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Lieblingsgedichte!

Ich liebe und sammele seit meiner Kindheit Gedichte; dieses begleitet mich jeden Tag:

Die Schotterblume

Eine weisse Blume, ganz klein und zart,

wächst aus dem Schotter hervor,

aus dem Geröll

und streckt sich der Sonne entgegen.

Ich stehe davor, ganz ergriffen,

denk an mein Leben und wünsche mir,

vor allen Dingen, dass uns das gleiche

wie dieser Blume möge gelingen.

Würde mich freuen, meine Sammelung erweitern zu können.

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Zum Thema Elfen habe ich auch ein Gedicht von E. Mörike gefunden:

Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe!

Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -

wohl um die Elfe!

Und meint, es rief ihm aus dem Tal

bei seinem Namen die Nachtigall,

oder Silpelit hätt' ihm gerufen.

Reibt sich der Elf' die Augen aus,

begibt sich vor sein Schneckenhaus

und ist wie ein trunken Mann,

sein Schläflein war nicht voll getan,

und humpelt also tippe tapp

durch's Haselholz in's Tal hinab,

schlupft an der Mauer hin so dicht,

da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.

"Was sind das helle Fensterlein?

Da drin wird eine Hochzeit sein:

die Kleinen sitzen beim Mahle,

und treiben's in dem Saale.

Da guck' ich wohl ein wenig 'nein!"

-Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!

Elfe, gelt, du hast genug?

Gukuk! Gukuk!

Wer das Gedicht "Elfenlied" gelesen hat, ist vielleicht, wie ich, über den Namen "Silpelit" gestolpert. Der hat jedoch absolut nichts mit den Animes zu tun. Eine eindeutige Erklärung habe ich unter folgendem Link gefunden. Dort wird der Name unter "Gedicht des Monats Juni 2009" erklärt.

Es ist nicht mein Lieblingsgedicht, ich bin nur gerade darauf gestoßen als ich nach der Bio Energestischenbehandlung gesucht habe.

Es regt zum Nachdenken an.

Gruß

Margitta :D

Willst du die Augen heilen,

so mußt du den Kopf behandeln.

Aber der Kopf ist nicht krank,

ohne daß der Körper zu leiden begann vor ihm.

Aber willst du den Körper behandeln,

so mußt du vorher die Seele heilen.

Körper und Seele sind eins

und jener erkrankt und heilt nicht ohne diese.

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7693.attach

Tauwetter jetzt, so dass ich heute

am Fenster lange–lange stand.

Nüchtern der Blick, ich atme freier,

besänftigt wieder, nach dem Brand.

Ich weiß gar nicht warum. Die Seele

ist jetzt ganz einfach abgespannt,

nicht mal den Bleistift, den Rebellen,

möcht ich berühren mit der Hand.

So stand ich denn – fast wie im Nebel –

so weit von Gut und Böse, dass

ich mit dem Finger sachte trommle

ans kaum erklirrende Fensterglas.

Die Seele schlechter nicht, nicht besser

als der Erstbeste, der da tappt –

als schillernd alle Perlmutt-Pfützen

in die der Himmel sich verschwappt,

als der vorüberfliegende Vogel

oder der letzte Hund, verirrt.

Nicht mal die Sängerin, die bettelt,

hat mich zu Tränen jetzt gerührt.

Die liebe Kunst namens Vergessen

hat sich die Seele eingesaugt.

Und ein Gefühl, irgendein großes,

hat heute tief in mir getaut.

(Marina Zwetajewa)

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Segelfahrt

Nun sänftigt sich die Seele wieder

und atmet mit dem blauen Tag,

und durch die auferstandnen Glieder

pocht firschen Bluts erstarkter Schlag.

Wir sitzen plaudernd Seit an Steite

und fühlen unser Herz vereint;

gewaltig strebt das Boot ins Weite,

und wir, wir ahnen, was es meint.

Christian Morgenstern

Schönen Gruß vom Deichkäpten

Up de eensame Hallig v. Detlev von Liliencron

Min Mann is weg,

de See geit holl,

min Kind is krank,

keen Minsch to Hülp.

Ick bün alleen.

De Mann is dor,

dat Kind is dod,

nu ligt int Hus

de kranke Fru.

Se sünd alleen.

Keen Doctor neech,

keen Minsch to Hülp.

De lüttje Fru

is bi ehr Kind.

He is alleen.

Trutz, blanke Hans

Detlev von Liliencron

Heut bin ich über Rungholt gefahren,

die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren.

Noch schlagen die Wellen da wild und empört,

wie damals, als sie die Marschen zerstört.

