biologische Auslöser für Depressionen verhindert werden. Keine Hautkrankheit ist heutzutage so gut zu behandeln, wie die Psoriasis. Das sollte allen Mut machen!

    Tipps zum Weiterlesen

    Ein wichtiger Hinweis

    Wer Suizidgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen dabei, die Gedanken zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist oder sich um nahestehende Personen sorgt, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken unter der Nummer 0800/111 01 11  oder 111 0 222 oder  116 123 oder live im Chat.


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    Recommended Comments

    Fast jeder Suizid wäre verhinderbar. Nicht die Frage nach dem warum, sondern was würde einem davon abhalten ist sinnvoll. Genau hier ist aber das Problem. Ich bin Suizid gefährdet. Einiges würde mich sicher davon abhalten. Doch man redet immer nur von verhindern, nur passiert da reichlich wenig.Beispiel: Ich will meine letzten Jahre in Ruhe, Frieden, Sonne guter Versorgung verbringen. Ein medizinischer Checkup um bestehende Probleme zu behandeln ist ein unendlicher Hürdenlauf. Ist das alles so ein Problem ? Natürlich nicht, aber eine aktive Hilfe um dieses Ziel zu erreichen gibt es nicht. Als Kranker mit Suizid Wunsch kann ich mich nicht um die Bürokratie und den ganzen Käse kümmern. Aber es findet sich keiner der das für mich mal konsequent tut. Das Ende von Lied ich liege irgendwie, irgendwo tot auf dem Boden. Suizid Prävention ist zuhören und endlich mal handeln.

    Wenn ich keinen Platz an der Sonne "verdiene" wozu soll ich als alter, kranker Mensch weiter leben wollen ?!? Kein Geld da ? Na dann holt unser Geld von den Teichen zurück. Die brauchen keine Milliarden. Ich fühle mich zurecht im Stich gelassen und dann ist man noch zu feige, mir den Gnadenschuss zu gönnen. Wenn ihr das nicht ändert, wird die Suizidrate ganz schnell steigen, denn es gibt immer mehr Alte und Kranke. Ein letztes Wort zu meinem Arzt und Betreuer: "Danke für nichts ..."

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    Hallo Freddy, eine aktive Hilfe, eine Art Lotse, wäre toll. Man muss sich wirklich vieles erst erkämpfen. Aber wenn du Suizidgedanken hast, dann solltest du dich umgehend vom Hausarzt beraten und zu Fachleuten überweisen lassen. Oder Kontakt zu deiner Krankenkasse aufnehmen, die dir einen Termin beim Facharzt vermitteln kann.

    Was du aber auf gar keinen Fall glauben solltest, ist, dass du keinen Platz an der Sonne "verdienst". Damit redest du dich doch selbst schon klein. Wenn du magst, kannst du auch bei uns anrufen – die Telefonnummer steht unten am Ende jeder Seite.