Die Maschine des Dampfers zitterte, stöhnte,

aus den Wassern rief es unheimlich und höhnte:

Trutz, blanke Hans.

Von der Nordsee, der Mordsee, vom Festland geschieden,

liegen die friesischen Inseln im Frieden.

Und Zeugen weltenvernichtender Wut,

taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut.

Die Möwe zankt schon auf wachsenden Watten,

der Seehund sonnt sich auf sandigen Platten.

Trutz, blanke Hans.

Im Ozean, mitten, schläft bis zur Stunde

ein Ungeheuer, tief auf dem Grunde.

Sein Haupt ruht dicht vor Englands Strand,

die Schwanzflosse spielt bei Brasiliens Sand.

Es zieht, sechs Stunden, den Atem nach innen,

und treibt ihn, sechs Stunden, wieder von hinnen.

Trutz, blanke Hans.

Doch einmal in jedem Jahrhundert entlassen

die Kiemen gewaltige Wassermassen.

Dann holt das Untier tiefer Atem ein

und peitscht die Wellen und schläft wieder ein.

Viel tausend Menschen im Nordland ertrinken,

viel reiche Länder und Städte versinken.

Trutz, blanke Hans.

Rungholt ist reich und wird immer reicher,

kein Korn mehr faßt selbst der größte Speicher.

Wie zur Blütezeit im alten Rom

staut hier täglich der Menschenstrom.

Die Sänften tragen Syrer und Mohren,

mit Goldblech und Flitter in Nasen und Ohren.

Trutz, blanke Hans.

Auf allen Märkten, auf allen Gassen

lärmende Leute, betrunkene Massen.

Sie ziehn am Abend hinaus auf den Deich:

"Wir trutzen dir, blanker Hans, Nordseeteich!"

Und wie sie drohend die Fäuste ballen,

zieht leis aus dem Schlamm der Krake die Krallen.

Trutz, blanke Hans.

Die Wasser ebben, die Vögel ruhen,

der liebe Gott geht auf leisesten Schuhen.

Der Mond zieht am Himmel gelassen die Bahn,

belächelt der protzigen Rungholter Wahn.

Von Brasilien glänzt bis zu Norwegs Riffen

das Meer wie schlafender Stahl, der geschliffen.

Trutz, blanke Hans.

Und überall Friede, im Meer, in den Landen.

Plötzlich wie Ruf eines Raubtiers in Banden:

Das Scheusal wälzte sich, atmete tief

und schloß die Augen wieder und schlief.

Und rauschende, schwarze, langmähnige Wogen

kommen wie rasende Rosse geflogen.

Trutz, blanke Hans.

Ein einziger Schrei - die Stadt ist versunken,

und Hunderttausende sind ertrunken.

Wo gestern noch Lärm und lustiger Tisch,

schwamm andern Tags der stumme Fisch.

Heut bin ich über Rungholt gefahren,

die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren.

Trutz, blanke Hans?

Klasse Uwe! Ob`s Rungholt wirklich gab?

Trutz blanke Hans! ;)

Hier noch eins von Mascha Koleko:

Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.

Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,

scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,

wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.

Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,

mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum.

So weht wohl auch die Landschaft unsres Lebens

an uns vorbei zu einem andern Stern

und ist im Nahekommen uns schon fern.

Sie anzuhalten suchen wir vergebens

und wissen wohl, dies alles ist nur Trug.

Die Landschaft bleibt, indessen unser Zug

zurücklegt die ihm zugemessnen Meilen.

Die Zeit steht still. Wir sind es, die enteilen.

Freundschaft

Der Freund, der mir den Spiegel zeiget,

Den kleinsten Flecken nicht verschweiget,

Mich freundlich warnt, mich ernstlich schilt,

Wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt:

Der ist mein Freund,

So wenig er es scheint.

Doch der, der mich stets schmeichelnd preiset,

Mir Alles lobt und nichts verweiset,

Zu Fehlern gern die Hände beut

Und mir vergibt, eh' ich bereut:

Der ist mein Feind,

So freundlich er auch scheint.

Christian Fürchtegott Gellert

Klasse Uwe! Ob`s Rungholt wirklich gab?

Trutz blanke Hans! :P

Gab es! Guckst du Hier

Im Watt lassen sich noch heute Siedlungsreste finden.

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Auf einer Blume, rot und brennend, saß

Ein Schmetterling, der ihren Honig sog,

Und sich in seiner Wollust so vergaß,

Daß er vor mir nicht einmal weiterflog.