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    • Psototyp
      By Psototyp
      Hallo Leute es geht um folgendes, ich nehme zurzeit das brodalumab , seit knapp 5 Monaten, das Ergebnis ist nicht gerade besonders und zufriedenstellend. Mein Arzt meinte er will mich auf Cosentyx umstellen. Ich meine mal hier  gelesen zu haben , das sowas Gar kein Sinn Ergeben würde, da die Medikamente beide auf das interleukin 17 gerichtet sind. Ich weiß  hier gibt es eine Menge Leute die Ahnung haben. Bitte um Eure Hilfe. 
      Mfg Psototyp.
    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      In einer früheren Studie hatten Forscher herausgefunden, dass unter den Menschen mit Schuppenflechte mehr Leute an einer Internetabhängigkeit leiden als ansonsten gesunde. Forscher um Maximilian Schielein von der TU München setzten eine weitere Studie auf: Sie wollen herausfinden, wie stark Betroffene sozial eingeschränkt sind und ob parallel zur Internetabhängigkeit auch Depressionen, verstärktes Rauchen oder Alkoholabhängigkeit zu finden sind.
      Von März bis Juni 2019 waren Betroffene deshalb aufgerufen, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Die Forscher werteten die Antworten von 460 Teilnehmern aus. Fast zwei Drittel waren weiblich, der Altersdurchschnitt lag bei 46 Jahren. Die Teilnehmer hatten ihre Psoriasis seit durchschnittlich 21 Jahren. Fast 23 Prozent waren zum Zeitpunkt der Umfrage nicht in ärztlicher Behandlung.
      Die Ergebnisse in Kurzform
      88 Prozent berichteten, dass sie sich sozial beeinträchtigt fühlen – manche selten, andere öfter.  Eine Internetabhängigkeit wurde 8,5 Prozent der Teilnehmer attestiert. In der Allgemeinbevölkerung sind das 3,2 Prozent (wobei man zu diesem Vergleich mehr wissen muss – siehe weiter unten). 40 Prozent der Teilnehmer zeigten depressive Tendenzen. 33 Prozent gaben an, dass sie täglich rauchen. In der Allgemeinbevölkerung tut das nicht einmal die Hälfte davon. 17 Prozent galten als alkoholabhängig. In der Allgemeinbevölkerung liegt dieser Wert bei 3,1 Prozent. Eine stärkere Alkohol- und Zigarettenabhängigkeit unter Psoriatikern hatten  mehrere Studie früher schon berichtet – doch der Internetabhängigkeit oder dem zwanghaften Internetgebrauch hatte sich bislang nur eine Studie gewidmet, die noch nicht veröffentlicht wurde.
      Studien oft nicht repräsentativ für alle Betroffenen
      Eine Herausforderung bei Studien ist es, Teilnehmer aus dem ganzen Spektrum der Betroffenen zu finden. Meist werden die Daten aus sogenannten Registern benutzt, doch dort werden hauptsächlich die Daten von mittelschwer bis schwer betroffenen Menschen gesammelt, und das in üblichen Einrichtungen wie Arztpraxen oder Kliniken. Das heißt aber auch: All die, die aus irgendeinem Grund nicht wegen ihrer Schuppenflechte zu einem Arzt gehen, kommen in Studien kaum vor. Viele suchen aber im Internet nach Informationen, und genau die wollten die Forscher mit ihrer Studie auch erreichen.
      Eine weitere Herausforderung: Sonst sind in Studien meist der PASI oder die Größe der betroffenen Körperoberfläche das Maß der Dinge. Die online zu ermitteln, ist schwierig – also fielen diese Angaben weg. 
      Eine Frage, 552 Antworten
      Und so wurde mit genau einer Frage ermittelt, ob sich jemand durch seine Psoriasis sozial beeinträchtigt fühlt: "Hindert Ihre Psoriasis Sie daran, bestimmten Freizeitaktivitäten nachzugehen?“ – bewertet auf einer fünfstufigen Skala von "nie" bis „immer“. Alle, die mindestens „selten“ angaben, wurden gefragt, woran genau sie gehindert werden. Dabei gab es keine vorgefertigten Antworten zur Auswahl, sondern ein Textfeld zum Ausfüllen – mit Beispielen wie Schwimmen, Sauna oder Sonnenbaden.
      88 Prozent der Teilnehmer fühlen sich durch ihre Psoriasis selten oder häufiger an Freizeitaktivitäten gehindert. Auf die Frage, woran genau sich die Teilnehmer gehindert fühlten, kamen 552 Antworten. Die meisten drehten sich um
      Schwimmen (273-mal geantwortet) Sport (93-mal) Sauna (49-mal) Sonnenbaden (32-mal) Stigmatisierungen und Aussehen (30-mal) Bewegung und Walken (28-mal) Ausgehen und Freunde treffen (21-mal) Andere (11-mal) Für die Forscher deuten viele Antworten außerdem darauf hin, dass manche Menschen mit Psoriasis weniger soziale Kontakte haben. 
      Weitere Zahlen und Fakten aus der Studie
      Depressive Tendenzen wurden bei 40 Prozent der Teilnehmer festgestellt. Bei diesem Teil der Befragung wurde klar: Je stärker sich jemand sozial beeinträchtigt fühlt, um so stärker sind depressive Tendenzen.
      Der Anteil derer, die täglich rauchen, ist mit 33 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt. In der Allgemeinbevölkerung rauchen Männer häufiger täglich als Frauen. Bei den Teilnehmern dieser Studie war es andersherum.
      Während 17 Prozent der befragten Psoriatiker alkoholabhängig waren, sind es im bundesdeutschen Durchschnitt nur 3,1 Prozent. Jeder vierte Mann gab in dieser Studie an, dass er alkoholabhängig ist – und jede achte Frau.
      Die Zahl der Internetabhängigen aber war es, die die Forscher in dieser Studie wirklich überraschte. In einer repräsentativen Studie waren 3,2 Prozent aller Jugendlichen internetabhängig – unter den (deutlich älteren) Befragten mit Psoriasis waren es 8,5 Prozent. Dabei gab es keine deutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, dem Alter oder, wie stark sich jemand wegen der Schuppenflechte sozial beeinträchtigt fühlte.