Ich wollte sehn, wie süß die Blume war,

Und brach sie ab: er blieb an seinem Ort;

Ich flocht sie der Geliebten in das Haar:

Er sog, wie aufgelöst in Wonne, fort!

F. Hebbel

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September

September, er wills mit der ganzen Kraft,

Dem störrischen Hochmut, der Leidenschaft,

Das Fliehende will er noch halten.

Doch hüpfen die Apfel vom Baum ihm fort,

Die Goldbirnen stürzen, das Gras verdorrt,

Die Flüsse und Weiher erkalten.

Die Wolken sind auch so weiß nicht mehr,

Und Pilzgeruch bringen die Nebel her,

Auf regenfeucht schleppenden Füßen.

Den Brombeersucher, den mag er nicht,

Drum schärft er den Dolch, der die Hand zersticht,

Die Gier soll der Räuber nur büßen.

Nur manchmal, am Mittag, im weißen Glast,

Da tut er, als wär er der Sommer fast,

Da fühlt er sich noch wie ein Junger.

Da hat er noch Gold und ein Knabenherz,

Und treibt mit der Muhme, der Schlange, Scherz,

Und gibt ihr die Maus für den Hunger.

Nie schrie dann im Hof so verliebt der Hahn,

Es fangen die Blumen zu brennen an,

In Feuer stehen ringsum die Gärten.

Jetzt sammelt im Wein sich süß die Glut,

Drum hebt der Winzer voll Dank den Hut,

Vor ihm, den sie immer verehren.

Doch nach einer regendurchtobten Nacht,

Scheel sieht er die nasse, vergilbte Pracht,

Zerrauft und wie Besen und Schober.

Da weiß er, nun gilt es nach Hause zu gehen,

Und ohne sich noch einmal sich umzusehen,

Uberläßt er die Welt dem Oktober.

Georg Britting

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Heinrich Heine

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

"Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten;

Wir haben vergebens gehofft und geharrt,

Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen,

Der den letzten Groschen von uns erpreßt

Und uns wie Hunde erschießen läßt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wo nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -

Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht -

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!"

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Wilhelm Busch

Hund und Katze

Mietzel eine schlaue Katze,

Molly ein begabter Hund

Wohnhaft an dem selben Platze

Haßten sich aus Herzensgrund

Schon der Außdruck ihrer Mienen,

Bei gesträubter Haarfrisur

Zeigt es deutlich.Zwischen ihnen

Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Mietzel in dem Baume

Wo sie meistens hin entwich

Friedlich dasitzt wie im Traume

Dann ist Molly außer sich

Beide lebten in der Scheune

Die gefüllt mit frischem Heu

Alle beiden hatten Kleine

Molly zwei und Mietzel drei

Einst zur Jagd ging Mietzel wieder

Auf das Feld.Da geht es bumm

Der herr Förster schoß sie nieder

Ihre Lebenszeit ist um

Oh, wie jämmerlich miauen

Die drei Kinderchen daheim

Molly eilt,sie zu beschauen

Und ihr Herz geht aus dem Leim

Und sie trägt sie kurz entschlossen

Zu der eignen Lagerstatt

Wo sie nunmehr fünf Genossen

An der Brust zu Gaste hat

Mensch mit traurigen Gesichte

Sprich nicht nur von Leid und Streit

Selbst in Brehms Naturgeschichte

Findet sich Barmherzigkeit

Habe noch ein schönes Gedicht von Eugen Roth gefunden.

diese abteilung mag ich sehr,und viele Gedichte die ich von euch allen gele-

sen habe gehen mir unter die Haut Danke

so nun mein Beitrag

Herz

Leicht fiel`das Herz uns in die Hosen,

Würd es nicht auf das Zwerchfell stoßen.

Gefährlich gar in unsren Tagen,

Ists,auf der Zunge es zu tragen.

Man lasse es noch bestenfalls,

Aus Angst wohl klopfen bis zum Hals

Und nehms,wenn man das nötig fände

Mit Vorsicht fest in beide Hände

Doch hat dies alles wenig Zweck;

Man laß es auf dem rechten Fleck !

Die Gedichte von Eugen Roth finde ich sehr gut, die von Otto Reutter ziemlich lustig! :)

Otto Reutter (1870-1931)

Der Blusenkauf

Wenn Frau'n was kaufen, geht das flink,

ich weiß, wie's meinem Freund erging,

der, jung vermählt, wollt in der Früh

mal ins Büro, da sagte sie:

"Lass mich ein Stückchen mit dir gehen" -

dann blieb sie vor ´nem Laden stehn.