      Die hohe Prozentzahl ist übrigens um so erstaunlicher, weil die Internetabhängigkeit eher bei jüngeren Menschen auftritt und abnimmt, je älter man wird.
      Die Teilnehmer der Umfrage waren im Durchschnitt 21,6 Stunden pro Woche online – abseits der Arbeit.
      Diese auffällig anderen Ergebnisse führen die Forscher auch darauf zurück, dass die Teilnehmer in dieser Online-Umfrage anonym antworten konnten oder die Teilnehmer waren ohnehin anfälliger – oder beides.
      Tipp: Bei therapie.de kann jeder in einem Test ermitteln, ob sein Internetgebrauch problematisch ist.
      Schwächen, Stärken, Schlussfolgerungen
      Den Forschern ist klar: Da es sich um eine Online-Umfrage handelte, konnte der Wahrheitsgehalt der Antworten der Teilnehmer nicht überprüft werden. Und: Mit einer Online-Umfrage erreichen die Forscher nur die, die ohnehin im Internet unterwegs sind – und nicht die, die zum Beispiel keinen Internetanschluss haben. Wer wegen seiner Krankheit stärker Probleme hat, sucht möglicherweise im Netz eher nach Informationen und stolpert irgendwann über die Einladung zur Umfrage als andere.
      Ein Vorteil aber könnte die Anonymität der Teilnehmer gewesen sein: Sie antworteten vielleicht ehrlicher und nicht so, wie sie denken, dass es von ihnen erwartet wird („soziale Erwünschtheit“). Früherer Studien hatten diesen Vorteil jedoch nicht, so dass die Ergebnisse nicht unbedingt vergleichbar sind.
      Für die Forscher unterstreicht die Studie, wie wichtig die psychische Belastung bei Psoriasis ist. Sie zeigt auch, dass Programme zum Abbau der Stigmatisierung nötig sind.
      Ihrer Meinung nach deutet alles darauf hin: Wenn Online-Selbsthilfeplattformen (wie unsere) und ihre Nutzer in die Gesundheitsforschung einbezogen werden, fördert das die Versorgung aller Betroffenen – und nicht nur derer, die beim Arzt oder in einer Klinik behandelt werden, also klassisch als Patienten bezeichnet werden.
      Ein Thema für künftige Studien haben die Forscher übrigens nebenbei ausgemacht: Schmerzen auf oder an der Haut wurden ihnen häufig als Symptom genannt.
      Die Studie "Always Online? Internet Addiction and Social Impairment in Psoriasis across Germany" wurde jetzt im "Journal of Clincal Medicine" veröffentlicht.
      Hinweis in eigener Sache: Das Psoriasis-Netz ist an der Studie nicht unschuldig. Wir unterstützten die Forscher bei der Formulierung der Fragebögen, riefen zur Teilnahme auf und waren an der Publikation der Ergebnisse beteiligt.
      Tipps zum Weiterlesen...
      ...zum Thema Wohlbefinden
      Im "Welt-Psoriasis-Glücks-Report" geht es darum, wie sich Menschen mit Schuppenflechte in Deutschland fühlen. [lesen] "Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln" vom Psoriasis Forum Berlin e.V. [lesen] Informationen der Deutschen Depressionshilfe über Selbsthilfe bei Depressionen [lesen] ...zum Thema Sucht
      Häufig gestellte Fragen zum Thema Sucht, beantwortet von der Caritas Informationen der Anonymen Alkoholiker Das Wichtigste über das Zusammenspiel von Schuppenflechte und Rauchen ...zum Thema Sex
      Partnerschaft und Sexualität bei Schuppenflechte Bei Psoriasis: Der Sex bleibt, die Zärtlichkeit verschwindet
    • Redaktion
      By Redaktion
      Können bestimmte Emotionen dafür sorgen, dass die Schuppenflechte stärker ist? Das wollen Forscher der Universität Gießen klären. Sie suchen Teilnehmer für eine Studie.
      In dieser Studie wollen Forscher um Dr. Christina Schut herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen Emotionen und der Stärke von Psoriasis-Symptomen gibt. Um das zu klären, sollen 250 Menschen mit Schuppenflechte zuhause einen Fragebogen ausfüllen, der ihnen per Post zugeschickt wird. Ein frankierter Rückumschlag bringt die Unterlagen dann zurück nach Gießen. Für jeden Teilnehmer gibt es eine finanzielle Entschädigung von 10 Euro.
      Die Teilnehmer können später an einer weiteren Studie teilnehmen, wenn sie mögen und für diese zweite Studie geeignet sind. Für diese ist eine Untersuchung vor Ort in Gießen nötig. Deshalb werden auch für die Fragebogen-Studie bevorzugt Menschen aus Hessen und Umgebung gesucht.
      Die Studie ist ein Forschungsprojekt des Instituts für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Wer mehr wissen möchte, kann sich bei Dr. Christina Schut unter 0641 / 9 94 56 82 melden.
      Kontakt aufnehmen
      Du willst mit deiner Teilnahme an der Studie helfen und bist zwischen 18 und 65 Jahre alt? Hier kannst du dich bei der Studienleiterin melden. Du wirst dann zurückgerufen oder per Mail angeschrieben.
    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Sind Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis anfälliger für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus? Müssen sie sich besonders schützen, um nicht die COVID-19-Erkrankung zu bekommen? Und was, wenn das Immunsystem schon von einem Immunsuppressivum unterdrückt wird?
      Bislang kann man sagen: Wer Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis hat, ist nicht grundsätzlich anfälliger für eine Infektion mit dem Coronavirus. Wenn jemand dann an Covid-19 erkrankt, kann das schwer verlaufen. Deshalb ist der eigene Schutz und der aller Leute ringsherum so wichtig. Das oberste Gebot in aufgeregten Zeiten lautet nach wie vor:

      Dieser Meinung sind auch die Experten vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. "Fakt ist: Grundsätzlich ist das Risiko einer Infektion mit dem Virus nicht höher als das Ansteckungsrisiko für andere Keime, erklärte Dr. Ralph von Kiedrowski. "Insofern gelten für Psoriasis-Patienten, die ansonsten gesund sind, die gleichen Vorsichtsmaßregeln wie für alle: Händehygiene, Abstand halten von Erkrankten sowie die Beachtung der Husten- und Nies-Etikette." Letztere besagen: Es wird in den Ellbogen geniest, und Einmaltaschentücher haben ihren Namen nicht umsonst – sie sind nach dem Gebrauch zu entsorgen.
      Professor Christian Drosten, der derzeit wohl bekannteste Virologe Deutschlands, rät inzwischen dazu, "Behandlungen bald vor allem auf Senioren und Menschen mit Grunderkrankungen (zu) beschränken" – also auch auf Menschen mit Psoriasis oder Psoriasis arthritis. In seinem täglichen Podcast auf NDR Info sagte er in der Folge vom 9. März 2020:
      Für die "jüngeren, besonders Gefährdeten" fordert er eine Regelung, "die es allen Arbeitgebern ermöglicht, solche Personen entweder für eine Zeit freizustellen und dann mit Aufgaben zu betrauen, die unter der Überschrift Homeoffice stehen".
      Das heißt: Wer eine immunsuppressive Therapie bekommt, sollte seinen Arbeitgeber fragen, ob er im Homeoffice arbeiten kann.
      Therapie-Pause bei Coronavirus-Symptomen
      Bei Symptomen einer Coronavirus-Infektion sollte der Betroffene abklären lassen, ob sein Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion begründet ist. Dabei hilft die Telefon-Hotline 116117 weiter oder ein Anruf beim behandelnden Arzt. Bis der Verdacht bestätigt oder eben nicht bestätigt ist, sollte bei einer innerlichen Psoriasis-Therapie – egal welcher – eine Pause eingelegt werden.
      Das ist auch die internationale Sicht: Das International Psoriasis Council, ein Netzwerk von mehr als 100 Psoriasis-Experten, empfiehlt, die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten einzustellen oder zu verschieben, wenn die Krankheit COVID-19 diagnostiziert wurde.
      Symptome von Covid-19
      Die Erkrankung Covid-19 zeigt sich mit
      Schnupfen erhöhter Temperatur oder Fieber Halsschmerzen Kopfschmerzen Kurzatmigkeit Muskel- oder Gelenkschmerzen Schluckbeschwerden oder Durchfall Vorsorglich die Therapie unterbrechen?
      Ob eine innerliche Therapie der Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis prophylaktisch abgesetzt werden sollte, kann niemand pauschal beantworten. Da hilft nur ein Gespräch mit dem Arzt, der das Medikament verordnet hat. "Bei den jährlichen Grippewellen der letzten Jahre haben wir bislang nicht dazu geraten", so Dr. von Kiedrowski. Aber: Wer auch bisher schon während der Therapie öfter Infekte bekommen hat oder zu alledem noch eine Lungenerkrankung hat, sollte laut dem Hautärzte-Verband mit seinem Arzt eher über eine vorsorgliche Pause nachdenken als andere.
      Genannt werden speziell die Medikamente, die gegen TNF-Alpha arbeiten. Sie "weisen in Studien und Registern ein höheres Infektionsrisiko auf als die Substanzen zur Inhibition von IL17, IL23 oder PDE4", so der BVDD.
      Das heißt: Das Infektionsrisiko ist etwas höher bei
      Cimzia Enbrel (und seinen Biosimilars Benepali und Erelzi) Humira (und seinen Biosimilars Amgevita, Cyltezo, Imraldi und Solymbic) MTX Remicade (und seinen Biosimilars Flixabi, Inflectra und Remsima) Simponi Bei folgenden Medikamenten ist das Infektionsrisiko nicht so hoch:
      Cosentyx Ilumetri Kyntheum Otezla Skyrizi Taltz Tremfya Bei IL-12/-23-Blockern wie Stelara und bei MTX kann es nach Erfahrung der Mediziner passieren, dass Infektionen verzögert bemerkt werden. Und: MTX kann in seltenen Fällen (seltenen!) die Lunge schädigen – genau das Organ, auf das es auch das Coronavirus abgesehen hat.
      In einem Schreiben vom 18. März 2020 an alle Arztpraxen und Kliniken sortierten Deutschlands führende Psoriasis-Experten diese Liste etwas anders: Nach den Erkenntnissen des Gremiums gibt es auch bei MTX und zusätzlich bei Fumaderm und Skilarence kein erhöhtes Risiko für oder bei für oder bei Viruserkrankungen.
      In dem Schreiben wird auch auf Ciclosporin eingegangen. Dort sei die Datenlage uneinheitlich. Bei anderen Virus-Endemien hatten demnach selbst Transplantations-Patienten, die für gewöhnlich eine höhere Dosis Ciclosporin nehmen, keine deutlich erhöhten Risiken für Komplikationen. Nur: Solche Patienten sind vermutlich besonders vor allen schädlichen Einflüssen geschützt. Die Haut-Experten raten jedenfalls zur Vorsicht bei Patienten über 60 sowie die mit zusätzlichen Erkrankungen wie Diabetes oder COPD. Auch diejenigen, die auch vorher schon während der Therapie mit Ciclosporin zu Infekten neigen, sollen besonders aufpassen.
      "Wir raten grundsätzlich zur Beibehaltung der vorgenannten Medikamente bei allen Patienten mit Psoriasis, die eine entsprechende Indikation aufweisen" schreiben die Experten. Auch Neueinstellungen auf innerliche Medikamente seien möglich. Aber: "Bei den TNF-alpha-Blockern und bei Ciclosporin sind individuelle Risikofaktoren für Infektionen besonders zu beachten und die klinischen Verläufe sorgfältig zu verfolgen". Hingewiesen wird explizit darauf, dass bei der Behandlung mit TNF-alpha-Blockern eine Fieberreaktion ausbleiben könnte, die sonst unter anderem eine Infektion mit dem Coronavirus anzeigt.
      Wenn eine innerliche Therapie neu begonnen werden soll
      Experten auf europäischer Ebene raten dazu, eine neue Therapie mit einem immunsuppressiven Mittel und Biologika erst einmal aufzuschieben. Dabei handelt es sich zwar um einen Rat von Gastroenterologen für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, doch die dort eingesetzten Medikamente sind denen bei Psoriasis ähnlich. Konkret lautet ihr Tipp:
      Andere Gastroenterologen schließen sich dem an, sie denken aber an die Fälle, in denen die Erkrankung so aktiv ist, dass mit einem Beginn der Therapie nicht gewartet werden kann. Dann, schreiben sie im Journal "The Lancet", sollte zu den üblichen Tests vor einer Biologika-Therapie auch eine Prüfung auf SARS-CoV-2 dazugehören.
      Das sagt ein niedergelassener Hautarzt
      "Ich denke, dass es nicht notwendig ist, die Medikation ganz abzusetzen", meint Dr. Armin Philipp, Hautarzt in Stuttgart. "Aber natürlich sind Patienten, die eine immunsuppressive Therapie anwenden, gefährdeter. Um so wichtiger ist es, die allgemein empfohlenen Hygieneregeln einzuhalten."
      Einen weiteren Rat gibt der Hautärzte-Verband: Wer sich noch keine Grippe- oder Pneumokokken-Impfung geben lassen hat, kann das auch jetzt noch tun.
      Das sagen Rheumatologen
       „Wir wissen, dass Patienten mit aktivem entzündlichen Rheuma generell infektanfälliger sind“, gibt Professor Hendrik Schulze-Koops von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu bedenken. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Gründe für die Infektanfälligkeit seien die Erkrankung selbst und die Medikamente, die die Immunabwehr unterdrücken.
      Neben den üblichen Hygiene-Regeln rät er dazu, den Impfschutz zu überprüfen und, abgestimmt mit dem Rheumatologen, zu vervollständigen. „Besonders Impfungen gegen Atemwegserkrankungen wie Influenza, Pneumokokken und Keuchhusten sind derzeit wichtig“, so Schulze-Koops. Auch Angehörige und enge Kontaktpersonen sollten über die Schutzimpfungen verfügen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt.