"Komm, gib mir's Geld - bin gleich zurück,

es dauert nur ´nen Augenblick.

Bleib draußen", sprach Frau Suse,

"ich kauf mir bloß ´ne Bluse."

Nun geht sie rein - "´nen Augenblick".

Ihr Mann, sehr heiter, bleibt zurück. -

Er freut sich - ´s Wetter ist sehr schön,,

sieht Kinder, die zur Schule gehen. -

Und sie sagt drinnen zur Mamsell:

"´ne blaue Bluse, aber schnell!"

Nun schleppt man alle blauen rein,

und nach ´ner Stunde sagt sie: "Nein,

ich finde keine nette,

ich möchte ´ne violette."

Nun packt man violette aus.

Ihr Mann, geduldig, steht vorm Haus.,

denkt: "Ziemlich lange währt so'n Kauf",

geht auf und ab - und ab und auf -

und sie sagt drinnen: "Das ist nett!

Wie kam ich nur auf violett?

Da fällt mir ein, Frau Doktor Schmidt

geht immer mit der Mode mit -

und die trägt jetzt ´ne gelbe.

Ach, geb'n Sie mir dieselbe."

Nun packt man alle gelben aus.

Ihr Mann wird hungrig vor dem Haus.

Der Mittag naht - die Sonne sticht,

die Kinder komm'n vom Unterricht. -

Und sie sucht drin und sagt alsdann:

Was geht Frau Doktor Schmidt mich an!

Wie kam ich auf ´ne gelbe nur?

Es wird ja Frühling, die Natur

zeigt frohe Hoffnungsmiene,

ach, geb'n Sie mir ´ne grüne."

Nun packt man alle grünen aus.

Ihr Mann wird matt und seufzt vorm Haus:

"Gern kauft' ich ´ne Zigarre mir,

jedoch das Geld, das ist bei ihr-" -

Und sie sagt drin: "Beim Sonnenschein,

da wird das Grün zu dunkel sein." -

Da schaut er rein. "Mein Portemonnaie."

Sie sagt: "´nen Augenblick noch. Geh!

Ich bin ja gleich zur Stelle. -

Ach, geb'n Sie mir ´ne helle."

Nun packt man alls hellen aus.

Da gibt's ein Ungewitter drauß:

Es regnet bis zum Abendbrot -

und sie sagt drinnen zur Mamsell:

"So'n Wetter heut - und dazu hell?

Und übberhaupt, wir haben bald

April, da wird's oft nass und kalt,

dann bin ich die Blamierte.

Ach, geb'n Se ´ne karierte."

Nun packt man die karierten aus -

und er stöhnt, frei nach Goethe, drauß:

"Was ewig weiblich, zieht uns an.

Das Weib, das zieht sich ewig an." -

Und sie probt drin und sagt entsetzt:

"Was - Nummer vierundvierzig jetzt?

Nicht zweiundvierzig, schlank und schick?

Dann nichts Kariertes - das macht dick",

ihr Blick zur Taille scchweifte.

"Dann geb'n Sie ´ne gestreifte."

Nun packt man die gestreiften aus.

Ihr Mann, der wankt und röchelt drauß:

"Ein Augenblick!" Das war ihr Wort! -

Dann fällt er um - man trägt ihn fort. -

Da kommt sie mit ´ner roten raus.

"Hier bin ich schon", ruft froh sie aus -

und schreit: "Mein Mann!! Mein einz'ges Glück!

Gott, ist er tot? - Ein Augenblick!"

Und in den Laden starrt se:

"Dann geb'n Sie mir ´ne schwarze."

Ebenfalls sehr humorvoll: August Kopisch

Die Büsumer

Die Büsumer wohnen am Meeresstrand

Und sind für kluge Leute bekannt,

Nur treiben sie die Bescheidenheit

In manchem Stücke gar zu weit.

Des einen Sonntags ihrer neun

Schwimmen sie weit in die See hinein.

Auf einmal, wie das Meer so schwankst,

Wird einem um die andern Angst,

Und zählt sie alle: Eins, zwei, drei,

Bis acht - und läßt sich aus dabei,

Denn er ist echtes Büsumer Kind,

Die immer so bescheiden sind.

Ein zweiter probierts, zählt: Eins, zwei, drei,

Bis acht - und vergißt sich auch dabei.

Da schwimmen sie alle bestürzt ans Land,

Wo eben ein kluger Fremder stand.

Dem klagten sie jammernd ihre Not

Und sagten: Von uns ist einer tot!

Und wußten nicht, welcher ertrunken sei!