      Schulze-Koops erklärt:
      Eine rheumatologische Basistherapie sollte auf keinen Fall ohne ärztlichen Rat abgesetzt werden. Arzttermine zur Routineuntersuchung sollten nach telefonischer Absprache verschoben werden. Wer an Covid-19 erkrankt, sollte auch seinen behandelnden Rheumatologen (telefonisch) um Rat fragen. Gerade ersterer Punkt ist ihm wichtig. Ganz deutlich rät er davon ab, aus Angst vor Covid-19 eigenmächtig die Rheumamedikation abzusetzen „Hierfür gibt es bislang keinerlei Grundlage“, meint er. Im Gegenteil: Wenn die Unterdrückung des Immunsystems plötzlich wegfällt, könnten die Symptome der rheumatischen Erkrankung wieder aufflammen. Schon das könne das Infektionsrisiko wieder erhöhen. Wird dann noch Kortison eingesetzt, um den Schub einzufangen, tut das für das Infektionsrisiko das Übrige.
      In einem Expertenchat des Fernsehsenders MDR fragte eine Zuschauerin:
      Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker, antwortete:
      Das empfiehlt das Robert-Koch-Institut
      Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Risikogruppen – also auch Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis, die ein innerliches Medikament nehmen
      eine größtmögliche Minderung des Risikos einer Infektion zum Beispiel durch allgemeine Verhaltensregeln (Hände waschen, Abstand halten zu Erkrankten) sich über das Krankheitsbild schon mal zu informieren, damit man die Symptome frühzeitig erkennt beim Verdacht schnell Kontakt aufnehmen zur Hausarzt-Praxis oder telefonisch zu anderen Stellen, die Beratung anbieten das nähere Umfeld – privat wie beruflich – bitten, einem Fälle von COVID-19 mitzuteilen, damit man Vorkehrungen treffen kann und unter Umständen eine Diagnose schneller vonstatten geht Empfehlungen in den USA
      Der Beirat der National Psoriasis Foundation in den USA empfiehlt, den Kontakt zum Hautarzt jetzt über Telemedizin-Angebote zu suchen. Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sei für alle, die kein immunsupressives Medikament nehmen und keine Co-Morbidität haben, minimal höher als bei gesunden Menschen. Und: Obgleich es keine wissenschaftlich gesicherten Richtlinien oder Risiko-Einschätzungen gebe, hätten Patienten bei oral eingenommenen Immunsuppresiva (also Tabletten, Kapseln etc.) eventuell (!) ein höheres Risiko. Alles in allem werde ein Abbruch der Biologika-Therapie erst empfohlen, wenn ein Infektion mit dem Coronavirus gesichert sei.
      Forscher sehen bei einigen Biologika sogar positive Wirkungen
      „Sollten Patienten ihre Biologika-Therapie während der Covid-19-Pandemie abbrechen?“ fragen sich auch Arjun M. Bashyam und Steven R. Feldman von der Wake Forest School of Medicine in North Carolina (USA). Vielmehr haben sie im „Journal of Dermatological Treatment“ einen Artikel für ihre Kollegen verfasst.
      In den Packungsbeilagen stünde zwar, dass Biologika bei klinisch bedeutsamen aktiven Infektionen nicht angebracht seien, doch dort werde nicht empfohlen, die Behandlung wegen potenzieller Infektionsrisiken abzubrechen.
      Später im Text wird es interessant: „Die COVID-19-Lungenentzündung ist durch eine übersteigerte Immunantwort mit hohen TNF-alpha-Spiegeln gekennzeichnet“, erklären Bashyam und Feldman [Quelle]. "Es ist möglich, dass die Hemmung von TNF alpha bei Patienten, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, tatsächlich die Ergebnisse verbessert.“ Das sei während des SARS-Ausbruchs 2003 vermutet worden (Quellen: 1 | 2). Theoretisch sei es also möglich, dass die Modulation dieser Entzündung (also das Eingreifen mit TNF-alpha-Blockern, d. Red.) sogar schützend sein könnte. [Quelle]
      Bashyam und Feldman werden noch konkreter. Sie schreiben:
      In einer Studie mit H1N1-Grippemäusen reduzierte Etanercept (Enbrel und seine Bisimilars) die ähnliche übermäßige Entzündungsreaktion, wodurch die Mortalität ("Sterblichkeit“) und die Virus-Vermehrung verringert wurden [Quelle].  Derzeit wird Adalimumab (Humira und seine Bismilars) in einer klinischen Studie für die Behandlung einer schweren COVID-19-Lungenentzündungen untersucht. „Ein vielversprechendes Signal, dass TNF-alpha-Inhibitoren für unsere Patienten zumindest nicht schädlich sein dürften, wenn sie infiziert sind“, schlussfolgern die Autoren. Für IL-17-Blocker wird vermutet, dass sie die Wirkstoffe die anormale Immunantwort bei Covid-19 und die Sterblichkeit an Atemnot verbessern könnten. [Quelle] Verwiesen wird auch auf Studien, wonach Patienten während einer Cosentyx-Therapie eine gute Reaktion auf Grippe-Impfstoffe zeigen. Das zeige, dass die Antwort des Immunsystems auf Viren auch bei IL-17-Blockern noch korrekt funktioniere. [Quellen 3 und 4] Im Deutschen Ärzteblatt vom September 2020 wird über zwei Studien berichtet. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass eine Psoriasis-Therapie, die das Immunsystem moduliert, sogar nützlich sein kann. Der Grund: Sie mildert bei Covid-19 die Folgen der Infektion ab.
      Erfahrungen aus der Psoriasis-Community
      In unserer Community und auf unserer Facebook-Seite wird – wie überall im Netz – über den Umgang mit dem Coronavirus diskutiert. Wir wollten wissen, welche Antworten Betroffene von ihren Ärzte bekommen haben, wenn sie nach dem Umgang mit dem Coronavirus gefragt haben. Hier eine Auswahl:
      Gute Informationen zum Coronavirus
      Psoriasis (Arthritis) und Corona - eine aktualisierte Zusammenfassung der Informationen für Betroffene vom Psoriasis Forum Berlin. Entscheidungshilfe der Charité, ob man zur Untersuchung gehen sollte und ob ein Test sinnvoll ist (vor allem am Smartphone gut nutzbar) Übersichtsseite des Robert-Koch-Instituts mit Verweisen auf viele Quellen Fragen und Antworten des RKI Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf Tägliches Update des Virologen Christian Drosten im NDR-Podcast (und hier die Folgen als Manuskript zum Nachlesen) Wenn deine Psyche wegen Covid-19 leidet
      Der Berliner "Tagesspiegel" hat in diesem Artikel gut erklärt, warum Angst okay ist, Panik aber nicht. Und wie man damit umgeht.
      Die Helios Kliniken haben eine deutschlandweite Hotline für Fragen zum Corona-Virus gestartet. Seit einigen Tagen sitzen an den Telefonen nun mehr Psychologen. Erreichbar ist die Hotline unter (0800) 8 123 456.
      Ein Kurzprogramm zur Selbstanwendung von verhaltenstherapeutischen Interventionen haben die Psychotherapeutin Marie Bartholomäus und der Psychiater Professor Leonhard Schilbach zusammengestellt. Das kann jeder als PDF herunterladen und für sich durcharbeiten.
      Die Asklepios-Klinik bietet jetzt Online-Selbsthilfetrainings für alle kostenlos an. Es gibt fünf Module: "Achtsamkeit", "Dankbarkeit", "Mehr Entspannung", "Was ist Stress?" und "Weniger grübeln". Das Ganze gibt es als Angebot für den Computer und als App.
      Diverse Anbieter haben ihre oft kostenpflichtigen Online-Programme jetzt kostenlos freigegeben. Weil wir sie seit Jahren auf dem Schirm haben, können wir zum Beispiel Selfapy und HelloBetter als seriös empfehlen. Oft haben Krankenkassen solche Kurse auch im Angebot. Deshalb lohnt sich eine Suche auf der Internetseite Eurer Krankenkasse.
      Der Corona-mat spuckt Antworten auf oder Ideen für diverse Alltagsprobleme in Corona-Zeiten aus.
    • Alex H.
      By Alex H.
      ... ich bin der Alex und neu bei euch gelandet.

      Ich möchte euch an dieser Stelle von meiner Pso berichten und hoffe hier vielleicht etwas neuen Mut, Zuspruch und den ein oder anderen guten Tipp zur Behandlung bzw. bekämpfung der Krankheit mitnehmen zu können.

      Vorab möchte ich mich kurz entschuldigen, falls ich mich in dem Text überschlagen oder wiederholen sollte oder auch etwas auslasse. Evtl trage ich es nach, wenn es mir wieder einfällt. Ich versuche den Verlauf auf die Schnelle nach bestem Wissen wiederzugeben.

      Zunächst möchte ich euch kurz von mir erzählen. Ich bin der Alex, 20 Jahre alt, komme aus dem Ruhrgebiet und mache z.zT. eine Ausbildung bei der Bahn.
      Ich bin nebenbei noch bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig, bin ein Hobbyautoschrauber, Motorhead, Fotograf und ein Zocker
      Eigentlich ein sehr lebensfroher und lustiger Mensch gab es in den letzten zwei Jahren bei mir viele Tiefschläge, die meine Art mehr und mehr Richtung Zyniker gewandelt haben.
      So hat mich meine Freundin vor 1 3/4 Jahren etwas grundlos verlassen, ein sehr guter Freund ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen und viele Freunde sind verloren gegangen (weil weggezogen oder aus den Augen verloren) Habe in der Zeit viel getrunken und auch angefangen zu Rauchen.