Und jammern und zählen immer aufs neu,

Und finden immer nur wieder acht,

Weil jeder bescheiden an sich nicht gedacht.

Der Fremde sprach: Bescheidenheit

Führt euch, ihr guten Leute, zu weit,

Steck jeder die Nas in den Sand einmal,

Und zählt die Tupfen, so habt ihr die Zahl.

Sie folgten dem Fremden, da zählten sie - neun!

Und luden vor Freud ihn zum Frühstück ein.

Eva Strittmatter

September II

September ist der Sehnsuchtsmonat

Mit Fernendunst in frühen Licht.

Das Leben wird schmerzlicher fühlbar:

Summe von Säumnis und Verzicht.

September ist der Täuschungsmonat.

Das alles noch einmal beginnt.

Verwirrung wie vor einem Frühling.

Und wir: als ob wir ewig sind.

Wir gehn durch Silber und durch Bläue.

Und fast verwandelt von der Luft,

Die lind ist wie die Luft der Ferne

Und wie gewürzt vom Bitterduft

Der Nüsse und nur hin und wieder

von einer Rose aufgerührt.

September - Mond der Tagessterne.

Im Taugekräut. Wie scharf man spürt

An solchen Morgen: alles wissen.

Noch Mensch sein und schon nicht mehr jung.

Erinnrung ist in unsren Küssen

In jedem Wort: Erinnerung.

All unser Leben ist seit langem

Ein dreigefädelter Gesang.

Hoffnung und Sehnsucht zirpen zaghaft.

Von der Erinnrung kommt der Klang.

Die vollen und die tiefen Töne

Kommen von dem, was mit uns war.

Doch im September glänzt das Schöne

Noch einmal uns auf Haupt und Haar.

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Der Sturm spielt auf zum Tanze

Der Sturm spielt auf zum Tanze,

Er pfeift und saust und brüllt;

Heisa! wie springt das Schifflein!

Die Nacht ist lustig und wild.

Ein lebendes Wassergebirge

Bildet die tosende See;

Hier gähne ein schwarzer Abgrund,

Dort türmt es sich weiß in die Höh'.

Ein Fluchen, Erbrechen und Beten

Schallt aus der Kajüte heraus;

Ich halte mich fest am Mastbaum

Und wünsche: Wär ich zu Haus.

Heinrich Heine

Ein Traum

O Traum, der mich entzücket!

Was hab ich nicht erblicket!

Ich warf die müden Glieder

In einem Tale nieder,

Wo einen Teich, der silbern floss,

Ein schattigtes Gebüsch umschloss.

Da sah ich durch die Sträuche

Mein Mädchen bei dem Teiche.

Das hatte sich zum Baden,

Der Kleider meist entladen,

Bis auf ein untreu weiß Gewand,

Das keinem Lüftchen widerstand.

Der freie Busen lachte,

Den Jugend reizend machte.

Mein Blick blieb sehnend stehen

Bei diesen regen Höhen,

Wo Zephyr unter Lilien blies

Und sich die Wollust greifen ließ.

Sie fing nun an, o Freuden!

Sich vollends auszukleiden;

Doch, ach! indems geschiehet,

Erwach ich und sie fliehet.

O schlief ich doch von neuem ein!

Nun wird sie wohl im Wasser sein.

Johann Peter Uz

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Vollmond

Er sieht uns ständig zu beim leben, doch allen ist es nicht bewußt. Er steuert es,wie wir uns geben, mal ist es Freude,dann ist`s Frust. Er ist so unsagbar weit fern, und doch spüre ich seine Macht. Die Atmosphäre hab ich gern, es ist so hell und doch ist Nacht. Sein unheilvolles weißes Licht, läßt hinter jedem Baum was ahnen. Bin froh,erscheint der Geist dann nicht und hör doch Stimmen die mich warnen. Wie wundersam sind Vollmondnächte, wenn Du allein bist,nicht zu zwei`n. Der Sturm bewegt die Stoffgeflechte, ein Schauer geht durch Mark und Bein. In weiter ferne hörst Du Katzen, ihr unheimlich verzerrtes Schrein. Am Fenster meinst Du,siehst Du Fratzen und hoffst,das niemand kommt herein. Die Kerze durch einen Hauch erlischt, durch`s Fenster scheint der volle Mond. Es kommt Dir vor,als wär`s verwischt, dein Heim,das Du sonst bist gewohnt. Ein herrliches Gefühl der Angst, läßt Dein Herz merklich schneller schlagen. Wovor hat es mir so gebangt, wirst Du am nächsten Tag Dich fragen.

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