      Als jemand der sich nicht so leicht unterkriegen lässt habe ich auch einfach weitergelebt und es gab auch wieder gute Zeiten. Doch seit etwa einem halben Jahr ist bei mir die Pso ausgebrochen.
      Zunächst konnte ich mit der geröteten Haut an den Ellenbogen nichts anfangen und habe mir auch nichts weiter dabei gedacht. Dass auch der Genitalbereich mit Pso betroffen ist, konnte ich mir damals auch nicht herleiten. Selbst als dort einzelne Stellen etwas "verkrustet" gewirkt haben, bzw die Haut im Genitalbereich einriss, habe ich mir dabei noch nichts gedacht (wusste ja nicht, was das sein soll) und habe es (bei den Ellenbogen ) eher auf mechanische Belastung durch Feuerwehr oder das Schrauben am Auto geschoben. Also Bepanthen genommen und immer schön eingeschmiert. Stutzig wurde ich, als die Stellen nach 4 Wochen immer noch nicht "verheilt" waren und sich Schuppen bildeten. Jedoch habe ich bedingt dadurch, dass ich immer denke, ich sei gesund, den Besuch beim Arzt auf die lange Bank geschoben. Aber nachdem meine familie mich mehrmals darauf hingewiesen hatte, was das denn da am Arm sei, bin ich doch zum Hausarzt gegangen. Der gab mir eine Überweisung für einen seiner Meinung nach guten Hautarzt. Einen Termin gabs natürlich erst 6 Wochen nach dem Telefonat. Das war dann so Ende Juli. Dort stellte mir der Arzt relativ schnell die Diagnose "Schuppenflechte" und verschrieb mir Psorcutan in einer relativ niedrigen Konzentration. (Nach meinem heutigen Wissen kann ich sagen, die Stellen sahen echt sch****e aus, da hätte definitiv was anderes hergemusst).

      Aber immer noch guter Dinge probierte ich die Creme aus. Doch auch nach ein paar Wochen war keine Besserung in Sicht, auch im Genitalbereich gab es keine Besserung. Also wieder einen Termin gemacht, wieder vergangen 4 Wochen bis Ende August Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Pso bei uns in der Familie wohl vererbt ist. (Oma hat sie, Mutter hat sie) Allerdings haben die beiden nur kleine Stellen am Hinterkopf, die betroffen sind. Pso in diesem Ausmaß war ihnen nicht bekannt.

      Dieser nächste Termin war für mich sehr niederschmetternd und hat für mich persönlich Nachwirkungen bis heute.
      Nachdem ich pünktlich da war, musste ich 2 Stunden warten um dann ein Gespräch von 2 Minuten mit dem Arzt zu führen, welches mehr ein Vortrag seinerseits war.
      Er erklärte mir, die Pso sei nicht heilbar, ich könne vielleicht versuchen meine Ernährung umzustellen und solle versuchen Stress zu vermeiden. Außerdem solle ich lernen, mit der Krankheit zu leben. Er könne mir nochmals die Salbe aufschreiben, aber wenn das eh nichts gebracht hätte, würde das auch keinen Sinn machen.
      Auf Wiedersehen.

      MIt dieser Nachricht begab ich mich dann nach Hause und war und bin immer noch frustriert, so von einem angeblich so guten Hautarzt behandelt worden zu sein.
      Ich sehe ja ein, dass die Pso eine schwierige Krankheit ist, aber gerade als junger Mensch, der auf sein Aussehen achten möchte und bei dem auch auf das Aussehen geachtet wird, gerade wenn er wieder eine Freundin haben möchte, ist das halt schwierig. Natürlich kommt es auf solche Aüßerlichkeiten nicht an, aber erklär das mal den Mädels in meinem Alter, dass du Pso hast. Und dann noch im Genitalbereich. Jackpot.

      Nunja, die Wochen vergingen und es hat sich nichts geändert, ganz im Gegenteil, es wurde schlimmer. Seit etwa 6-8 Wochen ist auch der Kopf, die Ohren, der After, einzelne Punkte am ganzen Körper und in Ansätzen das Gesicht betroffen. Nachdem ich herausgefunden habe, dass ja wohl Sonne und Licht ganz gut sein sollen, habe ich mir gedacht, dass mein Cabrio mich im Sommer vielleicht "gerettet" hat, da ich sehr viel offen unterwegs war und das den Schub vllt. an diesen Stellen unterdrückt hatte. Ich habe verschiedene Cremes ausprobiert, u.A. Physiogel Creme, Linola Salbe und seit vorgestern Solventol Hydrocort. Letzteres scheint wohl zumindest im Genitalbereich leichte WIrkung zu zeigen, aber ich warte wie es sich entwickelt, denn auch die Physiogel Creme brachte erst Besserung die dann aber schlagartig stagnierte. Ich habe auch extra das Linola Shampoo und die Waschlotion, Status unverändert. Außerdem noch die mildeen med Soletinktur. Nichts davon brachte bis jetzt merklichen Erfolg.
      Die Stellen am Ellenbogen und am Körper sind noch die angenehmsten, die jucken wenigstens nicht. Doch am Kopf ist es ganz schlimm. Es juckt, schuppt und ist rot! Die Soletinktur brennt nur wie Zunder und das Shampoo bringt auch nichts irgendwie. Einmal hab ichs mit Olivenöl probiert, sah auch ganz gut aus nach dem Einwirken über nacht und dem waschen, aber schon am nächsten Abend sahs aus wie vorher.
      Im Genitalbereich kämpfe ich ebenfalls mit übelem Juckreiz, sowie richtigen Einrissen in der Haut. Diese werden aber seit vorgestern durch die Solventol Creme erträglicher und scheinen zurückzugehen.

      Eine Bekannte gab mir einen Tipp, wo noch ein guter Arzt zu finden sein soll. Einen Termin dort habe ich am 29.10. und hoffe es kommt etwas neues heraus, denn im Moment ist die Situation eher unerträglich. Ich traue mich nicht zum Frisör zu gehen, habe mir vorne die Haare etwas selbst geschnitten, damit es irgendwie geht. Ich muss aufpassen, dass nicht überall Schuppen herumfliegen, sieht ja auch nicht schön aus. Die Stellen am bzw im Ohr sieht man z.zT. durch die längeren Haare nicht, ist vllt auch ganz gut so. Da es wieder kälter wird und man längere Sachen tragen muss ist es ganz gut, dass die Stellen am Ellenbogen bedeckt sind, sieht auch nicht schön aus. Und da ich ja auch gerade keine Freundin habe, ist die Sexualität auch nicht so das Thema. Aber falls sich da doch mal etwas ergibt, wird es natürlich spätestens dann sehr unangenehm.


      Meine Fragen die ich jetzt habe klingen vielleicht etwas profan, aber ich habe so viele verschiedene Meinungen gehört, dass mich das doch verunsichert hat.

      - Kann man die Pso so in den Griff bekommen, dass sie zumindest im Genitalbereich und auf dem Kopf verschwindet oder so zurückgeht, dass vllt. nur eine Rötung zurückbleibt?
      - Habt ihr einen Tipp, welche Creme ich akut, also noch vor dem Termin nehmen könnte (rezeptfrei halt, außer Solventol)
      - Gibt es einen guten Trick, wie ich den Juckreiz auf dem Kopf stillen und die Schuppen reduzieren kann?
      - Soll ich die Haare kürzer schneiden lassen, fördert das evtl die Heilung oder ist das eigentlich egal? (Habe Angst, dass man die Stellen auf der Kopfhaut sonst so gut sieht)
      - Die Ohren sind als Brillenträger empfindlich, da die Bügel immer aufliegen, jemand gute Ideen oder Erfahrungen wie man damit umgeht?
      - WIe trage ich die Creme im Genitalereich am besten auf, sodass sie auch da bleibt wo sie hingehört? Mull drüber oder wie kann man das lösen?

      Das ist alles, was mir gerade so einfällt, ich hoffe ich überrenne euch nicht zu sehr.

      Bitte zögert auch nicht, fragen zu stellen, ich möchte mich daran beteilligen, erfahrungen zu sammeln und zu tauschen!

      Einen schönen Abend noch
      Alex

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